Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Antisemitismus’ Category

Studie: Antisemitismus in der Schule

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Studie: Antisemitismus in der Schule

Wie verbreitet ist Antisemitismus an Schulen in Deutschland? Wie nehmen ihn Betroffene wahr? Und was können Lehrer und Pädagogen gegen Anfeindungen tun? Diese Fragen behandelt eine aktuelle Studie der Sozialwissenschaftlerin Julia Bernstein. Sie ist die erste Erhebung zu Antisemitismus im schulischen Bereich, die die Perspektive von Betroffenen in den Vordergrund stellt. Der MEDIENDIENST hatte Julia Bernstein vor der Veröffentlichung der Studie zu den wichtigsten Ergebnissen interviewt.

“Lehrer erkennen Antisemitismus oft nicht”

Immer wieder kommt es an Schulen zu antisemitischen Übergriffen. Die Soziologin Julia Bernstein hat in einer unveröffentlichten Studie jüdische Schüler, Eltern und Lehrer befragt. Im Interview mit dem MEDIENDIENST erklärt sie, warum Lehrer bei antisemitischen Vorfällen so selten einschreiten.

MEDIENDIENST: Wie äußert sich Antisemitismus in der Schule?

Julia Bernstein: “Du Jude” als Schimpfwort ist in allen Schulformen sehr verbreitet. Davon haben die meisten der rund 220 Befragten in unserer Studie berichtet. Das zeigt sich an Sätzen wie “Mach doch keine Judenaktion!” oder “Sei doch nicht so jüdisch!”. Es gibt eine ganze Reihe solcher Schimpfwörter, die das Judentum als Stigma benutzen. Lehrkräfte halten das hingegen oft für kindlichen Unfug. Sie bagatellisieren solche Äußerungen und unterbinden sie deshalb häufig nicht. Grundsätzlich zeigt sich: Lehrer erkennen Antisemitismus oft nicht.

Haben Sie weitere Formen des Antisemitismus in der Schule beobachtet?

Die Betroffenen haben sehr oft von Hakenkreuzen und Hitlergrüßen berichtet. Es gibt viele solcher Beispiele, die wir als Echo aus der Nazi-Zeit bezeichnen. So haben Befragte uns davon erzählt, dass Schüler aus Büroklammern Hakenkreuze zusammensetzen. Ein Interviewpartner hat ein sogenanntes Ausschwitz-Spiel geschildert. Da zeigt sich eine Enthemmung. Das Ausmaß hat mich überrascht. Für Juden ist das sehr verletzend. Wenn sie sich beschweren beziehungsweise fordern, dass Vorfälle klar als Antisemitismus benannt werden, hören sie aber oft, sie sollen nicht übertreiben, das sei nicht antisemitisch oder nazistisch gemeint.

Welche Rolle spielt israelbezogener Antisemitismus?

Er kommt sehr oft vor. Besonders stark äußert er sich, wenn Konflikte in Israel eskalieren. Jüdische Schüler werden zu Vertretern des Staates Israel gemacht, beschimpft oder ausgeschlossen. Diese Form ist bei allen gesellschaftlichen Gruppen verbreitet und sagt viel über die eigene kollektive Identität der Sprecher aus. Bei deutschen Menschen ohne Migrationshintergrund handelt es sich oft um den sogenannten sekundären Antisemitismus. Er zeigt sich etwa an einer Täter-Opfer-Umkehr. Damit wird die deutsche Identität geschichtlich entlastet. Antisemitisch eingestellte muslimische Jugendliche projizieren wiederum ihre eigenen Rassismuserfahrungen und ihre Identität als Minderheit in Deutschland auf diesen Konflikt. Und das, obwohl viele von ihnen nicht aus Israel oder Palästina kommen, sondern zum Beispiel aus Syrien oder dem Irak.

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Written by lbucklitsch

Dezember 14th, 2018 at 8:13 am

MIGAZIN| EU-STUDIE: Juden in Deutschland am häufigsten angefeindet

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Sie zeige sich in der Berliner Öffentlichkeit normalerweise nicht als Jüdin, weil sie Angst habe – so lautet das Zeugnis einer älteren Frau, das in eine Umfrage der EU zu Antisemitismus einging. Ihre Angst ist, das zeigen die Ergebnisse, berechtigt.

In Deutschland werden Juden einer Umfrage in zwölf europäischen Ländern zufolge am häufigsten angefeindet. 41 Prozent der Befragten wurden im zurückliegenden Jahr Opfer einer Belästigung, die nach ihrem Urteil gegen sie als Juden gerichtet war, wie aus einer am Montag in Brüssel und Wien vorgestellten Studie der EU-Grundrechteagentur hervorgeht. In allen Ländern zusammen, in denen der Großteil der jüdischen EU-Bevölkerung lebt, lag der durchschnittliche Wert bei 28 Prozent.

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December2018This report outlines the main findings of FRA’s second survey on Jewish people’s experiences with hate crime, discrimination and antisemitism in the European Union – the biggest survey of Jewish people ever conducted worldwide. Covering 12 EU Member States, the survey reached almost 16,500 individuals who identify as being Jewish. It follows up on the agency’s first survey, conducted in seven countries in 2012.Downloads: 

Experiences and perceptions of antisemitism/Second survey on discrimination and hate crime against Jews in the EU

[pdf]en (1.82 MB)

Experiences and perceptions of antisemitism – Second survey on discrimination and hate crime against Jews in the EU – Questionnaire

[pdf]en (417.71 KB)

The findings make for a sobering read. They underscore that antisemitism remains pervasive across the EU – and has, in many ways, become disturbingly normalised. The important information provided herein can support policymakers across the EU in stepping up their efforts to ensure the safety and dignity of all Jewish people living in the EU.

Written by lbucklitsch

Dezember 11th, 2018 at 8:51 am

Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der „Reichspogromnacht“

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Anrede,

es war mitten in der Nacht, als der Gullydeckel durch das Fenster der Synagoge flog. Glas zersplitterte. Am nächsten Morgen zeigte sich die Gemeindevorsitzende erschüttert.  „Wut und Hass, die eine solche Kraft entwickeln, erschrecken mich“, sagte sie.

Der Gullydeckel, der auf die Synagoge in Gelsenkirchen geworfen wurde – das war nicht 1938.

Das war 2014.

Eine Gleichsetzung verbietet sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch wenn wir heute an die staatlich organisierten Ausschreitungen gegen Juden im November 1938, also vor 80 Jahren, erinnern, dann tun wir dies nicht nur in dem Wissen um das größte Menschheitsverbrechen in der Geschichte und mit Blick auf die Lehren, die wir daraus gezogen haben. Sondern wir tun es auch in dem Wissen, dass immer noch Unrecht geschieht.

Dass immer noch Dinge passieren, die schreckliche Erinnerungen wachrufen.

Solche Vorfälle belasten eine Gruppe von Menschen ganz besonders: Es sind die Überlebenden der Schoa und ihre Nachkommen, die zutiefst erschrecken, wenn sie solche Nachrichten hören.

Heute, an diesem Gedenktag, verneigen wir uns mit tiefem Respekt vor den Überlebenden – ob sie heute hier unter uns sind oder an anderen Orten.

Und wir verneigen uns in Trauer und immerwährendem Gedenken vor den sechs Millionen ermordeten jüdischen Frauen, Männern und Kindern und allen Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen.

Auch wenn eines Tages niemand mehr unter uns sein wird, der selbst Zeuge dieses Vernichtungswahns wurde, werden wir die Flamme der Erinnerung nie verlöschen lassen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die gezielte, staatlich gelenkte Gewalt gegen Juden, jüdische Geschäfte und Synagogen im November 1938 können wir als eine Station betrachten auf dem Weg, die radikale nationalsozialistische Ideologie in die Realität umzusetzen, ja auf grausame Weise zu vollenden.

Diese sogenannte Reichspogromnacht passierte nicht aus dem Nichts. Die Ausgrenzung der Juden aus der deutschen und seit dem 12. März 1938 auch aus der österreichischen Gesellschaft hatte längst eine gesetzliche Basis bekommen. Seit der Machtübernahme 1933 goss die NS-Regierung das gesetzliche Fundament für den Ausschluss der Juden aus der Gesellschaft. 1935 fand diese Ausgrenzung in den Nürnberger Rassegesetzen ihren vorläufigen perversen Höhepunkt.

Und allein im Jahr 1938 folgten zahlreiche weitere Maßnahmen. So mussten etwa jüdische Bürger ihr Vermögen anmelden. Im Mai wurde die sogenannte „entartete Kunst“ beschlagnahmt, wozu jüdische Künstler allein qua Herkunft zählten. In der beschönigend genannten „Juni-Aktion“ wurden zahlreiche Juden wegen geringer Vergehen verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Im Juli verloren jüdische Ärzte ihre Approbation. Und kurz später wurden Juden gezwungen, den zweiten Vornamen „Sara“ oder “Israel“ zu tragen – die erste sichtbare Markierung von Juden, bevor 1941 der gelbe Stern folgte.

Wie sehr den Juden das Leben erschwert wurde, können Sie an der Ausstellung „1938 Projekt –  Posts from the past“ des Leo-Baeck-Instituts sehen, die wir heute in einer kleinen Auswahl präsentieren. Es sind ergreifende Zeugnisse, die mehr erzählen als nackte Zahlen.

Am späten Abend des 9. November 1938 entlud sich dann die Gewalt: SA- und SS-Leute griffen Synagogen und jüdische Geschäfte an. Sie überfielen tausende ahnungslose jüdische Bürger in ihren Wohnhäusern. Insgesamt wurden rund 1.400 Synagogen beschädigt oder zerstört, das entsprach der Hälfte.

Auch diese Synagoge hier in Berlin, in der Rykestraße, wurde in der Nacht zum 10. November in Brand gesteckt. Nur um die benachbarten Häuser nicht zu gefährden, wurde der Brand relativ rasch wieder gelöscht.

Rund 30.000 Juden wurden ins Konzentrationslager verschleppt. Etwa 1.300 jüdische Bürger wurden ermordet oder in den Suizid getrieben.

Die Gewaltexzesse öffneten vielen jüdischen Bürgern die Augen. Die blinde Zerstörungswut, die Gewalt, die förmlich explodierte – das hatten sie der deutschen Kulturnation vorher nicht zugetraut. Die Auswanderungszahlen schossen daraufhin in die Höhe, obwohl weitere Verordnungen die Emigration extrem erschwerten.

Dass die „Reichspogromnacht“ staatlich gelenkt war, ist inzwischen zuverlässig aus verschiedenen Quellen bewiesen. Und schon damals begriffen die meisten Bürger, dass sich hier kein spontaner „Volkszorn“ entlud, wie Goebbels es darstellte, sondern SA und SS gezielt handelten.

Eines möchte ich dabei festhalten: Selbst wenn in diesen Novembertagen im Wesentlichen nur SA und SS beteiligt waren, handelte es sich doch um tausende Deutsche, die tatkräftig mitmachten. Beide Organisationen waren bereits so groß, dass problemlos im gesamten Deutschen Reich und in Österreich zeitgleich der Pogrom von statten gehen konnte.

Viele Bürger reagierten offenbar damals mit Distanz, wenn nicht Abscheu. So wird es mehrheitlich berichtet. Dennoch lieferte ihre Reaktion den Nazis einen wertvollen Hinweis: Kaum jemand protestierte. SA und SS stießen nicht auf Gegenwehr. Hilfe erhielten die bedrängten Juden nur ganz vereinzelt. Das Schreckensregime Hitlers und die antisemitische Propaganda hatten bereits Früchte getragen. Die Staatsführung konnte sich seit dem 9. November 1938 gewiss sein: Auch bei noch größerer Gewalt gegen Juden werden unsere Bürger sich nicht in den Weg stellen.

Sie sollten Recht behalten.

Es gab nur sehr wenige Menschen, die Anstand und Mut bewiesen. Zu ihnen gehört Wilhelm Krützfeld. Der Berliner Polizeibeamte stellte sich mit weiteren Beamten seines Reviers in der Nacht zum 10. November der SA vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in den Weg. Er verhinderte, dass sie das Gebäude auch von außen anzündeten, und erzwang, dass das im Inneren bereits gelegte Feuer gelöscht wurde.

