Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for Juli, 2015

TAZ| Forschung zu Antijudaismus: Der ewige Sündenbock

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Drei neue Bücher untersuchen Antijudaismus und Antisemitismus. Die Autoren setzen jeweils eigene Schwerpunkte.

Jemand hält eine Flagge, auf der ein Davidstern zu sehen ist.

Kippa-Flashmob: Demonstration für mehr Solidarität mit Juden in Hannover im März dieses Jahres. Foto: dpa

Seitdem im vergangenen Sommer aus Protest gegen das Vorgehen des israelischen Militärs in Gaza auf deutschen Straßen wieder hasserfüllte antisemitische Parolen skandiert wurden und als später die Bundesregierung Schwierigkeiten hatte, jüdische Mitglieder in eine Kommission zur Erforschung von Antisemitismus zu entsenden, ist Judenhass wieder ein viel diskutiertes Thema.

Zum besseren Verständnis leistet die Wissenschaft wertvolle Hilfe: Im letzten und in diesem Jahr sind drei neue Standardwerke auf Deutsch erschienen, die den Ursachen und Folgen dieses menschenverachtenden Phänomens nachgehen.

Während der US-amerikanische Mediävist David Nirenberg um den Nachweis bemüht ist, dass „Antijudaismus“, den er bewusst vom „Antisemitismus“ unterscheidet, eine, wenn nicht die Grundströmung westlichen Denkens ist, geht es der Historikerin Susanne Wein in einem magistralen Werk um „Antisemitismus im Reichstag“, um „Judenfeindliche Sprache in Politik und Gesellschaft der Weimarer Republik“.

Schließlich wird in dem von den Kulturwissenschaftlern Hans Joachim Hahn und Olaf Kistenmacher herausgegebenen Band „Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft“ die Antisemitismusforschung selbstreflexiv, in dem sie ihre Geschichte erforscht.

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Juli 30th, 2015 at 11:58 am

JA| GOETHE-UNI: Erziehung ohne Auschwitz

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NS-Pädagogik ist in Frankfurt kein Pflichtfach mehr

23.07.2015 – von Astrid LudwigAstrid Ludwig

Im Geiste Adornos? Goethe-Universität Frankfurt/Main

© dpa

Micha Brumlik spricht von einem Skandal, der Jüdische Jugend- und Studentenverband Hessen kritisiert die Entscheidung scharf, der Asta der Goethe-Universität und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind empört. Erheblicher Protest regt sich derzeit gegen die Entscheidung des Fachbereichs Erziehungswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität, künftig die Vorlesungen zur Pädagogik in der NS-Zeit aus dem Curriculum für Lehramtsstudenten zu nehmen.

Sie sollen für den Besuch keine Credit Points, wichtige Leistungspunkte für das Studium, mehr erhalten. Das Studienangebot für angehende Lehrer zum Thema Indoktrination und Pädagogik im »Dritten Reich« soll nur noch als Spezialthema in Vertiefungsseminaren angeboten und bewertet werden. Zudem wurde das Studiengangs-Modul »Theorie und Geschichte« von zwei auf ein Semester gekürzt – auch Erziehungswissenschaftler erhalten dann nur noch die Hälfte an Credit Points.

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wsws| Uni Frankfurt: NS-Forschung für Lehramtsstudierende unerwünscht

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Von Marianne Arens
17. Juli 2015

Geht es nach der Goethe-Universität in Frankfurt, so sollen sich angehende Lehrerinnen und Lehrer künftig im Studium nicht mehr mit dem Nationalsozialismus befassen. Nicht anders können die jüngsten Angriffe des Fachbereichs 04 Erziehungswissenschaften auf die Forschungsstelle NS-Pädagogik verstanden werden.

Das Dekanat des Fachbereichs hat entschieden, dass die Teilnahme an der Vorlesung über NS-Pädagogik nicht oder kaum mehr als Studienleistung anerkannt wird. Lehramtsstudierende erhalten dafür keine Credit Points mehr, während Pädagogen, die den Master machen, noch halb so viele Punkte wie bisher bekommen. Die Credit Points entsprechen den früheren „Scheinen“, die Studierende für die Anerkennung ihrer Studienleistungen benötigen.

