Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Syrische Christen’ tag

Berlin| 2.Juni 2015 – Zentrale Feier zum Gedenktag für die Opfer des Genozids an der aramäischsprachigen Gemeinschaft

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Dienstag, 2. Juni 2015
19:00 Uhr

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Breitscheidplatz, 10789 Berlin

2. Juni – Gedenktag

für die Opfer des Genozids an der aramäischsprachigen Gemeinschaft (Syrische Christen)

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Programm:

  • Begrüßung
  • Grußwort S.E. Mor Philoxenus Mattias Nayis
  • Grußwort S.E. Mar Odisho Oraham
  • Ansprache Prof. Dr. Dorothea Weltecke
  • Festrede Prof. Dr. Micha Brumlik

Der Völkermord an der aramäischsprachigen Ge­meinschaft (Syrische Christen) im Osmanischen
Reich in den Jahren 1915/16 vollzog sich parallel zum Völkermord an den Armeniern. Er findet allerdings
in der Politik. Kunst und Wissenschaft bis dato kaum Erwähnung. wobei er im kollektiven Gedächtnis der
Gemeinschaft als Sayfo, .Jahre des Schwertes‘; ein­geprägt ist. Im Zuge der Vernichtungen im Osmani­
sehen Reich wurden bis zu 300000 Aramäer er­mordet.

Als Beginn des Völkermords gilt der 24. April 1915. als die Jungtürken über 200 armenische Intellektu­elle. Politiker und Geistliche in Istanbul, damals noch Konstantinopel. festnahmen und größtenteils töten ließen. Es folgten Massaker und Deportationen in die nordsyrische Wüste. Diejenigen, die die Todes­märsche überlebten, starben an Hunger. Erschöp­fung und Krankheiten. Die Ideologie. die zu diesem Wahnsinn führte. richtete sich nicht allein gegen die Armenier. sondern gegen alle dortigen christlichen Bevölkerungsgruppen. Somit auch gegen die Syri­-schen Christen (Aramäer/Assyrer/Chaldäer). Am 24. April gedenken wir. die aramäischsprachige Ge­meinschaft. als eingeladene Gäste mit den Armeni­ern.des Genozids.

Die aramäischsprachige Gemeinschaft wird eigens am 2. [uni des Völkermords erinnern. An jenem Tag
erreichte die Vernichtung die Stadt Nisibis. welche im kollektiven Gedächtnis der Gemeinschaft als Ort
der Wissenschaft und Bildung gilt. Zum 100. Jahr des Genozids wird damit erstmals ein öffentlicher
Tag geschaffen. Der allein der tragischen Leidensge­schichte der aramäischsprachigen Gemeinschaft
gewidmet ist und mit spezifisch eigener Gedenktra­dition begangen wird. Ein fester Gedenktag wird
den Genozid in die öffentliche Wahrnehmung holen und ihn nicht länger als „vergessenen Genozid“ im
Dunkel lassen. wie ihn der französische Schriftsteller und Wissenschaftler Sebastien de Courtois be­
schreibt und die aramäischsprachige Gemeinschaft selbst empfindet.

Dabei geht es darum. das Wissen um die Ursachen. Prozesse und Folgen der Gewalt als historisch und politisch wichtiges Wissen zu bewahren und zu schützen. Dies ist nicht zuletzt mit der Hoffnung ver­bunden. über Erinnerung zur Versöhnung beitragen zu können und Wunden schließen zu können.

Das aramäische Erinnern braucht heute aber eine Ermutigung. In dem Reden von „globalem“ und „eu­ropäischem Erinnern“ dürfen die Opfer selbst nicht vergessen und die Auseinandersetzung mit der Leugnung des Völkermordes nicht gescheut werden. Auch die aramäische Erfahrung bedarf eines Ortes in der europäischen Erinnerungskultur. Nicht zuletzt ist dies auch ein Prüfstein für die Erinnerungspolitik Deutschlands und für die Glaubwürdigkeit des nach dem Holocaust gefundenen Konsenses. dass weder die Leugnung noch die Relativierung eines Völker­mords geduldet werden darf.

Sehr herzlich möchten wir Sie zur zentralen Feier des Gedenktags einladen.

Written by lbucklitsch

Mai 28th, 2015 at 4:16 pm