Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Tück: Religionen können Wahrheitsanspruch nicht aufgeben

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Hochkarätige Wiener Fachtagung endete am Freitagabend mit Plädoyer zu einem Religionsdialog mit Lessing über Lessing hinaus – Friedensgebete in Assisi sind Fortschreibung des Konzils

11.04.2015

Mit einem Plädoyer, den interreligiösen Religionsdialog als Friedensdialog zu intensivieren, ohne den je eigenen Wahrheitsanspruch aufzugeben, endete am Freitagabend in Wien eine internationale Tagung über Lessings Ringparabel. Der Wiener Dogmatiker und Tagungsinitiator Jan-Heiner Tück zeigte in seinem Abschlussvortrag auf, dass ein solcher Dialog durchaus zentrale und heute aktuelle Motive aus Lessings Ringparabel aufgreifen könne, aber doch darüber hinaus gehen müsse: Eine Verflüssigung des Wahrheitsanspruchs in einen moralischen Wettstreit oder in eine „performative Theologie“, wie sie der Ägyptologe Jan Assmann am Vorabend empfohlen hatte, sei nur bedingt hilfreich und greife zu kurz, so Tück.

 

Wo Lessing mit seiner Ringparabel Partei gegen „eingefleischte Vorurteile und doktrinale Ignoranz“ ergreife ohne die religiösen Eigenheiten aufzugeben, wo er für Toleranz gegenüber Andersgläubigen werbe, eine kritische Infragestellung der eigenen Religion empfehle, könne man in Papst Franziskus durchaus einen würdigen Verfechter Lessings sehen. Schließlich trete auch Franziskus dafür ein, „Vorurteile und negative Stereotypen über andere Religionen abzubauen“, „Juden und Muslime in ihrem Selbstverständnis ernst zu nehmen“ und „die Schatten der christlichen Schuldgeschichte selbstkritisch aufzuarbeiten“, so Tück.

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Written by lbucklitsch

April 12th, 2015 at 7:59 am