Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for Februar, 2015

ANTISEMITISMUS-EXPERTEN GEBEN GRÜNDUNG VON NETZWERK BEKANNT

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ANTISEMITISMUS-EXPERTEN GEBEN GRÜNDUNG VON NETZWERK BEKANNT

 

Berlin, den 26.2.2015: Führende jüdische Wissenschaftler und Antisemitismusexperten haben die Gründung des „Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus“ (NEBA) bekanntgegeben. Mit der Initiative wollen die Amadeu Antonio Stiftung, das American Jewish Committee und das Moses Mendelssohn Zentrum an der Universität Potsdam die politische Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus weiter befördern.

„Nach den Terroranschlägen von Paris und Kopenhagen stellt die Frage nach der Sicherheit jüdischen Lebens in Europa derzeit einer der drängendsten politischen Herausforderungen dar. Wir brauchen daher eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung über politische Handlungsmaßnahmen gegen Judenfeindschaft und wollen hierzu mit dem Netzwerk zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus (NEBA) einen substantiellen Beitrag leisten“, sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute.

In den vergangenen Wochen hat es eine breite Debatte über die Besetzung und Ausrichtung des Expertenkreises Antisemitismus durch das Bundesinnenministerium gegeben. Das Moses Mendelssohn Zentrum, das American Jewish Committee und die Amadeu Antonio Stiftung kritisierten in einer Stellungnahme vom 10.2., dass jüdische Perspektiven in der Kommission nicht vertreten seien.

„Wir begrüßen die intensive Auseinandersetzung um die Ausrichtung und Besetzung des Expertengremiums ausdrücklich. Die Debatte hat gezeigt, wie wichtig dieses Thema in der öffentlichen Wahrnehmung ist. Was wir jetzt brauchen, ist ein politischer Dialog über die Umsetzung konkreter Maßnahmen gegen Judenfeindschaft. Das Netzwerk will daher über Entwicklungen des Antisemitismus kontinuierlich berichten und neue Ansätze der Forschung und der Praxis gegen Judenfeindschaft beraten“, so Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung.

In den kommenden Wochen will die NEBA mit politischen Entscheidungsträgern die Auseinandersetzung um politische Gegenmaßnahmen verstärken. Dabei wollen die Experten Empfehlungen herausarbeiten, wie z.B. die Vorschläge der ersten Expertenkommission umgesetzt werden können. Das Netzwerk kritisierte in diesem Zusammenhang die mangelnde politische Implementierung.

„Wir wollen Fragen nachgehen, die bisher bei der Diskussion um den Antisemitismus nicht ausreichend ausgewertet oder beleuchtet wurden. Verschwörungstheorien, Judenfeindschaft in den Kirchen, das Erstarken des Islamismus, die Globalisierung des israelbezogenen Antisemitismus und die aktuelle Debatte, wie mit Fragen der Kunstrestitution in Deutschland umgegangen wird, sollen in diesem Zusammenhang diskutiert werden“, gab Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Gründungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam bekannt.

Unter Einbeziehung verschiedener internationaler Experten und jüdischer Perspektiven plant die NEBA Mitte des Jahres eine Fachkonferenz, auf der die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Antisemitismusbekämpfung nachgegangen werden sollen.

 

Zu den Initiatoren des Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus gehören:

Deidre Berger (American Jewish Committee Berlin)

Prof Dr. Micha Brumlik (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam)

Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung)

Stephan J. Kramer (American Jewish Committee, Berlin/Brüssel)

Prof. Dr. Julius H. Schoeps (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam)

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Februar 27th, 2015 at 7:57 am

JA| Netzwerk gegen Judenhass

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Als Reaktion auf Debatte um »Expertenkreis« hat sich neue Initiative gegen Antisemitismus gegründet

Aktualisiert am 26.02.2015, 13:13 – von Martin KraussMartin Krauss

NEBA-Mitbegründerin Anetta Kahane

© dpa

Am Mittwochnachmittag hat sich in Berlin ein neues »Netzwerk zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus«, kurz NEBA, gegründet: Mit dabei sind die Amadeu Antonio Stiftung, das American Jewish Committee, das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum sowie der Berliner Publizist und Wissenschaftler Micha Brumlik.

