Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Antisemitismus’ Category

RBB| Lehrer klagen über Antisemitismus auf Berliner Schulhöfen

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„Du Jude“ als gängige Beschimpfung oder Koranlehrer, die das im staatlichen Unterricht Gelernte überprüfen: Berliner Lehrer berichten in einer Umfrage, dass Antisemitismus und Islamismus sich unter ihren Schülern immer mehr durchsetzen. Von Sascha Adamek und Jo Goll

Antisemitismus und Salafismus unter Schülern mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund gehören zum Schulalltag. Zu diesem Befund kommt eine qualitative Befragung von Lehrerinnen und Lehrern an 21 Berliner Schulen, die dem rbb vorliegt.

Ein Großteil der befragten Lehrerinnen und Lehrer in Berlin wurde schon mit antisemitischen Vorfällen konfrontiert. Einige Schüler würden unter Anleitung „religiöser Autoritäten“ aus Moscheevereinen Druck auf Mitschüler ausüben. Leidtragend seien vor allem Mädchen und junge Frauen, säkulare Muslime und Homosexuelle.

Befragung an 21 Berliner Schulen

Um sich ein erstes Stimmungsbild zu machen, hatte das American Jewish Committee (AJC)parallel zum Berliner Modellprojekt „Demokratie stärken – Aktiv gegen Antisemitismus und Salafismus“ eine Dokumentation von Interviews mit Lehrkräften in Auftrag gegeben. Laut dieser Untersuchung auf Grundlage von Befragungen vom Herbst 2015 bis zum Frühjahr 2016 verstärken sich insbesondere antisemitische Tendenzen an Schulen.

Bei der Untersuchung hatte man in Kooperation mit dem „Landesinstitut für Schule und Medien in Berlin Brandenburg“ Lehrkräfte aus 21 Schulen in acht Berliner Bezirken im Sekundarbereich befragt. Darunter waren Schulen mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund – aber auch Schulen in sehr bürgerlichen Gegenden. Die Verfasser betonen, dass es sich bei der Umfrage um keine repräsentative Untersuchung der Gesamtsituation an Berliner Schulen handelt, sondern vielmehr um eine empirische Annäherung an das Thema.

Es wurde festgestellt, dass antisemitische Stereotype und Feindbilder laut Aussagen der befragten Lehrkräfte an einigen Schulen stark präsent sind.  Auf Schulhöfen sei es gang und gäbe, sich gegenseitig als „Du Jude!“ zu beschimpfen.

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Juli 19th, 2017 at 3:33 pm

TAZ| Kompass einer Jugend

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Wir waren weder Antisemiten noch selbsthasserische Juden: Nicht jede Form des Antizionismus ist mit Antisemitismus gleichzusetzen.

Die zunächst nicht, dann doch ausgestrahlte Arte-Dokumentation „Auserwählt und eingegrenzt“ hat das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt: das Verhältnis von Antisemitismus und Antizionismus. Zudem hat der Bericht des Unabhängigen Expertenkreises der Bundesregierung ergeben, dass sich Antisemitismus immer häufiger hinter antizionistischen Parolen verbirgt. Das kann gleichwohl umgekehrt nicht heißen, dass jede Form des Antizionismus schlicht mit Antisemitismus gleichzusetzen ist.

Vor allem: Was ist von Jüdinnen und Juden wie Judith Butler, die sich für BDS einsetzen, oder von jenen ultraorthodoxen Fundamentalisten zu halten, die Jahr für Jahr in Berlin die von Khomeini erfundene „Al-Quds“-Demonstration eröffnen, weil ihrer Meinung nach nur der Messias die Juden ins verheißene Land zurückführen darf? Alles Antisemiten – und wenn nicht, so doch wenigstens selbsthasserische Jüdinnen und Juden?

Der Autor dieser Zeilen weiß, wovon er schreibt, und hat das vor mehr als zwanzig Jahren in seinen Erinnerungen „Kein Weg als Deutscher und Jude“ auch zu Protokoll gegeben. Ich war mit Sicherheit weder Antisemit noch Selbsthasser, als ich nach Jahren begeisterter Mitgliedschaft in einer zionistischen Jugendorganisation 1967 nach Israel ging, 1968/69 in Jerusalem Mitglied einer antizionistischen Organisation wurde, um bald – weil es mir sinnlos schien, nur deshalb nach Israel einzuwandern, um dort für eine sozialistische Revolution zu kämpfen – in das studentenbewegte Frankfurt am Main zurückzukehren.

 

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Juli 19th, 2017 at 3:30 pm

Deutschlandfunk| Der Tag mit Micha Brumlik – G20-Gipfel – wie viel Protest ist erlaubt?

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Der Tag mit Micha BrumlikG20-Gipfel – wie viel Protest ist erlaubt?

Moderation: Korbinian Frenzel

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Die G20-Gegner haben vor dem Verfassungsgericht einen Teilerfolg errungen: Hamburg darf das Protestcamp nicht verbieten. Außerdem in der Sendung: Italien macht die Häfen für Flüchtlinge dicht und Antisemitismus in Deutschland.

Teilerfolg für G20-Gegner: Ein großes Protestcamp gegen den G20-Gipfel in Hamburg darf starten. Das Bundesverfassungsgericht hob ein generelles Verbot auf. Uneingeschränkt muss die Hansestadt das Camp im Stadtpark allerdings nicht dulden. Hamburg kann das Camp beschränken, Auflagen verhängen oder die Veranstaltung an einen anderen Ort verlegen.

Hamburg hatte das Camp verboten, denn das Zelten in Grünanlagen sei verboten, argumentierte die Hansestadt. Auf die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit könnten sich die Veranstalter in diesem Fall nicht berufen. Das Bundesverfassungsgericht urteilte nun, Teile des Camps seien wie eine normale Demonstration zu bewerten. Zelte, die alleine der Übernachtung dienten, müsse die Stadt jedoch nicht dulden. Nach der Entscheidung der Karlsruher Richter muss sich nun das Hamburgische Oberverwaltungsgericht erneut mit dem Verbot befassen. Wie weit reicht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch? Darüber sprechen wir mit unserem Gast Micha Brumlik.

 

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Publik-Forum| Was tun gegen neuen Antisemitismus?

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von Thomas Seiterich

Auf Schulhöfen ist das Fluchwort »Du Jude« aktuell das Schimpfwort Nummer eins. Und unter den Erwachsenen neigen bei Befragungen in Deutschland rund 40 Prozent zu einem Israel-bezogenen Antisemitismus. Verschärfen Flüchtlinge aus Arabien das Problem? Ein Gespräch mit dem Publizisten Micha Brumlik

Publik-Forum.de: Herr Brumlik, Antisemitismus war in Deutschland lange rückläufig. Jetzt erleben wir eine neue Welle, wie es scheint. Brauchen es einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung? Micha Brumlik: Ich glaube, wir brauchen das. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist es sehr nötig, dass dieses Thema, das derzeit die deutsche Öffentlichkeit sehr umtreibt, auch politisch verantwortlich behandelt wird. Ja, vor allem deshalb brauchen wir einen solchen Beauftragten. Verändert sich durch die neuen Bürger aus arabischen Ländern, die als Flüchtlinge seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, die Situation? Wird die Lage bedrohlicher für Jüdinnen und Juden in Deutschland? Brumlik: Tatsache ist, dass zahlreiche Jüdinnen und Juden sich bedroht fühlen. Ob und wie realistisch das ist, ist eine andere Frage. Wir wissen aus verschiedenen Untersuchungen, dass etwa 40 Prozent der Befragten so etwas wie einen Israel-bezogenen Antisemitismus zu Protokoll geben. Vor diesem Hintergrund dürfte es keinen besonders großen Unterschied ausmachen, ob da noch der eine oder der andere oder auch größere Gruppen von Flüchtlingen, die aus arabischen Ländern kommen und dort mit antisemitischem Antizionismus konfrontiert wurden und den auch aufgenommen haben, diesen hierzulande an den Tag legen.

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Juni 27th, 2017 at 2:10 pm

Antisemitismus in Europa – ARTE 2017

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Bislang weigert sich ARTE diese Doku zu senden. Nun wird sie von der ARD gesendet.

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Juni 17th, 2017 at 7:07 pm

Bundestag| 179 antisemitische Straftaten im ersten Quartal 2017

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Von Januar bis März 2017 wurden bundesweit 179 antisemitische Straftaten erfasst, darunter fünf Gewalttaten und 30 Propagandadelikte. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Links-Fraktion hervor. 169 Straftaten waren rechtsextremistisch motiviert. Insgesamt wurden 78 Tatverdächtige ermittelt, es gab jedoch keine Festnahmen oder Haftbefehle. Zahlen und Fakten zum Thema Antisemitismus finden Sie in unserer gleichnamigen Rubrik.

