Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Meinung’ Category

TAZ| Immerwährender Zankapfel

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Vergessen, liebes „Abendland“? Peter Frankopan erzählt die Geschichte vom Aufstieg, Niedergang und Wiederaufstieg Eurasiens.

Der europäische Rechtspopulismus hat seine eigenen Theoretiker, die „Identitären“. Sie wiederum stützen sich nicht selten auf einen ehemaligen Berater Putins, Alexander Dugin, der für eine Abkehr vom Westen und für eine Wiederentdeckung sogenannter „eurasischer“ Denker plädiert. Dem entspricht ein tiefgreifender Pessimismus aufseiten all jener, die für „Deutschlands Weg nach Westen“ (Heinrich August Winkler) eintraten. Erst vor Kurzem unkte düster ein ehemaliger deutscher Außenminister: „Und so wird die westliche Welt, wie wir sie kannten“, prophezeite Joschka Fischer am 12. 12. in der SZ, „vor unseren Augen versinken.“

Die Ursprünge des Westens, also das angebliche Entstehen der abendländischen Kultur im Mittelmeerraum sowie der Jahrhunderte währende Aufstieg jener auf den Atlantik bezogenen Zivilisation ist auch Thema einer großflächigen Geschichtserzählung, die der britische, in Oxford lehrende Byzantinist Peter Frankopan soeben vorgelegt hat. Kann es sein, dass die Befürworter des Westens etwas vergessen haben – nämlich, dass Europa keineswegs nur eine atlantische Zivilisation ist?

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Januar 8th, 2017 at 11:57 am

Deutschlandradio Kultur| Kritik am Zentralrat der Juden: Zweifel an gerechter Verteilung von Fördergeldern

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Von Thomas Klatt

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Mehr als 200.000 Juden leben zurzeit in Deutschland, aber nur die Hälfte von ihnen ist in jüdischen Gemeinden organisiert. Sie werden vom Zentralrat der Juden vertreten und gefördert. Andere jüdische Strömungen gehen dabei zu Unrecht leer aus, meinen Kritiker.

Brumlik: „Wenn der Zentralrat sich insgesamt selbst bei der Vergabe seiner Mittel pluralistischer verhalten hätte wäre diese Initiative überflüssig geworden, dass eine Bundesstiftung gegründet wird, die dann Mittel hat, um ganz unterschiedliche jüdische Institutionen und Organisationen, die nicht direkt dem Zentralrat untergeordnet sind, zu finanzieren.“

Der emeritierte jüdische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik ist dafür, dass die Bundesmittel, die dem Zentralrat der Juden jährlich zur Verfügung stehen, neu verteilt werden. Er denkt an eine neu zu gründende Bundesstiftung „Judentum in Vielfalt“. Brumlik ist Vorsitzender des Beirats des jüdischen Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerkes. Das hat derzeit 350 Stipendiaten, erhält aber kaum Zuschüsse vom Zentralrat. Das müsse sich jetzt ändern.

Brumlik: „Man muss ja bedenken, dass andere Studienwerke konfessioneller Art wie das Cusanus-Werk, das wird von der Deutschen Bischofskonferenz getragen, das evangelische Studienwerk Villigst von der EKD. Dass sich der Zentralrat, was die Förderung des Studienwerkes angeht, nicht nur großzügig, sondern in gleicher Weise ausreichend verhält wie das die Bischofskonferenz und die EKD tut mit ihren Studienwerken.“

Rabbiner Homolka: Viele jüdische Strömungen durch Zentralrat nicht vertreten

Bislang erhält der Zentralrat der Juden als Dachverband der Jüdischen Gemeinden rund 10 Millionen Euro Bundesmittel jährlich für Bildung, Kultur und die Integration jüdischer Einwanderer. Doch nun hat der Potsdamer Rabbiner Walter Homolka für die Konrad Adenauer Stiftung einen Beitrag geschrieben: „Pluralisierung – Chance und Herausforderung. Zur Situation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.“ Darin erklärt er, dass es inzwischen viele jüdische Strömungen und Einrichtungen in der Gesellschaft gebe, die durch den Zentralrat gar nicht mehr vertreten seien, während die Gemeinden schrumpften. Walter Homolka:

„Die Zuwanderung ist seit 2005 im Grunde zum Erliegen gekommen. Die Gemeinden werden jetzt auch wieder langsam kleiner, und darauf hat ja vor allem eine Studie des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam hingewiesen, dass auch die Zahl der Gemeinden schrumpfen wird, weil die jungen Leute aus den kleinen Städten und Dörfern, aus dem ländlichen Raum wegziehen und dann später in den größeren Ballungsräumen hängen bleiben. Julius Schoeps spricht mittelfristig nur noch von 20 großen jüdischen Gemeinden, augenblicklich haben wir über 120. Da bewegt sich ne Menge. Da darf nicht übersehen werden, dass diese jüdische Zivilgesellschaft auch Förderung braucht, sonst ist das einseitig nur in den jüdischen Gemeinden.“

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Dezember 9th, 2016 at 9:26 pm

hessenschau| Streit um Playmobil-Luther mit Happy End

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Eine Bibelseite in der Hand der Luther-Playmobilfigur wird umgeschrieben: In der neuen Auflage der Bestseller-Figur entfällt ein Wort. Grund sind Proteste aus Hessen.

Mehr als 500.000 Mal ist der Playmobil-Luther über die Ladentheke gegangen, bis in die USA fand er Beachtung. Ein Wort auf einer vom Plastikmännchen aufgeschlagenen Bibelseite sorgte aber für Protest. Auf der linken Seite der Spielfigur-Bibel steht: „Bücher des Alten Testaments ENDE“.

Das „ENDE“ hatte Widerspruch des jüdischen Frankfurter Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik und des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung hervorgerufen. Jung hatte sich vom Wort „Ende“ irritiert gezeigt. Es könne so verstanden werden, dass das Alte Testament durch das Neue Testament abgelöst und damit abgewertet werde.

Antisemitische Auslegung

Brumlik kritisierte, dass die Figur das Alte Testament, also die Hebräische Bibel, für beendet und überwunden darstelle. Das hätten Antisemiten bis hin zu den „Deutschen Christen“ im Nationalsozialismus getan.

Nun ist der Streit beigelegt. In der nächsten Auflage werde das Wort „ENDE“ entfallen, sagte der Koordinator für die Reformationsdekade in der bayerischen Landeskirche, Pfarrer Christian Düfel. Die geänderte Variante werde ab Ende März vertrieben, kündigte die Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg an.

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Dezember 9th, 2016 at 9:23 pm

evangelisch.de| Der Streit um die Playmobil-Figur „Martin Luther“ ist beigelegt.

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In der nächsten Auflage werde das Wort „ENDE“ auf der von dem Männchen aufgeschlagenen linken Bibelseite entfallen, sagte der Koordinator für die Reformationsdekade in der bayerischen Landeskirche, Pfarrer Christian Düfel, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Frankfurt am Main. Die geänderte Variante werde ab Ende März kommenden Jahres vertrieben, kündigte die Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg an.

