Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for November, 2015

idea| SPD-Papier: Künftig prägen auch Muslime Deutschland

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Berlin (idea) – Der Staat sollte Religionen nicht aus der Öffentlichkeit verdrängen, sondern das Nebeneinander von religiösen wie nicht-religiösen Überzeugungen ermöglichen. Diese Forderung stellt ein Arbeitspapier der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, das am 23. November bei einer Tagung in Berlin vorgestellt wurde. Verfasser sind die Beauftragte für Kirchen- und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese (Velbert), die Bundessprecherin des Arbeitskreises muslimischer Sozialdemokraten, Tuba Işık (Paderborn), der Leiter des Projekts Religion und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Dietmar Molthagen, sowie der Sprecher des Arbeitskreises Christen in der SPD, Wolfgang Thierse (beide Berlin). Dem Papier zufolge wird Deutschland durch die Zuwanderung religiös vielfältiger. Bisher seien Christentum und Judentum kulturformend gewesen, künftig würden auch Muslime das Land mitprägen. Ziel sei die „religiöse Gleichberechtigung in der multireligiösen Einwanderungsgesellschaft“. Nötig sei dabei „ein gemeinsamer Kampf gegen Intoleranz und rechtsextreme sowie antisemitische und antiislamische Einstellungen“. Im Umgang miteinander seien Fairness, Friedfertigkeit und Toleranz nötig. Letztere sei eine anstrengende Tugend, die die schwierige Verbindung des eigenen Wahrheitsanspruchs mit der Anerkennung des Wahrheitsanspruchs des anderen suche.

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November 25th, 2015 at 7:31 am

JA| Protest gegen Zentralrat

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Gruppe »Nicht in unserem Namen« kritisiert Äußerungen von Josef Schuster in der Flüchtlingsdebatte

Aktualisiert am 24.11.2015, 

Etwa 70 Menschen haben am Dienstagabend in der Nähe des Leo-Baeck-Hauses in Berlin gegen jüngste Äußerungen von Zentralratspräsident Josef Schuster in der Flüchtlingsdebatte demonstriert.

Zu der Kundgebung hatte eine Facebook-Gruppe unter dem Motto »Nicht in unserem Namen – Juden gegen Rassismus« aufgerufen. »Wir schämen uns für und distanzieren uns ganz ausdrücklich von den rassistischen Aussagen Josef Schusters«, hieß es auf Facebook.

OBERGRENZE Schuster hatte der Zeitung »Die Welt« gesagt: »Über kurz oder lang werden wir um Obergrenzen nicht herumkommen«. Außerdem hatte er im Zusammenhang mit der Integration muslimischer Einwanderer die Überlegung geäußert: »Wenn ich mir die Orte und Länder in Europa anschaue, in denen es die größten Probleme gibt, könnte man zu dem Schluss kommen, hier handele es sich nicht um ein religiöses Problem, sondern um ein ethnisches.«

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November 25th, 2015 at 7:27 am

NDR| Die dunkle Seite Luthers

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von Jan Ehlert
Micha Brumlik, Claus Röck, Dorothea Wendebourg, Thomas Kaufmann © NDR Fotograf: Anna Bohaumilitzky

Auf dem NDR Kultur Podium: Micha Brumlik, Claus Röck, Dorothea Wendebourg, Thomas Kaufmann (v.l.n.r.)

2017 feiert die Evangelische Kirche in Deutschland das Reformationsjubiläum, also den 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg, die zur Gründung der Evangelischen Kirche führten. Doch: Es gibt noch eine andere, dunkle Seite Martin Luthers. Sein Antisemitismus. Woher kam dieser? Und was heißt das für das Reformationsjubiläum? Das war Thema einer Podiumsdiskussion von NDR Kultur, die im Rahmen der Martinstage in den Hamburger Kammerspielen stattfand.

Luthers Hetzschriften – Wie sind sie zu deuten?

Es sind entsetzliche Ratschläge, die Martin Luther niederschrieb. Aufrufe zu Gewalt und Mord an den Juden, die viele im Publikum in dieser Deutlichkeit nicht erwartet hatten.

„Verbrenne ihre Synagogen, zwinge sie zur Arbeit und gehe mit ihnen nach aller Unbarmherzigkeit um, wie Moses in der Wüste tat, der 3.000 totschlug, dass nicht der ganze Haufen verderbe. Will das nicht helfen, so müssen wir sie wie die tollen Hunde ausjagen, damit wir nicht ihrer gräulichen Lästerung und aller Laster teilhaftig mit ihnen Gottes Zorn verdienen und verdammt werden.“aus „Die Juden und ihre Lügen“ von Martin Luther (1543)

Prof. em. Dr. Micha Brumlik © NDR Fotograf: Anna Bohaumilitzky

Publizist Micha Brumlik sieht Luther als Vorbild für Nationalsozialisten wie Julius Streicher.