Dieses Beispiel des Polizeibeamten Wilhelm Krützfeld beeindruckt uns bis heute. Viele werden sich fragen, ob sie den gleichen Mut besessen hätten.

Wir können uns diese Frage durchaus auch heute stellen. Denn wir haben es wieder mit Brandstiftern zu tun.

Mit geistigen Brandstiftern, aber auch mit wirklichen.

Ich will Ihnen das anhand von einigen Zahlen vor Augen führen:

2016 gab es fast 1.000 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, darunter waren mehr als 60 Brandstiftungen. Mehr als 60 Brandstiftungen. Das sind im Schnitt fünf Brandanschläge im Monat auf Häuser, in denen Menschen leben, die bei uns Zuflucht gesucht haben.

2017 waren es nur noch 16 Brandstiftungen. Ich sage das bewusst so. Denn manchmal scheint es mir, als hörte ich ein erleichtertes Aufatmen, dass die Anzahl der Übergriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime deutlich zurückgegangen ist.

Ja, sie sind zurückgegangen. Aber das ist doch kein Grund zur Beruhigung!

Dass in unserem Land allein 2017 rund 300 Flüchtlinge bei Angriffen verletzt wurden, dass Unterkünfte von Asylbewerbern regelmäßig Ziele von Anschlägen sind – das ist ein Skandal!

Und ebenso ist es ein Skandal, dass immer häufiger Moscheen mit Hassparolen versehen oder noch massiver angegriffen werden.

Und es ist ein Skandal, dass etwa jede zweite Woche in Deutschland das Gleiche mit Synagogen passiert, sogar obwohl sie in der Regel unter Polizeischutz stehen.

Und Sie werden sich alle erinnern an den jüdischen Restaurant-Besitzer in Chemnitz, der kürzlich und zum wiederholten Male von Neo-Nazis angegriffen wurde. Wenig später, im Oktober, haben Neo-Nazis ein persisches Restaurant in Chemnitz aufgesucht und den iranischen Inhaber schwer verletzt.

Dass solche Dinge in Deutschland 2018 geschehen, das ist eine Schande für unser Land!

Hinter diesen Menschen, die Flüchtlinge, Muslime oder Juden angreifen, stehen die geistigen Brandstifter. Mein Eindruck ist: Ihre Zahl wächst in Deutschland.

Sie schüren Ängste vor Flüchtlingen. Sie stacheln mit ihrer Wortwahl und überproportionaler Aufmerksamkeit für einzelne Vorfälle die Bürger an. Sie hetzen gegen Asylbewerber und insbesondere gegen Muslime.

Eine Partei, die im Bundestag am ganz äußeren rechten Rand sitzt, hat diese Hetze perfektioniert. Sie sind geistige Brandstifter.

Vor nichts haben sie Respekt. Sie instrumentalisieren die mutigen Widerstandkämpfer der Weißen Rose für ihre Zwecke. Sie verhöhnen die Opfer und Überlebenden der Schoa, indem sie die NS-Verbrechen relativieren. Sie betreiben Geschichtsklitterung und wollen unsere Gedenkkultur zerstören.

Es wäre für die jüdische Gemeinschaft unerträglich gewesen, heute, 80 Jahre nach der Pogromnacht, Vertreter dieser Partei unter uns zu wissen. Daher haben wir diese Fraktion als einzige des Deutschen Bundestags nicht eingeladen.

Diese Kräfte dürfen nicht noch mehr an Boden gewinnen. Im Gegenteil. Sie müssen so weit zurückgedrängt werden, bis sie ganz in der Versenkung verschwinden.

Denn, um Karl Jaspers zu zitieren, „es darf keine Freiheit geben zur Zerstörung der Freiheit“.

Das liegt in unserer Hand!

Jeder von uns trägt Verantwortung dafür, dass Respekt und Toleranz das Profilbild Deutschlands prägen.

Was wir jetzt brauchen, sind mutige und überzeugte Demokraten. Wir brauchen Menschen, die Zivilcourage zeigen. Menschen, die den Mund aufmachen.

Zivilcourage fängt im Alltag an. Jede und jeder unter uns mag sich fragen: Schreite ich ein, wenn in meiner Kneipenrunde Schwulenwitze erzählt werden? Oder abfällig über Frauen gesprochen wird? Oder wenn vom angeblichen Einfluss der Juden von der amerikanischen Ostküste die Rede ist?

Oder ist mir das Risiko zu hoch, als Spaßbremse oder Spielverderber zu gelten? Passe ich mich lieber an? Schweige ich lieber oder lache mit, um nicht aufzufallen? Höre ich lieber weg, wenn ein dunkelhäutiger Mann in der Bahn beleidigt wird?

Wenn wir im Kleinen nicht einstehen für die Werte unseres Grundgesetzes, für die Menschenwürde, dann dürfen wir nicht erwarten, dass es im Großen funktioniert.

„Die Weimarer Republik ist letztlich nicht daran gescheitert, dass zu früh zu viele Nazis, sondern, dass zu lange zu wenige Demokraten vorhanden waren.“ Das sagte Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes.

Diese Analyse ist zutreffend und markiert auch sehr genau den Unterschied zwischen damals und heute.

Heute sind wir genügend Demokraten. Man riskiert nichts, wenn man sich für die Grundrechte einsetzt. Mit unserem Verhalten, das müssen wir bedenken, sind wir schließlich auch Vorbilder.

Kein Kind wird als Rassist geboren!

Kein Kind wird als Antisemit geboren!

Und doch wird „Jude“ auf den Schulhöfen als Schimpfwort benutzt.

Deshalb müssen vor allem auch Lehrerinnen und Lehrer mutige und überzeugte Demokraten sein. Ob im Sport-, im Chemie- oder im Religionsunterricht – Antisemitismus und Rassismus sind nieakzeptabel. Der Kontext spielt keine Rolle. Für Antisemitismus und Rassismus darf es kein Verständnis geben. Hier muss eine klare Grenze gesetzt werden.

Die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann, die gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen haben, haben das in ihrer Dankesrede ganz wunderbar formuliert:

„Es muss unstrittige Überzeugungen und einen Grundkonsens geben wie die Verfassung, die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit des Rechts und die Menschenrechte. Nicht jede Gegenstimme verdient Respekt.“

Diese Überzeugungen, diesen Grundkonsens – den gibt es in Deutschland. Er wird allerdings von rechts außen in Frage gestellt wie lange nicht. Deshalb gilt es, ihn zu verteidigen.

Wir haben in den vergangenen Jahren die Demokratie und den Rechtsstaat als etwas Selbstverständliches hingenommen. Vielleicht als etwas zu Selbstverständliches.

Doch mittlerweile spüren wir: Ein Selbstläufer ist die Demokratie nicht. Wir müssen etwas dafür tun. Wir müssen mutig sein. Und sowohl die nachwachsenden Generationen als auch die Menschen aus anderen Kulturen und politischen Systemen müssen wir zu überzeugten Demokraten machen.

Das ist doch eigentlich eine wunderbare Aufgabe!

Und wenn ich auf die Demonstrationen der vergangenen Monate schaue, ob unter dem Hashtag „Wir sind mehr“, „Welcome United“, „Unteilbar“ oder „Herz statt Hetze“, dann spüre ich: Da bewegt sich etwas.

Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland stehen auf. Es ist eine Aufbruchstimmung zu spüren.

Zwar erinnern wir heute an diesem für Deutschland so ambivalenten Datum vor allem an die „Reichspogromnacht“. Das Jahr 1989 wollen wir aber darüber nicht vergessen.  Am 9. November 1989 fiel die Mauer, und Deutschland erlangte seine Einheit in Freiheit. Es brach friedlich, ohne Gewalt in die gemeinsame Demokratie auf.

Heute gehen die Bürger wieder vereint für Menschenrechte, gegen Rassismus und Antisemitismus auf die Straße. Es sind Hunderttausende. Hunderttausende mutige und überzeugte Demokraten. Sie lassen Deutschland nicht einfach nach rechts abdriften. Sie kämpfen für den Grundkonsens. Sie machen mir Mut.

Es ist der Aufbruch in ein Deutschland, das Respekt zu seinem Markenkern macht.

Verehrte Damen und Herren,

aus dem Jahr 1938 sind aus Wien folgende Sätze eines zwölfjährigen jüdischen Jungen überliefert:

„Mutti, wenn wir wirklich so schlecht sind und kein anderes Land uns aufnehmen will, ist es doch besser, gleich Schluss zu machen und den Gashahn aufzudrehen.“

Nie wieder darf es so weit kommen, dass ein Mensch, und erst recht ein Kind, nur wegen seiner Herkunft Anlass zu so viel Verzweiflung hat.

 

Ich danke Ihnen!

Written by lbucklitsch

November 9th, 2018 at 2:40 pm

Die Reichsprogromnacht am 9.November 1938

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Offener Brief: rechtsextremen Aufmarsch am 9. November verbieten!

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Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister, an den Innensenator, an den Bezirksbürgermeister und die Koalitionsparteien zur Forderung eines Verbots des rechtsextremen Aufmarsches am 9.11.2018

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Innensenator,
sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister von Mitte,
sehr geehrte Damen und Herren,

der 9. November ist ein mehrfach besetztes Erinnerungsdatum in der deutschen Geschichte. Spätestens seit 1989 wird das immer wieder betont. In den Tagen und Nächten rund um den 9. November 1938 zerstörten Nazis Geschäfte und Synagogen, attackierten und ermordeten Jüdinnen und Juden und verschleppten rund 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager, wo viele den Tod fanden. Die Pogrome markieren einen Ausbruch antisemitischer Zerstörungswut, die über die Pogromgewalt der Jahre vorher noch weit hinausging und eine weitere Phase der Judenverfolgung im Reich eingeläutet hat. Die weitere systematische Verfolgung gipfelte in der Vernichtung des europäischen Judentums.

Seit der Maueröffnung 1989 kommt dem Datum auch eine weitere Akzentsetzung zu, und es fällt nicht leicht, beide Ereignisse zeitgleich zu erinnern. Die rechtsextreme Szene bezieht den 9. November als „Schicksalstag der Deutschen“ auf den sich auch gegen die von ihnen verfemte Novemberrevolution von 1918 und die in deren Folge errichtete Republik gerichteten Hitler-Ludendorff-Putsch in München 1923. Dieser Tag wurde im Nationalsozialismus zum Feiertag, bei dem in Trauerzeremonien der bei dem gescheiterten Putsch umgekommenen Nationalsozialisten gedacht wurde. Rechtsextreme Aufmärsche an diesem Tag dienen somit auch der Positionierung im Traditionsbild der NSDAP.

Dass am 9. November 2018, am achtzigsten Jahrestag der Pogrome, die rechtsextreme Gruppierung „Wir für Deutschland“ zu einem „Trauermarsch für die Opfer von Politik“ aufruft, ist unerträglich. Wer hier mit einem verkehrten Opferbegriff hausieren und demonstrieren geht, verhöhnt die Opfer der Novemberpogrome von 1938. Der rechtsextreme Aufmarsch ist eine Provokation.

Wir nehmen es nicht hin, dass dieser Tag von Neonazis benutzt wird, um nationalistischen Hass zu verbreiten. Der 9. November 1938 markiert ein Versagen der deutschen Gesellschaft. Ein Tag, der an die Folgen von Empathielosigkeit, Antisemitismus und Gotteslästerung gemahnt. Dieser Tag muss ein Tag des Gedenkens an die Opfer der Novemberpogrome bleiben, das sind wir ihnen schuldig.

Wir fordern Sie auf, eindeutig Position zu beziehen und dem Versuch entgegenzutreten, diesen Gedenktag für eine Nabelschau der Rechtsextremen zu missbrauchen. Wir fordern Sie auf, den rechtsextremen Aufmarsch zu untersagen. Antisemitismus und Rassismus fallen nicht unter die Meinungsfreiheit. Hass verletzt und bedroht Menschen. Wir bitten Sie, dies besonders am 80. Jahrestag der Novemberpogrome nicht zuzulassen. Wir bitten Sie, ein Zeichen der sensiblen Erinnerung und der aufrichtigen Anteilnahme mit den Opfern der Pogrome zu setzen und Hass entschieden entgegen zu treten.

