Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Rassismus’ Category

TAZ| Micha Brumlik: Die Erben des Rassismus

without comments

WIEDERGÄNGER Der Einzug der AfD in den Bundestag steht nicht nur für ein Aufschließen Deutschlands zum (west-)europäischen Normalmaß. Dahinter verbirgt sich auch eine fatale Kontinuität deutscher Geschichte

Die rechtsextreme AfD zieht in den Bundestag ein – eine Partei, die sich in Teilen affirmativ zum Nationalsozialismus verhält. Derlei gab es schon in der Frühzeit der Bundesrepublik. In ihren ersten Jahren gelangten Parteien und Personen in das Parlament, die persönliche und programmatische Beziehungen zur NS-Zeit hatten: Zum Beispiel Hans-Christoph Seebohm, zunächst Mitglied der DP, der „Deutschen Partei“, die über Direktmandate 1953 bis 1961 im Bundestag saß. 1960 trat Seebohm der CDU bei, von 1949 bis 1966 war er Bundesverkehrsminister. Er forderte 1949 Ehrfurcht vor Fahnen des Nationalsozialismus, schmähte das Grundgesetz als von den Alliierten „erzwungen“ und schwafelte von einer „So­zial­de­mo­kratie mit asia­ti­schen Wurzeln, die nicht zum Deutschtum führen“ könne.

Ähnliche Töne sind heute – bald siebzig Jahre später – aus dem Munde des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland zu vernehmen: Er ruft dazu auf, auf die „Leistungen“ einer der schlimmsten Mordmaschinen des 20. Jahr­hun­derts, der Deutschen Wehrmacht, stolz zu sein. Gauland, der als persönlicher Referent des damaligen Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) vietnamesische Flüchtlinge in die Stadt holte und dafür sorgte, dass Wallmann 1980 dem linksliberalen Philosophen Jürgen Habermas den Theodor W.-Adorno-Preis verlieh, hat nach seinem verbitterten Ausscheiden aus der CDU die Maske des in Tweed gekleideten britischen Konservativen abgelegt.

 

weiterlesen

Written by lbucklitsch

September 26th, 2017 at 4:14 pm

Freiheit für Deniz!

without comments

„Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

(Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10.12.1948)


Für die Freiheit von Information, Meinung, Wort und Kunst. Gemeinsam für und mit Deniz Yücel und allen zur Zeit in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen.

