Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

TAZ| Sammelwerk „Handbook of Israel“ – Neue Referenzgröße

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Wissenschaftle­rInnen analysieren im „Handbook of Israel“ den israelischen Staat. Es hat das Zeug zu einem neuem Standardwerk.

Nach wie vor sorgt der Israel-Palästina-Konflikt – die nun einhundertjährige Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern um ein Territorium, das etwa so groß ist wie Südhessen – für Beunruhigung, zumal in Deutschland. Debatten um die sogenannte Israelkritik, um Lehrbeauftragte, die sich antiisraelisch äußern, sowie um die Zulässigkeit der Boykottbewegung gegen Israel erregen fast täglich die Gemüter.

Allerdings: Im Vergleich zu der halben Million Toten und den etwa 4 Millionen Flüchtlingen, die der syrische Bürgerkrieg in nur sechs Jahren forderte und die hier niemanden auf die Barrikaden getrieben haben, verblasst die Zahl von etwa 700.000 geflohenen und vertriebenen Arabern sowie von einigen tausend gefallenen Soldaten auf israelischer und arabischer Seite.

Das ändert freilich ob der deutschen Verantwortung für die Ermordung von sechs Millionen europäischer Juden nichts an dem moralischen Gewicht dieser Frage. Um sich ein auch nur halbwegs begründetes Urteil bilden zu können, sind daher theoretische Kenntnisse, gesicherte historische Informationen sowie begründete Einsichten unerlässlich.

 

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Juni 22nd, 2017 at 10:37 am

Micha Brumlik| VORTRAG/DISKUSSION: Apokalyptischer Populismus

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Trumps stärkste Waffe ist ein „apokalyptischer Populismus“. Dessen Anhänger wollen den Rechtsstaat, seine Institutionen, das „Establishment“ abschaffen. Die Politikwissenschaftlerin Wendy Brown diskutiert mit Ulrike Guérot und Micha Brumlik.

Moderation: Mathias Greffrath.

Wendy Brown: Demokratie unter Beschuss:

Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10,

28. 6., 19 Uhr,

Eintritt frei

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Juni 22nd, 2017 at 10:34 am

Antisemitismus in Europa – ARTE 2017

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Bislang weigert sich ARTE diese Doku zu senden. Nun wird sie von der ARD gesendet.

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Juni 17th, 2017 at 7:07 pm

Deutschlandfunk| Debatte um Berliner „Werteinitiative“Jüdische Wahlbausteine“

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Juden sehen sich in Deutschland zunehmend antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Mit einer „Werteinitiative“ wollen einige jüdische Deutsche jetzt ihre Positionen in die Politik tragen. Doch nicht alle jüdischen Mitbürger stehen hinter der Initiave.

Von Jens Rosbach

Elio Adler schlägt Alarm. Nach Ansicht des Berliner Juden hat in den vergangenen Jahren der Antisemitismus stark zugenommen, vor allem der Antisemitismus durch Migranten:

„Einfaches Beispiel: Mein Sohn hat ein Davidsternkettchen. Ich als Kind habe das stolz getragen Anfang der 80er Jahre. Meine Eltern fanden das gut, alles war entspannt. Heute verbiete ich meinem Sohn auf die Straße zu gehen damit. Das Wort ‚Jude‘ ist ein Schimpfwort in besten Zehlendorfer Gymnasien genauso wie auf der Neuköllner Strasse. Das ist eine Veränderung, die da ist.“

Mehr jüdische Anliegen in die Politik tragen

Adler, von Beruf Zahnarzt, wollte mehr jüdische Anliegen in die große Politik einbringen. So gründete er mit gleichgesinnten Juden die „Werteinitiative“. Die Gruppierung bat nun die wichtigsten Parteien um Stellungnahme zu Themen wie Judenhass, Islamismus und innere Sicherheit. Mit Ausnahme der AfD, die sich lediglich zu einem einzigen Unterpunkt äußerte, antworteten alle Parteien. Ihre Formulierungen sind ähnlich – mit kleinen Unterschieden, sagt Adler:……..

 

…….

Forderungen, die auf innerjüdische Kritik stoßen. So spricht der linksliberale Professor Micha Brumlik von einseitigen Positionen:

„Was ist mit ‚deutsch-deutschen‘ Organisationen, die nicht ohne Wenn und Aber hinter Demokratie und Menschenrechten stehen – wie etwa die AfD oder die NPD? Dass dies verboten, geschlossen oder strafrechtlich verfolgt werden soll, davon schreiben diese jüdischen Autoren nichts.“

Nicht alle tragen die Positionen der Werteinitiative

 

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Juni 17th, 2017 at 3:51 pm

MIGAZIN| „SPÄTAUSSIEDLER STEHEN BESSER DA“: Grüne fordern gerechte Renten für jüdische Zuwanderer

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Kurz vor Ende der Legislaturperiode präsentieren die Grünen einen Gesetzentwurf, um die Schlechterstellung jüdischer Zuwanderer bei der Rente zu beheben. Behandelt werden wird die Initiative nicht mehr – aber sie deckt ein Problem auf.

Geld, Alter, Armut, Rente, Portemonnai, Euro, HandGeld © Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken @ flickr.com (CC 0), bearb. MiG

Jüdische Zuwanderer stehen mit ihren Renten deutlich schlechter da als Spätaussiedler, obwohl ihr Arbeitsleben häufig ähnlich verlaufen ist. Mit dem Ziel, diese Ungerechtigkeit abzuschaffen, stellte der migrationspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, am Dienstag in Berlin einen Gesetzentwurf vor. Er kommt allerdings für diese Legislaturperiode zu spät. Beck sagte, er hoffe, der nächste Bundestag werde das Thema auf die Tagesordnung setzen. Die Diskriminierung der Juden gegenüber den Spätaussiedlern aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion müsse beendet werden.

