Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

TAZ| Peter Schäfers Rücktritt schadet dem Pluralismus in der jüdischen Gemeinschaft, sagt Micha Brumlik

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Micha Brumlik

71, lehrte an der Universität in Frankfurt am Main und leitete u. a. das dortige Fritz-Bauer-Institut. Er ist Senior Advisor am Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und taz-Kolumnist.

Der Rücktritt von Peter Schäfer mag den Zentralrat der Juden mit einem Zuwachs an Selbstbewusstsein erfüllt haben: Tatsächlich hat er einen Pyrrhussieg errungen. Denn es ist dies auch ein Sieg über den Pluralismus innerhalb der jüdischen Gemeinschaft – national wie weltweit. Der Anlass der Rücktrittsforderung – der von dem Museum geteilte Tweet der taz über die Erklärung von 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftlern, dass BDS nicht ­antisemitisch sei, war nämlich alles andere als eine Solidaritätserklärung mit BDS, sondern allenfalls eine Richtigstellung.

Unbestreitbar haben sich die Gelehrten damit gegensätzlich zur Mehrheit der (nichtjüdischen) Bundestagsabgeordneten positioniert – aber warum soll diesen Abgeordneten eine Deutungshoheit darüber zukommen, was „antijüdisch“ und damit eben auch was „jüdisch“ ist?

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Facts about the Holocaust

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Was finde ich dort?

  • englischsprachiges Informationsmaterial über die Zeit des Nationalsozialismus und den Holocaust anhand konkreter Fragen: Was war der Holocaust? Warum wurden ausgerechnet die Juden Ziel der Verfolgung und Vernichtung? Was waren die Nürnberger Gesetze? Woher wussten die Deutschen, wer jüdisch war?
  • Videos mit Zeitzeugenberichten
  • aktuelle Nachrichten über Bildungsprogramme zum Thema Holocaust

Wer hat es gemacht?

Die UNESCO in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Weltkongress mit dem Ziel, Falschinformationen im Internet und den sozialen Medien zu bekämpfen, und historisch belegte Fakten zu verbreiten#Bildung#Holocaust#Information#Nationalsozialismus#UnterrichtsmaterialZur Website

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Juni 14th, 2019 at 6:27 am

Antisemitismus stoppen – aber wie?!

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Expert*innen aus Wissenschaft, Bildung, Medien und Politik schaffen mit der Webseite www.stopantisemitismus.de eine neue Anlaufstelle im Kampf gegen Antisemitismus


Die am 12. Juni 2019 gelaunchte Webseite http://www.stopantisemitismus.de ist das Ergebnis eines bislang einzigartigen Zusammenschlusses von bundesweiten Einrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen gegen Antisemitismus. Neben Journalist*innen, Stiftungsvertreter*innen, Psycholog*innen, Pädagog*innen und Vertreter*innen des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Zentralrats der Muslime in Deutschland und der Bundeszentrale für politische Bildung waren auch Wissenschaftler*innen der TU Berlin an dem einjährigen Entstehungsprozess beteiligt. Ins Leben gerufen und finanziert wurde das Projekt von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Wo begegnet man Antisemitismus im Alltag? Welche Reaktionen darauf sind ratsam? Wer bietet Unterstützung und Hilfe an? Nicht selten bleiben Betroffene, Zeug*innen und Unbeteiligte antisemitischer Vorfälle mit ihren Fragen allein oder verlieren sich in den unübersichtlichen Hilfsangeboten des Internets. „Das Spektrum des Antisemitismus ist breit gefächert und ein gesamtgesellschaftliches Problem. Häufig sind sich Bürger*innen auch gar nicht bewusst, dass Witze oder Redewendungen einen antisemitischen Hintergrund haben“, so Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel, Kognitionswissenschaftlerin und Antisemitismusforscherin an der TU Berlin. Zusammen mit einer interdisziplinären Expert*innen-Gruppe hat sie über ein Jahr lang die Inhalte der Webseite erarbeitet, mit dem Ziel, die Zivilgesellschaft für alltäglichen Antisemitismus zu sensibilisieren, darüber zu informieren und Hilfestellungen anzubieten. Unterstützung findet das Projekt auch beim Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein.

Reale Fälle aus dem deutschen Alltag

„Antisemitische Äußerungen mit ihren zum Teil uralten Stereotypen sind keineswegs nur bei Rechten anzutreffen, sondern allgemein weit verbreitet und oft akzeptiert“, erklärt Monika Schwarz-Friesel. Insgesamt 35 konkrete Szenen und authentische Aussagen, beispielsweise von Angestellten, Polizist*innen, Lehrer*innen oder anderen Gruppen aus der Mitte der Gesellschaft, hat das Expert*innen-Team zusammengestellt. Jedes Beispiel wird auf der Webseite wissenschaftlich erläutert und Handlungsempfehlungen sowie Argumentationshilfen gegen antisemitische Äußerungen und Übergriffe gegeben.
Daneben bietet eine umfangreiche und laufend aktualisierte Adressdatenbank auf http://www.stopantisemitismus.de hilfreiche Kontakte bei antisemitischen Vorfällen sowie Anlaufstellen, wie Museen und Gedenkstätten, für Workshops, Fortbildungen und Seminare für Lehrende, Jugendliche, Eltern und interessierte Bürger*innen.

„Ziel war es, mit möglichst konkreten Beispielen einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln, in welchen verschiedenen Formen und Mustern antisemitische Ansichten geäußert werden können. Ich fand es sehr hilfreich, dabei auch genau auf die jeweiligen Kontexte eingehen zu können, denn oft können wir erst durch den Kontext entscheiden, wie antisemitisch eine Äußerung gemeint sein dürfte“, erklärt Prof. Dr. Uffa Jensen, stellvertretender Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin. Zusammen mit über 15 anderen Expert*innen hat er an der konzeptionellen und inhaltlichen Gestaltung der Webseite gearbeitet.

