Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for Januar, 2015

Rheinfalz| Micha Brumlik; „Es geht um staatsbürgerliche Verantwortung“

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INTERVIEW: Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik über das Gedenken an Auschwitz

„70 Jahre nach Auschwitz: Aufgaben für Bildung in Universität und Schule“ – so lautet der Titel eines Vortrags von Micha Brumlik morgen in Landau. Der Erziehungswissenschaftler wurde 1947 als Sohn jüdischer Flüchtlinge in der Schweiz geboren und wuchs in Frankfurt auf. Später leitete er dort das renommierte Fritz-Bauer-Institut, ein Zentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Heute lehrt er am Zentrum jüdische Studien in Berlin. Mit ihm sprach Ilja Tüchter.

Herr Professor Brumlik, wann waren Sie das letzte Mal in Oswiecim? (Überlegt kurz.)

1989, im September.

Das war das einzige Mal? Ja, das erste und bisher einzige.

Wieso? Das hat keinen tieferen Grund. Es gibt nichts, was mich noch einmal dort hingezogen hätte. Entscheidend ist, sich mit der politischen und moralischen Deutung des Holocaust auseinanderzusetzen. Und das habe ich, meine ich, im Laufe meines Lebens ausgiebig getan.

Daran besteht kein Zweifel. Ich stelle die Frage, weil es ja auch den Begriff des KZ-Tourismus gibt, die Kritik, dass solche Besuche auch oberflächlich sein können.

Ganz klar. Solche Reisen erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn sie erstens sehr, sehr gut vorbereitet und zweitens sehr, sehr gut nachbereitet werden. Wenn man nur ein paar Gebäude anschaut, kann man es auch gleich lassen.

Wann haben Sie das erste Mal vom Holocaust erfahren?

Ansatzweise als Kind aus den Erzählungen meiner Mutter, die einen großen Teil ihrer Angehörigen verloren hatte. Später dann auch durch meine Erziehung in der zionistischen Jugendbewegung.

Und in der Schule? Sie sind in Frankfurt aufgewachsen.

weiter hier: MichaBrumlikInterviewRheinfalz

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Januar 28th, 2015 at 9:39 am

70 Jahre nach Auschwitz – 27. Januar 2015

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Holocaust-gedenktag-2_01

 

Teilnehmer der Pressekonferenz am 26. Januar 2009 in Berlin

Im Wortlaut: „Vermächtnis der Überlebenden“

Erinnerung bewahren – authentische Orte erhalten – Verantwortung übernehmen

Wir, die Unterzeichnenden, Überlebende der deutschen Konzentrationslager, Frauen und Männer, vertreten Internationale Häftlingskomitees der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos. Wir gedenken unserer ermordeten Familien und der Millionen Opfer, die an diesen Orten der Asche getötet wurden. Ihre Verfolgung und Ermordung aus rassischen, politischen, religiösen, sozialen, biologischen und ökonomischen Gründen und ein verbrecherischer Krieg haben die Welt an den Rand des Abgrunds geführt und eine schreckliche Bilanz hinterlassen.

Nach unserer Befreiung schworen wir eine neue Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen: Wir haben uns engagiert, um eine Wiederkehr dieser unvergleichlichen Verbrechen zu verhindern. Zeitlebens haben wir Zeugnis abgelegt, zeitlebens waren wir darum bemüht, junge Menschen über unsere Erlebnisse und Erfahrungen und deren Ursachen zu informieren.

Gerade deshalb schmerzt und empört es uns sehr, heute feststellen zu müssen: Die Welt hat zu wenig aus unserer Geschichte gelernt. Gerade deshalb müssen Erinnerung und Gedenken weiterhin gleichermaßen Aufgabe der Bürger und der Staaten sein.

Die ehemaligen Lager sind heute steinerne Zeugen: Sie sind Tatorte, internationale Friedhöfe, Museen und Orte des Lernens. Sie sind Beweise gegen Verleugnung und Verharmlosung und müssen auf Dauer erhalten werden. Sie sind Orte der wissenschaftlichen Forschung und des pädagogischen Engagements. Die pädagogische Betreuung der Besucher muss ausreichend gewährleistet sein.

Die unvergleichlichen Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten – erinnert werden muss in diesem Zusammenhang vor allem an den Holocaust – geschahen in deutscher Verantwortung. Deutschland hat viel zur Aufarbeitung seiner Geschichte getan. Wir erwarten, dass die Bundesrepublik und ihre Bürger auch in Zukunft ihrer Verantwortung in besonderem Maße gerecht werden.

Aber auch Europa hat seine Aufgabe: Anstatt unsere Ideale für Demokratie, Frieden, Toleranz, Selbstbestimmung und Menschenrechte durchzusetzen, wird Geschichte nicht selten benutzt, um zwischen Menschen, Gruppen und Völkern Zwietracht zu säen. Wir wenden uns dagegen, dass Schuld gegeneinander aufgerechnet, Erfahrungen von Leid hierarchisiert, Opfer miteinander in Konkurrenz gebracht und historische Phasen miteinander vermischt werden. Daher bekräftigen wir den von der ehemaligen Präsidentin des Europäischen Parlaments und Auschwitz-Überlebenden Simone Veil vor dem Deutschen Bundestag 2004 ausgesprochenen Appell zur Weitergabe der Erinnerung: „Europa sollte seine gemeinsame Vergangenheit als Ganzes kennen und zu ihr stehen, mit allen Licht- und Schattenseiten; jeder Mitgliedstaat sollte um seine Fehler und sein Versagen wissen und sich dazu bekennen, mit seiner eigenen Vergangenheit im Reinen zu sein, um auch mit seinen Nachbarn im Reinen sein zu können.“

Unsere Reihen lichten sich. In allen Instanzen unserer Verbände, auf nationaler wie internationaler Ebene, treten Menschen an unsere Seite, um die Erinnerung aufzunehmen: Sie geben uns Vertrauen in die Zukunft, sie setzen unsere Arbeit fort. Der Dialog, der mit uns begonnen wurde, muss mit ihnen fortgeführt werden. Für diese Arbeit benötigen sie die Unterstützung von Staat und Gesellschaft.

Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen.

Dies sei unser Vermächtnis.
Berlin, 25. Januar 2009

 

Noach Flug (Jerusalem)
Internationales Auschwitz Komitees

Sam Bloch (New York)
World Federation of Bergen-Belsen

Bertrand Herz (Paris)
Internationales Buchenwald Komitee

Max Mannheimer (München)
Internationales Dachau Komitee

Uri Chanoch (Jerusalem)
Internationales Komitee Nebenlager Dachau

Jack Terry (New York)
Internationales Flossenbürg Komitee

Albert van Hoey (Brüssel)
Internationales Komitee Mittelbau-Dora

Robert Pincon (Tours)
Internationales Neuengamme Komitee

Annette Chalut (Paris)
Internationales Ravensbrück Komitee

Pierre Gouffault (Paris)
Internationales Sachsenhausen Komitee

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Januar 26th, 2015 at 10:23 pm

JA| »Die Geschichten weitergeben«

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Janine Cunea führt für ihre Doktorarbeit Gespräche mit Holocaust-Überlebenden

 von Katharina Schmidt-HirschfelderKatharina Schmidt-Hirschfelder

© Gregor Zielke  | »Zuhören ist enorm wichtig«: Neu-Berlinerin Janine Cunea

Ich bin sowohl Enkelin als auch Tochter von Schoa-Überlebenden. Irgendetwas zwischen zweiter und dritter Generation. Man sagt ja, viele Kinder von Überlebenden ergreifen helfende Berufe: Sozialarbeiter, Therapeut oder Arzt. Mag sein, dass das auch in meine Berufswahl mit hineingespielt hat.

Zu Beginn meines Berufslebens habe ich in Offenbach Migranten im Bereich der beruflichen Bildung betreut, darunter viele arabisch- und türkischstämmige junge Erwachsene. Dort wurde mir klar, in welcher Perspektivlosigkeit viele Migranten leben. Drogen, Gewalt, Kriminalität – wir unterschätzen oft, wie wenige Möglichkeiten diese Jugendlichen geboten bekommen. Mit unseren Beratungen hingegen konnten wir dem zum Glück etwas entgegenstemmen. Vielleicht auch deshalb, weil wir einfach erst einmal nur zuhörten. Das war die wichtigste Erfahrung, die ich dort mitgenommen habe.

TREFFPUNKT In der Sozialabteilung der jüdischen Gemeinde meiner Heimatstadt Frankfurt erfuhr ich zu dieser Zeit zufällig vom Treffpunkt für Schoa-Überlebende. Ich begann dort ein Praktikum. Ein paar Wochen, mehr nicht. Aber dann schloss ich die Menschen immer mehr ins Herz. Am Ende wurden daraus fünf Jahre, von 2007 bis 2012.

Zu dieser Zeit studierte ich auch Sozialpädagogik. Durch meine Erfahrungen beim Treffpunkt der Schoa-Überlebenden reifte langsam die Idee zur Doktorarbeit. Denn was in dem Treffpunkt passierte, fand ich so wichtig und spannend, dass ich unbedingt über die psychosoziale Betreuung von Schoa-Überlebenden schreiben wollte. Meine Doktoreltern Micha Brumlik und Lena Inowlocki haben mich von Anfang an sehr unterstützt. Als dann 2009 das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) gegründet wurde, konnte ich die Idee dank eines Stipendiums umsetzen.

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Januar 22nd, 2015 at 5:52 am

Micha Brumlik| „Wie hast Du’s mit der Religion“ – Keynote zum religionspolitischen Kongress der GRÜNEN in Düsseldorf am 17.1. 2015

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Micha Brumlik

„Wie hast Du’s mit der Religion“ – Keynote zum religionspolitischen Kongress der GRÜNEN in Düsseldorf am 17.1. 2015

„Nun sag wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

Nun sind die GRÜNEN bekanntlich kein Mann, ein herzensguter schon gar nicht, aber die Frage, die Goethe 1808 Gretchen ihrem Verführer Heinrich Faust stellen ließ, beschäftigt Gesellschaften unseres Typs nach den mörderischen freiheits- und judenfeindlichen Anschlägen von Paris immer stärker. Das gilt – wie die zahlreichen Teilnehmerinnen an diesem Kongress zeigen, auch und zumal für die GRÜNEN, daher: Wie halten, wie hielten es die GRÜNEN mit der Religion?

Das ist nicht schwer zu beantworten. Am Anfang jedenfalls stand – daran ist ein vernünftiger Zweifel kaum möglich – ein religiöses, genauer gesagt ein theologisches Motiv. Als sich die Partei „Die Grünen“ am 13.Januar 1980, vor fünfunddreißig Jahren in Karlsruhe gründete, verschrieb sie sich den Prinzipien: „sozial basisdemokratisch, ökologisch, gewaltfrei“. Viele, die sich damals der neuen Partei anschlossen, deuteten das, was im Parteiprogramm mit dem Begriff „ökologisch“ umschrieben wurde, religiös: ging es angesichts des sauren Regens, sterbender Wälder sowie einer möglicherweise auf Jahrhunderte verstrahlten Umwelt um die „Bewahrung der Schöpfung“ – so in Westdeutschland. Anders im Osten des geteilten Deutschland: die erstmals im Februar 1988 in der DDR stattfindende Ökumenische Versammlung – sie stand unter dem Motto  „für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ – gehört zu den Auslösern der friedlichen Revolution und zu den Ursprüngen von „Bündnis 90“, das in der DDR – anders als in der Bundesrepublik DIE GRÜNEN – von Mitgliedern der Kirchen geprägt wurde.