Jutta Weduwen, Geschäftsführerin Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Erstunterzeichner*innen:

  • Dr. Dmitrij Belkin, Koordinator Jüdischer Zukunftskongress
  • Prof. Dr. Micha Brumlik, Publizist, Senior Advisor Zentrum für jüdische Studien, Berlin/Brandenburg
  • Marina Chernivsky, Leiterin Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)
  • Dr. Andreas Eberhardt, Vorstandsvorsitzender Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ)
  • Prof. Dr. Naika Foroutan, Direktorin Berliner Institut für Integrations- und Migrationsforschung (BIM), Humboldt- Universität zu Berlin
  • Dr. Verena Haug, Projektkoordinatorin „Antisemitismus und Protestantismus“, Evangelische Akademien in Deutschland
  • Prof. Dr. Walter Homolka, Vorstand Leo Baeck Foundation
  • Dr. Hans-Christian Jasch, Direktor der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz
  • Jan Krebs, Leiter Lernort 7 x jung von Gesicht Zeigen!
  • Dr. Thomas Lutz, Gedenkstättenreferent, Stiftung Topographie des Terrors
  • Dr. Meron Mendel, Direktor Bildungsstätte Anne Frank
  • Dr. Tamara Or, geschäftsführender Vorstand Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum
  • Dr. Nora Pester, Inhaberin Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Leipzig
  • Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung
  • Dr. Hermann Simon, Gründungsdirektor Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
  • Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum, Direktorin Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA), Technische Universität Berlin
  • Dr. Anja Siegemund, Direktorin Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
  • Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
  • Dr. Christian Staffa, Studienleiter Demokratische Kultur und Kirche, Evangelische Akademie zu Berlin
  • Dr. Ellen Ueberschär, Vorstand Heinrich Böll Stiftung
  • Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender AMCHA Deutschland
  • Prof. Dr. Michael Wildt, Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus, Humboldt-Universität zu Berlin

Written by lbucklitsch

November 1st, 2018 at 6:01 pm

nord24| Präventionsaktion gestartet: Persönliche Begegnungen sollen Antisemitismus abbauen

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Einen „Reichsbürger“ kann man kaum überzeugen. „Aber die meisten Menschen haben den Anspruch, das, was sie meinen, auch begründen zu können“, sagte Prof. Micha Brumlik. Der Erziehungswissenschaftler referierte zum Auftakt der Präventionsaktion mit dem provokanten Titel „Leih Dir einen Juden“. Mit der Aktion will die jüdische Menorah-Gemeinde antisemitischen Klischees begegnen.

Dass es an Zeit ist, wieder über Antisemitismus zu sprechen, darüber waren sich die Teilnehmer an einer Podiumsdiskussion im Deutschen Auswandererhaus einig. Brumlik erinnerte daran, dass der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland den Nationalsozialismus als historischen „Vogelschiss“ verharmlost habe. Gleichzeitig gebe es auf offener Straße Angriffe auf Männer, die eine Kippa, eine bei männlichen Juden übliche Kopfbedeckung, tragen. Es sei Aufgabe von Bildung, das Wissen über die Geschichte der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam bei den Schülern zu verankern.

Initiatoren möchten durch den provokanten Titel ins Gespräch kommen

Einen Bildungsansatz verfolgt auch die Menorah-Gemeinde mit ihrer Präventionsaktion. „Wir wollten mit dem Titel etwas provozieren, aber auch ein Schmunzeln hervorrufen, um gerade mit jungen Leuten in Kommunikation zu treten“, erläuterte der Vorsitzende Mircea Ionescu. Wer Interesse an dem Besuch eines Gemeindemitglieds hat, kann per E-Mail (menorah.gemeinde@gmx.de) oder per Post (Postfach 120111, 27515 Bremerhaven) Kontakt aufnehmen.

 

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Written by lbucklitsch

Oktober 7th, 2018 at 12:59 pm

Aufruf gegen “Juden in der AfD”

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Ein Beitrag von , und 

 

Die Redaktion der jüdischen Zeitschrift “Jalta” spricht sich vehement gegen die Gründung einer jüdischen Untergruppe der AfD aus. ZEIT ONLINE veröffentlicht das Positionspapier.

Wir sprechen uns mit größter Entschiedenheit gegen die Gründung der Gruppe “Juden in der AfD” aus, die am 7. Oktober in Offenbach am Main stattfinden soll. Als jüdische Demokrat*innen in diesem Land setzen wir uns für eine plurale und vielfältige Gesellschaft ein, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein können und die aus der nationalsozialistischen Vergangenheit Lehren für Gegenwart und Zukunft zieht. Die Rhetorik und Praxis der AfD stehen diesem Anliegen diametral entgegen.

Wir widersprechen der offenkundig von einigen wenigen Jüd*innen vertretenen Auffassung, es könne in jüdischem Interesse sein, sich der AfD anzuschließen, um Einfluss auf ihre Ausrichtung und Politik zu nehmen. Im Gegenteil, wir erachten eine solche Parteinahme als große Gefahr für unsere Sicherheit, für jüdisches und damit untrennbar verbunden für migrantisches Leben in Deutschland. Wir erachten es als Gefahr für die Demokratie.

Denn die AfD ist eine Partei mit faschistischen Tendenzen, deren personelle und ideologische Nähe zu neonazistischen Organisationen seit langem bekannt ist und mit dem sogenannten “Trauermarsch” von Chemnitz eine neue Qualität erreicht hat. Am 27. August 2018 wurde in Chemnitz ein jüdisches Restaurant von Neonazis angegriffen, mit denen der Thüringer Landesvorsitzende der AfD Björn Höcke nur wenige Tage später gemeinsam demonstrierte. Der Auftritt von Björn Höcke mit Pegida-Funktionär*innen und bundesweit bekannten Kadern der Neonaziszene war der vorläufige Höhepunkt einer systematisch betriebenen Radikalisierung der Partei, die schon seit längerem zu beobachten ist. Was wäre wohl mit jüdischen Demonstrationsteilnehmer*innen passiert? Welchen Platz und welche Funktion hätten sie bei einer solchen Veranstaltung einnehmen wollen?

Es ist kein Geheimnis, dass die AfD offen menschenfeindliche, rassistische und antisemitische Positionen vertritt. Das wurde wiederholt klar von verschiedenen Funktionär*innen der Partei artikuliert. Wichtige Parteifunktionär*innen wie Björn Höcke, Alexander Gauland und Alice Weidel treten darüber hinaus für eine “Kehrtwende in der Erinnerungskultur” ein. Höckes “Dresdener Rede” vom 17. Januar 2017 und Gaulands “Vogelschiss”-Provokation im Juni 2018 sind dabei nur Höhepunkte einer Politik, die die Grenzen des Sagbaren Stück für Stück ausweitet, den Diskurs über den Nationalsozialismus nach rechts verschiebt und einen erinnerungskulturellen Konsens angreift. Sie betreiben Geschichtsklitterung und relativieren die Shoah. Die jüngsten Provokationen einer Gästegruppe aus dem Umfeld Alice Weidels in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen sind nur ein weiteres Beispiel in einer ganzen Reihe. All das blieb ohne Konsequenz innerhalb der AfD. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Verhöhnung der Opfer und Überlebenden der Shoah, sondern um einen Angriff auf unsere Demokratie, auf uns als Jüd*innen, auf alle Menschen, die in einer völkischen Ideologie als “anders” markiert werden.

Die AfD will darüber hinaus durch ihre Forderungen, das Schächten und die Beschneidung zu verbieten, jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland strukturell unmöglich machen.

Um es ganz klar zu sagen: In einer Gesellschaft, wie sie der AfD vorschwebt, sind alle Minderheiten und alle Demokrat*innen in Gefahr. Der Versuch, diese Ausrichtung der AfD von innen zu verändern, zeugt angesichts der Entwicklung der Partei von einer grotesken Selbstüberschätzung. Schlimmer noch: Er kann dazu beitragen, die AfD in den Augen vieler Menschen weiter zu normalisieren. Bei aller Radikalisierung zielen hierauf immer wieder Bestrebungen der AfD ab: Als normale bürgerliche Partei des demokratischen Parteienspektrums wahrgenommen zu werden. Eine jüdische Gruppe in der AfD kann hierfür als willkommene Legitimation und Unterstützung dienen – dem gilt es sich entschieden entgegenzustellen. Denn der streitbare Pluralismus politischer Überzeugungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft hat hier seine Grenze erreicht.

Wir rufen daher alle Jüd*innen dazu auf, sich aktiv für eine demokratische Gesellschaft einzusetzen und völkischen, rassistischen und menschenfeindlichen Positionen auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu widersprechen. Wer dieses Positionspapier unterstützen möchte, melde sich bei uns unter der Adresse jalta@neofelis-verlag.de

Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart
Micha Brumlik
Marina Chernivsky
Max Czollek
Hannah Peaceman
Anna Schapiro
Lea Wohl von Haselberg

Unterzeichner*innen (Institutionen/Organisationen; Einzelpersonen, teils mit Funktionen in alphabetischer Reihenfolge)

Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland
Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt am Main
Liberale Gemeine Gescher LaMassoret Köln, im Namen des Vorstands
Leah Carola Czollek, Gudrun Perko und Corinne Kaszner für das Institut für Social Justice und Radical Diversity
Sharon Adler, AVIVA-Berlin
Miriam Adlhoch
Eri und Rachel Alfandari
Julia Yael Alfandari
Lena Altman, ehemalige langjährige Mitarbeiterin des AJC
Marlon Amoyal, Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Köln
Adriana Altaras, Berlin, Autorin
Daniel Bachrach
Dr. Sandra Anusiewicz Baer
Rafael Balling
Luisa Banki
Markus D. Baur, Rechtsanwalt
Lorenz Beckhardt, Autor und Fernsehredakteur
Leonid Belgorodski, Rechtsanwalt und Mitglied der jüdischen Gemeinde Frankfurt
Bisicky
Barbara Bisicky-Ehrlich
Benjamin Bloch, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.
Y. Michal Bodemann, PhD. Professor em. of Sociology, University of Toronto
B. Bogucki-Land
Amir Borenstein, Managing Director-Geschäftsführer
Rachel De Boor
Hermann Bredl-Sealtiel
Yevgeniy Breyger
Noam Brusilovsky
Laura Cazès
Jonathan Czollek
Prof. Dr. Heike Deckert-Peaceman
Dr. Irit Dekel, Friedrich Schiller Universität Jena und Humboldt Universität zu Berlin
Emily Dische-Becker
PD Dr. med. Imanuel Dzialowski
Eva Ehrlich und Dr. Andrea Livnat, Herausgeberinnen von haGalil.com
Jonas Fegert
Benjamin Fischer, ehemaliger Präsident der Eurpean Union of Jewish Students und Gründungspräsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland
Ruth Fischer
Jo Frank, Leiter des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks
Daniel Freund
Chasan Leah Frey-Rabine
J. Friedmann
Prof. Michel Friedman, Publizist und Philosoph
Günther B. Ginzel
Roman Gleitman
Alina Gromova
Ilana Goldschmidt
Juna Grossmann, Autorin
Marc Grünbaum, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.
Barbara Guggenheim, Hamburg
Yury Gurzhy, Musiker
Myriam Halberstam, Verlegerin und Filmemacherin
Dr. med. Daniel A. Heinrich
Dr. Rodica Heinrich
Dr. phil. Michael M.Heinzmann M.A.
Dorothea Heymann-Reder
Alex Hislop
Dr K. Hannah Holtschneider, Senior Lecturer in Jewish Studies, University of Edinburgh
Prof. Dr. Lena Inowlocki
Nurith Isser
Joela Jacobs
Grischa Judanin
Daniel Kahn, Sänger
Sabine Kamp, Mitglied bei Gescher LaMassoret, jüdische liberale Gemeinde Köln
Itamar Kastner, Berlin
Alexandra Kattein
Prof. Dr. Guy Katz
Chasan Daniel Kempin, Kantor des Egalitären Minjan der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M.
Dan Kern
Dr. Susanna Keval
Grischa Khislavski
Margarita Khusainova
Prof. Dr. Doron Kiesel, Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland
Darja Klingenberg, Institut für Soziologie, Goethe Universität Frankfurt
Lena Kolechstein
Prof. Dr. Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.
Dr. Dani Kranz
Susanne Krause- Hinrichs
Uri Kuchinsky
Cilly Kugelmann
Malin Kundi, Bildende Künstlerin/ Fotografin Sandra Kreisler
Edmund Artmal Kundratek
Dr. Sergey Lagodinsky, Repräsentant, Jüdische Gemeinde zu Berlin
Armin Langer
Eva Lapsker
Prof. Dr. Leo Latasch, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.
Latkes*Berlin
Dr. Roni Lehrer, Politikwissenschaftler Universität Mannheim
Naina Levitan
Andrea Livnat
Valentina Marcenaro
Karen Margolis, Autorin und Übersetzerin
Sigalit Meidler-Waks M. A., Kunsthistorikerin und Judaistin
Alessia und Henk Meijer
Dr. Meron Mendel, Frankfurt am Main
Sarah S. Michelis
Cathy Miller, Business Breezer Consultant for Personal & Business Growth
Igor Mitchnik
Dr. med. Verena Mühlstein und Dr. Jan Mühlstein, Gräfelfing, Mitglieder der Liberalen jüdischen Gemeinde München Beth Shalom und der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
Wolfram Nagel, freier Journalist
Benjamin Nägele, Director of European Affairs B’nai B’rith International
Prof. Dr. Susan Neiman, Einstein Forum Potsdam
Camille Nessel, Doktorandin und Mitarbeiterin der Europäischen Kommission
Rinah Neubauer
Michael Nüssen, Jüdische Gemeinde in Hamburg
Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg
Dr. Tamara Or
Elishewa Patterson-Baysal, Rechtsanwältin Frankfurt am Main
Neala Na‘amah Patterson, Mitglied der jüdischen Gemeinde in Frankfurt
Joshua Peaceman
Marija Petrovic, Künstlerin aus Hamburg
Ido Porat
Dr. Galina Putjata
Dr. Doron Rabinovici
Robby Rajber aus München
Noemi Raz
Chasan Jalda Rebling, spiritual leader of congregation Ohel HaChidusch Berlin
Sigal Rosenfeld
Miriam Rosengarten
Nina Rosenstein
Ina Rosenthal
Agnieszka Rachela Rubinroth
Iris Salzberg
Sasha Marianna Salzmann, Autorin
Bettina Sandberg
Anatol Benjamin Schapiro, Berlin
Olga Schapiro
Miriam Schickler – Kulturschaffende – Berlin
Dr. med. Jennifer Schlundt
Diana Schnabel, Ehrenpräsidentin der WIZO Deutschland
Harry Schnabel, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.
Jordan Lee Schnee
Volker Scholz-Goldenberg
Michal Schwartze
Anita Schwarz
Claudia Sebestyen, Filmpädagogin
PD Dr. Marc Siegel
Rabbiner Jona Simon
Rose Simon
Shemi Shabat
Susana Shaker
Tanya Shoshan
Yury Sokolov
Lien Soryano-Wirmer, Mitglied von Gescher laMassoret
Miriam Speier
Barbara Steiner
Adriana Stern
Mara Stone, Systemische Supervisorin und Coach
Lala Süsskind
Halinka Treperman
Dr. Werner Treß (Moses Mendelssohn Zentrum)
Neta-Paulina Wagner
Susanne Weinhöppel
Nea Weissberg
Albert Wiederspiel | Festival Director Filmfest Hamburg gGmbH
Romina Wiegemann
George R. Wilkes
Dalia Wissgott-Moneta
Dorothea Wolf-Baur
Fabian Wolff, Journalist
Sivan Ben Yishai, Autorin
Ruth Hanna Ziegler

