Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Deutschlandfunk| Micha Brumlik nach dem AfD-Parteitag – Die CDU sollte Distanz wahren

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Micha Brumlick im Gespräch mit Ute Welty

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Nach dem AfD-Parteitag sei deutlich geworden, dass der Parteivorsitzende Alexander Gauland die Partei weiter nach rechts rücken wolle, sagte der Publizist Micha Brumlik. Er erwartet, dass man mit der AfD über die nächsten Jahre rechnen müsse.

Vor allem auf die CDU komme angesichts der Entwicklung der AfD eine besondere Verantwortung zu, sagte der Publizist Micha Brumlik im Deutschlandfunk Kultur. „Sie muss auf jeden Fall vermeiden, sich von der AfD dulden zu lassen“, sagte Brumlik über zukünftige Regierungsbildungen. Die Union dürfe sich in den nächsten Jahren nicht auf eine Koalition mit dieser rechtsextremen Partei einlassen.

Rechtsruck bei der AfD

Der AfD-Parteitag am Wochenende habe gezeigt, dass der in die Doppelspitze gewählte Alexander Gauland die Partei weiter nach rechts rücken wolle, sagte Brumlik. Der zweite Vorsitzende Jörg Meuthen sei angesichts seines Wechsels als Abgeordneter ins EU-Parlament offenbar vor allem um sein eigenes Wohl besorgt. Der umstrittene AfD-Politiker Björn Höcke werde seiner Einschätzung nach nicht aus der Partei ausgeschlossen. „Ich glaube, dass das nicht nur strategischer Opportunismus ist, der dazu führt, dass man Höcke und diese extrem rechte Anhängerschaft behalten will, sondern dass das auch – jedenfalls bei Gauland –  tiefe innere Überzeugung geworden ist.“

Ausreichendes Wählerpotential

Die Partei werde seiner Erwartung nach „extrem einwanderungs- und ausländerfeindlich“ und „islamophob“ bleiben, sagte der Publizist. Im Bundestag werde sie sich vermutlich solange etwas zurückhalten, bis es den Parteistrategen angemessen erscheine, wieder einen Eklat zu inszenieren, um in die Schlagzeilen zu kommen.  Die AfD werde mittelfristig erhalten bleiben, da es ein ausreichendes Wählerpotential gebe und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ein Grundressentiment gegen die gegenwärtigen Zustände existiere. „Das ist in anderen westeuropäischen Ländern auch nicht anders, deswegen vermute ich, dass wir noch auf ein paar Jahre mit dieser Partei werden leben müssen.“

 

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

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Dezember 4th, 2017 at 12:24 pm

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Morgenpost| „Du Jude!“ – So wächst der Antisemitismus in Deutschland

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Viele Juden in Deutschland erleben Vorurteile und Hetze. Von Neonazis, radikalen Muslimen, aber auch aus der Mitte der Gesellschaft.

von Christian Unger

Meldung von Anfang November: Eine Schülerin aus Dresden erhält einen Preis für Zivilcourage. Sie hatte einen Mitschüler angezeigt, weil er und andere Witze über den Holocaust gemacht oder den Hitlergruß gezeigt haben sollen. Die Ermittlungen gegen den Jungen wurden eingestellt. Dafür prangt das Foto des Mädchens schon bald auf Facebook, in Kommentaren wird sie als „Denunziantin“ und als „indoktriniert“ beschimpft.

Am 9. November, Gedenktag an die Reichspogromnacht der Nationalsozialisten, klauen mutmaßlich Rechtsextremisten mehrere Stolpersteine aus den Gehwegen, die an ermordete Juden erinnern.
Sommer 2014: Eine Pro-Palästina-Kundgebung im Ruhrgebiet eskaliert. Demonstranten rufen: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“.

Im Frühjahr 2017 verlässt ein jüdischer Junge seine Berliner Schule, nachdem Mitschüler aus türkischen und arabischen Familien ihn bedrohten. Die Schulleitung steht in der Kritik. Sie habe weggeschaut.

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November 28th, 2017 at 10:57 am

TimesofIsrael| Martin Luther 500th anniversary marred by anti-Semitism row

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Controversy erupts over ‚Judensau‘ carving on church showing Jews suckling the teats of a sow as a rabbi looks under its leg and tail

A bitter row over a medieval anti-Semitic carving on a church wall risks overshadowing Germany’s celebrations on Tuesday to mark the 500th anniversary of the Reformation, the seismic theological shift started by German theologian Martin Luther.

The bas relief sculpture at the heart of the dispute dates from around 1300 and is one of Germany’s last remaining examples of vulgar anti-Jewish folk art that was common in Europe during that era.

The graphic stone image shows Jews suckling the teats of a sow as a rabbi looks intently under its leg and tail. The hateful symbolism is that Jews obtain their sustenance and scripture from an unclean animal.

Many churches in the Middle Ages had similar “Judensau” (Jewish pig) sculptures, which were also aimed at sending the stark message that Jews were not welcome in their communities.

