Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Religion’ Category

Deutschlandfunk| Der Terror aus den Hügeln, von Micha Brumlik

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Eigentlich passt der Begriff des Fundamentalismus so gar nicht zum Judentum. Schließlich geht es in der jüdischen Religion ganz wesentlich darum, die Bibel zu interpretieren, zu hinterfragen und Textstellen unterschiedlich auszulegen

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Oktober 16th, 2017 at 12:54 pm

TAZ| Sammelwerk „Handbook of Israel“ – Neue Referenzgröße

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Wissenschaftle­rInnen analysieren im „Handbook of Israel“ den israelischen Staat. Es hat das Zeug zu einem neuem Standardwerk.

Nach wie vor sorgt der Israel-Palästina-Konflikt – die nun einhundertjährige Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern um ein Territorium, das etwa so groß ist wie Südhessen – für Beunruhigung, zumal in Deutschland. Debatten um die sogenannte Israelkritik, um Lehrbeauftragte, die sich antiisraelisch äußern, sowie um die Zulässigkeit der Boykottbewegung gegen Israel erregen fast täglich die Gemüter.

Allerdings: Im Vergleich zu der halben Million Toten und den etwa 4 Millionen Flüchtlingen, die der syrische Bürgerkrieg in nur sechs Jahren forderte und die hier niemanden auf die Barrikaden getrieben haben, verblasst die Zahl von etwa 700.000 geflohenen und vertriebenen Arabern sowie von einigen tausend gefallenen Soldaten auf israelischer und arabischer Seite.

Das ändert freilich ob der deutschen Verantwortung für die Ermordung von sechs Millionen europäischer Juden nichts an dem moralischen Gewicht dieser Frage. Um sich ein auch nur halbwegs begründetes Urteil bilden zu können, sind daher theoretische Kenntnisse, gesicherte historische Informationen sowie begründete Einsichten unerlässlich.

 

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Written by lbucklitsch

Juni 22nd, 2017 at 10:37 am

MIGAZIN| „SPÄTAUSSIEDLER STEHEN BESSER DA“: Grüne fordern gerechte Renten für jüdische Zuwanderer

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Kurz vor Ende der Legislaturperiode präsentieren die Grünen einen Gesetzentwurf, um die Schlechterstellung jüdischer Zuwanderer bei der Rente zu beheben. Behandelt werden wird die Initiative nicht mehr – aber sie deckt ein Problem auf.

Geld, Alter, Armut, Rente, Portemonnai, Euro, HandGeld © Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken @ flickr.com (CC 0), bearb. MiG

Jüdische Zuwanderer stehen mit ihren Renten deutlich schlechter da als Spätaussiedler, obwohl ihr Arbeitsleben häufig ähnlich verlaufen ist. Mit dem Ziel, diese Ungerechtigkeit abzuschaffen, stellte der migrationspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, am Dienstag in Berlin einen Gesetzentwurf vor. Er kommt allerdings für diese Legislaturperiode zu spät. Beck sagte, er hoffe, der nächste Bundestag werde das Thema auf die Tagesordnung setzen. Die Diskriminierung der Juden gegenüber den Spätaussiedlern aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion müsse beendet werden.

 

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Juni 17th, 2017 at 3:46 pm

TAZ| Ein vermeintliches Paradox

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Kann man als europäischer Politiker gleichzeitig rechtsextrem und proisraelisch sein? Ja, man kann. Das zeigen nicht nur die Le Pens.

Aufmerksamen Beobachtern kann nicht entgangen sein, dass und wie sich die extreme Rechte in Europa verändert hat. Als bestes Beispiel kann der erneuerte Front Natio­nal gelten, dessen Vorsitzende, Marine Le Pen, ihren eigenen Vater, Jean-Marie Le Pen, seines Antisemitismus wegen aus der Partei ausgeschlossen hat. Kann man als europäischer Politiker gleichzeitig rechtsextrem und proisraelisch sein?

Auf jeden Fall: Ein hochrangiger Vertreter der FPÖ, ihr „Bundesobmann“ Heinz-Christian Strache, brachte diese Haltung unübertroffen zum Ausdruck, als er im Jahr 2016 seinen Kopf in der Holocaustgedenkstätte Jad Vaschem mit einem verbindungsstudentischen Käppi bedeckte. Ein großer Teil dieser Verbindungen ist völkisch und antisemitisch eingestellt.

Sei es aus Opportunismus, sei es aus Einsicht: sogar die – hierzulande vom Verfassungsschutz beobachtete – „identitäre Bewegung“ setzt sich verbal vom Rassismus nicht nur des Nationalsozialismus ab, mehr noch: sie propagiert einen nicht expansiven, sondern defensiven Nationalismus, ein Bekenntnis zum „eigenen“ Volk, das nicht besser sein als andere, aber doch abgeschlossen, ethnisch homogen unter sich bleiben soll.

 

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Freiheit für Deniz!

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„Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

(Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10.12.1948)


Für die Freiheit von Information, Meinung, Wort und Kunst. Gemeinsam für und mit Deniz Yücel und allen zur Zeit in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen.

Jaafar Abdul-Karim (Moderator DEUTSCHE WELLE)
Johanna Adorján (Journalistin SZ)
Doris Akrap (Journalistin taz.die tageszeitung)
Züli Aladag (Regisseur)
Barbara Albert (Regisseurin)
Christoph Amend (Chefredakteur ZEIT MAGAZIN)
Mohamed Amjahid (Journalist ZEIT MAGAZIN)
Antilopen Gang (Musiker)
Janina Audick (Bühnenbildnerin)
Dominique Auerbacher (Künstlerin)
Tomas Avenarius (Journalist SZ)
Imran Ayata (Schriftsteller)
Fatma Aydemir (Journalistin taz.die tageszeitung)
Gökalp Babayigit (Journalist SZ)
María Cecilia Barbetta (Schriftstellerin)
Sascha Batthyany (Journalist)
Jasna Fritzi Bauer (Schauspielerin)
David Baum (Editor-at-large GQ)
Zoë Beck (Schriftstellerin)
Wolfgang Becker (Regisseur)
Bernd Begemann (Musiker)
Bibiana Beglau (Schauspielerin)
Sibylle Berg (Schriftstellerin)
Edward Berger (Regisseur)
Miraz Bezar (Filmemacher)
Annette Bhagwati (Kunsthistorikerin)
Arne Birkenstock (Dokumentarfilmregisseur)
Michael Bitala (Journalist SZ)
Jörg Bochow (leitender Dramaturg)
Andrea Böhm (Journalistin DIE ZEIT)
Daniel-Dylan Böhmer (Journalist DIE WELT)
Jan Böhmermann (Komiker)
Swen Bolho (Musiker)
Monika Bonvicini (Künstlerin)
Mathias Bothor (Fotograf)
Bettina Böttinger (Journalistin)
Michael Brake (Journalist taz.die tageszeitung)
Kristian Brakel (Politikwissenschaftler)
Matthias Brandt (Schauspieler)
Christina von Braun (Kulturwissenschaftlerin)
Luzia Braun (Journalistin)
Nikolaus Brender (Journalist)
Klaus Brinkbäumer (Chefredakteur DER SPIEGEL)
Dietrich Brüggemann (Regisseur)
Micha Brumlik (Publizist)
Silke Burmester (Journalistin)
Stephan-Andreas Casdorff (Chefredakteur DER TAGESSPIEGEL)
Maike Cruse (Direktorin Gallery Weekend)
Mehmet Daimagüler (Rechtsanwalt)
Pepe Danquart (Regisseur)
Chris Dercon (designierter Intendant)
Stephan Detjen (Journalist)
Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur DIE ZEIT)
Jörg Diehl (Chefreporter SPIEGEL ONLINE)
Georg Diez (Journalist)
Annette Dittert (Journalistin)
Anke Domscheit-Berg (Publizistin)
Thea Dorn (Schriftstellerin)
Doris Dörrie (Regisseurin)
Tanja Dückers (Schriftstellerin
Publizistin)
Cordelia Dvorák (Regisseurin)
Alice Dwyer (Schauspielerin)
Julia Eckert (Sozialanthropologin)
Edition Nautilus
Lars Eidinger (Schauspieler)
Carolin Emcke (Publizistin)
Julia Encke (Journalistin FAS)
Theresia Enzensberger (Herausgeberin BLOCK Magazin)
Isabelle Faust (Musikerin)
Jan Feddersen (Redakteur taz.die tageszeitung
Publizist)
Arne Feldhusen (Regisseur)
Leo Fischer (Satiriker)
Jürgen Flimm (Intendant Staatsoper Unter den Linden)
Thomas Fricke (Kolumnist)
Jens Friebe (Musiker)
Johannes Friedmann (Mitherausgeber SZ)

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Deutschlandradio Kultur| Kritik am Zentralrat der Juden: Zweifel an gerechter Verteilung von Fördergeldern

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Von Thomas Klatt

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Mehr als 200.000 Juden leben zurzeit in Deutschland, aber nur die Hälfte von ihnen ist in jüdischen Gemeinden organisiert. Sie werden vom Zentralrat der Juden vertreten und gefördert. Andere jüdische Strömungen gehen dabei zu Unrecht leer aus, meinen Kritiker.