Written by lbucklitsch

September 27th, 2018 at 5:03 am

TU Berlin| Langzeitstudie „Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses”

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Ergebnisse einer vierjährigen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Langzeitstudie im Rahmen der empirischen Antisemitismusforschung zum Thema Verbreitung und Manifestation von Judenhass im Internet. Unter Leitung der Kognitionswissenschaftlerin Prof.  Monika Schwarz-Friesel, Fachgebietsleiterin der Kognitiven Medienlinguistik an der TU Berlin, hat eine Forschergruppe untersucht, wie antisemitische Inhalte über das Netz verbreitet werden, welche Typen von Antisemitismus dabei dominant sind und inwieweit alte judeophobe Stereotype im 21. Jahrhundert modern artikuliert, v.a. in der Manifestationsform des Antiisraelismus, auftreten. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der emotionalen Dimension des Antisemitismus. Die Studie zeigt unter anderem, Antisemitismen haben signifikant zugenommen und der klassische Judenhass ist vorherrschend.

 

Ergebnisse der Langzeitstudie “Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses”

Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses – Kurzfassung

Die ausführliche Darstellung der Forschungsergebnisse in Langfassung:

Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses – Langfassung

Written by lbucklitsch

Juli 19th, 2018 at 10:32 am

Solidarität statt Heimat – Aufruf

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Vom „gefährdeten Rechtsstaat“ in Ellwangen über die „Anti-Abschiebe-Industrie“, vom „BAMF-Skandal“ über „Asylschmarotzer“, von der „Islamisierung“ bis zu den „Gefährdern“: Wir erleben seit Monaten eine unerträgliche öffentliche Schmutzkampagne, einen regelrechten Überbietungswettbewerb der Hetze gegen Geflüchtete und Migrant*innen, aber auch gegen die solidarischen Milieus dieser Gesellschaft. Die politischen Debatten über Migration und Flucht werden seit Monaten von rechts befeuert und dominiert – und kaum jemand lässt es sich nehmen, auch noch mit auf den rechten Zug aufzuspringen.

Doch nicht nur das. Inmitten einer immer noch lebendigen Willkommens- und Unterstützungsbewegung, inmitten der großen und wachsenden Proteste gegen die AfD, inmitten der beeindruckenden Kämpfe von Geflüchteten für ihr Recht auf ein gutes Leben und inmitten wachsender Bewegungen für eine nachhaltige, globale Gerechtigkeit wird vielerorts so getan, als sei der Rechtspopulismus der einzig maßgebliche Ausdruck der aktuellen gesellschaftlichen Stimmungslage. Diese Behauptung ist falsch. Und sie ist politisch fatal.

Es ist daher für uns an der Zeit, gemeinsam und eindeutig Stellung zu beziehen. Wir verweigern uns ausdrücklich der politischen Logik einer sich verfestigenden rechten Hegemonie. Wir wenden uns gegen eine Politik des Ressentiments – und gegen Strategien, die hieraus Kapital schlagen wollen für eine nur dem Anschein nach progressive oder soziale Politik. Wir sind uns sicher, dass es keine fortschrittlichen Antworten auf reaktionäre Fragen gibt. Der rechte Diskurs formuliert keine Probleme. Er ist das Problem.

Nennen wir das Problem beim Namen.
Es heißt nicht Migration.
Es heißt Rassismus.

In den letzten Jahren hat sich in weiten Teilen Europas ein politischer Rassismus etabliert, der die Grenzen zwischen den konservativen, rechten und faschistoiden Lagern zunehmend verschwimmen lässt. Für Deutschland gilt: Der bislang größte Erfolg der AfD war nicht ihr Einzug in den Bundestag. Ihr mit Abstand größter Erfolg ist, dass man sich in diesem Land wieder hemmungslos menschenverachtend geben und äußern kann. Rassismus ist wieder ganz normales Alltagsgeschäft geworden, im hohen Haus in Berlin wie beim Bäcker um die Ecke. Bei „Spitzenpolitikern“ und Normalsterblichen, bei „Liberalen“ – und selbst unter Linken.

25 Jahre nachdem der Deutsche Bundestag auf rechtsextreme Anschläge und Morde mit der Einschränkung des Grundrechts auf Asyl antwortete, erleben wir wieder eine Politik, die ohne Not und am laufenden Band Zugeständnisse an rassistische Ressentiments macht. Es wird auf Abschottung und Ausschluss gesetzt, die Grenzen werden wieder hochgezogen, Schutzsuchende in Lager gesperrt, Menschenrechte missachtet, Bürgerrechte systematisch abgeschafft und dort, wo sie noch existieren, kaltschnäuzig umgangen.

Die Willkommensdiskurse des kurzen Sommers der Migration haben sich in feindselige Abwehrdiskurse verwandelt. Die Einschränkung des Familiennachzuges und die geplanten ANKER-Zentren beschneiden massiv die Rechte von Migrant*innen, erhöhen den existenziellen Druck auf sie und sind bloße Instrumente der Isolation und der Ausgrenzung. Länder, die von Krieg zerstört und von den Kriegsfolgen gezeichnet sind, werden zu sicheren Orten erklärt – aus den tatsächlich sicheren Amtsstuben eines Landes, das mit seiner Wirtschaftsweise systematisch zum Elend der Welt beiträgt. Heimatministerium, Abschiebeoffensive, Hetzkampagnen und institutioneller Rassismus gehören zum Alltag – doch der massive Protest aus der bürgerlichen Mitte bleibt aus.

Was ist eigentlich los in diesem Land?

Nicht nur die bürgerliche Mitte bekennt nicht Farbe. Auch Teile der politischen Linken machen Zugeständnisse an rechte Rhetorik und reaktionäre Ideen und verklären die Ablehnung von Migrant*innen sogar zum widerständigen Moment, ja unterstellen ihr einen rationalen, klassenpolitischen Kern. Doch eines muss klar sein: Rassismus ist niemals ein Akt des Widerstands. Und ebenso klar ist, dass der neue Rassismus, ob von rechts oder links, ohne uns läuft.

Diese Gesellschaft ist geprägt durch die zahlreichen, millionenfachen Geschichten der Migration. Migration ist eine Tatsache. Sie ist mindestens seit den Zeiten der „Gastarbeit“ in der alten Bundesrepublik bzw. der „Vertragsarbeit“ in der DDR und bis auf den heutigen Tag keine Gefahr, sondern eine Kraft der Pluralisierung und Demokratisierung dieser Gesellschaft. Im Sommer 2015 haben wir das erneut erlebt. Damals war die offene Gesellschaft der Vielen für alle real, sie war greifbar und lebendig.

Seitdem hat sich an den Gründen für Flucht und Migration nichts geändert. Geändert haben sich auch nicht die solidarischen Praktiken in den Stadtteilen und den Regionen. Verändert haben sich aber der öffentliche Konsens und der politische Wille, mit den Folgen des westlich-kapitalistischen Treibens in der Welt auf solidarische Weise umzugehen. Stattdessen verfolgt die Europäische Union im Konsens, trotz drei Jahrzehnten des Sterbens an Europas Grenzen, eine Verschärfung ihres Grenzregimes, die den Weg nach Europa noch tödlicher werden lässt und den Zugang zu Flüchtlingsschutz zu einem Gnadenrecht degradiert.

In Deutschland und Europa sind infolge der Ideologie „ausgeglichener“ Haushalte wichtige Ressourcen für gesellschaftliche Solidarität blockiert. Dringend notwendige öffentliche Investitionen in soziale Infrastruktur, in Bildung, Gesundheit, Pflege, sozialen Wohnungsbau und eine integrative Demokratie bleiben aus. Der deutsche Pfad von Sparpolitik und einseitiger Exportorientierung schließt viele Menschen von Wohlstand aus, schafft prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen und nährt Zukunftsängste. Seine Probleme lassen sich jedoch nicht durch eine ständische oder nationalistische Wohlfahrtsstaatlichkeit lösen, die auf soziale Vorrechte und Abschottung setzt – und auf weltfremde Phantasien einer „Steuerung“ von Migration und des wohligen Privatglücks in der „Heimat“.

Das Ausblenden der sozialen Realitäten wird nicht funktionieren. Mit Zuschauen und Schweigen muss endlich Schluss sein: Wir werden Rassismus und Entrechtung konsequent beim Namen nennen. Wir werden uns dem neuen völkischen Konsens entziehen und uns allen Versuchen entgegenstellen, die Schotten der Wohlstandsfestung dicht zu machen.

Unsere Solidarität ist unteilbar – denn Migration und das Begehren nach einem guten Leben sind global, grenzenlos und universell.

