Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for Juni, 2015

Frankfurt| Sexuelle Gewalt in deutschen Protestbewegungen – Diskussion

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Welche Verbindungen zeigen sich zwischen Reformimpulsen aus sozialen Bewegungen und Protagonisten pädosexueller Netzwerke? Wie anfällig sind Ideen der Befreiung für die Missachtung der Integrität von Kindern? Gibt es einen Zusammenhang zwischen politischen Kontexten und sexueller Gewalt sowie dem Verschweigen von Taten? Solche Fragen sollen in der Diskussion „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“ kritisch diskutiert werden. In den Blick genommen werden unter anderem die Kritik an repressiven Moral- und Sexualitätsvorstellungen beispielsweise bei der Partei der Grünen, die institutionelle Rahmung in Kinderläden, die Tabuisierung kindlicher Sexualität sowie zeittypische Sexual- und Körperpolitiken.

Der Journalist Christian Füller hat sich in seinem vielbeachteten Buch „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“ mit sexueller Gewalt in deutschen Protestbewegungen beschäftigt. Mit ihm diskutieren auf dem Podium Prof. Dr. Micha Brumlik, Goethe-Universität/Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, der Psychologe Dr. Claus Koch und die Erziehungswissenschaftlerinnen Dr. Julia König und Dipl. Päd. Miriam Mauritz von der Goethe-Universität.

Moderieren wird die Diskussion Prof. Sabine Andresen vom Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Goethe-Universität.

Diskussion: „Die Revolution missbraucht ihre Kinder.“ Dienstag, 30. Juni, 18:15 Uhr. Campus Westend, Casino, Raum 1.802.

 

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Juni 27th, 2015 at 5:12 am

Deutschlandfunk| Neue Antisemitismus-Studie: Unterschiedliche Kriterien der Beurteilung

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Berichte über antisemitische Vorfälle in Berlin machen immer wieder Schlagzeilen. Mal hört man von mehr Vorfällen, mal von der niedrigsten Zahl seit Jahren. Die neue Studie des Zentrums für Antisemitismusforschung versucht nun Klarheit zu schaffen, wie über Antisemitismus diskutiert wird und welche Ansätze in der Bildungsarbeit existieren.

Von Igal Avidan

„Die Zahl der Schändungen jüdischer Friedhöfe ist die niedrigste seit dem Jahr 2000", las man im Mai in einer Tageszeitung. (picture alliance / dpa / Matthias Tödt)

Blick durch eine Luke in Form des Davidsterns auf Teile des jüdischen Friedhofs an der Schönhauser Allee. (picture alliance / dpa / Matthias Tödt)

„Die Zahl der Schändungen jüdischer Friedhöfe ist die niedrigste seit dem Jahr 2000“, las man im Mai in einer Tageszeitung. Dabei berief man sich eine Angabe der Bundesregierung. Noch im März berichtete dieselbe Zeitung: Die Zahl der antisemitisch motivierten Taten habe sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Diese Statistik stammte von der Opfer-Beratungsstelle ReachOut. Kohlstruck vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin erklärt, wie diese unterschiedlichen Angaben zustande kommen. Einer der Autoren der neuen Studie, Michael Kohlstruck:

„Die Zahlen sind unterschiedlich, weil zivilgesellschaftliche Organisationen weitgefasstere Kriterien an das Feld herantragen und auch häufig ‚weichere‘ Kriterien. Da wird viel weniger streng geschaut als bei der Polizei, die ja verpflichtet ist lediglich Straftaten zu registrieren.
Es hat wenig Sinn, die Befunde der zivilgesellschaftliche wie der institutionellen Träger gegeneinander zu stellen, sondern uns ging es darum zu zeigen, wie eigentlich die jeweiligen Zahlen zustande kommen.“ Read the rest of this entry »

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Juni 23rd, 2015 at 12:34 pm

NEBA-Konferenz| ANTISEMITISMUS HEUTE: ERFASSEN. ERFORSCHEN. BEKÄMPFEN.