Der jüdische Publizist Micha Brumlik ging sogar noch weiter. Wenn Luther solche Texte geschrieben habe, dann sei es nicht überraschend, dass Nationalsozialisten wie der Herausgeber des antisemistischen Hetzblatts „Der Stürmer“, Julius Streicher, sich auf ihn als Vorbild berufen hätten. „Julius Streicher hat vor dem Nürnberger Tribunal gesagt, wenn statt meiner Doktor Martin Luther hier stünde, dann müsste er angeklagt werden. Das ist insofern richtig, als Martin Luther bis auf die Vergasung alles gefordert hat, was die Nationalsozialisten schließlich exekutiert haben“, so Brumlik.

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November 14th, 2015 at 7:44 am

TAZ| Essay zum Nationalismus in Europa: Was heißt eigentlich Integration?

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Der Glaube, MigrantInnen müssten sich in eine Tugendgemeinschaft einpassen, konkurriert mit dem liberalen Rechtsstaat.

Es sind keineswegs nur AfD- oder Pegida-AnhängerInnen, die sich die Frage stellen, ob die deutschen Grenzen noch sicher sind und wie Millionen von Flüchtlingen integriert werden können. Auch ansonsten durchaus mittig denkende, akademisch gebildete BürgerInnen, aber allemal auch PolitikerInnen aller Parteien stellen sich diese Frage. Dabei bleibt eines offen: Was soll überhaupt unter „Integration“ verstanden werden? Ebenso ungeklärt bleibt, wohin beziehungsweise in was überhaupt integriert werden soll.

Die öffentliche Meinung schwankt dabei zwischen einer Integration in ein Volk, eine Kultur, eine Werteordnung oder in eine Nation hin und her. Im Folgenden sei zunächst zwischen einem „dünnen“ und einem „dichten“ Begriff der Integration unterschieden. Der deutsche Staat, so wie er faktisch existiert, beziehungsweise der heute in Europa übliche Nationalstaat soll hier als dasjenige verstanden werden, wohin integriert werden soll.

Daher ist zunächst zwischen der Bevölkerung eines Staates und seiner BürgerInnenschaft zu unterscheiden. Die Bevölkerung ist die Summe aller Menschen, die in den Grenzen eines Staates leben – seien sie Babys oder auf einige Zeit im Lande lebende TouristInnen. Sie alle genießen Rechte, haben jedoch in der Regel keine Möglichkeit, das Setzen oder Ausgestalten dieser Rechte zu beeinflussen.

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November 10th, 2015 at 10:33 am

DIFFUSE ÄNGSTE ODER BLINDER HASS? – LUTHER UND DIE JUDEN

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Wann? 12.11.2015 19:00 Uhr

Wo? Logensaal in den Hamburger Kammerspielen, Hartungstraße 9, 20146 Hamburg

Hamburg: Logensaal in den Hamburger Kammerspielen | Ein Abend im Rahmen der „Martinstage“, des Hamburger Luther-Lesefestivals.
Es diskutieren:

  • die Kirchenhistoriker Dorothea Wendebourg und
  • Thomas Kaufmann sowie
  • der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.

Der Schauspieler Siegfried W. Kernen liest aus Originalschriften.
Moderation: Claus Röck.
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit NDR Kultur.

Zu den problematischsten Seiten des Reformators Martin Luther zählt sein Verhältnis zu den Juden. In seinem Text „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ aus dem Jahr 1523 spricht er sich noch für deren bedingungslose Duldung aus.
Zwanzig Jahre später verfasst der alternde Luther seine berüchtigte Hetzschrift „Von den Juden und ihren Lügen“.
Woher kommt dieser Wandel, welche Wurzeln und welche Folgen hat Luthers Antisemitismus?

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November 6th, 2015 at 3:11 pm

swp| Kein Platz für Antisemitismus

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Als „liebgewordene Tradition“ hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die „Jüdischen Kulturwochen“ in Stuttgart bezeichnet. Die Veranstaltungsreihe wurde am Montag eröffnet.

NADINE WINTER

„Zwischen den Staaten Israel und Deutschland kann es keine Freundschaft geben“: Das war ein Kernsatz im Vortrag von Micha Brumlik, den der Erziehungswissenschaftler am Montag im vollbesetzten Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses hielt. Brumlik ist in der Schweiz 1947 geboren, ein Kind jüdischer Flüchtlinge. Der emeritierte Professor der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt gilt als Fachmann für die deutsch-israelischen Beziehungen. Das war auch das Thema seines Vortrags, als Auftakt zu den Jüdischen Kulturwochen 2015.

Eine „illustre Gesellschaft“, so die Stuttgarter Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer, hörte ihm zu. Das Publikum war eine Mischung aus kirchlichen Würdenträgern, Politikern aus Stadt und Land, Rabbinern und Vertretern von Organisationen wie dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Die Zuhörer applaudierten, als Brumlik sagte: „Freundschaft ist nur zwischen Bürgern möglich.“

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November 4th, 2015 at 9:14 am