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Mai 26th, 2017 at 8:56 am

Bundestag| Antisemitische Straftaten ab 2014 / Zahl antisemitischer Straftaten 4.Quartal 2016

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Die Zahl antisemitischer Straftaten in den Jahren 2014 bis 2016 ist ein Thema der Antwort der Bundesregierung (18/11152) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (18/10834). Im Jahr 2014 wurden danach 1.596 antisemitische Straftaten gemeldet und im folgenden Jahr 1.366.

Für den Zeitraum von Januar bis November 2016 wurden den Angaben zufolge bis zum 28. Dezember 1.260 entsprechende Straftaten gemeldet. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht. liegen für das vergangene Jahr „erst vorläufige Zahlen vor, die sich noch verändern können“.

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Im vierten Quartal 2016 ist in Deutschland ein Mensch infolge einer politisch rechts motivierten Straftat mit antisemitischem Hintergrund verletzt worden. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (18/11156) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/11036) hervor.

Danach wurden von Oktober bis Dezember 2016 insgesamt 183 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gemeldet, darunter zwei Gewalttaten und 34 Propagandadelikte. Zu den erfassten 183 Straftaten wurden den Angaben zufolge insgesamt 75 Tatverdächtige ermittelt. Wie die Bundesregierung weiter ausführt, gab es drei Festnahmen und wurde ein Haftbefehl erlassen.

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Februar 27th, 2017 at 1:13 pm

RIAS| Bericht antisemitischer Vorfälle in Berlin 2016

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Im Jahr 2016 erfasste die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) 470 antisemitische Vorfälle in Berlin. Davon sind 17 physische Angriffe, 18 Bedrohungen, 53 Sachbeschädigungen an jüdischem Eigentum oder Orten der Erinnerung an die Schoa sowie 382 auf Fälle verletzenden Verhaltens. Dieses fand in 80 Fällen mündlich statt. In 152 Fällen fand es im Internet statt und war konkret gegen jüdische Personen oder Institutionen gerichtet. Weitere 150 Fälle waren nonverbale Äußerungen, z. B. antisemitische Propaganda, Schmierereien und postalische Zuschriften. Vorfälle extremer Gewalt wurden durch RIAS 2016 nicht registriert.

Die Zahl der registrierten Vorfälle ist gegenüber dem Vorjahr (2015: 405 Fälle) um 16 % angestiegen. Diese Zunahme liegt nach unserer Einschätzung vor allem in einer höheren Zahl uns gemeldeter antisemitischer Vorfälle. Hintergrund ist der verbesserte Austausch mit jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen bezüglich der Verbreitung von entsprechenden Kenntnissen. Neben den genannten 470 antisemitischen Vorfällen wurden der RIAS weitere 192 potentielle Vorfälle bekannt. Diese wiesen entweder keinen antisemitischen Inhalt auf oder fanden im Internet statt, ohne gegen konkrete Personen oder Institutionen gerichtet zu sein. Insgesamt hat die RIAS 6871 Meldungen geprüft und ausgewertet.

Von 297 der gemeldeten Vorfälle waren insgesamt 303 Personen unmittelbar betroffen. Die Zahl der von Antisemitismus Betroffenen hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt (2015: 151 Betroffene). Bei 132 betroffenen Personen war den Täter_innen bekannt, dass es sich um Jüdinnen oder Juden handelt, was einen Anstieg um 132 % gegenüber 2015 (57 erkennbar jüdische Betroffene) bedeutet. Davon waren 54 Jüdinnen und Juden in einer Face-to-face-Situation Angriffen oder verbalen Bedrohungen und Beschimpfungen ausgesetzt. Per E-Mail und in sozialen Netzwerken wurden 70 erkennbare Juden_Jüdinnen antisemitisch angefeindet. Sieben Sachbeschädigungen richteten sich gegen das private Eigentum von Jüdinnen oder Juden.

2016 wurden in Berlin 42 Sachbeschädigungen an Orten der Erinnerung an die Schoa festgestellt. Dies ist mehr als drei Mal so viel als im Vorjahr (2015: 15 Sachbeschädigungen). Es gab darüber hinaus 53 Fälle von mündlichen und schriftlichen Beschimpfungen und Bedrohungen, Reden auf Versammlungen und Propagandafällen, welche Abwehrhaltungen gegenüber dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zum Motiv hatten. Dies drückte sich in Schoa-Leugnungen oder – Relativierungen der Verhöhnung der Opfer oder der Figur der Täter-Opfer-Umkehr aus. Insgesamt stand jeder fünfte antisemitische Vorfall 2016 im Zusammenhang mit einer solchen Motivation.

Die geographische Verteilung der Vorfälle auf die Berliner Stadtbezirke ist ähnlich wie im Vorjahr. Ein Schwerpunkt ist mit 100 Vorfällen der Bezirk Mitte (mit den Stadtteilen Moabit, Tiergarten, Wedding). An zweiter und dritter Stelle liegen Charlottenburg-Wilmersdorf (49) und Kreuzberg- Friedrichshain (47). Alleine in Moabit wurden 30 antisemitische Vorfälle verzeichnet – mehr als in neun der zwölf Berliner Bezirke (siehe Grafik „Geographische Verteilung“).

Was die zeitliche Verteilung betrifft, ereigneten sich von den insgesamt registrierten 470 Vorfällen 2016 mit 294 Vorfällen knapp zwei Drittel (63 %) in der zweiten Jahreshälfte (Juli bis Dezember 2016). Die Zahl der bekannt gewordenen stieg von 29 pro Monat in der ersten Jahreshälfte auf 49 in der zweiten Jahreshälfte. Gemeldete antisemitische Anfeindungen im Internet nahmen in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zur ersten sogar um 267 % zu. Diese enorme Steigerung ist vermutlich auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen werden der RIAS zunehmend mehr Vorfälle gemeldet. Die bundesweite Medienberichterstattung über RIAS anlässlich des einjährigen Bestehens der Onlineplattform www.report-antisemitism.de im Juli 2016 trug zu einer wesentlich höheren Bekanntheit der Meldemöglichkeit bei. Zum anderen dürfte sich auch das gesellschaftliche Klima verändert haben. Hier schlagen sich in den Fallzahlen vor allem die seit Juli 2016 häufiger und aggressiver vorgetragenen Anfeindungen gegen zivilgesellschaftliche Projekte nieder, die (antisemitische) Hate-Speech im Internet bekämpfen.

 

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Februar 27th, 2017 at 6:58 am

Mitbestimmung| MICHA BRUMLIK ÜBER DIE NEUE RECHTE

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Interview Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik über die Think Tanks der Neuen Rechten, den Aufstieg von AfD und Pegida, und wie die Linke dagegen ihre Themen behaupten kann.

Herr Brumlik, Sie haben sich ausgiebig mit der Ideologie der Neuen Rechten befasst, insbesondere mit der identitären Bewegung, die glaubt, jede Ethnie habe ein Lebensrecht, aber eben nur in dem Raum, der ihr zusteht. Wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt, lebt dieser Ideologie zufolge identitär. Warum befassen Sie sich mit diesen Theorien?

Durch die Wahlerfolge der AfD ist die Neue Rechte politisch eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung wert. Es gibt einen Think Tank, der hinter diesen ideologischen Erfolgen der AfD steht, der aus sich aus rechtsintellektuell eingestellten Personen und Institutionen zusammensetzt, die auf die politische Meinungsbildung gezielt Einfluss nehmen wollen.

Wer sind diese Leute?

Dazu zähle ich die rechtsreformistische Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und die Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“, eine private Einrichtung, die sich als Aktionsplattform für neurechte Bildungsarbeit darstellt. Dazu gehört auch die „Blaue Narzisse“, eine Jugendzeitschrift aus Chemnitz, die seit 2004 erscheint und Leute wie Götz Kubitschek um die Zeitschrift „Sezession“. Nicht zu vergessen Jürgen Elsässer, der bis 2008 für erklärtermaßen linke Medien wie Neues Deutschland oder Junge Welt tätig war und heute das rechtspopulistische Magazin „Compact“ herausgibt.