 

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Juni 17th, 2017 at 3:46 pm

TAZ| Ein vermeintliches Paradox

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Kann man als europäischer Politiker gleichzeitig rechtsextrem und proisraelisch sein? Ja, man kann. Das zeigen nicht nur die Le Pens.

Aufmerksamen Beobachtern kann nicht entgangen sein, dass und wie sich die extreme Rechte in Europa verändert hat. Als bestes Beispiel kann der erneuerte Front Natio­nal gelten, dessen Vorsitzende, Marine Le Pen, ihren eigenen Vater, Jean-Marie Le Pen, seines Antisemitismus wegen aus der Partei ausgeschlossen hat. Kann man als europäischer Politiker gleichzeitig rechtsextrem und proisraelisch sein?

Auf jeden Fall: Ein hochrangiger Vertreter der FPÖ, ihr „Bundesobmann“ Heinz-Christian Strache, brachte diese Haltung unübertroffen zum Ausdruck, als er im Jahr 2016 seinen Kopf in der Holocaustgedenkstätte Jad Vaschem mit einem verbindungsstudentischen Käppi bedeckte. Ein großer Teil dieser Verbindungen ist völkisch und antisemitisch eingestellt.

Sei es aus Opportunismus, sei es aus Einsicht: sogar die – hierzulande vom Verfassungsschutz beobachtete – „identitäre Bewegung“ setzt sich verbal vom Rassismus nicht nur des Nationalsozialismus ab, mehr noch: sie propagiert einen nicht expansiven, sondern defensiven Nationalismus, ein Bekenntnis zum „eigenen“ Volk, das nicht besser sein als andere, aber doch abgeschlossen, ethnisch homogen unter sich bleiben soll.

 

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TAZ| Jüdische Kontingentflüchtlinge: Eine Rente, von der man leben kann

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Migranten aus Russland und Polen erhalten weniger Pension als deutschstämmige Spätaussiedler. Die Grünen wollen das ändern.

Die Grünen wollen jüdische Zuwanderer bei der Rente besserstellen. Am Dienstag stellte der Grünen-Abgeordnete Volker Beck gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland einen entsprechenden Gesetzentwurf vor.

Im Kern sieht dieser vor, die jüdischen Kontingentflüchtlinge aus Russland und Polen den deutschstämmigen Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion gleichzustellen. Die Bundesregierung entschied 1991, jüdische Einwanderung zu fördern, um Verantwortung für den Nationalsozialismus zu übernehmen. Daraufhin kamen bis 2006 rund 225.000 jüdische Migranten.

Die jüdischen Kontingentflüchtlinge erhalten derzeit niedrigere Renten, da für ihre Rente nur die Arbeitsjahre in Deutschland zählen. Laut Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, betrage der Unterschied bis zu mehrere hundert Euro. Bis zu 100.000 Menschen könnten betroffen sein.

Ein jüdischer Kontingentflüchtling, der 1995 nach Deutschland kam, würde etwa 550 Euro weniger Rente erhalten als ein Spätaussiedler, bei gleichem Durchschnittsverdienst und gleicher Lebensarbeitszeit. Die Betroffenen empfänden dies nicht nur als un­gerecht, sondern litten auch unter ihrem Status als Sozialleistungsempfänger, sagte Lehrer.

 

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Juni 16th, 2017 at 3:33 pm

swr| Gábor Paál im Gespräch mit Micha Brumlik

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15.6.2017 | 15.05 Uhr | 56:45 min

Verfügbar bis: 5.12.2022, 17.00

 

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Juni 14th, 2017 at 4:38 pm

JA| Lernnacht: »Wir wollen vermitteln«

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Jüdische Organisationen tauschten sich im Centrum Judaicum aus

08.06.2017 – von Jérôme Lombard

Ich wusste gar nicht, dass auch strenggläubige Jüdinnen ihr Haar gemäß religiöser Vorschrift bedecken«, sagt Inge Breitensträter. »Da habe ich ja schon wieder etwas gelernt!« Die 62-jährige Berlinerin sitzt im Großen Saal der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum in der Oranienburger Straße. In der rechten Hand hält sie einen akkurat gespitzten Bleistift, in der linken ein gelbes Notizheft. »Damit ich mir gleich alles Wichtige aufschreiben kann«, sagt sie. Zusammen mit ihrem Mann verfolgt Breitensträter aufmerksam die Ausführungen von Kübra Özermis und Rebecca de Vries.

workshop Die beiden Studentinnen von dem muslimisch-jüdischen Verein »Jadaayel« sprechen über die Bedeutung der weiblichen Kopfbedeckung in der islamischen und jüdischen Tradition und darüber, was sie mit Glauben und Gott zu tun hat – ein Thema, das offenbar nicht nur bei Familie Breitensträter auf Interesse stieß. Die Stuhlreihen im Saal waren gut gefüllt, das Publikum – Juden und Nichtjuden –, darunter auffällig viele junge Besucher, war bunt gemischt. Einige brachten mehr Vorkenntnisse mit, andere weniger.