Brumlik: „Wenn der Zentralrat sich insgesamt selbst bei der Vergabe seiner Mittel pluralistischer verhalten hätte wäre diese Initiative überflüssig geworden, dass eine Bundesstiftung gegründet wird, die dann Mittel hat, um ganz unterschiedliche jüdische Institutionen und Organisationen, die nicht direkt dem Zentralrat untergeordnet sind, zu finanzieren.“

Der emeritierte jüdische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik ist dafür, dass die Bundesmittel, die dem Zentralrat der Juden jährlich zur Verfügung stehen, neu verteilt werden. Er denkt an eine neu zu gründende Bundesstiftung „Judentum in Vielfalt“. Brumlik ist Vorsitzender des Beirats des jüdischen Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerkes. Das hat derzeit 350 Stipendiaten, erhält aber kaum Zuschüsse vom Zentralrat. Das müsse sich jetzt ändern.

Brumlik: „Man muss ja bedenken, dass andere Studienwerke konfessioneller Art wie das Cusanus-Werk, das wird von der Deutschen Bischofskonferenz getragen, das evangelische Studienwerk Villigst von der EKD. Dass sich der Zentralrat, was die Förderung des Studienwerkes angeht, nicht nur großzügig, sondern in gleicher Weise ausreichend verhält wie das die Bischofskonferenz und die EKD tut mit ihren Studienwerken.“

Rabbiner Homolka: Viele jüdische Strömungen durch Zentralrat nicht vertreten

Bislang erhält der Zentralrat der Juden als Dachverband der Jüdischen Gemeinden rund 10 Millionen Euro Bundesmittel jährlich für Bildung, Kultur und die Integration jüdischer Einwanderer. Doch nun hat der Potsdamer Rabbiner Walter Homolka für die Konrad Adenauer Stiftung einen Beitrag geschrieben: „Pluralisierung – Chance und Herausforderung. Zur Situation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.“ Darin erklärt er, dass es inzwischen viele jüdische Strömungen und Einrichtungen in der Gesellschaft gebe, die durch den Zentralrat gar nicht mehr vertreten seien, während die Gemeinden schrumpften. Walter Homolka:

„Die Zuwanderung ist seit 2005 im Grunde zum Erliegen gekommen. Die Gemeinden werden jetzt auch wieder langsam kleiner, und darauf hat ja vor allem eine Studie des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam hingewiesen, dass auch die Zahl der Gemeinden schrumpfen wird, weil die jungen Leute aus den kleinen Städten und Dörfern, aus dem ländlichen Raum wegziehen und dann später in den größeren Ballungsräumen hängen bleiben. Julius Schoeps spricht mittelfristig nur noch von 20 großen jüdischen Gemeinden, augenblicklich haben wir über 120. Da bewegt sich ne Menge. Da darf nicht übersehen werden, dass diese jüdische Zivilgesellschaft auch Förderung braucht, sonst ist das einseitig nur in den jüdischen Gemeinden.“

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Dezember 9th, 2016 at 9:26 pm

Micha Brumlik: Wann, wenn nicht jetzt? – Versuch über die Gegenwart des Judentums – TU Berlin

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brumlik

Auftakt des Forschungskolloquium „Säkularer Staat und religiöse Vielfalt“ des Zentrums für Antisemitismusforschung am 19. Oktober 2016

Micha Brumlik, diesjähriger Buber-Rosenzweig-Medaillenträger, stellt sein Buch „Wann, wenn nicht jetzt? Versuch über die Gegenwart des Judentums“ vor, in dem er ein Plädoyer für jüdisches Leben in der Diaspora mit einer geschichtsphilosophischen Skepsis über die Zukunft des Staates Israel als eines jüdischen Staates verbindet. Durchaus im Bewusstsein der blutigen Krise der arabischen Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneuert er, zeitgemäß modifiziert, die schon von Martin Buber vorgeschlagene Idee eines binationalen Staates Israel/Palästina.

Zeit: 19. Oktober 2016, 18 bis 20 Uhr
Ort: TU Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin, Telefunkenhochhaus (20. Stock)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Moderiert wird die Buchvorstellung von Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum.

Micha Brumlik ist emeritierter Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2000 bis 2005 war er Leiter des Fritz Bauer Instituts, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt. Zwischen 1989 und 2001 war er in Frankfurt zudem Stadtverordneter der GRÜNEN. Seit 2013 ist er Senior Professor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg in Berlin.

Die Buchvorstellung bildet den Auftakt des Forschungskolloquium des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Das vollständige Programm können Sie hier einsehen: http://www.tu-berlin.de/fileadmin/i65/Forschungskolloquium/Programm_ZfA_Foko_WiS…

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Oktober 18th, 2016 at 11:59 am

Göttinger Tageblatt| Brumlik thematisiert Fundamentalismus

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Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik spricht über die Rolle von religiösem Fundamentalismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft an der Universität Göttingen. Der Vortrag des in diesem Jahr mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichneten Professors ist am 12. Juli.

In seinem Vortrag „Um Gottes Willen“ stellt Brumlik den Aspekt religiös-fundamentalistisch motivierter Antisemitismen in den westlichen Gesellschaften in den Mittelpunkt. Als ehemaliger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christen und Juden beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (1991-2006) sei Brumlik mit der christlichen Geistes- und Dogmengeschichte bestens vertraut und positioniere sich klar dazu, teilte die Göttinger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit, die mit der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen die Vortragsveranstaltung organisert. Brumlik habe zuletzt in der Debatte um die Stellung des Alten Testaments, in der das Konzept des Göttinger Theologen Emanuel Hirsch eine nicht unbedeutende Rolle spielte, dazu Stellung genommen. Der Vortrag beginnt am Dienstag, 12. Juli, um 20.15 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5, Raum 001.

 

Quelle: Göttinger Tageblatt

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Juli 3rd, 2016 at 5:26 pm

FG-Forum: Rosenzweig-Gastprofessor Micha Brumlik sprach über den Zusammenhang von Religion, Konflikt und Frieden

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Die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur wird alljährlich von der Universität Kassel zur Erinnerung an den großen Historiker und jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886-1929) vergeben. Rosenzweig wuchs in Kassel auf, besuchte das Friedrichsgymnasium und legte hier im Jahr 1905 sein Abitur ab. In diesem Jahr hat die Rosenzweig-Gastprofessur der Schweizer Erziehungswissenschaftler und Publizisten Prof. Micha Brumlik inne. Brumlik war bis zu seiner Emeritierung im Frühjahr 2013 Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Als Publizist und Gastautor diverser Zeitungen veröffentlichte er Sachbücher, Essays und Artikel zur Geschichte des Judentums sowie zu zeitgenössischen jüdischen Themen.

„Am 28.06.16 sprach im Rahmen des FG-Forums Herr Prof. Micha Brumlik mit der Jahrgangsstufe Q2 über die drei monotheistischen Religionen und ihre Verantwortung im Weltgeschehen. Zu Beginn erklärte er uns, was Fundamentalismus bedeutet und zeigte auf, was Fundamentalisten nicht wollen. Fundamentalisten nähmen die Heilige Schrift wörtlich, verbänden mit ihr politische Ansprüche und strebten politische Herrschaft an. Sie seien gegen die Ausdifferenzierung, also gegen die Trennung von Religion und Politik. Aus diesem Fundamentalismus, bspw. vom IS vertreten, erwüchsen die Flüchtlingsströme. Ein Vorschlag, um die Einwanderung zu erleichtern, wird im französischen Schulsystem getestet. In französischen Schulen darf niemand mehr seine Religion öffentlich, sei es durch ein Kopftuch oder ein Kreuz, zur Schau stellen. Außerdem gibt es keinen Religionsunterricht mehr.

In sämtlichen Religionen findet Prof. Brumlik grundsätzlich nur die Aufforderung zum Frieden und nicht die zum Fremdenhass. Die Juden sind seit Ägypten und der Flucht aus Ägypten Flüchtlinge, Maria und Josef waren Flüchtlinge. Viel deutlicher wird dieser Aufruf zum Frieden in folgendem Zitat aus der Bibel: „Du sollst den Fremden nicht bedrücken, denn du selbst warst einst ein Flüchtling in Ägypten.“ Auch im Islam und im Judentum findet man derartige Aussagen. Mohammed zum Beispiel sagte einmal, dass alle Menschen ihrem Glauben nachgehen können, dass er Götzendiener aber verabscheue.