Das Wort „ENDE“ hatte unter anderem Widerspruch des jüdischen Frankfurter Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik und des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung hervorgerufen. Die Spielfigur hält in der rechten Hand eine Feder, in der linken die aufgeschlagene Heilige Schrift. Auf der linken Bibelseite steht: „Bücher des Alten Testaments ENDE“, auf der rechten Seite: „Das Neue Testament übersetzt von Doktor Martin Luther“.

Brumlik hatte in einem Zeitungsbeitrag kritisiert, dass die Figur das Alte Testament, also die Hebräische Bibel, für beendet und überwunden darstelle. Das hätten Antisemiten bis hin zu den „Deutschen Christen“ im Nationalsozialismus getan. Kirchenpräsident Jung sagte vor der hessen-nassauischen Kirchensynode, auch ihn irritiere das Wort „Ende“. Es könne so verstanden werden, dass das Alte Testament durch das Neue Testament abgelöst und damit abgewertet werde.

 

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Dezember 9th, 2016 at 9:22 pm

Mitbestimmung| MICHA BRUMLIK ÜBER DIE NEUE RECHTE

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Interview Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik über die Think Tanks der Neuen Rechten, den Aufstieg von AfD und Pegida, und wie die Linke dagegen ihre Themen behaupten kann.

Herr Brumlik, Sie haben sich ausgiebig mit der Ideologie der Neuen Rechten befasst, insbesondere mit der identitären Bewegung, die glaubt, jede Ethnie habe ein Lebensrecht, aber eben nur in dem Raum, der ihr zusteht. Wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt, lebt dieser Ideologie zufolge identitär. Warum befassen Sie sich mit diesen Theorien?

Durch die Wahlerfolge der AfD ist die Neue Rechte politisch eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung wert. Es gibt einen Think Tank, der hinter diesen ideologischen Erfolgen der AfD steht, der aus sich aus rechtsintellektuell eingestellten Personen und Institutionen zusammensetzt, die auf die politische Meinungsbildung gezielt Einfluss nehmen wollen.

Wer sind diese Leute?

Dazu zähle ich die rechtsreformistische Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und die Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“, eine private Einrichtung, die sich als Aktionsplattform für neurechte Bildungsarbeit darstellt. Dazu gehört auch die „Blaue Narzisse“, eine Jugendzeitschrift aus Chemnitz, die seit 2004 erscheint und Leute wie Götz Kubitschek um die Zeitschrift „Sezession“. Nicht zu vergessen Jürgen Elsässer, der bis 2008 für erklärtermaßen linke Medien wie Neues Deutschland oder Junge Welt tätig war und heute das rechtspopulistische Magazin „Compact“ herausgibt.

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Dezember 8th, 2016 at 2:52 pm

TAZ| Gemeinsamer Alltag

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Multikulti geht doch: Eva Lezzis Jugendbuch „Die Jagd nach dem Kidduschbecher“ erzählt die Geschichte einer jüdisch-palästinensischen Verständigung.

In großen Städten wie Hamburg, München, Frankfurt oder Berlin stellen Kinder aus Migrantenfamilien inzwischen die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler. So entsteht – noch viel zu wenig beachtet – eine Welt, die sogar die heute von Linksliberalen so hochgeschätzte Angela Merkel nicht wahrnehmen wollte, als sie verkündete, dass der Multikulturalismus gescheitert sei.

Entgegen solchen als Prognosen verkleideten Wünschen, die heute von FunktionärInnen rechtspopulistischer Parteien und ihren intellektuellen Vordenkern, den „Identitären“, bedient werden, teilen Kinder, Mädchen und Jungen aus diversen Herkunftsregionen, ganz unterschiedlichen Kulturen sowie oftmals feindselig einander entgegenstehenden Religionen einen gemeinsamen Alltag, nicht nur der Schule, sondern auch der „Freizeit“.

Als besonders heikel gilt dabei die Präsenz von Kindern muslimischen Glaubens – zumal, wenn ihre Eltern aus arabischen Ländern kommen, die mit dem Staat Israel, der sich als jüdischer Staat versteht, im Kriegszustand stehen. Entsprechend äußern Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland immer wieder die Befürchtung, dass die Immigration muslimischer Familien den Antisemitismus steigern werde.

Dass das so nicht sein muss und sich im Alltag von Jungen und Mädchen auch ganz anders ausdrücken kann, zeigt ein soeben erschienener Kinder- und Jugendroman, der sich an Leserinnen ab zwölf Jahre wendet. Eva Lezzis Roman „Die Jagd nach dem Kidduschbecher“ erzählt in klarer, flüssiger Prosa eine Geschichte, von der auch Erwachsene profitieren können.

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Dezember 6th, 2016 at 6:03 pm

»Es gibt nur noch die Weltgesellschaft« – Micha Brumlik gratuliert den »Blättern« zum 60.

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November 28th, 2016 at 6:13 pm

Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart

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MichaBrumlikJALTA

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freund*innen und Verbündete,

Wir freuen uns sehr, die Gründung der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart bekannt zu geben!
Die AFD feiert Erfolge, Großbritannien verlässt die EU, die Türkei schafft die Demokratie ab und Donald Trump wird zum neuen Präsidenten gewählt. In Europa und den USA sind offener Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Nationalismus wieder verstärkt Teil etablierter politischer Diskurse. Wir alle sind verwundbarer geworden. Dabei ist die populistische Herausforderung aber nicht nur eine Gefahr, sie ist auch eine Aufforderung, politisch aktiv zu werden. Wir haben da eine Idee.

„Wir“, das ist ein Team aus sechs jüdischen Wissenschaftler*innen und Künstler*innen. Seit gut einem Jahr planen wir das jüdische Diskursmagazin Jalta. Jalta soll sowohl ein Ort sein für Auseinandersetzungen von und mit jüdischen Positionen als auch ein Denkraum für eine post-migrantische Gesellschaft. Die erste Ausgabe befasst sich mit dem Thema „Selbstermächtigung“ (mehr Informationen finden Sie hier http://bit.ly/2g4M6JA) und wird im Frühjahr 2017 erscheinen. Die zweite ist für den Herbst zur „Desintegration“ als künstlerischem und politischem Konzept und Intervention geplant.

Mit diesem Post wollen wir Sie und Euch als Leser*innen gewinnen und um Unterstützung bitten. Mit einem Jahresabonnement für 28 Euro oder einem Förderabo für 42 Euro unterstützen Sie uns dabei, dass Jalta halbjährlich erscheinen kann. Außerdem bekommen Sie die neue Ausgabe direkt ins Haus geliefert, was ja auch seien Vorteile hat. Wer hätte je gesagt, Veränderung sei unkomfortabel.