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Unterzeichner_innen

  1. Prof. Dr. Naika Foroutan, Berlin (Humboldt-Universität zu Berlin)
  2. Prof. Dr. Micha Brumlik, Frankfurt (Publizist und Autor)
  3. Prof. Dr. Sabine Hark, Berlin (TU Berlin)
  4. Prof. Dr. Arjun Appadurai, New York City (New School)
  5. Amelie Deufhard, Hamburg (Künstlerische Leitung / Intendantin Kampnagel)
  6. Prof. Dr. Stephan Lessenich, München (LMU – Institut für Soziologie)
  7. Prof. Dr. Paul Mecheril, Oldenburg (Carl von Ossietzky Universität)
  8. Volker Lösch, Berlin (Regisseur)
  9. Georg Diez, Berlin (Kolumnist Der Spiegel)
  10. Prof. Dr. Sabine Hess, Göttingen (Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie)
  11. Prof. Dr. María do Mar Castro Varela, Berlin (Alice Salomon Hochschule)
  12. Thomas Ostermeier, Berlin (Künsterischer Leiter, Schaubühne am Lehniner Platz)
  13. Florian Borchmeyer, Berlin (Leitender Dramaturg, Schubühne am Lehniner Platz)
  14. Günter Burkhardt, Frankfurt (Geschäftsführer PRO ASYL)
  15. Prof. Dr. Iman Attia, Berlin (Alice Salomon Hochschule)
  16. Mark Terkessidis (Journalist)
  17. Jagoda Marinic (Autorin)
  18. Ruben Neugebauer, Berlin (Sea Watch)
  19. Prof. Dr. Isabell Lorey (Universität Kassel)
  20. Natalie Bayer, Berlin (Leiterin des Friedrichshain-Kreuzberg Museums)
  21. Elise Bittenbinder, Berlin (Vorsitzende der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren (BAfF) e.V.)
  22. Prof. Dr. Heinz-Jochen Zenker, Berlin (Präsident Ärzte der Welt / Médecins du Monde Deutschland)
  23. Bini Adamczak, Berlin (Autorin)
  24. Dr. Medardus Brehl, Bochum (Institut für Diaspora- und Genozidforschung / Ruhr-Universität Bochum)
  25. Sebastian Huber, München (Chefdramaturg Residenztheater)
  26. Dr. Sabine Flick, Frankfurt/Berkeley (Goethe-Universität/Institut für Sozialforschung/UC Berkeley)
  27. Ulrich Schreiber, Berlin (Direktor des internationalen Literaturfestivals)
  28. Prof. Dr. habil. David Becker, Berlin (Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) Berlin)
  29. Prof. Dr. Beate Binder, Berlin (Humboldt-Universität zu Berlin)
  30. Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu, Bremen (Universität Bremen)
  31. Prof. Dr. Angelika Epple, Bielefeld (Universität Bielefeld)
  32. Prof. Dr. Anna Amelina, Cottbus (BTU Cottbus)
  33. Bernadette La Hengst, Hamburg (Musikerin)
  34. Prof. Dr. Silja Klepp, Kiel (Universität Kiel)
  35. Pfarrerin Dagmar Apel, Berlin (EKBO/BMW)
  36. Prof. Dr. Rita Casale, Wuppertal (Bergische Universität Wuppertal)
  37. Dr. Markus Brunner, Wien (Sigmund-Freud-Universität)
  38. Zeljko Cunovic, Psychoanalytiker, Frankfurt (Frankfurter Psychoanalytisches Institut/ DPV/ IPA)
  39. Prof. Dr. Helmut Dahmer, Wien
  40. Jan Deck, Frankfurt (freier Theatermacher)
  41. Dr. Muriel González Athenas, Bochum (Ruhr Universität)
  42. Prof. Dr. Katja Diefenbach, Berlin/Stuttgart (Merz Akademie)
  43. Jasmin Ihraç, Berlin (Zeitgenössischer Tanz/Choreografie)
  44. Ivana Domazet, Potsdam (Flüchtlingsrat Brandenburg)
  45. Prof. Dr. Ina Kerner, Koblenz (Universität Koblenz-Landau)
  46. Sybille Fezer, Köln (medica mondiale e.V.)
  47. Dr Andrea Fischer-Tahir, Marburg (Universität Marburg)
  48. Daphne Büllesbach, Berlin (European Alternatives)
  49. Univ.-Prof. Dr Andrea Seier, Wien (Universität Wien)
  50. Irene Franken, Kön (Historikerin)
  51. Martin Singe, Bonn (Pax Christi)
  52. Prof. Dr. Cornelia Giebeler, Bielfeld (University of Applied Studies)
  53. Dr. Kurt Grünberg, Frankfurt (Sigmund-Freud-Institut)
  54. Kristine Listau, Berlin (Verbrecher Verlag)
  55. Dr. phil. Nadine Teuber, Frankfurt am Main
  56. Dr. Monika Hauser, Kön (medica mondiale e.V.)
  57. Prof. Dr. Susanne Spindler, Köln (Hochschule Düsseldorf)
  58. Jost Hess, Weiden (Arbeitskreis Asyl Weiden e.V.)
  59. Rechtsanwalt Dr. Matthias Lehnert, Berlin
  60. Dr. Anne Huffschmid, Berlin (Autorin metrozones)
  61. Prof. Dr. Julia Franz, Hannover (Hochschule Hannover)
  62. Prof. Dr. Annita Kalpaka, Hamburg (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
  63. Prof. Dr. Nausikaa Schirilla, Freiburg (Catholic University of Applied Sciences)
  64. Prof. Dr. Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Gießen (Justus-Liebig-Universität )
  65. Prof. Dr. Alexandra Karentzos, Darmstadt (Technische Universität Darmstadt)
  66. Karl Kopp, Frankfurt (PRO ASYL)
  67. Dr. des. Vanessa E. Thompson, Frankfurt am Main (Goethe-Universität Frankfurt)
  68. Prof. Dr. Gesa Köbberling, Freiburg (Evangelische Hochschule)
  69. Dr. Stephan Milich, Köln (Universität zu Köln)
  70. Johanna König, Melbourne & Frankfurt am Main (Goethe Universität Frankfurt)
  71. Dr. Daniel Loick, Frankfurt/Erfurt (Max Weber Kolleg)
  72. Dr. Judith Lebiger-Vogel, Frankfurt (Sigmund-Freud-Institut)
  73. Arne Semsrott (netzpolitik.org)
  74. Dan Thy Nguyen, Hamburg (Regisseur)
  75. Dr. Julia König, Frankfurt am Main (Goethe Universität Frankfurt)
  76. Dr. Jan Lohl, Frankfurt (Sigmund-Freud-Institut)
  77. Dr. des. Alexander Vorbrugg, Bern (Geographisches Institut, Uni Bern)
  78. Prof. Dr. Lena Inowlocki, Frankfurt (Frankfurt University of Applied Sciences)
  79. Prof. Dr. Heidemarie Winkel, Bielefeld (Universität Bielefeld)
  80. apl. Prof. Melanie Ulz, Osnabrück (Kunsthistorisches Institut)
  81. Univ.-Prof. Dr. Johannes Reichmayr, Wien (Sigmund Freud Privatuniversität Wien)
  82. Maike Melles, Frankfurt am Main (Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt)
  83. Bernd Mesovic, Frankfurt (PRO ASYL)
  84. Friedrich Trautmann
  85. Hanna Mittelstädt, Hamburg (Edition Nautilus)
  86. Dr. med. Michael Wilk, Wiesbaden (Arzt, Autor, Umweltaktivist)
  87. Helmut Neusser, Frankfurt (Hans-Böckler-Schule)
  88. Prof. Dr. Aram Ziai, Kassel (Universität Kassel)
  89. Dr. Mariam Popal, Bayreuth (Universität Bayreuth)
  90. Prof. Dr. Barbara Schäuble, Berlin
  91. Dr. Julia Roth, Berlin (Universität Bielefeld)
  92. Prof. Dr. Uta Ruppert, Frankfurt/Main ( Goethe Universität / Fachbereich Gesellschaftswissenschaften)
  93. Ivana Sajko, Berlin / Zagreb (Autorin)
  94. Marta Vardynets, Stuttgart (Furtbachkrankenhaus)
  95. Prof. Dr. habil. Albert Scherr, Freiburg (Institut für Soziologie, Pädagogische Hochschule Freiburg)
  96. Prof. Karin Scherschel, Jena (HS RheinMain)
  97. Prof. Dr. Constance von Rüden, Bochum (Institut für Archäologische Wissenschaften)
  98. Dr. Ernst Schmiederer, Wien (Institut für die Geschichten der Gegenwart)
  99. Prof. Dr. Holger Ziegler, Bielefeld (Universität Bielefeld)
  100. Dr. Christoph Schwarz, Marburg (Centrum für Nah- und Mitteloststudien, Philipps-Universität Marburg)
  101. Prof.Dr. Hans-Günter Thien, Münster (Verlag Westfälisches Dampfboot)
  102. Herr Bernhard Völk, Augsburg
  103. Kenneth Plasa, Leipzig
  104. Tobias Neef-Methfessel, Göttingen
  105. Nina Violetta Schwarz, Berlin (Humboldt Universität)
  106. Ass.Prof. Dr. Eberhard Raithelhuber, Salzburg (Universität Salzburg)
  107. Michael Schmid, Gammertingen (Lebenshaus Schwäbische Alb – Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.)
  108. Lukas Engelmeier, Bremen (Universität Bremen)
  109. Dr. Daniel Burghardt (Universität zu Köln)
  110. Jonas Freist-Held, Berlin (Freie Universität Berlin/ Sciences Po Paris)
  111. Anne-Marlen Engler, Berlin (Humboldt-Universität)
  112. Prof. Dr. Fabian Kessl, Essen (Universität Duisburg-Essen)
  113. MdL Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen Astrid Rothe-Beinlich, Erfurt (grüne Landtagsfraktion)
  114. Martin Link, Kiel (Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.)
  115. Kirsten Eichler, Münster
  116. MdA Katina Schubert, Berlin (Landesvorsitzende DIE LINKE.Berlin)
  117. Habibe Sentürk (Göttingen University)
  118. Dr. Martina Blank, Frankfurt am Main (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt)
  119. Katrin Warnatzsch, Gammertingen (Lebenshaus Schwäbische Alb e.V.)
  120. Maria Braig, Osnabrück
  121. Maximilian Pichl, Berlin (Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge)
  122. Ursula Wirth (Dotmotion, Mediengestaltung)
  123. Leslie Gauditz (Universität Bremen)
  124. Martina Scholz, Osnabrück
  125. Dr Daniel Mullis, Frankfurt am Main
  126. Anita Lechler, Leonberg (Hoffnungsträger Stiftung)
  127. Clara Taxis, Osnabrück (IMIS Osnabrück)
  128. Julia Winkler, Stadtsteinach (Studentin)
  129. Pfr. i.R. Gottfried Brezger, Berlin
  130. Dr. Lutz Meyer, Berlin (Kinderchirurg)
  131. Christine Deutscher, Greifswald (Pommerscher Evangelischer Kirchenkreis)
  132. Siri Keil, Hamburg
  133. Klaus Schwietz, Osnabrück
  134. Maximilian Becker, Leipzig
  135. Birgit Neufert, Hamburg (Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland)
  136. Wouter Venken, Hamburg (Bleibe. e.V.)
  137. Dr. Johanna Neuhauser (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, Universität Osnabrück)
  138. Felix Bender, Budapest (Central European University)
  139. May Bohmann
  140. Frank Martin, Leipzig
  141. Rita Bock, Berlin
  142. Monika Camara, Nürnberg (AFRIKUCO INSTITUT)
  143. Uwe Vorberg, Bochum (Bahnhof Langendreer)
  144. Dr. Claus Neuberger, Berlin
  145. Elena Buck, Leipzig/Göttingen
  146. Astrid Rund, Kludenbach (Weltfrauenmarsch -March Mondiale des Femmes Deutschland)
  147. Timmo Scherenberg, Frankfurt am Main (Hessischer Flüchtlingsrat)
  148. Prof. Dr. Esther Lehnert, Berlin (Alice Salomon Hochschule)
  149. Dr. Frank Schreiber, Darmstadt
  150. Holger Oppenhäuser, Marburg
  151. Martin Rediker, Lippstadt (Grüne Hilfe Netzwerk e. V., Regionalbüro NRW)
  152. Karin Behler, Witten (GEW)
  153. Robin Tautkus, Greiz
  154. Alexander Sorge, Goethestadt Bad Lauchstädt
  155. Frank Steger, Berlin (Berliner Arbeitslosenzentrum evangelischer Kirchenkreise e. V. (Balz))
  156. Prof. Dr. Ilse Lenz, Bochum (Ruhr-Universität Bochum)
  157. Manfred Ohlenschläger, Idstein
  158. Volker Vockerodt, Schweighofen
  159. Heike Weber, Frankfurt/Main
  160. Michael Schipperges, Heidelberg (sociodimensions, Institute for Socio-cultural Research, Heidelberg)
  161. Raphael Bärl, München
  162. Prof. Dr. Cordula Kropp, Stuttgart (Universität Stuttgart)
  163. Kerstin Kuballa, Berlin
  164. Shadi Kooroshy, Oldenburg (Carl von Ossietzky Universität)
  165. Dr. Dirk Jahreis, Göttingen
  166. Klaus Heller, Dreis-Brück (Friedensgruppe Daun)
  167. Katharina Hoppe, Frankfurt am Main (Goethe-Universität Frankfurt)
  168. Hugo Holger Busse, Berlin (Architektur & Urban Design)
  169. Dr. Andrea Marie Ulshöfer, Bonn
  170. Johanna von Hammerstein, Hamburg
  171. Niels Wätzel, Freiburg (Radio Dreyeckland)
  172. Marko Kampmann, Schönkirchen (Universität Kiel)
  173. Philipp Ratfisch (Universität Osnabrück)
  174. Saphira Shure, Oldenburg (Carl von Ossietzky Universität)
  175. Elisa Satjukow, Leipzig (Universität Leipzig)
  176. Katharina Haug, Freiburg
  177. Prof. Dr. Tanja Grendel, Wiesbaden (HS RM)
  178. Hebba Basheer-Gazarin, Münster (GGUA)
  179. Dr. Jan Müller, Basel (Universität Basel)
  180. Dirk Jakob, Kreuztal
  181. Dr. Susanne Offen (Leuphana Universität Lüneburg)
  182. Dr. Wenke Wegner, Werder
  183. Robert Fietzke, Magdeburg (Vorsitzender Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V.)
  184. Martin Weimer, Fiefbergen (Gruppenanalytische-Praxi)
  185. Marlene Fritzsche
  186. Saskia Gränitz, München ((LMU – Institut für Soziologie))
  187. Roxana Dauer (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
  188. Nikolas Schöneck, Dakar
  189. Sarah Besch, Berlin
  190. Franziska Mohaupt, Magdeburg
  191. Prof. Dr. Timm Kunstreich, Hamburg (Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie Hamburg)
  192. Henrik Schimkus, Hamburg
  193. Philipp Seitz, Leipzig
  194. Bodo Pallmer, Frankfurt
  195. Dr. Thomas Bürk, Berlin (Geographisches Institut der Universität Bonn)
  196. Dr. Stefan Schipperges, Offenburg
  197. Sandra Gugic, Berlin (Autorin)
  198. Christian Keusch, Berlin
  199. Apl. Prof. Alex Demirovic, Frankfurt (Goethe Universität)
  200. Dr. Markus Steinmayr, Bochum
  201. Dr. Bruno Nieser, Berlin
  202. Ulrich Haushofer, Reichersbeuern
  203. Lisa Rosa, Hamburg (Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg)
  204. Janis Detert, München (LMU – Institut für Soziologie)
  205. Rolf Edinger, 60439 Frankfurt
  206. Ursula Bub-Hielscher, Berlin
  207. Dr. Manfred Dinkelaker, Laudenbach
  208. David Niebauer, Göttingen (Georg-August-Universität Göttingen)
  209. Olaf Koppe, Berlin (Verlagsleiter, Neues Deutschland Druckerei und Verlag GmbH)
  210. Fatoş Atali-Timmer, Oldenburg (Carl von Ossietzky Universität)
  211. Dr. Mundo Yang, Berlin (Universität Siegen)
  212. Nadine Strauss, Heidelberg
  213. Dr. Simone Claar, Frankfurt/Kassel (Universität Kassel)
  214. Dr. Sören Weißermel (Universität Kiel)
  215. Uwe Adler, Weimar (Mitglied des Sprecherrates des Bürgerbündnisses gegen Rechtsextremismus Weimar)
  216. Silke Blumbach, Berlin
  217. Gottfried Ohnmacht-Neugebauer, Reutlingen
  218. Halina Wawzyniak, Berlin
  219. Lucas Wogawa (Christian-Albrechts-Universität Kiel)
  220. Annika Basten, Berlin (Freie Universität Berlin)
  221. Klaus Kubernus-Perscheid, Wesel (Attac-Niederrhein)
  222. Dr. Hanno Pahl, Freiburg (LMU München)
  223. Ina Pallinger, Marburg (Philips-Universität Marburg)
  224. Dr.med. Joachim Elz-Fianda, Nördlingen (DFG-VK Ortssprecher; IPPNW; IG Med)
  225. Sören Benn, Berlin
  226. Dr Aleksandra Lewicki, Brighton (University of Sussex)
  227. Prof. Dr. Thomas Alkemeyer, Berlin/Oldenburg (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
  228. Dirk Stegemann, Berlin
  229. Dr. Mathias Rodatz, Berlin/Frankfurt a.M. (Goethe-Universität Frankfurt)
  230. Sigrid Juhran, Leipzig
  231. Svenja Marks, Kassel (Universität Kassel)
  232. Holger Dorrenburg, Gera (ISG-Gera, AufAndHalt e.V Gera)
  233. Christian Oppl, München (Karawane München)
  234. Dr. Uwe Gränitz, Chemnitz
  235. Detlef Krowinnus, Hemer
  236. Werner Kopp, Hamburg
  237. Dr. Norbert Kilian, Berlin (Freie Universität Berlin, Botanischer Garten und Botanisches Museum)
  238. Sarah Graber, Berlin