 

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Juli 3rd, 2016 at 3:39 pm

Deutschlandradio| Studie: Wie das Friedenspotenzial in Religionen genutzt werden kann

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Von Stefanie Oswalt

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Wie kann erreicht werden, dass Religionen nicht Konfliktauslöser sind, sondern zum Frieden beitragen? Dazu müssten die friedensorientierten Strömungen innerhalb von Religionen erst einmal wahrgenommen werden, hat der Friedensforscher Markus Weingardt in einer Untersuchung herausgefunden.

Zitat aus Altes Testament Joel, Kapitel 4,9:
„Ruft unter den Völkern aus: ‚Rüstet euch zum Kampf! Stellt eure Truppen auf! Lasst alle eure wehrfähigen Männer antreten und marschieren! Schmiedet aus euren Pflugscharen Schwerter, und macht aus euren Winzermessern Speerspitzen! (…)'“

Zitat aus Neues Testament Matthäus, Kapitel 10,34:
„Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“

Zitat aus Koran, Sure 47,4:
„Wenn ihr auf diejenigen, die ungläubig sind, (im Kampf) trefft, dann schlagt (ihnen auf) die Nacken. Wenn ihr sie schließlich schwer niedergeschlagen habt, dann legt (ihnen) die Fesseln fest an. Danach (lasst sie) als Wohltat frei oder gegen Lösegeld, bis der Krieg seine Lasten ablegt…“

Altes Testament, Neues Testament und Koran. Alle drei Zitate wurden im Laufe der Geschichte immer wieder zur Legitimation von Gewalt und Krieg herangezogen: von den Kreuzzügen über die konfessionellen Kriege des 17. Jahrhunderts, den Weltkriegen bis heute. Kriege, die von den Herrschenden vermeintlich im Namen Gottes geführt wurden, hinter denen oft simple machtpolitische Interessen standen.

Markus Weingardt: „Allerdings muss man nicht so weit zurückgehen bis ins Mittelalter, um festzustellen, dass Interessenkonflikte immer wieder nicht nur in Wertekonflikte sondern auch in religiös aufgeladene Wertekonflikte transformiert werden. Wir haben radikale religiöse Gruppierungen nicht nur im Islam – der IS, die Taliban oder Boko Haram sind natürlich bekannt -, die alle ihre Auseinandersetzungen religiös begründen. Wir haben aber auch die christliche Lord’s Resistance Army in Uganda, Hindu-Nationalisten in Indien oder buddhistische Nationalisten in Myanmar, die alle unglaubliche Gewalt verüben oder Pogrome an christlichen oder muslimischen Minderheiten verüben“,

sagt der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Markus Weingardt. Er leitet den Bereich „Frieden“ der Tübinger Stiftung „Weltethos“. Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat er untersucht, wie Religionen und ihre Vertreter in gewaltsamen Konflikten deeskalierend wirken können, wie sie gar Frieden stiften können.

„Es macht einen Unterschied, ob man einen Kampf, einen Interessenkonflikt um Land austrägt, oder ob man einen Wertekonflikt um Heiliges Land austrägt. Also wenn dieses Land – wodurch auch immer – sozusagen religiös aufgeladen zu Heiligem Land erklärt wird, dann hat das natürlich eine ganz andere Qualität; und entsprechend wird auch der Konflikt, die Auseinandersetzung eine ganz andere Qualität haben.“

Überhebliches westliches Selbstbild

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Mai 12th, 2016 at 5:21 pm

Deutschlandfunk| Jüdisches Museum Frankfurt am Main: Neue Erzählformate für jüdische Geschichte

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Eine offensive Onlinestrategie ist die Hauptprogrammatik der neuen Chefin des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main. Mirjam Wenzel will das Internet zu einem gleichwertigen Museumsraum machen. Damit will sie historische Erzählungen ermöglichen, die über eine reine physische Präsentation klassischer Art hinausreichen.

Von Ludger Fittkau

Die Leiterin des Jüdischen Museums Frankfurt, Mirjam Wenzel, aufgenommen anlässlich ihrer Vorstellung am 11.09.2015 m Kulturamt in Frankfurt am Main (picture-alliance / dpa / Andreas Arnold)

Mirjam Wenzel ist seit dem 1. Januar Leiterin des Jüdischen Museums Frankfurt. (picture-alliance / dpa / Andreas Arnold)

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Es ist eine Rückkehr in die Stadt ihrer Jugend. Mit 16 Jahren verließ Mirjam Wenzel Frankfurt am Main Richtung München und später Berlin, wo die promovierte Literaturwissenschaftlerin bis zuletzt die Medienabteilung des dortigen jüdischen Museums leitete. Direktorin in Frankfurt zu werden, ist aber nicht nur wegen ihrer persönlichen Bezüge zur Mainmetropole eine besondere Herausforderung für die 42-Jährige:

„Thematisch: Das jüdische Museum in Frankfurt ist das erste Museum im Nachkriegsdeutschland seiner Art. Und jüdische Geschichte in Frankfurt ist eine ganz besondere, weil hier wirklich jüdische Geschichte geschrieben wurde. Und zwar von herausragenden Persönlichkeiten wie Dan Diner, Micha Brumlik, Salomon Korn, Cilly Kugelmann. Wirklich intellektuellen Persönlichkeiten, die öffentlich in Erscheinung getreten sind und sich eingemischt haben – politisch. Stellung bezogen haben und tatsächlich so was geprägt haben wie ein Wieder-Entstehen von jüdischem Leben in Deutschland.“

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Kritisches Erinnern

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Reformation

Entsprechend war es nur konsequent, dass ein thüringischer Landesbischof es hoch bedeutsam fand, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, also Luthers Geburtstag, Deutschlands Synagogen brannten. Ebenso wie es schlüssig war, dass der antisemitische Hetzjournalist Julius Streicher in Nürnberg aussagte, dass an seiner Stelle Martin Luther vor dem internationalen Militärtribunal hätte stehen sollen.

29.10.2015 – von Micha Brumlik

Anders jedoch, wenn es nicht ums Gedenken, sondern um das »Kritische Erinnern«, also um gesellschaftliche Formen der aufklärenden Vergegenwärtigung von Vergangenheit geht, ihrer Strukturen, ihrer Personen, ihrer Möglichkeiten und verpassten Chancen.

Blaupause Doctor, wem und wie sehr und ab wann genau Luthers 1543 erschienene Schrift Von living room Juden und ihren Lügen bekannt war, ist noch immer Gegenstand eines Streits unter Philologen. Kein Zweifel kann indes daran bestehen, dass diese Schrift – durch Ausnahme der Gaskammern – eine Blaupause all jener verbrecherischen Maßnahmen – von der Verbrennung von Synagogen über die Zwangsarbeit bis hin zur Vertreibung – enthält, die das nationalsozialistische Deutschland Europas Juden antat.

Auch der Publizist Saul Ascher, ein Zeitgenosse Heines und einer der schärfsten Kritiker des aufkommenden Antisemitismus, ein Mann, dessen Bücher von völkischen Studenten verbrannt wurden, lobte Luther.

Kein Zweifel: Im 19. Jahrhundert fand Martin Luther unter liberal und republikanisch gesonnenen Juden glühende Anhänger. »Aber dieser Martin Luther«, so Heinrich Heine in seiner Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, »gab uns nicht bloß die Freiheit der Bewegung, sondern auch das Mittel der Bewegung, dem Geist gab er nämlich einen Leib. Er gab dem Gedanken auch das Wort. Er schuf die deutsche Sprache.«

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Written by lbucklitsch

Oktober 29th, 2015 at 9:39 am

Appell| „Erziehung nach Auschwitz“ und der Lehrberuf

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An die Kultusministerkonferenz, die Wissenschaftsministerien der Länder, das Bundeswissenschaftsministerium sowie alle Universitäten und Hochschulen in Deutschland

Warum die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit – den NS-Verbrechen, der NS-Ideologie und der NS-Pädagogik – ihren festen Platz im Studium der Erziehungswissenschaften haben sollte:

  1. 1.Moralische Prinzipien und eine demokratische Orientierung sind wesentlich für das Studium der Erziehungswissenschaften. Ob Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen – wer auch immer Erziehungswissenschaften studiert und später pädagogisch tätig sein wird, hat es mit Menschen aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen zu tun. Für die pädagogische Tätigkeit ist nicht nur spezielles Fachwissen eine grundlegende Voraussetzung, sondern gerade im Studium gilt es auch Grundfragen und Probleme des pädagogischen Berufes selbst auf den Prüfstand zu stellen, kritisch zu erörtern und zu diskutieren. Die Problematik und die Grenzen dieses Berufes wurden nirgends so deutlich wie in Theorie und Praxis der NS-Pädagogik, die ihren festen Anteil an der Verbreitung der NS-Ideologie und der Vorbereitung der mörderischen NS-Verbrechen hatte. Die Verwendung pädagogischer Techniken mit dem Ziel der ideologischen Indoktrination und einer grundlegenden Enthumanisierung gegenüber ausgegrenzten und auszugrenzenden Menschengruppen sind wichtige, extrem negative Beispiele, die sehr genau verdeutlichen können, warum eine humanistische und demokratische Pädagogik nötig ist und wo Manipulation und Indoktrination auch mit dem Einsatz moderner Techniken und wissenschaftlicher Forschung beginnen. „Erziehung nach Auschwitz“ ist daher eine vielseitige Aufgabe: Die Fähigkeit Nein zu sagen, nicht alles mitzumachen, aber eben auch Kenntnisse über die Vernichtungslager, die KZs, das NS-Mordprogramm und die mörderische NS-Ideologie sind, um nur zwei Aspekte knapp zu benennen, Grundlagen, die unverzichtbar sind.
  2. Die heutige Realität in Deutschland hat eine Geschichte. Ein historisches Bewusstsein über die NS-Verbrechen und ihre Dimensionen ist auch nötig, um Beziehungen zur Gegenwart zu verstehen. Das Wissen über die weltweit einmalige staatlich organisierte und technisch auf höchstem Niveau durchgeführte Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas und der Sinti und Roma – ob Säuglinge, Kinder, Erwachsene oder Greise, alle, derer die NS-Mörder habhaft werden konnten – oder über die Ermordung von zehntausenden als „unwertes Leben“ bezeichneten Menschen, die von Pädagoginnen und Pädagogen und Ärzten gemeldet wurden. Auch die Frage nach dem Einfluss der NS-Ideologie und des NS-Terrors auf die große Mehrheit der Bevölkerung, wie auch die nach dem Widerstand gegen das NS-Regime und der Zerschlagung der Organisationen der Arbeiterbewegung gehören dazu und sind strukturell entscheidend; Grundlegendes über all diese Bereiche kann und soll gerade von den Studierenden der Erziehungswissenschaften als Teil der Vorbereitung auf den Lehrberuf und die pädagogische Arbeit behandelt und gründlich durchdacht werden.
  3. Die Gesellschaft in Deutschland überhaupt und in den Schulen insbesondere ist der ständigen Herausforderung ausgesetzt, auf aktuelle antidemokratische und menschenfeindliche Aktionen angemessen zu reagieren. Damit sind nicht allein die auch an der NS-Ideologie orientierte organisierte Neonazi-Szene oder die teilweise mörderischen Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gemeint. Kernelemente einer Ideologie der Ausgrenzung mit Anleihen bei der NS-Ideologie haben ein breiteres gesellschaftliches Fundament, so dass in wissenschaftlichen Studien zu rechtsextremistischen Einstellungen zu Recht von der „Mitte der Gesellschaft“ gesprochen wird. Diese Herausforderung anzunehmen, ist auch die Aufgabe der pädagogischen Berufe:
    Das Verständnis des gesellschaftlichen und historischen Kontextes ist dabei nicht nur für die Thematisierung inhaltlicher Fragen von Bedeutung, sondern betrifft – aktuell von besonderer Bedeutung – auch die Aufnahme geflüchteter Kinder und Jugendlicher in pädagogischen Einrichtungen. Aber nicht zuletzt geht es ganz allgemein darum, im pädagogischen Alltag Ausgrenzungen und Diskriminierungen zu verhindern, die oft auch in Schimpfworten und Beleidigungen ihren Ausdruck finden, die sich gerade gegen jene Gruppen richten, auf die das NS-Mordprogramm zielte. Dort, wo Bezeichnungen wie „Du Jude, Du Zigeuner, Du Behinderter“ in der Realität als Beleidigung verwendet werden, (und jeder in der pädagogischen Praxis stehende weiß, dass dies keinesfalls nur Einzelfälle sind), ist die Pädagogik gewiss auch mit dem Blick auf die NS-Zeit gefordert. Aber nicht nur dort: Überall, wo Mechanismen der Diskriminierung, Beleidigung und Ausgrenzung zum Tragen kommen, z.B. auch auf Grundlage von religiösen Zugehörigkeiten, hat der oder die gut gebildete im pädagogischen Bereich Tätige angemessen zu reagieren, sich in erster Linie auf die Seite der Diskriminierten zu stellen, aber auch mit pädagogischem Geschick die Situation insgesamt zu analysieren, zu bewerten und angemessen zu handeln und auch die eigene Rolle zu reflektieren.
  4. Es zeigt sich in der Praxis, dass die Studierenden der Erziehungswissenschaft ein sehr großes Interesse daran haben, sich mit all diesen Fragen als Teil der Vorbereitung auf ihren schwierigen pädagogischen Beruf auseinanderzusetzen. Seit 2009 wurde an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main durch umfassende Befragungen von Studierenden der Erziehungswissenschaft nachgewiesen, dass die viel zitierte Behauptung: „Wir können es nicht mehr hören“ für die aktuelle Generation von Studierenden keineswegs gilt. In Vorlesungen und Seminaren zur NS-Pädagogik mit Blick auf die NS-Ideologie und die NS-Verbrechen, die regelmäßig von 2009 bis 2015 evaluiert wurden, konnte gezeigt werden, wie groß das Interesse ist, aber auch, welche Wissenslücken existieren. Kritik wurde keineswegs an einer zu intensiven Auseinandersetzung, sondern vor allem an einer zu oberflächlichen Beschäftigung formuliert, insbesondere wenn diese Redundanzen aufwies. Gerade auch die Wirkungsweisen und Mechanismen der NS-Ideologie stoßen auf großes Interesse. Die Studierenden sollten daher Genaueres über die Vorgeschichte der NS-Ideologie und ihre Wirkung noch heute erfahren und diskutieren und Fragen des praktisch-pädagogischen Handelns gegen Diskriminierung und Ausgrenzung erörtern. Nicht zuletzt aus den Rückmeldungen der Studierenden entstand so als Pilotprojekt der „Forschungsstelle NS-Pädagogik“ eine Konzeption für den gesamten erziehungswissenschaftlichen universitären Bereich mit Vorlesungen und Seminaren – angereichert auch durch eine Sammlung dreiminütiger Impuls-Videos zu einzelnen Themen und von Originaldokumenten der NS-Pädagogik und der NS-Indoktrination für die Analyse und Diskussion – die als Anregung für alle erziehungswissenschaftlichen Fakultäten an deutschen Universitäten und Hochschulen dienen kann.

„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, dass man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat. … Jede Debatte über Erziehungsideale ist nichtig und gleichgültig diesem einen gegenüber, dass Auschwitz nicht sich wiederhole.“
THEODOR W. ADORNO

Die Anregung, ja die Forderung an alle, für die Bildung von Lehrerinnen und Lehrern und die Bildung der Studierenden in anderen pädagogischen Berufen Verantwortlichen besteht darin, das Diktum von Adorno nicht als Schmuckstück, sondern als Anleitung zum Handeln in der Gegenwart zu verstehen. „Erziehung nach Auschwitz“ ist kein Spezialthema, sondern das bedeutet aus unserer Sicht konkret, dass die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen, der NS-Ideologie und der NS-Pädagogik einen festen Platz in den erziehungswissenschaftlichen Fakultäten aller Universitäten und Hochschulen in Deutschland haben muss. Die schon existierenden Ansätze müssen ausgebaut und sollten keinesfalls mit Berufung auf eine ominöse Praxisorientierung beschnitten oder verunmöglicht werden.

Prof. Dr. Micha Brumlik (Berlin)
apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer (Frankfurt am Main)

 

Unterzeichnen

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September 29th, 2015 at 11:37 am

Berlin| 2.Juni 2015 – Zentrale Feier zum Gedenktag für die Opfer des Genozids an der aramäischsprachigen Gemeinschaft

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Dienstag, 2. Juni 2015
19:00 Uhr

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Breitscheidplatz, 10789 Berlin

2. Juni – Gedenktag

für die Opfer des Genozids an der aramäischsprachigen Gemeinschaft (Syrische Christen)

genozidara3

Programm:

  • Begrüßung
  • Grußwort S.E. Mor Philoxenus Mattias Nayis
  • Grußwort S.E. Mar Odisho Oraham
  • Ansprache Prof. Dr. Dorothea Weltecke
  • Festrede Prof. Dr. Micha Brumlik

Der Völkermord an der aramäischsprachigen Ge­meinschaft (Syrische Christen) im Osmanischen
Reich in den Jahren 1915/16 vollzog sich parallel zum Völkermord an den Armeniern. Er findet allerdings
in der Politik. Kunst und Wissenschaft bis dato kaum Erwähnung. wobei er im kollektiven Gedächtnis der
Gemeinschaft als Sayfo, .Jahre des Schwertes‘; ein­geprägt ist. Im Zuge der Vernichtungen im Osmani­
sehen Reich wurden bis zu 300000 Aramäer er­mordet.