»Das ist eine zivilgesellschaftliche Antwort auf die Debatten, die es gerade gibt«, sagte Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung der Jüdischen Allgemeinen. Gegründet hat sich NEBA nicht als Antwort, aber sehr wohl als Reaktion auf die Kritik am »Expertenkreis Antisemitismus«, den das Bundesinnenministerium und der Bundestag berufen hatten.

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Februar 26th, 2015 at 11:19 pm

Augsburger Allgemeine| Juden fassen neuen Mut

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Micha Brumlik sieht deutschen Aufbruch

Vor zwanzig Jahren war der Frankfurter Pädagogikprofessor Micha Brumlik gar nicht zuversichtlich, was die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland betraf. „Kein Weg als Deutscher und Jude“ betitelte er 1996 sein Buch. Nun aber revidiert Brumlik seine Einstellung. Es ereigne sich momentan in der zweiten Generation der jüdischen Zuwanderer, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion, „eine beachtliche Wiederaneignung der jüdischen Traditionen Deutschlands“. Damit eröffnete er am Montagabend in der Synagoge die internationale Tagung „Rückkehr-Erzählungen“ der Universität Augsburg zusammen mit der Hebrew University Jerusalem, die noch bis Mittwoch läuft.

Würde er heute eine Fortsetzung seines autobiografischen Essays schreiben, sollte sie „Die dritte Heimat“ heißen, meinte Brumlik. Die deutsche Migrationsgesellschaft habe inzwischen einen ganz anderen Begriff von Staatsangehörigkeit, nicht mehr geleitet von ethnischer Zugehörigkeit. Wie noch lange nach dem Ende des Dritten Reichs und dessen Rassenwahn. Juden inDeutschland waren nach 1945 vor allem versprengte Osteuropäer. Und mit Israels Staatsgründung 1948 wanderten über 85 Prozent der 150000 Displaced Persons dorthin aus. Wer blieb, hatte mit Schuldbewusstsein zu kämpfen, auf verfluchtem Boden der Mörder leben zu müssen, sagte Brumlik. Zudem nutzten jene Juden häufig das Rotlichtmilieu, um bald zu Geld zu kommen. Im gleichen Maße ihrer Scham wuchs der Selbsthass: Nirgends spendete man mehr für Israel als unter deutschen Juden.

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Februar 25th, 2015 at 6:27 am

nd| Fragen der Perspektive: Der »Expertenkreis Antisemitismus« droht sich zum Desaster zu entwickeln

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Für eine Fachkommission zum Antisemitismus beim Innenministerium wurde kein einziger jüdischer Vertreter benannt. Nun rufen Mitglieder des Gremiums nach einer Umbesetzung.
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Haben bisher im „Arbeitskreis Antisemitismus“ nicht viel zu melden: Juden

Volker Kauder, Thomas Oppermann, Gregor Gysi, Katrin Göring-Eckardt sowie Anton Hofreiter haben dieser Tage Post erhalten. Die Bildungsstätte Anne Frank sowie das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) an der TU Berlin wenden sich in einem gemeinsamen Brief an die Bundesfraktionschefs – in einer Angelegenheit, die sich zu einer Peinlichkeit entwickelt.

Es geht um die Besetzung jenes beim Bundesinnenministerium angesiedelten Expertenkreises, der als Nachfolger einer von 2008 bis 2011 aktiven Kommission erarbeiten soll, wie »Antisemitismus entschlossen zu bekämpfen und jüdisches Leben in Deutschland weiterhin nachhaltig zu fördern« sei. Die acht Mitglieder wurden vom Innenminister in Abstimmung mit den Fraktionschefs benannt. Die Auswahl stieß allerdings auf scharfe Kritik seitens gerade derjenigen, deren »Leben in Deutschland« durch die Kommission »gefördert« werden soll: Der Gruppe gehören weder Vertreter jüdischer Gemeinden oder Organisationen noch »Experten« an, die selbst jüdischer Herkunft sind.