nd| »Besonders problematische« Karikatur

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Für Micha Brumlik ist die von Dieter Hanitzsch angefertigte Zeichnung ein Fall von israelbezogenem Antisemitismus

Walter Benjamin, der sich 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in den Pyrenäen das Leben nahm, war ein Bewunderer von Eduard Fuchs. Fuchs, auch er in den 1930er Jahren Emigrant, wurde 1870 in Göppingen geboren und starb im Januar 1940, vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Paris. Ihm verdanken wir eine Kulturgeschichte der Karikatur, die er über Jahre hinweg in unterschiedlichen Büchern darlegte, so 1921 im Band »Die Juden in der Karikatur«.

Das dort vorgelegte Material – vom Hohn auf die Rothschilds über die Verächtlichmachung der Beschneidung in der österreichischen Satirezeitschrift »Kikeriki« bis zu antisemitischen Plakaten aus dem Zarenreich – zeigt jüdische Männer immer wieder als Menschen mit übergroßen Ohren und deutlich hervorstechenden Hakennasen. Nun ist die Karikatur – nicht anders als die antike Komödie – eine menschenfeindliche Kunstform, der es immer um die Lächerlichmachung des angemaßt Erhabenen geht und somit einem emanzipatorischen Ziel dient.

Nun ist nicht zu bestreiten, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sich den Sieg Netta Barzilais beim Eurovision Song Contest (ESC) durch gemeinsame Auftritte vor den Kameras politisch zu Nutze gemacht hat. Indes: Warum ist im Schriftzug »Eurovision« auf der Karikatur dort, wo sonst ein »v« stehen sollte, ein Davidstern zu sehen? Ist der Eurovision Contest am Ende eine jüdische Angelegenheit? Zudem: Stellen israelische – jüdische? – Raketen derzeit ein sicherheitspolitisches Thema dar? Erinnert dieses Element der Karikatur nicht an jenes fatale, ebenfalls in der »Süddeutschen Zeitung« publizierte Gedicht, das Günter Grass 2012 in den Verdacht brachte, Antisemit zu sein? Dort phantasierte der Literaturnobelpreisträger von einer israelischen Bombe, die das iranische Volk auslöschen könnte – obwohl es doch wieder und wieder die iranische Führung war und ist, die von einer Auslöschung Israels spricht.

 

weiterlesen

Zeit| Micha Brumlik: Leider falsche Lösung

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Die CDU/CSU will Antisemiten ausweisen.

Bald jährt sich wieder die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee. Der 27. Januar ist hierzulande ein bundesweit begangener, gesetzlicher Gedenktag. Gedacht wird des arbeitsteiligen Massenmordes an den europäischen Juden, verübt von Hunderttausenden Deutschen und ihren Kollaborateuren. Aus diesem Anlass wollen nun CDU und CSU auch etwas gegen den Antisemitismus von Flüchtlingen und Asylbewerbern aus dem arabischen Raum tun.

Das kommt der jüdischen Gemeinschaft nur scheinbar entgegen. Sie schaut zwar beunruhigt auf den Zuzug von Menschen, in deren Herkunftsländern antisemitische Indoktrination gängig ist. Doch was planen CDU und CSU konkret? Eine verschärfte Auslegung der Paragrafen 53 und 54 des Aufenthaltsgesetzes soll es künftig ermöglichen, ausländische Personen, die sich antisemitisch äußern oder verhalten, unverzüglich des Landes zu verweisen. Worum würde es gehen? Ein Beispiel: Sprechchöre wie “Juden ins Gas”, etwa bei einer Al-Kuds-Demonstration in Berlin, wären nun (sofern von Ausländern, nicht von Bundesbürgern angestimmt) Ausweisungsgrund.

Doch was genau ist Antisemitismus? Der Berliner Fall eines gebürtigen Deutschen, der vor einem israelischen Lokal laut rief, dass alle Juden in der Gaskammer enden werden, ist eindeutig – doch dieser Mann kann nicht ausgewiesen werden. Und was wäre mit dem palästinensischen Lebensmittelhändler, der sich ostentativ weigert, israelische Produkte zu verkaufen? Wäre das schon israelbezogener Antisemitismus?

Judenhass kann sich in Meinungen, Worten und in Taten äußern. Was wissenschaftlich als Antisemitismus gilt und wie verbreitet er ist, definiert auf vielen Seiten der Bericht der unabhängigen Expertenkommission Antisemitismus vom April 2017. Darin steht zwar der beruhigende Befund: Offener Antisemitismus ist hierzulande randständig wie nie zuvor. Darin stehen aber auch beunruhigende Zahlen: Obwohl nur 14 Prozent aller repräsentativ befragten Deutschen klassisch antisemitischen Meinungen beipflichten, stimmen 55 Prozent sekundär antisemitischen Statements zu (etwa: “Juden nutzen ihre Position als Verfolgte aus”), und 28 Prozent akzeptieren israelbezogenen Antisemitismus. Dagegen hilft die geplante Ausweisungsinitiative nicht. Auch nicht gegen die Tatsache, dass antisemitische Einstellungen unter muslimisch sozialisierten Jugendlichen in Deutschland deutlich verbreiteter sind als unter Nichtmuslimen (Muslime aus arabischen oder nordafrikanischen Ländern sind wiederum stärker als andere Muslime belastet).

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Januar 11th, 2018 at 2:59 pm

domradio| Publizist Brumlik für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten/”Aber bloß keine Demonstrationstermine”

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Nach einem Vorstoß der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli wird diskutiert, ob jeder Deutsche und Asylbewerber eine KZ-Gedenkstätte besuchen soll. Der Publizist Micha Brumlik befürwortet dies – aber unter bestimmten Voraussetzungen.

KNA: Sind Sie für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten?

Micha Brumlik (Deutsch-jüdischer Publizist und Erziehungswissenschaftler): Ich bin grundsätzlich dafür. Und zwar deshalb, weil wenige andere Ereignisse wie die Ermordung von sechs Millionen Juden, Sinti und Roma sowie von sowjetischen Kriegsgefangenen den Geist der bundesdeutschen Verfassung mit ihrem Artikel 1 des Grundgesetzes “Die Würde des Menschen ist unantastbar” geprägt haben. Artikel 1 gehört zu den Prinzipien dieses Landes. Deswegen ist es sinnvoll, und das ist seit einigen Jahren so, dass in den 16 Bundesländern alle Schüler sich in der einen oder anderen Weise verpflichtend mit der NS-Zeit auseinandersetzen müssen. Das ist allerdings von Bundesland zu Bundesland und von Schulart zu Schulart ganz unterschiedlich gut gestaltet.

KNA: Und warum sollten Asylbewerber eine Besichtigung machen?