Als Beginn des Völkermords gilt der 24. April 1915. als die Jungtürken über 200 armenische Intellektu­elle. Politiker und Geistliche in Istanbul, damals noch Konstantinopel. festnahmen und größtenteils töten ließen. Es folgten Massaker und Deportationen in die nordsyrische Wüste. Diejenigen, die die Todes­märsche überlebten, starben an Hunger. Erschöp­fung und Krankheiten. Die Ideologie. die zu diesem Wahnsinn führte. richtete sich nicht allein gegen die Armenier. sondern gegen alle dortigen christlichen Bevölkerungsgruppen. Somit auch gegen die Syri­-schen Christen (Aramäer/Assyrer/Chaldäer). Am 24. April gedenken wir. die aramäischsprachige Ge­meinschaft. als eingeladene Gäste mit den Armeni­ern.des Genozids.

Die aramäischsprachige Gemeinschaft wird eigens am 2. [uni des Völkermords erinnern. An jenem Tag
erreichte die Vernichtung die Stadt Nisibis. welche im kollektiven Gedächtnis der Gemeinschaft als Ort
der Wissenschaft und Bildung gilt. Zum 100. Jahr des Genozids wird damit erstmals ein öffentlicher
Tag geschaffen. Der allein der tragischen Leidensge­schichte der aramäischsprachigen Gemeinschaft
gewidmet ist und mit spezifisch eigener Gedenktra­dition begangen wird. Ein fester Gedenktag wird
den Genozid in die öffentliche Wahrnehmung holen und ihn nicht länger als „vergessenen Genozid“ im
Dunkel lassen. wie ihn der französische Schriftsteller und Wissenschaftler Sebastien de Courtois be­
schreibt und die aramäischsprachige Gemeinschaft selbst empfindet.

Dabei geht es darum. das Wissen um die Ursachen. Prozesse und Folgen der Gewalt als historisch und politisch wichtiges Wissen zu bewahren und zu schützen. Dies ist nicht zuletzt mit der Hoffnung ver­bunden. über Erinnerung zur Versöhnung beitragen zu können und Wunden schließen zu können.

Das aramäische Erinnern braucht heute aber eine Ermutigung. In dem Reden von „globalem“ und „eu­ropäischem Erinnern“ dürfen die Opfer selbst nicht vergessen und die Auseinandersetzung mit der Leugnung des Völkermordes nicht gescheut werden. Auch die aramäische Erfahrung bedarf eines Ortes in der europäischen Erinnerungskultur. Nicht zuletzt ist dies auch ein Prüfstein für die Erinnerungspolitik Deutschlands und für die Glaubwürdigkeit des nach dem Holocaust gefundenen Konsenses. dass weder die Leugnung noch die Relativierung eines Völker­mords geduldet werden darf.

Sehr herzlich möchten wir Sie zur zentralen Feier des Gedenktags einladen.

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Mai 28th, 2015 at 4:16 pm

nd| Kein Glaube. Kein Dogma. Kein Kanon.

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Ein Streit um die Bedeutung des Alten Testaments zeigt die Grenzen der »wissenschaftlichen« Theologie auf

Muss das Alte Testament für Christen zum biblischen Kanon gehören? Notger Slenczka, Theologieprofessor in Berlin, plädiert für eine »Entheiligung« und handelt sich den Verdacht des Antijudaismus ein.
Der HERR und jaysus

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (Psalm 23) – „Gottvater“ von Paolo Veronese (1528 – 1588)

Ließ der Höchste »seine Stimme erschallen mit Hagel und Blitzen«, wie es Psalm 18 verheißt? Steckte er gar hinter dem tückischen Tornado, der diese Woche die mecklenburgische Kleinstadt Bützow anderthalb Jahrhunderte nach literarischer Publizität (Wilhelm Raabe, »Die Gänse von Bützow«) ins Zentrum medialer Kundgabe peitschte? Immerhin gehören die insgesamt 150 Psalmen zu jenem Teil der Bibel, den ein häretischer Hochschultheologe angeblich »infrage stellen«, »einfach herauskürzen«, »verbannen«, gar »abschaffen« will. So jedenfalls einige der vollmundigen Vokabeln, mit denen die Positionen von Notger Slenczka (55), Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, in den Medien markiert wurden.

Nun ist, was für Gottes Mühlen gilt, auch denen seiner Kirche – sei sie katholisch, evangelisch, orthodox oder sonst wie verfasst – eigen: Sie mahlen halt sehr langsam. So kommt es, dass der Vortrag »Die Kirche und das Alte Testament«, den Slenczka 2013 hielt und selben Jahres in einem Sammelband publizierte, erst jetzt eine öffentliche Skandalisierung erfuhr.

Da es eine oberste Glaubensbehörde, wie sie dem Papst seit Inquisitionszeiten solide zuarbeitet, in der evangelischen Kirche nicht gibt, erfolgte die Aufdeckung in klassisch dezentraler Manier: Der hessische Pfarrer Friedhelm Pieper, Evangelischer Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, zeigte in einer Stellungnahme einen »handfesten theologischen Skandal im gegenwärtigen deutschen Protestantismus« an. Slenczka verlasse mit seinen Ansichten einen »Grundkonsens christlicher Theologie«.

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Mai 8th, 2015 at 8:17 pm

TAZ| Der predigende Traumatherapeut

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In Berliner theologischen Fakultäten streitet sich derzeit die ProfessorInnenschaft darüber, ob es antijüdisch ist, das Alte Testament aus dem christlichen Kanon zu entfernen. Aber auch die deutsche Palästinasolidarität, wie sie sich am Rande des Stuttgarter Kirchentages im Juni präsentieren wird, ist von derlei Anwandlungen nicht frei. Mehr noch: Sie kann dafür sogar einen jüdischen Kritiker des Alten Testaments aufbieten – Mark Braverman. Wen? Braverman, Jahrgang 1958, ist ein US-amerikanischer „Traumatherapeut“, predigt als Jude in christlichen Kirchen und hat großes Verständnis für die antisemitische Charta der Hamas. Braverman ist zudem „Executive Director“ von „Kairos USA“, einer Gruppe evangelischer Christen, die sogar heute – in Zeiten der Bedrohung von Palästinensern durch Banden des IS sowie von Assads Schergen – ausschließlich die israelische Politik kritisieren.

Dabei ist – das muss im fünfzigsten Jahr der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel gesagt werden – Kritik am israelischen Okkupationsregime unerlässlich: Im bis zum Junikrieg 1967 zum Staat Jordanien gehörigen Westjordanland und Jerusalem siedeln inzwischen etwa 750.000 israelische Juden. Das widerspricht internationalem Recht, politisch wird dadurch die Chance für eine sogenannten Zweistaatenlösung immer unwahrscheinlicher. Die israelische Siedlerbewegung, mit ihrem Kern des aus der nationalreligiösen Partei hervorgegangenen „Gusch Emunim“, „Block der Getreuen“, beruft sich zu ihrer Legitimierung kaum auf sicherheitspolitische Erwägungen, sondern – gut fundamentalistisch – auf die biblischen Landverheißungen. Ihren Argumenten haben sich auch christliche Theologen – keineswegs nur evangelikale Fundamentalisten – angeschlossen. Derlei Christenmenschen wollte Mark Braverman in einer, wie er meint, jüdischen Sicht davon überzeugen, ihre Solidarität mit Israel aufzukündigen und sie den Palästinensern zuzuwenden. Unter Berufung auf den hierzulande weitgehend unbekannten, antijüdischen US-amerikanischen Alttestamentler Walter Brueggemann geht es Braverman darum, Christen davon zu überzeugen, das Alte Testament nicht so zu lesen, als sei es Teil des Evangeliums.

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Mai 6th, 2015 at 11:22 am

Deutschlandradio Kultur| Ein Gespräch mit Prof. Micha Brumlik – „Eine Aussage gegen das Judentum“

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Ein Gespräch mit Prof. Micha Brumlik – „Eine Aussage gegen das Judentum“

26.04.2015 | 07:44 Min. | Quelle: Deutschlandradio Kultur

Der evangelische Theologe Notger Slenczka sorgt mit einer Erklärung für Aufregung: Das Alte Testament ist für Christen nicht als heilig anzusehen. Der Historiker und Theologe Micha Brumlik warnt: Diese These entstammt einem antijudaistischen Christentum. www.deutschlandradiokultur.de, Religionen

 

Der evangelische Theologe Notger Slenczka sorgt mit einer Erklärung für Aufregung: Das Alte Testament ist für Christen nicht als heilig anzusehen. Der Historiker und Theologe Micha Brumlik warnt: Diese These entstammt einem antijudaistischen Christentum.