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Oktober 31st, 2017 at 12:55 pm

mdr| Protestaktion gegen die „Judensau“

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Kurz vor dem Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum in Wittenberg haben Persönlichkeiten aus Kirche und jüdischer Gemeinschaft gegen das umstrittene Relief „Judensau“ an der Stadtkirche protestiert. An der Kundgebung am Samstagnachmittag in der Lutherstadt beteiligten sich nach Angaben der Initiatoren etwa 40 Bürger. Auch Martin Luther gilt als Antisemit. Worum geht es in der Auseinandersetzung?

Das um 1300 angebrachte Relief zeigt eine Sau, die Menschen säugt – gemeint sind Juden. Ein Mann, der der Sau ins After schaut, soll ebenfalls einen Juden darstellen. Mit der Schmähung sollten Juden abgeschreckt werden, sich in der Stadt niederzulassen. Im Mittelalter wurden durch solche Abbildungen an vielen Kirchen Menschen des jüdischen Glaubens geschmäht.

Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums ist nun wieder die Debatte über den Umgang mit der „Judensau“ neu entbrannt, die wegen einer nachträglich ergänzten Inschrift auch „Luthersau“ genannt wird. Auch der Reformator Martin Luther (1483-1546) gilt als Antisemit. Besonders in seinen späten Schriften hetzte er gegen Juden.

Wie argumentieren die Befürworter des Reliefs?

Die Gemeinde der Stadtkirche und der Wittenberger Stadtrat haben sich für den Erhalt des Reliefs außen an der Schlosskirche ausgesprochen. Sie argumentieren, als eine der ersten Kirchengemeinden in Deutschland habe die Stadtkirchengemeinde 1988 ein Mahnmal eingeweiht, das sich auf die Schmähplastik beziehe. Die Bodenplatte lege sich dem Besucher förmlich in den Weg. Auf diese Weise werde ein Erinnerungsstück der Geschichte bewahrt und zugleich schuldbewusst und kritisch kommentiert. In einem Positionspapier heißt es: „Geschichte soll nicht versteckt werden und Geschichtsvermittlung gelingt am eindrücklichsten am authentischen Ort.“

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Oktober 31st, 2017 at 12:52 pm

Deutschlandfunk| Der Terror aus den Hügeln, von Micha Brumlik

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Eigentlich passt der Begriff des Fundamentalismus so gar nicht zum Judentum. Schließlich geht es in der jüdischen Religion ganz wesentlich darum, die Bibel zu interpretieren, zu hinterfragen und Textstellen unterschiedlich auszulegen

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Oktober 16th, 2017 at 12:54 pm

TAZ| Ist es gerecht, dass die einen Heimat haben und die anderen nicht?

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Weil gesunder Patriotismus und Liebe zur Heimat wichtig sind.“ So heißt es im siebten Punkt des von der CSU publizierten Grundsatzpapiers. Und weiter: „Wir können stolz sein auf das, was Deutschland in den letzten 70 Jahren erreicht hat. Die Werte und Prägung unserer Heimat sorgen für Identität und Zusammenhalt. Nur wer der eigenen Sache sicher ist, kann anderen offen und tolerant begegnen. Dagegen müssen wir klarmachen: Wer Kreuze abnehmen, Schweinefleisch verbannen und Martinsumzüge in Lichterfest umbenennen will, ist nicht tolerant, sondern betreibt gefährliche Selbstverleugnung.“

Was aber genau ist Heimat? Jener Ort, an dem Menschen schon immer gelebt haben? Der Ort ihrer Herkunft? Oder doch vielleicht ein Ort der Ankunft? Wie etwa jene westdeutschen Städte, Länder und Gemeinden, in denen nach dem Zweiten Weltkrieg etwa 12 Millionen aus Ostdeutschland Vertriebene eine – ja – „neue“ Heimat fanden? Her-kunft, An- kunft und: Zu-kunft: Auswanderer, etwa die „Pilgrim Fathers“, die im frühen siebzehnten Jahrhundert von England mit der Mayflower nach Nordamerika segelten, suchten einen Ort, an dem sie ihren im Herkunftsland bedrängten Glauben in Freiheit – also in geistiger Heimat – leben konnten.

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Oktober 11th, 2017 at 3:03 pm

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Blätter| Micha Brumlik – Flucht ohne Grenzen

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Das Weltbürgerrecht und die Neuvermessung des politischen Raums
Foto: Johnny Silvercloud: „This Barbed Wire Cannot Keep These People Apart Forever“ Foto: Johnny Silvercloud: „This Barbed Wire Cannot Keep These People Apart Forever“ (Attribution-ShareAlike License) von Micha Brumlik
Es sind keineswegs nur rechte Bewegungen, die heute eine Rückkehr zum klassischen Nationalstaat betreiben. Auch in der Linken gewinnt die Rückbesinnung auf die Nation zunehmend an Popularität. Beide Seiten eint der Glaube, durch das Wiedererrichten der nationalen Grenzen die verheerenden Folgen der neoliberalen Globalisierung doch noch abwehren oder zumindest besser kontrollieren zu können.