Als der religionspolitische Kongress von „Bündnis 90/Die Grünen“, den wir heute eröffnen, vor Wochen und Monaten geplant wurde, dachte noch niemand an das, was nach den mörderischen Attentaten von Paris gegen die Mitarbeiterinnen von Charlie Hebdo sowie gegen Polizisten und unbeteiligte Jüdinnen und Juden unübersehbar deutlich geworden ist: an die im wahrsten Sinne des Wortes unheimliche Kraft von Religion – und das in einer Zeit, in der jedenfalls hierzulande die Kirchen kontinuierlich an Mitgliedern verlieren und Soziologen gleichwohl mit guten Gründen von einer „postsäkularen Gesellschaft“ sprechen.

Ja, es geht um eine unheimliche Kraft – im Bösen wie im Guten: denn auf den Schock des religiös motivierten Massenmordes folgte nicht nur die beeindruckende und ermutigende zivilgesellschaftliche Reaktion des republikanischen Frankreich mit Millionen auf den Strassen, sondern weltweit – nicht zuletzt in Deutschland – das ebenfalls religiös gespeiste Bekenntnis von Juden, Christen und Muslimen zu Toleranz und bürgerlicher Freiheit. Davon zeugte zumal die Mahnwache muslimischer Verbände vor dem Brandenburger Tor am 13. Januar.

Damit sind wir in Deutschland und seinen religionspolitischen Problemen angelangt. Doch bevor sie näher erörtert werden, ist es unumgänglich, einen Blick auf die religionspolitische Verfasstheit unseres Landes zu werfen. Religion stellt in den auch postkolonialen Einwanderungsgesellschaften Europas einen immer größer werdenden Konfliktfaktor und zumal für radikaldemokratische Parteien wie die GRÜNEN eine besondere Herausforderung dar: sollen die durch widerstreitende weltanschauliche Überzeugungen entstehenden, bisweilen gewaltsamen Konflikte mit den sanktionsbewehrten Mitteln des Rechts oder nicht doch besser durch den organisierten Diskurs der Zivilgesellschaft moderiert oder eingedämmt werden? Wie ist es angesichts dieser Situation um die politische Kultur Deutschlands bestellt?

Im Unterschied zu den aus dem Geist der europäischen Aufklärung gegründeten Staaten des republikanischen Frankreich und der USA ist die Bundesrepublik Deutschland ihrer Verfassung gemäß kein laizistischer Staat, sind also Staat und Kirche nicht streng getrennt. Davon zeugt nicht nur die Praxis des Kirchensteuereinzugs durch staatliche Finanzämter, sondern vor allem ein Verfassungsartikel, der weltweit seinesgleichen suchen dürfte:

„Der Religionsunterricht“ so Artikel 7 (3) Grundgesetz „ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.“

Die Zeit, zu erläutern, wie es zu diesem deutschen Sonderweg der Verfassungsentwicklung gekommen ist, steht jetzt nicht zur Verfügung und wäre – eventuell im Zuge des Lutherjubiläums 2017 – auf einer eigenen Tagung zu klären. Auf jeden Fall:  Diese einmalige Privilegierung eines bestimmten Schulfaches findet ihre Ergänzung nicht nur im Steuer- sondern auch im Arbeitsrecht – mit sehr weitgehenden Tendenzschutzklauseln kirchlicher Arbeitgeber, die die Position der Arbeitnehmer und ihrer Organisationen stark beeinträchtigen – sondern auch in der Ausbildung professioneller Theologen, die hierzulande –im Unterschied zu etwa Frankreich oder den USA – nicht an speziellen, oft isolierten kirchlichen Hochschulen, sondern an öffentlichen Universitäten in Kontakt und Konfrontation mit säkularen Wissenschaften studieren.

Religionspolitisch – und nicht etwa theologisch oder weltanschaulich – müssen wir uns daher fragen, welchem der drei hier erwähnten Verfassungsmodelle: dem us.amerikanischen, dem französischen oder dem deutschen Modell der Vorzug zu geben ist. Ich plädiere für das deutsche Modell: und zwar aus genau jenem Grund, der gesinnungsethisch, rein gewissensorientierten Bürgern ein Dorn im Auge sein muß: tatsächlich hält das deutsche Staatskirchen– neuerdings sprechen wir von Religionsverfassungsrecht – den Fundamentalismus, der in den USA nicht zuletzt von christlich-evangelikaler Seite die Stabilität von Staat und Gesellschaft erheblich gefährdet, in Zaum. Und zwar deshalb, weil sowohl Kirchen als auch Geistlichen sowohl ob ihrer Einbindung in das staatliche und kommunale Sozialwesen als auch ob ihres Kontakts mit den säkularen Wissenschaften jene Isolation und Selbstausgrenzung unmöglich gemacht wird, die zu Fundamentalismus führt. Daß das die Reinheit der jeweiligen Lehren beeinträchtigt und zu Kompromissen nötigt, ist unübersehbar. Es ist nur scheinbar ein Paradox, daß die Menschen in den USA sehr viel religiöser, also gläubiger sind als in Deutschland.