In diesem Sinne hoffen wir auf Ihre Unterstützung,

Anna Schapiro, Hannah Peaceman, Lea Wohl von Haselberg, Marina Chernivsky, Max Czollek und Micha Brumlik

Das erste Heft der Zeitschrift Jalta setzt sich zunächst mit dem Titel auseinander. Jalta wird als Talmudfigur analysiert, ein Bezug zur Krim wird hergestellt. (Wütende) Jüdische Frauen kommen zu Wort: Ein Interview zu Bet Debora reflektiert die Entwicklung des Netzwerks. Eine Rabbinerin stellt sich…
NEOFELIS-VERLAG.DE

Mehr Information hier

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November 27th, 2016 at 6:13 pm

TAZ| Micha Brumlik: Thügida marschiert

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Jena: Früher Schiller und Schlegel, Hegel und Fichte und heute „Thügida“ und eine eingeschüchterte sozialdemokratische Stadtregierung?

Wem käme, hörte sie oder er das Wort „deutsche Kultur“, nicht mindestens auch die Stadt Jena in den Sinn. Hier wirkten und lehrten im 19. Jahrhundert Schiller und Schlegel, Hegel und Fichte, hier sorgte Goethe als Politiker, als Wissenschaftsminister – dieses Amt hieß damals „Hofrat“ – des Weimarer Fürsten dafür, dass Bibliotheken, Gärten und Laboratorien eingerichtet wurden, hier vollendete er unter anderem seinen Roman „Wilhelm Meister“ und seine Lebenserinnerungen „Dichtung und Wahrheit“, hier ist noch immer Schillers Gartenhaus zu sehen, wo er unter anderem den „Wallenstein“ schrieb.

Heute freilich, seit 2011, steht die lebens- und liebenswerte Universitätsstadt zum Nachteil ihrer Bewohnerinnen und Studierenden im Ruf, ein Zentrum der rassistischen und neonazistischen Untergrundszene zu sein – bis hin zu begründeten Vermutungen, dass sich dort auch Mitglieder des NSU getroffen haben. An Dreistigkeit ist die neonazistische Szene dort nicht zu überbieten: So marschierten an Hitlers Geburtstag 200 „Thügida“-Anhänger in einem Fackelzug durch Jena, eine Demonstration, die nach einem Verbot der Stadtverwaltung durch das Verwaltungsgericht Jena kassiert wurde.

Kurze Zeit später, am 17. August, dem Todestag des „Führerstellvertreters Rudolf Heß“, schritt die Polizei daher nicht mehr ein, wenngleich 3.000 Menschen, die Jenaer Zivilgesellschaft, dagegen aufstanden, aber von der Polizei mit Hunden und Wasserwerfern drangsaliert wurde. Doch hat die nach oben offene Skala neonazistischer Provokationen ihr Ende bei Weitem noch nicht erreicht: Ausgerechnet für den 9. November, jenem Tag, an dem 1938 die Synagogen brannten und Tausende jüdischer Männer in Konzentrationslager gesperrt wurden, hat „Thügida“ einen weiteren Aufmarsch angemeldet.

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November 7th, 2016 at 6:10 pm

Micha Brumlik: Wann, wenn nicht jetzt? – Versuch über die Gegenwart des Judentums – TU Berlin

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brumlik

Auftakt des Forschungskolloquium „Säkularer Staat und religiöse Vielfalt“ des Zentrums für Antisemitismusforschung am 19. Oktober 2016

Micha Brumlik, diesjähriger Buber-Rosenzweig-Medaillenträger, stellt sein Buch „Wann, wenn nicht jetzt? Versuch über die Gegenwart des Judentums“ vor, in dem er ein Plädoyer für jüdisches Leben in der Diaspora mit einer geschichtsphilosophischen Skepsis über die Zukunft des Staates Israel als eines jüdischen Staates verbindet. Durchaus im Bewusstsein der blutigen Krise der arabischen Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneuert er, zeitgemäß modifiziert, die schon von Martin Buber vorgeschlagene Idee eines binationalen Staates Israel/Palästina.

Zeit: 19. Oktober 2016, 18 bis 20 Uhr
Ort: TU Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin, Telefunkenhochhaus (20. Stock)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Moderiert wird die Buchvorstellung von Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum.

Micha Brumlik ist emeritierter Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2000 bis 2005 war er Leiter des Fritz Bauer Instituts, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt. Zwischen 1989 und 2001 war er in Frankfurt zudem Stadtverordneter der GRÜNEN. Seit 2013 ist er Senior Professor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg in Berlin.

Die Buchvorstellung bildet den Auftakt des Forschungskolloquium des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Das vollständige Programm können Sie hier einsehen: http://www.tu-berlin.de/fileadmin/i65/Forschungskolloquium/Programm_ZfA_Foko_WiS…

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Oktober 18th, 2016 at 11:59 am

TAZ| Buch über Entkolonialisierung – Afrikas Denken der Stunde

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von Micha Brumlik

Achille Mbembe befragt im Rekurs auf seine Lebensgeschichte die afrikanischen Entwicklungen seit der Entkolonialisierung.

Sie kommen täglich, und beinahe täglich kommen einige von ihnen in den Fluten des Mittelmeers um. Sie kommen aus: Afrika! Mag der eine oder andere Deal mit der Türkei dazu führen, dass weniger Menschen aus dem Mittleren Osten in Ländern der EU als Flüchtlinge registriert werden, so wird dies mit Menschen aus den Ländern Afrikas auf Jahre hinaus nicht der Fall sein – gibt es doch diese Länder nicht mehr, jedenfalls nicht als funktionierende Staaten.

Achille Mbembe gilt als bedeutendster Vertreter dessen, was als „postkoloniales Denken“ bezeichnet wird – eines Denkens, das sich bei aller Schärfe der Kritik nicht in Verantwortungszuweisungen an die weiße, atlantische Welt erschöpft. Das hat der Autor bereits in seiner vor zwei Jahren erschienenen „Kritik der schwarzen Vernunft“ unter Beweis gestellt; nun legt er einen von Christine Pries luzide übersetzten Essay vor, in dem er unter Einbeziehung der eigenen Bildungsgeschichte zu ermessen versucht, welche Zukunft Afrika in der Welt haben kann.

Mbembe beobachtet in vielen afrikanischen Staaten einen „blutigen Populismus“ in einem geografischen und kulturellen Raum, der keine Umrisse mehr hat: „Wenn dieser Kontinent überhaupt noch ein Ort ist, dann handelt es sich häufig und für viele um einen Ort des Übergangs oder der Durchreise.“

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Oktober 17th, 2016 at 4:43 pm

TAZ| FRANKFURT AM MAIN IM HERBST 1969 – Dr. Willi Lautemann

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VON MICHA BRUMLIK

Neulich in Zehlendorf: Party eines Verlages, nach dem dareinst eine ganze Kultur Westdeutschlands genannt wurde. Präsentiert wurde die Neuausgabe einer späten Erzählung von Wolfgang Köppen (1906–1996), in der er sich seiner frühen Jahre besann: „Jugend“. Beim Sturm auf das Buffet begegnete ich einer Dame, die ich irgendwie kannte – nach einem kurzen Wortwechsel entsann ich mich dunkel an Ort und Zeit: Frankfurt am Main im Herbst 1969, das philosophische Seminar im alten Hauptgebäude der Universität, ein damals von Trauer und Diadochenkämpfen gezeichneter Ort: war doch Anfang August Theodor W. Adorno gestorben und die Frage, wer die legitimen Erben der „Kritischen Theorie“ seien, erhitzte die Gemüter.