Doch bei dieser Vorstellung handelt es sich um eine fatale Illusion. Schon vor Jahren argumentierte der Soziologe Niklas Luhmann, nach der „Entdeckung“ der letzten tribalen Kulturen des Erdballs auf Neu-Guinea in den 1930er Jahren könne sinnvoll nur noch von einer einzigen, freilich in sich vielfältig segmentierten und differenzierten Weltgesellschaft die Rede sein.[1] Und auch Karl Marx erkannte 1848 in seinem „Kommunistischen Manifest“: „Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.“[2]

Angesichts von Digitalisierung, Verkehrstechnik und ökonomischer Globalisierung erscheinen politische Theorien, die sich auf begrenzte Räume beziehen, so beschränkt, dass sie kaum noch ernsthafte Orientierung bieten können. Spätestens das sogenannte Flüchtlingsproblem überführte – zumindest seit es eine bestimmte Größenordnung[3] angenommen hat – den klassischen Nationalstaat, aber auch übergreifende, partiell politisch und rechtlich geordnete Großräume wie die EU ihres systematischen Ungenügens. Es bedurfte offenbar der durch die Globalisierung hervorgerufenen massenhaften Flucht, in der sich Menschen auf langen, gefährlichen Wegen auf die Suche nach einer besseren Heimat machen, um westlichen Gesellschaften vor Augen zu führen, dass die globalisierte Welt ein kosmopolitisches Denken erfordert.

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September 28th, 2017 at 8:34 am

TAZ| Micha Brumlik: Die Erben des Rassismus

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WIEDERGÄNGER Der Einzug der AfD in den Bundestag steht nicht nur für ein Aufschließen Deutschlands zum (west-)europäischen Normalmaß. Dahinter verbirgt sich auch eine fatale Kontinuität deutscher Geschichte

Die rechtsextreme AfD zieht in den Bundestag ein – eine Partei, die sich in Teilen affirmativ zum Nationalsozialismus verhält. Derlei gab es schon in der Frühzeit der Bundesrepublik. In ihren ersten Jahren gelangten Parteien und Personen in das Parlament, die persönliche und programmatische Beziehungen zur NS-Zeit hatten: Zum Beispiel Hans-Christoph Seebohm, zunächst Mitglied der DP, der „Deutschen Partei“, die über Direktmandate 1953 bis 1961 im Bundestag saß. 1960 trat Seebohm der CDU bei, von 1949 bis 1966 war er Bundesverkehrsminister. Er forderte 1949 Ehrfurcht vor Fahnen des Nationalsozialismus, schmähte das Grundgesetz als von den Alliierten „erzwungen“ und schwafelte von einer „So­zial­de­mo­kratie mit asia­ti­schen Wurzeln, die nicht zum Deutschtum führen“ könne.

Ähnliche Töne sind heute – bald siebzig Jahre später – aus dem Munde des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland zu vernehmen: Er ruft dazu auf, auf die „Leistungen“ einer der schlimmsten Mordmaschinen des 20. Jahr­hun­derts, der Deutschen Wehrmacht, stolz zu sein. Gauland, der als persönlicher Referent des damaligen Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) vietnamesische Flüchtlinge in die Stadt holte und dafür sorgte, dass Wallmann 1980 dem linksliberalen Philosophen Jürgen Habermas den Theodor W.-Adorno-Preis verlieh, hat nach seinem verbitterten Ausscheiden aus der CDU die Maske des in Tweed gekleideten britischen Konservativen abgelegt.

 

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September 26th, 2017 at 4:14 pm

JA| »Diese Trümmer waren schön«

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Der Platz war magisch«, erinnert sich die Schriftstellerin Eva Demski. Sie gehörte zu den Aktivisten, die im August 1987 den Frankfurter Börneplatz für mehrere Tage besetzten. Zuvor wurden dort bei Bauarbeiten für die Frankfurter Stadtwerke Fundamente von 19 Häusern der zwischen 1874 und 1884 abgerissenen Judengasse freigelegt.

Zur Besetzung der Baustelle kam es, als die Stadt einen Baustopp ablehnte. Der Platz wurde anschließend von der Polizei geräumt. Nur fünf Hausfundamente blieben erhalten. Heute bilden sie das Zentrum des Museums Judengasse, einer Dependance des Jüdischen Museums Frankfurt.

Die Frankfurter Judengasse war 1462 als erstes jüdisches Ghetto Europas eingerichtet worden und war lange Zeit eines der bedeutendsten Zentren des deutschsprachigen aschkenasischen Judentums. Die Ausgrabungen von 1987 stellten den bis dahin größten archäologischen Fund einer europäischen jüdischen Siedlung der Frühen Neuzeit dar.

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August 24th, 2017 at 7:59 am

DLF|Publizist Brumlik zu „Auschwitz on the beach“

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„Preis für das Erregen von Aufmerksamkeit ist zu hoch“
Micha Brumlik im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Franco Berardi trage dazu bei, das historische Bewusstsein zu verunklaren, kritisiert Micha Brumlik die geplante documenta-Performance. (dpa / Hauke-Christian Dittrich)
Eine bei der documenta bevorstehende Performance sorgt für Aufregung. Mit „Auschwitz on the beach“ würden alle verlieren, kritisiert der Publizist Micha Brumlik: Der Autor Franco Berardi selbst, die NS-Opfer und auch alle, die Flüchtlingen helfen.

