Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER – ab 1.Oktober 2015 im Kino

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Die Bedeutung des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer für das Zustandekommen der Auschwitz-Prozesse der 1960er Jahre ist unumstritten. Doch erst nach seinem Tod wurde sein entscheidender Verdienst um die Ergreifung Eichmanns bekannt. Grimme-Preisträger Lars Kraume (DIE KOMMENDEN TAGE) zeichnet mit DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER nun das kraftvolle und fesselnde Porträt eines mutigen Mannes und dessen Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit. Unbeirrbar legte Bauer den Finger in die Wunde und schreckte dabei auch nicht vor unbequemen Fragen der Regierung Adenauer gegenüber zurück.

Burghart Klaußner (ELSER, DAS WEISSE BAND) verkörpert den Titelcharakter kongenial bis in die feinsten Details von Mimik und Gestik. Für die weiteren Rollen in seinem packenden, dichten Portrait der jungen BRD versammelte Lars Kraume mit Ronald Zehrfeld (BARBARA), Sebastian Blomberg (ZEIT DER KANNIBALEN), Lilith Stangenberg (DIE LÜGEN DER SIEGER) und Jörg Schüttauf (SO GLÜCKLICH WAR ICH NOCH NIE) ein hochkarätiges deutsches Schauspieler-Ensemble.

Inhalt

Frankfurt am Main 1957: Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Burghart Klaußner) wird bewusstlos in seiner Badewanne aufgefunden. Auf dem Wannenrand: ein fast leeres Rotweinglas und ein nahezu volles Röhrchen Schlaftabletten. Ein gefundenes Fressen für den BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt (Jörg Schüttauf), denn hier wittert er seine Chance, den unliebsamen Generalstaatsanwalt loszuwerden. Er regt einen Polizeibeamten in Bauers Wohnung dazu an, einige weitere Schlaftabletten verschwinden zu lassen, um so den Anschein zu erwecken, Bauer habe einen Selbstmordversuch unternommen und sei in seinem Amt nicht mehr tragbar. Gegenüber dem ehrgeizigen Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler (Sebastian Blomberg) deutet Gebhardt an, dass man nur noch etwas mehr Druck ausüben müsse, um Bauer endlich zu Fall zu bringen.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus gelingt es Bauer jedoch rasch, seinen besorgten Vorgesetzten und Parteifreund, den hessischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn (Götz Schubert), zu beruhigen und die Selbstmord-Gerüchte zu zerstreuen.

Bauer ist vielen Leuten ein Dorn im Auge, da er seit seiner Rückkehr aus dem dänischen Exil beharrlich versucht, Verbrechen des NS-Regimes vor Gericht zu bringen. Eine schwere Aufgabe in einem Land, das sich zu weiten Teilen seiner Vergangenheit nicht stellen möchte und in dem noch immer zahlreiche zentrale Positionen in Wirtschaft und Politik von ehemaligen Nationalsozialisten bekleidet werden. Bauer bekommt immer wieder Morddrohungen und auch in seiner eigenen Behörde stößt er auf erhebliche Widerstände: Die Ermittlungen gehen bei den ihm zugeteilten Staatsanwälten meist nur sehr zäh voran und nicht zum ersten Mal sind Ermittlungsakten verschwunden.

Doch eines Tages bekommt er einen entscheidenden Hinweis für seine Suche nach dem einstigen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der im Dritten Reich für die Massendeportation der Juden verantwortlich war: In einem Brief aus Argentinien schreibt ihm ein gewisser Lothar Hermann, er habe in der Zeitung gelesen, dass Bauers Behörde im Fall Eichmann ermittle, und er habe Grund zur Annahme, dass Adolf Eichmann unter falschem Namen in Buenos Aires lebe. Denn Hermanns Tochter Silvia sei in Eichmanns Sohn Nick verliebt.

Bauer weiht seinen Parteifreund Zinn in seine Pläne ein: Er will Eichmann als zentrale Figur der sogenannten „Endlösung“ in Deutschland vor Gericht stellen. Nachdem alle deutschen Ermittlungsbehörden (BKA, BND, Verfassungsschutz) mit Nationalsozialisten durchsetzt sind und Interpol-Mitarbeiter auf seine Anfrage geantwortet haben, sie seien nicht zuständig für politische Verbrechen, plant Bauer, den israelischen Geheimdienst Mossad einzuschalten. Zinn weist ihn eindringlich darauf hin, dass er damit als deutscher Beamter Landesverrat begehen und eine Haftstrafe riskieren würde.