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Abgeordnetenhaus Berlin| Nichts gegen Juden, aber… – Antisemitische Vorfälle in Berlin 2016

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Titel: Nichts gegen Juden, aber… – Antisemitische Vorfälle in Berlin 2016
Abgeordnete: Tomiak, June (Bündnis 90 / Die Grünen)
Link: http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/18/SchrAnfr/S18-10208.pdf

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Februar 3rd, 2017 at 10:07 am

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Deutschlandradio| Jüdischer Glaube und die Shoa – Wo war Gott in Auschwitz?

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Von Jens Rosbach

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Das Gedenken an den Holocaust dreht sich meist um die Frage, wie der Mord an sechs Millionen Juden möglich war. Gott spielt dabei zunächst keine Rolle. Unser Autor Jens Rosbach hat sich damit beschäftigt und den Einfluss der Shoah auf den jüdischen Glauben beleuchtet.

Holocaust-Überlebende berichten oft: Seit Auschwitz können wir nicht mehr religiös sein. Wer die unvorstellbaren Nazi-Verbrechen miterlebt hat, der kann einfach nicht mehr an einen allmächtigen, gütigen Gott glauben.

„Für uns Opfer war alles deutsch: Das Zyklongas war deutsch, die die Krematorien bauten, waren deutsch,. Die Befehle wurden auf Deutsch gegeben. Bis zum Ende der Zeiten wird Auschwitz Teil Ihrer Geschichte sein, so wie es Teil der meinigen sein wird.“

Im Bundestag steht ein grauhaariger Mann am Rednerpult. Er hat tiefe Furchen im Gesicht, und seine linke Hand spielt unruhig mit einer Büroklammer: Elie Wiesel, 83 Jahre alt, Shoah-Überlebender. Der amerikanische Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger spricht, am Holocaust-Gedenktag im Jahr 2000, nicht nur die Frage nach der deutschen Schuld an. Sondern noch eine andere – nicht minder brisante – Frage: Ob auch Gott Schuld habe am Massenmord an den Juden.

„Nicht einmal Gott, den Gott Israels, schien es zu rühren. Mehr noch als das Schweigen der andern war Gottes Schweigen ein Geheimnis, das vielen von uns rätselhaft bleibt und uns bedrückt bis auf den heutigen Tag. Doch dies ist ein Thema, das wir am heftigsten diskutieren, wenn wir unter uns sind.“

„Ich habe mehreren Erhängungen beigewohnt. Nie habe ich einen der Verurteilten weinen sehen, denn ihre ausgemergelten Körper hatten seit langem den bitteren Trost der Tränen vergessen. Mit Ausnahme einer Vollstreckung.“

Hat Gott im Holocaust sein Angesicht verborgen?

In seinem autobiografischen Buch „Die Nacht“ äußert sich der ehemalige KZ-Häftling Elie Wiesel noch klarer, noch radikaler über Gott. In der Schlüssel-Szene kommen drei Lager-Insassen an den Galgen, darunter ein Kind. Alle anderen Inhaftierten werden gezwungen zuzuschauen.

„Wo ist Gott, wo ist er?“ fragte jemand hinter mir… Auf ein Zeichen des Lagerchefs kippten die Stühle um. Die beiden Erwachsenen lebten nicht mehr. Aber der dritte Strick hing nicht leblos, der leichte Knabe lebte noch. Mehr als eine halbe Stunde hing er so und kämpfte vor unseren Augen zwischen Leben und Sterben seinen Todeskampf. Hinter mir hörte ich denselben Mann fragen: „Wo ist Gott?“ Und ich hörte eine Stimme in mir antworten:

„Wo er ist? Dort hängt er, am Galgen…“

Für viele Zeitzeugen, die Angst, Hunger, Folter und Vergasungen miterlebt haben, ist klar: Gott ist in Auschwitz gestorben. Ein Fazit, dass auch – teilweise – die jüdische Theologie gezogen hat. Den Auftakt machte 1966 der US-amerikanische Rabbiner Richard Rubenstein. Mit seinem Buch „After Auschwitz“ provozierte er die religiöse Fachwelt.

„Im Grunde lässt sich seine Position in drei Worten zusammenfassen: Gott ist tot.“

Berichtet der Historiker und Germanist Christoph Münz. Nach Angaben des hessischen Publizisten argumentierte Rubenstein damals mit strenger Logik:

„Erstens: Gott kann es unmöglich erlaubt haben, dass der Holocaust geschehen ist. Zweitens: Der Holocaust ist aber geschehen. Und deshalb, drittens, existiert Gott – so wie es in der jüdischen Tradition gedacht ist – nicht.“

Es folgten heftige innerjüdische Debatten. Eine viel beachtete, gegensätzliche These stammt vom jüdischen Philosophen Eliezer Berkovits. Der Rabbiner war 1939 aus Nazi-Deutschland geflüchtet und lebte viele Jahre in den USA.

„Berkovits sagt, dass Gott im Holocaust sein Angesicht verborgen hat. Und er tut dies, um den Menschen und der Schöpfung Raum für Freiheit zu geben – dass das Gute und das Böse gleichermaßen stark werden können.“

Ein anderer Vertreter der angelsächsischen „Holocaust-Theologie“ versuchte, den Widerspruch zwischen Gottes Allmacht und der Shoah dialektisch zu lösen: der orthodoxe Rabbiner Irving Greenberg.

„Er sagt: Die klassische Gegenüberstellung von Glaube-Nichtglaube, religiös und säkular, kommt der Komplexität des Holocaust nicht nahe genug. ‚Wir müssen wahrnehmen‘, ich zitiere ihn, „dass es Zeiten gibt, in denen der Glaube bewältigt wird. Wir müssen nun von Augeblicken des Glaubens sprechen. Augenblicken, in denen der Erlöser und die Vision des Erlösers gegenwärtig sind, unterbrochen von Zeiten, in denen die Flammen und der Rauch der verbrennenden Kinder den Glauben auslöschen. Wenngleich er immer wieder auffachen wird.“

„Keine Endlösungen mehr“

Greenberg lässt viele Interpretationen zu, er wendet sich gegen jegliche Endgültigkeit religiöser Deutungen und bilanziert:

„Nach dem Holocaust sollte es keine Endlösungen mehr geben. Nicht einmal mehr theologische.“

Berlin-Mitte, gegenüber der evangelischen Sophienkirche. Ein Mietshaus mit schwerem Eisentor und großem Hinterhof – Sitz des Zentrums jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Hier arbeitet der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Der liberale Jude, der als Kind jüdischer Flüchtlinge geboren wurde, glaubt – trotz der Shoah – an Gott. Aber er macht Abstriche.

„Das mich überzeugendste Erklärungsmuster ist das des Philosophen Hans Jonas, der eine wichtige Schrift verfasst hat über den Gottesbegriff  nach Auschwitz, in der er sagt: Wenn man intellektuell redlich sein will, dann muss man von den klassischen Prädikaten Gottes Allgüte, Allwissen und Allmacht die dritte Eigenschaft streichen.“

Gott ohne Allmacht – kann man dann überhaupt noch von Gott sprechen, wenn er teilweise ohnmächtig ist?

„Doch, das kann man schon denken. Gott ist die Weisung, der Wegweiser, die Stimme vom Sinai, die uns verpflichtet. Aber nicht jemand, der von jenseits des Weltalls beliebig in die menschlichen Dinge reinfunken kann.“

Der Professor weiß, dass Jonas‘ Ansatz widersprüchlich ist. So müsse man etwa die Frage stellen, ob Gott jemals allmächtig gewesen sei.

„Was natürlich im Widerspruch zu den Befreiungsgeschichten der Kinder Israel aus Ägypten steht. Weil da ist es ja Gott, der mit starker Hand und ausgestrecktem Arm Israel aus der Sklaverei in die Freiheit geführt hat. Das konnte nur ein allmächtiger Gott.“

Keine Abstriche am Gottesbild

Für viele Juden kommt es jedoch nicht infrage, am Gottesbild Abstriche zu machen; vor allem orthodoxe Juden schütteln entsetzt den Kopf. Rabbiner Zsolt Balla etwa, der aus Ungarn stammt und heute in Leipzig arbeitet, kann sich einen ohnmächtigen Gott nicht vorstellen.

