Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

TAZ| Zuflucht und Gefahr

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Gemessen am Schrecken des islamistischen Terrors, der Hunderttausenden von Toten und Millionen Flüchtlinge der Kriege in Syrien und im Irak, erscheinen Israel und Palästina als Inseln der Seligen in einem Ozean von Unglück und Verderben.

Das gilt allerdings nur für eine „objektive“ Betrachtungsweise, nicht für die mentale Verfasstheit westlicher Gesellschaften, zumal Deutschlands und Österreichs mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Und zwar deswegen nicht, weil der Staat Israel nach eigenem Selbstverständnis ein jüdischer Staat ist und darauf dringt, es zu bleiben und als solcher anerkannt zu werden. In dieser Rolle zieht er immer wieder – zuletzt den Protest auf deutschen Straßen während des Gazakriegs – als „Jude unter den Staaten“ (Léon Poliakov) antisemitische Projektionen und Handlungen auf sich.

Dieser Problematik geht der in Wien lehrende Politikwissenschaftler Stephan Grigat seit Jahren nach: Soeben sind einige seiner eindringlichsten Arbeiten als Buch erschienen. Was Grigats Studien von anderen Beiträgen der „Antideutschen“ unterscheidet, ist nicht nur die Genauigkeit und Nüchternheit seiner Argumentation, sondern auch die vorzügliche historische Kenntnis, mit der er sich innerjüdischen Debatten, nicht zuletzt der Kritik jüdischer und israelischer Linker an Zionismus und israelischer Politik, stellt.

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Written by lbucklitsch

März 23rd, 2015 at 5:08 am