Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

TAZ| Flüchtlinge und Holocaustgedenken: Das Trauma am Ende der Treppe

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Museen und Gedenkstätten suchen nach neuen Wegen, um Flüchtlinge über Nationalsozialismus und Holocaust zu informieren.

BERLIN taz | Die Luft staut sich, die Zellenwände drücken. Die Gedenkstätte des Gestapo-Gefängnisses Köln katapultiert die Gräuel der NS-Zeit ins Jetzt – und den jungen Flüchtling zurück in den Krieg. Unvermittelt rastet er aus. Stürzt nach vorne. Sein Kopf prallt gegen eine Wand. Fest muss ihn ein Mann umklammern, bis er sich wieder beruhigt.

Die beklemmende Enge hat den jungen Asylbewerber in sein eigenes Trauma zurückgeworfen, als er mit seiner Berufsschulklasse das NS-Dokumentationszentrum in Köln besucht und die steile Treppe in das ehemalige Gefängnis hinabsteigt.

„Niemand war darauf vorbereitet“, sagt Barbara Kirschbaum, Leiterin der Bildungsarbeit in der Gedenkstätte. Ihre Einrichtung sei daher „sehr zurückhaltend“, wenn es darum geht, die dortige Geschichte an Flüchtlinge zu vermitteln, die noch nicht lange hier sind. Es sei wichtig, vorab viel zu besprechen. „Und eventuell wird man die Gedenkstätte rauslassen.“ Denn egal, wie gut die Vorbereitung auch sei: Am Ende der Treppe überfalle manche wieder die Erinnerung an die eigenen traumatischen Erlebnisse, sagt Kirschbaum.

Solche Erfahrungen zeigen, vor welche Herausforderungen die Museen und Gedenkstätten sich derzeit gestellt sehen – vor allem, wenn Integration von Geflüchteten in Deutschland nicht nur Spracherwerb und Arbeit bedeutet, sondern auch das Verständnis der deutschen Geschichte einschließen soll.

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Written by lbucklitsch

Januar 28th, 2016 at 4:10 am