Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Kultur’ Category

TAZ| Forschung zu Antijudaismus: Der ewige Sündenbock

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Drei neue Bücher untersuchen Antijudaismus und Antisemitismus. Die Autoren setzen jeweils eigene Schwerpunkte.

Jemand hält eine Flagge, auf der ein Davidstern zu sehen ist.

Kippa-Flashmob: Demonstration für mehr Solidarität mit Juden in Hannover im März dieses Jahres. Foto: dpa

Seitdem im vergangenen Sommer aus Protest gegen das Vorgehen des israelischen Militärs in Gaza auf deutschen Straßen wieder hasserfüllte antisemitische Parolen skandiert wurden und als später die Bundesregierung Schwierigkeiten hatte, jüdische Mitglieder in eine Kommission zur Erforschung von Antisemitismus zu entsenden, ist Judenhass wieder ein viel diskutiertes Thema.

Zum besseren Verständnis leistet die Wissenschaft wertvolle Hilfe: Im letzten und in diesem Jahr sind drei neue Standardwerke auf Deutsch erschienen, die den Ursachen und Folgen dieses menschenverachtenden Phänomens nachgehen.

Während der US-amerikanische Mediävist David Nirenberg um den Nachweis bemüht ist, dass „Antijudaismus“, den er bewusst vom „Antisemitismus“ unterscheidet, eine, wenn nicht die Grundströmung westlichen Denkens ist, geht es der Historikerin Susanne Wein in einem magistralen Werk um „Antisemitismus im Reichstag“, um „Judenfeindliche Sprache in Politik und Gesellschaft der Weimarer Republik“.

Schließlich wird in dem von den Kulturwissenschaftlern Hans Joachim Hahn und Olaf Kistenmacher herausgegebenen Band „Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft“ die Antisemitismusforschung selbstreflexiv, in dem sie ihre Geschichte erforscht.

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Juli 30th, 2015 at 11:58 am

FR| JAN ASSMANN „EXODUS“ – Welthistorisch einmalig

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Von MICHA BRUMLIK

„Mose steigt vom Sinai“ (2. Mose 19, 25): Holzstich nach einer Zeichnung von Gustave Doré (1832–1883).  Foto: © epd-bild / akg-images

Mit seinem Buch „Exodus“ setzt Jan Assmann seine Analyse des revolutionären Monotheismus fort. Micha Brumlik über den „Monotheismus der Treue“ und die Frage, ob er tatsächlich nicht überprüfbar ist.

Der Sinn der Schöpfung ist Freiheit, politische Freiheit. Das jedenfalls beglaubigen fromme Juden jeden Freitag Abend in ihrem häuslichen Gottesdienst, mit dem der Sabbat, die Erinnerung an die Schöpfung, beginnt. Im Segensspruch über den Wein heißt es: „Du hast Gefallen an uns. Du lässt uns teilhaben an deinem heiligen Ruhetag, der daran erinnert, dass du alles geschaffen hast. Er ist der erste Tag der ,Tage heiliger Versammlung‘, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.“

Dieser Segen entwickelt ein Gebet weiter, das von Rabbinen der späten Antike verfasst wurde und in dem Schöpfung und Bundesschluss am Sinai in einem Atemzug genannt werden. Freilich, das ist schon Religionskritikern der Aufklärung aufgestoßen, handelt es sich beim Exodus um die Geschichte eines dramatischen Aufbruchs israelitischer Sklaven ebenso wie um die Gabe eines Gesetzes, das Wahrheit und Gehorsam postuliert. In der biblischen Exodusgeschichte kommt das zum Ausdruck, was der Ägyptologe Jan Assmann lange Jahre als „Monotheismus der Wahrheit“ als „mosaische Unterscheidung“ bezeichnet hat: die Übertragung der Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ in die Religion. Ein, wovon Assmann überzeugt ist, welthistorischer Einzelfall!

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Juli 3rd, 2015 at 9:12 am

Frankfurt| Sexuelle Gewalt in deutschen Protestbewegungen – Diskussion

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Welche Verbindungen zeigen sich zwischen Reformimpulsen aus sozialen Bewegungen und Protagonisten pädosexueller Netzwerke? Wie anfällig sind Ideen der Befreiung für die Missachtung der Integrität von Kindern? Gibt es einen Zusammenhang zwischen politischen Kontexten und sexueller Gewalt sowie dem Verschweigen von Taten? Solche Fragen sollen in der Diskussion „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“ kritisch diskutiert werden. In den Blick genommen werden unter anderem die Kritik an repressiven Moral- und Sexualitätsvorstellungen beispielsweise bei der Partei der Grünen, die institutionelle Rahmung in Kinderläden, die Tabuisierung kindlicher Sexualität sowie zeittypische Sexual- und Körperpolitiken.

Der Journalist Christian Füller hat sich in seinem vielbeachteten Buch „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“ mit sexueller Gewalt in deutschen Protestbewegungen beschäftigt. Mit ihm diskutieren auf dem Podium Prof. Dr. Micha Brumlik, Goethe-Universität/Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, der Psychologe Dr. Claus Koch und die Erziehungswissenschaftlerinnen Dr. Julia König und Dipl. Päd. Miriam Mauritz von der Goethe-Universität.