Kaum anders ist die Lage in Frankreich, wo die seit 1905 verfügte, strikte Trennung zwischen Staat und Kirche die Auseinandersetzung mit religiös geprägten Haltungen im staatlichen Bildungssystem unmöglich macht. Zwar existiert dort ein ausgedehntes – meist, aber nicht nur – katholisches  Privatschulwesen, das aber nicht nur wegen seiner meist hohen Gebühren und seines Schichtbias zumal Einwanderern aus muslimisch geprägten Ländern nicht zugänglich ist.

Daher spricht aus religionspolitischen, funktionalistischen Gründen nichts für eine Aufhebung oder Abschaffung des deutschen Religionsverfassungsrechts, für die sich – so wie die Dinge derzeit und auf nicht absehbare Zeit stehen – ohnehin keine verfassungsändernden parlamentarischen Mehrheiten finden werden, sondern alles für seine Fortentwicklung und Korrektur.

Und zwar in mehreren Hinsichten: in bildungspolitischer, in arbeits-, aber auch strafrechtlicher sowie schließlich in gesellschaftspolitscher Hinsicht. In all diesen Bereichen manifestiert sich die individuelle positive oder negative sowie die korporative Religionsfreiheit in einem anderen Spannungsverhältnis. Daher:

– in bildungspolitischer Hinsicht sind jene Initiativen zur Ausbildung muslimischer Religionslehrerinnen auf akademischem Niveau, als auch zum Erteilen regulären, grundgesetzkonformen islamischen Religionsunterrichts wie sie derzeit in Hessen,in Frankfurt am Main als auch in Niedersachsen, in Nordhein-Westfalen, in Münster und Osnabrück sowie in Baden-Württemberg ergriffen worden sind, im Rahmen des deutschen Bildungsföderalismus zu stärken, auszubauen und in allen Bundesländern umzusetzen;

– in arbeitsrechtlicher Hinsicht ist die unzeitgemäße Privilegierung kirchlicher Träger durch §118 Betriebsverfassungsgesetz zumal in Institutionen sozialer Arbeit auf jenes Maß zurückzuführen, das auch anderen weltanschaulich und politisch verpflichteten Institutionen wie Parteien und Vereinen als Tendenzschutz zusteht. So wenig solchen Vereinen zuzumuten ist, Personen zu beschäftigen, die ihren erklärten Zielen zuwiderhandeln, so sehr kann es nicht sein, daß Kirchen und Religionsgemeinschaften auf der Basis von §118 Betriebsverfassungsgesetz den persönlichen, strafrechtlich nicht belangbaren Lebenswandel, etwa gleichgeschlechtlicher, unehelicher Partnerschaften oder des Tragens von Kopftüchern ihrer Mitarbeiterinnen bei ansonsten korrekter Erfüllung ihrer Aufgaben zum Anlaß einer Kündigung nehmen; ebensowenig ist es mit sozialstaatlichen Grundsätzen vereinbar, daß die Koalitionsfreiheit von Mitarbeitern in kirchlichen Betrieben – Streikrecht ! – eingeschränkt ist.

– auch über strafrechtliche Aspekte ist – spätestens nach dem mörderischen Anschlag auf „Charlie Hebdo“ – noch einmal nachzudenken und – ja – auch öffentlich über das Verhältnis von Freiheit der Kunst hier und künstlerischer Meinungsfreiheit zu streiten. So ist zum Beispiel sehr die Frage, ob nicht manche Karikatur von „Charlie Hebdo“ einem nach deutschem Recht nicht strafrechtlich zu verfolgen gewesen wäre, heißt es doch in § 166 StgB (1)

„(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Immerhin ist darauf hinzuweisen, daß aufgrund dieses Paragraphen kaum noch Verfahren eingeleitet worden sind, gleichwohl dazu zwei Beispiele: Unter Bezug auf diesen Paragraphen wurden 1994 die Darstellung gekreuzigter Schweine und die Aufführung des Musicals Das Maria-Syndrom von Michael Schmidt-Salomon verboten, in dem eine (neuzeitliche) „Marie“ durch eine verunreinigte Klobrille befruchtet wird und daraufhin ein Fall von „Jungfrauengeburt“ eintritt. Zudem wurde im vergangenen Jahr wurde ein Mann namens Michael Stürzenberger zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt, weil er sich auf dem Weblog Politically Incorrectso äußerte:

„Der Islam ist wie ein Krebsgeschwür, das die (noch) freien Völker dieses Planeten zersetzt und nach und nach mit dem Gift dieser brandgefährlichen, intoleranten, frauenfeindlichen, gewalttätigen und machthungrigen Ideologie infiziert.“

-in gesellschaftspolitischer Hinsicht schließlich war es 2012 die Beschneidungsdebatte, die für öffentliche Aufregung sorgte: kann und soll eine medizinisch nicht notwendige Körperverletzung an Knaben zulässig sein? Widerspricht diese Praxis nicht dem höchsten Prinzip des deutschen Rechts, der „Würde des Menschen“, hier der unbedingten Schutzwürdigkeit auch des menschlichen Leibes? Der im 12.12.2012 vom Deutschen Bundestag neu beschlossene Artikel 1631 d setzte diesen Auseinandersetzungen ein vorläufiges, den gesellschaftlichen Frieden, den ordre public ,wahrendes Ende:

„(1) Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.“

Artikel 2 dieses Gesetzes legt fest, daß der Eingriff nach den Regeln der medizinischen Kunst zu erfolgen hat.