„Das Schlimmste ist, dass diese Performance die Hilfsbereitschaft und das Engagement für die Flüchtlinge empfindlich beschädigt.“ Das sagt Micha Brumlik, Publizist und Sohn jüdischer Flüchtlinge, über den documenta-Aufreger, die Performance „Auschwitz on the beach“ des italienischen Aktivisten Franco Berardi. Außerdem trage Berardi dazu bei, das historische Bewusstsein zu verunklaren und zu verwischen, kritisiert Brumlik: „Der Preis für das Erregen von Aufmerksamkeit ist einfach zu hoch!“

Vorsicht beim Umgang mit historischen Wahrheiten
„Ich erwarte von einem Performance-Künstler, dass er sich mit der Geschichte des Vernichtungslagers auseinandergesetzt hat“, sagt Brumlik. Die Menschen seien von den Nationalsozialisten in die Gaskammern getrieben worden, die Flüchtlinge würden jedoch nicht bewusst ermordet. „Ich kann die Empörung darüber verstehen, dass eine Kaltherzigkeit in vielen europäischen Staaten gegenüber diesem Flüchtlingsschicksal vorherrscht, aber das darf nicht dazu führen, dass die historische Wahrheit verfälscht wird.“

„Ich glaube, dass er damit seinen eigenen Anliegen damit mindestens so sehr schadet, wie dem Gedenken an die ermordeten Opfer der Nationalsozialisten.“ Die Performance zu verbieten, davon hält Brumlik dann aber doch nichts: „In Gottes Namen sollte es durchlaufen, Menschen sollen dagegen protestieren und das wird es dann auch gewesen sein.“

Mehr zum Thema
Aus den Feuilletons – „Auschwitz am Strand“ – Darf man das?
(Deutschlandfunk Kultur, Kulturpresseschau, 20.08.2017)

„Der Aufstand“ von Franco Berardi – „Demokratie als solche spielt keine Rolle mehr“
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 16.04.2015)

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August 22nd, 2017 at 6:50 am

FR| Juden-Ghetto in Frankfurt: Bauen auf Ghetto-Überresten?

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Vor 30 Jahren wollten Besetzer verhindern, dass das Juden-Ghetto am Börneplatz in Frankfurt bebaut wird. Micha Brumlik war dabei und blickt zurück.

Herr Brumlik, im Frühjahr 1987 stießen Bauarbeiter bei der Ausschachtung für das neue Kundenzentrum der Stadtwerke am Börneplatz auf Überreste des alten jüdischen Ghettos. Wie haben Sie reagiert, als Sie diese Nachricht erreichte? 
Ich war überrascht, aufgeregt und etwas erfreut. Man hätte natürlich wissen können und müssen, dass an dieser Stelle früher das alte jüdische Ghetto lag. Aber offenbar gab es niemanden in der Stadt, der daran auch nur gedacht hätte, nicht mal im Bauamt. Das war ein großer Unterschied zum Beispiel zu der Stadt Köln. Dort blieben die Überreste der jüdischen Welt stets im kommunalen Gedächtnis.

Woran lag es, dass es in Frankfurt damals so anders war? 
Ich denke, man könnte von einer kollektiven Amnesie sprechen. Frankfurt hatte sich nach der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sehr stark dem städtebaulichen Neuanfang verschrieben. Es gab zwar in der Stadt Intellektuelle von Rang, wie etwa die Philosophen der Frankfurter Schule. Aber es gab kein historisches Bewusstsein.

War das nicht Teil einer großen Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit? 
Man kann es Verdrängung nennen oder auch stadthistorische Vergesslichkeit.

 

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August 19th, 2017 at 1:23 pm

hr2 – Das aktuelle Kulturgespräch mit Micha Brumlik – Frankfurter Judengasse

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Dauer: 00:10:31 Die archäologischen Funde des jüdischen Ghettos am Frankfurter Börneplatz lösten 1987 eine Auseinandersetzung darum aus, wie nach dem Holocaust mit Zeugnissen jüdischer Geschichte umzugehen sei. Es ging um die Deutung: Waren die Reste des Ghettos eher Zeugnisse eines Schutzraumes für die Juden oder ihrer Ausgrenzung? Führte ein direkter Weg von den frühneuzeitlichen zu den nationalsozialistischen Ghettos? Außerdem stellte sich nach dem Streit um das Fassbinder-Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ zwei Jahre zuvor am Schauspiel Frankfurt auch die Frage, ob sich im Umgang mit den archäologischen Funden womöglich antisemitische Ressentiments zeigten. Nun, 30 Jahre danach, will ein Symposium des Fritz Bauer Instituts und des Jüdisches Museums Frankfurt die Streitpunkte neu bewerten. Daran teil nimmt auch der Publizist und frühere Leiter des Fritz Bauer Instituts Micha Brumlik, der uns im Gespräch noch einmal die unterschiedlichen Positionen darlegt.

