Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

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Studie: Antisemitismus in der Schule

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Studie: Antisemitismus in der Schule

Wie verbreitet ist Antisemitismus an Schulen in Deutschland? Wie nehmen ihn Betroffene wahr? Und was können Lehrer und Pädagogen gegen Anfeindungen tun? Diese Fragen behandelt eine aktuelle Studie der Sozialwissenschaftlerin Julia Bernstein. Sie ist die erste Erhebung zu Antisemitismus im schulischen Bereich, die die Perspektive von Betroffenen in den Vordergrund stellt. Der MEDIENDIENST hatte Julia Bernstein vor der Veröffentlichung der Studie zu den wichtigsten Ergebnissen interviewt.

“Lehrer erkennen Antisemitismus oft nicht”

Immer wieder kommt es an Schulen zu antisemitischen Übergriffen. Die Soziologin Julia Bernstein hat in einer unveröffentlichten Studie jüdische Schüler, Eltern und Lehrer befragt. Im Interview mit dem MEDIENDIENST erklärt sie, warum Lehrer bei antisemitischen Vorfällen so selten einschreiten.

MEDIENDIENST: Wie äußert sich Antisemitismus in der Schule?

Julia Bernstein: “Du Jude” als Schimpfwort ist in allen Schulformen sehr verbreitet. Davon haben die meisten der rund 220 Befragten in unserer Studie berichtet. Das zeigt sich an Sätzen wie “Mach doch keine Judenaktion!” oder “Sei doch nicht so jüdisch!”. Es gibt eine ganze Reihe solcher Schimpfwörter, die das Judentum als Stigma benutzen. Lehrkräfte halten das hingegen oft für kindlichen Unfug. Sie bagatellisieren solche Äußerungen und unterbinden sie deshalb häufig nicht. Grundsätzlich zeigt sich: Lehrer erkennen Antisemitismus oft nicht.

Haben Sie weitere Formen des Antisemitismus in der Schule beobachtet?

Die Betroffenen haben sehr oft von Hakenkreuzen und Hitlergrüßen berichtet. Es gibt viele solcher Beispiele, die wir als Echo aus der Nazi-Zeit bezeichnen. So haben Befragte uns davon erzählt, dass Schüler aus Büroklammern Hakenkreuze zusammensetzen. Ein Interviewpartner hat ein sogenanntes Ausschwitz-Spiel geschildert. Da zeigt sich eine Enthemmung. Das Ausmaß hat mich überrascht. Für Juden ist das sehr verletzend. Wenn sie sich beschweren beziehungsweise fordern, dass Vorfälle klar als Antisemitismus benannt werden, hören sie aber oft, sie sollen nicht übertreiben, das sei nicht antisemitisch oder nazistisch gemeint.

Welche Rolle spielt israelbezogener Antisemitismus?

Er kommt sehr oft vor. Besonders stark äußert er sich, wenn Konflikte in Israel eskalieren. Jüdische Schüler werden zu Vertretern des Staates Israel gemacht, beschimpft oder ausgeschlossen. Diese Form ist bei allen gesellschaftlichen Gruppen verbreitet und sagt viel über die eigene kollektive Identität der Sprecher aus. Bei deutschen Menschen ohne Migrationshintergrund handelt es sich oft um den sogenannten sekundären Antisemitismus. Er zeigt sich etwa an einer Täter-Opfer-Umkehr. Damit wird die deutsche Identität geschichtlich entlastet. Antisemitisch eingestellte muslimische Jugendliche projizieren wiederum ihre eigenen Rassismuserfahrungen und ihre Identität als Minderheit in Deutschland auf diesen Konflikt. Und das, obwohl viele von ihnen nicht aus Israel oder Palästina kommen, sondern zum Beispiel aus Syrien oder dem Irak.

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Written by lbucklitsch

Dezember 14th, 2018 at 8:13 am

MIGAZIN| Für einen Moment ein jüdischer Junge sein

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JUDENTUM BEGREIFEN

Für einen Moment ein jüdischer Junge sein

„Viele kennen heutzutage aus dem Alltag keine jüdischen Menschen mehr“, sagt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Osnabrück. Das Schulprojekt “Judentum begreifen” steuert diesem Umstand entgegen – Martina Schwager war dabei.

 Für einen Moment ein jüdischer Junge sein

Jüdisches Kind © James Emery auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Jan setzt sich eine Kippa auf den Kopf und hängt sich den Gebetsschal um. Aufmerksam verfolgt der Zehnjährige, wie der jüdische Künstler Sasha Ginsburg ihm den Tefillin, den Gebetsriemen, um den Arm bindet. „Da bin ich ja jetzt ein richtiger jüdischer Junge“, sagt er und strahlt. Der 55-jährige Ginsburg vermittelt an diesem Vormittag den Fünftklässlern im Greselius-Gymnasium in Bramsche bei Osnabrück seine Kultur und Religion. „Judentum begreifen“ nennt sich das Projekt.

Träger der Initiative war zunächst die Osnabrücker Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, seit zwei Jahren ist es der Verein „Projekt Judentum begreifen“. Seit 2007 gehen Juden in die 4. Klassen und in weiterführende Schulen in den Regionen Osnabrück und Emsland und gestalten dort mit einer Klasse einen Projekttag. Begleitet werden sie vom Initiator und Leiter des Projekts, Aloys Lögering. Der 71-Jährige ist Katholik…..

…..Dem jüdischen Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik zufolge könnte das Projekt Vorbild für weitere Initiativen sein. Er beobachtet seit einigen Jahren, dass „das kulturelle Wissen um die Bedeutung der Religionen dahinschwindet“. Für eine multikulturelle Migrationsgesellschaft wie Deutschland sei es wichtig, dass jeder die Religion und Kultur des anderen kenne. Würden solche Projekte über Jahre in die Stundenpläne integriert, könnten sie auch dem derzeit wieder aufbrechenden Antisemitismus entgegenwirken.

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Written by lbucklitsch

August 4th, 2014 at 11:18 am