 

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Juni 8th, 2017 at 6:40 am

Bundestag| 179 antisemitische Straftaten im ersten Quartal 2017

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Von Januar bis März 2017 wurden bundesweit 179 antisemitische Straftaten erfasst, darunter fünf Gewalttaten und 30 Propagandadelikte. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Links-Fraktion hervor. 169 Straftaten waren rechtsextremistisch motiviert. Insgesamt wurden 78 Tatverdächtige ermittelt, es gab jedoch keine Festnahmen oder Haftbefehle. Zahlen und Fakten zum Thema Antisemitismus finden Sie in unserer gleichnamigen Rubrik.

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Mai 26th, 2017 at 8:56 am

TAZ| Scheu vor der historischen Wahrheit

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von Micha Brumlik

Die Stiftung der GEW ist nach Max Traeger benannt. Er steht beispielhaft für die vielen Lehrer, die sich dem Nationalsozialismus andienten.

Keine politische Kraft wird gegenwärtig stärker gebraucht als die Gewerkschaften. Wenn überhaupt, so sind sie in der Lage, rassistischen und fremdenfeindlichen Stimmungen erfolgreich Paroli zu bieten. Eine besondere Rolle kommt dabei jenen Gewerkschaften zu, die im Bereich von Pflege, Erziehung und Bildung tätig sind: Verdi sowie der GEW, also der 1948 gegründeten Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die sich selbst als Bildungsgewerkschaft bezeichnet und für Chancengleichheit, Mitbestimmung, soziale Sicherheit sowie für Demokratie kämpfen will.

Indes: Auch diese Gewerkschaft erweist sich als eine „ganz normale Organisation“ (Stefan Kühl), als ein Verband, dem es vor allem auf Selbsterhaltung ankommt sowie darauf, dass alles so bleibt, wie es immer schon war. Damit aber droht ausgerechnet eine Organisation, der es doch um eine emphatisch verstandene „Aufklärung“ gehen sollte, zu einer Vorkämpferin der Gegenaufklärung zu werden.

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Mai 6th, 2017 at 1:06 pm

Zur Aktualität der identitären Ideologie – böll.brief Demokratiereform #2

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Die Vordenker einer neuen rechten Internationale
von

Micha Brumlik

Heinich-Böll-Stiftung
Kostenlos
Veröffentlichungsort: www.boell.de
Veröffentlichungsdatum: April 2017
Seitenanzahl: 13
Lizenz: CC-BY-NC-ND
Alle Ausgaben: böll.brief

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April 18th, 2017 at 6:48 pm

Wer ihr seid – und wer es euch sagt /Was ist deutsch?

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Eine Identität, die nur noch als Nichtidentität möglich ist, Verfassungspatriotismus oder Gartenzwerg vorm Haus. Neue Antworten anlässlich der Buchmesse.

Befinden wir (bitte wer?) uns in einer Identitätskrise? Zweifel sind unangebracht: Handelt es sich doch um die politisch-kulturelle Frage dieses Frühjahrs. So stellt das Philosophie Magazin fest, dass sie „wieder da ist“: die Frage nach der Identität. So wirbt sogar eine Geografiezeitschrift mit dem Slogan „Mein Lebenslauf. Mein Ich“. Mehr noch: Kein Geringerer als der Bundesinnenminister, ein eher liberaler CDU-Politiker, gab ausweislich des Spiegels zu Protokoll: „Wir wissen nicht mehr genau“, so Thomas de Maizière, „wer wir sind und wer wir sein wollen“.

Andere drücken das härter aus: In ihrem neuen Programm fordert die AfD, dass in der Erinnerungskultur „die aktuelle Verengung auf die NS-Zeit“ zugunsten einer Geschichtsbetrachtung aufzubrechen sei, „die auch die positiv identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte umfasst“. Zuletzt fragte der Historiker Lorenz Jäger in einer Biografie über Walter Benjamin allen Ernstes: „In welchem Sinne war Benjamin deutsch, vom Bildungsgang und der Staatsangehörigkeit einmal abgesehen?“, um damit kundzutun, dass „deutsch zu sein“ mehr und anderes ist oder doch wenigstens sein soll.

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März 24th, 2017 at 10:22 am

Zeit| Der 18. Brumaire des Donald Trump

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Jeden Tag einen „Staatsstreich en miniature“: Was die Geschichte Napoleons III. über den amerikanischen Präsidenten verrät.

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März 21st, 2017 at 4:08 pm

Morgenweb| Sehnsucht nach Sicherheit

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Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Loimeier

Die Rückbesinnung auf eine vermutete frühere Größe von Einzelstaaten liegt derzeit hoch im Kurs. Sogenannte Identitäre definieren das Deutschtum neu, sogenannte Reichsbürger verwehren sich der neustaatlichen Moderne komplett. Der vormalige Heidelberger Professor Micha Brumlik erklärt dieses Phänomen.

Herr Brumlik, derzeit ist in vielen Staaten die Sehnsucht nach nationaler Größe feststellbar. Wie lässt sich dieser Pendelausschlag Richtung Nationalstaaten wieder einfangen?

Micha Brumlik: Diese Sehnsucht nach dem alten Sozialstaat ist ja letzten Endes zum großen Teil die Sehnsucht nach einem gesicherten Sozialstaat, der seit der sogenannten Neoliberalisierung Anfang dieses Jahrhunderts – in Deutschland steht dafür Hartz IV beispielhaft – verlorengegangen ist. In Westeuropa würde man diesen Pendelschlag nur dadurch eingefangen bekommen, wenn es eine neue Form der Sozialstaatlichkeit gibt.