Ins Leben gerufen und finanziert wurde das Projekt von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. „Wir möchten die Zivilgesellschaft für Antisemitismus im Alltag – auch den weniger offensichtlichen – sensibilisieren und Reaktionsmöglichkeiten anbieten. Und wir wollen die tollen Angebote, die es in dem Bereich Antisemitismusprävention gibt, stärker sichtbar machen, miteinander vernetzen, und so eine Anlaufstelle für diejenigen werden, die sich informieren und Haltung im Alltag zeigen möchten, aber bisher noch nicht wissen wie“, betont Dr. Nina Smidt, Bereichsleiterin Internationale Planung und Entwicklung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Die ZEIT-Stiftung fördert die Webseite nach dem Launch für ein Jahr. Verantwortlich für die weitere Pflege und Entwicklung wird die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V. (KIgA) sein.

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Juni 12th, 2019 at 10:38 am

#AnneFrank

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#AnneFrank könnte heute immer noch leben, könnte Kinder, Enkel & Urenkel haben. Doch sie wurde durch die Ermordung und Auslöschung der Juden um Jugend, Leben und Alter, um Freunde und Leid betrogen. Ihr bleibendes Vermächtnis: Nie wieder! und: Wehret den Anfängen!

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Juni 12th, 2019 at 8:56 am

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JA| »Emotionaler Anker«

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Die Bildungsabteilung im Zentralrat veranstaltet eine Tagung zur Geschichte der jüdischen Jugendbewegung

von Eugen El

Doron Kiesel kennt seine Prägungen. »Ich war ein Kind der ZJD, der Zionistischen Jugend Deutschlands«, sagt der Wissenschaftliche Direktor der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden in Deutschland. Auch Micha Brumlik war dort als Jugendlicher aktiv. Die in der Nachkriegszeit gegründete ZJD bezeichnet der Erziehungswissenschaftler als einen letzten Spross der deutsch‐jüdischen Jugendbewegung.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen sich junge Menschen gegen die bürgerlich‐autoritäre Enge der wilhelminischen Gesellschaft aufzulehnen. Sie wanderten, sangen Lieder, tanzten und feierten die Gemeinschaft. Vor allem in der Weimarer Republik waren auch jüdische Gruppen Teil der Jugendbewegung. Ihr Einfluss auf die emotionale und politische Bildung jüdischer Jugendlicher in Deutschland und Israel steht im Fokus einer Konferenz, die die Bildungsabteilung vom 5. bis 7. Juni in Frankfurt ausrichtet.

EPOCHE »Wir versuchen, die Komplexität einer Epoche zu beschreiben«, sagt Doron Kiesel. Nicht nur wissenschaftliche Vorträge sollen dazu beitragen. Auch subjektive, autobiografische Zugänge stehen auf dem Programm. So las die Berliner Schriftstellerin Ulrike Kolb am Mittwochabend aus Gesprächen mit Gründern des Kibbuz Hazorea vor. Der 1936 gegründete, im Norden Israels liegende Kibbuz geht auf Mitglieder der jüdischen Jugendorganisation »Werkleute« zurück.

Die Zionistische Jugend der Nachkriegszeit war der letzte Spross der jüdischen Jugendbewegung.

Der zweite Konferenztag begann mit einem persönlich gefärbten Vortrag von Micha Brumlik. Thomas Eppenstein las den Text vor, da Micha Brumlik aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Frankfurt kommen konnte. Brumlik blickt in seinem Vortrag auf die 50er‐ und 60er‐Jahre zurück. Die in Westdeutschland gebliebenen Juden lebten, so Micha Brumlik, »unter einem bedrückenden Gefühl von Scham und Schuld«.

RETTUNG In dieser Atmosphäre wurde um 1960 die ZJD gegründet. Sie wollte jüdische Jugendliche zur Auswanderung nach Israel bewegen. Micha Brumlik beschreibt die ZJD als Rettung, die es ihm ermöglichte, die Zeitumstände zu bewältigen. Doron Kiesel spricht von einem »emotionalen Anker«.

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DLF| Antisemitismus: „Juden in Deutschland werden alleingelassen“

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Die große Kippa-Debatte habe nichts gebracht, findet der Publizist Michael Wuliger. Sie sei für ein paar Tage Medienthema gewesen. Doch Probleme von Juden interessierten den Großteil der Bevölkerung nicht, sagt er.

Michael Wuliger im Gespräch mit Gerald Beyrodt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek

Gerald Beyrodt: In der vergangenen Woche haben deutsche Medien tagelang über ein jüdisches Kleidungsstück berichtet. Über die Kippa, die traditionelle Kopfbedeckung für Männer. Auch manche Frauen tragen inzwischen Kippa. Erst sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bunderegierung, Juden könnten an bestimmten Orten keine Kippa tragen – sonst würden sie sich in Gefahr begeben. Dann forderte er Nicht-Juden auf, am letzten Samstag Kippa zu tragen – aus Protest gegen den Al-Kuds-Marsch. Die Initiatoren des Marsches sind für die Rückeroberung Jerusalems durch Muslime – Israel und Juden hätten keinerlei Recht daran.

Michael Wuliger ist Kolumnist bei der Jüdischen Allgemeinen und hat das Buch „Der koschere  Knigge geschrieben“. Mit ihm schaue ich auf die Kippa-Debatte und auf Antisemitismus in Deutschland. Herr Wuliger, eines hat die Kippa-Debatte auf jeden Fall gebracht. Viele meiner nicht jüdischen Kollegen können jetzt den Plural von Kippa – er heißt Kippot. Wie viel hat die Kippa-Debatte sonst noch gebracht?

Michael Wuliger: Nichts. Absolut nichts.

Beyrodt: Das ist aber wenig.