Brumlik: Weil es sinnvoll ist, dass Menschen, die so oder so in die Bundesrepublik immigrieren, mit diesen Prinzipien vertraut gemacht werden. Ich benutze ausdrücklich nicht den Begriff der Leitkultur, weil ich ihn aus verschiedenen anderen Gründen seiner Unschärfe wegen ablehne.

KNA: Wie müsste eine solche Unternehmung allgemein aussehen?

Brumlik: Die Besuche in KZ- und Vernichtungslager-Gedenkstätten haben nur dann einen Zweck, wenn sie sorgfältig vorbereitet und wenn sie sorgfältig nachbereitet werden. Ein bloßer Demonstrationstermin – also mal kurz rein und wieder raus – wirkt geradezu kontraproduktiv.

Das Ganze ist nur sinnvoll, wenn es mit viel Zeit, mit nicht wenig Geld und mit hoher Professionalität ausgeführt wird. Ich plädiere dafür, dass einzelne Bundesländer, und vielleicht als erstes Berlin, hierzu einen sorgfältig zu evaluierenden Modellversuch starten.

KNA: Wie sollte also ein Pflichtbesuch aus Ihrer Sicht konkret vor- und nachbereitet werden?

Brumlik: Die Betreffenden müssten in zwei, drei Tagen zunächst mit der neueren deutschen Geschichte vertraut gemacht, dann mit den gesellschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen des Nationalsozialismus bekanntgemacht werden. Sie müssten zudem eine Einführung in das Wesen und die Geschichte des Antisemitismus erhalten und auf dieser Basis dann mit der anfänglichen, allmählichen Einschränkung der Rechte von Juden im “Dritten Reich” und damit mit einer Entwicklung vertraut gemacht werden, die schließlich in den Vernichtungslagern geendet hat.

KNA: Könnte ein solcher Besuch tatsächlich Antisemitismus vorbeugen? Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat gesagt, ein “Allheilmittel” sei das nicht.

Brumlik: Ja, ein Allheilmittel ist es nicht. Aber ich glaube doch, wenn man nicht nur Schockfotos oder Filme von ausgemergelten Leichen zeigt – was lange ein Fehler in der sogenannten Holocaust-Education war -, sondern das auch biografisch vertieft am Schicksal von einzelnen Opfern und auch Tätern demonstriert, dass das pädagogisch sinnvoll ist. Aber: Wirklich alles kommt auf die didaktische Umsetzung an.

KNA: Wovor warnen Sie in diesem Zusammenhang?

Brumlik: Was nicht sein darf, wäre eine eineinhalb Tage dauernde Kompaktveranstaltung: etwa derart, dass man Filme wie “Mein Kampf” oder “Nacht und Nebel” zeigen, um am Tag danach nach Dachau oder Flossenbürg fahren, dann noch einmal 90 Minuten drüber reden und danach nach Hause fahren würde. Dann sollte man es besser gleich lassen.

 

Quelle:(KNA)

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Januar 11th, 2018 at 2:52 pm

Morgenpost| “Du Jude!” – So wächst der Antisemitismus in Deutschland

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Viele Juden in Deutschland erleben Vorurteile und Hetze. Von Neonazis, radikalen Muslimen, aber auch aus der Mitte der Gesellschaft.

von Christian Unger

Meldung von Anfang November: Eine Schülerin aus Dresden erhält einen Preis für Zivilcourage. Sie hatte einen Mitschüler angezeigt, weil er und andere Witze über den Holocaust gemacht oder den Hitlergruß gezeigt haben sollen. Die Ermittlungen gegen den Jungen wurden eingestellt. Dafür prangt das Foto des Mädchens schon bald auf Facebook, in Kommentaren wird sie als “Denunziantin” und als “indoktriniert” beschimpft.

Am 9. November, Gedenktag an die Reichspogromnacht der Nationalsozialisten, klauen mutmaßlich Rechtsextremisten mehrere Stolpersteine aus den Gehwegen, die an ermordete Juden erinnern.
Sommer 2014: Eine Pro-Palästina-Kundgebung im Ruhrgebiet eskaliert. Demonstranten rufen: “Hamas, Hamas, Juden ins Gas”.

Im Frühjahr 2017 verlässt ein jüdischer Junge seine Berliner Schule, nachdem Mitschüler aus türkischen und arabischen Familien ihn bedrohten. Die Schulleitung steht in der Kritik. Sie habe weggeschaut.

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November 28th, 2017 at 10:57 am

TimesofIsrael| Martin Luther 500th anniversary marred by anti-Semitism row

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Controversy erupts over ‘Judensau’ carving on church showing Jews suckling the teats of a sow as a rabbi looks under its leg and tail

A bitter row over a medieval anti-Semitic carving on a church wall risks overshadowing Germany’s celebrations on Tuesday to mark the 500th anniversary of the Reformation, the seismic theological shift started by German theologian Martin Luther.

The bas relief sculpture at the heart of the dispute dates from around 1300 and is one of Germany’s last remaining examples of vulgar anti-Jewish folk art that was common in Europe during that era.

The graphic stone image shows Jews suckling the teats of a sow as a rabbi looks intently under its leg and tail. The hateful symbolism is that Jews obtain their sustenance and scripture from an unclean animal.

Many churches in the Middle Ages had similar “Judensau” (Jewish pig) sculptures, which were also aimed at sending the stark message that Jews were not welcome in their communities.

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Oktober 31st, 2017 at 12:55 pm

mdr| Protestaktion gegen die “Judensau”

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Kurz vor dem Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum in Wittenberg haben Persönlichkeiten aus Kirche und jüdischer Gemeinschaft gegen das umstrittene Relief “Judensau” an der Stadtkirche protestiert. An der Kundgebung am Samstagnachmittag in der Lutherstadt beteiligten sich nach Angaben der Initiatoren etwa 40 Bürger. Auch Martin Luther gilt als Antisemit. Worum geht es in der Auseinandersetzung?

Das um 1300 angebrachte Relief zeigt eine Sau, die Menschen säugt – gemeint sind Juden. Ein Mann, der der Sau ins After schaut, soll ebenfalls einen Juden darstellen. Mit der Schmähung sollten Juden abgeschreckt werden, sich in der Stadt niederzulassen. Im Mittelalter wurden durch solche Abbildungen an vielen Kirchen Menschen des jüdischen Glaubens geschmäht.

Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums ist nun wieder die Debatte über den Umgang mit der “Judensau” neu entbrannt, die wegen einer nachträglich ergänzten Inschrift auch “Luthersau” genannt wird. Auch der Reformator Martin Luther (1483-1546) gilt als Antisemit. Besonders in seinen späten Schriften hetzte er gegen Juden.

Wie argumentieren die Befürworter des Reliefs?

Die Gemeinde der Stadtkirche und der Wittenberger Stadtrat haben sich für den Erhalt des Reliefs außen an der Schlosskirche ausgesprochen. Sie argumentieren, als eine der ersten Kirchengemeinden in Deutschland habe die Stadtkirchengemeinde 1988 ein Mahnmal eingeweiht, das sich auf die Schmähplastik beziehe. Die Bodenplatte lege sich dem Besucher förmlich in den Weg. Auf diese Weise werde ein Erinnerungsstück der Geschichte bewahrt und zugleich schuldbewusst und kritisch kommentiert. In einem Positionspapier heißt es: “Geschichte soll nicht versteckt werden und Geschichtsvermittlung gelingt am eindrücklichsten am authentischen Ort.”

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Oktober 31st, 2017 at 12:52 pm

Deutschlandfunk| Der Terror aus den Hügeln, von Micha Brumlik

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Eigentlich passt der Begriff des Fundamentalismus so gar nicht zum Judentum. Schließlich geht es in der jüdischen Religion ganz wesentlich darum, die Bibel zu interpretieren, zu hinterfragen und Textstellen unterschiedlich auszulegen

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Oktober 16th, 2017 at 12:54 pm

RBB| Lehrer klagen über Antisemitismus auf Berliner Schulhöfen

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“Du Jude” als gängige Beschimpfung oder Koranlehrer, die das im staatlichen Unterricht Gelernte überprüfen: Berliner Lehrer berichten in einer Umfrage, dass Antisemitismus und Islamismus sich unter ihren Schülern immer mehr durchsetzen. Von Sascha Adamek und Jo Goll

Antisemitismus und Salafismus unter Schülern mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund gehören zum Schulalltag. Zu diesem Befund kommt eine qualitative Befragung von Lehrerinnen und Lehrern an 21 Berliner Schulen, die dem rbb vorliegt.

Ein Großteil der befragten Lehrerinnen und Lehrer in Berlin wurde schon mit antisemitischen Vorfällen konfrontiert. Einige Schüler würden unter Anleitung “religiöser Autoritäten“ aus Moscheevereinen Druck auf Mitschüler ausüben. Leidtragend seien vor allem Mädchen und junge Frauen, säkulare Muslime und Homosexuelle.

Befragung an 21 Berliner Schulen

Um sich ein erstes Stimmungsbild zu machen, hatte das American Jewish Committee (AJC)parallel zum Berliner Modellprojekt “Demokratie stärken – Aktiv gegen Antisemitismus und Salafismus” eine Dokumentation von Interviews mit Lehrkräften in Auftrag gegeben. Laut dieser Untersuchung auf Grundlage von Befragungen vom Herbst 2015 bis zum Frühjahr 2016 verstärken sich insbesondere antisemitische Tendenzen an Schulen.

Bei der Untersuchung hatte man in Kooperation mit dem “Landesinstitut für Schule und Medien in Berlin Brandenburg” Lehrkräfte aus 21 Schulen in acht Berliner Bezirken im Sekundarbereich befragt. Darunter waren Schulen mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund – aber auch Schulen in sehr bürgerlichen Gegenden. Die Verfasser betonen, dass es sich bei der Umfrage um keine repräsentative Untersuchung der Gesamtsituation an Berliner Schulen handelt, sondern vielmehr um eine empirische Annäherung an das Thema.

Es wurde festgestellt, dass antisemitische Stereotype und Feindbilder laut Aussagen der befragten Lehrkräfte an einigen Schulen stark präsent sind.  Auf Schulhöfen sei es gang und gäbe, sich gegenseitig als “Du Jude!” zu beschimpfen.

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Juli 19th, 2017 at 3:33 pm

TAZ| Kompass einer Jugend

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Wir waren weder Antisemiten noch selbsthasserische Juden: Nicht jede Form des Antizionismus ist mit Antisemitismus gleichzusetzen.

Die zunächst nicht, dann doch ausgestrahlte Arte-Dokumentation „Auserwählt und eingegrenzt“ hat das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt: das Verhältnis von Antisemitismus und Antizionismus. Zudem hat der Bericht des Unabhängigen Expertenkreises der Bundesregierung ergeben, dass sich Antisemitismus immer häufiger hinter antizionistischen Parolen verbirgt. Das kann gleichwohl umgekehrt nicht heißen, dass jede Form des Antizionismus schlicht mit Antisemitismus gleichzusetzen ist.

Vor allem: Was ist von Jüdinnen und Juden wie Judith Butler, die sich für BDS einsetzen, oder von jenen ultraorthodoxen Fundamentalisten zu halten, die Jahr für Jahr in Berlin die von Khomeini erfundene „Al-Quds“-Demonstration eröffnen, weil ihrer Meinung nach nur der Messias die Juden ins verheißene Land zurückführen darf? Alles Antisemiten – und wenn nicht, so doch wenigstens selbsthasserische Jüdinnen und Juden?

Der Autor dieser Zeilen weiß, wovon er schreibt, und hat das vor mehr als zwanzig Jahren in seinen Erinnerungen „Kein Weg als Deutscher und Jude“ auch zu Protokoll gegeben. Ich war mit Sicherheit weder Antisemit noch Selbsthasser, als ich nach Jahren begeisterter Mitgliedschaft in einer zionistischen Jugendorganisation 1967 nach Israel ging, 1968/69 in Jerusalem Mitglied einer antizionistischen Organisation wurde, um bald – weil es mir sinnlos schien, nur deshalb nach Israel einzuwandern, um dort für eine sozialistische Revolution zu kämpfen – in das studentenbewegte Frankfurt am Main zurückzukehren.

