Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Palästina’ tag

JA| Ein Phänomen der Moderne

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Die Bildungsabteilung im Zentralrat lud zur Diskussion über Fundamentalismus in den Weltreligionen

16.06.2016 – von Barbara Goldberg

Was ist das für ein Phänomen?« Micha Brumlik sprach an, was für die meisten alltägliche Realität geworden ist: die Angst vor islamistisch fundierten Terroranschlägen und die enorme Aufrüstung der Sicherheitskräfte, um dieser Bedrohung zu begegnen. »90.000 Polizisten sind jetzt bei der EM in Frankreich im Einsatz, und wir nehmen das als ganz selbstverständlich hin.« Ja, wie lässt sich erklären, dass fundamentalistische Weltbilder diese große Faszination auf viele Menschen ausüben und ihnen häufig sogar als moralische Rechtfertigung dienen, andere zu töten?

Antworten auf diese Fragen sollte das dreitägige Symposium finden, zu dem die Bildungsabteilung im Zentralrat in der vergangenen Woche ins Frankfurter Gemeindezentrum geladen hatte, und zwar gerade nicht auf den Islamismus beschränkt, auch wenn die Auseinandersetzung mit diesem die Vorträge, Workshops und Gespräche am Ende doch dominierte. Wie Micha Brumlik, emeritierter Erziehungswissenschaftler an der Frankfurter Goethe-Universität, in seinem Vortrag schilderte, lassen sich aber auch im Judentum fundamentalistische Tendenzen beobachten. Allerdings spielen diese seiner Meinung nach außerhalb Israels weder eine politische Rolle noch stellten sie ein friedensgefährdendes Problem dar.

Das Absurde ist, dass dieselben biblischen Quellen zu zwei komplett entgegengesetzten radikalen Strömungen innerhalb der jüdischen Orthodoxie geführt haben: Während die radikalen Siedler der Gruppe »Gusch Emunim« glauben, Ostjerusalem, Hebron und das Westjordanland seien genau jene Teile des Heiligen Landes, die Gott seinem auserwählten Volk verheißen habe, lehnen die Satmarer Chassidim den Staat Israel ab und solidarisieren sich mit der arabischen Bevölkerung in Palästina.

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Anti-Israel-Demos: „tief verwurzelter“ Juden-Hass explodiert

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Gewaltübergriffe, Hasspredigten, Selbstverbrennungen – der Nahost-Konflikt hat Deutschland erreicht. Beobachter sind besorgt: Die Ausschreitungen bei mehreren Gaza-Protesten in den vergangenen Tagen seien Ausdruck eines in Deutschland tief verwurzelten Antisemitismus. Der israelische Botschafter fürchtet „unschuldiges Blutvergießen“.

In mehreren deutschen Städten haben in den vergangenen Tagen tausende Menschen gegen die israelische Militäraktion im Gazastreifen demonstriert. In Hannover, Göttingen und Essen attackierten Protestanten pro-israelische Gegendemonstranten. Auf mehreren Kundgebungen wurden antisemitische Parolen gerufen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagiert „schockiert“ auf die „Explosion an bösem und gewaltbereitem Judenhass“. Man habe es „im Leben nicht für möglich gehalten, dass auf deutschen Straßen antisemitische Aufrufe der übelsten und primitivsten Art skandiert werden“, so Zentralrats-Präsident Dieter Graumann.

Besonders in der Hauptstadt überschlagen sich die Ereignisse in diesen Tagen. Vor der israelischen Botschaft skandierten Demonstranten etliche Male: „Jude, Jude, feiges Schwein – komm heraus und kämpf‘ allein.“ Die Polizei erklärte die Parole erst am heutigen Dienstag als verboten. Man werde einschreiten, falls gegen diese Auflage verstoßen werde, so ein Polizeisprecher in Berlin.

In der Nacht zum Dienstag versuchte ein Mann, sich vor der israelischen Botschaft selbst anzuzünden. In der Al-Nur-Moschee im Stadtteil Neukölln bezeichnete am Wochenende ein Imam Juden als „Schlächter des Propheten“. Auf der Straße Unter den Linden wurde ein Mann von pro-palästinensischen Demonstranten attackiert, der eine Kippa trägt. Vereinzelte Demonstranten rufen „Scheiß Juden, wir kriegen Euch“. Der Betroffene konnte fliehen, geschützt von Ordnern und Polizisten.

Bundesregierung: Hassparolen sind „absolut unerträglich“

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilt die antisemitischen Äußerungen, Demonstrationen und Übergriffe der letzten Tage. „Nichts, einschließlich der dramatischen militärischen Konfrontation in Gaza, rechtfertigt ein solches Handeln bei uns in Europa“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius und der italienischen Außenministerin Federica Mogherini.

Auch Bundes-Justizminister Heiko Maas (SPD) rügt die Ausschreitungen: „Judenfeindliche Hassparolen sind absolut unerträglich und durch nichts zu entschuldigen“, sagt Maas in Berlin. „Antisemitismus darf in Deutschland nie wieder eine Bühne bekommen. Antisemitische Töne bei Demonstrationen in Deutschland dürfen wir nicht akzeptieren.“

Einen solch aggressiven und offenen Hass gegenüber Juden habe es auf deutschen Straßen seit dem Dritten Reich nicht mehr gegeben, erklärt Micha Brumlik, Senior Professor am Zentrum für Jüdische Studien, im Gespräch mit EurActiv.de. „Diese antisemitischen Ausbrüche wurden nicht durch den Gaza-Krieg verursacht. Sowohl in Frankreich als auch Deutschland leben immer mehr junge Migranten aus muslimischen Herkunftsländern. Die sind häufig nicht vollständig in der Gesellschaft integriert und drücken jetzt ihre allgemeine Wut aus“, so Brumlik.

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Written by lbucklitsch

Juli 22nd, 2014 at 7:01 pm