„Die Mehrheitsgesellschaft interessiert sich nicht“

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TAZ| Die AfD: in der Form demokratisch,illiberal im Gehalt

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Bei allem Ärger spricht denn doch wenig dafür, den europäischen, nein den weltweit zu beobachtenden Rechtsruck als Faschisierung zu bezeichnen, entspricht er doch den klassischen Eigenschaften der historischen Faschismen nicht: Weder sind charismatische Führergestalten und Massenaufmärsche zu beobachten, noch zeigt sich, dass die reaktionärsten Kräfte des Finanzkapitals antidemokratische Bewegungen offen oder auch nur verdeckt unterstützen. Denn: Wenn das global agierende, neoliberal gestimmte Kapital etwas nicht benötigt, sind es geschlossene Grenzen vermeintlicher Vaterländer.

Tatsächlich tritt derzeit das, was verharmlosend als „Rechtspopulismus“ bezeichnet wird, als demokratischer Verteidiger des christlichen Abendlandes, der westlichen Werte auf. Etwa im Falle Ungarns, das bei dieser Entwicklung eine Vorreiterrolle gespielt hat und weiterhin spielt. Ungarns Premier Orbán propagiert selbstbewusst die illiberale Demokratie. So beschwört die im April 2011 neu beschlossene ungarische Verfassung in ihrer Präambel die christliche Nation und die Stefanskrone weit vor der Würde des Menschen. In Ländern des globalen Südens, wo von einem christlichen Abendland im engeren Sinn nicht zu sprechen ist, sind es oft genug evangelikale Christen, die in Diktion und Auftreten autoritäre Politiker unterstützen: Etwa die Unterstützung des rechtsradikalen Präsidenten Brasiliens, Bolsonaro, durch evangelikale Sekten.

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Juni 4th, 2019 at 6:29 am

DW| Holocaust-Forscher Micha Brumlik: “Marie Sophie Hingst entzieht sich kollektiver Verantwortung”

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Die deutsche Bloggerin Marie Sophie Hingst erfand eine jüdische Familiengeschichte. Der Historiker Micha Brumlik glaubt, dass ihr Wille, Opfer zu sein, stärker war als der Impuls, sich der Verantwortung zu stellen.

Deutsche Welle: Herr Professor Brumlik.  Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von dieser Geschichte erfuhren?

Micha Brumlik: Ich fand das sehr traurig. Die Frau Hingst, die sich eine falsche Familiengeschichte zugelegt hat, hat mir wirklich leid getan. Ich habe mich freilich gefragt, ob so etwas vorkommen kann im Rahmen des Umstandes, dass ja die Frage des Holocaust, seiner Opfer und seiner Täter, ein wesentliches Thema in Deutschland ist. Und so kann ich mir vorstellen, dass die eine oder andere verwirrte Seele – Frau Hingst ist ja nicht der erste Fall – das in die falsche Kehle bekommt und für sich selbst falsch aktualisiert.

Was glauben Sie, steckt dahinter – dreister Zynismus, krankhafte Geltungssucht oder einfach nur Dummheit? Sie haben gerade schon Verständnis geäußert….

Vielleicht Dummheit oder mangelndes Einfühlungsvermögen und mangelnde historische Klarsicht – womöglich ist es auch so etwas wie ein unbewusster Wille, sich mit den Opfern nicht nur zu identifizieren, sondern zu ihnen zu gehören.

Sie haben ja einmal das Fritz Bauer-Institut in Frankfurt geleitet, ein Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Würden Sie sagen, die Hochstapelei, wenn wir das jetzt mal so bezeichnen, geht auf Kosten von Holocaust-Opfern?

Nicht direkt. Die wenigen Holocaust-Opfer, die ich noch kenne, zumeist ältere Leute, bei denen würde ich vermuten, dass ihnen das auch eher leid tut. Das ist ein trauriger Nebeneffekt des Umstandes, dass das insgesamt eine belastende Materie ist, die jedenfalls einen Teil des lesenden Publikums in Deutschland seit Jahrzehnten beschäftigt.

Wenn sich eine preisgekrönte Bloggerin wie Marie Sophie Hingst, eine studierte Historikerin, für alle Welt erkennbar auf die Seite der Opfer schlägt – verlässt sie dann das Lager der Täter, entzieht sie sich einer kollektiven Schuld?

Um Schuld kann es ohnehin nicht gehen bei ihrem Alter. Es geht um die Frage, ob diese Generation bereit ist, politisch-historische Verantwortung zu übernehmen. Und das würde ich dann bejahen. Unter diesen Umständen hat Frau Hingst versucht, sich der kollektiven Verantwortung, die die Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik Deutschland haben, zu entziehen. Aber ich glaube, dass der Wille, Opfer zu sein, stärker war als der Impuls, sich der Verantwortung zu stellen.

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Juni 4th, 2019 at 6:25 am

JA| Soll die Diaspora Israel kritisieren?

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Zwei Positionen zur Debatte

Pro –  Micha Brumlik: Jeder Jude kann sich äußern, wie er will – auch zur Siedlungspolitik.

Da das weltweit verstreute jüdische Volk eine Gemeinschaft im Glauben, aber keine politische Gemeinschaft ist, können und dürfen Jüdinnen und Juden die Politik anderer Juden kritisieren, unterstützen oder auch ablehnen. Sie sind dazu aber in keiner Weise moralisch oder gar religiös verpflichtet. In diesem Zusammenhang stellt sich eher die Frage: Welcher Art könnte etwa eine solidarische Kritik an Israel sein?