Jaafar Abdul-Karim (Moderator DEUTSCHE WELLE)
Johanna Adorján (Journalistin SZ)
Doris Akrap (Journalistin taz.die tageszeitung)
Züli Aladag (Regisseur)
Barbara Albert (Regisseurin)
Christoph Amend (Chefredakteur ZEIT MAGAZIN)
Mohamed Amjahid (Journalist ZEIT MAGAZIN)
Antilopen Gang (Musiker)
Janina Audick (Bühnenbildnerin)
Dominique Auerbacher (Künstlerin)
Tomas Avenarius (Journalist SZ)
Imran Ayata (Schriftsteller)
Fatma Aydemir (Journalistin taz.die tageszeitung)
Gökalp Babayigit (Journalist SZ)
María Cecilia Barbetta (Schriftstellerin)
Sascha Batthyany (Journalist)
Jasna Fritzi Bauer (Schauspielerin)
David Baum (Editor-at-large GQ)
Zoë Beck (Schriftstellerin)
Wolfgang Becker (Regisseur)
Bernd Begemann (Musiker)
Bibiana Beglau (Schauspielerin)
Sibylle Berg (Schriftstellerin)
Edward Berger (Regisseur)
Miraz Bezar (Filmemacher)
Annette Bhagwati (Kunsthistorikerin)
Arne Birkenstock (Dokumentarfilmregisseur)
Michael Bitala (Journalist SZ)
Jörg Bochow (leitender Dramaturg)
Andrea Böhm (Journalistin DIE ZEIT)
Daniel-Dylan Böhmer (Journalist DIE WELT)
Jan Böhmermann (Komiker)
Swen Bolho (Musiker)
Monika Bonvicini (Künstlerin)
Mathias Bothor (Fotograf)
Bettina Böttinger (Journalistin)
Michael Brake (Journalist taz.die tageszeitung)
Kristian Brakel (Politikwissenschaftler)
Matthias Brandt (Schauspieler)
Christina von Braun (Kulturwissenschaftlerin)
Luzia Braun (Journalistin)
Nikolaus Brender (Journalist)
Klaus Brinkbäumer (Chefredakteur DER SPIEGEL)
Dietrich Brüggemann (Regisseur)
Micha Brumlik (Publizist)
Silke Burmester (Journalistin)
Stephan-Andreas Casdorff (Chefredakteur DER TAGESSPIEGEL)
Maike Cruse (Direktorin Gallery Weekend)
Mehmet Daimagüler (Rechtsanwalt)
Pepe Danquart (Regisseur)
Chris Dercon (designierter Intendant)
Stephan Detjen (Journalist)
Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur DIE ZEIT)
Jörg Diehl (Chefreporter SPIEGEL ONLINE)
Georg Diez (Journalist)
Annette Dittert (Journalistin)
Anke Domscheit-Berg (Publizistin)
Thea Dorn (Schriftstellerin)
Doris Dörrie (Regisseurin)
Tanja Dückers (Schriftstellerin
Publizistin)
Cordelia Dvorák (Regisseurin)
Alice Dwyer (Schauspielerin)
Julia Eckert (Sozialanthropologin)
Edition Nautilus
Lars Eidinger (Schauspieler)
Carolin Emcke (Publizistin)
Julia Encke (Journalistin FAS)
Theresia Enzensberger (Herausgeberin BLOCK Magazin)
Isabelle Faust (Musikerin)
Jan Feddersen (Redakteur taz.die tageszeitung
Publizist)
Arne Feldhusen (Regisseur)
Leo Fischer (Satiriker)
Jürgen Flimm (Intendant Staatsoper Unter den Linden)
Thomas Fricke (Kolumnist)
Jens Friebe (Musiker)
Johannes Friedmann (Mitherausgeber SZ)

Read the rest of this entry »

Mitbestimmung| MICHA BRUMLIK ÜBER DIE NEUE RECHTE

without comments

Interview Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik über die Think Tanks der Neuen Rechten, den Aufstieg von AfD und Pegida, und wie die Linke dagegen ihre Themen behaupten kann.

Herr Brumlik, Sie haben sich ausgiebig mit der Ideologie der Neuen Rechten befasst, insbesondere mit der identitären Bewegung, die glaubt, jede Ethnie habe ein Lebensrecht, aber eben nur in dem Raum, der ihr zusteht. Wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt, lebt dieser Ideologie zufolge identitär. Warum befassen Sie sich mit diesen Theorien?

Durch die Wahlerfolge der AfD ist die Neue Rechte politisch eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung wert. Es gibt einen Think Tank, der hinter diesen ideologischen Erfolgen der AfD steht, der aus sich aus rechtsintellektuell eingestellten Personen und Institutionen zusammensetzt, die auf die politische Meinungsbildung gezielt Einfluss nehmen wollen.

Wer sind diese Leute?

Dazu zähle ich die rechtsreformistische Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und die Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“, eine private Einrichtung, die sich als Aktionsplattform für neurechte Bildungsarbeit darstellt. Dazu gehört auch die „Blaue Narzisse“, eine Jugendzeitschrift aus Chemnitz, die seit 2004 erscheint und Leute wie Götz Kubitschek um die Zeitschrift „Sezession“. Nicht zu vergessen Jürgen Elsässer, der bis 2008 für erklärtermaßen linke Medien wie Neues Deutschland oder Junge Welt tätig war und heute das rechtspopulistische Magazin „Compact“ herausgibt.

weiterlesen

JA| Ein Phänomen der Moderne

without comments

Die Bildungsabteilung im Zentralrat lud zur Diskussion über Fundamentalismus in den Weltreligionen