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NEBA-Konferenz 2. Juli 2015
Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin

Programm

9:30 Begrüßung 

Prof Dr. Andreas Nachama, Direktor, Stiftung Topographie des Terros

9:45 Warum NEBA?

Vorstellung durch Anetta Kahane, Deidre Berger, Prof. Dr. Julius H. Schoeps

10:00 Auftaktgespräch

Prof. Dr. Deborah E. Lipstadt, Professorin für moderne jüdische Geschichte und Holocaust-Studien, Emory University. Autorin von „Der Eichmann-Prozess“

Prof. Dr. Micha Brumlik, Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille 2016 des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

10:30 Kaffeepause

 

PANEL 1

11:00 Erfassen

Julia Schramm, no-nazi.net, Bloggerin

Benjamin Steinitz, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus

Dr. Jörg Bentmann, Bundesministerium des Innern

Moderation: Fabian Weißbarth, AJC Berlin Ramer Institute

12:15 Mittagspause

PANEL 2

13:15 Erforschen

Input: Prof. Dr. Barbara Schäuble, Alice Salomon Hochschule Berlin

Dr. Matthias Küntzel, Autor, Politikwissenschaftler und Historiker

Prof. Dr. Lars Rensmann, Associate Professor of Political Science and Chair of the Department of Political Science and International Affairs at John Cabot University in Rome

Prof. Dr. Andreas Zick, Leitung und Vorstand, Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, Universität Bielefeld

Moderation: Priv. Doz. Dr. Gideon Botsch, Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ)

15:15 Kaffeepause

PANEL 3

15:45 Bekämpfen

Input: Anetta Kahane, Vorsitzende, Amadeu Antonio Stiftung

Ahmad Mansour, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Zentrum Demokratische Kultur

Micky Fuhrmann, Leiterin, Politische Abteilung, Zentralrat der Juden in Deutschland

Thomas Heppener, Leiter, Unterarbteilung „Demokratie und Vielfalt“, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Dr. Sergey Lagodinsky, Autor, Vorsitzender Kulturausschuss, Jüdische Gemeinde zu Berlin

Moderation: Deidre Berger, Direktorin, AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations

17:15 Schlusswort

Anetta Kahane, Vorsitzende, Amadeu Antonio Stiftung
Deidre Berger, Direktorin, AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations

19:00 Abendveranstaltung

in Kooperation mit der Stiftung Topographie des Terrors:

WACHSENDER ANTISEMITISMUS IN EUROPA:
WARUM JUDEN WELTWEIT BESORGT SIND

Prof. Dr. Deborah E. Lipstadt, Professorin für moderne jüdische Geschichet und Holocaust-Studien, Emory University. Autorin von “Der Eichmann-Prozess”

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Juni 21st, 2015 at 8:59 am

NZZ| Streit um das Alte Testament: Christentum ohne Wurzel?

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An den anstössigen Thesen eines protestantischen Theologen hat sich eine Debatte entzündet: Soll das Alte Testament weiterhin zu den Texten gehören, die für den christlichen Glauben verbindlich sind?

von Jan-Heiner Tück

Jesus, der das Kreuz trägt, ist der alttestamentliche Isaak vorausgegangen, der das für ihn bestimmte Opferholz schultert. So deutet es ein Erbauungsbuch um 1360.
Jesus, der das Kreuz trägt, ist der alttestamentliche Isaak vorausgegangen, der das für ihn bestimmte Opferholz schultert. So deutet es ein Erbauungsbuch um 1360. (Bild: AKG)