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Februar 24th, 2015 at 6:01 pm

TAZ| Jüdische Heimat Bundesrepublik

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ANTISEMITISMUS Wie steht es um die Juden in Europa? Nach den Anschlägen von Paris und Kopenhagen fordert Benjamin Netanjahu, sie sollten nach Israel auswandern. Doch Europa ist und wird auch jüdisch bleiben

VON MICHA BRUMLIK

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu befindet sich im Wahlkampf und muss ernsthaft fürchten, im März abgewählt zu werden. Daher nutzt er jede Gelegenheit, sich ins rechte Licht zu setzen. Er schreckte daher auch nicht davor zurück, sich uneingeladen in die erste Reihe der großen Trauerdemonstration von Paris für die Opfer der islamistischen Mordtaten zu drängen. Die Hinterbliebenen der ermordeten Juden bedrängte er, die sterblichen Überreste der Opfer in Israel beisetzen zu lassen. Die Juden Frankreichs rief er zur Auswanderung auf. Jetzt, nach dem tödlichen Anschlag in Kopenhagen und der Ermordung eines jüdischen Wachmanns, steigerte er seine Rhetorik noch und forderte die Juden ganz Europas auf, nach Israel auszuwandern – in Netanjahus anmaßenden Worten sei dies ihre Heimat.

Bei alledem ist die Wahrscheinlichkeit, in Israel einem terroristischen Attentat zum Opfer zu fallen, keineswegs geringer als in Frankreich oder Dänemark. Allerdings, so viel ist einzuräumen, sind aus Frankreich ausgewanderte Juden in Israel vor Anpöbeleien in Schulen und auf Straßen sicher – anders als in französischen Vorstädten. Auch in Deutschland wurde vor beinahe zwei Jahren ein Rabbiner mit seiner kleinen Tochter auf offener Straße angegriffen, im vergangenen Sommer wurden zum ersten Mal seit 1945 auf deutschen Straßen wieder offen judenfeindliche Hassparolen geschrien. Daher sind auch hierzulande nicht wenige jüdische Familien verunsichert, manche überlegen, das Land zu verlassen.

Doch kann das nicht die richtige Antwort auf Terror und Antisemitismus sein. Treffender als es der neu gewählte Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am 15. Januar in der Jüdischen Allgemeinen zu Protokoll gegeben hat, kann man es kaum ausdrücken: „Angst war noch nie ein guter Ratgeber. Und ich würde es auch als falsch empfinden, vor Terrorismus einzuknicken.“……

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Auch gehört ein Paul Celan, der für die Lyrik im Nachkriegsdeutschland bestimmend war, der deutschsprachigen jüdischen Kultur an, wenngleich der aus

Auch gehört ein Paul Celan, der für die Lyrik im Nachkriegsdeutschland bestimmend war, der deutschsprachigen jüdischen Kultur an, wenngleich der aus Czernowitz stammende Dichter ein Heimatloser war und blieb.

Pluralistische Demokratie

Es waren schließlich remigrierte jüdische Politologen, die der jungen Republik ihr Selbstverständnis als verfasster, pluralistischer Demokratie gaben: Ernst Fraenkel, Richard Löwenthal und Franz Neumann sowie Ossip Flechtheim, der an einer demokratisch-sozialistischen Option festhielt.

Aber auch eine wiedererstehende Judaistik verdankt zurückgekehrten Jüdinnen und Juden außerordentlich viel: Eine Neugründung dieses Fachs hätte es ohne Jacob Taubes und Marianne Awerbuch nicht gegeben.

Zu erinnern ist auch an Adolf Leschnitzer, der 1955 in Berlin die erste Honorarprofessur für die „Geschichte des deutschen Judentums“ erhielt, sowie an den Religionswissenschaftler Hans-Joachim Schoeps und den Historiker Joseph Wulf – er verzweifelte tödlich an der Gleichgültigkeit Nachkriegsdeutschlands.

Zu nennen sind weiterhin bedeutende Pädagogen: Max Fürst, der uns ein anschauliches Bild der jüdischen Jugendbewegung in Weimar hinterlassen hat, der Erziehungswissenschaftler Ernst Jouhy, der nach einer Tätigkeit in der französischen Résistance Lehrer an der Odenwaldschule und dann Professor in Frankfurt wurde – vor allem aber auch Berthold Simonsohn, der nach leidvoller Haft in Theresienstadt, nach Jahren aktiver jüdischer Sozialarbeit als Professor in Frankfurt am Main Wiederbegründer der psychoanalytischen Pädagogik wurde.

