Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for Dezember, 2018

Studie: Antisemitismus in der Schule

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Studie: Antisemitismus in der Schule

Wie verbreitet ist Antisemitismus an Schulen in Deutschland? Wie nehmen ihn Betroffene wahr? Und was können Lehrer und Pädagogen gegen Anfeindungen tun? Diese Fragen behandelt eine aktuelle Studie der Sozialwissenschaftlerin Julia Bernstein. Sie ist die erste Erhebung zu Antisemitismus im schulischen Bereich, die die Perspektive von Betroffenen in den Vordergrund stellt. Der MEDIENDIENST hatte Julia Bernstein vor der Veröffentlichung der Studie zu den wichtigsten Ergebnissen interviewt.

“Lehrer erkennen Antisemitismus oft nicht”

Immer wieder kommt es an Schulen zu antisemitischen Übergriffen. Die Soziologin Julia Bernstein hat in einer unveröffentlichten Studie jüdische Schüler, Eltern und Lehrer befragt. Im Interview mit dem MEDIENDIENST erklärt sie, warum Lehrer bei antisemitischen Vorfällen so selten einschreiten.

MEDIENDIENST: Wie äußert sich Antisemitismus in der Schule?

Julia Bernstein: “Du Jude” als Schimpfwort ist in allen Schulformen sehr verbreitet. Davon haben die meisten der rund 220 Befragten in unserer Studie berichtet. Das zeigt sich an Sätzen wie “Mach doch keine Judenaktion!” oder “Sei doch nicht so jüdisch!”. Es gibt eine ganze Reihe solcher Schimpfwörter, die das Judentum als Stigma benutzen. Lehrkräfte halten das hingegen oft für kindlichen Unfug. Sie bagatellisieren solche Äußerungen und unterbinden sie deshalb häufig nicht. Grundsätzlich zeigt sich: Lehrer erkennen Antisemitismus oft nicht.

Haben Sie weitere Formen des Antisemitismus in der Schule beobachtet?

Die Betroffenen haben sehr oft von Hakenkreuzen und Hitlergrüßen berichtet. Es gibt viele solcher Beispiele, die wir als Echo aus der Nazi-Zeit bezeichnen. So haben Befragte uns davon erzählt, dass Schüler aus Büroklammern Hakenkreuze zusammensetzen. Ein Interviewpartner hat ein sogenanntes Ausschwitz-Spiel geschildert. Da zeigt sich eine Enthemmung. Das Ausmaß hat mich überrascht. Für Juden ist das sehr verletzend. Wenn sie sich beschweren beziehungsweise fordern, dass Vorfälle klar als Antisemitismus benannt werden, hören sie aber oft, sie sollen nicht übertreiben, das sei nicht antisemitisch oder nazistisch gemeint.

Welche Rolle spielt israelbezogener Antisemitismus?

Er kommt sehr oft vor. Besonders stark äußert er sich, wenn Konflikte in Israel eskalieren. Jüdische Schüler werden zu Vertretern des Staates Israel gemacht, beschimpft oder ausgeschlossen. Diese Form ist bei allen gesellschaftlichen Gruppen verbreitet und sagt viel über die eigene kollektive Identität der Sprecher aus. Bei deutschen Menschen ohne Migrationshintergrund handelt es sich oft um den sogenannten sekundären Antisemitismus. Er zeigt sich etwa an einer Täter-Opfer-Umkehr. Damit wird die deutsche Identität geschichtlich entlastet. Antisemitisch eingestellte muslimische Jugendliche projizieren wiederum ihre eigenen Rassismuserfahrungen und ihre Identität als Minderheit in Deutschland auf diesen Konflikt. Und das, obwohl viele von ihnen nicht aus Israel oder Palästina kommen, sondern zum Beispiel aus Syrien oder dem Irak.

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Written by lbucklitsch

Dezember 14th, 2018 at 8:13 am

MIGAZIN| EU-STUDIE: Juden in Deutschland am häufigsten angefeindet

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Sie zeige sich in der Berliner Öffentlichkeit normalerweise nicht als Jüdin, weil sie Angst habe – so lautet das Zeugnis einer älteren Frau, das in eine Umfrage der EU zu Antisemitismus einging. Ihre Angst ist, das zeigen die Ergebnisse, berechtigt.

In Deutschland werden Juden einer Umfrage in zwölf europäischen Ländern zufolge am häufigsten angefeindet. 41 Prozent der Befragten wurden im zurückliegenden Jahr Opfer einer Belästigung, die nach ihrem Urteil gegen sie als Juden gerichtet war, wie aus einer am Montag in Brüssel und Wien vorgestellten Studie der EU-Grundrechteagentur hervorgeht. In allen Ländern zusammen, in denen der Großteil der jüdischen EU-Bevölkerung lebt, lag der durchschnittliche Wert bei 28 Prozent.

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December2018This report outlines the main findings of FRA’s second survey on Jewish people’s experiences with hate crime, discrimination and antisemitism in the European Union – the biggest survey of Jewish people ever conducted worldwide. Covering 12 EU Member States, the survey reached almost 16,500 individuals who identify as being Jewish. It follows up on the agency’s first survey, conducted in seven countries in 2012.Downloads: 

Experiences and perceptions of antisemitism/Second survey on discrimination and hate crime against Jews in the EU

[pdf]en (1.82 MB)

Experiences and perceptions of antisemitism – Second survey on discrimination and hate crime against Jews in the EU – Questionnaire

[pdf]en (417.71 KB)

The findings make for a sobering read. They underscore that antisemitism remains pervasive across the EU – and has, in many ways, become disturbingly normalised. The important information provided herein can support policymakers across the EU in stepping up their efforts to ensure the safety and dignity of all Jewish people living in the EU.

Written by lbucklitsch

Dezember 11th, 2018 at 8:51 am