In der Theologen-Zunft ist ein heftiger Streit entbrannt. Schauplatz ist die Evangelisch-Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Der dort lehrende systematische Theologe Notger Slenczka hat im «Marburger Jahrbuch für Theologie» bereits 2013 einen Aufsatz mit dem Titel «Die Kirche und das Alte Testament» veröffentlicht, in dem er die provokante Empfehlung aussprach, das Alte Testament aus dem Kanon der Heiligen Schriften herauszunehmen und auf das Niveau sogenannter apokrypher Schriften herabzustufen. Dieses Votum, das angesichts der Wertschätzung des «Ersten Testaments» (Erich Zenger) in einer durch die Shoah sensibilisierten Theologie befremdet, ist zunächst weithin unbeachtet geblieben. Erst als der Präsident des Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Friedhelm Pieper, eine empörte Stellungnahme lancierte und Slenczka unverblümt Antijudaismus vorwarf, kam eine Debatte ins Rollen, an der sich namhafte Religionsdeuter wie Jan Assmann , Micha Brumlik und Friedrich Wilhelm Graf beteiligten. Aus der Berliner Fakultät meldeten sich fünf Kollegen mit einer distanzierenden Stellungnahme, darunter Christoph Markschies, ehemaliger Präsident der Humboldt-Universität und einer der bekanntesten Theologen im deutschen Sprachraum. Er hat die Thesen in die Nähe einer «Nazi-Theologie» gerückt und eine Podiumsdiskussion mit Slenczka mit dem Hinweis abgelehnt, über die Zugehörigkeit des Alten Testaments zum Kanon müsse man heute ebenso wenig mehr streiten wie über die Frage, ob die Erde eine Scheibe sei.

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Juni 21st, 2015 at 8:15 am

20. Juni 2015 – WORLD REFUGEE DAY

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„Flüchtlinge sind Menschen wie Du und ich, die schwierige Zeiten erleben“
Lieber Besucher dieser Seite,

es gibt über 50 Millionen Flüchtlinge auf der Welt. Doch jeder einzelne ist nicht bloß Flüchtling, sondern ein Mensch wie Du und ich. Mit einer Familie, einem Beruf, Hobbies und Leidenschaften. Sie unterscheiden sich nur durch die schwierigen Lebensumstände, die Krieg, Gewalt und Verfolgung in ihr Leben gebracht haben.

Zum kommenden Weltflüchtlingstag am 20. Juni rufen wir dazu auf, diese Menschen näher kennenzulernen. Auf www.fluechtlingstag.org stellen wir einige Flüchtlinge vor. Darunter zum Beispiel:

HanyHany

Er ist 21 Jahre alt, stammt aus Syrien und lebt derzeit mit seiner Familie im Libanon. Er ist Student, Poet und Bruder.

Lernen Sie Hany kennen & teilen Sie seine Geschichte »

 

NaderNader

41 jährige Flüchtling in dritter Generation. Er ist Saxophonist, Vater, Mozart-Fan.

Lernen Sie Nader kennen & teilen Sie seine Geschichte »

 

YadiraYadira

Sie ist 15 Jahre alt und musste aus ihrer Heimat in Kolumbien fliehen. Sie ist Rollschuhfahrerin, Tochter, Teamplayerin.

Lernen Sie Yadira kennen & teilen Sie ihre Geschichte »

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Juni 16th, 2015 at 1:17 pm

Berlin| Engagement für Stolpersteine

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Jede interessierte Person kann sich allein oder gemeinsam mit anderen auf unterschiedliche Art und Weise für das Projekt Stolpersteine engagieren, zum Beispiel indem sie einen beliebig hohen Betrag spendet, um somit die Verlegung eines Steins zu ermöglichen.


Es können sich auch Einzelpersonen, Gruppen, Hausgemeinschaften, Familien, Schulklassen, politische Gruppierungen überlegen, dass sie für eine bestimmte Person einen Stolperstein verlegen lassen möchten. In einem solchen Fall können schon im Vorfeld Recherchen vorgenommen werden, die Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin unterstützt eine solche Initiative gern mit Hinweisen und Recherchetipps. Sollte bereits im Vorfeld eine Entscheidung für einen Berliner Bezirk gefallen sein, in dem die Stolpersteine verlegt werden sollen, kann man sich auch ganz gezielt an eine der zahlreichen Stolperstein-Initiativen wenden und mit ihrer Unterstützung einen Stolperstein initiieren. Abhängig davon, wie viele biographische Daten bereits bekannt sind, kommen in einem solchen Fall auf die Initiatoren noch entsprechende Recherchen zu.