Philipp Gessler: Die Bibel, so haben es Christen seit bald 2.000 Jahren gelernt, besteht aus dem Neuen Testament, also vor allem aus den Evangelien, die die Geschichte Jesu erzählen, und dem Alten Testament, also den heiligen Schriften des Judentums. Altes und Neues Testament gehören zusammen. Gott, so sagt es der Glaube, hat den Christen in beiden Büchersammlungen Heilsnotwendiges mitgeteilt.

Der evangelische Theologe Notger Slenczka, ein Professor an der renommierten Humboldt-Universität in Berlin, erklärt nun: Kanonisch, das heißt, für Christen als heilig anzusehen, sei das Alte Testament am Ende nicht. Es sei eher wie die Apokryphen, also die Texte, die das frühe Christentum nicht in die Bibel aufgenommen hat, sagen wir es klarer, verworfen hat. Theologie-Professor Slenczka wird heftig von seinen Theologen-Kollegen wegen dieser These kritisiert – Nazi-Vergleiche fliegen durch den Raum, von antijudaistischen, also judenfeindlichen Anklängen ist die Rede.

Mit Micha Brumlik habe ich über den Fall Slenczka gesprochen. Der jüdische Intellektuelle war Professor an der Universität Frankfurt und hat sich zuletzt vor fünf Jahren in einem Buch mit der Entstehung des Christentums aus dem Judentum beschäftigt – also mit der Zeit, in der man erkannte, dass für Christen das Neue Testament nicht ohne das Alte denkbar ist. Meine erste Frage an Prof. Brumlik war: Wer als Professor der evangelischen Theologie das Alte Testament als apokryph betrachtet – wie nahe ist der eigentlich dem christlichen Antijudaismus?

Micha Brumlik: Nun, die Person, über die wir sprechen, Professor Slenczka, kann glaubwürdig widerlegen, ein klassischer Antijudaist zu sein. Weder bezweifelt er die Gültigkeit der Verheißungen an die Juden, noch vertritt er eine sogenannte Substitutionslehre, wonach die Kirche Israel abgelöst habe. Und auch die Meinung, dass die Juden in irgendeiner Weise die Gottesmörder seien, das liegt ihm völlig fern. Er spricht aber davon, dass das Alte Testament die Schrift einer partikularen Stammesreligion sei, und dass das moderne christliche Bewusstsein, wie er es versteht, damit nur fremdeln könne. Und wenn er auf dieser Basis vorschlägt, das Alte Testament aus dem christlichen Kanon zu entfernen, ist das natürlich auch eine Aussage gegen das Judentum, denn das Judentum ist ja nicht nur die Religion des Alten Testaments, aber eben doch auch.

Parallelen zu Theologen in der NS-Zeit

Gessler: Steht denn Professor Slenczka mit diesen Thesen in der antijüdischen Tradition des frühen Christentums?

Brumlik: Das frühe Christentum war überhaupt nicht antijüdisch. Es wird neuerdings wieder diskutiert, ob das nicht selbst alles jüdische Gruppen gewesen sind. Und Rabbiner Leo Baeck war sogar der Meinung, dass die Evangelien also Glaubensschriften des Judentums sind. Es steht aber in einer Tradition des neuzeitlichen Christentums. Um die Namen jetzt zu nennen, wären Schleiermacher, Adolf von Harnack und Rudolf Bultmann, die alle haben übrigens im zweiten Jahrhundert nun einen Vorläufer, einen Mann namens Markion, der dann auch aus der Kirche verstoßen wurde, weil er als einzige Schrift des Christentums nur einige Paulus-Briefe und das Lukas-Evangelium gelten lassen wollte.

Gessler: Aber es gibt trotzdem diese Gegnerschaft in den frühen Jahrzehnten zwischen den jüdischen oder israelitischen Gemeinden und den neuen christlichen Gemeinden?

Brumlik: Unbestritten. Aber ob diese neuen christlichen Gemeinden tatsächlich nur aus bekehrten Heiden zusammengesetzt waren oder ob da nicht auch viele Juden dabei gewesen sind, die eben der Meinung waren, dass Jesus der Messias ist, ist religionshistorisch völlig offen, wenn ich das richtig sehe.

Gessler: Sehen Sie denn tatsächlich in diesem Fall Slenczka, bei diesem Theologen, gar Parallelen zu den öffentlich geförderten Bestrebungen mancher Theologen in der NS-Zeit, die jüdische Seite des Christentums zu tilgen?

Brumlik: Diese Parallelen gibt es leider, und Notger Slenczka wusste, warum er den bedeutendsten unter ihnen, einen Göttinger Philosophie- und Theologiehistoriker namens Emannuel Hirsch, verschwiegen hat. Denn der hat sogar 1935/36 eine eigene Publikation über die Schwierigkeit geschrieben für Christenmenschen, sich aufs Alte Testament zu beziehen, und dass das eigentlich nicht mehr ginge.

Gessler: Nach so vielen Jahrzehnten der jüdisch-christlichen Zusammenarbeit und der zunehmenden Erkenntnis der jüdischen Identität Jesu in der christlichen Theologie – waren Sie überrascht, dass eine solche Theologie wie die von Professor Slenczka noch einmal auftauchen kann?

Brumlik: Ehrlich gesagt, ja. Und ich bin mir im Moment einfach nicht schlüssig, ob das die Meinung eines Einzelgängers ist oder ob es da vielleicht auch unter Theologiestudenten oder sogar in Gemeinden eine entsprechende Stimmung gibt. Das würde mich interessieren. Repräsentiert er etwas oder spricht er wirklich nur für sich selbst allein? Ich könnte mir vorstellen, dass es insbesondere unter den systematischen Theologen eine Strömung gibt, die mit Bezug auf den liberalen Theologen aus Berlin, Schleiermacher, so eine Richtung verfechten. Aber das wird auszumachen sein.

Slenczka ist mit seinen Thesen eine Ausnahme

Gessler: Wenn man die Thesen von Professor Slenczka sehr wohlwollend interpretiert, könnte man sie ja auch so deuten, man sollte als christlicher Theologe nicht versuchen, das Alte Testament nur als Vorläufer des Neuen Testaments zu interpretieren, also das Judentum praktisch eingemeinden. So gesehen wäre das sogar eine ausgesprochen projüdische Herangehensweise an das Alte Testament, oder?

Brumlik: Ja, das beteuert Professor Slenczka in einer für ihn persönlich glaubwürdigen Weise. Ich darf darauf hinweisen, dass es in der evangelischen Theologie genau entgegengesetzte Positionen gibt, etwa von Frank Crüsemann aus Bielefeld, der die These vertritt, dass das Alte Testament der Wahrheitsraum des Neuen sei, und zwar einfach deswegen, weil man keine einzige Zeile Neues Testament versteht, wenn man das Alte Testament nicht kennt. Oder Klaus Wengst, der ja der Meinung ist, die Hauptfunktion Jesu sei gewesen, die Völker in den Bund Gottes mit Israel hineinzunehmen. Also da gibt es einen weiten Interpretationsspielraum.

Gessler: Wenn man sich den Fall Slenczka anschaut, wie virulent ist denn eigentlich der Antijudaismus in den Volkskirchen immer noch? Und ist das Christentum eigentlich ohne den Antijudaismus überhaupt zu haben?

Brumlik: Das glaube ich doch. Ich habe ja eben zwei Theologen genannt, könnte auch katholische Theologen nennen wie Johann-Baptist Metz. Was nach 1945 stattgefunden hat, das war ein Umdenken der Art, dass die christlichen Kirchen verstanden haben, dass der Holocaust nicht nur eine Katastrophe für sechs Millionen Juden gewesen ist, sondern auch eine Katastrophe für ein über Jahrhunderte antijudaistisches Christentum.

Gessler: Das heißt, Sie würden Herrn Slenczka schon als eine Ausnahme betrachten?

Brumlik: Also von denen, die bisher in dieser Frage seit Rudolf Bultmann, also seit 50, 60 Jahren ihre Stimme erhoben haben, ist er bis jetzt die Ausnahme. Die weitere Diskussion wird zeigen, wer und welche Gruppen ihn und seine Ansichten womöglich verteidigen oder sich ihnen beigesellen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Quelle: Soundcloud/Deutschlandradio Kultur

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April 26th, 2015 at 5:06 pm

TAZ| Theologen-Streit an der Humboldt-Uni: Das Alte, das Neue und das Fremde

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Über einen sehr speziellen religiösen Disput liegen sich Professoren an der Theologischen Fakultät der HU in den Haaren. Das Thema ist abgründiger, als es scheinen mag.