„Dieser Gedanke kann mit orthodoxem Judentum nicht zusammengehen. Unsere Axiomen sind die 13 Axiomen von Glaube, die Rabbi Mosche Ben Maimon im 12. Jahrhundert formuliert hat. Diese Axiomen sagen sehr sehr klar: Gott ist allmächtig. Wir können das nicht infrage stellen. In der Sekunde, in der man das infrage stellt, bedeutet das, dass man nicht mehr im Rahmen von Orthodoxie ist.“

Allerdings musste das orthodoxe Judentum auch schon Positionen revidieren beim Thema Shoah. So wurde jahrelang argumentiert, dass Gott die NS-Vernichtung zugelassen habe als Strafe für die eigenen Sünden. Etwa für die „Sünde“, dass immer mehr Juden seit der Aufklärung nur noch rational denkem und nicht mehr fromm sind. Rabbiner Balla hält nichts vom „Holocaust als göttliche Strafe“, er hält es lieber mit Berkovits‘ These, dass Gott sein Antlitz zeitweise verborgen hat.

„Wenn wir sagen: Es gibt eine Ursache und eine Wirkung, dann haben wir die Arroganz zu sagen: Ich weiß warum welche Sache in der Welt passiert. Nur Gott weiß das. Es gibt etwas, aber es ist nicht in unserer Hand – und deshalb für bestimmte Zwecke, für bestimmt Gründe, muss Gott sein Gesicht in bestimmten Generationen verbergen. Warum ist das so? Wir wissen es nicht.“

Die jüdische Theologie nach Auschwitz ist das Dissertations-Thema des Historikers und Germanisten Christoph Münz. Bei seinen Recherchen ist ihm aufgefallen, dass die Rabbiner nicht nur religiös argumentieren, wenn es um die sogenannte Theodizee-Frage geht, also um die Frage nach Gottes Rolle bei all dem Übel in der Welt. So habe der liberale Rabbiner Emil Fackenheim, ein KZ-Überlebender, eine historisch begründete These aufgestellt. Fackenheim meint, dass in der Nazi-Zeit Gottes Ruf hörbar wurde: nämlich sein Gebot, trotzdem weiter zu glauben.

„Die Begründung ist: Wenn Du anfängst, an Gott zu zweifeln, dann tust Du Hitlers Job, genau das wollte er erreichen: Dass wir Juden, unser Erbe, unsere Tradition, unsere religiöse Identität aufgeben.“

Andere Experten argumentieren psychoanalytisch – wie David Blumenthal, ein US-amerikanischer Professor für jüdische Studien. Blumenthal ging in den 90er Jahren mit einer noch skandalträchtigeren These als Gott-ist-tot an die Öffentlichkeit: Gott habe sein eigenes Volk missbraucht, als er den Holocaust zuließ – lautet Blumenthals Anklage. In therapeutischen Kreisen stieß seine These auch auf Zustimmung.

„Wo war Gott in jenen Tagen?“

„Aber im religiösen Bereich, ist er für diese Position heftig kritisiert worden – in dem Sinne, als dass er ja nun mit diesem Bild Gottes als einen Vater, der sein Kind missbraucht, gänzlich die jüdische Tradition verlassen würde. Und eine völlige Neudeutung betreibt, die so nicht mitgetragen werden kann.“

Es gibt weiteren Streit. Denn viele Theologen kommen auf Israel zu sprechen, wenn sie nach Gott im Genozid suchen. So postuliert der orthodoxe Rabbiner Irving Greenberg, dass die Gründung des jüdischen Staates – nach 2000 Jahren Diaspora – Grund genug sei, weiterhin an Gott zu glauben. Experte Christoph Münz warnt allerdings vor der Verknüpfung von Holocaust, Religion und Israel: Im jüdischen Staat begründeten heute rechte wie linke Kreise ihre Ziele ständig mit der Shoah.

„Was eben dann zu der Kritik führt, dass hier die Erinnerung an den Holocaust zunehmend politisch instrumentalisiert wird – und sich verselbständigt.“

Ist Gott tot? Oder hat er sich während der Shoah nur abgewendet? Fragen, die auch die christliche Kirche beschäftigen.

Benedikt XVI

„An diesem Ort des Grauens, einer Anhäufung von Verbrechen gegen Gott und den Menschen ohne Parallele in der Geschichte, zu sprechen, ist fast unmöglich – ist besonders schwer und bedrückend für einen Christen, einen Papst, der aus Deutschland kommt.“

So Benedikt XVI, 2006, bei seinem Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Benedikt XVI

„Immer wieder ist da die Frage: Wo war Gott in jenen Tagen? Warum hat er geschwiegen?“

Der Shoah-Überlebende und Schriftsteller Elie Wiesel, der im vergangenen Sommer gestorben ist, spitzte die Frage der Christen folgendermaßen zu:

„Der nachdenkliche Christ weiß, dass in Auschwitz nicht das jüdische Volk, sondern das Christentum gestorben ist.“

Der Hintergrund: Die christliche Theologie war mitschuldig an den Nazi-Verbrechen. So sieht der jüdische Publizist Günther Bernd Ginzel, der sich für eine christlich-jüdische Verständigung einsetzt, die deutsche Kirchenlehre kritisch.

„Ohne diese Theologie hätte es den nationalsozialistischen Antisemitismus in diesem Vernichtungswillen nicht gegeben. Die Nazis haben sich in ihrer Propaganda auf praktisch sämtliche Kirchenväter und Luther berufen können. Ihr Argument war – die Kirche sagt das seit anderthalb Jahrtausenden – „Die Juden sind das Unglück. Die Juden haben Gott gemordet.“ Sie sind eine Gefahr. Und wir setzen nur in die Tat um, was seit langem kirchlicherseits gefordert wird.“

Nach 1945 haben sich die christlichen Kirchen allerdings der eigenen Schuld gestellt – räumen selbst jüdische Fachleute ein – wie der Berliner Professor Micha Brumlik.

„Ich sehe es so, dass durch den Holocaust und durch die kritische Selbstreflexion der Kirchen die Nähe zum Judentum im christlichen Glauben wieder sehr viel stärker geworden ist.“

„Alle diese Holocaust-Theologen reflektieren natürlich: Und was heißt das jetzt, können wir noch mit Christen zusammen leben, können wir noch mit ihnen in den Dialog treten, wie sollen wir uns ihnen gegenüber verhalten?“

Ist die Reue der Christen oberflächlich?

Berichtet der hessische Publizist Christoph Münz. Dabei schränkt er ein, dass es auch viele Juden gäbe, die die Reue der Christen als oberflächlich empfinden und die Kirchen als – nach wie vor – überheblich gegenüber den Juden. Der Philosoph Eliezer Berkovits gehöre zu diesen Skeptikern.

„Während das Gros dafür plädiert, dass man natürlich in die Verständigung mit den christlichen Theologen gehen muss, gehört Berkovitz zu denen, der dieses Elie-Wiesel-Zitat sehr wörtlich nimmt. Er sagt: Das einzige, was wir uns heute noch von Christen und Christentum wünschen ist, dass sie von uns und unseren Kindern ihre Hände lassen! Er setzt wirklich den radikalen Schnitt und sagt: Wir wollen mit Christen und Christentum nichts mehr zu tun haben.“

Allerdings: Die jahrzehntelangen theologischen Dispute sind zumeist unter Rabbinern und Intellektuellen geführt worden; und die scharfen Debatten haben dem jüdischen Gott nichts anhaben können. Wenn heute der Anteil gläubiger Juden geringer sei als früher, resümiert Münz, liege dies am allgemeinen Säkularisierungs-Trend und nicht an der Shoah.

„Das macht deutlich, dass im Mainstream, im Großen und Ganzen sozusagen, der Holocaust offenbar keine zentrale Rolle spielt in einer Revidierung oder Veränderung der persönlichen Glaubenseinstellungen. Das Gottesbild ist selber mehr oder weniger intakt geblieben.“

Und das typische Gottesbild ist mystisch, widersprüchlich, unfassbar. So gesteht der orthodoxe Rabbiner Zsolt Balla, dass auch er keine Antwort habe auf die Frage, wo Gott war, als sechs Millionen Juden vernichtet wurden.

„Wir können nur kleine Pixel sehen von einem Billiarden-Megapixel-Bild. Wir können nur ein sehr kleines Segment sehen. Wir denken, dass Gott, er hat die Möglichkeit, das ganze Bild zu sehen.“

Quelle: Deutschlandradio Kultur

Written by lbucklitsch

Januar 20th, 2017 at 8:39 pm

WDR| Interview mit Micha Brumlik: „Die AfD ist religionsfeindlich“

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Die AfD ist keine antisemitische Partei, meint der Publizist Micha Brumlik im Interview bei WDR 5. Tatsächlich schlage sich die AfD auf die Seite Israels – weil der Staat als Bollwerk der westlichen Demokratie gegen den Islam gelte.