Hier ein Beispiel: Schon vor Jahren hat der amerikanische, jüdische Historiker Peter Beinart, geboren 1971, zutreffend festgestellt, dass die Herrschaft Israels über die Palästinenser des Westjordanlandes die zionistische Utopie ebenso zerstört, wie sie die Moral des jüdischen Volkes verdirbt. Er hat schon 2012 in seinem Buch Crisis in Zionism prognostiziert, dass zwar in den jüdischen Organisationen der USA die Anhänger eines »antiliberalen Zionismus« an Boden gewinnen werden, der Staat Israel aber dafür bei jungen Juden an Zuspruch verlieren und den meisten nichtorthodoxen amerikanischen Juden zunehmend gleichgültiger wird.

DEMOKRATIE Mit alledem wollte sich Peter Beinart, der entschieden für eine Zweistaatenlösung eintritt und für einen Zionismus in der liberalen Tradition im Sinne von Stephen Wise (Gründer des World Jewish Congress) und Abba Hillel Silver (amerikanischer Rabbiner) streitet, nicht abfinden: »Ein liberal denkender Jude, dem es gleichgültig ist, ob der jüdische Staat eine Demokratie bleibt«, so Beinarts Bekenntnis, »versündigt sich ebenso sehr gegen sein Volk wie ein Jude, dem es gleichgültig ist, ob dieser Staat überhaupt überlebt. Die progressiven engagierten Juden in den Vereinigten Staaten dürfen Israel nicht seinem Niedergang überlassen und sich damit begnügen, ihre religiösen und ethischen Ideale zu verwirklichen.«

»Gefragt ist solidarische Kritik. Wir Juden in der Diaspora haben die Folgen unserer Meinungen weit weniger zu verantworten als die Bürger Israels.«Micha Brumlik

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Juni 2nd, 2019 at 1:06 pm

ND| Antisemitismus: Judenhass, Staat und Zivilgesellschaft

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Micha Brumlik fordert mehr konkretes Handeln im Kampf gegen Antisemitismus

Von Micha Brumlik

Ja, Felix Klein ist ein besorgter und umtriebiger Mann, gleichwohl – oder deshalb? – sorgt er für Verwirrung. Als »Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus« hat er in der letzten Woche widersprüchliche Botschaften verbreitet: Während er zunächst Juden in Deutschland davor warnte, in der Öffentlichkeit eine Kippah zu tragen, meldete er sich wenige Tage später mit dem Vorschlag zu Wort, dass am Samstag alle Bürger des Landes eine Kippah tragen sollten – nicht zuletzt aus Solidarität mit jenen Juden, die gegen den israelfeindlichen »Al Quds«-Marsch islamistischer Verbände protestieren.

Treten wir einen Schritt zurück: In den Sozialwissenschaften ist es üblich, zwischen Beobachter- und Teilnehmerperspektive zu trennen – umgangssprachlich könnte man auch den Blick Außenstehender vom Blick unmittelbar Betroffener unterscheiden. Aus der Perspektive von Beobachtern waren und sind Kleins Einlassungen ein aufschlussreicher Hinweis auf die aktuelle politische (Un)Kultur in Deutschland, während die Reaktionen von Teilnehmern von der Zustimmung des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster bis zu der geharnischten Kritik des jüdischen Publizisten Michel Friedman reichten.

Was freilich bisher nicht auffiel, war, dass Klein so gut wie nichts bezüglich der Institutionen äußerte, die er tatsächlich vertritt: nämlich die Regierung der Bundesrepublik sowie – vermittelt – die Regierungen der Bundesländer. Indem sich Felix Klein hier an die jüdische Gemeinschaft und dort an eine aufgeschlossene Zivilgesellschaft wandte, vernachlässigte er den Bereich jenes politisch-staatlichen Betriebs, für den er im engeren Sinne zuständig ist. Schließlich sind der Politik die Hände in zwei entscheidenden Bereichen keineswegs gebunden: hinsichtlich der Belehrung und Bildung der künftigen StaatsbürgerInnen, was »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit« (Wilhelm Heitmeyer) betrifft sowie der deutlichen Verbesserung staatlicher Wachsamkeit und Repression.

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BIB Aktuell #69: Eine jüdisch-israelische Antisemitin?Bundestagsabgeordnete, bin ich antisemitisch?

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Ilana Hammerman in Haaretz zum BDS-Bundestagsbeschluss
Der Bundestagsbeschluss vom 12. Mai zur Ächtung von Boykotten gegen
Israel macht die israelische Friedensbewegung wütend. HaAretz ist die
einzige israelische Tageszeitung – mit nur kleiner Auflage in Israel – , in
der die Friedensbewegung zu Wort kommt. Am 24. Mai veröffentlichte 
HaAretz einen zornigen Essay von Dr. Ilana Hammerman. Sie ist 1944 in Haifa geboren und hat in Deutschland promoviert (im schönen
Bielefeld), aber ihre Sympathien für Deutschland gehen nach diesem
Bundestagsbeschluss gegen Null. Wir haben den Artikel ins Deutsche
übersetzt.



von Ilana Hammerman
24. Mai 2019
 
Deutschland, ich will nichts von Dir, weder Schlechtes noch Gutes! Das ist meine Botschaft als jüdische Israelin an Deutschland, dessen Politiker –
unter dem Deckmantel der Ablehnung der Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung BDS – festgestellt haben, dass ich und meine Kollegen im Kampf gegen die israelische Politik Antisemiten genannt werden
sollten.
 
Die Tatsache, dass Du die Familie meiner Mutter und Millionen anderer Mitglieder meines Volkes ermordet hast, gibt Dir, Deutschland, nicht das Recht zu bestimmen, wer antisemitisch ist. Doch Du hast Dir dieses Recht genommen, in der scheinheiligen Entschließung der Bundestagsmehrheit vom 17. Mai 2019.
 
Es war überhaupt nicht das Thema BDS (dessen Ablehnung nicht einmal richtig erklärt wurde), das im Mittelpunkt der Resolution stand. Der überwiegende Teil des langen Textes definiert Antisemitismus. Dabei hat der deutsche Gesetzgeber einen gewundenen, verstümmelten und
verworrenen Text produziert, dessen eigentlicher Kern die Gleichsetzung von Antisemitismus mit Kritik an der Politik Israels ist.
 