Durch die Anfrage bei Interpol hat Gebhardt im BKA mitbekommen, dass Bauer eine neue Fährte aufgenommen hat. Er beauftragt Kreidler damit, Bauer zu observieren – nicht nur, um herauszufinden, wen er im Visier hat, sondern auch aus einem anderen Grund: Gebhardt zeigt Kreidler einen Polizeibericht, aus dem hervorgeht, dass Bauer im dänischen Exil offenbar Kontakte zu männlichen Prostituierten hatte. Wenn er in Deutschland mit einem Mann in eindeutiger Pose ertappt werden würde, wäre seine Karriere sofort beendet. Denn § 175 des Strafgesetzbuches stellt sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe.

Beim Mittagessen in der Kantine fragt der junge Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) seinen Chef Fritz Bauer um Rat zu einem Strafverfahren gegen einen Angeklagten, der dabei ertappt wurde, wie er sich als Strichjunge fünf Mark verdienen wollte: Angermann ist unsicher, welches Strafmaß er fordern soll, weil wechselseitige Onanie ohne die Verschärfung des § 175 durch die Nationalsozialisten gar kein Straftatbestand wäre. Bauer rät ihm, sechs Monate Haft zu beantragen, verweist ihn jedoch auf das „Valentin-Urteil“ des Hamburger Landgerichts vom Juni 1951. In einem ähnlichen Verfahren wurden damals zwei Männer wegen fortgesetzter gleichgeschlechtlicher Handlung nicht zu einer Haft-, sondern lediglich zu einer niedrigen Geldstrafe verurteilt. In der darauf folgenden Gerichtsverhandlung bezieht sich Angermann tatsächlich auf jenes Urteil und fordert eine Geldstrafe von fünf Mark, womit er einen Tumult im Saal auslöst und nicht verhindern kann, dass dem Angeklagten eine fünf monatige Gefängnisstrafe auferlegt wird. Nach der Urteilsverkündung wird Angermann von einer jungen Frau namens Victoria (Lilith Stangenberg) angesprochen: Sie stellt sich als Freundin des Angeklagten vor, bedankt sich bei Angermann für dessen mutiges Plädoyer und lädt ihn ein, sie doch einmal in der „Kokett“-Bar zu besuchen.

Bauer fliegt unterdessen nach Israel und trifft sich mit Mossad-Chef Isser Harel (Tilo Werner), der die argentinische Spur allerdings für eine Sackgasse hält. Nach den Informationen des israelischen Geheimdienstes handelt es sich bei dem Mann, den Nick Eichmann „Vater“ nennt, nicht um Adolf Eichmann, sondern um einen Stiefvater: Nicks Mutter habe nach dem Krieg wieder geheiratet, erklärt Harel. Er fügt an, der Mossad werde die Fährte nach Buenos Aires nur dann weiter verfolgen, wenn es Bauer gelänge, eine zweite unabhängige Quelle zu finden, die Adolf Eichmanns Identität bestätigen könne.

Zurück in Frankfurt zieht Bauer Angermann ins Vertrauen: Er zeigt ihm Lothar Hermanns Brief, erzählt ihm von seiner Unterredung mit dem Mossad und bittet ihn um Hilfe bei der Suche nach einer zweiten Quelle. Angermann möchte keinen Landesverrat begehen und stattdessen lieber den BND einschalten. Doch Bauer ist davon überzeugt, dass der BND ihnen nicht helfen, sondern Eichmann höchstens warnen würde. Denn niemand in Deutschland wolle Eichmann vor Gericht sehen – aus Angst, er würde im Prozess weitere Namen im Zusammenhang mit der „Endlösung“ nennen. Angermann bittet Bauer um Bedenkzeit, entschließt sich jedoch, nachdem er Fritz Bauers inspirierenden Fernsehauftritt bei der Sendung „Heute Abend Kellerklub“ gesehen hat, dass er Bauer bei der Suche nach einer zweiten Quelle unterstützen wird. Er schlägt vor, den Journalisten Friedrich Morlach (Paulus Manker) zu kontaktieren: Man könne zwar nicht ausschließen, dass er auch für den BND oder für die Stasi arbeite, aber er sei jedenfalls ein guter Informant – und vor allem käuflich. Nachdem Bauer bereit ist, das Risiko einzugehen, trifft sich Angermann heimlich mit Morlach in dessen VW Käfer und setzt ihn auf die Eichmann-Spur an.