Ohne Remigranten auch kein erneuertes deutsches Theater: die Schauspieler und Regisseure Fritz Kortner, Ernst Deutsch und Ida Ehre, Therese Giehse und Kurt Horwitz.

Sie alle, Männer und Frauen, sind bis heute Vorbilder im Kampf gegen Judenhass, Rassismus und Demokratieverachtung – egal, ob diese Haltungen von mörderischen, salafistischen Wirrköpfen oder dumpfen Wutbürgern wie den Pegida-Demonstranten an den Tag gelegt werden.

Für die Juden in der Bundesrepublik Deutschland gilt auch heute – mit Abstrichen -, was Bertolt Brecht 1952 in seiner „Kinderhymne“ geschrieben hat: Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir’s.

Das gilt, wie gesagt, nur mit Abstrichen. Denn „lieben“ kann man – in den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann – allenfalls seine Frau, aber nicht seinen Staat.

Allemal aber genügt Respekt, um zu bleiben und die nach dem Nationalsozialismus unter Schmerzen erkämpfte demokratische Kultur vor Ort, also in Deutschland, zu verteidigen.

Intellektuell war die Gründung der Bundesrepublik Deutschland wesentlich Werk jüdischer RemigrantInnen

 stammende Dichter ein Heimatloser war und blieb.

Pluralistische Demokratie

Es waren schließlich remigrierte jüdische Politologen, die der jungen Republik ihr Selbstverständnis als verfasster, pluralistischer Demokratie gaben: Ernst Fraenkel, Richard Löwenthal und Franz Neumann sowie Ossip Flechtheim, der an einer demokratisch-sozialistischen Option festhielt.

Aber auch eine wiedererstehende Judaistik verdankt zurückgekehrten Jüdinnen und Juden außerordentlich viel: Eine Neugründung dieses Fachs hätte es ohne Jacob Taubes und Marianne Awerbuch nicht gegeben.

Zu erinnern ist auch an Adolf Leschnitzer, der 1955 in Berlin die erste Honorarprofessur für die „Geschichte des deutschen Judentums“ erhielt, sowie an den Religionswissenschaftler Hans-Joachim Schoeps und den Historiker Joseph Wulf – er verzweifelte tödlich an der Gleichgültigkeit Nachkriegsdeutschlands.

Zu nennen sind weiterhin bedeutende Pädagogen: Max Fürst, der uns ein anschauliches Bild der jüdischen Jugendbewegung in Weimar hinterlassen hat, der Erziehungswissenschaftler Ernst Jouhy, der nach einer Tätigkeit in der französischen Résistance Lehrer an der Odenwaldschule und dann Professor in Frankfurt wurde – vor allem aber auch Berthold Simonsohn, der nach leidvoller Haft in Theresienstadt, nach Jahren aktiver jüdischer Sozialarbeit als Professor in Frankfurt am Main Wiederbegründer der psychoanalytischen Pädagogik wurde.

Ohne Remigranten auch kein erneuertes deutsches Theater: die Schauspieler und Regisseure Fritz Kortner, Ernst Deutsch und Ida Ehre, Therese Giehse und Kurt Horwitz.

Sie alle, Männer und Frauen, sind bis heute Vorbilder im Kampf gegen Judenhass, Rassismus und Demokratieverachtung – egal, ob diese Haltungen von mörderischen, salafistischen Wirrköpfen oder dumpfen Wutbürgern wie den Pegida-Demonstranten an den Tag gelegt werden.

Für die Juden in der Bundesrepublik Deutschland gilt auch heute – mit Abstrichen -, was Bertolt Brecht 1952 in seiner „Kinderhymne“ geschrieben hat: Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir’s.

Das gilt, wie gesagt, nur mit Abstrichen. Denn „lieben“ kann man – in den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann – allenfalls seine Frau, aber nicht seinen Staat.

Allemal aber genügt Respekt, um zu bleiben und die nach dem Nationalsozialismus unter Schmerzen erkämpfte demokratische Kultur vor Ort, also in Deutschland, zu verteidigen.