WDR 5: Wieviel Antisemitismus gehört zur AfD?

Micha Brumlik: Also auf der programmatischen Ebene findet sich dort kein Antisemitismus. Wenn man davon absieht, dass einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden, Alexander Gauland, sich angemaßt hat mitzuteilen, dass seiner Meinung nach das Schächtverbot kein Kerngehalt des Judentums angreife – im Unterschied zu einem möglichen Verbot der Beschneidung. Das war nicht Gaulands Sache. So hat er sich nicht zu äußern.

Wolfgang Gedeon in der Tat ist ein überzeugter Antisemit. Und das war dem einen oder anderen wichtigen Politiker der AfD auch durchaus bekannt. Jörg Meuthen wusste von diesen Verstrickungen, ohne dass er wahrscheinlich Gedeons Bücher gelesen hatte, ähnliches gilt auch von Björn Höcke.

Aber auf der programmatischen Ebene wird man, im Unterschied zur Islamfeindlichkeit, Antisemitismus bei der AfD nicht finden. Was die Leute am Stammtisch denken oder sagen, das wissen wir nicht. Etwas anderes steht allerdings nach den Ereignissen der letzten Tage fest: dass ein Teil der Landtagsfraktion bereit gewesen ist, den Antisemitismus von Gedeon in Kauf zu nehmen, billigend in Kauf zu nehmen.

WDR 5: Auf der programmatischen Ebene, sagen Sie, ist kein Antisemitismus zu finden. Gibt es aber sowas wie einen latenten Antisemitismus im Profil der AfD?

Brumlik: Also ich kann das, wie gesagt, abgesehen von Äußerungen, die ich eben zitiert habe, bisher nicht behaupten.

WDR 5: Es gibt andere Kommentatoren, die von einer notdürftig verschlüsselten antisemitischen Propaganda sprechen, wenn dort immer gegen anglo-amerikanisch dominierte Lebensart oder zinsbasierten Globalkapitalismus gewettert wird.

Brumlik: Ja, das sind natürlich Chiffren des Antisemitismus seit den 1930er Jahren. Aber es wird eben nicht explizit ausdrücklich ausgesprochen. Das ist richtig, dass man gegen diese Form von anglo-amerikanischem Kapitalismus glaubt, protestieren zu müssen und dass man, indem man die Zinsfrage aufnimmt, auch ein altes Thema von Antisemiten wieder aufnimmt. Nur Juden werden nicht genannt und im Unterschied dazu gibt es auch bei der AfD Stimmen, wie etwa in Frankreich oder in Österreich, die sich dann sehr massiv auf den Staat Israel beziehen – und zwar positiv.

WDR 5: Inwiefern?

Brumlik: Naja, insofern der Staat Israel als Bollwerk der westlichen Demokratie und natürlich vor allem als Bollwerk gegen den Islam gilt.

WDR 5: Und das passt dann eben besser zur Islamfeindschaft. Wie verhält die sich diese Islamfeindschaft zu diesen leicht antisemitischen Tendenzen oder zu denjenigen in der AfD, die sich jetzt offen antisemitisch geäußert haben?

Brumlik: Ich kann nur sagen, die Islamfeindschaft steht im Parteiprogramm drin. Das ist der offizielle gemeinsame Wille aller Parteimitglieder. Alles andere sind Meinungen, die man am Stammtisch oder in irgendwelchen Internetkommunikationen findet. Das wird es so oder anders auch in anderen Parteien geben.

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Die AfD ist keine antisemitische Partei, meint der Publizist Micha Brumlik im WDR 5-Interview. Tatsächlich schlage sich die AfD auf die Seite Israels – weil der Staat als Bollwerk der westlichen Demokratie gegen den Islam gelte.

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JA| Ein Phänomen der Moderne

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Die Bildungsabteilung im Zentralrat lud zur Diskussion über Fundamentalismus in den Weltreligionen

16.06.2016 – von Barbara Goldberg

Was ist das für ein Phänomen?« Micha Brumlik sprach an, was für die meisten alltägliche Realität geworden ist: die Angst vor islamistisch fundierten Terroranschlägen und die enorme Aufrüstung der Sicherheitskräfte, um dieser Bedrohung zu begegnen. »90.000 Polizisten sind jetzt bei der EM in Frankreich im Einsatz, und wir nehmen das als ganz selbstverständlich hin.« Ja, wie lässt sich erklären, dass fundamentalistische Weltbilder diese große Faszination auf viele Menschen ausüben und ihnen häufig sogar als moralische Rechtfertigung dienen, andere zu töten?

Antworten auf diese Fragen sollte das dreitägige Symposium finden, zu dem die Bildungsabteilung im Zentralrat in der vergangenen Woche ins Frankfurter Gemeindezentrum geladen hatte, und zwar gerade nicht auf den Islamismus beschränkt, auch wenn die Auseinandersetzung mit diesem die Vorträge, Workshops und Gespräche am Ende doch dominierte. Wie Micha Brumlik, emeritierter Erziehungswissenschaftler an der Frankfurter Goethe-Universität, in seinem Vortrag schilderte, lassen sich aber auch im Judentum fundamentalistische Tendenzen beobachten. Allerdings spielen diese seiner Meinung nach außerhalb Israels weder eine politische Rolle noch stellten sie ein friedensgefährdendes Problem dar.

Das Absurde ist, dass dieselben biblischen Quellen zu zwei komplett entgegengesetzten radikalen Strömungen innerhalb der jüdischen Orthodoxie geführt haben: Während die radikalen Siedler der Gruppe »Gusch Emunim« glauben, Ostjerusalem, Hebron und das Westjordanland seien genau jene Teile des Heiligen Landes, die Gott seinem auserwählten Volk verheißen habe, lehnen die Satmarer Chassidim den Staat Israel ab und solidarisieren sich mit der arabischen Bevölkerung in Palästina.

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FR| JÜDISCHE GEMEINDE FRANKFURT: Wer Angst hat, wird anfällig

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Von 

Der Zentralrat der Juden macht religiösen Fundamentalismus zum Thema einer Tagung in Frankfurt. Der Publizist Micha Brumlik erntet für seinen Beitrag Beifall und Widerspruch zugleich.

Was bringt junge Menschen dazu, sich radikalen religiösen Gruppen anzuschließen? Bei Ahmad Mansour waren es vor allem Mobbing und Zukunftssorgen, die ihn anfällig machten. Als er als Schüler in die Gruppe eines radikalen Imams geriet, waren seine Ängste „von heute auf morgen weg“, sagt Mansour, arabischer Israeli und Islamismus-Experte. Er habe Jahre gebraucht, um sich aus dieser Ideologie herauszuarbeiten. „Aber meine Person zeigt: Es ist machbar, wenn man die richtigen Leute trifft und die richtigen Bücher liest.“

Es ist ein besonderer Abend bei der Jüdischen Gemeinde im Westend. Als ein Höhepunkt der Konferenz „Die Faszination fundamentalistischer Weltbilder“, organisiert vom Zentralrat der Juden in Deutschland, berichtet der heute in Berlin lebende Mansour aus seinem Leben und von seiner pädagogischen Arbeit mit jungen Muslimen. Es seien auch das Gottesverständnis vieler konservativer Imame, die ständige Angst vor der Hölle und die Tabuisierung der Sexualität, die junge Muslime in die Hände der Fundamentalisten trieben, sagt Mansour. Zur Flüchtlingsdebatte stellt er Forderungen an Politik und Gesellschaft: Die Geflüchteten benötigten „Zugänge in die Mehrheitsgesellschaft“, es brauche viel mehr Fördermittel und Projekte, um es „diesmal anders zu machen als bei den Gastarbeitern und ihren Kindern“.

Zugleich müsse man junge Muslime befähigen, sich kritisch mit ihrer eigenen Religion auseinanderzusetzen. Man müsse autoritäres Denken und Antisemitismus auch unter Migranten offen und mittels „gewinnender Arbeit“ ansprechen. „Ich weiß, wie schwer das ist“, sagt Mansour.

 

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NETZ GEGEN NAZIS|WIE ANTISEMITISCH IST DIE AFD?

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Antisemitismus ist wesentlicher Bestandteil des Weltbildes der deutschen extremen Rechten. Aber kann es auch eine deutsche Rechte ohne Antisemitismus geben? Anders als die NPD sanktioniert die AfD, zumindest hin und wieder, antisemitische Ausfälle ihre Mitglieder. Mehr noch: Sie wirbt häufiger im Vorfeld von Parteiveranstaltung gezielt um die Teilnahme von Jüdinnen und Juden. Parteichefin Petry reiste jüngst gar auf Einladung zu einem politischen Vortrag nach Israel. Vereinzelt werden auf AfD-Demonstrationen Israel-Fahnen getragen. Das lässt die Frage aufkommen, spielt Antisemitismus bei der AfD keine Rolle?