Zwar bekommt Bauer eine Menge positive Reaktionen auf seinen Fernsehauftritt, aber auch fast zwei Dutzend anonyme Drohbriefe. Als er das BKA ersucht, die Absender zu ermitteln, suggeriert Gebhardt, Bauer selbst könne diese Drohschreiben verfasst haben. Dann eröffnet er Bauer aus heiterem Himmel, es gäbe zuverlässige Hinweise darauf, dass Adolf Eichmann sich mittlerweile in Kuwait aufhalte. Bauer, der gegenüber Gebhardt nie den Namen Eichmann erwähnt hatte, muss nun befürchten, dass sein Plan aufgeflogen ist und Morlach ihn verraten hat.

Doch dem ist nicht so, vielmehr bringt Morlach gute Nachrichten mit: Er hat herausgefunden, dass ein Ex-Kriegsberichterstatter seit Jahren in Buenos Aires Interviews mit Adolf Eichmann geführt hat, weil er Eichmanns Memoiren schreiben will. Zum Beweis hat Morlach eines dieser Interviewbänder mitgebracht – und darauf ist tatsächlich Adolf Eichmanns Stimme zu hören. Bauer vermutet, dass Eichmann in Buenos Aires für Mercedes arbeitet. Um das zu überprüfen, fährt er nach Stuttgart zur Konzernzentrale von Mercedes-Benz und stürmt dort in der Personalabteilung in das Büro von Herrn Schneider, einem ehemaligen SS Einsatzgruppenkommandanten. Er konfrontiert ihn mit seiner Ermittlungsakte und erpresst so die Information, dass Eichmann unter dem Decknamen Ricardo Klement in der argentinischen Mercedes-Filiale tätig ist.

Eines Abends verschlägt es Angermann ins „Kokett“, wo er Victoria wiedersieht, die dort als Sängerin arbeitet. Nach ihrem Auftritt besucht er sie in ihrer Künstlergarderobe, flüchtet jedoch wieder, als sie ihn verführen will. Aber ein paar Tage später zieht es ihn erneut zu ihr hin. Diesmal bringt er eine Flasche Champagner in die Garderobe mit. Auf der Chaiselongue öffnet Victoria ihr Negligé und entblößt so ihre Männlichkeit. Angermann wagt einen leidenschaftlichen Kuss und gibt sich schließlich seiner verbotenen Leidenschaft hin.

In der Zwischenzeit bereitet Fritz Bauer seine zweite Israelreise vor, stets beschattet von Gebhardts und Kreidlers Leuten, die darauf spekulieren, Bauer möglicherweise Landesverrat nachweisen zu können. Im Justizministerium in Tel Aviv trifft sich Bauer mit dem israelischen Generalstaatsanwalt Chaim Cohn (Dani Levy) und mit Isser Harel. Er erläutert ihnen, dass eine zweite Quelle die Identität Adolf Eichmanns in Argentinien bestätigt habe; er veranlasst, dass der Mossad nun aktiv wird, und plädiert vehement dafür, Eichmann in Frankfurt den Prozess zu machen, um die Deutschen mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren.

Um seine Gegner in Sicherheit zu wiegen, lässt er nach seiner Rückkehr nach Deutschland in einer Pressekonferenz verlauten, er habe einen Auslieferungsantrag an Kuwait gestellt, weil er durch das BKA erfahren habe, dass sich Adolf Eichmann dort aufhalte. Tatsächlich gelingt es einigen Mossad-Agenten kurz darauf, Eichmann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf einer spärlich beleuchteten Landstraße in Argentinien zu überwältigen und zu entführen.

Nachdem Angermann die Eichmann-Verhaftung gemeinsam mit Bauer in einer Kneipe bei Apfelwein begossen hat, macht er noch einen weiteren Abstecher ins „Kokett“. Diesmal wird er allerdings in Victorias Garderobe von Gebhardt überrascht, der ihn mit kompromittierenden Fotos konfrontiert, auf denen er in eindeutigen Posen mit Victoria zu sehen ist. Gebhardt stellt Angermann vor die Alternative: Entweder er beschuldigt Fritz Bauer des Landesverrats, oder er muss selbst ins Gefängnis gehen…

 

 

 

 

 

Berlin Kinotour: 

Mo, 28.09. Berlin Kino International 20.00 Uhr

mit Burghart Klaußner und Ronald Zehrfeld

 

 

Quelle: ALAMODE FILMDISTRIBUTION oHG

Written by lbucklitsch

September 9th, 2015 at 11:45 am