Er hat die Welt erlöst, sagt die Kirche. Nicht in allen Dingen sind sich ihre Experten sich so einig. Bild: dpa

Es gibt ziemlich haarsträubende Stellen in der Bibel. Zum Beispiel die vom Propheten Elisa, dabei hatte der eine Glatze. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Elia kennen ihn nur Insider, was an der Geschichte mit den Bären liegen dürfte. Elisa, so berichtet es das 2. Buch der Könige, ärgerte sich sehr über eine Gruppe kleiner Jungen, die ihn unterwegs verspotteten: „Kahlkopf!“, riefen sie. Und was machte der Prophet? Er „fluchte ihnen im Namen des Herrn. Da kamen zwei Bären aus dem Walde und zerrissen der Kinder zweiundvierzig.“ Ende der Geschichte.

Dabei ist die Sache mit den Bären nur eine bizarre Randnotiz. Die Textsammlung, die Christen als Altes Testament bezeichnen und Juden als Tanach, enthält auch sonst genügend Schilderungen von Gewalt, die sich meist gegen die Feinde des Volkes Israel richtet – das Volk, das Gott erwählt, zum Partner gemacht hat, sozusagen. Zu Israels Gunsten greift dieser Gott gerne auch selbst in die Handlung ein, man denke nur an das Rote Meer, in dem er das Heer des Pharao ertränkt.

Mit der Hauptfigur des Neuen Testaments – dem freundlichen Jesus, der bat, man solle seine Feinde lieben – passt das nicht so recht zusammen. Auch nicht mit dem Wirken des Paulus, der da sagte, die Erlösung gelte nicht nur Israel, sondern allen Völkern, und der gleich damit anfing, die Griechen zu bekehren. Aber sollte sich die noch junge christliche Kirche von den alten Schriften trennen? Die Entscheidung fiel dagegen aus. Die fünf Bücher Moses, die Erzählungen von den Propheten, die Psalmen, die Sprichwörter und das Hohelied blieben Teil des Kanons – jenes Textkorpus, das für die Verkündigung des Wortes Gottes verbindlich ist.

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April 24th, 2015 at 6:20 am

idea| Altes Testament: Heftige Kritik an Theologieprofessor Notger Slenczka

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Der Berliner Theologieprofessor Notger Slenczka. Foto: HU Berlin/P. Brusowski

Der Berliner Theologieprofessor Notger Slenczka. Foto: HU Berlin/P. Brusowski

Frankfurt am Main/Berlin (idea) – Äußerungen des Berliner Theologieprofessors Notger Slenczka stoßen auf heftige Kritik. Slenczka hatte behauptet, das Alte Testament sei „kein Zeugnis der Universalität des Gottesverhältnisses, sondern ein Zeugnis einer Stammesreligion mit partikularem Anspruch“. Für Christen habe es daher den gleichen Status wie die Apokryphen (außerbiblische Schriften) der Lutherbibel und dürfe somit nicht zum biblischen Kanon gehören. Gerade vor dem Hintergrund des christlich-jüdischen Dialogs halte er bestehende christliche Zugänge zum Alten Testament für „höchst problematisch“.

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April 23rd, 2015 at 7:56 pm

Stellungnahme zu den Äußerungen von Professor Dr. Notger Slenczka zum Alten Testament

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Stellungnahme  zu  den  Äußerungen  von  Professor  Dr.  Notger  Slenczka   zum  Alten  Testament:

Als  Mitglieder  der  Theologischen  Fakultät  der  Humboldt-­‐Universität  zu  Berlin  distanzieren   wir  uns  von  den  Auffassungen,  die  Herr  Kollege  Slenczka  in  mehreren  Beiträgen  zum  Alten   Testament  publiziert  hat  (https://www.theologie.hu-­‐berlin.de/de/st/AT).

Wir  halten  seine   Äußerungen  zur  Bedeutung  des  Alten  Testaments  für  die  christliche  Theologie,  zum  Verhältnis  von  Altem  und  Neuem  Testament  sowie  zur  Kanonizität  des  Alten  Testaments  für  historisch  nicht  zutreffend  und  theologisch  inakzeptabel.  Sie  beruhen  u.a.  auf  einer  enggeführten   Interpretation  paulinischer  Texte,  ignorieren  den  Forschungsstand  im  Blick  auf  die  Entstehungsgeschichte  der  Hebräischen  Bibel  und  sind  einer  forschungsgeschichtlich  hochproblematischen,  längst  überwundenen  Perspektive  auf  das  Verhältnis  zwischen  Judentum  und   Christentum  in  der  Antike  verpflichtet.

Die  Behauptung,  das  Alte  Testament  habe  in  christlicher  Theologie  und  Kirche  faktisch  den  gleichen  Status  wie  die  Apokryphen  der  Lutherbibel,   ist  aus  unserer  Sicht  in  historischer  Perspektive  ebenso  unhaltbar  wie  im  Blick  auf  Theologie   und  Kirche  der  Gegenwart  unzutreffend.  Für  gänzlich  abwegig  halten  wir  zudem  (auch  angesichts  der  Geschichte  unserer  Fakultät  im  zwanzigsten  Jahrhundert)  die  Behauptungen,  ein   solcher  Status  sei  theologisch  sachgemäß   und  eine  mögliche  Konsequenz  des  jüdisch-­christlichen  Dialogs.

Wir  werden  selbstverständlich  auch  weiterhin  gemeinsam  mit  unseren  jüdischen  Kolleginnen  und  Kollegen  die  tragende  Rolle  des  Alten  Testamentes  für  die  Entstehung  des  Christentums  und  seiner  Theologie  hervorheben  und  gegenüber  den  Studierenden  unserer  Fakultät   keinen  Zweifel  daran  lassen,  dass  das  Alte  Testament  in  gleicher  Weise  wie  das  Neue  Quelle   und  Norm  der  evangelischen  Theologie  ist  und  bleiben  wird.

Berlin,  den  15.4.2015

Prof.  Dr.  Cilliers  Breytenbach

Professor  für  Religions-­‐,       Literatur-­‐  und  Zeitgeschichte     des  Urchristentums

Prof.  Dr.  Wilhelm  Gräb

Professor  für  Praktische  Theologie   mit  den  Schwerpunkten  Homiletik,   Liturgik,  Poimenik  und  Kybernetik

Prof.  Dr.  Dres.  h.c.  Christoph   Markschies

Professor  für  Ältere  Kirchenge-­‐ schichte  (Patristik)

Prof.  Dr.  Rolf  Schieder

Professor  für  Praktische  Theologie   mit  den  Schwerpunkten  Religions-­‐ pädagogik  und  -­‐psychologie

Prof.  Dr.  Jens  Schröter

Professor  für  Exegese  und  Theologie   des  Neuen  Testaments  sowie  die   neutestamentlichen  Apokryphen

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April 15th, 2015 at 3:47 pm

BR| 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen: Erotisch und neurotisch

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Im Jahr 1965 haben Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen aufgenommen – damals noch für viele Menschen auf beiden Seiten ein Tabu. Bis heute sind die Beziehungen alles andere als normal. Der Generator mit einer Spurensuche abseits der Diplomatie.

Von: Anne Fromm

Wenn in gut vier Wochen der 50. Geburtstag der offiziellen deutsch-israelischen Beziehungen gefeiert wird, wird viel von Moral und Verantwortung gesprochen werden – und von einer Erfolgsgeschichte. Denn was damals, am 12. Mai 1965, kaum jemand geglaubt hatte, ist heute Wirklichkeit. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind so gut wie nie: Unter jungen Israelis ist Berlin der neue Sehnsuchtsort. Rund 15.000 von ihnen leben mittlerweile in der deutschen Hauptstadt. Eine von ihnen ist die Theaterregisseurin Yael Ronen, die am Gorki-Theater arbeitet.

„Berlin ist heute das, was New York vor 15 Jahren war: International, weltoffen, sehr billig und es bietet dir alles, was du als junger Mensch brauchst. Berlin gibt viel Geld für Kunst aus, das zieht Leute aus der ganzen Welt an. Als ich das erste Mal nach Berlin kam und plötzlich vor einer großen Gedenktafel für die deportierten Juden stand, dachte ich noch: Mein Gott, verfolgt mich diese Geschichte überall in dieser Stadt? Heute nehme ich diese ganzen Symbole kaum noch wahr, die Stolpersteine oder das Holocaust-Mahnmal.“

Yael Ronen

Mittlerweile kann man an jedem Wochenende in Tel Aviv zu Techno aus Berlin tanzen, Deutsche DJs und Bands wie zum Beispiel Modeselektor ziehen in israelischen Clubs unzählige Fans an. Während der vergangenen Fußballweltmeisterschaft gab es ein deutsches Public Viewing am Strand von Tel Aviv – und Israelis, die aus voller Kehle die deutsche Nationalhymne sangen.

