Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

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Unpolitische Studenten: „Entpolitisierung ist beabsichtigter Effekt der Hochschulpolitik“

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Nach der Bologna-Reform bleibt Studenten kaum Zeit für Engagement neben dem Studium – Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik sieht darin die Hauptursache für deren scheinbar gesunkenes Interesse an der Politik

Von Alexander R. Wenisch

Nach der Bologna-Reform bleibt Studenten kaum Zeit für Engagement neben dem Studium. Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik sieht darin die Hauptursache für deren scheinbar gesunkenes Interesse an der Politik. Micha Brumlik (66) lehrte von 1981 bis 2000 Erziehungswissenschaft an der Uni Heidelberg, war anschließend bis zur Emeritierung 2013 Professor an der Goethe-Uni in Frankfurt/Main. Heute ist Brumlik (Foto: dpa) als Publizist tätig.


So wenige Studenten wie noch nie interessieren sich für Politik – hat Sie das überrascht?

Nein, weil ich mir die Entwicklung erklären kann.

Was ist Ihre Erkenntnis?

Die Entpolitisierung ist einerseits ein beabsichtigter Effekt der Hochschulpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Andererseits Konsequenz aus den vielen Medienberichten, die sagen, die heutige junge Generation wird den Lebensstandard ihrer Eltern nicht halten können.

Also eine Generation der Ich-AGs?

Ja. Die Studenten haben ihre Karriere im Blick. Wobei man ihnen diese Haltung nicht anlasten kann.

Wo sehen Sie den Zusammenhang zur gegenwärtigen Hochschulpolitik?

Im Zuge der Bologna-Reformen wurde das Studium bürokratisiert, erheblich verschult und gestrafft. Den jungen Leuten bleibt da kaum noch Zeit links und rechts des Hörsaals quasi eigenständige Lernerfahrungen zu machen – schon gar nicht, sich politisch zu engagieren.

Ein gewollter Prozess, um Studentenproteste zu verhindern?

Nein, das ist mir zu verschwörungstheoretisch.

Politik ist ihnen zu komplex, sagen viele der Befragten.

Von jungen Erwachsenen, die an der Uni studieren, sollte man eigentlich etwas anderes erwarten. Aber auch das lässt sich erklären. Als ich in den 60ern und 70ern studiert habe, waren fünf Prozent eines Jahrgangs an der Hochschule. Im Zuge der Bildungsreformen wurde der Anteil deutlich angehoben; heute gehen fast 50 Prozent eines Jahrgangs an die Uni. Das ist natürlich positiv zu bewerten. Da sich aber weiterhin vor allem Studenten aus der bildungsbürgerlichen Schicht für Politik interessieren, ist klar, dass nun der Mehrheit an den Unis politische Zusammenhänge zu kompliziert sind.

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Written by lbucklitsch

November 1st, 2014 at 7:35 am