 

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Juli 19th, 2017 at 3:30 pm

Deutschlandfunk| Der Tag mit Micha Brumlik – G20-Gipfel – wie viel Protest ist erlaubt?

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Der Tag mit Micha BrumlikG20-Gipfel – wie viel Protest ist erlaubt?

Moderation: Korbinian Frenzel

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Die G20-Gegner haben vor dem Verfassungsgericht einen Teilerfolg errungen: Hamburg darf das Protestcamp nicht verbieten. Außerdem in der Sendung: Italien macht die Häfen für Flüchtlinge dicht und Antisemitismus in Deutschland.

Teilerfolg für G20-Gegner: Ein großes Protestcamp gegen den G20-Gipfel in Hamburg darf starten. Das Bundesverfassungsgericht hob ein generelles Verbot auf. Uneingeschränkt muss die Hansestadt das Camp im Stadtpark allerdings nicht dulden. Hamburg kann das Camp beschränken, Auflagen verhängen oder die Veranstaltung an einen anderen Ort verlegen.

Hamburg hatte das Camp verboten, denn das Zelten in Grünanlagen sei verboten, argumentierte die Hansestadt. Auf die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit könnten sich die Veranstalter in diesem Fall nicht berufen. Das Bundesverfassungsgericht urteilte nun, Teile des Camps seien wie eine normale Demonstration zu bewerten. Zelte, die alleine der Übernachtung dienten, müsse die Stadt jedoch nicht dulden. Nach der Entscheidung der Karlsruher Richter muss sich nun das Hamburgische Oberverwaltungsgericht erneut mit dem Verbot befassen. Wie weit reicht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch? Darüber sprechen wir mit unserem Gast Micha Brumlik.

 

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Publik-Forum| Was tun gegen neuen Antisemitismus?

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von Thomas Seiterich

Auf Schulhöfen ist das Fluchwort »Du Jude« aktuell das Schimpfwort Nummer eins. Und unter den Erwachsenen neigen bei Befragungen in Deutschland rund 40 Prozent zu einem Israel-bezogenen Antisemitismus. Verschärfen Flüchtlinge aus Arabien das Problem? Ein Gespräch mit dem Publizisten Micha Brumlik

Publik-Forum.de: Herr Brumlik, Antisemitismus war in Deutschland lange rückläufig. Jetzt erleben wir eine neue Welle, wie es scheint. Brauchen es einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung? Micha Brumlik: Ich glaube, wir brauchen das. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist es sehr nötig, dass dieses Thema, das derzeit die deutsche Öffentlichkeit sehr umtreibt, auch politisch verantwortlich behandelt wird. Ja, vor allem deshalb brauchen wir einen solchen Beauftragten. Verändert sich durch die neuen Bürger aus arabischen Ländern, die als Flüchtlinge seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, die Situation? Wird die Lage bedrohlicher für Jüdinnen und Juden in Deutschland? Brumlik: Tatsache ist, dass zahlreiche Jüdinnen und Juden sich bedroht fühlen. Ob und wie realistisch das ist, ist eine andere Frage. Wir wissen aus verschiedenen Untersuchungen, dass etwa 40 Prozent der Befragten so etwas wie einen Israel-bezogenen Antisemitismus zu Protokoll geben. Vor diesem Hintergrund dürfte es keinen besonders großen Unterschied ausmachen, ob da noch der eine oder der andere oder auch größere Gruppen von Flüchtlingen, die aus arabischen Ländern kommen und dort mit antisemitischem Antizionismus konfrontiert wurden und den auch aufgenommen haben, diesen hierzulande an den Tag legen.

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Juni 27th, 2017 at 2:10 pm

Antisemitismus in Europa – ARTE 2017

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Bislang weigert sich ARTE diese Doku zu senden. Nun wird sie von der ARD gesendet.

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Juni 17th, 2017 at 7:07 pm

Bundestag| 179 antisemitische Straftaten im ersten Quartal 2017

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Von Januar bis März 2017 wurden bundesweit 179 antisemitische Straftaten erfasst, darunter fünf Gewalttaten und 30 Propagandadelikte. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Links-Fraktion hervor. 169 Straftaten waren rechtsextremistisch motiviert. Insgesamt wurden 78 Tatverdächtige ermittelt, es gab jedoch keine Festnahmen oder Haftbefehle. Zahlen und Fakten zum Thema Antisemitismus finden Sie in unserer gleichnamigen Rubrik.

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Mai 26th, 2017 at 8:56 am

Bundestag| Antisemitische Straftaten ab 2014 / Zahl antisemitischer Straftaten 4.Quartal 2016

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Die Zahl antisemitischer Straftaten in den Jahren 2014 bis 2016 ist ein Thema der Antwort der Bundesregierung (18/11152) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (18/10834). Im Jahr 2014 wurden danach 1.596 antisemitische Straftaten gemeldet und im folgenden Jahr 1.366.

Für den Zeitraum von Januar bis November 2016 wurden den Angaben zufolge bis zum 28. Dezember 1.260 entsprechende Straftaten gemeldet. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht. liegen für das vergangene Jahr “erst vorläufige Zahlen vor, die sich noch verändern können”.

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Im vierten Quartal 2016 ist in Deutschland ein Mensch infolge einer politisch rechts motivierten Straftat mit antisemitischem Hintergrund verletzt worden. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (18/11156) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/11036) hervor.

Danach wurden von Oktober bis Dezember 2016 insgesamt 183 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gemeldet, darunter zwei Gewalttaten und 34 Propagandadelikte. Zu den erfassten 183 Straftaten wurden den Angaben zufolge insgesamt 75 Tatverdächtige ermittelt. Wie die Bundesregierung weiter ausführt, gab es drei Festnahmen und wurde ein Haftbefehl erlassen.

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Februar 27th, 2017 at 1:13 pm

RIAS| Bericht antisemitischer Vorfälle in Berlin 2016

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Im Jahr 2016 erfasste die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) 470 antisemitische Vorfälle in Berlin. Davon sind 17 physische Angriffe, 18 Bedrohungen, 53 Sachbeschädigungen an jüdischem Eigentum oder Orten der Erinnerung an die Schoa sowie 382 auf Fälle verletzenden Verhaltens. Dieses fand in 80 Fällen mündlich statt. In 152 Fällen fand es im Internet statt und war konkret gegen jüdische Personen oder Institutionen gerichtet. Weitere 150 Fälle waren nonverbale Äußerungen, z. B. antisemitische Propaganda, Schmierereien und postalische Zuschriften. Vorfälle extremer Gewalt wurden durch RIAS 2016 nicht registriert.

Die Zahl der registrierten Vorfälle ist gegenüber dem Vorjahr (2015: 405 Fälle) um 16 % angestiegen. Diese Zunahme liegt nach unserer Einschätzung vor allem in einer höheren Zahl uns gemeldeter antisemitischer Vorfälle. Hintergrund ist der verbesserte Austausch mit jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen bezüglich der Verbreitung von entsprechenden Kenntnissen. Neben den genannten 470 antisemitischen Vorfällen wurden der RIAS weitere 192 potentielle Vorfälle bekannt. Diese wiesen entweder keinen antisemitischen Inhalt auf oder fanden im Internet statt, ohne gegen konkrete Personen oder Institutionen gerichtet zu sein. Insgesamt hat die RIAS 6871 Meldungen geprüft und ausgewertet.

Von 297 der gemeldeten Vorfälle waren insgesamt 303 Personen unmittelbar betroffen. Die Zahl der von Antisemitismus Betroffenen hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt (2015: 151 Betroffene). Bei 132 betroffenen Personen war den Täter_innen bekannt, dass es sich um Jüdinnen oder Juden handelt, was einen Anstieg um 132 % gegenüber 2015 (57 erkennbar jüdische Betroffene) bedeutet. Davon waren 54 Jüdinnen und Juden in einer Face-to-face-Situation Angriffen oder verbalen Bedrohungen und Beschimpfungen ausgesetzt. Per E-Mail und in sozialen Netzwerken wurden 70 erkennbare Juden_Jüdinnen antisemitisch angefeindet. Sieben Sachbeschädigungen richteten sich gegen das private Eigentum von Jüdinnen oder Juden.

2016 wurden in Berlin 42 Sachbeschädigungen an Orten der Erinnerung an die Schoa festgestellt. Dies ist mehr als drei Mal so viel als im Vorjahr (2015: 15 Sachbeschädigungen). Es gab darüber hinaus 53 Fälle von mündlichen und schriftlichen Beschimpfungen und Bedrohungen, Reden auf Versammlungen und Propagandafällen, welche Abwehrhaltungen gegenüber dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zum Motiv hatten. Dies drückte sich in Schoa-Leugnungen oder – Relativierungen der Verhöhnung der Opfer oder der Figur der Täter-Opfer-Umkehr aus. Insgesamt stand jeder fünfte antisemitische Vorfall 2016 im Zusammenhang mit einer solchen Motivation.

Die geographische Verteilung der Vorfälle auf die Berliner Stadtbezirke ist ähnlich wie im Vorjahr. Ein Schwerpunkt ist mit 100 Vorfällen der Bezirk Mitte (mit den Stadtteilen Moabit, Tiergarten, Wedding). An zweiter und dritter Stelle liegen Charlottenburg-Wilmersdorf (49) und Kreuzberg- Friedrichshain (47). Alleine in Moabit wurden 30 antisemitische Vorfälle verzeichnet – mehr als in neun der zwölf Berliner Bezirke (siehe Grafik „Geographische Verteilung“).

Was die zeitliche Verteilung betrifft, ereigneten sich von den insgesamt registrierten 470 Vorfällen 2016 mit 294 Vorfällen knapp zwei Drittel (63 %) in der zweiten Jahreshälfte (Juli bis Dezember 2016). Die Zahl der bekannt gewordenen stieg von 29 pro Monat in der ersten Jahreshälfte auf 49 in der zweiten Jahreshälfte. Gemeldete antisemitische Anfeindungen im Internet nahmen in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zur ersten sogar um 267 % zu. Diese enorme Steigerung ist vermutlich auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen werden der RIAS zunehmend mehr Vorfälle gemeldet. Die bundesweite Medienberichterstattung über RIAS anlässlich des einjährigen Bestehens der Onlineplattform www.report-antisemitism.de im Juli 2016 trug zu einer wesentlich höheren Bekanntheit der Meldemöglichkeit bei. Zum anderen dürfte sich auch das gesellschaftliche Klima verändert haben. Hier schlagen sich in den Fallzahlen vor allem die seit Juli 2016 häufiger und aggressiver vorgetragenen Anfeindungen gegen zivilgesellschaftliche Projekte nieder, die (antisemitische) Hate-Speech im Internet bekämpfen.

 

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Februar 27th, 2017 at 6:58 am

Mitbestimmung| MICHA BRUMLIK ÜBER DIE NEUE RECHTE

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Interview Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik über die Think Tanks der Neuen Rechten, den Aufstieg von AfD und Pegida, und wie die Linke dagegen ihre Themen behaupten kann.

Herr Brumlik, Sie haben sich ausgiebig mit der Ideologie der Neuen Rechten befasst, insbesondere mit der identitären Bewegung, die glaubt, jede Ethnie habe ein Lebensrecht, aber eben nur in dem Raum, der ihr zusteht. Wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt, lebt dieser Ideologie zufolge identitär. Warum befassen Sie sich mit diesen Theorien?

Durch die Wahlerfolge der AfD ist die Neue Rechte politisch eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung wert. Es gibt einen Think Tank, der hinter diesen ideologischen Erfolgen der AfD steht, der aus sich aus rechtsintellektuell eingestellten Personen und Institutionen zusammensetzt, die auf die politische Meinungsbildung gezielt Einfluss nehmen wollen.

Wer sind diese Leute?

Dazu zähle ich die rechtsreformistische Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und die Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“, eine private Einrichtung, die sich als Aktionsplattform für neurechte Bildungsarbeit darstellt. Dazu gehört auch die „Blaue Narzisse“, eine Jugendzeitschrift aus Chemnitz, die seit 2004 erscheint und Leute wie Götz Kubitschek um die Zeitschrift „Sezession“. Nicht zu vergessen Jürgen Elsässer, der bis 2008 für erklärtermaßen linke Medien wie Neues Deutschland oder Junge Welt tätig war und heute das rechtspopulistische Magazin „Compact“ herausgibt.

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