Bei alledem – und ich komme zu einer letzten Bemerkung – sollten wir uns darüber im Klaren sein, daß es  – jedenfalls in unseren Breiten – die dem Judentum und der Antike entstammenden monotheistischen Religionen gewesen sind, die unserer Kultur der Moderne, zu der auch die Aufklärung zählt, ihre Basis gegeben haben. Wer die Bibel nicht kennt, braucht erst gar nicht in ein Museum alter Kunst zu gehen. Ich habe mich darum sehr über die Äusserung eines der klügsten jüngeren deutschen Philosophen, Markus Gabriels aus Bonn, gewundert, der in der Festtagsausgabe der taz vom 24. Dezember vergangenen Jahres ganz richtig zwar „Hoffnung“ als anthropologische Grundtatsache beschrieben hat, dann allerdings im Tonfall vulgärsten weltanschaulichen Atheismus zu Protokoll gab:

„Das Christentum hat sich, historisch gesehen, die Hoffnung gehijackt, wie es das mit so vielen Begriffen getan hat. Es sagt jedoch nichts darüber, daß die Dinge anders sein könnten.“

Blöde ist diese Äusserung, weil menschliche Grundtatsachen wie Angst, Hoffnung, Liebe – gerade anthropologisch gesehen – überhaupt nicht anders als in kulturellen Rahmen, in symbolischen Formen, nicht zuletzt der Religion vorkommen können. Hoffnung auf Veränderung, auf eine bessere, menschenwürdige Welt bedarf – wie nicht zuletzt der Philosoph der Hoffnung, Ernst Bloch gezeigt hat – der Bilder, Erzählungen, der Rituale und auch der Institutionen. Angesichts der unrühmlichen Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts mit seinen mörderischen, religionsfeindlichen und radikalsäkularen Weltanschauungen von nationalsozialistischem Sozialdarwinismus und Stalinismus sollten wir daher pfleglich mit dem zweideutigen, ambivalenten Erbe der Religionen umgehen.

Bedenken wir daher am Ende einen Grundbegriff jedenfalls der jüdischen und der christlichen Tradition – den Begriff der Erlösung. Ihm hat der von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertriebene und dann zurückgekehrte Philosoph Theodor W. Adorno – es geht jetzt nicht um den notorisch optimistischen Ernst Bloch – kurz nach dem Krieg in seinen „Minima Moralia“ eine bemerkenswerte Überlegung gewidmet. Diese Überlegung zitierend will ich schließen und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. Unter dem Titel „Zum Ende“

„Zum Ende. Philosophie“ so Adorno 1951 „wie sie im Angesicht der Verzweiflung einzig noch zu verantworten ist, wäre der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Erlösung aus sich darstellten. Erkenntnis hat kein Licht, als das von der Erlösung her auf die Welt scheint……Perspektiven müßten hergestellt werden, in denen die Welt ähnlich sich versetzt, verfremdet, ihre Risse und Schründe offenbart, wie sie einmalbedürftig und entstellt im Messianischen Licht daliegen wird…“

 

Written by lbucklitsch

Januar 19th, 2015 at 6:27 pm

domradio|Experten: Staatlicher Religionsunterricht verhindert Extremismus: „Noch nie so notwendig wie heute“

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Experten der Pädagogik, Philosophie und Islamischen Theologie haben die Bedeutung des staatlichen Religionsunterricht unterstrichen.

Das im Vergleich zu anderen westlichen Ländern unübliche deutsche Unterrichtsmodell habe sich darin bewährt, religiösen Fundamentalismus „auch von christlich-anglikanischer Seite“ im Zaum zu halten, erklärte der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik am Samstag in Düsseldorf. Daher spreche „nichts für eine Abschaffung des deutschen Religionsverfassungsrechts“. Das Modell sorge dafür, dass sich die Kirche in der Gesellschaft nicht isoliere und selbst ausgrenze.

Der Philosoph Klaus Blesenkemper von der Universität Münster erklärte, der Unterricht in Sinn- und Wertfragen sei noch nie so notwendig wie heute gewesen. Wer als politisch Verantwortlicher bestehende Lücken im Angebot nicht schließen wolle, handele politisch unverantwortlich, sagte er auf einem religionspolitischen Kongress der Grünen. Praktische Philosophie und Religionsunterricht könnten gleichermaßen einen Beitrag zu einer „Kultur der Verständigung“ leisen. Kritisch bewertete Blesenkemper, dass die NRW-Landesverfassung als Ziel des Religionsunterrichts die „Ehrfurcht vor Gott“ ausgebe.

Identifikation ohne Kenntnis des Glaubens

Der Islamwissenschaftler Mouhanad Korchide unterstrich die Bedeutung von bekenntnisorientiertem islamischem Religionsunterricht, wie er inzwischen in drei Bundesländern – darunter auch NRW – eingeführt worden ist. „Immer mehr Jugendliche identifizieren sich stärker mit ihrem Glauben, wissen über den Glauben aber immer weniger“, sagte der Leiter des Zentrums für islamische Theologie an der Universität Münster. Salafisten nutzten diese Unwissenheit aus. Religionsunterricht müsse junge Menschen deshalb dazu befähigen, einen Zugang zum Glauben zu finden, der sie in ihrer Lebenswirklichkeit anspreche. Sie müssten zwischen menschenfreundlichen und -feindlichen Interpretationsangeboten unterscheiden lernen.

Mit Blick auf den Terroranschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ sagte Brumlik, die „mörderischen Attentate“ hätten die „unheimliche Kraft der Religion im wahrsten Sinne des Wortes“ deutlich gemacht. Diese Kraft könne im Guten wie im Bösen wirken. Die Zivilgesellschaft habe auf den Anschlag mit ihrem Aufruf zu Toleranz und bürgerlicher Freiheit beeindruckend reagiert.