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August 19th, 2017 at 1:21 pm

Hintergrund: Frankfurter Judengasse

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Diese Site bietet einen Überblick über die Geschichte der Judengasse in Frankfurt am Main, ihre Bewohner, die Häuser und das Leben im Ghetto über die Jahrhunderte. Anhand der farbig markierten Bereiche können Sie leicht zwischen den Inhalten navigieren. Die Abbildungen können mit einem Klick vergrößert werden. 

In der Frankfurter Judengasse, dem Ghetto, mußte die jüdische Bevölkerung über 400 Jahre wohnen. Die Gasse lag außerhalb der Stadtmauer im Osten der Stadt Frankfurt und verlief in einem leichten Bogen von der heutigen Konstablerwache fast bis zum Main hin. Sie war ca. 330 m lang, drei bis vier Meter breit, hatte drei Stadttore, die nachts sowie an Sonn- und (christlichen) Feiertagen geschlossen waren; die jüdische Bevölkerung war zu diesen Zeiten eingesperrt.
Zu Beginn waren es wohl 15 Familien, die in der Gasse lebten, im 16. Jahrhundert stieg die Zahl der Einwohner in der Judengasse auf ungefähr 3.000 Menschen an.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Judengasse in zwei Phasen abgerissen und der Großteil der Bevölkerung zog in die nahegelegenen Häuser im Ostend um. Am südlichen Ende der ehemaligen Judengasse, die 1885 den Namen Börneplatz erhielt, wurde 1882 eine neue Synagoge eingeweiht. Nach 1945 blieb das Areal unbeachtet. Es wurde als Parkplatz, als Tankstelle und Blumengroßmarkt genutzt, bis die Stadtwerke ihr neues Verwaltungszentrum dort errichten wollten.

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August 19th, 2017 at 1:19 pm

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RBB| Lehrer klagen über Antisemitismus auf Berliner Schulhöfen

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„Du Jude“ als gängige Beschimpfung oder Koranlehrer, die das im staatlichen Unterricht Gelernte überprüfen: Berliner Lehrer berichten in einer Umfrage, dass Antisemitismus und Islamismus sich unter ihren Schülern immer mehr durchsetzen. Von Sascha Adamek und Jo Goll

Antisemitismus und Salafismus unter Schülern mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund gehören zum Schulalltag. Zu diesem Befund kommt eine qualitative Befragung von Lehrerinnen und Lehrern an 21 Berliner Schulen, die dem rbb vorliegt.

Ein Großteil der befragten Lehrerinnen und Lehrer in Berlin wurde schon mit antisemitischen Vorfällen konfrontiert. Einige Schüler würden unter Anleitung „religiöser Autoritäten“ aus Moscheevereinen Druck auf Mitschüler ausüben. Leidtragend seien vor allem Mädchen und junge Frauen, säkulare Muslime und Homosexuelle.

Befragung an 21 Berliner Schulen

Um sich ein erstes Stimmungsbild zu machen, hatte das American Jewish Committee (AJC)parallel zum Berliner Modellprojekt „Demokratie stärken – Aktiv gegen Antisemitismus und Salafismus“ eine Dokumentation von Interviews mit Lehrkräften in Auftrag gegeben. Laut dieser Untersuchung auf Grundlage von Befragungen vom Herbst 2015 bis zum Frühjahr 2016 verstärken sich insbesondere antisemitische Tendenzen an Schulen.

Bei der Untersuchung hatte man in Kooperation mit dem „Landesinstitut für Schule und Medien in Berlin Brandenburg“ Lehrkräfte aus 21 Schulen in acht Berliner Bezirken im Sekundarbereich befragt. Darunter waren Schulen mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund – aber auch Schulen in sehr bürgerlichen Gegenden. Die Verfasser betonen, dass es sich bei der Umfrage um keine repräsentative Untersuchung der Gesamtsituation an Berliner Schulen handelt, sondern vielmehr um eine empirische Annäherung an das Thema.

Es wurde festgestellt, dass antisemitische Stereotype und Feindbilder laut Aussagen der befragten Lehrkräfte an einigen Schulen stark präsent sind.  Auf Schulhöfen sei es gang und gäbe, sich gegenseitig als „Du Jude!“ zu beschimpfen.

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Juli 19th, 2017 at 3:33 pm

TAZ| Kompass einer Jugend

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Wir waren weder Antisemiten noch selbsthasserische Juden: Nicht jede Form des Antizionismus ist mit Antisemitismus gleichzusetzen.

Die zunächst nicht, dann doch ausgestrahlte Arte-Dokumentation „Auserwählt und eingegrenzt“ hat das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt: das Verhältnis von Antisemitismus und Antizionismus. Zudem hat der Bericht des Unabhängigen Expertenkreises der Bundesregierung ergeben, dass sich Antisemitismus immer häufiger hinter antizionistischen Parolen verbirgt. Das kann gleichwohl umgekehrt nicht heißen, dass jede Form des Antizionismus schlicht mit Antisemitismus gleichzusetzen ist.