Von Jan Riebe

AfD wirbt um Juden

„Wir als AfD sind bei euch! Wir verstehen eure Ängste und Sorgen!“ (NW) – so warb die AfD in Paderborn um die Teilnahme von Jüdinnen und Juden an einer Demonstration im Februar 2016. Kein Einzelfall. In mehreren Städten versuchte die AfD Jüdische Verbände oder Einzelpersonen für Parteiveranstaltungen zu gewinnen. Die Reaktionen der Jüdischen Gemeinden waren einhellig. Sie warnten ihre Mitglieder davor, sich von der Rechtsaußenpartei instrumentalisieren lassen. „Die AfD tritt manchmal mit der Idee an uns heran, dass wir uns doch mit ihnen gegen islamischen Antisemitismus wenden sollten. Aber ich habe mir deren Veranstaltungen angeschaut: Diese Leute hassen heute die Muslime, und morgen hassen sie uns“, so Reinhard Schramm, Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Diese Haltung verwundert nicht, denn es gibt schon heute zahlreicher antisemitische Äußerungen aus den Reihen der AfD.

Antisemitische Postings

 

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Mai 10th, 2016 at 1:16 pm

Brumlik/Funke| Der Programmparteitag der AfD hat es geklärt: Die AfD ist deutschnational – und damit rechtsradikal

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Der Programmparteitag der AfD hat es geklärt: Die AfD ist deutschnational – und damit rechtsradikal

Am späten Vormittag des 1. Mai hat der Parteitag mit großer Mehrheit seine Islamfeindlichkeit ins Programm geschrieben. Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Damit will die Partei das, was im Grundgesetz steht, die uneingeschränkte Glaubensfreiheit, einschränken: Sie will Minarette verbieten und Muezzinrufe.

Zur Begründung erklärt der Vertreter des radikalen Flügels, Hans-Thomas Tillschneider: Eine Aufklärung des Islam ist weder realistisch noch wünschenswert. Als gleichwohl jemand für den Dialog mit Muslimen eintrat, wurde er nicht nur ausgebuht, sondern ausgepfiffen. D.h., dass jede Differenzierung unerwünscht ist: Man will den Feind Islam pur, und die Abweisung des Dialogs mit Muslimen im Land zeigt unüberhörbar, dass es auch gegen die Muslime hier geht. D.h.: ausweislich des Parteitags der AfD ist nur der Islam, sondern sind die Muslime im Land der Feind. Diese Situation am späten Vormittag des 1. Mai in Stuttgart war Ausdruck einer totalitären Stimmung.

Die Stimmung war gewollt: Niemand aus dem Vorstand hat sich gegen diese hermetische Feinderklärung in die Bresche geworfen: Weder Gauland noch Meuthen noch Petry. Und Frau von Storch hat diese Ausrichtung noch betont. Es gab einen einzigen aus der Führungsriege der Partei, den sogenannten Parteiphilosophen Marc Jongen, der von einem großen Fehler sprach, aber in der Abstimmungsmaschine unter der Leitung des ehemaligen Sprechers der Deutschen Burschenschaft, dem Tagungsleiter Christoph Basedow und der riesigen Mehrheit des Parteitags unterging.

Die „Zeit“ hat recht: Für die AfD enden die Freiheiten der Individuen dort, wo sie mit dem Willen einer angeblichen deutschen Volksmehrheit und ihrer Volkskultur kollidieren. Die Partei vertritt ein Politikverständnis, in dem die Mehrheit immer Recht hat und Minderheiten sich unterzuordnen haben. Im Weltbild der AfD ist nicht vorgesehen, dass das (ethnisch-deutsche) Wir und das fremde muslimische Ihr sich irgendwie vermischen, ohne dass es gefährlich wird. Wer einmal Deutsch ist, wird es immer bleiben. Wer jetzt noch Muslim ist, wird immer Gegner sein.

Schon am Tag zuvor hat der Europa-Abgeordnete der AfD, Marcus Pretzell unter großem Beifall des Parteitags erklärt, er werde sich der Fraktion der rechtsradikalen Front National und der rassistischen Lega Nord, der ENF im Europaparlament, anschließen.

Und am Abend des gleichen Tags erklärt die Parteivorsitzende, dass das Wort deutschnational zur AfD passe. Die Deutschnationalen aber waren – wie jeder wissen sollte – eine rechtsradikale völkisch-nationalistische Partei der Weimarer Republik, die in ihren späten Jahren sich in der Harzburgerfront mit den Nationalsozialisten verband und diese 1933 an die Macht brachte.

Berlin, 2. 5. 2016

Micha Brumlik, Hajo Funke,

Deutsches Historisches Museum Berlin| ANGEZETTELT – ANTISEMITISCHE UND RASSISTISCHE AUFKLEBER VON 1880 BIS HEUTE

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Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute

20. April bis 31. Juli 2016

Jeder kennt sie und überall kleben sie: auf Straßenschildern, Briefkästen, in S-Bahnhöfen, in Kinderzimmern, auf Liebesbriefen. Klebemarken und -zettel, auch Spuckis genannt, sind seit dem späten 19. Jahrhundert massenhaft verbreitet. Ein kleines Format, das mit großem Eifer im öffentlichen Raum verbreitet, privat gesammelt und getauscht wird. Als kostengünstiges Medium werden Aufkleber bereits früh genutzt, um Weltbilder zu popularisieren. Sammelbilder und -alben verbreiten und verfestigen rassistische Vorstellungen von Ungleichheit und Überlegenheit und tragen sie ins private Leben. Unter Antisemiten waren Klebezettel mit judenfeindlichen Bildern und Parolen außerordentlich populär. Doch jüdische Organisationen wehrten sich bald gegen diese Hetze und bekämpften öffentlich die antisemitische Propaganda. Auch heute werden Sticker zur politischen Agitation genutzt. „Refugees welcome“ oder „Nein zum Heim“-Aufkleber signalisieren Akzeptanz, polarisieren oder schüchtern Menschen ein.

 

Die Ausstellung zeigt Klebezettel, Sammelmarken und -bilder, Briefverschlussmarken und Sticker vom Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus bis zur Gegenwart in ihren jeweiligen Kontexten. „Angezettelt“ erzählt von einer sozialen Praxis menschenfeindlicher Ressentiments und gleichermaßen die Geschichte der Abwehr antisemitischer und rassistischer Feindbilder.

Die Ausstellung bietet neben Texten in deutscher und englischer Sprache die Hauptinformationen auch in Braille, in Leichter Sprache sowie als Gebärdenvideo an. „Inklusive Kommunikations-Stationen“ laden Besucherinnen und Besucher zu einem partizipativen Einstieg in jeden Themenbereich ein.

Flyer zur Ausstellung

Download (PDF)

 

Eine gemeinsame Ausstellung des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und des Deutschen Historischen Museums. Die Ausstellung wird unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes.

Zentrum für Antisemitismusforschung

 

 

Gefördert durch die

Kulturstiftung des Bundes

 

DEUTSCHES HISTORISCHES MUSEUM

Zeughaus und Ausstellungshalle
Unter den Linden 2
10117 Berlin

Tel. +49 30 20304-0
Info-Tel. +49 30 20304-444

ÖFFNUNGSZEITEN

täglich 10–18 Uhr
24. Dezember geschlossen

EINTRITT

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
Tageskarte für alle Ausstellungen: 8 €, ermäßigt* 4 €
Jahreskarte 50 € (mit Begleitperson 70 €), ermäßigt* 40 €

 

 

 

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April 23rd, 2016 at 11:24 am

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RBB| Antisemitismus und Rassisimus auf Aufklebern

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Wissenschaft

Antisemitismus und Rassisimus auf Aufklebern

Sa 23.04.16 10:10 | 06:00 min | Verfügbar bis 23.04.17 | radioeins

Sie zieren Laternenpfähle, Mülleimer, Stromkästen und Parkbänke: Bunte Aufkleber prägen unser Stadtbild, auch privat werden sie begeistert gesammelt und getauscht.

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April 23rd, 2016 at 11:19 am

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Antisemitismus spielt in deutschen Parlamenten fast keine Rolle

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Im Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis 31.März 2016 finden sich lediglich 23 Einträge zum Themenkomplex „Antisemitismus“ in den Parlamentsdokumenten der Landesparlamente und des Deutschen Bundestages.