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Mai 30th, 2019 at 10:05 pm

Bitte unterstützen SIE das Projekt:Meschugge – Ein Forumtheaterstück gegen Hass, der uns spaltet

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Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren aus Offenbach planen ein interaktives Theaterstück, mit dem sie ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus setzen wollen. Das Theaterstück „Mega meschugge – der Hass, der uns spaltet“ thematisiert antisemitische und rassistische Alltagssituationen und begibt sich gemeinsam in Interaktion mit dem Publikum auf die Suche nach dem, was uns als Gesellschaft zusammenhält.

Worum geht es in dem Projekt?

Die teilnehmenden Jugendlichen setzen sich zunächst in einer intensiven Vorbereitungsphase in Form von Workshops mit den ThemenAntisemitismus und Rassismus auseinander.
Gleichzeitig wird mit Theaterpädagog*innen das Stück erarbeitet. Es sollen in dem Stück mehrere Alltagssituationen dargestellt werden, die den Hass zwischen Menschen aufgrund von Antisemitismus und Rassismus verdeutlichen.
Das Besondere an dem Theaterstück ist, dass es ein interaktives Forumtheater ist, bei dem das Publikum miteinbezogen wird. Die Darsteller*innen begeben sich gemeinsam mit dem Publikum auf die Suche nach Lösungen, indem Einzelne auf die Bühne kommen und zusammen mit den Darsteller*innen ein positives Ende spielen und somit ein pädagogischer Effekt erzielt wird: Hass abbauen, alternative Lösungen finden und diese auch im Alltag umsetzen.

Warum sollte jemand dieses Projekt unterstützen?

Der Hass der uns spaltet, geht uns alle etwas an – Das ist unser Motto. Wir leben in einer Zeit in der alle, ob aktiv oder passiv, von Hass betroffen sind. Das Internet und die sozialen Medien sind gefüllt mit Hasskommentaren. Der relativ neue juristische Begriff “Hasskriminalität” wird salonfähig und steigt in Deutschland stätig an. Antisemitismus und Rassismus kommen im Alltag immer und überall vor.
Mit unserem Projekt setzen wir zum einen ein Zeichen gegen Hass und möchten gemeinsam mit dem Publikum Lösungen finden, damit diese auch im Alltag umgesetzt werden können. Zum anderen hilft es, um in konkreten Situationen richtig zu handeln: Als Täter*in reflektiert man den Hass. AlsBetroffene*r weiß man richtig zu handeln. Aber auch als Beobachter*inlernt man Zivilcourage zu zeigen.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?

Bei erfolgreicher Finanzierung wird das Theaterstück gemeinsam mit den Jugendlichen geschrieben. Hierzu sollen Expert*innen hinzugezogen werden, die uns bei der Erstellung des Stücks unterstützen sollen.
Auch ist der Austausch mit jüdischen Organisationen und Antirassismus-Organisationen geplant, um echte Geschichten von Betroffenen in das Stück mit einzubauen.
Mit dem Mindestfundingziel von 10.000 Euro ist die Workshopphase und eine Premiere am Theater realisierbar. Außerdem können wir damit die ersten Auftritte an Schulen abdecken.
Je nach generierter Summe kann die Zahl der Aufführungen am Theater und an den Schulen steigen. Die Summe beinhaltet die Miet- und Aufführungskosten, das Honorar der Darsteller*innen und das Honorar der Theaterpädagog*innen, die uns bei der Vorbereitung unterstützen.
Meschugge ist als Pilotprojekt zu verstehen und verfolgt das Ziel bundesweit aufzutreten, nachdem die Pilotphase erfolgreich im Rhein-Main-Gebiet abgeschlossen wurde.

Hier können SIE das Projekt fördern

Bundestag| Angriffe auf jüdische Einrichtungen von 2010 bis 04.2019

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Im Zeitraum von Anfang des Jahres 2010 bis April dieses Jahres ist es in Deutschland zu mehr als 500 Angriffen auf jüdische Einrichtungen wie Synagogen und Friedhöfen gekommen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (19/10054) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (19/9643) hervor. Wie die Bundesregierung dazu weiter ausführt, wurden im Zeitraum von 2010 bis 2019 (Stand: 25. April 2019) in 76 Fällen Tatverdächtige registriert.

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Mai 17th, 2019 at 10:49 am

Sara-Nussbaum-Zentrum|Antisemitismus im Europawahlkampf:Das Plakat „Israel ist unser Unglück“ der Partei „Die Rechte“ braucht eine Antwort der Demokraten!

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Antisemitismus im Europawahlkampf

Das Plakat „Israel ist unser Unglück“ der Partei „Die Rechte“ braucht eine Antwort der Demokraten!

Der Aufmarsch von Neonazis in Plauen, die antisemitischen Plakate einer kleinen rechtsextremen Partei, immer mehr judenfeindliche Ausfälle und Angriffe – es reicht! Wir brauchen eine gut hörbare Antwort der Demokraten!

Der Spruch „Israel ist unser Unglück“ erinnert klar an die nationalsozialistische Parole „Die Juden sind unser Unglück“. Das können Demokratinnen und Demokraten nicht ohne Widerspruch hinnehmen! Wo immer das unsägliche Plakat auftaucht, braucht es eine sichtbare Reaktion!

Wir haben im Rahmen einer Eil-Aktion ein Plakat entwickeln, dass engagierte Bürgerinnen und Bürger auf legale Weise verwenden können, um den antisemitischen Wahnsinn zu kontern. Jetzt aktiv werden – gegen jeden Antisemitismus!

