Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Universitätten’ Category

TAZ| Ein Minimum an Distanz

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Aus einer „Studienstelle Israel“ soll eine Professur werden. Dann passiert – nichts. Die Universität Mainz verspielt ihren guten Ruf.

KOLUMNE VON MICHA BRUMLIK

Man muss kein Freund der verbrecherisch dummen Siedlungspolitik israelischer Regierungen sein, um einen jetzt bekannt werdenden Vorgang an der Universität Mainz befremdlich zu finden. An dieser Bildungsinstitution sollte anlässlich von fünfzig Jahren deutsch-israelischer Beziehungen eine schon seit Längerem bestehende „Studienstelle Israel“ in eine ordentliche Professur umgewandelt werden.

Die Studienstelle war bei den Politikwissenschaften angesiedelt und wurde bis zu dessen Pensionierung von dem bestens ausgewiesenen Oberstudienrat Alfred Wittstock geführt. Die neue Professur wurde ans Institut für Soziologie verlegt; sie sollte der „Soziologie der Ethnizität und Migration mit dem Schwerpunkt ­­Israel/Naher Osten“ gewidmet sein. Im Juli wurde die Stelle öffentlich ausgeschrieben:

„Die Professur forscht und lehrt im Bereich der Ethnizitäts- und Migrationssoziologie mit dem regionalen Schwer­punkt der Gegenwartsgesellschaften Israels und seiner Nachbarn. Von den Bewerberinnen und Bewerbern wer­den neben profunden theoretischen und methodischen Kompetenzen empirische Kenntnisse der kulturellen Viel­falt, der politischen Konflikte und der Migrationsbewegungen in dieser Region erwartet. Erwünscht ist zudem ein Forschungsinteresse an den jüngeren Zuwanderungen aus dem Nahen Osten nach Europa.“

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Written by lbucklitsch

Februar 7th, 2017 at 4:36 pm

Radio Q| MICHA BRUMLIK ZUR EXZELLENZINITIATIVE

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Über 500 Millionen Euro mehr für die Exzellenzinitiative an deutschen Universitäten

Dieses Förderprogramm fußt auf einer Bund-Länder-Vereinbarung. Doch das Programm ist umstritten, denn Exzellenz-Auszeichnung scheint nicht immer direkt etwas Gutes zu sein. Nun haben einige 100 Wissenschaftler eine Online-Petition gegen die Exzellenzinitiative ins Leben gerufen – „Für gute Forschung und Lehre – Argumente gegen die Exzellenzinitiative„.

Kritik an der Exzellenzinitiative:

  • Exzellenzinitiative fördert zu wenig Universitäten
  • dadurch Schaden in der Breite der Lehre und Forschung
  • Nachteil für wissenschaftliches Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs
  • Hierarchisierung des Hochschulsystems
  • Trend zu „Pseudo-Märkten“ –> unnötige Dauerkonkurrenz der Wissenschaft, um staatliche Finanzierung

Einer der Unterzeichner ist Micha Brumlik. Im Interview mit Radio Q betont er unter Anderem den Nachteil für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Das gesamte Interview zum Nachhören:

Herr Brumlik, was ist in Ihrer Sicht so problematisch an der Forschungsförderung im Rahmen der Exzellenzinitiative?

Micha Brumlik: Problematisch ist, dass die großartigen Leistungen, die Wissenschaft und Forschung in der Breite bringen dadurch völlig übergangen werden. Einige wenige Universitäten werden dadurch bevorteilt und darüber hinaus wird die Lage des wissenschaftlichen Personals, des wissenschaftlichen Nachwuchses in keiner Weise verbessert, sondern im Gegenteil verschlechtert. Es kommt hinzu, dass sich durch die Auszeichnung einiger weniger Universitäten all jene Studierenden, die an anderen Universitäten studieren, später im beruflichen Konkurrenzkampf sich als relativ schlechter gestellt, vorkommen müssen. Read the rest of this entry »

