Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Domradio|Wissenschaftler: Bundestag muss Völkermord an Armeniern anerkennen: „Der einzige Weg für Erinnerung und Forschung“

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Rund 120 deutsche Wissenschaftler haben den Bundestag aufgefordert, das Massakers der Türken an den Armeniern als Völkermord anzuerkennen. Der Jahrestag des Beginns der Gewalttaten ist der 24. April.

„Vergeben Sie die historische Chance nicht, den Opfern, den Überlebenden und den Nachfahren des Völkermords an den Armeniern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“, heißt es in einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Brief. Zu den Unterzeichnern gehören die Historiker Jürgen Osterhammel, Jörn Rüsen, der Politologe Elmar Altvater, der Publizist Micha Brumlik, die Ägyptologen Jan und Aleida Assmann sowie der Soziologe Moshe Zuckermann und der frühere evangelische Bischof Wolfgang Huber.

Am Jahrestag des Beginns der Gewalttaten findet dazu eine Bundestagsdebatte statt. Der dazu vorliegende Antrag der Regierungsparteien ist intern umstritten. Aus einem Entwurf wurde der Begriff Völkermord wieder herausgenommen. Offenbar fürchtet die Bundesregierung außenpolitischen Schaden mit der Türkei.

„Politik der Leugnung“

Auch nach Ansicht der Wissenschaftler wäre es ein Zugeständnis an die offizielle Position der türkischen Regierung, das Massaker vor 100 Jahren nicht als Völkermord anzuerkennen. „Es wäre eine Einwilligung in die Politik der Leugnung.“ Die Anerkennung sei eine Chance, nationalistische Geschichtsentwürfe und Weltanschauungen in der deutschen Migrationsgesellschaft zu überwinden. Die Bezeichnung als „systematische, intentional geplante und durchgeführte, somit also genozidale Vernichtungspolitik“ sei der einzige Weg, der Erinnerung und Forschung Raum zu geben, so die Wissenschaftler. Zahlreiche Parlamente, darunter das französische, schwedische und niederländische und das Europäische Parlament hätten den Völkermord an den Armeniern bereits benannt.

In der Diskussion rief der Sprecher des Außenministeriums, Martin Schäfer, dazu auf, das Ziel der Aussöhnung nicht aus dem Blick zu verlieren. Trotz aller unterschiedlichen Einschätzungen müsse ein gemeinsamer vernünftiger Weg in die Zukunft der betroffenen Völker gefunden werden, sagte Schäfer am Freitag in Berlin. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, dass sich an der Haltung der Bundesregierung nichts geändert habe.

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Written by lbucklitsch

April 18th, 2015 at 8:20 am