 

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März 14th, 2017 at 4:12 pm

TAZ| Im Weltbürgerkrieg /Was deutsch ist und was nicht. Lorenz Jägers Abrechnung mit dem Philosophen Walter Benjamin

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VON MICHA BRUMLIK

Der deutsche Schriftsteller Walter Benjamin nahm sich 1940 auf der Flucht vor antisemitischer Verfolgung an der französisch-spanischen Grenze das Leben; er wurde gerade mal 48 Jahre alt. Seinen erst postum publizierten geschichtsphilosophischen Thesen vertraute er den Gedanken an, dass auch die Toten vor dem Feind nicht sicher seien; dieser Feind aber habe zu siegen nicht aufgehört. „Walter Benjamin. Das Leben eines Unvollendeten“ lautet der Titel einer neuen, einer weiteren Biografie dieses nach wie vor rätselhaften Autors.

Lorenz Jäger, der es jetzt unternommen hat, der ersten Biografie Werner Fulds aus dem Jahr 1979, der konzisen Darstellung Bernd Wittes in der Reihe der Bildmonografien aus dem Jahr 1985 sowie schließlich der mehr als tausend Seiten zählenden, unvollendet gebliebenen Werkgeschichte Jean-Michel Palmiers aus dem Jahr 2009 eine weitere Biografie an die Seite zu stellen, ist in geistesgeschicht­lichen Fragen bestens ausgewiesen.

Als Verfasser einer umstrittenen politischen Biografie Ador­nos, einer frühen Studie zur Geschichte des Hakenkreuzes im Weltbürgerkrieg sowie eines Buchs über die revolutionären Aktivitäten von Freimaurern ist ihm die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, des „Zeitalters der Extreme“ (E. Hobsbawm) bestens bekannt. Entsprechend fällt das von ihm gemalte Lebensbild Benjamins aus: das eines linken Kämpfers im Weltbürgerkrieg.

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März 11th, 2017 at 11:58 am

Micha Brumlik| Demokratischer Hemmschuh

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Doppelte Staatsbürgerschaft und türkischer Wahlkampf im Ausland: Doppelstaatler haben mehr Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen.

Die Ausfälle des türkischen Präsidenten Erdo ğ an gegen die Bundesrepublik lenken die Aufmerksamkeit auf eine Frage, die längst beantwortet schien: das Problem doppelter Staatsbürgerschaften. Als 1998 der hessische Ministerpräsident Koch seine Wahlkampagne mit einer Unterschriftenaktion gegen doppelte Staatsbürgerschaften aufrüstete, war es im weitesten Sinn „links“, dafür zu sein.

Das Motiv war und ist integrationspolitisch: Sollten doch Menschen nicht vor die schmerzhafte Alternative gestellt werden, bei Annahme eines neuen Lebensmittelpunkts entweder ihre alte Identität aufgeben zu müssen oder Bürger zweiter Klasse zu sein. Entsprechend hatte die rot-grüne Bundesregierung doppelte Staatsbürgerschaften gesetzlich zugelassen.

Neuerdings stellen jedoch philosophische Deuter der globalisierten Migration – etwa der Kanadier Joseph ­Carens – die Frage, ob nicht das Vererben der elterlichen Staatsbürgerschaft im Zielland der Migration unzeitgemäße feudale Züge trägt: Rechte und Privilegien werden ohne jede Leistung vererbt. Weltgesellschaftlich hat das zudem die Konsequenz, dass Doppelstaatler mehr Chancen auf Einflussnahme gesellschaftlicher Entwicklungen haben als „Einfachstaatler“.

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März 11th, 2017 at 11:55 am

TAZ| Neues Buch von Leonhard Horowski: Fragen eines denkenden Lesers

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von Micha Brumlik

„Das Europa der Könige“ ist heißer Anwärter auf den Preis der Leipziger Buchmesse. Es zeigt die Rolle von Mätressen an europäischen Höfen.

In einer Zeit, in der in den Demokratien wieder einmal, skeptisch betrachtet, Autokraten die Macht übernehmen sowie Protz und Glanz zu politischen Insignien werden, darf ein Buch über eine nur noch für die Klatschpresse interessante Situation, die Monarchie, mit gesteigertem Interesse rechnen.

Am Freitag erscheint ein Buch des Historikers Leonhard Horowski, das in jeder Hinsicht das Etikett eines „Prachtbandes“ verdient. Und das nicht nur deshalb, weil sein Werk, „Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts“, 1.200 Seiten unterhaltsamster Historie umfasst, sondern auch, weil der Band insgesamt 32 in bester Farbtreue gehaltene Bildtafeln enthält.

Diese können das, worum es geht, nämlich Pracht, aber auch Schönheit und Ernst einer Epoche besser verständlich machen als mancher Text. Nicht zuletzt unterhält dieser Band auch durch die in ihm reichhaltig verwerteten „Ego-Dokumente“: Memoiren oder Autobiografien.

Gemeinhin wird das Verfassen von Autobiografien als eine vor allem bürgerliche Verhaltensweise, als Ausdruck einer gesteigerten Empfindsamkeit von Männern und Frauen – beginnend mit Rousseau – angesehen. Horowski kann darauf verweisen, dass diese literarische Gattung eine Ausdrucksform adliger Kreise in sämtlichen europäischen Ländern gewesen ist. Die verwendeten Quellen selbst stellen dabei keineswegs nur als solche gewollte Selbstzeugnisse dar, sondern liegen auch in Form von Briefen, Tagebucheintragungen sowie kritischen Glossen vor.