Nach ein paar kurzen Wortwechseln stellte sich die Dame als die Autorin Gisela von Wysocki heraus, die soeben – vor vierzehn Tagen – einen neuen Roman publiziert hatte: „Wiesengrund“. Der Roman erzählt, wie die aus Österreich kommende Icherzählerin schon als Mädchen von den Radiovorträgen Adornos fasziniert war, nach Frankfurt ging, um dem Philosophen zu lauschen und wie sie schließlich seine Zuneigung gewann.

Ich verschlang den Roman, den mir die Gastgeberin großzügig überließ, bereits am nächsten Tag, spielte doch neben dem „Wiesengrund“ genannten Adorno eine weitere Gestalt eine erhebliche Rolle: ein Mann namens Rahlsberger, von dem das Lesepublikum glauben könnte, der dichterischen Phantasie der Autorin entsprungen zu sein.

Kannte doch die neuere deutsche Literatur seit der Romantik genau solche Typen: kleine, bisweilen dämonisch wirkende, körperlich stigmatisierte, gleichwohl oder eben deshalb intensivst lebende Männer – zu denken ist etwa an Thomas Manns „kleinen Herrn Friedemann“ oder eben und vor allem an E.T.A. Hoffmanns „Klein Zaches.“

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Oktober 4th, 2016 at 4:47 pm

DLF| Drucksachen: „Blätter“ – „Wir sind ein Projekt der völligen Unabhängigkeit“

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Kritische Kommentare, Analysen und Alternativen: Die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ haben den Anspruch, „sich den universalistischen Werten, den Menschenrechten, aber auch einem liberalen Verständnis verpflichtet zu sehen“, sagte der politische Publizist, Jurist und „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke im Deutschlandfunk.

Albrecht von Lucke im Gespräch mit Natascha Freundel

Die „Blätter“ verstehen sich als Forum für aktuelle wissenschaftliche und politische Diskussionen und entstehen unabhängig von Konzernen, Parteien, Verbänden und Kirchen. Ein Herausgeberkreis, der den Anspruch einer emanzipatorischen Analyse politischer Debatten teilt, unterstützt die Redaktion der schon seit 1956 bestehenden „Blätter“, die Karl Barth einmal „eine Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn“ nannte.

Albrecht von Lucke, 1967 geboren, lebt seit 1989 in Berlin. Er ist Jurist und Politikwissenschaftler sowie politischer Publizist. Seit 2003 ist er Redakteur der renommierten politischen Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“.

Natascha Freundel: Vorab fünf Zitate aus fünf jüngeren Ausgaben der Blätter: „Der Sozialstaat muss für alle, auch für Deutsche wieder ein Wort mit konkretem Inhalt werden.“ „Der Legitimationskrise der universellen Werte der Demokratie ist nur mit einem sozialen Universalismus in Wort und Tat beizukommen.“ „Der Internationalismus der Linken hat seine Bewährung in Theorie und Praxis noch vor sich.“ „Die gesetzlich geschützte Pressefreiheit muss dringend neu mit Leben gefüllt werden.“ Und: „Der „Postkapitalismus wird ein Wirtschaftssystem sein, das auf menschlichen Faktoren beruht.“ Die Blätter für deutsche und internationale Politik sind eindeutig Blätter für linke Politik – oder, Albrecht von Lucke?

Albrecht von Lucke: Das kann man durchaus so sagen. Die Blätter haben jedenfalls den Anspruch – und das, finde ich, kommt in diesen Zitaten sehr gut zum Ausdruck -, sich den universalistischen Werten, den Menschenrechten, aber auch natürlich einem liberalen Verständnis verpflichtet zu sehen, einem liberalen Verständnis, das natürlich dann weit über bloße Deutschen- oder Staatsbürgerrechte hinausgeht, sondern die menschenrechtlichen Kategorien im Blick hat, also natürlich damit, wie es auch der Name der Blätter sagt, Blätter für deutsche und internationale Politik sind.

„Linkes Denken hat die Menschenrechtsfrage im Blick“

Freundel: Eines der von mir herausgepickten Zitate stammt von dem Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, der in den Blättern vom März das alte Denken der neuen Rechten analysiert und dabei auch die Schnittmengen zwischen linken und rechten Positionen verdeutlicht, zum Beispiel in der Kapitalismuskritik oder der USA-Kritik. Was ist denn für Sie, Albrecht von Lucke:, eine linke Haltung, die sich eben nicht mit dem rechten Denken verbrüdern lässt?

 

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Juli 10th, 2016 at 4:55 pm

WDR| Interview mit Micha Brumlik: „Die AfD ist religionsfeindlich“

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Die AfD ist keine antisemitische Partei, meint der Publizist Micha Brumlik im Interview bei WDR 5. Tatsächlich schlage sich die AfD auf die Seite Israels – weil der Staat als Bollwerk der westlichen Demokratie gegen den Islam gelte.

WDR 5: Wieviel Antisemitismus gehört zur AfD?

Micha Brumlik: Also auf der programmatischen Ebene findet sich dort kein Antisemitismus. Wenn man davon absieht, dass einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden, Alexander Gauland, sich angemaßt hat mitzuteilen, dass seiner Meinung nach das Schächtverbot kein Kerngehalt des Judentums angreife – im Unterschied zu einem möglichen Verbot der Beschneidung. Das war nicht Gaulands Sache. So hat er sich nicht zu äußern.

Wolfgang Gedeon in der Tat ist ein überzeugter Antisemit. Und das war dem einen oder anderen wichtigen Politiker der AfD auch durchaus bekannt. Jörg Meuthen wusste von diesen Verstrickungen, ohne dass er wahrscheinlich Gedeons Bücher gelesen hatte, ähnliches gilt auch von Björn Höcke.

Aber auf der programmatischen Ebene wird man, im Unterschied zur Islamfeindlichkeit, Antisemitismus bei der AfD nicht finden. Was die Leute am Stammtisch denken oder sagen, das wissen wir nicht. Etwas anderes steht allerdings nach den Ereignissen der letzten Tage fest: dass ein Teil der Landtagsfraktion bereit gewesen ist, den Antisemitismus von Gedeon in Kauf zu nehmen, billigend in Kauf zu nehmen.

WDR 5: Auf der programmatischen Ebene, sagen Sie, ist kein Antisemitismus zu finden. Gibt es aber sowas wie einen latenten Antisemitismus im Profil der AfD?

Brumlik: Also ich kann das, wie gesagt, abgesehen von Äußerungen, die ich eben zitiert habe, bisher nicht behaupten.

WDR 5: Es gibt andere Kommentatoren, die von einer notdürftig verschlüsselten antisemitischen Propaganda sprechen, wenn dort immer gegen anglo-amerikanisch dominierte Lebensart oder zinsbasierten Globalkapitalismus gewettert wird.