Einen ähnlichen Weg können auch Angehörige von Verfolgten des Nationalsozialismus gehen. Auf der Grundlage ihres vorhandenen Wissens können sie beispielsweise bei der zuständigen bezirklichen Initiative eine Verlegung beantragen. Sind die familiär überlieferten Informationen rudimentär, können Angehörige gerne bei der Koordinierungsstelle zunächst um Hilfe bei den Recherchen biographischer Daten bitten. Read the rest of this entry »

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Juni 13th, 2015 at 8:34 am

tagesspiegel| Antisemitismus im Klassenzimmer Versteckt euch nicht!

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Von Lisa Scheremet

Was tun gegen Antisemitismus? Auf den Brandbrief einer jüdischen Lehrerin reagiert eine Kollegin. Auch ihr verschlägt der Hass im Klassenzimmer oft die Sprache. Doch sie setzt auf Dialog – auch wenn er nicht leicht ist. Ihre Antwort

Klare Ansage. Auf einer Kundgebung demonstriert ein Teilnehmer für mehr Offenheit im Umgang mit dem Jüdischsein - an manchen Berliner Schulen aber ist das nicht so einfach.
Klare Ansage. Auf einer Kundgebung demonstriert ein Teilnehmer für mehr Offenheit im Umgang mit dem Jüdischsein – an manchen Berliner Schulen aber ist das nicht so einfach. – FOTO: FLORIAN SCHUH/DPA

Manchmal ist es schwer, den Hass zu ertragen. „Die Juden sind irgendwie komisch. Wenn ich einen Juden sehe, töte ich ihn!“ Ich kenne die Sprüche, über die vergangene Woche meine Kollegin Hannah Kushnir klagte. Genau wie sie bin ich Jüdin und Lehrerin. Und genau wie sie bin ich in meinen Klassen mit einer zunehmenden Gewaltbereitschaft gegenüber Juden konfrontiert, die mir die Sprache verschlägt und mich an der Menschheit zweifeln und verzweifeln lässt.

Im Unterschied zu Hannah Kushnir habe ich es jedoch nie als „fatalen Fehler“ betrachtet, mich in der Schule als Jüdin zu outen. Mein Judentum gehört zu mir wie mein Name oder mein Beruf. Der Davidsstern an meiner Halskette sticht nicht ins Auge, wahrscheinlich erkennt ihn auch nicht jeder als Zeichen meiner Religion. Versteckenwürde ich ihn nicht. Ich verstecke mich grundsätzlich nicht. Dialog und Austausch sind die einzige Chance, die wir haben – als Juden, als Demokraten, als Menschen.

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Juni 13th, 2015 at 8:23 am

JA| MARTIN BUBER: Urjüdisches?

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Zum 50. Todestag: Ein kritischer Blick auf das Verhältnis des Philosophen zum Chassidismus

11.06.2015 – von Micha BrumlikMicha Brumlik

Martin Buber (1878–1965)

© JA / Max Ehlert

Martin Buber, er starb vor 50 Jahren in Jerusalem, war selbst kein Chassid – jedenfalls nicht im herkömmlichen Verständnis des Wortes. Wohl aber waren es Glaube, Kultur und Lebensformen der Chassidim, die er einem – wenn man so will – »westlichen« Publikum nahebrachte.