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März 11th, 2017 at 11:53 am

Freiheit für Deniz!

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„Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

(Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10.12.1948)


Für die Freiheit von Information, Meinung, Wort und Kunst. Gemeinsam für und mit Deniz Yücel und allen zur Zeit in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen.

Jaafar Abdul-Karim (Moderator DEUTSCHE WELLE)
Johanna Adorján (Journalistin SZ)
Doris Akrap (Journalistin taz.die tageszeitung)
Züli Aladag (Regisseur)
Barbara Albert (Regisseurin)
Christoph Amend (Chefredakteur ZEIT MAGAZIN)
Mohamed Amjahid (Journalist ZEIT MAGAZIN)
Antilopen Gang (Musiker)
Janina Audick (Bühnenbildnerin)
Dominique Auerbacher (Künstlerin)
Tomas Avenarius (Journalist SZ)
Imran Ayata (Schriftsteller)
Fatma Aydemir (Journalistin taz.die tageszeitung)
Gökalp Babayigit (Journalist SZ)
María Cecilia Barbetta (Schriftstellerin)
Sascha Batthyany (Journalist)
Jasna Fritzi Bauer (Schauspielerin)
David Baum (Editor-at-large GQ)
Zoë Beck (Schriftstellerin)
Wolfgang Becker (Regisseur)
Bernd Begemann (Musiker)
Bibiana Beglau (Schauspielerin)
Sibylle Berg (Schriftstellerin)
Edward Berger (Regisseur)
Miraz Bezar (Filmemacher)
Annette Bhagwati (Kunsthistorikerin)
Arne Birkenstock (Dokumentarfilmregisseur)
Michael Bitala (Journalist SZ)
Jörg Bochow (leitender Dramaturg)
Andrea Böhm (Journalistin DIE ZEIT)
Daniel-Dylan Böhmer (Journalist DIE WELT)
Jan Böhmermann (Komiker)
Swen Bolho (Musiker)
Monika Bonvicini (Künstlerin)
Mathias Bothor (Fotograf)
Bettina Böttinger (Journalistin)
Michael Brake (Journalist taz.die tageszeitung)
Kristian Brakel (Politikwissenschaftler)
Matthias Brandt (Schauspieler)
Christina von Braun (Kulturwissenschaftlerin)
Luzia Braun (Journalistin)
Nikolaus Brender (Journalist)
Klaus Brinkbäumer (Chefredakteur DER SPIEGEL)
Dietrich Brüggemann (Regisseur)
Micha Brumlik (Publizist)
Silke Burmester (Journalistin)
Stephan-Andreas Casdorff (Chefredakteur DER TAGESSPIEGEL)
Maike Cruse (Direktorin Gallery Weekend)
Mehmet Daimagüler (Rechtsanwalt)
Pepe Danquart (Regisseur)
Chris Dercon (designierter Intendant)
Stephan Detjen (Journalist)
Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur DIE ZEIT)
Jörg Diehl (Chefreporter SPIEGEL ONLINE)
Georg Diez (Journalist)
Annette Dittert (Journalistin)
Anke Domscheit-Berg (Publizistin)
Thea Dorn (Schriftstellerin)
Doris Dörrie (Regisseurin)
Tanja Dückers (Schriftstellerin
Publizistin)
Cordelia Dvorák (Regisseurin)
Alice Dwyer (Schauspielerin)
Julia Eckert (Sozialanthropologin)
Edition Nautilus
Lars Eidinger (Schauspieler)
Carolin Emcke (Publizistin)
Julia Encke (Journalistin FAS)
Theresia Enzensberger (Herausgeberin BLOCK Magazin)
Isabelle Faust (Musikerin)
Jan Feddersen (Redakteur taz.die tageszeitung
Publizist)
Arne Feldhusen (Regisseur)
Leo Fischer (Satiriker)
Jürgen Flimm (Intendant Staatsoper Unter den Linden)
Thomas Fricke (Kolumnist)
Jens Friebe (Musiker)
Johannes Friedmann (Mitherausgeber SZ)

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Bundestag| Antisemitische Straftaten ab 2014 / Zahl antisemitischer Straftaten 4.Quartal 2016

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Die Zahl antisemitischer Straftaten in den Jahren 2014 bis 2016 ist ein Thema der Antwort der Bundesregierung (18/11152) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (18/10834). Im Jahr 2014 wurden danach 1.596 antisemitische Straftaten gemeldet und im folgenden Jahr 1.366.

Für den Zeitraum von Januar bis November 2016 wurden den Angaben zufolge bis zum 28. Dezember 1.260 entsprechende Straftaten gemeldet. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht. liegen für das vergangene Jahr „erst vorläufige Zahlen vor, die sich noch verändern können“.

+++

Im vierten Quartal 2016 ist in Deutschland ein Mensch infolge einer politisch rechts motivierten Straftat mit antisemitischem Hintergrund verletzt worden. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (18/11156) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/11036) hervor.

Danach wurden von Oktober bis Dezember 2016 insgesamt 183 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gemeldet, darunter zwei Gewalttaten und 34 Propagandadelikte. Zu den erfassten 183 Straftaten wurden den Angaben zufolge insgesamt 75 Tatverdächtige ermittelt. Wie die Bundesregierung weiter ausführt, gab es drei Festnahmen und wurde ein Haftbefehl erlassen.