In einer kurzen Stellungnahme des Fachbereichs und der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL, der die Prüfungsordnung unterliegt) wird die Aberkennung der Credit Points für Lehramtsstudierende nicht bestritten. Auf bürokratische Art und Weise beruft man sich jedoch auf die „gemeinsam von allen Bundesländern gefasste Vereinbarung“ der Kultusministerkonferenz zur Lehrerbildung. Ihr zufolge müssten sich die Themen auf „Unterrichten, Erziehen, Diagnostizieren und Schulentwicklung“ konzentrieren. Die NS-Pädagogik, die den „Spezialthemen“ zugerechnet wird, sei „weder in Frankfurt noch an anderen deutschen oder internationalen Einrichtungen der Lehrerbildung im Pflichtbereich“ zu finden, heißt es in der Stellungnahme.

Die Forschungsstelle NS-Pädagogik wurde vor vier Jahren als Pilotprojekt an der Frankfurter Uni eingerichtet. Bis 2013 erarbeitete sie ein Konzept, das auf zwei Semester angelegt ist und allen Lehramts- und Pädagogik-Studierenden einen Zugang zur NS-Zeit, ihren Verbrechen und ihrer Ideologie verschaffen soll. Seither ist dieser Studiengang dreimal erfolgreich durchgeführt worden.

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Juli 19th, 2015 at 10:32 am

taz| Neuer Vorlesungskatalog der Goethe-Uni: NS-Pädagogik gestrichen

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An der Uni Frankfurt sollen Einführungsseminare zur NS-Pädagogik aus dem Veranstaltungskatalog verschwinden. Dagegen regt sich Kritik.

Eine Schulklasse zur NS-Zeit. Ein Schüler steht vor einer Tafel, auf der ein Davidstern zu sehen ist.

Eine deutsche Schule zur NS-Zeit: Unterricht in Rassismus und Antisemitismus. Foto: imago/United Archives International

Wie wurden Schüler während der Nazidiktatur pädagogisch indoktriniert? Und welche Lehren ziehen LehrerInnen heute daraus – wie halten sie dagegen, wenn Schüler sich untereinander als „Spasti“ oder „Jude“ beschimpfen? Themen, die der Frankfurter Professor Benjamin Ortmeyer in seinen Vorlesungen mit angehenden LehrerInnen und Erziehungswissenschaftlern diskutierte.

„Die Vorlesungen waren immer gut besucht. Er hätte die Veranstaltung auch zwei- oder dreimal anbieten können“, berichtet Daniel Katzenmaier, der Erziehungswissenschaften studiert und Mitglied im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ist.

Doch ab Herbst werden in Frankfurt vermutlich nicht mehr, sondern weniger Studierende über NS-Pädagogik debattieren. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität hat im Einvernehmen mit der für Lehrerbildung zuständigen Akademie für Bildungsforschung die Einführungsvorlesung zum kommenden Semester aus dem Curriculum der Lehramtsstudierenden genommen. Und zwar aus pragmatischen Gründen.

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Bitte um Unterstützung! Stolpersteine für München

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stolpersteine münchen

Stolpersteine auch in München!

Ein Stolperstein gedenkt einem Opfer des Holocaust.
50.000 Stolpersteine gibt es in 1.200 Städten in 18 Ländern – aber nicht in München, der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung.

Jeder Stein macht uns klar, wie verletzbar unsere Zivilisation ist. Die Stolpersteine fordern uns zu Aufmerksamkeit, Entschiedenheit und Mut auf. Deshalb setze ich mich seit 2010 als Vorsitzender der Initiative Stolpersteine für München und als Aktivist für Toleranz in Deutschland und Europa für die Stolpersteine ein.

Bald wird der Stadtrat erneut über das 2004 verhängte Verbot der Verlegung auf öffentlichem Grund abstimmen.

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Die Münchner Siegfried und Paula Jordan wurden von den Nazis nach Kaunas deportiert. Dort wurden sie am 25. November 1941 ermordet. 1939 gelang ihrem Sohn Peter die Flucht nach England.

2004 wurden Stolpersteine für Peters Eltern in München verlegt – und von der Stadt aus dem Boden gerissen.

„Es war, als ob meine Eltern zum zweiten Mal ermordet wurden”
sagt Peter, der mittlerweile 91 Jahre ist. Peter Jordan wünscht sich sehr, dass seine Eltern durch die Stolpersteine im Gedächtnis der Münchner bleiben.

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München soll stolpern!
Unsere große Bitte: Helfen Sie uns – auch in Namen der vielen Angehörigen und Opfergruppen, die so lange auf einen positiven Bescheid des Stadtrats warten.

