Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Frankfurt’ Category

FR| Juden-Ghetto in Frankfurt: Bauen auf Ghetto-Überresten?

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Vor 30 Jahren wollten Besetzer verhindern, dass das Juden-Ghetto am Börneplatz in Frankfurt bebaut wird. Micha Brumlik war dabei und blickt zurück.

Herr Brumlik, im Frühjahr 1987 stießen Bauarbeiter bei der Ausschachtung für das neue Kundenzentrum der Stadtwerke am Börneplatz auf Überreste des alten jüdischen Ghettos. Wie haben Sie reagiert, als Sie diese Nachricht erreichte? 
Ich war überrascht, aufgeregt und etwas erfreut. Man hätte natürlich wissen können und müssen, dass an dieser Stelle früher das alte jüdische Ghetto lag. Aber offenbar gab es niemanden in der Stadt, der daran auch nur gedacht hätte, nicht mal im Bauamt. Das war ein großer Unterschied zum Beispiel zu der Stadt Köln. Dort blieben die Überreste der jüdischen Welt stets im kommunalen Gedächtnis.

Woran lag es, dass es in Frankfurt damals so anders war? 
Ich denke, man könnte von einer kollektiven Amnesie sprechen. Frankfurt hatte sich nach der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sehr stark dem städtebaulichen Neuanfang verschrieben. Es gab zwar in der Stadt Intellektuelle von Rang, wie etwa die Philosophen der Frankfurter Schule. Aber es gab kein historisches Bewusstsein.

War das nicht Teil einer großen Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit? 
Man kann es Verdrängung nennen oder auch stadthistorische Vergesslichkeit.

 

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August 19th, 2017 at 1:23 pm

hr2 – Das aktuelle Kulturgespräch mit Micha Brumlik – Frankfurter Judengasse

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Dauer: 00:10:31 Die archäologischen Funde des jüdischen Ghettos am Frankfurter Börneplatz lösten 1987 eine Auseinandersetzung darum aus, wie nach dem Holocaust mit Zeugnissen jüdischer Geschichte umzugehen sei. Es ging um die Deutung: Waren die Reste des Ghettos eher Zeugnisse eines Schutzraumes für die Juden oder ihrer Ausgrenzung? Führte ein direkter Weg von den frühneuzeitlichen zu den nationalsozialistischen Ghettos? Außerdem stellte sich nach dem Streit um das Fassbinder-Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ zwei Jahre zuvor am Schauspiel Frankfurt auch die Frage, ob sich im Umgang mit den archäologischen Funden womöglich antisemitische Ressentiments zeigten. Nun, 30 Jahre danach, will ein Symposium des Fritz Bauer Instituts und des Jüdisches Museums Frankfurt die Streitpunkte neu bewerten. Daran teil nimmt auch der Publizist und frühere Leiter des Fritz Bauer Instituts Micha Brumlik, der uns im Gespräch noch einmal die unterschiedlichen Positionen darlegt.

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August 19th, 2017 at 1:21 pm

Hintergrund: Frankfurter Judengasse

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Diese Site bietet einen Überblick über die Geschichte der Judengasse in Frankfurt am Main, ihre Bewohner, die Häuser und das Leben im Ghetto über die Jahrhunderte. Anhand der farbig markierten Bereiche können Sie leicht zwischen den Inhalten navigieren. Die Abbildungen können mit einem Klick vergrößert werden. 

In der Frankfurter Judengasse, dem Ghetto, mußte die jüdische Bevölkerung über 400 Jahre wohnen. Die Gasse lag außerhalb der Stadtmauer im Osten der Stadt Frankfurt und verlief in einem leichten Bogen von der heutigen Konstablerwache fast bis zum Main hin. Sie war ca. 330 m lang, drei bis vier Meter breit, hatte drei Stadttore, die nachts sowie an Sonn- und (christlichen) Feiertagen geschlossen waren; die jüdische Bevölkerung war zu diesen Zeiten eingesperrt.
Zu Beginn waren es wohl 15 Familien, die in der Gasse lebten, im 16. Jahrhundert stieg die Zahl der Einwohner in der Judengasse auf ungefähr 3.000 Menschen an.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Judengasse in zwei Phasen abgerissen und der Großteil der Bevölkerung zog in die nahegelegenen Häuser im Ostend um. Am südlichen Ende der ehemaligen Judengasse, die 1885 den Namen Börneplatz erhielt, wurde 1882 eine neue Synagoge eingeweiht. Nach 1945 blieb das Areal unbeachtet. Es wurde als Parkplatz, als Tankstelle und Blumengroßmarkt genutzt, bis die Stadtwerke ihr neues Verwaltungszentrum dort errichten wollten.