Alle Infos zur Bestellung

TAZ| In anderer Verfassung

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Kann es einen europäischen Verfassungspatriotismus in Deutschland geben? Überlegungen anlässlich dreier wichtiger Daten im Mai.

von Micha Brumlik

Der Wonnemonat Mai konfrontiert das Volk der Bundesrepublik in diesem Jahr mit mehreren bedeutsamen Terminen: der Europawahl am 26. Mai, der Erinnerung an die Gründung des Europarats vor 70 Jahren sowie dem Gedenken an die Verabschiedung des Grundgesetzes vor 70 Jahren am 23. Mai 1949 durch den Parlamentarischen Rat in Bonn.

Es war der eher konservative Politikwissenschaftler Dolf Sternberger (1907–1989), einer der Begründer der deutschen Politikwissenschaft nach dem Kriege, der den Begriff des „Verfassungspatrio­tismus“ prägte, einen Begriff, den später der Philosoph Jürgen Habermas offensiv aufgenommen hat.

Der „Verfassungspatriotismus“ sollte ein Gegenentwurf zum Nationalismus sein, das heißt das ebenso fröhliche wie mutige Eintreten für die Prinzipien des Grundgesetzes, vor allem und in erster Linie für die „Würde des Menschen“, die gemäß Artikel 1 „unantastbar“ ist. „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

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swr2 Zeitgenossen: Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler und Publizist (Archiv)

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Micha Brumlik kam als Kind jüdischer Flüchtlinge 1947 in der Schweiz zur Welt. 1952 zog die Familie nach Frankfurt am Main um. Hier legte er das Abitur ab, studierte Pädagogik, Philosophie und Soziologie, engagierte sich als Stadtverordneter, leitete das Fritz-Bauer-Institut und war bis 2013 Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft. Als Religionsphilosoph hat Brumlik die Mühe deutscher Juden, im Land der Täter als citoyens anerkannt zu werden, ein halbes Jahrhundert lang erlebt und als kritischer Publizist begleitet.

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April 14th, 2019 at 10:10 am

Abgeordnetenhaus| Anfrage: Antisemitisch motivierte Straftaten in Berlin (2018)

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Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Peter Trapp (CDU)

zum Thema: Antisemitisch motivierte Straftaten in Berlin (2018) und Antwort vom 05. März 2019 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 11. Mrz. 2019)

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt:

Vorbemerkung: Grundlage für die Beantwortung der Anfrage bei der Polizei bildet der „Kriminalpolizeiliche Meldedienst in Fällen Politisch motivierter Kriminalität“ (KPMD-PMK). Dabei handelt es sich entgegen der „Polizeilichen Kriminalstatistik“ (PKS) um eine Eingangsstatistik. Die Fallzählung erfolgt tatzeitbezogen, unabhängig davon, wann das Ermittlungsverfahren eingeleitet oder an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurde.

Die folgenden statistischen Angaben stellen keine Einzelstraftaten der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) dar. Bei der Darstellung handelt es sich um Fallzahlen. Ein Fall bezeichnet jeweils einen Lebenssachverhalt in einem engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit identischer oder ähnlicher Motivlage, unabhängig von der Zahl der Tatverdächtigen, Tathandlungen, Anzahl der verletzten Rechtsnormen oder der eingeleiteten Ermittlungsverfahren. Die Fälle der PMK unterliegen bis zum Abschluss der Ermittlungen – gegebenenfalls bis zum rechtskräftigen Gerichtsurteil – einer Bewertung gemäß der angenommenen Tätermotivation. Darüber hinaus können Fälle der PMK erst nach dem Statistikschluss bekannt und entsprechend gezählt werden. Deshalb kommt es sowohl unter- als auch überjährig immer wieder zu Fallzahlenänderungen. Es werden nur die Fälle gezählt, die gemäß den bundesweit verbindlichen Verfahrensregeln zur Erhebung von Fallzahlen im Rahmen des KPMD-PMK für Berlin statistisch zu zählen sind.

Bei der Staatsanwaltschaft und der Generalstaatsanwaltschaft beruht die Anzahl der Verfahrenseingänge auf den von der Polizei und Bundespolizei abgegebenen Ermittlungsverfahren sowie auf Strafanzeigen, die nicht bei der Polizei erstattet wurden, sondern direkt bei der Staatsanwaltschaft bzw. bei der Generalstaatsanwaltschaft.

Schon allein deshalb kann die Anzahl der jeweils statistisch erfassten antisemitisch motivierten Straftaten bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft bzw. der Generalstaatsanwaltschaft nicht identisch sein.

Hinzu kommt, dass die Verfahren von der Polizei nicht sofort an die Staatsanwaltschaft abgegeben werden und es somit zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten der jeweiligen Erfassung der gleichen Straftat kommt (Tatzeitpunkt und Verfahrenseingang bei der Staatsanwaltschaft).

Zu weiteren Abweichungen der jeweils statistisch erfassten Straftaten kommt es, da bei der Staatsanwaltschaft und der Generalstaatsanwaltschaft eine händische Erfassung als Nebenverfahrensklasse für Verfahren mit dem Verdacht von Straftaten mit antisemitischem Hintergrund erfolgt und somit es zu unterschiedlichen Bewertungen von Staatsanwaltschaft und Polizei kommen kann. Auch können sich Tatsachen, die für einen antisemitistischen Hintergrund sprechen, erst im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren den Behörden offenbaren oder bestehende Verdachtsmomente durch weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entkräftet werden.

1. Wie viele antisemitisch motivierte Straftaten hat es im Jahr 2018 gegeben?

Zu 1.: Für das Jahr 2018 wurden bei der Polizei Berlin phänomenbereichsübergreifend 324 Fälle mit antisemitischer Motivation registriert.

Bei der Staatsanwaltschaft Berlin und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin sind insgesamt 440 Verfahren wegen des Verdachts von Straftaten mit antisemitischem Hintergrund eingegangen, 340 Verfahren gegen bekannte Tatverdächtigte und 100 Verfahren gegen unbekannte Tatverdächtigte.

