Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

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JA| Ein deutscher Antiheld

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Die Historikerin Mirjam Zadoff stellte ihre Biografie über Werner Scholem in der IKG vor

»Innere Zerrissenheit«: Scholem-Biografin Mirjam Zadoff

© Helmut Reister

Die 91 Jahre sieht man ihr beileibe nicht an. Renee Goddard sitzt im Hubert-Burda-Saal des Jüdischen Gemeindezentrums in der ersten Reihe und muss einen Augenblick lang überlegen, bis ihr das deutsche Wort Gefängnis einfällt. Im »Prison« habe sie ihren Vater Werner Scholem zum letzten Mal gesehen, erinnert sie sich.

Um ihn, den deutschen Antihelden in der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, der im KZ Buchenwald von den Nazis ermordet wurde, drehte sich an diesem Abend in der IKG alles. Die Historikerin Mirjam Zadoff, die in München promoviert wurde und jetzt Professorin für Jüdische Studien an der Indiana University Bloomington ist, stellte ihre Biografie Der rote Hiob über Werner Scholem vor.

AMBIVALENT Renee, oder Renate, wie die jüngere seiner beiden Töchter eigentlich heißt, war zusammen mit ihrem Mann Hanno Fry eigens aus dem Süden Englands nach München angereist. »Daran erkennt man«, sagte IKG-Kulturchefin Ellen Presser in ihrer Begrüßung, »wie wichtig das Buch über ihren Vater, den sie nie richtig kennenlernen durfte, für sie ist«. Daran ändert auch die ambivalente Gefühlslage nichts, die ihr Mann offen anspricht: »Wir sind keine Engländer, wir fühlen uns aber auch nicht als Deutsche. Daran hindert uns die Geschichte Deutschlands.«

München, das das Ehepaar vor fünf Jahren zum letzten Mal besuchte, genießt dessen ungeachtet für beide einen besonderen Stellenwert. Hier haben sie nach dem Holocaust etliche Jahre ihres Lebens verbracht. Hanno Fry arbeitete in den 70er- und 80er-Jahren in der Raumfahrtindustrie. Die schlechten Arbeitsmöglichkeiten in Großbritannien trieben ihn nach München. »Ich wusste wirklich nicht, ob ich mit dieser Situation jemals zurechtkommen werde, ob ich einen Tag, eine Woche oder einen Monat bleiben würde. Am Ende wurden es 18 Jahre«, erinnerte er sich an diesen Schritt.

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Written by lbucklitsch

Dezember 4th, 2014 at 7:06 am