Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Radio Q| MICHA BRUMLIK ZUR EXZELLENZINITIATIVE

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Über 500 Millionen Euro mehr für die Exzellenzinitiative an deutschen Universitäten

Dieses Förderprogramm fußt auf einer Bund-Länder-Vereinbarung. Doch das Programm ist umstritten, denn Exzellenz-Auszeichnung scheint nicht immer direkt etwas Gutes zu sein. Nun haben einige 100 Wissenschaftler eine Online-Petition gegen die Exzellenzinitiative ins Leben gerufen – „Für gute Forschung und Lehre – Argumente gegen die Exzellenzinitiative„.

Kritik an der Exzellenzinitiative:

  • Exzellenzinitiative fördert zu wenig Universitäten
  • dadurch Schaden in der Breite der Lehre und Forschung
  • Nachteil für wissenschaftliches Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs
  • Hierarchisierung des Hochschulsystems
  • Trend zu „Pseudo-Märkten“ –> unnötige Dauerkonkurrenz der Wissenschaft, um staatliche Finanzierung

Einer der Unterzeichner ist Micha Brumlik. Im Interview mit Radio Q betont er unter Anderem den Nachteil für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Das gesamte Interview zum Nachhören:

Herr Brumlik, was ist in Ihrer Sicht so problematisch an der Forschungsförderung im Rahmen der Exzellenzinitiative?

Micha Brumlik: Problematisch ist, dass die großartigen Leistungen, die Wissenschaft und Forschung in der Breite bringen dadurch völlig übergangen werden. Einige wenige Universitäten werden dadurch bevorteilt und darüber hinaus wird die Lage des wissenschaftlichen Personals, des wissenschaftlichen Nachwuchses in keiner Weise verbessert, sondern im Gegenteil verschlechtert. Es kommt hinzu, dass sich durch die Auszeichnung einiger weniger Universitäten all jene Studierenden, die an anderen Universitäten studieren, später im beruflichen Konkurrenzkampf sich als relativ schlechter gestellt, vorkommen müssen.

Befürchten Sie also, dass die Exzellenzinitiativen in Zukunft erstmal wie die Gymnasien unter den Unversitäten sind und die restlichen Universitäten langsam ihren Stellenwert verlieren?

Micha Brumlik: Naja, das wäre noch schön. Die Gymnasien sind in manchen Bundesländern immer noch der beliebteste Schultyp. Das, was da künftig an Exzellenzuniversitäten ausgewiesen werden soll, ist viel viel geringer. Geringer als alles, was die Gymnasien jemals in den Bundesländern darstellen werden oder dargestellt haben.

Es sollen etwa acht bis elf Universitäten als Exzellenzuniversitäten ausgezeichnet werden. Bedeutet denn die Auszeichnung, dass diese dann mehr Geld bekommen und damit automatisch, dass die restlichen Universitäten einen wirtschaftlichen Schaden erleiden?

Micha Brumlik: Nein, die[se Universitäten] erleiden keinen Schaden. Aber der Abstand wächst. Und auch innerhalb des Wissenschaftssystems, dass ja grundsätzlich demokratisch ist (…), wird es dazu führen, dass die Forschung an anderen Universitäten, die nicht als exzellent ausgezeichnet sind, relativ in den Schatten treten [wird].

Auf ihrer Homepage schreiben Sie, dass der Diskurs der Exzellenz weitgehend „wissenschaftsfremd“ und „undemokratisch“ sei. Wieso?

Micha Brumlik: Er ist deswegen undemokratisch, da die Wissenschaft an sich demokratisch ist. Es geht ihr alleine um die Sache und nicht darum, wo etwas mit wie viel Geld institutionalisiert ist. Und man darf nicht vergessen, dass das, was dann als exzellent ausgezeichnet wird, vorallem Versprechungen sind. Versprechungen: Es werden Anträge gestellt, die dann von verschiedenen Organisationen befürwortet werden oder nicht. Was tatsächlich geleistet worden ist, geht dort nur in den seltensten Fällen ein.

Könnte man das noch umkehren und andere Forschungen fördern, sodass man nicht im Vorschuss das Geld verteilt, sondern einfach für gute Forschung?

Micha Brumlik: Das wäre mit Sicherheit eine Möglichkeit. Und die andere Möglichkeit wäre, dass (…) der Bund sich dazu bekennt, dass Lehre und Forschung auch in der Breite betrieben wird. Und dass dann dort einzelne Forschungsabteilungen oder auch Abteilungen für eine universitäre Lehre ausgezeichnet werden. Aber nicht so, dass das an einigen Universitäten zusammengeballt kumuliert werden soll.

Ihre Petition soll dazu beitragen, dass die Exzellenzinitiative verändert wird. Wie sieht das Ihrer Einschätzung nach aus? Klappt das, haben Sie da Hoffnung?

Micha Brumlik: Geringe Hoffnung. Die Petition wird mit Sicherheit von den Wissenschaftspolitikern aller Parteien gelesen werden. Und da es jetzt noch eine weitere parlamentarische Befassung geben wird, kann ich mir durchaus vorstellen, dass das ein oder andere Argument Eindruck macht. Und vielleicht zu einem gewissen Umsteuern jedenfalls derart führt, dass auch die Forschung in der Breite und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Breite ernster genommen werden.

Dieses Interview führte Benedikt Wischer.

Quelle: Q-Radio

Written by lbucklitsch

Mai 3rd, 2016 at 5:20 am