Berlin, den 5. März 2019

In Vertretung M. Gerlach Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung

Quelle:
http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/18/SchrAnfr/S18-17929.pdf

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März 19th, 2019 at 2:05 pm

BILD|VERBÄNDE UND POLITIKER ENTSETZT ÜBER VERANSTALTUNG MIT RASMEA ODEH! Warum darf diese Terroristin in Berlin auftreten?

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von: UTA STILLER

Berlin – Rasmea Odeh war 1969 bei einem Attentat auf einen Jerusalemer Supermarkt beteiligt und einst zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun spricht sie bei einem Vortrag in Kreuzberg.

Am Waterloo-Ufer in Kreuzberg soll Freitag die verurteilte palästinensische Terroristin Rasmea Odeh (71 oder 72) in den Räumen des Dersim-Kulturvereins einen Vortrag halten. Sie ist Gast der Veranstaltung „Palästinensische Frauen im Befreiungskampf“.

Darauf hat das Berliner Jüdische Forum hingewiesen. Sprecherin Lala Süsskind: „Es ist unerträglich, dass hier in Berlin eine palästinensische Terroristin für ihren mörderischen Kampf gegen Israel und die Juden als Freiheitskämpferin verklärt und gefeiert werden soll. Es muss doch eine Möglichkeit geben, dieser schamlosen Glorifizierung einer antisemitischen Mörderin Einhalt zu gebieten.“

Odeh wurde 1970 in Israel wegen der Beteiligung an einem Bombenattentat auf einen Jerusalemer Supermarkt 1969, bei dem die Studenten Leon Kanner und Eddie Joffe starben, zu lebenslanger Haft verurteilt. 1980 wurde sie gemeinsam mit 77 weiteren Häftlingen im Austausch gegen einen israelischen Soldaten freigepresst, sie lebt in Jordanien.

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März 14th, 2019 at 2:53 pm

Deutschlandfunk| Antisemitismusvorwurf – Umstrittene Stimme

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Der Göttinger Friedenspreis 2019 geht an den Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“. Der Zentralrat der Juden kritisiert die Entscheidung, da der Verein die Boykottbewegung gegen Israel unterstütze. Stadt und Uni distanzierten sich von der Auszeichnung, verliehen wird er trotzdem.

Von Michael Hollenbach

Zu den schärfsten Kritikern der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ gehört Achim Dörfer, der zweite Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Göttingen. Er begrüßt ausdrücklich den Rückzug von Universität, Stadt und Sparkasse von der Preisverleihung.

„Was für mich klar ist: Es darf dafür keine öffentliche Unterstützung geben. Es darf aus der Mitte der Gesellschaft keine Unterstützung geben.“

„Das ist eine feige Rückzugsentscheidung, und sie ist auch unehrlich begründet“, sagt dagegen Andreas Zumach.

Der Journalist ist Jury-Vorsitzender des Göttinger Friedenspreises. Er kritisiert, dass die Unipräsidentin und der Oberbürgermeister dem Druck des Zentralrats der Juden in Deutschland nachgegeben hätten.

„Denn sie haben die ausführlich begründete Entscheidung der Jury des Göttinger Friedenspreises geringer gewichtet als die Rufmordversuche, Falschbehauptungen des Zentralrat-Vorsitzenden der Juden Schuster.“

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Written by lbucklitsch

März 8th, 2019 at 11:58 am

TAZ| Nationalisten? Verfassungspatrioten!

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von Micha Brumlik

Sind Militärrabiner in der Bundeswehr ein Rückschritt? Nein, was der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert, ist im Sinne des Grundgesetzes.

Manche mögen es befremdlich finden, dass ausgerechnet der Zentralrat der Juden in Deutschland derzeit vehement fordert, in der Bundeswehr mit ihren gerade einmal dreihundert jüdischen Soldaten Militärrabbiner einzustellen. Also auch hier neuer Nationalismus? Im Gegenteil! Geht es doch gerade darum, Verfassungspatriotismus zu fördern.

Wie heißt es doch im ersten Artikel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Hier ist von der Würde des Menschen, und das heißt aller Menschen, die Rede – und eben nicht: der Würde des Deutschen.

Tatsächlich ist es nicht zuletzt eine jüdische Erfahrung, die sich darin niederschlägt. So wird in des italienisch-jüdischen Chemikers Primo Levi kristallklarem Bericht über seine Lagerhaft in Auschwitz den Erfahrungen absoluter Entwürdigung Rechnung getragen: „Mensch ist“, so notiert Levi für den 26. Januar 1944, einen Tag vor der Befreiung des Lagers „wer tötet, wer Unrecht zufügt oder erleidet; kein Mensch ist, wer jede Zurückhaltung verloren hat und sein Bett mit einem Leichnam teilt. Und wer darauf gewartet hat, bis sein Nachbar mit Sterben zu Ende ist, damit er ihm ein Viertel Brot abnehmen kann, der ist, wenngleich ohne Schuld, vom Vorbild des denkenden Menschen weiter entfernt als … der grausamste Sadist.“

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März 6th, 2019 at 9:49 am

tagesspiegel| Initiative will Altersarmut bekämpfen

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Jüdischen Zuwanderern aus der früheren Sowjetunion droht hierzulande Altersarmut. Ein Initiative drängt, dies zu verhindern – und legt einen Gesetzentwurf vor. CLAUDIA VON SALZEN

„Zedek“ ist hebräisch und bedeutet Gerechtigkeit. Unter diesem Namen haben vor einiger Zeit mehr als 80 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft die Bundesregierung und das Parlament aufgefordert, die Altersarmut unter jüdischen Zuwanderern in Deutschland zu bekämpfen. Nun hat die Initiative dazu einen Gesetzesvorschlag erarbeitet, der dem Tagesspiegel vorliegt.AnzeigeAnzeige

Seit 1990 kamen etwa 200.000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, sie stellen heute die Mehrheit in den Gemeinden. Während Spätaussiedler ihre in den Staaten der früheren Sowjetunion geleisteten Berufsjahre für die Rente anrechnen lassen können, haben jüdische Zuwanderer aus denselben Ländern diese Möglichkeit nicht. Deswegen sei mehr als ein Drittel von ihnen heute auf Sozialhilfe angewiesen, sagte Sergey Lagodinsky, der dem Parlament (Repräsentantenversammlung) der Jüdischen Gemeinde zu Berlin angehört.