Brumlik: Ja, das sind natürlich Chiffren des Antisemitismus seit den 1930er Jahren. Aber es wird eben nicht explizit ausdrücklich ausgesprochen. Das ist richtig, dass man gegen diese Form von anglo-amerikanischem Kapitalismus glaubt, protestieren zu müssen und dass man, indem man die Zinsfrage aufnimmt, auch ein altes Thema von Antisemiten wieder aufnimmt. Nur Juden werden nicht genannt und im Unterschied dazu gibt es auch bei der AfD Stimmen, wie etwa in Frankreich oder in Österreich, die sich dann sehr massiv auf den Staat Israel beziehen – und zwar positiv.

WDR 5: Inwiefern?

Brumlik: Naja, insofern der Staat Israel als Bollwerk der westlichen Demokratie und natürlich vor allem als Bollwerk gegen den Islam gilt.

WDR 5: Und das passt dann eben besser zur Islamfeindschaft. Wie verhält die sich diese Islamfeindschaft zu diesen leicht antisemitischen Tendenzen oder zu denjenigen in der AfD, die sich jetzt offen antisemitisch geäußert haben?

Brumlik: Ich kann nur sagen, die Islamfeindschaft steht im Parteiprogramm drin. Das ist der offizielle gemeinsame Wille aller Parteimitglieder. Alles andere sind Meinungen, die man am Stammtisch oder in irgendwelchen Internetkommunikationen findet. Das wird es so oder anders auch in anderen Parteien geben.

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Die AfD ist keine antisemitische Partei, meint der Publizist Micha Brumlik im WDR 5-Interview. Tatsächlich schlage sich die AfD auf die Seite Israels – weil der Staat als Bollwerk der westlichen Demokratie gegen den Islam gelte.

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Göttinger Tageblatt| Brumlik thematisiert Fundamentalismus

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Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik spricht über die Rolle von religiösem Fundamentalismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft an der Universität Göttingen. Der Vortrag des in diesem Jahr mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichneten Professors ist am 12. Juli.

In seinem Vortrag „Um Gottes Willen“ stellt Brumlik den Aspekt religiös-fundamentalistisch motivierter Antisemitismen in den westlichen Gesellschaften in den Mittelpunkt. Als ehemaliger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christen und Juden beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (1991-2006) sei Brumlik mit der christlichen Geistes- und Dogmengeschichte bestens vertraut und positioniere sich klar dazu, teilte die Göttinger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit, die mit der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen die Vortragsveranstaltung organisert. Brumlik habe zuletzt in der Debatte um die Stellung des Alten Testaments, in der das Konzept des Göttinger Theologen Emanuel Hirsch eine nicht unbedeutende Rolle spielte, dazu Stellung genommen. Der Vortrag beginnt am Dienstag, 12. Juli, um 20.15 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5, Raum 001.

 

Quelle: Göttinger Tageblatt

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Juli 3rd, 2016 at 5:26 pm

FG-Forum: Rosenzweig-Gastprofessor Micha Brumlik sprach über den Zusammenhang von Religion, Konflikt und Frieden

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Die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur wird alljährlich von der Universität Kassel zur Erinnerung an den großen Historiker und jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886-1929) vergeben. Rosenzweig wuchs in Kassel auf, besuchte das Friedrichsgymnasium und legte hier im Jahr 1905 sein Abitur ab. In diesem Jahr hat die Rosenzweig-Gastprofessur der Schweizer Erziehungswissenschaftler und Publizisten Prof. Micha Brumlik inne. Brumlik war bis zu seiner Emeritierung im Frühjahr 2013 Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Als Publizist und Gastautor diverser Zeitungen veröffentlichte er Sachbücher, Essays und Artikel zur Geschichte des Judentums sowie zu zeitgenössischen jüdischen Themen.

„Am 28.06.16 sprach im Rahmen des FG-Forums Herr Prof. Micha Brumlik mit der Jahrgangsstufe Q2 über die drei monotheistischen Religionen und ihre Verantwortung im Weltgeschehen. Zu Beginn erklärte er uns, was Fundamentalismus bedeutet und zeigte auf, was Fundamentalisten nicht wollen. Fundamentalisten nähmen die Heilige Schrift wörtlich, verbänden mit ihr politische Ansprüche und strebten politische Herrschaft an. Sie seien gegen die Ausdifferenzierung, also gegen die Trennung von Religion und Politik. Aus diesem Fundamentalismus, bspw. vom IS vertreten, erwüchsen die Flüchtlingsströme. Ein Vorschlag, um die Einwanderung zu erleichtern, wird im französischen Schulsystem getestet. In französischen Schulen darf niemand mehr seine Religion öffentlich, sei es durch ein Kopftuch oder ein Kreuz, zur Schau stellen. Außerdem gibt es keinen Religionsunterricht mehr.

In sämtlichen Religionen findet Prof. Brumlik grundsätzlich nur die Aufforderung zum Frieden und nicht die zum Fremdenhass. Die Juden sind seit Ägypten und der Flucht aus Ägypten Flüchtlinge, Maria und Josef waren Flüchtlinge. Viel deutlicher wird dieser Aufruf zum Frieden in folgendem Zitat aus der Bibel: „Du sollst den Fremden nicht bedrücken, denn du selbst warst einst ein Flüchtling in Ägypten.“ Auch im Islam und im Judentum findet man derartige Aussagen. Mohammed zum Beispiel sagte einmal, dass alle Menschen ihrem Glauben nachgehen können, dass er Götzendiener aber verabscheue.

 

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Juli 3rd, 2016 at 3:39 pm

EK Köln| Micha Brumlik referierte in der Melanchthon-Akademie über Israels Zukunft

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Martin Buber, seine Vision für Israel und der „Plan B“

Im März zeichnete der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Prof. Dr. Micha Brumlik mit der Buber-Rosenzweig-Medaille aus. Vor kurzem sprach Preisträger Buber in der Melanchthon-Akademie über „Israels Zukunft ein binationaler Staat!? Martin Buber und seine Vision für Israel“. Es ging um nichts Geringeres als eine mögliche Lösung des Nahostkonflikts. Veranstalterin war neben der Erwachsenenbildungseinrichtung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.

In der Begrüßung erinnerte Akademieleiter Dr. Martin Bock an seine eigene Studienzeit in Jerusalem Ende der 1980er Jahre. Er befand, dass die damalige Situation noch weniger kompliziert und derart komplex verfahren gewesen sei. Miguel Freund, stellvertretender Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft, stellte den Referenten vor und leitete in das unvermindert aktuelle Thema des Abends ein, das zahlreiche Interessierte in der Akademie zusammenführte. Der Intellektuelle, Erziehungswissenschaftler, Autor und Publizist „sei ein ausgewiesener Kenner sowohl der jüdischen als auch der christlichen Geschichte, Kultur und Religion“, fasste Freund die Begründung des Dachverbandes für die Preisverleihung an Brumlik zusammen. Zudem gebe er mit seinen Beiträgen wesentliche Impulse für das gegenseitige Verständnis von Juden und Christen.

