Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Luther’ tag

DIFFUSE ÄNGSTE ODER BLINDER HASS? – LUTHER UND DIE JUDEN

without comments

Wann? 12.11.2015 19:00 Uhr

Wo? Logensaal in den Hamburger Kammerspielen, Hartungstraße 9, 20146 Hamburg

Hamburg: Logensaal in den Hamburger Kammerspielen | Ein Abend im Rahmen der „Martinstage“, des Hamburger Luther-Lesefestivals.
Es diskutieren:

  • die Kirchenhistoriker Dorothea Wendebourg und
  • Thomas Kaufmann sowie
  • der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.

Der Schauspieler Siegfried W. Kernen liest aus Originalschriften.
Moderation: Claus Röck.
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit NDR Kultur.

Zu den problematischsten Seiten des Reformators Martin Luther zählt sein Verhältnis zu den Juden. In seinem Text „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ aus dem Jahr 1523 spricht er sich noch für deren bedingungslose Duldung aus.
Zwanzig Jahre später verfasst der alternde Luther seine berüchtigte Hetzschrift „Von den Juden und ihren Lügen“.
Woher kommt dieser Wandel, welche Wurzeln und welche Folgen hat Luthers Antisemitismus?

Written by lbucklitsch

November 6th, 2015 at 3:11 pm

Kritisches Erinnern

without comments

Reformation

Entsprechend war es nur konsequent, dass ein thüringischer Landesbischof es hoch bedeutsam fand, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, also Luthers Geburtstag, Deutschlands Synagogen brannten. Ebenso wie es schlüssig war, dass der antisemitische Hetzjournalist Julius Streicher in Nürnberg aussagte, dass an seiner Stelle Martin Luther vor dem internationalen Militärtribunal hätte stehen sollen.

29.10.2015 – von Micha Brumlik

Anders jedoch, wenn es nicht ums Gedenken, sondern um das »Kritische Erinnern«, also um gesellschaftliche Formen der aufklärenden Vergegenwärtigung von Vergangenheit geht, ihrer Strukturen, ihrer Personen, ihrer Möglichkeiten und verpassten Chancen.

Blaupause Doctor, wem und wie sehr und ab wann genau Luthers 1543 erschienene Schrift Von living room Juden und ihren Lügen bekannt war, ist noch immer Gegenstand eines Streits unter Philologen. Kein Zweifel kann indes daran bestehen, dass diese Schrift – durch Ausnahme der Gaskammern – eine Blaupause all jener verbrecherischen Maßnahmen – von der Verbrennung von Synagogen über die Zwangsarbeit bis hin zur Vertreibung – enthält, die das nationalsozialistische Deutschland Europas Juden antat.

Auch der Publizist Saul Ascher, ein Zeitgenosse Heines und einer der schärfsten Kritiker des aufkommenden Antisemitismus, ein Mann, dessen Bücher von völkischen Studenten verbrannt wurden, lobte Luther.

Kein Zweifel: Im 19. Jahrhundert fand Martin Luther unter liberal und republikanisch gesonnenen Juden glühende Anhänger. »Aber dieser Martin Luther«, so Heinrich Heine in seiner Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, »gab uns nicht bloß die Freiheit der Bewegung, sondern auch das Mittel der Bewegung, dem Geist gab er nämlich einen Leib. Er gab dem Gedanken auch das Wort. Er schuf die deutsche Sprache.«

weiterlesen

Written by lbucklitsch

Oktober 29th, 2015 at 9:39 am