1878 als Sohn eines in Wien lebenden, früh geschiedenen Ehepaares geboren, verbrachte er prägende Jahre seiner Jugend in Lemberg bei seinem Großvater Salomon Buber, einem eminent gebildeten, der Haskala verpflichteten Midraschgelehrten. Als Jugendlicher kam er gelegentlich in Kontakt mit chassidischen Gemeinschaften und ihren spirituellen Führern.

Diese Chassidim und ihre Führer, die »Zaddikim«, waren nach Auffassung jüdischer Gelehrter jener Zeit – wenn überhaupt – allenfalls noch Verfallsformen ehemaliger Größe. Gleichwohl wurden sie von den in Berlin und Wien lebenden modernen, keineswegs nur »assimilierten«, Juden, die sich einer geistigen Leere gegenübersahen, spätestens mit dem Ersten Weltkrieg als Inbegriff echten, eigentlichen Judentums angesehen.

ZADDIKIM Martin Buber jedenfalls fand in den Nachrichten über die ersten Generationen chassidischer Zaddikim das, worum es ihm letztlich ging: »Urjüdisches«! Das Studium ihres Lebens und ihrer Lehren ging mit seinem frühen zionistischen Engagement Hand in Hand, ohne jedoch jemals zur Deckung zu kommen. So publizierte er bereits 1906 Die Geschichte des Rabbi Nachman, 1908 folgte die Legende des Baal Schem. 1918 schließlich legte er öffentlich Rechenschaft über sein Interesse am Chassidismus ab: Mein Weg zum Chassidismus.

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Juni 11th, 2015 at 11:53 am

tagesspiegel| Antisemitismus in Berlin: „Du Jude!“

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Von Hannah Kushnir

Nein, dies ist kein Zitat aus dem „Stürmer“, sondern eine verbreitete Beschimpfung auf Berliner Schulhöfen und Straßen. Unsere Autorin weiß, wovon sie redet: Sie ist Jüdin und Lehrerin in Charlottenburg-Wilmersdorf. Ein Brandbrief.

Die Angst im Nacken: Jüdische Lehrer fühlen sich in manchen Berliner Klassen unwohl.Bild vergrößern
Die Angst im Nacken: Jüdische Lehrer fühlen sich in manchen Berliner Klassen unwohl. – FOTO: SEBASTIAN KAHNERT/P-A

Ich bin gebürtige Jüdin, Lehrerin an einer Berliner Sekundarschule, ich lebe von Geburt an in diesem Land. Dies ist ein Frontbericht.

Jahrelang war ich die einzige Jüdin: die einzige Jüdin in meinen Seminaren an der Uni, die einzige Jüdin im Referendariat, die einzige Jüdin im Lehrerkollegium. Meist erfuhren die anderen eher durch Zufall, dass ich Jüdin bin. Ab da an glich ich eigentlich immer einem seltsamen Tier im Zoo, von dem Grauen und Faszination ausging. Von selbst habe ich mein Jüdischsein schon seit dem Gymnasium nicht mehr thematisiert. Zu lehrreich war mir der Geschichtsunterricht bei Herrn S., dessen Teil der Abiturvorbereitung darin bestand, uns einzutrichtern, Israel sei unrechtmäßig errichtet worden. Zu lehrreich auch die Kommentare: „Ach, du bist Jüdin? Das sieht man ja gar nicht so“ oder, genau entgegengesetzt: „Du bist Jüdin? Stimmt, das sieht man aber!“

Nun ist ein Wunder geschehen, und an meiner Schule arbeitet eine andere Jüdin. Zwei Juden! An einer Schule! Beide als Lehrer! Wir können unser Glück immer noch nicht fassen. In der simplen Tatsache, nicht mehr die Einzigen zu sein, erschöpft sich dann aber auch unser Glück.

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Juni 7th, 2015 at 9:24 am

tagesspiegel| Starker Anstieg von Taten mit antisemitischem Hintergrund

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Von

Im vergangenen Jahr hat in Deutschland die Zahl der Straf- und Gewalttaten mit antisemitischem Hintergrund deutlich zugenommen. Dies zeigen aktuelle Daten der Bundesregierung. Der Gazakrieg verstärkte Vorbehalte gegen Israel.