Binationaler Staat versus Einstaatenlösung
In seinem anspruchsvollen Vortrag stellte der 68-jährige Brumlik eine vom jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber (1878-1965) in den 1920er Jahren geborene Idee für ein friedliches Zusammenleben der Völker in Israel/Palästina vor. Die Rede ist von einem binationalen Staat beziehungsweise einer Einstaatenlösung. Historisch, politisch wie (religions-)philosophisch unternahm Brumlik eine Rückschau, blickte auf die Gegenwart und stellte eine – natürlich unsichere Prognose für die Zukunft. Bubers Vision eines jüdisch-arabischen Staates mit gleichen Rechten für beide Völker hatte auch der von ihm mitgegründete „Bund des Friedens“ (Brit Schalom, 1925 bis 1933) verfolgt.

„Das Undenkbare denken“
Nicht nur damals habe man Bubers Vorschläge für ein gleichberechtigtes politisches, wirtschaftliches und soziales System als utopisch angesehen. Auch heute noch hielten viele seine Idee für unrealistisch. Doch sei angesichts der Besatzungspolitik Israels im Westjordanland, Israels Entwicklung zu einem „Unrechtstaat“ und einer notwendigen Befriedung nicht gerade dieser „Plan B“ konkret ins Auge zu fassen, fragte Brumlik. Im Verlauf stellte er Bubers Position sowie zustimmende und konträre zeitgenössische wie aktuelle Einschätzungen vor. Und trat schließlich, rhetorisch begleitet vom Talmud-Zitat „Wann, wenn nicht jetzt?“ und appellierend, das „Undenkbare zu denken“, ausdrücklich für eine binationale Lösung ein.

 

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Written by lbucklitsch

Juni 25th, 2016 at 3:50 pm

TAZ| Zum Menschenbild der Neuen Rechten: Der Einzelne hat kein Recht

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Gegen Menschenrechte und Globalisierung: Micha Brumlik sprach im Literaturhaus Berlin über „Das alte Denken der Neuen Rechten“.

KOMMENTAR VON ULRICH GUTMAIR

Die Völker sollen in ihren angestammten Kulturräumen bleiben. Auf diese ethnopluralistische These könnte man die Ideologie der neuen Rechten reduzieren, dann würde man allerdings Details verpassen, die auf der Suche nach einer politischen Antwort auf das Programm von Parteien wie der AfD wichtig werden könnten.

Zu diesem Schluss konnte man kommen, nachdem der Erziehungswissenschaftler und taz-Kolumnist Micha Brumlik am Freitagabend im überfüllten Kaminzimmer des Literaturhauses Berlin Rhetorik, Ideologie und Theorie, kurz: „das alte Denken der Neuen Rechten“ analysiert hatte. TOP B3rlin und die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatten ihn als ersten Redner der Reihe „Rhetorik der Reaktion“ eingeladen.

Brumlik zeigte, dass die ethnopluralistische Idee nicht nur im Denken Carl Schmitts, sondern auch in der Philosophie Martin Heideggers Anschluss finden kann. Heidegger argumentierte in seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“ völkisch und nationalsozialistisch: Das „Geschehen des Volkes“ bezeichnete er als „Geschick“, das sich nicht bloß aus einzelnen Schicksalen zusammensetze, „sowenig als das Miteinandersein als ein Zusammenkommen mehrerer Subjekte begriffen werden kann.

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JA| Ein Phänomen der Moderne

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Die Bildungsabteilung im Zentralrat lud zur Diskussion über Fundamentalismus in den Weltreligionen

16.06.2016 – von Barbara Goldberg

Was ist das für ein Phänomen?« Micha Brumlik sprach an, was für die meisten alltägliche Realität geworden ist: die Angst vor islamistisch fundierten Terroranschlägen und die enorme Aufrüstung der Sicherheitskräfte, um dieser Bedrohung zu begegnen. »90.000 Polizisten sind jetzt bei der EM in Frankreich im Einsatz, und wir nehmen das als ganz selbstverständlich hin.« Ja, wie lässt sich erklären, dass fundamentalistische Weltbilder diese große Faszination auf viele Menschen ausüben und ihnen häufig sogar als moralische Rechtfertigung dienen, andere zu töten?

Antworten auf diese Fragen sollte das dreitägige Symposium finden, zu dem die Bildungsabteilung im Zentralrat in der vergangenen Woche ins Frankfurter Gemeindezentrum geladen hatte, und zwar gerade nicht auf den Islamismus beschränkt, auch wenn die Auseinandersetzung mit diesem die Vorträge, Workshops und Gespräche am Ende doch dominierte. Wie Micha Brumlik, emeritierter Erziehungswissenschaftler an der Frankfurter Goethe-Universität, in seinem Vortrag schilderte, lassen sich aber auch im Judentum fundamentalistische Tendenzen beobachten. Allerdings spielen diese seiner Meinung nach außerhalb Israels weder eine politische Rolle noch stellten sie ein friedensgefährdendes Problem dar.

Das Absurde ist, dass dieselben biblischen Quellen zu zwei komplett entgegengesetzten radikalen Strömungen innerhalb der jüdischen Orthodoxie geführt haben: Während die radikalen Siedler der Gruppe »Gusch Emunim« glauben, Ostjerusalem, Hebron und das Westjordanland seien genau jene Teile des Heiligen Landes, die Gott seinem auserwählten Volk verheißen habe, lehnen die Satmarer Chassidim den Staat Israel ab und solidarisieren sich mit der arabischen Bevölkerung in Palästina.

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TAZ| Micha Brumlik: Was die AfD und Playmobil eint

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Nicht nur der BaWü-Ableger der Gauland-Partei hat ein Antisemitismus-Problem. Auch die Martin-Luther-Figur von Playmobil ist nicht ohne.

Die letzte Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gibt Anlass, über Gemeinsamkeiten von AfD und Playmobil nachzudenken . . . Wie bitte? Playmobil? AfD? Unterliegt der Autor einer Form von Beziehungswahn?

Gemach – und hübsch der Reihe nach: Die FAS vom 5. Juni brachte auf Seite 2 einen großen Artikel zum Streit zwischen CDU und CSU und betitelte ihn angemessen mit „Verkrachte Geschwister“. Um dies schon zum Überdruss traktierte Thema ansprechend zu präsentieren, kamen die Blattmacher auf die Idee, in die Mitte des Artikels eine besonders große, farbige Fotografie von zwei Playmobilmännchen zu platzieren, eines, das erkennbar einem Indianer glich, ein anderes, das eine Art roten Frack trug.

So weit, so gut – aber was in aller Welt soll das mit der AfD zu tun haben? Noch etwas Geduld: Die AfD hat, wie die Presse nicht nur im Südwesten der Republik vermeldete, derzeit ein Antisemitismusproblem – sitzt doch in ihrer Landtagsfraktion in Stuttgart ein Arzt, Wolfgang Gedeon, der längst ob einer Reihe obskurer und paranoider Annahmen über die „Protokolle der Weisen von Zion“ sowie über die mittelalterlichen, den Talmud studierenden Juden als „innere Feinde des christlichen Abendlandes“ aufgefallen ist.

