Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘#ZentralratderJuden’ tag

TAZ| Nationalisten? Verfassungspatrioten!

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von Micha Brumlik

Sind Militärrabiner in der Bundeswehr ein Rückschritt? Nein, was der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert, ist im Sinne des Grundgesetzes.

Manche mögen es befremdlich finden, dass ausgerechnet der Zentralrat der Juden in Deutschland derzeit vehement fordert, in der Bundeswehr mit ihren gerade einmal dreihundert jüdischen Soldaten Militärrabbiner einzustellen. Also auch hier neuer Nationalismus? Im Gegenteil! Geht es doch gerade darum, Verfassungspatriotismus zu fördern.

Wie heißt es doch im ersten Artikel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Hier ist von der Würde des Menschen, und das heißt aller Menschen, die Rede – und eben nicht: der Würde des Deutschen.

Tatsächlich ist es nicht zuletzt eine jüdische Erfahrung, die sich darin niederschlägt. So wird in des italienisch-jüdischen Chemikers Primo Levi kristallklarem Bericht über seine Lagerhaft in Auschwitz den Erfahrungen absoluter Entwürdigung Rechnung getragen: „Mensch ist“, so notiert Levi für den 26. Januar 1944, einen Tag vor der Befreiung des Lagers „wer tötet, wer Unrecht zufügt oder erleidet; kein Mensch ist, wer jede Zurückhaltung verloren hat und sein Bett mit einem Leichnam teilt. Und wer darauf gewartet hat, bis sein Nachbar mit Sterben zu Ende ist, damit er ihm ein Viertel Brot abnehmen kann, der ist, wenngleich ohne Schuld, vom Vorbild des denkenden Menschen weiter entfernt als … der grausamste Sadist.“

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Written by lbucklitsch

März 6th, 2019 at 9:49 am

Deutschlandradio Kultur| Kritik am Zentralrat der Juden: Zweifel an gerechter Verteilung von Fördergeldern

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Von Thomas Klatt

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Mehr als 200.000 Juden leben zurzeit in Deutschland, aber nur die Hälfte von ihnen ist in jüdischen Gemeinden organisiert. Sie werden vom Zentralrat der Juden vertreten und gefördert. Andere jüdische Strömungen gehen dabei zu Unrecht leer aus, meinen Kritiker.

Brumlik: “Wenn der Zentralrat sich insgesamt selbst bei der Vergabe seiner Mittel pluralistischer verhalten hätte wäre diese Initiative überflüssig geworden, dass eine Bundesstiftung gegründet wird, die dann Mittel hat, um ganz unterschiedliche jüdische Institutionen und Organisationen, die nicht direkt dem Zentralrat untergeordnet sind, zu finanzieren.”

Der emeritierte jüdische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik ist dafür, dass die Bundesmittel, die dem Zentralrat der Juden jährlich zur Verfügung stehen, neu verteilt werden. Er denkt an eine neu zu gründende Bundesstiftung “Judentum in Vielfalt”. Brumlik ist Vorsitzender des Beirats des jüdischen Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerkes. Das hat derzeit 350 Stipendiaten, erhält aber kaum Zuschüsse vom Zentralrat. Das müsse sich jetzt ändern.

Brumlik: “Man muss ja bedenken, dass andere Studienwerke konfessioneller Art wie das Cusanus-Werk, das wird von der Deutschen Bischofskonferenz getragen, das evangelische Studienwerk Villigst von der EKD. Dass sich der Zentralrat, was die Förderung des Studienwerkes angeht, nicht nur großzügig, sondern in gleicher Weise ausreichend verhält wie das die Bischofskonferenz und die EKD tut mit ihren Studienwerken.”

Rabbiner Homolka: Viele jüdische Strömungen durch Zentralrat nicht vertreten

Bislang erhält der Zentralrat der Juden als Dachverband der Jüdischen Gemeinden rund 10 Millionen Euro Bundesmittel jährlich für Bildung, Kultur und die Integration jüdischer Einwanderer. Doch nun hat der Potsdamer Rabbiner Walter Homolka für die Konrad Adenauer Stiftung einen Beitrag geschrieben: “Pluralisierung – Chance und Herausforderung. Zur Situation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.” Darin erklärt er, dass es inzwischen viele jüdische Strömungen und Einrichtungen in der Gesellschaft gebe, die durch den Zentralrat gar nicht mehr vertreten seien, während die Gemeinden schrumpften. Walter Homolka:

“Die Zuwanderung ist seit 2005 im Grunde zum Erliegen gekommen. Die Gemeinden werden jetzt auch wieder langsam kleiner, und darauf hat ja vor allem eine Studie des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam hingewiesen, dass auch die Zahl der Gemeinden schrumpfen wird, weil die jungen Leute aus den kleinen Städten und Dörfern, aus dem ländlichen Raum wegziehen und dann später in den größeren Ballungsräumen hängen bleiben. Julius Schoeps spricht mittelfristig nur noch von 20 großen jüdischen Gemeinden, augenblicklich haben wir über 120. Da bewegt sich ne Menge. Da darf nicht übersehen werden, dass diese jüdische Zivilgesellschaft auch Förderung braucht, sonst ist das einseitig nur in den jüdischen Gemeinden.”

Written by lbucklitsch

Dezember 9th, 2016 at 9:26 pm