16.06.2016 – von Barbara Goldberg

Was ist das für ein Phänomen?« Micha Brumlik sprach an, was für die meisten alltägliche Realität geworden ist: die Angst vor islamistisch fundierten Terroranschlägen und die enorme Aufrüstung der Sicherheitskräfte, um dieser Bedrohung zu begegnen. »90.000 Polizisten sind jetzt bei der EM in Frankreich im Einsatz, und wir nehmen das als ganz selbstverständlich hin.« Ja, wie lässt sich erklären, dass fundamentalistische Weltbilder diese große Faszination auf viele Menschen ausüben und ihnen häufig sogar als moralische Rechtfertigung dienen, andere zu töten?

Antworten auf diese Fragen sollte das dreitägige Symposium finden, zu dem die Bildungsabteilung im Zentralrat in der vergangenen Woche ins Frankfurter Gemeindezentrum geladen hatte, und zwar gerade nicht auf den Islamismus beschränkt, auch wenn die Auseinandersetzung mit diesem die Vorträge, Workshops und Gespräche am Ende doch dominierte. Wie Micha Brumlik, emeritierter Erziehungswissenschaftler an der Frankfurter Goethe-Universität, in seinem Vortrag schilderte, lassen sich aber auch im Judentum fundamentalistische Tendenzen beobachten. Allerdings spielen diese seiner Meinung nach außerhalb Israels weder eine politische Rolle noch stellten sie ein friedensgefährdendes Problem dar.

Das Absurde ist, dass dieselben biblischen Quellen zu zwei komplett entgegengesetzten radikalen Strömungen innerhalb der jüdischen Orthodoxie geführt haben: Während die radikalen Siedler der Gruppe »Gusch Emunim« glauben, Ostjerusalem, Hebron und das Westjordanland seien genau jene Teile des Heiligen Landes, die Gott seinem auserwählten Volk verheißen habe, lehnen die Satmarer Chassidim den Staat Israel ab und solidarisieren sich mit der arabischen Bevölkerung in Palästina.

weiterlesen

NETZ GEGEN NAZIS|WIE ANTISEMITISCH IST DIE AFD?

without comments

Antisemitismus ist wesentlicher Bestandteil des Weltbildes der deutschen extremen Rechten. Aber kann es auch eine deutsche Rechte ohne Antisemitismus geben? Anders als die NPD sanktioniert die AfD, zumindest hin und wieder, antisemitische Ausfälle ihre Mitglieder. Mehr noch: Sie wirbt häufiger im Vorfeld von Parteiveranstaltung gezielt um die Teilnahme von Jüdinnen und Juden. Parteichefin Petry reiste jüngst gar auf Einladung zu einem politischen Vortrag nach Israel. Vereinzelt werden auf AfD-Demonstrationen Israel-Fahnen getragen. Das lässt die Frage aufkommen, spielt Antisemitismus bei der AfD keine Rolle?

Von Jan Riebe

AfD wirbt um Juden

„Wir als AfD sind bei euch! Wir verstehen eure Ängste und Sorgen!“ (NW) – so warb die AfD in Paderborn um die Teilnahme von Jüdinnen und Juden an einer Demonstration im Februar 2016. Kein Einzelfall. In mehreren Städten versuchte die AfD Jüdische Verbände oder Einzelpersonen für Parteiveranstaltungen zu gewinnen. Die Reaktionen der Jüdischen Gemeinden waren einhellig. Sie warnten ihre Mitglieder davor, sich von der Rechtsaußenpartei instrumentalisieren lassen. „Die AfD tritt manchmal mit der Idee an uns heran, dass wir uns doch mit ihnen gegen islamischen Antisemitismus wenden sollten. Aber ich habe mir deren Veranstaltungen angeschaut: Diese Leute hassen heute die Muslime, und morgen hassen sie uns“, so Reinhard Schramm, Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Diese Haltung verwundert nicht, denn es gibt schon heute zahlreicher antisemitische Äußerungen aus den Reihen der AfD.