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Februar 27th, 2017 at 1:13 pm

RIAS| Bericht antisemitischer Vorfälle in Berlin 2016

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Im Jahr 2016 erfasste die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) 470 antisemitische Vorfälle in Berlin. Davon sind 17 physische Angriffe, 18 Bedrohungen, 53 Sachbeschädigungen an jüdischem Eigentum oder Orten der Erinnerung an die Schoa sowie 382 auf Fälle verletzenden Verhaltens. Dieses fand in 80 Fällen mündlich statt. In 152 Fällen fand es im Internet statt und war konkret gegen jüdische Personen oder Institutionen gerichtet. Weitere 150 Fälle waren nonverbale Äußerungen, z. B. antisemitische Propaganda, Schmierereien und postalische Zuschriften. Vorfälle extremer Gewalt wurden durch RIAS 2016 nicht registriert.

Die Zahl der registrierten Vorfälle ist gegenüber dem Vorjahr (2015: 405 Fälle) um 16 % angestiegen. Diese Zunahme liegt nach unserer Einschätzung vor allem in einer höheren Zahl uns gemeldeter antisemitischer Vorfälle. Hintergrund ist der verbesserte Austausch mit jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen bezüglich der Verbreitung von entsprechenden Kenntnissen. Neben den genannten 470 antisemitischen Vorfällen wurden der RIAS weitere 192 potentielle Vorfälle bekannt. Diese wiesen entweder keinen antisemitischen Inhalt auf oder fanden im Internet statt, ohne gegen konkrete Personen oder Institutionen gerichtet zu sein. Insgesamt hat die RIAS 6871 Meldungen geprüft und ausgewertet.

Von 297 der gemeldeten Vorfälle waren insgesamt 303 Personen unmittelbar betroffen. Die Zahl der von Antisemitismus Betroffenen hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt (2015: 151 Betroffene). Bei 132 betroffenen Personen war den Täter_innen bekannt, dass es sich um Jüdinnen oder Juden handelt, was einen Anstieg um 132 % gegenüber 2015 (57 erkennbar jüdische Betroffene) bedeutet. Davon waren 54 Jüdinnen und Juden in einer Face-to-face-Situation Angriffen oder verbalen Bedrohungen und Beschimpfungen ausgesetzt. Per E-Mail und in sozialen Netzwerken wurden 70 erkennbare Juden_Jüdinnen antisemitisch angefeindet. Sieben Sachbeschädigungen richteten sich gegen das private Eigentum von Jüdinnen oder Juden.

2016 wurden in Berlin 42 Sachbeschädigungen an Orten der Erinnerung an die Schoa festgestellt. Dies ist mehr als drei Mal so viel als im Vorjahr (2015: 15 Sachbeschädigungen). Es gab darüber hinaus 53 Fälle von mündlichen und schriftlichen Beschimpfungen und Bedrohungen, Reden auf Versammlungen und Propagandafällen, welche Abwehrhaltungen gegenüber dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zum Motiv hatten. Dies drückte sich in Schoa-Leugnungen oder – Relativierungen der Verhöhnung der Opfer oder der Figur der Täter-Opfer-Umkehr aus. Insgesamt stand jeder fünfte antisemitische Vorfall 2016 im Zusammenhang mit einer solchen Motivation.

Die geographische Verteilung der Vorfälle auf die Berliner Stadtbezirke ist ähnlich wie im Vorjahr. Ein Schwerpunkt ist mit 100 Vorfällen der Bezirk Mitte (mit den Stadtteilen Moabit, Tiergarten, Wedding). An zweiter und dritter Stelle liegen Charlottenburg-Wilmersdorf (49) und Kreuzberg- Friedrichshain (47). Alleine in Moabit wurden 30 antisemitische Vorfälle verzeichnet – mehr als in neun der zwölf Berliner Bezirke (siehe Grafik „Geographische Verteilung“).

Was die zeitliche Verteilung betrifft, ereigneten sich von den insgesamt registrierten 470 Vorfällen 2016 mit 294 Vorfällen knapp zwei Drittel (63 %) in der zweiten Jahreshälfte (Juli bis Dezember 2016). Die Zahl der bekannt gewordenen stieg von 29 pro Monat in der ersten Jahreshälfte auf 49 in der zweiten Jahreshälfte. Gemeldete antisemitische Anfeindungen im Internet nahmen in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zur ersten sogar um 267 % zu. Diese enorme Steigerung ist vermutlich auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen werden der RIAS zunehmend mehr Vorfälle gemeldet. Die bundesweite Medienberichterstattung über RIAS anlässlich des einjährigen Bestehens der Onlineplattform www.report-antisemitism.de im Juli 2016 trug zu einer wesentlich höheren Bekanntheit der Meldemöglichkeit bei. Zum anderen dürfte sich auch das gesellschaftliche Klima verändert haben. Hier schlagen sich in den Fallzahlen vor allem die seit Juli 2016 häufiger und aggressiver vorgetragenen Anfeindungen gegen zivilgesellschaftliche Projekte nieder, die (antisemitische) Hate-Speech im Internet bekämpfen.

 

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Februar 27th, 2017 at 6:58 am

TAZ| Ein Minimum an Distanz

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Aus einer „Studienstelle Israel“ soll eine Professur werden. Dann passiert – nichts. Die Universität Mainz verspielt ihren guten Ruf.

KOLUMNE VON MICHA BRUMLIK

Man muss kein Freund der verbrecherisch dummen Siedlungspolitik israelischer Regierungen sein, um einen jetzt bekannt werdenden Vorgang an der Universität Mainz befremdlich zu finden. An dieser Bildungsinstitution sollte anlässlich von fünfzig Jahren deutsch-israelischer Beziehungen eine schon seit Längerem bestehende „Studienstelle Israel“ in eine ordentliche Professur umgewandelt werden.