Israel: gehypt und gehasst von den Deutschen

Professor Micha Brumlik | Bild: picture-alliance/dpa

„Das Wort Israel-Kritik gibt es als feststehenden Begriff.“ Professor Micha Brumlik

Auch andersherum steht die Verbindung: Kein anderes Land wird von jungen Deutschen so gehypt, aber auch gehasst wie Israel. Deutsche Billigairlines fliegen heute täglich nach Tel Aviv. Zwei Drittel der jungen Freiwilligen in Israel, die sich um Holocaustüberlebende oder Friedensinitiativen bemühen, sind Deutsche. Die israelische Küche wird gefeiert. Und doch entzündet kein anderer Konflikt in Deutschland so viel Streit, sagt auch der deutsche Jude, Publizist und Professor Micha Brumlik.

„Ich bemerke mit einigem Erstaunen dass es in der deutschen Sprache den feststehenden Begriff der Israel-Kritik gibt, es gibt sonst noch die Islamkritik und die Kapitalismuskritik; eine Amerika- Frankreich oder Englandkritik gibt es nicht und das zeigt schon allein in der Sprache, in der Semantik, dass Israel in einer Weise herausgehoben wird, dass wie gesagt dem realen Problem global gesehen keineswegs entspricht.“

Professor Micha Brumlik

Keine Frage: Die deutsch-israelischen Beziehungen sind bis heute alles andere als normal. Der Zündfunk Generator geht ihnen jenseits der offiziellen Diplomatie nach und fragt: Wie sind sie denn? In Berlin, Tel Aviv und Jerusalem bekamen wir ganz unterschiedliche Antworten: Von „erotische Spannung“, über „unerwiderte Liebe“, „obsessiv“, „neurotisch“ bis hin zu „schizophren“.

Quelle: Bayerischer Rundfunk

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April 12th, 2015 at 10:46 am

Tück: Religionen können Wahrheitsanspruch nicht aufgeben

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Hochkarätige Wiener Fachtagung endete am Freitagabend mit Plädoyer zu einem Religionsdialog mit Lessing über Lessing hinaus – Friedensgebete in Assisi sind Fortschreibung des Konzils

11.04.2015

Mit einem Plädoyer, den interreligiösen Religionsdialog als Friedensdialog zu intensivieren, ohne den je eigenen Wahrheitsanspruch aufzugeben, endete am Freitagabend in Wien eine internationale Tagung über Lessings Ringparabel. Der Wiener Dogmatiker und Tagungsinitiator Jan-Heiner Tück zeigte in seinem Abschlussvortrag auf, dass ein solcher Dialog durchaus zentrale und heute aktuelle Motive aus Lessings Ringparabel aufgreifen könne, aber doch darüber hinaus gehen müsse: Eine Verflüssigung des Wahrheitsanspruchs in einen moralischen Wettstreit oder in eine „performative Theologie“, wie sie der Ägyptologe Jan Assmann am Vorabend empfohlen hatte, sei nur bedingt hilfreich und greife zu kurz, so Tück.

 

Wo Lessing mit seiner Ringparabel Partei gegen „eingefleischte Vorurteile und doktrinale Ignoranz“ ergreife ohne die religiösen Eigenheiten aufzugeben, wo er für Toleranz gegenüber Andersgläubigen werbe, eine kritische Infragestellung der eigenen Religion empfehle, könne man in Papst Franziskus durchaus einen würdigen Verfechter Lessings sehen. Schließlich trete auch Franziskus dafür ein, „Vorurteile und negative Stereotypen über andere Religionen abzubauen“, „Juden und Muslime in ihrem Selbstverständnis ernst zu nehmen“ und „die Schatten der christlichen Schuldgeschichte selbstkritisch aufzuarbeiten“, so Tück.

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April 12th, 2015 at 7:59 am

TAZ| Netanjahus purer Fundamentalismus

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Die jüdische Diaspora nach den Wahlen: Die Distanz zu der noch stärker nationalreligiös orientierten Regierung in Jerusalem wird nicht geringer.

In den USA lebt die größte jüdische Diaspora.  Bild: dpa

Nach seinem unerwarteten Wahlsieg vollzog Benjamin Netanjahu zwei symbolische Handlungen, die wenig Gutes verheißen. Er besuchte die Klagemauer in Jerusalem und ließ sich dabei filmen, wie er einen Zettel in die Außenmauer des Herodianischen Tempels steckte. Fromme Juden hinterlassen hier persönliche Bitten, manche auch politische Wünsche. Eine abergläubische, götzendienerische Praxis.

Noch schwerwiegender dürfte eine bislang kaum beachtete Äußerung des Premiers anlässlich dieses Besuchs sein: „Here in this place“, so Netanjahu, „I am awed by the historical significance of a people renewing itself in its homeland after 4.000 years.“

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März 23rd, 2015 at 5:10 am

Bundestag| Antisemitismus in Deutschland – Kleine Anfrage

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Deutscher Bundestag
18. Wahlperiode

Drucksache 18/4173                                                                    03.03.2015

Antwort

der Bundesregierung

auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Özcan Mutlu,
Monika Lazar, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS gO/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/3870 –

Antisemitismus in Deutschland

Vorbemerkung der Fragesteller

In Deutschland sind wir täglich mit allen Formen der gruppenbezogenen Men­schenfeindlichkeit konfrontiert. Antisemitische Straftaten gehören zum trauri­gen Alltag. Jüdische Einrichtungen sind häufig auf einen dauerhaften Schutz durch die Polizei angewiesen. Nicht erst nach den Terroranschlägen von Paris leben viele Juden in Deutschland mit einer gewachsenen Sorge vor Anschlägen und Angriffen. Denn, wie der Sommer 2014 zeigte, werden Auseinandersetzungen im Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern auch mit Gewalt
auf deutsche Straßen getragen, welche in teilweise antisemitischen und gewalt­samen Auseinandersetzungen endeten.

Der Deutsche Bundestag hat mehrfach seine Entschlossenheit gegen Antisemi­tismus und sein Ja zum jüdischen Leben hier bekundet (beispielsweise auf Bundestagsdrucksache 17/13885, 16/10775 (neu), 16/10776). Zudem hat im
Januar 2015 der Expertenkreis Antisemitismus erneut seine Arbeit aufgenom­men.

Vorbemerkung der Bundesregierung

Nicht nur vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung Deutschlands ist die Bekämpfung von Antisemitismus ein zentrales Anliegen der Bunderegie­rung. Über jüdische Menschen und die die jüdischen Gemeinden hinaus bedroht Antisemitismus jeglicher Ausrichtung auch die demokratische Gesellschaft in
ihrer Gesamtheit und in ihren Grundwerten.

Für die Bundesregierung sind sowohl die Prävention als auch die entschiedene Bekämpfung von Antisemitismus und extremistischen Bestrebungen jeglicher Couleur von hoher politischer Priorität. Dass jüdische Menschen sich in
Deutschland sicher und aufgehoben fühlen, ist für die Bundesregierung von gro­ßer Bedeutung. Darüber besteht ein umfassender gesellschaftlicher und politi­scher Konsens.

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März 16th, 2015 at 7:39 am

Augsburger Allgemeine| Juden fassen neuen Mut

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Micha Brumlik sieht deutschen Aufbruch

Vor zwanzig Jahren war der Frankfurter Pädagogikprofessor Micha Brumlik gar nicht zuversichtlich, was die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland betraf. „Kein Weg als Deutscher und Jude“ betitelte er 1996 sein Buch. Nun aber revidiert Brumlik seine Einstellung. Es ereigne sich momentan in der zweiten Generation der jüdischen Zuwanderer, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion, „eine beachtliche Wiederaneignung der jüdischen Traditionen Deutschlands“. Damit eröffnete er am Montagabend in der Synagoge die internationale Tagung „Rückkehr-Erzählungen“ der Universität Augsburg zusammen mit der Hebrew University Jerusalem, die noch bis Mittwoch läuft.

Würde er heute eine Fortsetzung seines autobiografischen Essays schreiben, sollte sie „Die dritte Heimat“ heißen, meinte Brumlik. Die deutsche Migrationsgesellschaft habe inzwischen einen ganz anderen Begriff von Staatsangehörigkeit, nicht mehr geleitet von ethnischer Zugehörigkeit. Wie noch lange nach dem Ende des Dritten Reichs und dessen Rassenwahn. Juden inDeutschland waren nach 1945 vor allem versprengte Osteuropäer. Und mit Israels Staatsgründung 1948 wanderten über 85 Prozent der 150000 Displaced Persons dorthin aus. Wer blieb, hatte mit Schuldbewusstsein zu kämpfen, auf verfluchtem Boden der Mörder leben zu müssen, sagte Brumlik. Zudem nutzten jene Juden häufig das Rotlichtmilieu, um bald zu Geld zu kommen. Im gleichen Maße ihrer Scham wuchs der Selbsthass: Nirgends spendete man mehr für Israel als unter deutschen Juden.

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Februar 25th, 2015 at 6:27 am