Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

DLF| Drucksachen: „Blätter“ – „Wir sind ein Projekt der völligen Unabhängigkeit“

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Kritische Kommentare, Analysen und Alternativen: Die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ haben den Anspruch, „sich den universalistischen Werten, den Menschenrechten, aber auch einem liberalen Verständnis verpflichtet zu sehen“, sagte der politische Publizist, Jurist und „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke im Deutschlandfunk.

Albrecht von Lucke im Gespräch mit Natascha Freundel

Die „Blätter“ verstehen sich als Forum für aktuelle wissenschaftliche und politische Diskussionen und entstehen unabhängig von Konzernen, Parteien, Verbänden und Kirchen. Ein Herausgeberkreis, der den Anspruch einer emanzipatorischen Analyse politischer Debatten teilt, unterstützt die Redaktion der schon seit 1956 bestehenden „Blätter“, die Karl Barth einmal „eine Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn“ nannte.

Albrecht von Lucke, 1967 geboren, lebt seit 1989 in Berlin. Er ist Jurist und Politikwissenschaftler sowie politischer Publizist. Seit 2003 ist er Redakteur der renommierten politischen Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“.

Natascha Freundel: Vorab fünf Zitate aus fünf jüngeren Ausgaben der Blätter: „Der Sozialstaat muss für alle, auch für Deutsche wieder ein Wort mit konkretem Inhalt werden.“ „Der Legitimationskrise der universellen Werte der Demokratie ist nur mit einem sozialen Universalismus in Wort und Tat beizukommen.“ „Der Internationalismus der Linken hat seine Bewährung in Theorie und Praxis noch vor sich.“ „Die gesetzlich geschützte Pressefreiheit muss dringend neu mit Leben gefüllt werden.“ Und: „Der „Postkapitalismus wird ein Wirtschaftssystem sein, das auf menschlichen Faktoren beruht.“ Die Blätter für deutsche und internationale Politik sind eindeutig Blätter für linke Politik – oder, Albrecht von Lucke?

Albrecht von Lucke: Das kann man durchaus so sagen. Die Blätter haben jedenfalls den Anspruch – und das, finde ich, kommt in diesen Zitaten sehr gut zum Ausdruck -, sich den universalistischen Werten, den Menschenrechten, aber auch natürlich einem liberalen Verständnis verpflichtet zu sehen, einem liberalen Verständnis, das natürlich dann weit über bloße Deutschen- oder Staatsbürgerrechte hinausgeht, sondern die menschenrechtlichen Kategorien im Blick hat, also natürlich damit, wie es auch der Name der Blätter sagt, Blätter für deutsche und internationale Politik sind.

„Linkes Denken hat die Menschenrechtsfrage im Blick“

Freundel: Eines der von mir herausgepickten Zitate stammt von dem Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, der in den Blättern vom März das alte Denken der neuen Rechten analysiert und dabei auch die Schnittmengen zwischen linken und rechten Positionen verdeutlicht, zum Beispiel in der Kapitalismuskritik oder der USA-Kritik. Was ist denn für Sie, Albrecht von Lucke:, eine linke Haltung, die sich eben nicht mit dem rechten Denken verbrüdern lässt?

 

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Written by lbucklitsch

Juli 10th, 2016 at 4:55 pm