“Holocaust-Überlebende werden in Deutschland vor Gericht gezerrt”

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März 2nd, 2019 at 11:11 am

Stadtradio| Kontroverse um Göttinger Friedenspreis: Betrachtung aus wissenschaftlicher Sicht

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Sendung:Mittendrin [Redaktion]
Autor:Jennifer Bullert
Datum:Donnerstag, 28. Februar 2019, 15:14 Uhr
Dauer:07:37 Minuten (bisher gehört: 53)
[zitierfähiger Link / Permalink]

Eigentlich wollten die Stadt, Universität und Sparkasse Göttingen am Samstag, den 9. März, die Vergabe des Göttinger Friedenspreises der Dr. Roland-Röhl-Stiftung feiern. Eigentlich. Denn nachdem bekannt wurde, dass die Jury den Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ zum Preisträger auserkoren hatte, kam von vielen Seiten Kritik auf. Aufgrund von Verbindungen zur “Boycott, Divestment and Sanctions”-Bewegung (BDS) wird dem Verein Antisemitismus vorgeworfen. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden äußerte sich ablehnend zur Jurywahl. Zugleich verteidigten viele Privatpersonen und der Juryvorsitzende Andreas Zumach den Verein. Inzwischen haben Stadt, Universität und Sparkasse Abstand vom Friedenspreis 2019 genommen und ihre Unterstützung zurückgezogen. Um die Kontroverse aus wissenschaftlicher Sicht zu beleuchten, hat Jennifer Bullert mit dem Publizisten Prof. Dr. Micha Brumlik vom Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg gesprochen.

00:0007:36[Download MP3]

Abgeordnetenhaus| Ist die Bekämpfung von Antisemitismus in Berlin unterfinanziert? /Kleine Anfrage

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Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Cornelia Seibeld (CDU) vom 31. Januar 2019 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 01. Februar 2019) zum

Thema: Ist die Bekämpfung von Antisemitismus in Berlin unterfinanziert?

und Antwort vom 19. Februar 2019 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 21. Feb. 2019)

A n t w o r t auf die Schriftliche Anfrage Nr. 18/17738

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März 1st, 2019 at 10:27 am

bpb|Basiswissen Judentum

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Das Interesse am jüdischen Leben in Deutschland wächst. Zugleich aber halten sich Unwissen und Vorurteile. Dieses allgemein verständliche Handbuch bietet profundes und breites Wissen zu Juden und Judentum.

Basiswissen Judentum

Juden und Judentum: Obwohl das Interesse am jüdischen Leben in Deutschland ständig wächst, bestehen Unwissen und Vorurteile fort. Dieses allgemein verständliche Handbuch möchte dem mit profundem Wissen begegnen. Es entfaltet das Selbstverständnis des Judentums, das geprägt ist vom jüdischen Gottesbild und seinen heiligen Schriften, den Feiertagen, den Speise- und Kleidungsvorschriften sowie der besonderen Bedeutung von Bildung und Wissenschaft. Die Autoren stellen jüdische Mystik, Tradition und Wissenschaft vor und erläutern Geschichte und Bedeutung der jiddischen Sprache. Ausführlich widmen sie sich der Geschichte des Judentums mit einem Schwerpunkt auf dem 20 Jahrhundert, der Verfolgung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten und der Schoa. Das Buch beleuchtet zudem die Umstände der Staatsgründung Israels und fragt nach der Neubelebung jüdischen Lebens in Deutschland im Schatten der Schoa sowie dem Verhältnis des Judentums zu Christentum und Islam.


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Autor: Andreas Nachama / Walter Homolka / Hartmut Bomhoff, Seiten: 688, Erscheinungsdatum: 13.02.2019, Erscheinungsort: Bonn, Bestellnummer: 10307

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Februar 27th, 2019 at 1:52 pm

TAZ| Kommentar/ Göttinger Friedenspreis: Das Prinzip Kontaktschuld

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Es gibt keinen vernünftigen Grund, der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ den Göttinger Friedenspreis zu verweigern.

von Micha Brumlik

Nein, es gibt keinen vernünftigen Grund, der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ den ihr zugesprochenenen Preis zu verweigern beziehungsweise den Festlichkeiten der Preisverleihung fernzubleiben oder sich von ihnen zu distanzieren.

Gewiss: Unbestritten ist, dass die „Jüdische Stimme“ die Organisation „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) unterstützt. Und diese wird trotz ihrer erklärten und bisher auch durchgehaltenen Gewaltfreiheit von vielen, die dazu von der Sache berufen oder eben auch nicht berufen sind, für antisemitisch erklärt.

Erstens, weil BDS Waren von israelischen Firmen, die Juden gehören, boykottieren will – was viele an den nationalsozialistischen Judenboykott vom April 1933 erinnert.

Zweitens, weil BDS fordert, dass der Staat Israel alles besetzte und kolonialisierte arabische Land räumt – was nach Überzeugung vieler nicht weniger bedeutet als das Ende des jüdischen Staates Israel. Dem mag so sein oder nicht, indes folge man der Logik: eine Rückzugsforderung an den Staat beinhaltet immerhin, dass es auch Gebiete gibt, auf denen er legitim existiert.

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