Quelle: DOM Radio

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Januar 18th, 2015 at 5:46 pm

evangelisch.de| Publizist Brumlik für Erhalt des gesetzlichen Religionsunterrichts

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Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik hat sich für einen Erhalt des grundgesetzlich verankerten Religionsunterrichts in Deutschland ausgesprochen.

Das im Vergleich zu anderen westlichen Ländern unübliche deutsche Modell habe sich darin bewährt, religiösen Fundamentalismus auch von christlicher Seite im Zaum zu halten, sagte Brumlik am Samstag in Düsseldorf auf einem rechtspolitischen Kongress der Grünen. „Es spricht nichts für eine Abschaffung des deutschen Religionsverfassungsrechts“, betonte Brumlik.

Das deutsche Modell sorge dafür, dass sich die Kirche in der Gesellschaft nicht isoliere und selbst ausgrenze, erklärte Brumlik. Das könnte sonst Fundamentalismus begünstigen. Korrekturen fordert Brumlik jedoch im Verhältnis von Kirche und Arbeitsrecht. Das Streikverbot für Mitarbeiter in kirchlichen Betrieben sei mehr als unzeitgemäß. Auch dürften sich kirchliche Arbeitgeber nicht für private Belange ihrer Beschäftigten interessieren.

Mit Blick auf den Terroranschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ sagte Brumlik, die mörderischen Attentate hätten die „unheimliche Kraft der Religion im wahrsten Sinne des Wortes“ deutlich gemacht. Diese Kraft könne im Guten wie im Bösen wirken. Die Zivilgesellschaft habe auf den Anschlag mit ihrem Aufruf zu Toleranz und bürgerlicher Freiheit beeindruckend reagiert.

Quelle: evangelisch.de

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Januar 18th, 2015 at 5:41 am

JA| Eine Zukunft in Europa?

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Experten sprachen an der HfJS Heidelberg über die Situation jüdischer Gemeinden

15.01.2015 – von Oliver BeckhoffOliver Beckhoff

Diaspora in Bedrängnis: Gedenken an die jüdischen Opfer in Paris

© dpa

Die Zukunft jüdischer Gemeinschaften in Europa entscheidet sich unter anderem am Ausgang aktueller Konflikte und Herausforderungen. Wer in die Zukunft sehen will, muss also zunächst die Gegenwart verstehen. Eine Bestandsaufnahme machten internationale Wissenschaftler bei der interdisziplinären Konferenz »Diversity and Identity – Jewish Communities and the Future in Europe« vom 10. bis 12. Januar an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg (HfJS).

Das gemeinsame Ziel: zu erfassen, was jüdisches Leben in Europa heute ausmacht und wie es in Zukunft aussehen wird. Der gemeinsame Gegenstand: die Erforschung der europäischen Diaspora. Dabei zeigte sich, dass jüdische Lebensentwürfe heute so vielfältig sind wie nie. Das erschwert die Prognose.

An Europas Grenzen überschlugen sich im vergangenen Jahr die Ereignisse. An den jüdischen Gemeinden in Russland und der Ukraine geht das nicht spurlos vorbei: In der Krim-Krise bezog der ukrainische Rabbiner Shmuel Kaminetsky politisch Stellung gegen Russlands Vorgehen. Der russische Oberrabbiner Berel Lazar lehnte es dagegen ab, sich zum Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zu äußern.

Aus staatlichen Auseinandersetzungen möchte er sich grundsätzlich heraushalten. Doch nicht nur in der Politik, sondern auch im Alltag vieler jüdischer Gemeinden führen Gegensätze in Identitätsfragen immer wieder zu Spannungen. Zudem wirken sich gesellschaftliche Großwetterlagen auf diesen Alltag aus.

PARIS Aus Frankreich, der größten jüdischen Gemeinde Europas, sind im vergangen Jahr so viele Menschen wie nie zuvor nach Israel ausgewandert. 2014 war es in Frankreich bei Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg mehrfach zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Zuletzt warf die tödliche Geiselnahme in einem jüdischen Lebensmittelgeschäft am 9. Januar in Paris ein grelles Schlaglicht auf das Problem des Antisemitismus.

Abwanderungstendenzen in der jüdischen Bevölkerung zeigen sich auch im autoritären Ungarn unter Viktor Orbán. Ebenso in der Ukraine, wo die unsichere politische Lage rechtsextremen Stimmen Gehör verschafft. In Bulgarien und in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens haben die Gemeinden zum Teil so wenige Mitglieder, dass ihr Fortbestand heute infrage steht.

Dass die kleinen Gemeinden überhaupt so lange bestehen konnten, stellt Micha Brumlik, Emeritus der Goethe-Universität Frankfurt am Main, vor ein wissenschaftliches Problem: »Wie funktioniert das? Wie schaffen es diese Gemeinschaften zu bestehen?« Dies ist gleichzeitig eine Grundfrage der jüdischen Diasporaforschung. In anderen Ländern der EU sind die Zahlen ermutigender, zum Beispiel in Deutschland.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wanderten seit 1990 etwa 200.000 russischsprachige Juden in die Bundesrepublik ein. Viele der Zuwanderer schlossen sich jüdischen Gemeinden an und machten diese vielfältiger. Noch 1989 zählten die jüdischen Gemeinden in Deutschland kaum 30.000 Mitglieder, heute sind es rund 100.000. Doch kulturelle Unterschiede zwischen den Alteingesessenen und den Zugezogenen sorgen in vielen Gemeinden für erhöhten Verständigungsbedarf.