Intellektuell war die Gründung der Bundesrepublik Deutschland wesentlich Werk jüdischer RemigrantInnen

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Februar 23rd, 2015 at 8:08 am

Deutschlandradio| PODIUMSDISKUSSION: „Jeder demokratische Staat muss im Grundsatz säkular sein“

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Moderation: Sebastian Engelbrecht

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Es ist der 9. Mai 2011, der Unabhängigkeitstag in Israel und ein orthodoxer Jude mit Hut telefoniert und blickt dabei auf den Boden, im Hintergrund die israelische Flagge, bestehend aus Lichterketten in der alten Stadt Jerusalem. Sie feiern den 63. Geburtstag des Beginns eines jüdischen Staates. ( imago/UPI Photo)
Es ist der 9. Mai 2011, der Unabhängigkeitstag in Israel und ein orthodoxer Jude mit Hut telefoniert und blickt dabei auf den Boden, im Hintergrund die israelische Flagge, bestehend aus Lichterketten in der alten Stadt Jerusalem ( imago/UPI Photo)

In der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden in Berlin fand diese Woche eine Podiumsdiskussion statt, die der Rolle der Religion in Deutschland und in Israel noch einmal auf den Grund gehen wollte. Wir haben für Sie die Höhepunkte dieser Diskussion zusammengefasst.

Philipp Gessler: Am Montag fand in der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden in Berlin eine Podiumsdiskussion statt, die der Rolle der Religion in Deutschland und in Israel noch einmal auf den Grund gehen wollte. Es diskutierten Rabbiner Tuvia Ben-Chorin von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Professor Micha Brumlik vom Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, Ellen Ueberschär, die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags sowie Professor Rainer Kampling vom Seminar für katholische Theologie der Freien Universität Berlin.

Moderiert hat die Diskussion Sebastian Engelbrecht vom Deutschlandradio. Wir haben für Sie die Höhepunkte dieser Diskussion zusammengefasst! Der Israel-Experte Stephan Vopel von der Bertelsmann Stiftung hat in den Abend eingeführt.

Stephan Vopel: Lassen Sie mich mit einer persönlichen Bemerkung beginnen! Es ist keineswegs selbstverständlich, denke ich, dass wir heute so miteinander sprechen können, Deutsche und Israelis. 70 Jahre nach dem Holocaust, 70 Jahre nach dem Kriegsende, 50 Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen ist es meiner Meinung nach ein kleines Wunder, wie gut, wie eng und in großen Teilen wie vertrauensvoll die Beziehungen zwischen Deutschland Israel und letztendlich die Beziehungen zwischen vielen Deutschen und vielen Israelis sind. Und das ist ein bisschen wie das halb volle oder halb leere Glas Wasser und ich glaube, wir werden immer wieder auch diese beiden Facetten nebeneinander abwiegen. Wir stehen aber hier auf einem keineswegs sicheren und unerschütterlichen Boden. Read the rest of this entry »

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Februar 22nd, 2015 at 10:49 pm

ZDF: Micha Brumlik im Gespräch

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Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik im Gespräch über den Umgang mit desorientierten muslimischen Jugendlichen und den Terror.

Bron: ZDF

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Februar 20th, 2015 at 10:07 am

Augsburg| Kein Weg als Deutscher und Jude

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Am 23. Februar um 18. Uhr im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben:

Kein Weg als Deutscher und Jude

Öffentlicher Abendvortrag von Micha Brumlik zur deutsch-israelische Nachwuchstagung „Rückkehr-Erzählungen. Über die (Un)Möglichkeit nach 1945 als Jude in Deutschland zu leben“


 

Brumlik.Micha_Foto_Werner Lott-freiAugsburg/BB/KPP – Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Micha Brumlikzählt heute zu den bedeutendsten Stimmen im deutsch-jüdischen Dialog nach 1945. Am Abend des 23. Februar 2015 (Beginn 18.00 Uhr) eröffnet er im Festsaal des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben mit einem öffentlichen Vortrag unter dem Titel „Kein Weg als Deutscher und Jude – eine Relecture nach zwanzig Jahren“ die am 24./25. Februar dann im Hollbau des Evangelischen Forums Annahof stattfindende Tagung „Rückkehr-Erzählungen. Über die (Un)Möglichkeit nach 1945 als Jude in Deutschland zu leben“. Auch bei der Tagung selbst sind Gasthörer willkommen.