Written by lbucklitsch

Mai 3rd, 2016 at 5:20 am

Initiative| FÜR GUTE FORSCHUNG UND LEHRE – ARGUMENTE GEGEN DIE EXZELLENZINITIATIVE

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Die sogenannte Exzellenzinitiative, mit der Bund und Länder deutsche “Spitzenforschung” fördern wollen, ist auf dem besten Weg, unser Hochschulsystem auf problematische Weiseumzugestalten. Seit 2005 wurden die Universitäten in bisher zwei Runden aufgefordert, sich mit Forschungs- und Strukturplänen um beträchtliche Mittel zu bewerben; nun sollen die Wettbewerbe im Sieben-Jahres-Rhythmus verstetigt werden. Zu vergeben sind 533 Millionen Euro pro Jahr, die acht bis elf erfolgreichsten Bewerber können sich Exzellenzuniversitätnennen. Das erklärte Ziel lautet, die „vertikale Differenzierung“, also die Ungleichheit zwischen den Hochschulen auszubauen. Wir meinen, dass dies keine gute Nachricht ist. Eine verschärfte Prestigekonkurrenz und Umverteilung von unten nach oben werden Forschung und Lehre in Deutschland insgesamt schaden. Als wissenschaftlich Arbeitende, die davon zum Teil massiv betroffen sind und die ein faires Hochschulsystem der Prestigekonkurrenz vorziehen, wenden wir uns gegen die Exzellenzinitiative. Statt der vermeintlichen “Spitze” sollten die bestehenden, gegenwärtig bedrohten Vorzüge des deutschen Hochschulsystems gefördert werden: ein hohes Lehrniveau an allen Standorten und breit gestreute Freiräume für innovative Forschung.
Im Einzelnen spricht besonders Folgendes gegen das Programm:
  • Die Exzellenzinitiative befördert den Trend zu Pseudo-Märkten im Hochschulsektor. Statt für eine solide Grundfinanzierung zu sorgen, treibt die Wissenschaftspolitik die Forschenden in eine künstlich inszenierte Dauerkonkurrenz um staatliche Mittel. Sie verstärkt damit eine Fassadenkultur der Antragstellung, die Orientierung am Mainstream und prekäre Projekt-Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft.
  • Die Situation des wissenschaftlichen „Nachwuchses“ in Deutschland wurde durch die Exzellenzinitiative weiter verschlechtert, weil sie die Zahl der befristeten Stellen unterhalb der Professur vermehrt hat. Wenn zukünftig eher Tenure-Track-Stellen als Projektstellen geschaffen werden, ließe sich der Schaden an den Exzellenz-Standorten eindämmen – allerdings um den Preis, dass sich die dauerhafte Förderung bei einer kleinen Gruppe von Nachwuchsforschenden bündelt, während die schlechte Lage aller anderen durch den Wettbewerb legitimiert wird.
  • Bei der angestrebten Hierarchisierung des deutschen Hochschulsystems wird es vor allem Verlierer geben. Die traditionelle Stärke dieses Systems besteht darin, dass an prinzipiell jeder Hochschule auch international sichtbare Spitzenforschung möglich ist. Wird sie an wenigen Standorten gebündelt, drohen die nicht erfolgreichen Hochschulen dauerhaft ihren Status als Forschungsinstitutionen zu verlieren. Grundsätzlich wird die Befreiung einiger Forschender von der Lehre durch erhöhte Lehrbelastung aller anderen erkauft.
  • Eine Hierarchisierung der Hochschulen verstärkt soziale Ungleichheit. Internationale Vergleiche zeigen, dass Spitzenhochschulen gewöhnlich der Oberschicht zur Reproduktion dienen. Dass auch beim Lehrpersonal unter Wettbewerbsdruck und verstärkt prekarisierten Beschäftigungsverhältnissen die soziale Herkunft wichtiger wird (und Nachteile von Frauen keineswegs ausgeglichen werden), zeigen neue Studien zu Schließungstendenzen in der Professor/innenschaft und bei den Juniorprofessuren.
  • Schließlich ist der Diskurs der Exzellenz selbst weitgehend wissenschaftsfremd (da er sich vorrangig an äußerlichen Erfolgsindikatoren orientiert) und undemokratisch. Die Selbstverwaltung der Wissenschaft und ihre Selbstkontrolle durch Kritik werden schleichend durch die Anpassung an Märkte, eine Rhetorik des Ausgezeichneten und starker Führung ersetzt.

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Written by lbucklitsch

April 28th, 2016 at 3:52 pm

JA| GOETHE-UNI: Erziehung ohne Auschwitz

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NS-Pädagogik ist in Frankfurt kein Pflichtfach mehr

23.07.2015 – von Astrid LudwigAstrid Ludwig

Im Geiste Adornos? Goethe-Universität Frankfurt/Main

© dpa

Micha Brumlik spricht von einem Skandal, der Jüdische Jugend- und Studentenverband Hessen kritisiert die Entscheidung scharf, der Asta der Goethe-Universität und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind empört. Erheblicher Protest regt sich derzeit gegen die Entscheidung des Fachbereichs Erziehungswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität, künftig die Vorlesungen zur Pädagogik in der NS-Zeit aus dem Curriculum für Lehramtsstudenten zu nehmen.