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August 19th, 2017 at 1:19 pm

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TAZ| FRANKFURT AM MAIN IM HERBST 1969 – Dr. Willi Lautemann

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VON MICHA BRUMLIK

Neulich in Zehlendorf: Party eines Verlages, nach dem dareinst eine ganze Kultur Westdeutschlands genannt wurde. Präsentiert wurde die Neuausgabe einer späten Erzählung von Wolfgang Köppen (1906–1996), in der er sich seiner frühen Jahre besann: „Jugend“. Beim Sturm auf das Buffet begegnete ich einer Dame, die ich irgendwie kannte – nach einem kurzen Wortwechsel entsann ich mich dunkel an Ort und Zeit: Frankfurt am Main im Herbst 1969, das philosophische Seminar im alten Hauptgebäude der Universität, ein damals von Trauer und Diadochenkämpfen gezeichneter Ort: war doch Anfang August Theodor W. Adorno gestorben und die Frage, wer die legitimen Erben der „Kritischen Theorie“ seien, erhitzte die Gemüter.

Nach ein paar kurzen Wortwechseln stellte sich die Dame als die Autorin Gisela von Wysocki heraus, die soeben – vor vierzehn Tagen – einen neuen Roman publiziert hatte: „Wiesengrund“. Der Roman erzählt, wie die aus Österreich kommende Icherzählerin schon als Mädchen von den Radiovorträgen Adornos fasziniert war, nach Frankfurt ging, um dem Philosophen zu lauschen und wie sie schließlich seine Zuneigung gewann.

Ich verschlang den Roman, den mir die Gastgeberin großzügig überließ, bereits am nächsten Tag, spielte doch neben dem „Wiesengrund“ genannten Adorno eine weitere Gestalt eine erhebliche Rolle: ein Mann namens Rahlsberger, von dem das Lesepublikum glauben könnte, der dichterischen Phantasie der Autorin entsprungen zu sein.

Kannte doch die neuere deutsche Literatur seit der Romantik genau solche Typen: kleine, bisweilen dämonisch wirkende, körperlich stigmatisierte, gleichwohl oder eben deshalb intensivst lebende Männer – zu denken ist etwa an Thomas Manns „kleinen Herrn Friedemann“ oder eben und vor allem an E.T.A. Hoffmanns „Klein Zaches.“

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Oktober 4th, 2016 at 4:47 pm

FR| JÜDISCHE GEMEINDE FRANKFURT: Wer Angst hat, wird anfällig

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Der Zentralrat der Juden macht religiösen Fundamentalismus zum Thema einer Tagung in Frankfurt. Der Publizist Micha Brumlik erntet für seinen Beitrag Beifall und Widerspruch zugleich.

Was bringt junge Menschen dazu, sich radikalen religiösen Gruppen anzuschließen? Bei Ahmad Mansour waren es vor allem Mobbing und Zukunftssorgen, die ihn anfällig machten. Als er als Schüler in die Gruppe eines radikalen Imams geriet, waren seine Ängste „von heute auf morgen weg“, sagt Mansour, arabischer Israeli und Islamismus-Experte. Er habe Jahre gebraucht, um sich aus dieser Ideologie herauszuarbeiten. „Aber meine Person zeigt: Es ist machbar, wenn man die richtigen Leute trifft und die richtigen Bücher liest.“

Es ist ein besonderer Abend bei der Jüdischen Gemeinde im Westend. Als ein Höhepunkt der Konferenz „Die Faszination fundamentalistischer Weltbilder“, organisiert vom Zentralrat der Juden in Deutschland, berichtet der heute in Berlin lebende Mansour aus seinem Leben und von seiner pädagogischen Arbeit mit jungen Muslimen. Es seien auch das Gottesverständnis vieler konservativer Imame, die ständige Angst vor der Hölle und die Tabuisierung der Sexualität, die junge Muslime in die Hände der Fundamentalisten trieben, sagt Mansour. Zur Flüchtlingsdebatte stellt er Forderungen an Politik und Gesellschaft: Die Geflüchteten benötigten „Zugänge in die Mehrheitsgesellschaft“, es brauche viel mehr Fördermittel und Projekte, um es „diesmal anders zu machen als bei den Gastarbeitern und ihren Kindern“.