Bild: Micha Brumlik eröffnet am 23. Februar 2015 die Tagung „Rückkehr-Erzählungen“ mit einer kritischen Relektüre seiner 1996 erschienenen Autobiographie. Foto: Werner Lott.

In seiner 1996 veröffentlichten Autobiographie „Kein Weg als Deutscher und Jude. Eine bundesrepublikanische Erfahrung“ legt der Publizist und emeritierte Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik die Erfahrungen nieder, die er als Kind jüdischer Remigranten in Deutschland gesammelt hat. 1952 im Alter von fünf Jahren gemeinsam mit seinen Eltern aus der Schweiz nach Deutschland (zurück)gekommen, entscheidet er sich als junger Erwachsener 1967, nach Israel auszuwandern – um bereits zwei Jahre später wieder nach Deutschland zurückzukommen und zu bleiben.

Brumlik studierte in Frankfurt am Main Pädagogik, Philosophie und Sozialwissenschaften, war als wissenschaftlicher Assistent in Göttingen und Mainz, dann als Assistenzprofessor in Hamburg tätig, bevor er 1981 einen Ruf an die Universität Heidelberg erhielt. 2000 übernahm er eine Professur für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dort leitete er außerdem in den Jahren 2000 bis 2005 das Fritz-Bauer-Institut.

Micha Brumlik – heute eine der bedeutendsten Stimmen im deutsch-jüdischen Dialog – unterzieht in seinem Augsburger Vortrag „Kein Weg als Deutscher und Jude“ seine 1996 erschienenen Aufzeichnungen, die noch in den Jahren in Heidelberg entstanden, einer kritischen Relektüre.

Brumliks Abendvortrag am 23. Februar im Jüdischen Kulturmuseum eröffnet zugleich die deutsch-israelische Nachwuchstagung „Rückkehr-Erzählungen. Über die (Un)Möglichkeit nach 1945 als Jude in Deutschland zu leben“: Am 24. und 25. Februar 2015 werden auf dieser von Prof. Dr. Bettina Bannasch (Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universität Augsburg) und Prof. Dr. Yfaat Weiss (Neuere Geschichte, Franz-Rosenzweig-Zentrum an der Hebrew University Jerusalem) geleiteten Tagung fünfzehn junge deutsche und israelische Literatur- und Geschichtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler die Ergebnisse vorstellen, die sie im gemeinsamen Gespräch erarbeitet haben. Im Rahmen dreier größerer Workshops, die während der beiden vergangenen Jahre in Augsburg und Jerusalem stattfanden, diskutierten sie unter dem Projekttitel „Jüdische Literatur und Kultur in Deutschland nach 1945“ einschlägige Texte der (deutsch-)jüdischen Literatur zu Fragen des Exils und der Remigration.

Termine:

23. Februar 2015, 18.00 Uhr
„Kein Weg als Deutscher und Jude – eine Relecture nach zwanzig Jahren“ – Öffentlicher Abendvortrag von Prof. Dr. Micha Brumlik
Ort: Festsaal des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben, Halderstraße 6-8, 86150 Augsburg
Eintritt: frei

24, Februar 2015, 8.45 bis ca. 19.00, und 25. Februar 2015, 9.00 bis ca. 16.00 Uhr
„Rückkehr-Erzählungen. Über die (Un)Möglichkeit nach 1945 als Jude in Deutschland zu leben“ – Internationale und interdisziplinäre Tagung der Universität Augsburg und des Franz-Rosenzweig-Minerva-Zentrums der Hebrew University of Jerusalem unter Leitung von Prof. Bettina Bannasch (Augsburg) und Prof. Yfaat Weiss (Jerusalem)
Ort: Ausstellungsraum im Hollbau des Evangelischen Forums Annahof, Im Annahof 4, 86150 Augsburg
Eintritt: frei

Ausführliches Tagungsprogramm/Tagungsposter zum Download

http://idw-online.de/de/attachmentdata43187.pdf

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Februar 19th, 2015 at 7:25 am

SWR2| Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler und Publizist

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SWR2 Zeitgenossen BildBeitrag hören

Micha Brumlik kam als Kind jüdischer Flüchtlinge 1947 in der Schweiz zur Welt. 1952 zog die Familie nach Frankfurt am Main um. Hier legte er das Abitur ab, studierte Pädagogik, Philosophie und Soziologie, engagierte sich als Stadtverordneter, leitete das Fritz-Bauer-Institut und war bis 2013 Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft. Als Religionsphilosoph hat Brumlik die Mühe deutscher Juden, im Land der Täter als citoyens anerkannt zu werden, ein halbes Jahrhundert lang erlebt und als kritischer Publizist begleitet.