Sie sollen für den Besuch keine Credit Points, wichtige Leistungspunkte für das Studium, mehr erhalten. Das Studienangebot für angehende Lehrer zum Thema Indoktrination und Pädagogik im »Dritten Reich« soll nur noch als Spezialthema in Vertiefungsseminaren angeboten und bewertet werden. Zudem wurde das Studiengangs-Modul »Theorie und Geschichte« von zwei auf ein Semester gekürzt – auch Erziehungswissenschaftler erhalten dann nur noch die Hälfte an Credit Points.

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wsws| Uni Frankfurt: NS-Forschung für Lehramtsstudierende unerwünscht

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Von Marianne Arens
17. Juli 2015

Geht es nach der Goethe-Universität in Frankfurt, so sollen sich angehende Lehrerinnen und Lehrer künftig im Studium nicht mehr mit dem Nationalsozialismus befassen. Nicht anders können die jüngsten Angriffe des Fachbereichs 04 Erziehungswissenschaften auf die Forschungsstelle NS-Pädagogik verstanden werden.

Das Dekanat des Fachbereichs hat entschieden, dass die Teilnahme an der Vorlesung über NS-Pädagogik nicht oder kaum mehr als Studienleistung anerkannt wird. Lehramtsstudierende erhalten dafür keine Credit Points mehr, während Pädagogen, die den Master machen, noch halb so viele Punkte wie bisher bekommen. Die Credit Points entsprechen den früheren „Scheinen“, die Studierende für die Anerkennung ihrer Studienleistungen benötigen.

In einer kurzen Stellungnahme des Fachbereichs und der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL, der die Prüfungsordnung unterliegt) wird die Aberkennung der Credit Points für Lehramtsstudierende nicht bestritten. Auf bürokratische Art und Weise beruft man sich jedoch auf die „gemeinsam von allen Bundesländern gefasste Vereinbarung“ der Kultusministerkonferenz zur Lehrerbildung. Ihr zufolge müssten sich die Themen auf „Unterrichten, Erziehen, Diagnostizieren und Schulentwicklung“ konzentrieren. Die NS-Pädagogik, die den „Spezialthemen“ zugerechnet wird, sei „weder in Frankfurt noch an anderen deutschen oder internationalen Einrichtungen der Lehrerbildung im Pflichtbereich“ zu finden, heißt es in der Stellungnahme.

Die Forschungsstelle NS-Pädagogik wurde vor vier Jahren als Pilotprojekt an der Frankfurter Uni eingerichtet. Bis 2013 erarbeitete sie ein Konzept, das auf zwei Semester angelegt ist und allen Lehramts- und Pädagogik-Studierenden einen Zugang zur NS-Zeit, ihren Verbrechen und ihrer Ideologie verschaffen soll. Seither ist dieser Studiengang dreimal erfolgreich durchgeführt worden.

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Written by lbucklitsch

Juli 19th, 2015 at 10:32 am

taz| Neuer Vorlesungskatalog der Goethe-Uni: NS-Pädagogik gestrichen

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An der Uni Frankfurt sollen Einführungsseminare zur NS-Pädagogik aus dem Veranstaltungskatalog verschwinden. Dagegen regt sich Kritik.

Eine Schulklasse zur NS-Zeit. Ein Schüler steht vor einer Tafel, auf der ein Davidstern zu sehen ist.

Eine deutsche Schule zur NS-Zeit: Unterricht in Rassismus und Antisemitismus. Foto: imago/United Archives International

Wie wurden Schüler während der Nazidiktatur pädagogisch indoktriniert? Und welche Lehren ziehen LehrerInnen heute daraus – wie halten sie dagegen, wenn Schüler sich untereinander als „Spasti“ oder „Jude“ beschimpfen? Themen, die der Frankfurter Professor Benjamin Ortmeyer in seinen Vorlesungen mit angehenden LehrerInnen und Erziehungswissenschaftlern diskutierte.

„Die Vorlesungen waren immer gut besucht. Er hätte die Veranstaltung auch zwei- oder dreimal anbieten können“, berichtet Daniel Katzenmaier, der Erziehungswissenschaften studiert und Mitglied im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ist.

Doch ab Herbst werden in Frankfurt vermutlich nicht mehr, sondern weniger Studierende über NS-Pädagogik debattieren. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität hat im Einvernehmen mit der für Lehrerbildung zuständigen Akademie für Bildungsforschung die Einführungsvorlesung zum kommenden Semester aus dem Curriculum der Lehramtsstudierenden genommen. Und zwar aus pragmatischen Gründen.

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