Vor allem: Was ist von Jüdinnen und Juden wie Judith Butler, die sich für BDS einsetzen, oder von jenen ultraorthodoxen Fundamentalisten zu halten, die Jahr für Jahr in Berlin die von Khomeini erfundene „Al-Quds“-Demonstration eröffnen, weil ihrer Meinung nach nur der Messias die Juden ins verheißene Land zurückführen darf? Alles Antisemiten – und wenn nicht, so doch wenigstens selbsthasserische Jüdinnen und Juden?

Der Autor dieser Zeilen weiß, wovon er schreibt, und hat das vor mehr als zwanzig Jahren in seinen Erinnerungen „Kein Weg als Deutscher und Jude“ auch zu Protokoll gegeben. Ich war mit Sicherheit weder Antisemit noch Selbsthasser, als ich nach Jahren begeisterter Mitgliedschaft in einer zionistischen Jugendorganisation 1967 nach Israel ging, 1968/69 in Jerusalem Mitglied einer antizionistischen Organisation wurde, um bald – weil es mir sinnlos schien, nur deshalb nach Israel einzuwandern, um dort für eine sozialistische Revolution zu kämpfen – in das studentenbewegte Frankfurt am Main zurückzukehren.

 

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Juli 19th, 2017 at 3:30 pm

Deutschlandfunk| Der Tag mit Micha Brumlik – G20-Gipfel – wie viel Protest ist erlaubt?

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Der Tag mit Micha BrumlikG20-Gipfel – wie viel Protest ist erlaubt?

Moderation: Korbinian Frenzel

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Die G20-Gegner haben vor dem Verfassungsgericht einen Teilerfolg errungen: Hamburg darf das Protestcamp nicht verbieten. Außerdem in der Sendung: Italien macht die Häfen für Flüchtlinge dicht und Antisemitismus in Deutschland.

Teilerfolg für G20-Gegner: Ein großes Protestcamp gegen den G20-Gipfel in Hamburg darf starten. Das Bundesverfassungsgericht hob ein generelles Verbot auf. Uneingeschränkt muss die Hansestadt das Camp im Stadtpark allerdings nicht dulden. Hamburg kann das Camp beschränken, Auflagen verhängen oder die Veranstaltung an einen anderen Ort verlegen.

Hamburg hatte das Camp verboten, denn das Zelten in Grünanlagen sei verboten, argumentierte die Hansestadt. Auf die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit könnten sich die Veranstalter in diesem Fall nicht berufen. Das Bundesverfassungsgericht urteilte nun, Teile des Camps seien wie eine normale Demonstration zu bewerten. Zelte, die alleine der Übernachtung dienten, müsse die Stadt jedoch nicht dulden. Nach der Entscheidung der Karlsruher Richter muss sich nun das Hamburgische Oberverwaltungsgericht erneut mit dem Verbot befassen. Wie weit reicht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch? Darüber sprechen wir mit unserem Gast Micha Brumlik.

 

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Publik-Forum| Was tun gegen neuen Antisemitismus?

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von Thomas Seiterich

Auf Schulhöfen ist das Fluchwort »Du Jude« aktuell das Schimpfwort Nummer eins. Und unter den Erwachsenen neigen bei Befragungen in Deutschland rund 40 Prozent zu einem Israel-bezogenen Antisemitismus. Verschärfen Flüchtlinge aus Arabien das Problem? Ein Gespräch mit dem Publizisten Micha Brumlik

Publik-Forum.de: Herr Brumlik, Antisemitismus war in Deutschland lange rückläufig. Jetzt erleben wir eine neue Welle, wie es scheint. Brauchen es einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung? Micha Brumlik: Ich glaube, wir brauchen das. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist es sehr nötig, dass dieses Thema, das derzeit die deutsche Öffentlichkeit sehr umtreibt, auch politisch verantwortlich behandelt wird. Ja, vor allem deshalb brauchen wir einen solchen Beauftragten. Verändert sich durch die neuen Bürger aus arabischen Ländern, die als Flüchtlinge seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, die Situation? Wird die Lage bedrohlicher für Jüdinnen und Juden in Deutschland? Brumlik: Tatsache ist, dass zahlreiche Jüdinnen und Juden sich bedroht fühlen. Ob und wie realistisch das ist, ist eine andere Frage. Wir wissen aus verschiedenen Untersuchungen, dass etwa 40 Prozent der Befragten so etwas wie einen Israel-bezogenen Antisemitismus zu Protokoll geben. Vor diesem Hintergrund dürfte es keinen besonders großen Unterschied ausmachen, ob da noch der eine oder der andere oder auch größere Gruppen von Flüchtlingen, die aus arabischen Ländern kommen und dort mit antisemitischem Antizionismus konfrontiert wurden und den auch aufgenommen haben, diesen hierzulande an den Tag legen.

