Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for Oktober, 2016

Micha Brumlik: Wann, wenn nicht jetzt? – Versuch über die Gegenwart des Judentums – TU Berlin

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brumlik

Auftakt des Forschungskolloquium „Säkularer Staat und religiöse Vielfalt“ des Zentrums für Antisemitismusforschung am 19. Oktober 2016

Micha Brumlik, diesjähriger Buber-Rosenzweig-Medaillenträger, stellt sein Buch „Wann, wenn nicht jetzt? Versuch über die Gegenwart des Judentums“ vor, in dem er ein Plädoyer für jüdisches Leben in der Diaspora mit einer geschichtsphilosophischen Skepsis über die Zukunft des Staates Israel als eines jüdischen Staates verbindet. Durchaus im Bewusstsein der blutigen Krise der arabischen Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneuert er, zeitgemäß modifiziert, die schon von Martin Buber vorgeschlagene Idee eines binationalen Staates Israel/Palästina.

Zeit: 19. Oktober 2016, 18 bis 20 Uhr
Ort: TU Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin, Telefunkenhochhaus (20. Stock)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Moderiert wird die Buchvorstellung von Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum.

Micha Brumlik ist emeritierter Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2000 bis 2005 war er Leiter des Fritz Bauer Instituts, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt. Zwischen 1989 und 2001 war er in Frankfurt zudem Stadtverordneter der GRÜNEN. Seit 2013 ist er Senior Professor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg in Berlin.

Die Buchvorstellung bildet den Auftakt des Forschungskolloquium des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Das vollständige Programm können Sie hier einsehen: http://www.tu-berlin.de/fileadmin/i65/Forschungskolloquium/Programm_ZfA_Foko_WiS…

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Oktober 18th, 2016 at 11:59 am

TAZ| Buch über Entkolonialisierung – Afrikas Denken der Stunde

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von Micha Brumlik

Achille Mbembe befragt im Rekurs auf seine Lebensgeschichte die afrikanischen Entwicklungen seit der Entkolonialisierung.

Sie kommen täglich, und beinahe täglich kommen einige von ihnen in den Fluten des Mittelmeers um. Sie kommen aus: Afrika! Mag der eine oder andere Deal mit der Türkei dazu führen, dass weniger Menschen aus dem Mittleren Osten in Ländern der EU als Flüchtlinge registriert werden, so wird dies mit Menschen aus den Ländern Afrikas auf Jahre hinaus nicht der Fall sein – gibt es doch diese Länder nicht mehr, jedenfalls nicht als funktionierende Staaten.

Achille Mbembe gilt als bedeutendster Vertreter dessen, was als „postkoloniales Denken“ bezeichnet wird – eines Denkens, das sich bei aller Schärfe der Kritik nicht in Verantwortungszuweisungen an die weiße, atlantische Welt erschöpft. Das hat der Autor bereits in seiner vor zwei Jahren erschienenen „Kritik der schwarzen Vernunft“ unter Beweis gestellt; nun legt er einen von Christine Pries luzide übersetzten Essay vor, in dem er unter Einbeziehung der eigenen Bildungsgeschichte zu ermessen versucht, welche Zukunft Afrika in der Welt haben kann.

Mbembe beobachtet in vielen afrikanischen Staaten einen „blutigen Populismus“ in einem geografischen und kulturellen Raum, der keine Umrisse mehr hat: „Wenn dieser Kontinent überhaupt noch ein Ort ist, dann handelt es sich häufig und für viele um einen Ort des Übergangs oder der Durchreise.“

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Written by lbucklitsch

Oktober 17th, 2016 at 4:43 pm

TAZ| FRANKFURT AM MAIN IM HERBST 1969 – Dr. Willi Lautemann

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VON MICHA BRUMLIK

Neulich in Zehlendorf: Party eines Verlages, nach dem dareinst eine ganze Kultur Westdeutschlands genannt wurde. Präsentiert wurde die Neuausgabe einer späten Erzählung von Wolfgang Köppen (1906–1996), in der er sich seiner frühen Jahre besann: „Jugend“. Beim Sturm auf das Buffet begegnete ich einer Dame, die ich irgendwie kannte – nach einem kurzen Wortwechsel entsann ich mich dunkel an Ort und Zeit: Frankfurt am Main im Herbst 1969, das philosophische Seminar im alten Hauptgebäude der Universität, ein damals von Trauer und Diadochenkämpfen gezeichneter Ort: war doch Anfang August Theodor W. Adorno gestorben und die Frage, wer die legitimen Erben der „Kritischen Theorie“ seien, erhitzte die Gemüter.

Nach ein paar kurzen Wortwechseln stellte sich die Dame als die Autorin Gisela von Wysocki heraus, die soeben – vor vierzehn Tagen – einen neuen Roman publiziert hatte: „Wiesengrund“. Der Roman erzählt, wie die aus Österreich kommende Icherzählerin schon als Mädchen von den Radiovorträgen Adornos fasziniert war, nach Frankfurt ging, um dem Philosophen zu lauschen und wie sie schließlich seine Zuneigung gewann.

Ich verschlang den Roman, den mir die Gastgeberin großzügig überließ, bereits am nächsten Tag, spielte doch neben dem „Wiesengrund“ genannten Adorno eine weitere Gestalt eine erhebliche Rolle: ein Mann namens Rahlsberger, von dem das Lesepublikum glauben könnte, der dichterischen Phantasie der Autorin entsprungen zu sein.

Kannte doch die neuere deutsche Literatur seit der Romantik genau solche Typen: kleine, bisweilen dämonisch wirkende, körperlich stigmatisierte, gleichwohl oder eben deshalb intensivst lebende Männer – zu denken ist etwa an Thomas Manns „kleinen Herrn Friedemann“ oder eben und vor allem an E.T.A. Hoffmanns „Klein Zaches.“

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Written by lbucklitsch

Oktober 4th, 2016 at 4:47 pm