Antisemitische Postings

 

weiterlesen

Written by lbucklitsch

Mai 10th, 2016 at 1:16 pm

TAZ| Werben für den faschistischen Staat

without comments

Die extreme Rechte ist politisch im Aufwind. Sie ist dabei, zu einem wesentlichen Einfluss-, wenn nicht gar Machtfaktor zu werden.

von Micha Brumlik

Zweifel sind kaum noch möglich: Die extreme Rechte ist politisch im Aufwind, sie ist dabei, im Bereich der Europäischen Union zu einem wesentlichen Einfluss-, wenn nicht Machtfaktor zu werden. Davon zeugen nicht nur die neuen parlamentarischen Mehrheiten in Ungarn und Polen, sondern auch der wachsende Zuspruch, den in Frankreich der Front National unter Marine Le Pen gewinnt.

Und Deutschland? Hier werden der AfD gute Chancen ausgerechnet, nicht nur in den ostdeutschen Ländern, sondern auch in Baden-Württemberg, eventuell sogar in Rheinland-Pfalz in ein Landesparlament zu kommen.

Das ist soziologisch allemal erklärbar; zu klären ist freilich, ob man sich auch der politischen und philosophischen Denke von Personen zuwenden soll, die als „Rechtsintellektuelle“ gelten. Dabei geht es nicht um die dumpfen Ressentiments von Dresdner Pegida-Demonstranten (denen zu „christlich“ kaum mehr einfallen dürfte als die erste Strophe von „O Tannenbaum“), sondern um jenes Spektrum von Personen und Medien, die (angefangen von der rechtsreformistischen Wochenzeitung Junge Freiheit über die Bücher des Antaios Verlages, die Publikationen des Instituts für Staatspolitik, die JugendzeitschriftBlaue Narzisse bis hin zur Sezession im Netz) darum bemüht sind, rechtes Denken zu rehabilitieren.

AutorInnen dieser Publikationsorgane sehen sich dem verpflichtet, was sie als „Metapolitik“ bezeichnen, also einer sich philosophisch gebenden Staatslehre, die jedoch so kommuniziert werden soll, dass sie als „Gramscianismus von rechts“ kulturelle Kommunikationsmuster bereits im vorpolitischen Raum verändert, um so die Bereitschaft zur Hinnahme von nationaler Schließung, autoritärer Unterordnung und ethnischer Homogenität zu fördern.

weiterlesen

Video-Dokumentation der Ringvorlesung „Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland – Figurationen und Interventionen in Gesellschaft und staatlichen Institutionen”

without comments

Im Rahmen einer Ringvorlesung an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg haben sich in den vergangenen Monaten unterschiedliche Expert_innen mit rechtsextremen und rassistischen Tendenzen in Deutschland auseinandergesetzt. In sechs Vorträgen wurde sich u.a. mit neuen und alten Erscheinungsformen von Antisemitismus, Strategien und Einflusssphären der Neuen Rechten, Rechtspopulismus, institutionellem Rassismus, der bisherigen Aufarbeitung der NSU-Morde, dessen Auswirkungen auf die Migrationsgesellschaft sowie Möglichkeiten der Prävention beschäftigt. Die Reihe wurde vom „Arbeitskreis Interkulturelle Bildung” (unter Ellens Mitwirkung) organisiert. Fünf der Vorträge wurden auf Video aufgenommen und können nun mit freundlicher Genehmigung der Referent_innen auf elalem angesehen werden.***

 

 

Teil I: Micha Brumlik – Neuer und alter Antisemitismus in Deutschland

 

 

Micha Brumlik ist emeritierter Professor für Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt/M. und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen neben Erziehungs- und Bildungsfragen (religions)philosophische und gesellschaftspolitische Themen. Von 2000 bis 2005 leitete Micha Brumlik das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt/M., ein Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Seit Oktober 2013 ist er Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Micha Brumlik ist zudem als Gastautor diverser Zeitungen tätig und gibt die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ mit heraus.

 

Quelle: Diskurse, Macht und Identitäten in der Migrationsgesellschaft

Written by lbucklitsch

Oktober 30th, 2015 at 3:41 pm