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Juni 27th, 2017 at 2:10 pm

München| Jüdischer Fundamentalismus – ein Produkt der Moderne

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  • 05. Juli 2017  |  19:00
  • Bayerische Akademie der Wissenschaften
    Alfons-Goppel-Straße 11
    80539 München
    Plenarsaal, 1. Stock
  • Religion und Gesellschaft: Sinnstiftungssysteme im Konflikt
  • Der jüdische Fundamentalismus entstand als Reaktion auf das Reformjudentum des 19. Jahrhunderts und begreift sich als „Orthodoxie“. Im 20. Jahrhundert bildete dieser Fundamentalismus in Auseinandersetzung mit der Shoah und der Gründung des Staates Israel zwei entgegengesetzte Formen aus: Einerseits einen Fundamentalismus der Besiedlung des Landes Israel, andererseits einen radikalen Antizionismus des Exils, der jede jüdische Staatsgründung strikt ablehnt. Jene Fundamentalisten, die den Staat Israel zumindest hinnehmen, lehnen dessen teils säkulare Gesetzgebung und zivile Kultur grundsätzlich ab und streben einen von rabbinischen Weisen geführten Gottesstaat an.
  • Öffentliche Veranstaltung
  • Prof. Dr. Micha Brumlik
  • Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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Juni 27th, 2017 at 2:07 pm

TAZ| Sammelwerk „Handbook of Israel“ – Neue Referenzgröße

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Wissenschaftle­rInnen analysieren im „Handbook of Israel“ den israelischen Staat. Es hat das Zeug zu einem neuem Standardwerk.

Nach wie vor sorgt der Israel-Palästina-Konflikt – die nun einhundertjährige Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern um ein Territorium, das etwa so groß ist wie Südhessen – für Beunruhigung, zumal in Deutschland. Debatten um die sogenannte Israelkritik, um Lehrbeauftragte, die sich antiisraelisch äußern, sowie um die Zulässigkeit der Boykottbewegung gegen Israel erregen fast täglich die Gemüter.

Allerdings: Im Vergleich zu der halben Million Toten und den etwa 4 Millionen Flüchtlingen, die der syrische Bürgerkrieg in nur sechs Jahren forderte und die hier niemanden auf die Barrikaden getrieben haben, verblasst die Zahl von etwa 700.000 geflohenen und vertriebenen Arabern sowie von einigen tausend gefallenen Soldaten auf israelischer und arabischer Seite.

Das ändert freilich ob der deutschen Verantwortung für die Ermordung von sechs Millionen europäischer Juden nichts an dem moralischen Gewicht dieser Frage. Um sich ein auch nur halbwegs begründetes Urteil bilden zu können, sind daher theoretische Kenntnisse, gesicherte historische Informationen sowie begründete Einsichten unerlässlich.

 

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Juni 22nd, 2017 at 10:37 am

Micha Brumlik| VORTRAG/DISKUSSION: Apokalyptischer Populismus

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Trumps stärkste Waffe ist ein „apokalyptischer Populismus“. Dessen Anhänger wollen den Rechtsstaat, seine Institutionen, das „Establishment“ abschaffen. Die Politikwissenschaftlerin Wendy Brown diskutiert mit Ulrike Guérot und Micha Brumlik.

Moderation: Mathias Greffrath.

Wendy Brown: Demokratie unter Beschuss:

Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10,

28. 6., 19 Uhr,

Eintritt frei

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Juni 22nd, 2017 at 10:34 am

Antisemitismus in Europa – ARTE 2017

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Bislang weigert sich ARTE diese Doku zu senden. Nun wird sie von der ARD gesendet.

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Juni 17th, 2017 at 7:07 pm

Deutschlandfunk| Debatte um Berliner „Werteinitiative“Jüdische Wahlbausteine“

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Juden sehen sich in Deutschland zunehmend antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Mit einer „Werteinitiative“ wollen einige jüdische Deutsche jetzt ihre Positionen in die Politik tragen. Doch nicht alle jüdischen Mitbürger stehen hinter der Initiave.

Von Jens Rosbach

Elio Adler schlägt Alarm. Nach Ansicht des Berliner Juden hat in den vergangenen Jahren der Antisemitismus stark zugenommen, vor allem der Antisemitismus durch Migranten:

„Einfaches Beispiel: Mein Sohn hat ein Davidsternkettchen. Ich als Kind habe das stolz getragen Anfang der 80er Jahre. Meine Eltern fanden das gut, alles war entspannt. Heute verbiete ich meinem Sohn auf die Straße zu gehen damit. Das Wort ‚Jude‘ ist ein Schimpfwort in besten Zehlendorfer Gymnasien genauso wie auf der Neuköllner Strasse. Das ist eine Veränderung, die da ist.“

Mehr jüdische Anliegen in die Politik tragen

Adler, von Beruf Zahnarzt, wollte mehr jüdische Anliegen in die große Politik einbringen. So gründete er mit gleichgesinnten Juden die „Werteinitiative“. Die Gruppierung bat nun die wichtigsten Parteien um Stellungnahme zu Themen wie Judenhass, Islamismus und innere Sicherheit. Mit Ausnahme der AfD, die sich lediglich zu einem einzigen Unterpunkt äußerte, antworteten alle Parteien. Ihre Formulierungen sind ähnlich – mit kleinen Unterschieden, sagt Adler:……..

 

…….