Zugleich müsse man junge Muslime befähigen, sich kritisch mit ihrer eigenen Religion auseinanderzusetzen. Man müsse autoritäres Denken und Antisemitismus auch unter Migranten offen und mittels „gewinnender Arbeit“ ansprechen. „Ich weiß, wie schwer das ist“, sagt Mansour.

 

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TAZ| Flüchtlinge und Holocaustgedenken: Das Trauma am Ende der Treppe

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Museen und Gedenkstätten suchen nach neuen Wegen, um Flüchtlinge über Nationalsozialismus und Holocaust zu informieren.

BERLIN taz | Die Luft staut sich, die Zellenwände drücken. Die Gedenkstätte des Gestapo-Gefängnisses Köln katapultiert die Gräuel der NS-Zeit ins Jetzt – und den jungen Flüchtling zurück in den Krieg. Unvermittelt rastet er aus. Stürzt nach vorne. Sein Kopf prallt gegen eine Wand. Fest muss ihn ein Mann umklammern, bis er sich wieder beruhigt.

Die beklemmende Enge hat den jungen Asylbewerber in sein eigenes Trauma zurückgeworfen, als er mit seiner Berufsschulklasse das NS-Dokumentationszentrum in Köln besucht und die steile Treppe in das ehemalige Gefängnis hinabsteigt.

„Niemand war darauf vorbereitet“, sagt Barbara Kirschbaum, Leiterin der Bildungsarbeit in der Gedenkstätte. Ihre Einrichtung sei daher „sehr zurückhaltend“, wenn es darum geht, die dortige Geschichte an Flüchtlinge zu vermitteln, die noch nicht lange hier sind. Es sei wichtig, vorab viel zu besprechen. „Und eventuell wird man die Gedenkstätte rauslassen.“ Denn egal, wie gut die Vorbereitung auch sei: Am Ende der Treppe überfalle manche wieder die Erinnerung an die eigenen traumatischen Erlebnisse, sagt Kirschbaum.

Solche Erfahrungen zeigen, vor welche Herausforderungen die Museen und Gedenkstätten sich derzeit gestellt sehen – vor allem, wenn Integration von Geflüchteten in Deutschland nicht nur Spracherwerb und Arbeit bedeutet, sondern auch das Verständnis der deutschen Geschichte einschließen soll.

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Januar 28th, 2016 at 4:10 am

Deutschlandfunk| Jüdisches Museum Frankfurt am Main: Neue Erzählformate für jüdische Geschichte

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Eine offensive Onlinestrategie ist die Hauptprogrammatik der neuen Chefin des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main. Mirjam Wenzel will das Internet zu einem gleichwertigen Museumsraum machen. Damit will sie historische Erzählungen ermöglichen, die über eine reine physische Präsentation klassischer Art hinausreichen.

Von Ludger Fittkau

Die Leiterin des Jüdischen Museums Frankfurt, Mirjam Wenzel, aufgenommen anlässlich ihrer Vorstellung am 11.09.2015 m Kulturamt in Frankfurt am Main (picture-alliance / dpa / Andreas Arnold)

Mirjam Wenzel ist seit dem 1. Januar Leiterin des Jüdischen Museums Frankfurt. (picture-alliance / dpa / Andreas Arnold)

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Es ist eine Rückkehr in die Stadt ihrer Jugend. Mit 16 Jahren verließ Mirjam Wenzel Frankfurt am Main Richtung München und später Berlin, wo die promovierte Literaturwissenschaftlerin bis zuletzt die Medienabteilung des dortigen jüdischen Museums leitete. Direktorin in Frankfurt zu werden, ist aber nicht nur wegen ihrer persönlichen Bezüge zur Mainmetropole eine besondere Herausforderung für die 42-Jährige:

„Thematisch: Das jüdische Museum in Frankfurt ist das erste Museum im Nachkriegsdeutschland seiner Art. Und jüdische Geschichte in Frankfurt ist eine ganz besondere, weil hier wirklich jüdische Geschichte geschrieben wurde. Und zwar von herausragenden Persönlichkeiten wie Dan Diner, Micha Brumlik, Salomon Korn, Cilly Kugelmann. Wirklich intellektuellen Persönlichkeiten, die öffentlich in Erscheinung getreten sind und sich eingemischt haben – politisch. Stellung bezogen haben und tatsächlich so was geprägt haben wie ein Wieder-Entstehen von jüdischem Leben in Deutschland.“

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