Hier der Überblick:

1.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenDer Freistaat Bayern bekämpft entschlossen jede Form des Extremismus
Bayerischer Landtag – Dringlichkeitsantrag 1 Kreuzer, Thomas (CSU), Zellmeier, Josef (CSU), Herrmann, Florian, Dr. (CSU), Huber, Thomas (CSU), Dünkel, Norbert (CSU), Flierl, Alexander (CSU), Gibis, Max (CSU), Ländner, Manfred (CSU), Lederer, Otto (CSU), Lerchenfeld, Ludwig, Freiherr von (CSU), Lorenz, Andreas (CSU), Reichhart, Hans, Dr. (CSU), Tomaschko, Peter (CSU), CSU (CSU) Drucksache 17/10528 16.03.2016
2.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenAntisemitische Überfälle, Sachbeschädigungen, Leugnung der Shoa und andere antisemitische Straftaten im Monat Februar 2016
Sachsen – KlAnfr Kerstin Köditz DIE LINKE 29.02.2016 Drs 6/4408
3.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenPolitische Bildung in Niedersachsen stärken – Vielfalt der Träger und Akteure erhalten!
Niedersachsen – Entschließungsantrag CDU 17.02.2016 Drucksache 17/5197 (2 S.)(Zurückgezogen durch Drucksache 17/5554)Direktüberweisung am 18.02.2016 an Ausschuss für Wissenschaft und Kultur
4.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenVon der Polizei registrierte Straftaten im Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität – rechts“ im Monat Dezember 2015
Sachsen-Anhalt – Kleine Anfrage und Antwort Henriette Quade (DIE LINKE), Sebastian Striegel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ministerium für Inneres und Sport 12.02.2016 Drucksache 6/4807 (KA 6/9042) (16 S.)
5.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenVon der Polizei registrierte Gewaltstraftaten im Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität – rechts“ im Monat Dezember 2015
Sachsen-Anhalt – Kleine Anfrage und Antwort Henriette Quade (DIE LINKE), Sebastian Striegel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ministerium für Inneres und Sport 12.02.2016 Drucksache 6/4806 (KA 6/9041) (6 S.)
6.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenAntisemitische Delikte (IV) – „Israel-Palästina-Konflikt“
Berlin – Schriftliche Anfrage 17/17923 Herrmann, Clara (Grüne) Drucksache 17/17923 04.02.2016 S.1-27
7.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenAntisemitische Überfälle, Sachbeschädigungen, Leugnung der Shoa und andere antisemitische Straftaten im Monat Januar 2016
Sachsen – KlAnfr Kerstin Köditz DIE LINKE 02.02.2016 Drs 6/4132
8.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenSchmierereien an Synagoge in Dresden
Sachsen – KlAnfr André Schollbach DIE LINKE 29.01.2016 Drs 6/4093
9.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenAktuelle Stunde: Gegen rechte Gewalt: handeln statt zündeln! Demokratie stärken – Sicherheit schaffen – Prävention ausbauen
Bayerischer Landtag – Aktuelle Stunde 3 DIE GRÜNEN (GRU) Plenarprotokoll 17/63 28.01.2016 S.5327-5338 Schulze, Katharina (GRÜ), Reichhart, Hans, Dr. (CSU), Arnold, Horst (SPD), Gottstein, Eva (FREIE WÄHLER), Eiling-Hütig, Ute, Dr. (CSU), Rabenstein, Christoph, Dr. (SPD), Schreyer-Stäblein, Kerstin (CSU), Herrmann, Florian, Dr. (CSU), Schreyer-Stäblein, Kerstin (CSU), Heike, Jürgen W. (CSU), Beißwenger, Eric (CSU), Gottstein, Eva (FREIE WÄHLER), Zellmeier, Josef (CSU)
10.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigen25 Jahre nach dem Tode Jorge Gomondais: Gerechtigkeit den Opfern rechter Gewalt!
Sachsen – Antr DIE LINKE 27.01.2016 Drs 6/4057
11.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenPräventionsarbeit gegen islamischen Extremismus
Berlin – Ausschussbesprechung § 21 Abs. 3 GO Ausschuss für Arbeit, Integration, Berufliche Bildung und Frauen, Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) Ausschussprotokoll 17/70 21.01.2016
12.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenÜbergriffe in der Silvesternacht auf Homosexuelle, Transsexuelle und Menschen jüdischen Glaubens
Schleswig-Holstein – Plenarprotokoll 18/108 (neu) 20.01.2016 S 9047
13.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenAntisemitische Straf- und Gewalttaten in NRW im Jahr 2015: Reicht der Schutz für jüdische Menschen aus?
Nordrhein-Westfalen – Kleine Anfrage 4301 Schwerd, Daniel (fr. los) Drucksache 16/10769 18.01.2016 (Umfang: 1 S.)
14.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenModeration „Plauener Gespräch Asyl“ am 01.12.2015 durch die Landeszentrale für politische Bildung ¿ Teilnahme von Rechtsextremisten
Sachsen – KlAnfr Petra Zais GRÜNE 17.01.2016 Drs 6/3885
15.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenWird in Delmenhorst Antisemitismus auf Großplakaten an städtischen Gebäuden beworben?
Niedersachsen – Kleine Anfrage zur mündlichen Beantwortung 27 Annette Schwarz (CDU) 13.01.2016 Drucksache 17/4965 (S.13-14)
16.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenVon der Polizei registrierte Straftaten im Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität – rechts“ im Monat November
2015
Sachsen-Anhalt – Kleine Anfrage und Antwort Henriette Quade (DIE LINKE), Sebastian Striegel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ministerium für Inneres und Sport 12.01.2016 Drucksache 6/4707 (KA 6/9011) (21 S.)
17.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenVon der Polizei registrierte Gewaltstraftaten im Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität – rechts“ im Monat Oktober 2015
Sachsen-Anhalt – Kleine Anfrage und Antwort Henriette Quade (DIE LINKE), Sebastian Striegel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ministerium für Inneres und Sport 12.01.2016 Drucksache 6/4702 (KA 6/9001) (6 S.)
18.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenVon der Polizei registrierte Straftaten im Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität – rechts“ im Monat Oktober 2015
Sachsen-Anhalt – Kleine Anfrage und Antwort Henriette Quade (DIE LINKE), Sebastian Striegel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ministerium für Inneres und Sport 12.01.2016 Drucksache 6/4703 (KA 6/9002) (24 S.)
19.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenVon der Polizei registrierte Gewaltstraftaten im Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität – rechts“ im Monat November 2015
Sachsen-Anhalt – Kleine Anfrage und Antwort Henriette Quade (DIE LINKE), Sebastian Striegel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ministerium für Inneres und Sport 12.01.2016 Drucksache 6/4708 (KA 6/9012) (6 S.)
20.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenTötungsdelikte aus rassistischen, fremdenfeindlichen, rechtsorientierten und/oder antisemitischen Gründen in Sachsen im Jahr 2015
Sachsen – KlAnfr Kerstin Köditz DIE LINKE 06.01.2016 Drs 6/3756
21.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenVon Bundeswehrangehörigen verübte Straftaten mit rechtsorientiertem, fremdenfeindlichem und/oder antisemitischem Hintergrund im Jahr 2015
Sachsen – KlAnfr Kerstin Köditz DIE LINKE 06.01.2016 Drs 6/3746
22.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenAntisemitische Überfälle, Sachbeschädigungen, Leugnung der Shoa und andere antisemitische Straftaten im Monat Dezember 2015
Sachsen – KlAnfr Kerstin Köditz DIE LINKE 04.01.2016 Drs 6/3693
23.PDF im neuen Fenster öffnenBeratungsstand zeigenBericht der Landesregierung zur Umsetzung des Landesprogramms ¿Demokratie und Toleranz gemeinsam stärken!¿
Mecklenburg-Vorpommern – Unterrichtung Landesregierung (Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur) (BM) Drucksache 06/4448 09.09.2015 S.1-38 (Umfang: 38 S.)

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April 22nd, 2016 at 4:54 pm

Berliner Zeitung| 1. Mai in Berlin Linker Antisemitismus breitet sich aus

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Antisemitismus spielt in der linken Szene zunehmend eine Rolle. So brach unter den Veranstaltern der Revolutionären 1.-Mai-Demonstration kürzlich heftiger Streit aus. Grund ist die Teilnahme der israelfeindlichen BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions), die den Boykott israelischer Waren, Kapitalabzug und Sanktionen fordert. Am „Internationalistischen Block“ der Demo, die um 18 Uhr in Kreuzberg beginnen soll, beteiligt sich auch die Gruppe F.O.R. Palestine, die die Abschaffung Israels propagiert.