2013 wie 2014 waren überwiegend Rechtsradikale für die Übergriffe verantwortlich.
2013 wie 2014 waren überwiegend Rechtsradikale für die Übergriffe verantwortlich. – FOTO: PICTURE-ALLIANCE / DPA/DPAWEB

Hakenkreuzschmierereien an Synagogen, Hetze auf Demonstrationen, Schändung jüdischer Friedhöfe: In Deutschland ist die Zahl der Straf- und Gewalttaten mit antisemitischem Hintergrund 2014 stark gestiegen. Wurden 2013 insgesamt 1275 Fälle registriert, waren es im vergangenen Jahr 1596 – ein Anstieg um mehr als ein Viertel. 2013 wie 2014 waren überwiegend Rechtsradikale für die Übergriffe verantwortlich, auch für die gewalttätigen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Volker Beck hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Die Zunahme antiisraelischer Straftaten ist noch gravierender

Noch eklatanter ist die Zunahme antiisraelischer Straftaten, die von den Behörden unter dem Begriff „Israel-Palästinenser-Konflikt“ aufgelistet werden: 2013 gab es 41 solcher Vorfälle – 2014 waren es 575. Davon gingen 91 mit Gewalt einher. Auch das ein großer Unterschied zu 2013: Damals wurden laut offizieller Statistik keine Gewalttaten mit antiisraelischem Hintergrund registriert. Auffallend ist zudem, dass die Behörden die Übergriffe des Jahres 2014 größtenteils der „politisch motivierten Kriminalität von Ausländern“ zuordnen (331 von 575).

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Juni 6th, 2015 at 1:00 pm

StN| Messianisches Judentum: Ein Streitgespräch ohne Ergebnisse

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Markus Brauer, 05.06.2015 
Dass die messianischen Juden vom Kirchentagspräsidium nicht zum Markt der Möglichkeiten eingeladen worden sind, hat Pietisten verärgert. Beim Podiumsgespräch „Was heißt Messianisches Judentum?“ in der Liederhalle gibt es viele Antworten auf noch mehr Fragen – aber kein Ergebnis.
Stuttgart – „Was heißt Messianisches Judentum?“ Ein kontroverses Thema, das an diesem Freitag von 15- 18 Uhr für ein bis auf den letzten Platz gefüllten Mozartsaal in der Liederhalle sorgt. Für Richard Harvey, Theologe von der Messianischen Gemeinde Beit Nitzachon in London, ist der Glaube an Jesus, den Messias und der jüdische Glaube kein Widerspruch. Jesus sei Jude gewesen. Für Juden ist er nicht der Gesandte Gottes. Juden würden den Messias, der ihnen im Alten Testament von den Propheten verheißen wurde, noch erwarten. Für messianische Juden dagegen sei er schon in die Welt gekommen. Dies verbinde sie mit dem Glauben der Christen. Messianische Juden würden das Gemeinsame aus Judentum und Christentum verbinden, sagt der Theologe aus Großbritannien.

Das Thema ist umstritten auf dem Kirchentag. Vor allem aufgrund der Absage des Kirchentagspräsidiums an die Messianischen Juden, einen eigenen Stand auf dem Markt der Möglichkeiten zu haben.

„Es gibt kein anderes Judentum als das rabbinische Judentum“, sagt dagegen der jüdische Theologen Micha Brumlik vom Zentrum Jüdische Studien der Jüdischen Gemeinde in Berlin.

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Flüchtlinge: Hass und hohe Hürden für Helfer | Panorama | NDR

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Persönliches Engagement für Flüchtlinge wird gern gefordert. Doch Bürger, die sich einsetzen, werden übel beschimpft. Und die Politik legt ihnen Steine in den Weg.

 

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Juni 5th, 2015 at 11:53 am