Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

FP| Streit um Stolpersteine erreicht Sachsen

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Schwere Zeiten für Gunter Demnig: München und Annaberg-Buchholz lassen den Künstler abblitzen. Der hält die Debatte für absurd.

Von Christoph Pengel

Johanngeorgenstadt. Nein, das ist kein Maurer bei der Arbeit. Es ist Gunter Demnig, 67 Jahre alt, Cowboy-Hut, Jeanshemd, rotes Halstuch – Schöpfer der Stolpersteine. Fünf davon verlegt er gestern, 9 Uhr, in Johanngeorgenstadt. Mit Hammer, Spachtel, Wasser und Zement. Nun glänzen die Namen der jüdischen Familie Lewinsohn in der Sonne, eingraviert auf Messingplatten. Es ist Demnigs erster Termin an diesem Tag. Gegen 10 Uhr packt er das Werkzeug zurück in sein Auto, 30 Leute applaudieren – Anerkennung, die der Künstler gut gebrauchen kann. Denn sein Werk steht derzeit wieder in der Kritik: In Annaberg-Buchholz, seiner nächsten Station, braucht er Hammer und Spachtel gar nicht erst auszupacken.

Erneute Demütigung?

Seit 20 Jahren verlegt Demnig die Stolpersteine. Seine messingfarbene Spur zieht sich durch ganz Europa: mehr als 54.000 Steine an 1200 Orten in 19 Ländern. Die Mahnmale erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, an Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, politisch Verfolgte. Die Stolpersteine gelten als das größte dezentrale Denkmal Europas. Etliche Preise hat Demnig dafür bekommen.

Auch die Stadt Annaberg-Buchholz hatte vor einigen Monaten Stolpersteine bestellt, zum Gedenken an ihre jüdischen Bürger Hans und Hanns Heinrich Kaplan, die während der Nazi-Herrschaft als KZ-Häftlinge litten. Doch Anfang der Woche entschied sich Oberbürgermeister Rolf Schmidt gegen die Verlegung – auf Wunsch der Nachfahren. Laut Stadtverwaltung sehen die Kaplan-Angehörigen keine Würdigung darin, die Namen ihrer toten Verwandten auf dem Fußweg zu platzieren. Vielmehr handle es sich um eine „erneute Demütigung“.

Die Kaplan-Nachfahren berufen sich dabei auf Argumente der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern. Deren Präsidentin Charlotte Knobloch findet es „unerträglich“, wenn auf den Namen ermordeter Juden „herumgetreten“ werde. In München währt der Streit um die Verlegung schon mehr als zehn Jahre. Erst am Mittwoch sprach sich der Stadtrat erneut gegen die Stolpersteine aus.

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Written by lbucklitsch

August 3rd, 2015 at 7:54 am