„Antisemitisch verhetzte Diskussion“

Das Demobündnis stelle sich auf die Seite antisemitischer Organisationen, die ausdrücklich die Zerstörung des Staates Israel forderten, schreibt die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth auf ihrer Facebook-Seite. Nach jahrzehntelanger Mitarbeit hätten die Ökologische Linke und die Antirassistische Liste nun das Bündnis am Mittwoch verlassen.

Sie waren mit ihren Anträgen gescheitert, Personen, die antisemitische Inhalte zeigen, sowie BDS und F.O.R. Palestine auszuschließen. „Noch nie haben wir eine derartig antisemitisch verhetzte Diskussion in einem vermeintlich linken Bündnis erlebt“, so Ditfurth. Laut ihrer Schilderung waren 37 Vertreter von Organisationen bei der Abstimmung anwesend. Ein Drittel – meist neu in der Runde – habe zur BDS- und F.O.R.-Fraktion gehört.

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April 22nd, 2016 at 4:09 pm

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TAZ| Micha Brumlik – Ein Gefühl namens Europa

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„Unbehagen“, „Gespür“, „Stimmung“ oder eben doch „Gefühl“? In Zeiten von Terror und Flüchtlingskrise fehlen Europa-Analytikern die Worte.

Nein, gut ist sie nicht, die politische Großwetterlage im Westen. Islamistischer Terror und Flüchtlingskrise stellen die politische Ordnung – jedenfalls in Europa – in einer Weise infrage wie noch nicht einmal 1989. Damals schloss einfach der östliche Teil Europas, durchaus revolutionär, zum Westen auf, ohne dass dessen politische Ordnung fragwürdig wurde. Heute bemühen sich Leitartikler und politische Experten darum, „Flüchtlingskrise“ und Terror zu erklären und damit beidem den beunruhigenden Charakter zu nehmen.

Dabei scheint es nicht möglich, genaue Ursachen zu benennen: Das beweist die von professionellen Zeitanalytikern gewählte Begrifflichkeit: So beschwört der Sozialphilosoph Axel Honneth in seinem anregenden Langessay „Die Idee des Sozialismus“ ein „Unbehagen über den sozioökonomischen Zustand“ beziehungsweise ein Fehlen „geschichtlichen Gespürs“, während der Soziologe Heinz Bude einen inspirierenden Band zum Thema „Das Gefühl der Welt. Über die Macht der Stimmungen“ vorgelegt hat.

Der Soziologe Hartmut Rosa wiederum, bisher als Kritiker einer universellen Beschleunigung bekannt, hat soeben eine voluminöse Studie zu einer „Soziologie der Weltbeziehung“ unter dem Titel „Resonanz“ publiziert.

„Unbehagen“, „Gespür“, „Stimmung“, „Gefühl“ und „Resonanz“ – das sind zunächst diffus wirkende Begriffe; Begriffe, die man so in einer auf harten und klaren Begriffen aufbauenden Gesellschaftstheorie nicht kannte, das sind Kategorien, die ebenso unscharf wirken wie das, was sie mindestens beschreiben, wenn nicht gar erklären sollen: den gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustand, jedenfalls im „westlichen“ Teil der Welt.

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April 5th, 2016 at 3:29 pm

Böll| Metapolitik: Micha Brumlik – Das alte Denken der neuen Rechten

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April 5th, 2016 at 3:26 pm

Deutschlandfunk| Antisemitismus – Interview mit Micha Brumlik

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13.03.2016 | 9 Min. | Quelle: Deutschlandfunk

Autor: Müller-Ullrich, Burkhard Sendung: Information und Musik http://www.deutschlandfunk.de/information-und-musik.2015.de.html Hören bis: 19.09.2016 09:12

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März 13th, 2016 at 10:49 am

TAZ| Nach den „Schwarzen Heften“: Austreibung der Metaphysik

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Auch nachdem das Ausmaß von Heideggers ­Antisemitismus nun bekannt ist, ziehen Intellektuelle ihn für die Kritik des Zionismus heran.

von Micha Brumlik

Dass der Israel-Palästina-Konflikt und seine Geschichte angesichts des syrischen Bürgerkrieges mit drei Millionen Flüchtlingen und etwa dreihunderttausend Toten derzeit an Aufmerksamkeit verliert, liegt auf der Hand. Wenn überhaupt, so sind es vor allem christliche Theologen und Philosophen, die sich diesem Thema noch widmen.

So der Meister des „Schwachen Denkens“ , Gianni Vattimo und – wer? – Michael Marder, der an der Universität des Baskenlandes lehrt. Beiden ist es ein Anliegen, den „Zionismus“ zu dekonstruieren. Der von ihnen edierte Band „Deconstructing Zionism. A Critique of Political Metaphysics“ erschien 2014 und gibt nicht nur Slavoj Žižek, sondern auch AutorInnen wie Judith Butler und Marc Ellis Raum, ihr nichtzionistisches Verständnis des Judentums zu entfalten.

Unschön an dieser Textsammlung ist freilich, dass sich beinahe alle AutorInnen keineswegs nur auf Jacques Derrida, sondern auf Martin Heidegger beziehen, von dem man 2014, ein Jahr nach dem Bekanntwerden seiner „Schwarzen Hefte“, wissen konnte, dass er einem „seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ (Peter Trawny) anhing und also nicht nur ein verstiegener Mitläufer der Nazis war, sondern ein Denker, der den von Deutschen und ihren Kollaborateuren verübten Mord an sechs Millionen europäischen Juden einem jüdischen Prinzip zurechnete und deshalb wusste, warum er nach 1945 schwieg.

Die italienische Philosophin Donatella Di Cesare ist Heideggers Fall in ihrem gerade erschienenen Buch „Heidegger, die Juden, die Shoah“ (Klostermann, 2016) nachgegangen – ihre profunde Studie führt den unwiderlegbaren Nachweis, dass Heideggers spätes Denken im Kern und keineswegs nur aus Opportunismus antisemitisch war.

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Written by lbucklitsch

Januar 24th, 2016 at 4:00 pm

TAZ| Werben für den faschistischen Staat

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Die extreme Rechte ist politisch im Aufwind. Sie ist dabei, zu einem wesentlichen Einfluss-, wenn nicht gar Machtfaktor zu werden.

von Micha Brumlik

Zweifel sind kaum noch möglich: Die extreme Rechte ist politisch im Aufwind, sie ist dabei, im Bereich der Europäischen Union zu einem wesentlichen Einfluss-, wenn nicht Machtfaktor zu werden. Davon zeugen nicht nur die neuen parlamentarischen Mehrheiten in Ungarn und Polen, sondern auch der wachsende Zuspruch, den in Frankreich der Front National unter Marine Le Pen gewinnt.

Und Deutschland? Hier werden der AfD gute Chancen ausgerechnet, nicht nur in den ostdeutschen Ländern, sondern auch in Baden-Württemberg, eventuell sogar in Rheinland-Pfalz in ein Landesparlament zu kommen.

Das ist soziologisch allemal erklärbar; zu klären ist freilich, ob man sich auch der politischen und philosophischen Denke von Personen zuwenden soll, die als „Rechtsintellektuelle“ gelten. Dabei geht es nicht um die dumpfen Ressentiments von Dresdner Pegida-Demonstranten (denen zu „christlich“ kaum mehr einfallen dürfte als die erste Strophe von „O Tannenbaum“), sondern um jenes Spektrum von Personen und Medien, die (angefangen von der rechtsreformistischen Wochenzeitung Junge Freiheit über die Bücher des Antaios Verlages, die Publikationen des Instituts für Staatspolitik, die JugendzeitschriftBlaue Narzisse bis hin zur Sezession im Netz) darum bemüht sind, rechtes Denken zu rehabilitieren.

AutorInnen dieser Publikationsorgane sehen sich dem verpflichtet, was sie als „Metapolitik“ bezeichnen, also einer sich philosophisch gebenden Staatslehre, die jedoch so kommuniziert werden soll, dass sie als „Gramscianismus von rechts“ kulturelle Kommunikationsmuster bereits im vorpolitischen Raum verändert, um so die Bereitschaft zur Hinnahme von nationaler Schließung, autoritärer Unterordnung und ethnischer Homogenität zu fördern.

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