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Januar 15th, 2015 at 4:30 am

JA| Kommunismus der Spiritualität

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Micha Brumlik und Rabbiner Uri Gamson diskutieren das späte Hauptwerk der jüdischen Mystik

von Katharina Schmidt-HirschfelderKatharina Schmidt-Hirschfelder

Micha Brumlik (l.) und Rabbiner Uri Gamson

© Rolf Walter

Micha Brumlik ist Mitbegründer eines erneuerten liberalen Reformjudentums. Dennoch sitzt er im Wohnzimmer von Uri Gamson, Rabbiner von Chabad Lubawitsch und Leiter der orthodoxen Jeschiwa Gedolah Berlin, vor sich auf dem Tisch ein dickes Buch mit schlichtem weißem Einband. Die beiden treffen sich nicht zum ersten Mal. Sie kennen sich seit Jahren vom Gemeindetag des Zentralrats und diversen Veranstaltungen. Brumlik sei in Chabad-Kreisen »gefürchtet«, sagt Gamson schmunzelnd, denn er sei für seine kenntnisreiche Kritik der Bewegung bekannt.

Auf den ersten Blick also eine ungewöhnliche Begegnung. Doch das Gespräch der beiden an diesem Morgen dreht sich um ein Thema, das beide fesselt, gleichwohl aus unterschiedlichen Gründen: das Buch Tanja. Brumlik hat Gamson ab Mitte Januar zu einem akademischen Lektürekurs ins Zentrum für Jüdische Studien nach Berlin-Mitte eingeladen. Gamson sagte sofort zu.

MYSTIK Das Buch Tanja erschien erstmals 1797. Das späte Hauptwerk der jüdischen Mystik von Rabbi Schneor Salman von Ljadi spiegelt nicht nur chassidisches Lebensgefühl in napoleonischer Zeit, sondern ist bis heute Herzstück der Chabad-Bewegung.

Die Lebenswelten der beiden Gesprächspartner könnten unterschiedlicher nicht sein. Genau darin jedoch liegt für beide der Reiz: Themen und Thesen des Buches einem interessierten Publikum vorzustellen und ihre Aktualität für jüdisches Leben heute offen zu diskutieren – der eine persönlich von innen, der andere mit kritisch-wissenschaftlichem Blick von außen.

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Written by lbucklitsch

Januar 15th, 2015 at 4:27 am

DLR| Der Terror als Chance für den Euro-Islam

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PUBLIZIST MICHA BRUMLIK| Der : Terror als Chance für den Euro-Islam

Moderation: Sonja Gerth

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Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik
Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Der Publizist Micha Brumlik sieht in den Anschlägen von Paris auch eine Chance: In Reaktion auf den islamistischen Terror könnte unter Umständen ein aufgeklärter Euro-Islam erstarken. Eine entscheidenden Rolle sollten hier die Universitäten spielen.

Nach Einschätzung des Publizisten Micha Brumlik sind die Reaktionen auf die Anschläge in Paris bisher relativ besonnen. „Noch nicht einmal ein Teil der AfD ist ja bereit, also das nun wirklich offen islamfeindlich auszudeuten.“ Auch in Frankreich unterscheide die rechtsnationale Marine Le Pen zwischen Islam und Islamismus, so Brumlik im Deutschlandradio Kultur.

Dabei sieht der Erziehungswissenschaftler für die weitere Entwicklung durchaus eine Chance: „Es wird dazu führen, dass das, was seit Jahren als Euro-Islam gewünscht und eingefordert, wird, nun unter dem Druck der Verhältnisse womöglich Wirklichkeit wird“, so Brumlik.

Dieser liberale, aufgeklärte Islam müsse beinhalten, dass Muslime zwischen dem grundsätzlich philosophisch-theologischen Gehalt des Korans und handlungsweisenden Maßgaben für die jeweilige Zeit unterscheiden. Das sei auch schon im islamischen Mittelalter so gewesen.

Euro-Islam an desorientierte Jugendliche herantragen

Das zu verwirklichen sei nun Aufgabe der Muslime selbst, von Imamen, Gelehrten, Professoren an deutschen Universitäten und in den Moscheen. „Und dann wäre es tatsächlich wünschenswert, dass das auch stärker einer zum Teil desorientierten muslimischen Jugend mitgeteilt wird.“ Hier würden schon heute die Universitäten, an denen islamische Theologie oder islamische Religionspädagogik gelehrt wird, eine positive Rolle spielen.

 

Written by lbucklitsch

Januar 10th, 2015 at 7:55 pm

JE SUIS CHARLIE – Für Freiheit und Toleranz

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je-suis-charlie

Für Freiheit und Toleranz

Durch Anschläge wie auf das Magazin “Charlie Hebdo” sollen der freie Geist und die Toleranz vernichtet werden. Doch wir dürfen und wollen unser Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit nicht aufgeben. Deshalb stehen wir weltweit immer wieder aufs Neue kompromisslos für die Freiheit des Wortes und des Publizierens ein. Aufklärung und Information sind wichtiger denn je, damit die Anschläge nicht zum Anlass unreflektierter Propaganda werden.

Au nom de la liberté et de la tolérance

A travers de tels attentats comme celui dirigé contre le magazine “Charlie hebdo”, c’est la libre pensée et la tolérance qui visent à être anéanties. Nous ne devons pas et ne voulons pas renoncer à notre droit à la liberté d’expression et à la liberté de la presse. C’est pourquoi, nous nous engageons toujours et encore sans compromission et dans le monde entier pour le droit à l’écriture et à la publication. Expliquer, informer sont plus importants que jamais, afin que de pareils attentats ne donnent pas prétexte à une propagande irréfléchie.