Parteichef Jörg Meuthen sieht sich daher mit Forderungen konfrontiert, Gedeon aus der Fraktion auszuschließen. So weit, so – je nach Sichtweise – gut oder schlecht. Aber was hat das denn nun mit der ach so beliebten Spielzeugfirma Playmobil – sie hat ihren Sitz in Zirndorf bei Fürth – zu tun?

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Written by lbucklitsch

Juni 14th, 2016 at 3:52 pm

FR| JÜDISCHE GEMEINDE FRANKFURT: Wer Angst hat, wird anfällig

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Von 

Der Zentralrat der Juden macht religiösen Fundamentalismus zum Thema einer Tagung in Frankfurt. Der Publizist Micha Brumlik erntet für seinen Beitrag Beifall und Widerspruch zugleich.

Was bringt junge Menschen dazu, sich radikalen religiösen Gruppen anzuschließen? Bei Ahmad Mansour waren es vor allem Mobbing und Zukunftssorgen, die ihn anfällig machten. Als er als Schüler in die Gruppe eines radikalen Imams geriet, waren seine Ängste „von heute auf morgen weg“, sagt Mansour, arabischer Israeli und Islamismus-Experte. Er habe Jahre gebraucht, um sich aus dieser Ideologie herauszuarbeiten. „Aber meine Person zeigt: Es ist machbar, wenn man die richtigen Leute trifft und die richtigen Bücher liest.“

Es ist ein besonderer Abend bei der Jüdischen Gemeinde im Westend. Als ein Höhepunkt der Konferenz „Die Faszination fundamentalistischer Weltbilder“, organisiert vom Zentralrat der Juden in Deutschland, berichtet der heute in Berlin lebende Mansour aus seinem Leben und von seiner pädagogischen Arbeit mit jungen Muslimen. Es seien auch das Gottesverständnis vieler konservativer Imame, die ständige Angst vor der Hölle und die Tabuisierung der Sexualität, die junge Muslime in die Hände der Fundamentalisten trieben, sagt Mansour. Zur Flüchtlingsdebatte stellt er Forderungen an Politik und Gesellschaft: Die Geflüchteten benötigten „Zugänge in die Mehrheitsgesellschaft“, es brauche viel mehr Fördermittel und Projekte, um es „diesmal anders zu machen als bei den Gastarbeitern und ihren Kindern“.

Zugleich müsse man junge Muslime befähigen, sich kritisch mit ihrer eigenen Religion auseinanderzusetzen. Man müsse autoritäres Denken und Antisemitismus auch unter Migranten offen und mittels „gewinnender Arbeit“ ansprechen. „Ich weiß, wie schwer das ist“, sagt Mansour.

 

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Gegen Mythopolitik und Ethnokratie – Micha Brumliks Plädoyer für eine konstitutionelle Utopie

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Von Irmela von der Lühe

Als „Versuch über die Gegenwart des Judentums“ hat Micha Brumlik, soeben mit der Buber- Rosenzweig-Medaille der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgezeichnet, seine Essaysammlung bezeichnet, die im Haupttitel die Frage aus den talmudischen „Sprüchen der Väter“ aufnimmt: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Tatsächlich geht es in den sieben sachlich und systematisch klug miteinander verknüpften Aufsätzen gleichermaßen um aktuelle politische wie historisch-kulturgeschichtliche als auch philosophisch-theoretische Fragen. Sie alle kreisen im Sinne der talmudischen Aufforderung um radikale Selbstbefragung, um jüdische Selbstbesinnung als Reflexion vergangener Erfahrungen und gegenwärtiger Erlebnisse, historischer Erkenntnisse und aktueller Herausforderungen. Vergangenheit und Gegenwart der Diaspora, des Zionismus und des Messianismus spielen eine ebenso wichtige Rolle, wie das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland, zwischen Israel und den Juden in der amerikanischen Diaspora. Analyse und Argumentation prägen die Darstellungen, und doch spürt man immer wieder, wovon auch in einem eigenen Abschnitt ausführlich die Rede ist: „Resignation und Einsicht“. Eine melancholische Präzision durchzieht den Text, dessen Ton erstaunt und berührt; dessen analytische Kraft unüberhörbar, dessen rational-realistischer Ursprung zweifelsfrei und dessen klarsichtige Hoffnung stets gegenwärtig ist.

Es ist keine Abrechnung mit dem zionistischen Projekt, so hart und entschieden die Kritik an der Besatzungspolitik Israels im Allgemeinen und an Benjamin Netanyahus Handeln im Besonderen auch ausfällt. Mit „Israel und die Diaspora: Die aktuelle Krise“ ist denn auch das erste Kapitel überschrieben, das von der Wiederwahl Netanyahus im Jahre 2015 – zugleich das vierte Jahr des syrischen Bürgerkriegs – ausgehend, den Gründen und Hintergründen für die wachsende „Entfremdung“ zwischen dem amerikanischen Judentum und dem Staat Israel nachgeht. Gewährsmann für die dabei referierten Sachverhalte ist der orthodoxe Politikwissenschaftler Peter Beinart, dessen im Jahr 2013 auch auf Deutsch erschienene Studie „Die amerikanischen Juden und Israel“ die völker- und menschenrechtswidrige Siedlungs-und Außenpolitik der Netanjahu-Regierungen detailreich belegt und zugleich die Gefolgschaftstreue der großen jüdisch-amerikanischen Organisationen kritisch in Frage stellt. Gestützt auf Beinarts Befunde rekonstruiert Brumlik eine paradoxe und zugleich höchst brisante Konstellation: Während Netanjahu in den Spuren seines Vaters und damit in direkter Nachfolge von Waldimir Jabotinsky (1880–1940) alle Anstrengungen unternimmt, einen palästinensischen Staat zu verhindern, orientiert sich Barack Obama an den Grundsätzen des jüdischen Philosophen und Bürgerrechtlers Abraham Joschua Heschel (1907–1972). Das Scheitern des Friedensprozesses erwächst in einer solchen Sicht auch aus einem inneren Antagonismus im zionistischen Konzept selbst und führt zu einen wachsenden Dissens zwischen der israelischen Regierung und dem modern-orthodoxen Judentum in der amerikanischen Diaspora. An Peter Beinarts, aber auch an Positionen wie denjenigen der jüdisch-französischen Historikerin Esther Benbassa stellt Micha Brumlik jene existenziell-politische Ambivalenz heraus, die sich in Sätzen wie „Ich will nicht Jüdin sein und Israel ablehnen. Ich will auch nicht Jüdin sein und Israels unmoralischen Krieg billigen. Nicht ohne Israel und nicht mit Israel, so wie es heute ist“ äußert.