Möchten Sie über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden bleiben? Werden Sie Mitglied der Facebook-Gruppe der Initiative:facebook.com/groups/stolpersteine.muenchen

Aktionsvideo der Initiative Stolpersteine für München: https://www.youtube.com/embed/7y57o7ifkiY

 

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Juli 10th, 2015 at 3:08 pm

FR| JAN ASSMANN „EXODUS“ – Welthistorisch einmalig

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Von MICHA BRUMLIK

„Mose steigt vom Sinai“ (2. Mose 19, 25): Holzstich nach einer Zeichnung von Gustave Doré (1832–1883).  Foto: © epd-bild / akg-images

Mit seinem Buch „Exodus“ setzt Jan Assmann seine Analyse des revolutionären Monotheismus fort. Micha Brumlik über den „Monotheismus der Treue“ und die Frage, ob er tatsächlich nicht überprüfbar ist.

Der Sinn der Schöpfung ist Freiheit, politische Freiheit. Das jedenfalls beglaubigen fromme Juden jeden Freitag Abend in ihrem häuslichen Gottesdienst, mit dem der Sabbat, die Erinnerung an die Schöpfung, beginnt. Im Segensspruch über den Wein heißt es: „Du hast Gefallen an uns. Du lässt uns teilhaben an deinem heiligen Ruhetag, der daran erinnert, dass du alles geschaffen hast. Er ist der erste Tag der ,Tage heiliger Versammlung‘, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.“

Dieser Segen entwickelt ein Gebet weiter, das von Rabbinen der späten Antike verfasst wurde und in dem Schöpfung und Bundesschluss am Sinai in einem Atemzug genannt werden. Freilich, das ist schon Religionskritikern der Aufklärung aufgestoßen, handelt es sich beim Exodus um die Geschichte eines dramatischen Aufbruchs israelitischer Sklaven ebenso wie um die Gabe eines Gesetzes, das Wahrheit und Gehorsam postuliert. In der biblischen Exodusgeschichte kommt das zum Ausdruck, was der Ägyptologe Jan Assmann lange Jahre als „Monotheismus der Wahrheit“ als „mosaische Unterscheidung“ bezeichnet hat: die Übertragung der Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ in die Religion. Ein, wovon Assmann überzeugt ist, welthistorischer Einzelfall!

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Juli 3rd, 2015 at 9:12 am

SZ| Juden in Deutschland verunsichert – Netzwerk gegründet

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Nicht nur durch die Terrorattacken in Paris oder Brüssel fühlen sich Europas Juden verunsichert. Der Antisemitismus sei in der Mitte angekommen, sagen mehrere Organisationen.

Ein Mann mit Kippa sitzt in der Synagoge in Dresden (Symbolfoto).
Ein Mann mit Kippa sitzt in der Synagoge in Dresden (Symbolfoto).

© dpa

Berlin. Ob bei der Diskussion über die Beschneidung von Jungen oder den pro-palästinensischen Demonstrationen mit antisemitischen Ausfällen – Juden in Deutschland fühlen sich zunehmend verunsichert. Im Kampf gegen Antisemitismus würden die Sicht und Empfindungen der 120 000 in der Bundesrepublik lebenden Juden zu wenig wahrgenommen, erklärten mehrere Organisationen am Donnerstag in Berlin.

Das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum, die Amadeu Antonio Stiftung und das American Jewish Committee wollen sich nun gemeinsam gegen „das Erstarken des Antisemitismus in verschiedenen Formen“ einsetzen und die Ursachen dafür untersuchen, hieß es bei der Gründungskonferenz des Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus (NEBA). Nach der jüngsten Kriminalstatistik ist die Zahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland im vergangenen Jahr um 25 Prozent gestiegen.

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Juli 3rd, 2015 at 5:54 am

Welt| Forscher beklagen Zunahme „softer“ Holocaust-Leugnung

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Neues Netzwerk gegen Antisemitismus gegründet

Ob bei der Diskussion über die Beschneidung von Jungen oder den propalästinensischen Demonstrationen mit antisemitischen Ausfällen – Juden inDeutschland fühlen sich zunehmend verunsichert. Grund ist eine Zunahme von verstecktem Antisemitismus. Im Kampf dagegen würden die Sicht und Empfindungen der 120.000 in der Bundesrepublik lebenden Juden von Politik und Forschung zu wenig wahrgenommen, erklärten Vertreter aus Wissenschaft, Politik und jüdischen Organisationen in Berlin. Sie forderten, ähnlich dem Wehrbeauftragten des Bundestags, einen Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, der Bindeglied zur Zivilgesellschaft sein könnte.

Das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum, die Amadeu Antonio Stiftung und das American Jewish Committee wollen sich nun gemeinsam gegen „das Erstarken des Antisemitismus in verschiedenen Formen“ einsetzen und die Ursachen dafür untersuchen, hieß es bei der Gründungskonferenz des Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus (Neba).

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Juli 3rd, 2015 at 5:53 am