Die Studienstelle war bei den Politikwissenschaften angesiedelt und wurde bis zu dessen Pensionierung von dem bestens ausgewiesenen Oberstudienrat Alfred Wittstock geführt. Die neue Professur wurde ans Institut für Soziologie verlegt; sie sollte der „Soziologie der Ethnizität und Migration mit dem Schwerpunkt ­­Israel/Naher Osten“ gewidmet sein. Im Juli wurde die Stelle öffentlich ausgeschrieben:

„Die Professur forscht und lehrt im Bereich der Ethnizitäts- und Migrationssoziologie mit dem regionalen Schwer­punkt der Gegenwartsgesellschaften Israels und seiner Nachbarn. Von den Bewerberinnen und Bewerbern wer­den neben profunden theoretischen und methodischen Kompetenzen empirische Kenntnisse der kulturellen Viel­falt, der politischen Konflikte und der Migrationsbewegungen in dieser Region erwartet. Erwünscht ist zudem ein Forschungsinteresse an den jüngeren Zuwanderungen aus dem Nahen Osten nach Europa.“

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Februar 7th, 2017 at 4:36 pm

Mitbestimmung| MICHA BRUMLIK ÜBER DIE NEUE RECHTE

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Interview Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik über die Think Tanks der Neuen Rechten, den Aufstieg von AfD und Pegida, und wie die Linke dagegen ihre Themen behaupten kann.

Herr Brumlik, Sie haben sich ausgiebig mit der Ideologie der Neuen Rechten befasst, insbesondere mit der identitären Bewegung, die glaubt, jede Ethnie habe ein Lebensrecht, aber eben nur in dem Raum, der ihr zusteht. Wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt, lebt dieser Ideologie zufolge identitär. Warum befassen Sie sich mit diesen Theorien?

Durch die Wahlerfolge der AfD ist die Neue Rechte politisch eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung wert. Es gibt einen Think Tank, der hinter diesen ideologischen Erfolgen der AfD steht, der aus sich aus rechtsintellektuell eingestellten Personen und Institutionen zusammensetzt, die auf die politische Meinungsbildung gezielt Einfluss nehmen wollen.

Wer sind diese Leute?

Dazu zähle ich die rechtsreformistische Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und die Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“, eine private Einrichtung, die sich als Aktionsplattform für neurechte Bildungsarbeit darstellt. Dazu gehört auch die „Blaue Narzisse“, eine Jugendzeitschrift aus Chemnitz, die seit 2004 erscheint und Leute wie Götz Kubitschek um die Zeitschrift „Sezession“. Nicht zu vergessen Jürgen Elsässer, der bis 2008 für erklärtermaßen linke Medien wie Neues Deutschland oder Junge Welt tätig war und heute das rechtspopulistische Magazin „Compact“ herausgibt.

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Abgeordnetenhaus Berlin| Nichts gegen Juden, aber… – Antisemitische Vorfälle in Berlin 2016

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Titel: Nichts gegen Juden, aber… – Antisemitische Vorfälle in Berlin 2016
Abgeordnete: Tomiak, June (Bündnis 90 / Die Grünen)
Link: http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/18/SchrAnfr/S18-10208.pdf

Written by lbucklitsch

Februar 3rd, 2017 at 10:07 am

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Deutschlandfunk| Glaube und Zweifel im Judentum – Wo war Gott in Auschwitz?

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Holocaust-Überlebende berichten oft: Seit Auschwitz können wir nicht mehr religiös sein. Wer die Nazi-Verbrechen miterlebt hat, kann nicht mehr an einen allmächtigen, gütigen Gott glauben. Warum hat Gott bei den Massenverbrechen zugeschaut? Wo war Jahwe während der Shoah? Diese Frage rüttelt am jüdischen Gottesbild.

Von Jens Rosbach

Rabbiner Zsolt Balla tut alles, um das spirituelle Leben seiner jüdischen Gemeinde in Leipzig zu fördern. So greift der Seelsorger oft selbst zur Gitarre, um Psalmen zu singen. Doch fragen ihn die Mitglieder nach der Shoah, weiß Balla oft nicht weiter.

„Die typische Frage ist: Wenn es einen allmächtigen und guten Gott in der Welt gibt, wie konnte er so etwas zulassen?“

Balla, der aus Ungarn stammt und sich in Berlin zum orthodoxen Rabbiner ausbilden ließ, räumt ein: Es bleibe ein Mysterium, wo Gott während des NS-Massenmordes war.

Orthodoxe: Gott ist allmächtig

„Wir können nur kleine Pixel sehen von einem Billiarden-Megapixel-Bild. Wir können nur ein sehr kleines Segment sehen. Wir denken, dass Gott, er hat die Möglichkeit das ganze Bild zu sehen.“

Für den Seelsorger geht es letztlich nicht um logisches Verstehen, sondern um festgelegte Glaubensgrundsätze: Das orthodoxe Judentum habe sich nach den 13 Axiomen zu richten, die der jüdische Rechtsgelehrte Mosche Ben Maimon im 12. Jahrhundert aufgestellt hat. Maimon, genannt Maimonides, habe Gottes Allmacht gepredigt; dies dürfe nicht angezweifelt werden – auch nicht angesichts der Verbrechen an seinem Volk.