Forderungen, die auf innerjüdische Kritik stoßen. So spricht der linksliberale Professor Micha Brumlik von einseitigen Positionen:

„Was ist mit ‚deutsch-deutschen‘ Organisationen, die nicht ohne Wenn und Aber hinter Demokratie und Menschenrechten stehen – wie etwa die AfD oder die NPD? Dass dies verboten, geschlossen oder strafrechtlich verfolgt werden soll, davon schreiben diese jüdischen Autoren nichts.“

Nicht alle tragen die Positionen der Werteinitiative

 

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Juni 17th, 2017 at 3:51 pm

MIGAZIN| „SPÄTAUSSIEDLER STEHEN BESSER DA“: Grüne fordern gerechte Renten für jüdische Zuwanderer

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Kurz vor Ende der Legislaturperiode präsentieren die Grünen einen Gesetzentwurf, um die Schlechterstellung jüdischer Zuwanderer bei der Rente zu beheben. Behandelt werden wird die Initiative nicht mehr – aber sie deckt ein Problem auf.

Geld, Alter, Armut, Rente, Portemonnai, Euro, HandGeld © Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken @ flickr.com (CC 0), bearb. MiG

Jüdische Zuwanderer stehen mit ihren Renten deutlich schlechter da als Spätaussiedler, obwohl ihr Arbeitsleben häufig ähnlich verlaufen ist. Mit dem Ziel, diese Ungerechtigkeit abzuschaffen, stellte der migrationspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, am Dienstag in Berlin einen Gesetzentwurf vor. Er kommt allerdings für diese Legislaturperiode zu spät. Beck sagte, er hoffe, der nächste Bundestag werde das Thema auf die Tagesordnung setzen. Die Diskriminierung der Juden gegenüber den Spätaussiedlern aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion müsse beendet werden.

 

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Written by lbucklitsch

Juni 17th, 2017 at 3:46 pm

TAZ| Ein vermeintliches Paradox

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Kann man als europäischer Politiker gleichzeitig rechtsextrem und proisraelisch sein? Ja, man kann. Das zeigen nicht nur die Le Pens.

Aufmerksamen Beobachtern kann nicht entgangen sein, dass und wie sich die extreme Rechte in Europa verändert hat. Als bestes Beispiel kann der erneuerte Front Natio­nal gelten, dessen Vorsitzende, Marine Le Pen, ihren eigenen Vater, Jean-Marie Le Pen, seines Antisemitismus wegen aus der Partei ausgeschlossen hat. Kann man als europäischer Politiker gleichzeitig rechtsextrem und proisraelisch sein?

Auf jeden Fall: Ein hochrangiger Vertreter der FPÖ, ihr „Bundesobmann“ Heinz-Christian Strache, brachte diese Haltung unübertroffen zum Ausdruck, als er im Jahr 2016 seinen Kopf in der Holocaustgedenkstätte Jad Vaschem mit einem verbindungsstudentischen Käppi bedeckte. Ein großer Teil dieser Verbindungen ist völkisch und antisemitisch eingestellt.

Sei es aus Opportunismus, sei es aus Einsicht: sogar die – hierzulande vom Verfassungsschutz beobachtete – „identitäre Bewegung“ setzt sich verbal vom Rassismus nicht nur des Nationalsozialismus ab, mehr noch: sie propagiert einen nicht expansiven, sondern defensiven Nationalismus, ein Bekenntnis zum „eigenen“ Volk, das nicht besser sein als andere, aber doch abgeschlossen, ethnisch homogen unter sich bleiben soll.

 

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TAZ| Jüdische Kontingentflüchtlinge: Eine Rente, von der man leben kann

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Migranten aus Russland und Polen erhalten weniger Pension als deutschstämmige Spätaussiedler. Die Grünen wollen das ändern.

Die Grünen wollen jüdische Zuwanderer bei der Rente besserstellen. Am Dienstag stellte der Grünen-Abgeordnete Volker Beck gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland einen entsprechenden Gesetzentwurf vor.

Im Kern sieht dieser vor, die jüdischen Kontingentflüchtlinge aus Russland und Polen den deutschstämmigen Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion gleichzustellen. Die Bundesregierung entschied 1991, jüdische Einwanderung zu fördern, um Verantwortung für den Nationalsozialismus zu übernehmen. Daraufhin kamen bis 2006 rund 225.000 jüdische Migranten.

Die jüdischen Kontingentflüchtlinge erhalten derzeit niedrigere Renten, da für ihre Rente nur die Arbeitsjahre in Deutschland zählen. Laut Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, betrage der Unterschied bis zu mehrere hundert Euro. Bis zu 100.000 Menschen könnten betroffen sein.

Ein jüdischer Kontingentflüchtling, der 1995 nach Deutschland kam, würde etwa 550 Euro weniger Rente erhalten als ein Spätaussiedler, bei gleichem Durchschnittsverdienst und gleicher Lebensarbeitszeit. Die Betroffenen empfänden dies nicht nur als un­gerecht, sondern litten auch unter ihrem Status als Sozialleistungsempfänger, sagte Lehrer.

 

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Written by lbucklitsch

Juni 16th, 2017 at 3:33 pm