Speaking up for freedom and a tolerant society

Attacks like the one on “Charlie Hebdo” aim to destroy freedom of expression and tolerant societies. But we must not and shall not give up our rights to freedom of opinion and freedom of the press. This is why we firmly and continuously uphold free speech and freedom to publish all over the world. Transparency and education are today more important than ever. We must ensure that such attacks do not provide an occasion for dangerous polarisation.

Für den Vorstand des Börsenvereins
Heinrich Riethmüller
…….Solange Wydmusch, LIMEST | GÜNTHER ZÄUNER, Schriftsteller | Martin Zeiser, Paul Pietsch Verlage | Sebastian Zembol, mixtvision Verlag | Christine Zeschmann, Marktbuchhandlung Kawasch | Franz Zimmermann, Verlag Eugen Ulmer | Eva Zimmermann, LOGO bücher + mehr | Petra Zimmermann, LOGO bücher + mehr | Frank Zimmermann, Albarello Verlag | Friederike Zöllner, Buchlokal | Dietrich zu Klampen, zu Klampen Verlag | Micha Brumlik, Autor | ……

Written by lbucklitsch

Januar 9th, 2015 at 4:43 pm

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TAZ| OFFENER BRIEF AN WINFRIED KRETSCHMANN, DEN MINISTERPRÄSIDENTEN DES LANDES BADEN-WÜRTTEMBERG

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Selbstreinigung!

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sie haben sich kürzlich für eine Selbstreinigung des Islam ausgesprochen. Als bekennender Christ ist ihnen das Wort aus dem Evangelium des Matthäus (7,3) bekannt: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ In diesem Sinne erlauben wir uns als besorgte Bürger, sechs Fragen und Forderungen an Sie zu richten. Vorausgeschickt sei:

Nahezu acht Jahre nach dem Mord an Michèle Kiesewetter und dem Mordversuch Martin Arnold am 25. April 2007 in Heilbronn, über eineinhalb Jahre nach dem Beginn des Münchner Prozesses gegen Beate Zschäpe und weitere vier Angeklagte ist ungeklärt, wer die Täter waren. Es ist nicht einmal eindeutig geklärt, wer am Tatort war. Das zuständige baden-württembergische Innenministerium hat weder gegenüber dem Untersuchungsausschuss des Bundestags noch den Aufklärungsversuchen des Stuttgarter Landtags zur Aufklärung beigetragen: die nachgeforderten Ermittlungsakten der Soko-„Parkplatz“ sowie anderer Akten zum Attentat sind durch Innenminister Reinhold Gall (SPD) so verzögert beim Untersuchungsausschuss des Bundestags eingegangen, dass sie nicht mehr Gegenstand seiner Arbeit sein konnten.

Die vom Landtag von Baden-Württemberg 2014 eingesetzte Enquetekommission glich einer Farce. Über Wochen wurde gestritten, ob man die Zuständigen überhaupt befragen dürfe. Dieser Streit gipfelte in Gutachten, die mit dem Ziel bearbeitet wurden, das Nachfrage- und Untersuchungsrecht der Enquetekommission zu beschneiden. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Uli Schkerl, hat sich dabei in solche Widersprüche verstrickt, dass er in dem nun eingesetzten Untersuchungsausschuss nicht mehr tragbar ist. Die Mordermittlungen im Fall Kiesewetter gehören – so Stefan Aust und Dirk Laabs in ihrem Buch „Heimatschutz“ – zu den schlampigsten in der jüngeren bundesdeutschen Geschichte.

Sehr geehrter Ministerpräsident, es liegt in Ihrer Hand, dem Hickhack der Parteien um den richtigen Weg der „NSU“-Aufklärung ein Ende zu setzen. Ihr Schweigen und jeder Tag, den Sie zögern, ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer, befördert Verschwörungstheorien und senkt das Vertrauen der BürgerInnen in den demokratischen Rechtsstaat. Daher regen wir an:

(1) Die Akten zu Heilbronn dem Untersuchungsausschuss vollständig vorzulegen.

(2) Die Öffentlichkeit wissen zu lassen, was die Sicherheitsbehörden an terroraffinen Netzwerken des Neonazismus in Baden-Württemberg festgestellt haben: Zu den Aktivitäten der rechtsextremistischen Musikszene, der verbotenen Organisation „Blood & Honour“ sowie der Band Noie Werte, deren Stücke „NSU-Bekennervideos“ untermalten, zum Ku-Klux-Klan in der Polizei von Baden-Württemberg, zur Rolle der V-Mann-Einsätze von „Piatto,“ dem Anfang April 2014 tot aufgefunden „Corelli“, von Achim Schmid; zur „Neoschutzstaffel“ (NSS), zur „Standarte Württemberg“ – und zu einem Geheimbund in Heilbronn, der in den Akten beschrieben und bisher von Ihren Sicherheitsorganen nicht einmal benannt worden ist. Welche V-Männer waren in Baden-Württemberg im Einsatz? Wurde die Kameradschaft Karlsruhe, die Kontakte zum NSU-Umfeld unterhielt, von V-Leuten des Staats-/Verfassungsschutzes aufgebaut bzw. mitgetragen?

(3) Die Öffentlichkeit darüber zu unterrichten, mit wem und worüber die ermordete Michéle Kiesewetter auf ihren Handys und in ihrem Computer Informationen ausgetauscht hat.

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Written by lbucklitsch

Januar 6th, 2015 at 10:37 pm