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neues deutschland: Brumlik für Behandlung von „Mein Kampf“ an Schulen – „Hitler muss entmythologisiert werden“

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Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik hat die Entscheidung des bayrischen Landtages begrüßt, die neue kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ an Schulen zu behandeln. Es müsse darum gehen, den Autor zu „entmythologisieren“, schreibt Brumlik in einem Gastbeitrag für die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“ (Freitagausgabe). Lese man die vom Münchner Institut für Zeitgeschichte kommentierte Ausgabe, dann werde klar, dass Hitlers Weltanschauung „nichts anderes war als das wirre Konglomerat einer persönlichen Paranoia und esoterischer Wahnvorstellungen“, so der emeritierte Professor der Universität in Frankfurt am Main. Wie es geschehen konnte, „dass ein großer Teil der Deutschen diesem Mann und seiner Weltanschauung bis zum bitteren Ende eines Krieges ungebrochen folgte“, sei die entscheidende Frage, die „in einer Zeit, in der sich in Gestalt der AfD weltanschauliche Paranoia wieder politisch organisiert“, besonders dringend mit Schülern erörtert werden müsse.

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Mai 13th, 2016 at 8:31 am

Deutschlandradio| Studie: Wie das Friedenspotenzial in Religionen genutzt werden kann

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Von Stefanie Oswalt

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Wie kann erreicht werden, dass Religionen nicht Konfliktauslöser sind, sondern zum Frieden beitragen? Dazu müssten die friedensorientierten Strömungen innerhalb von Religionen erst einmal wahrgenommen werden, hat der Friedensforscher Markus Weingardt in einer Untersuchung herausgefunden.

Zitat aus Altes Testament Joel, Kapitel 4,9:
„Ruft unter den Völkern aus: ‚Rüstet euch zum Kampf! Stellt eure Truppen auf! Lasst alle eure wehrfähigen Männer antreten und marschieren! Schmiedet aus euren Pflugscharen Schwerter, und macht aus euren Winzermessern Speerspitzen! (…)'“

Zitat aus Neues Testament Matthäus, Kapitel 10,34:
„Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“

Zitat aus Koran, Sure 47,4:
„Wenn ihr auf diejenigen, die ungläubig sind, (im Kampf) trefft, dann schlagt (ihnen auf) die Nacken. Wenn ihr sie schließlich schwer niedergeschlagen habt, dann legt (ihnen) die Fesseln fest an. Danach (lasst sie) als Wohltat frei oder gegen Lösegeld, bis der Krieg seine Lasten ablegt…“

Altes Testament, Neues Testament und Koran. Alle drei Zitate wurden im Laufe der Geschichte immer wieder zur Legitimation von Gewalt und Krieg herangezogen: von den Kreuzzügen über die konfessionellen Kriege des 17. Jahrhunderts, den Weltkriegen bis heute. Kriege, die von den Herrschenden vermeintlich im Namen Gottes geführt wurden, hinter denen oft simple machtpolitische Interessen standen.

Markus Weingardt: „Allerdings muss man nicht so weit zurückgehen bis ins Mittelalter, um festzustellen, dass Interessenkonflikte immer wieder nicht nur in Wertekonflikte sondern auch in religiös aufgeladene Wertekonflikte transformiert werden. Wir haben radikale religiöse Gruppierungen nicht nur im Islam – der IS, die Taliban oder Boko Haram sind natürlich bekannt -, die alle ihre Auseinandersetzungen religiös begründen. Wir haben aber auch die christliche Lord’s Resistance Army in Uganda, Hindu-Nationalisten in Indien oder buddhistische Nationalisten in Myanmar, die alle unglaubliche Gewalt verüben oder Pogrome an christlichen oder muslimischen Minderheiten verüben“,

sagt der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Markus Weingardt. Er leitet den Bereich „Frieden“ der Tübinger Stiftung „Weltethos“. Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat er untersucht, wie Religionen und ihre Vertreter in gewaltsamen Konflikten deeskalierend wirken können, wie sie gar Frieden stiften können.

„Es macht einen Unterschied, ob man einen Kampf, einen Interessenkonflikt um Land austrägt, oder ob man einen Wertekonflikt um Heiliges Land austrägt. Also wenn dieses Land – wodurch auch immer – sozusagen religiös aufgeladen zu Heiligem Land erklärt wird, dann hat das natürlich eine ganz andere Qualität; und entsprechend wird auch der Konflikt, die Auseinandersetzung eine ganz andere Qualität haben.“

Überhebliches westliches Selbstbild

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Written by lbucklitsch

Mai 12th, 2016 at 5:21 pm

JungleWorld| »Multikulturalismus, Immigration und Islam sind ihre Hauptgegner«

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Micha Brumlik ist emeritierter Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt und momentan Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Der Erziehungswissenschaftler und Publizist sprach mit der »Jungle World« über alte und Neue Rechte, über Heidegger und die Resakralisierung politischer Herrschaft.

INTERVIEW: MORITZ WICHMANN

Die Neue Rechte orientiert sich am eurasischen Projekt und am Ethnopluralismus. Worum geht es dabei?

Die Neue Rechte legt einen starken Akzent auf kulturelle Identität, aber versteht sich so, dass sie nicht rassistisch ist. Sie sagt nicht, die eine Kultur ist höherwertig als die andere, sondern Kulturen sind grundsätzlich verschieden. Keine ist höher als die andere, aber jedes Volk ist gehalten, seine eigene kulturelle Identität gegen Einflüsse von außen, also Wanderungsbewegungen, moralischen Universalismus und gegebenenfalls auch Menschen- und Bürgerrechte zu verteidigen.

Das eurasische Projekt ist ein Gegenprojekt zu dem, was man als die atlantische Zivilisation bezeichnen kann, also die Beziehungen zwischen den USA und Europa, die westliche Aufklärung und die Zeit seit der französischen und amerikanischen Revolution. Demgegenüber denken die Eurasier in Großräumen, die von Sibirien bis nach Moskau oder Kiew reichen, die keine liberale Tradition haben. Dies ist ein Denken, das sich ganz stark am am konkreten Raum orientiert und weniger an Ideen und Prinzipien.

Diese Fokussierung auf Raum nennen Sie ja als zentrales Merkmal des Denkens der Neuen Rechten. Dabei kritisieren Sie die Raumvergessenheit des westlichen liberalen politischen Denkens und der Linken.

Wir im Westen konnten es uns in den letzten Jahren leisten, über Fragen wie Grenzen, Räume, Siedlungen, Demographie und Bevölkerung nicht nachzudenken, wir mussten uns da keine Sorgen machen. Jetzt sind wir mit der sogenannten Flüchtlingskrise im Rahmen der Globalisierung sehr unsanft darauf gestoßen worden, dass Raum tatsächlich eine Rolle spielt. Wir haben dafür bisher keine Konzepte, es sei denn die der Stadtsoziologie. Da gibt es Überlegungen, wie Räume gerecht gestaltet werden sollen. Um die Fragen nach größeren Maßstäben, wo es um Territorien und Staaten geht, hat sich die Linke in den letzten Jahren nicht gekümmert.

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