Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

TAZ| Neues Buch von Leonhard Horowski: Fragen eines denkenden Lesers

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von Micha Brumlik

„Das Europa der Könige“ ist heißer Anwärter auf den Preis der Leipziger Buchmesse. Es zeigt die Rolle von Mätressen an europäischen Höfen.

In einer Zeit, in der in den Demokratien wieder einmal, skeptisch betrachtet, Autokraten die Macht übernehmen sowie Protz und Glanz zu politischen Insignien werden, darf ein Buch über eine nur noch für die Klatschpresse interessante Situation, die Monarchie, mit gesteigertem Interesse rechnen.

Am Freitag erscheint ein Buch des Historikers Leonhard Horowski, das in jeder Hinsicht das Etikett eines „Prachtbandes“ verdient. Und das nicht nur deshalb, weil sein Werk, „Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts“, 1.200 Seiten unterhaltsamster Historie umfasst, sondern auch, weil der Band insgesamt 32 in bester Farbtreue gehaltene Bildtafeln enthält.

Diese können das, worum es geht, nämlich Pracht, aber auch Schönheit und Ernst einer Epoche besser verständlich machen als mancher Text. Nicht zuletzt unterhält dieser Band auch durch die in ihm reichhaltig verwerteten „Ego-Dokumente“: Memoiren oder Autobiografien.

Gemeinhin wird das Verfassen von Autobiografien als eine vor allem bürgerliche Verhaltensweise, als Ausdruck einer gesteigerten Empfindsamkeit von Männern und Frauen – beginnend mit Rousseau – angesehen. Horowski kann darauf verweisen, dass diese literarische Gattung eine Ausdrucksform adliger Kreise in sämtlichen europäischen Ländern gewesen ist. Die verwendeten Quellen selbst stellen dabei keineswegs nur als solche gewollte Selbstzeugnisse dar, sondern liegen auch in Form von Briefen, Tagebucheintragungen sowie kritischen Glossen vor.

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Written by lbucklitsch

März 11th, 2017 at 11:53 am