Moderieren wird die Diskussion Prof. Sabine Andresen vom Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Goethe-Universität.

Diskussion: „Die Revolution missbraucht ihre Kinder.“ Dienstag, 30. Juni, 18:15 Uhr. Campus Westend, Casino, Raum 1.802.

 

Quelle:

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Juni 27th, 2015 at 5:12 am

NEBA-Konferenz| ANTISEMITISMUS HEUTE: ERFASSEN. ERFORSCHEN. BEKÄMPFEN.

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NEBA-Konferenz 2. Juli 2015
Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin

Programm

9:30 Begrüßung 

Prof Dr. Andreas Nachama, Direktor, Stiftung Topographie des Terros

9:45 Warum NEBA?

Vorstellung durch Anetta Kahane, Deidre Berger, Prof. Dr. Julius H. Schoeps

10:00 Auftaktgespräch

Prof. Dr. Deborah E. Lipstadt, Professorin für moderne jüdische Geschichte und Holocaust-Studien, Emory University. Autorin von „Der Eichmann-Prozess“

Prof. Dr. Micha Brumlik, Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille 2016 des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

10:30 Kaffeepause

 

PANEL 1

11:00 Erfassen

Julia Schramm, no-nazi.net, Bloggerin

Benjamin Steinitz, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus

Dr. Jörg Bentmann, Bundesministerium des Innern

Moderation: Fabian Weißbarth, AJC Berlin Ramer Institute

12:15 Mittagspause

PANEL 2

13:15 Erforschen

Input: Prof. Dr. Barbara Schäuble, Alice Salomon Hochschule Berlin

Dr. Matthias Küntzel, Autor, Politikwissenschaftler und Historiker

Prof. Dr. Lars Rensmann, Associate Professor of Political Science and Chair of the Department of Political Science and International Affairs at John Cabot University in Rome

Prof. Dr. Andreas Zick, Leitung und Vorstand, Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, Universität Bielefeld

Moderation: Priv. Doz. Dr. Gideon Botsch, Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ)

15:15 Kaffeepause

PANEL 3

15:45 Bekämpfen

Input: Anetta Kahane, Vorsitzende, Amadeu Antonio Stiftung

Ahmad Mansour, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Zentrum Demokratische Kultur

Micky Fuhrmann, Leiterin, Politische Abteilung, Zentralrat der Juden in Deutschland

Thomas Heppener, Leiter, Unterarbteilung „Demokratie und Vielfalt“, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Dr. Sergey Lagodinsky, Autor, Vorsitzender Kulturausschuss, Jüdische Gemeinde zu Berlin

Moderation: Deidre Berger, Direktorin, AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations

17:15 Schlusswort

Anetta Kahane, Vorsitzende, Amadeu Antonio Stiftung
Deidre Berger, Direktorin, AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations

19:00 Abendveranstaltung

in Kooperation mit der Stiftung Topographie des Terrors:

WACHSENDER ANTISEMITISMUS IN EUROPA:
WARUM JUDEN WELTWEIT BESORGT SIND

Prof. Dr. Deborah E. Lipstadt, Professorin für moderne jüdische Geschichet und Holocaust-Studien, Emory University. Autorin von “Der Eichmann-Prozess”

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Juni 21st, 2015 at 8:59 am

Berlin| Engagement für Stolpersteine

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Jede interessierte Person kann sich allein oder gemeinsam mit anderen auf unterschiedliche Art und Weise für das Projekt Stolpersteine engagieren, zum Beispiel indem sie einen beliebig hohen Betrag spendet, um somit die Verlegung eines Steins zu ermöglichen.


Es können sich auch Einzelpersonen, Gruppen, Hausgemeinschaften, Familien, Schulklassen, politische Gruppierungen überlegen, dass sie für eine bestimmte Person einen Stolperstein verlegen lassen möchten. In einem solchen Fall können schon im Vorfeld Recherchen vorgenommen werden, die Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin unterstützt eine solche Initiative gern mit Hinweisen und Recherchetipps. Sollte bereits im Vorfeld eine Entscheidung für einen Berliner Bezirk gefallen sein, in dem die Stolpersteine verlegt werden sollen, kann man sich auch ganz gezielt an eine der zahlreichen Stolperstein-Initiativen wenden und mit ihrer Unterstützung einen Stolperstein initiieren. Abhängig davon, wie viele biographische Daten bereits bekannt sind, kommen in einem solchen Fall auf die Initiatoren noch entsprechende Recherchen zu.

Einen ähnlichen Weg können auch Angehörige von Verfolgten des Nationalsozialismus gehen. Auf der Grundlage ihres vorhandenen Wissens können sie beispielsweise bei der zuständigen bezirklichen Initiative eine Verlegung beantragen. Sind die familiär überlieferten Informationen rudimentär, können Angehörige gerne bei der Koordinierungsstelle zunächst um Hilfe bei den Recherchen biographischer Daten bitten. Read the rest of this entry »

Written by lbucklitsch

Juni 13th, 2015 at 8:34 am