„Gott ist allmächtig. Wir können das nicht infrage stellen. In der Sekunde, in der man das infrage stellt, bedeutet das, dass man nicht mehr im Rahmen von Orthodoxie ist.“

Liberale: Gott ist teilweise ohnmächtig

Ortswechsel, Berlin-Mitte, ein Mietshaus mit schwerem Eisentor. Durch einen Hinterhof geht es ins „Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg“. Hier forscht und lehrt der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Der liberale Jude, der als Kind jüdischer Flüchtlinge geboren wurde, hat ein anderes Gottesbild als der orthodoxe Rabbiner Zsolt Balla. Brumlik macht durchaus Abstriche, was die Allmacht Gottes betrifft.

„Das mich überzeugendste Erklärungsmuster ist das des Philosophen Hans Jonas, der eine wichtige Schrift verfasst hat über den Gottesbegriff  nach Auschwitz, in der er sagt: Wenn man intellektuell redlich sein will, dann muss man von den klassischen Prädikaten Gottes Allgüte, Allwissen und Allmacht die dritte Eigenschaft streichen.“

Doch wenn der „Herrscher der Welt“ teilweise ohnmächtig ist – kann man ihn dann noch als Gott bezeichnen?

„Doch, das kann man schon denken. Gott ist die Weisung, der Wegweiser, die Stimme vom Sinai, die uns verpflichtet. Aber nicht jemand, der von jenseits des Weltalls beliebig in die menschlichen Dinge reinfunken kann.“

Rabbi Rubenstein: Gott ist tot

Der Professor weiß, dass Jonas‘ Ansatz Fragen aufwirft. Etwa, ob Gott jemals allmächtig gewesen ist.

„Was natürlich im Widerspruch zu den Befreiungsgeschichten der Kinder Israel aus Ägypten steht. Weil da ist es ja Gott, der mit starker Hand und ausgestrecktem Arm Israel aus der Sklaverei in die Freiheit geführt hat. Das konnte nur ein allmächtiger Gott.“

Wo war Gott, als sechs Millionen Juden vernichtet wurden? Eine Frage, die die jüdische Theologie seit Jahrzehnten beschäftigt. Den Auftakt machte 1966 der US-amerikanische Rabbiner Richard Rubenstein. Mit seinem Buch „Nach Auschwitz“ rüttelte er die religiöse Fachwelt auf.

„Im Grunde lässt sich seine Position in drei Worten zusammenfassen: Gott ist tot.“

Berichtet der Historiker und Germanist Christoph Münz. Nach Angaben des hessischen Publizisten argumentierte Rubenstein damals radikal:

„Erstens: Gott kann es unmöglich erlaubt haben, dass der Holocaust geschehen ist. Zweitens: Der Holocaust ist aber geschehen. Und deshalb, drittens, existiert Gott – so wie es in der jüdischen Tradition gedacht ist – nicht.“

KZ-Überlebender Fackenheim: Gott ist trotzdem

Heftige, innerjüdische Debatten folgten. Eine viel beachtete, gegensätzliche These stammt vom jüdischen Philosophen Eliezer Berkovits. Der Rabbiner war 1939 aus Nazi-Deutschland geflüchtet und lebte viele Jahre in den USA.

„Berkovits sagt, dass Gott im Holocaust sein Angesicht verborgen hat. Und er tut dies, um den Menschen und der Schöpfung Raum für Freiheit zu geben – dass das Gute und das Böse gleichermaßen stark werden können.“

Christoph Münz, der seine Dissertation über die Theologie nach Auschwitz geschrieben hat, analysiert: Einige Rabbiner argumentieren nicht rein religiös, wenn es um die sogenannte Theodizee-Frage geht, um die Frage nach Gottes Rolle bei all dem Übel in der Welt. So habe der liberale Gelehrte Emil Fackenheim, ein KZ-Überlebender, eine historisch begründete These aufgestellt. Fackenheim meint, dass in der Nazi-Zeit Gottes Ruf hörbar wurde: nämlich sein Gebot, trotzdem weiter zu glauben.

„Die Begründung ist: Wenn Du anfängst, an Gott zu zweifeln, dann tust Du Hitlers Job. Genau das wollte er erreichen: dass wir Juden, unser Erbe, unsere Tradition, unsere religiöse Identität aufgeben.“

Emil Fackenheim fügte den 613 jüdischen Geboten ein weiteres hinzu: Man dürfe den Nationalsozialismus nicht im Nachhinein siegen lassen. Seitdem beachten viele Juden weltweit Fackenheims 614. „Gebot“. Christoph Münz:

„In gewisser Weise öffnet er eine Tür, durch die sowohl religiöse wie säkulare Juden gehen können und sozusagen auf ihre Weise dieses ‚Trotz-Alledem‘ interpretieren können.“

Gott als Strafender, Missbrauchender

Allerdings wurden in den vergangenen Jahrzehnten auch einige theologische Erklärungen wieder verworfen. So argumentierte man lange Zeit im orthodoxen Judentum, Gott habe die NS-Vernichtungsmaschinerie zugelassen als Strafe für die Sünden seines Volkes. Etwa für die vermeintliche „Sünde“, dass immer mehr Juden seit der Aufklärung rational denken und nicht mehr fromm sind. Doch heute sprechen viele Orthodoxe, wie der Leipziger Rabbiner Zsolt Balla, nicht mehr vom Holocaust als „göttliche Strafe“.

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Written by lbucklitsch

Januar 26th, 2017 at 8:24 pm