 

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Februar 15th, 2015 at 10:37 pm

JA| Toleranz an der Schmerzgrenze

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Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber soll sie uneingeschränkt gelten – auch für Schoa-Leugner

– von Micha BrumlikMicha Brumlik

Sollen wir der westlichen Werte wegen unsere Todfeinde unterstützen? : Anti-Israel-Demo in Essen im Juli 2014

© Roland Geisheimer / attenzione

Dass die moderne europäische Kultur keineswegs so fortschrittlich ist, wie sie immer erscheint, war die These der Philosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in ihrer 1947 publizierten Dialektik der Aufklärung. Das zeigt sich etwa im Fall des französischen Philosophen Voltaire, der bis heute als Ur- und Vorbild eines streitbaren Kämpfers für Toleranz gilt.

VOLTAIRE »Ich bin mit dem, was Sie sagen, nicht einverstanden, werde aber bis zum Ende dafür kämpfen, dass Sie es sagen können.« So die Devise Voltaires, der heute allerdings vor Gericht zu stellen wäre, gilt doch hier Paragraf 30 Strafgesetzbuch (StGB), nach dem mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden kann, wer in einer Weise, »die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert«.

Genau das trifft auf Voltaire, diesen Befürworter einer uneingeschränkten Meinungsfreiheit, zu, schrieb er doch 1764 in seinem Dictionnaire philosophique: »Die Juden sind nichts als ein unwissendes und barbarisches Volk, das seit langer Zeit die schmutzigste Habsucht mit dem verabscheuungswürdigsten Aberglauben und dem unauslöschlichsten Hasse gegen alle Völker verbindet, bei denen sie geduldet werden und an denen sie sich bereichern.«

Entsprechend wurde er von Antisemiten jeder Art gerne als Kronzeuge bemüht. Einige Jahre vor dieser Publikation, 1741, wurde sein Theaterstück Mahomet uraufgeführt, ein Stück, das nach heutigen Begriffen als islamophob gelten würde. Der damalige kirchliche Zensor Crebillon, ein katholischer Christ, verbot damals jede weitere Aufführung, da das Drama »eine Ungeheuerlichkeit voller Schändlichkeiten, Ruchlosigkeiten, Unglauben und Gottlosigkeit« sei.

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Februar 13th, 2015 at 6:07 am

Deutschlandfunk| Fragen nach der Verfasstheit der liberalen Gesellschaft

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HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG

Fragen nach der Verfasstheit der liberalen Gesellschaft (Beitrag hören)

Von Cornelius Wüllenkemper

Die erste Ausgabe von "Charlie Hebdo" nach dem Anschlag zeigt eine Karikatur Mohammeds auf dem Titel (imago stock&people)

Die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ nach dem Anschlag zeigt eine Karikatur Mohammeds auf dem Titel (imago stock&people)

Einen Monat nach den Terroranschlägen in Paris haben Intellektuelle und Künstler aus Deutschland und Frankreich diskutiert, wie man die Werte der liberalen Demokratie gegen islamistische Strömungen verteidigt, ohne die anwachsende Islamophobie zu befördern.

Aus den Schlagzeilen sind die blutigen Attentate gegen die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ vor einem Monat vorerst verschwunden. Frankreich sei jetzt damit beschäftigt, das Geschehen zu verarbeiten und mit verstärkter Militär- und Polizeipräsenz an sensiblen Orten neue Anschläge zu verhindern, sagte der französische Philosoph und Publizist Pascal Bruckner gestern in der Berliner Heinrich-Böll-Stiftung. Zuvor hatte die seit fünf Monaten amtierende Kulturministerin Frankreichs, Fleur Pellerin, in Berlin erklärt, wie die französische Regierung der offenbar zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung zu begegnen gedenkt:

„Für Kulturvermittler ist es mit Sicherheit einfacher, die Werte zu vermitteln, die unsere Gesellschaft zusammenhalten, als dies in abstrakten Seminaren der Fall wäre. In den kommenden Wochen werde ich unser neues Budget für Erziehungs- und Kulturpolitik vor allem in den Grundschulen der sozial schwierigen Viertel einsetzen. Es geht um Projekte im Kunstbereich, die Gemeinschaft stiften können und Schüler unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen. Auch dem Umgang mit den Medien werden wir viel Aufmerksamkeit widmen: Wie gehe ich mit Informationen um, wie gewinne ich kritischen Abstand dazu? Das ist gerade für Kinder sehr wichtig.“

Friedliche Koexistenz religiöser Gruppen in Frankreich befördern

Dass Fleur Pellerin die neuen Mittel ihres Ressorts im Schulunterricht einsetzen will, um die friedliche Koexistenz religiöser Gruppen in Frankreich zu befördern, wirft ein neues Licht auf den französischen Laizismus. Der deutsche Publizist Mischa Brumlik machte später am Abend in der Heinrich-Böll-Stiftung genau darin den entscheidenden Unterschied aus. Deutschland sei besser als Frankreich gegen religiös motivierten Hass aufgestellt,

„Weil die Bundesrepublik Deutschland kein laizistischer Staat ist, was die Möglichkeit eröffnet, dass solche Fragen der Feindschaft und der Unterschiede zwischen den Religionen in der Schule mit Kindern und Jugendlichen bearbeitet werden können. Ich glaube tatsächlich, und das ist mir klar geworden bei der Debatte über Charlie Hebdo, dass der Rheingraben doch ziemlich tief ist.“

Die Vorsitzende des Liberalislamischen Bundes, Lamya Kaddor, ist überzeugt, dass man auch in Deutschland mit islamistisch motivierten Anschlägen rechnen müsse, wenngleich die soziale Isolation der „verlorenen Jugend“ in Frankreich weit ausgeprägter sei. Die deutschen Islam-Verbände, so Kaddor, hätten durch die Pariser Anschläge gelernt, dass sie sich von ihrer Opferrolle befreien müssten und sich aktiv mit den gesellschaftlichen Werten und den extremistischen Strömungen innerhalb des Islams auseinandersetzen müssen. Der deutsch-französische Journalist und Internetunternehmer Thierry Chervel dagegen forderte, den Blick weg von der innerislamischen Diskussion hin auf die liberalen Werte unserer Gesellschaft zu lenken.

„Deswegen ist es auch sehr wichtig, über diese Zeichnungen zu diskutieren und zu sagen, sind die denn jetzt islamophob? Statt immer zu über den Islam zu diskutieren und über die Frage, wie wir ihn integrieren und wie wir es einigermaßen hinkriegen, ein friedfertiges Miteinander zu machen, sollte man sich doch auch mal wieder überlegen, wie genau wir hier eigentlich leben wollen.“

Moderate Islam-Vertreter kommen nun auch zu Wort

Thierry Chervel attestierte den westlichen Medien eine zunehmende Selbstzensur. Mischa Brumlik konterte, wer absolute Meinungsfreiheit wolle, der könne auch den Straftatbestand der Volksverhetzung abschaffen. Karikaturen verurteilte Brumlik gar pauschal als „menschenfeindliche Kunstform“. Um des gesellschaftlichen Friedens Willen die Meinungsfreiheit einschränken? Das kann nicht die Lösung sein, befand auch der französische Philosoph und Publizist Pascal Bruckner:

„Der Antisemitismus und der Rassismus wenden sich gegen einzelne Menschen und werfen ihnen vor, die sie sind, was sie von Geburt aus sind: Juden, Araber, Afrikaner, Asiaten. Religiöse Karikaturen dagegen, ob sie sich gegen den Islam, das Judentum, die Christen oder den Buddhismus wenden, machen sich über ein Glaubenssystem lustig. Das ist absolut nicht das Gleiche!“

Bruckner begrüßte, dass nach den Anschlägen gegen Charlie Hebdo nun auch moderate Islam-Vertreter in den französischen Medien zu Wort kämen, die bisher keine Stimme hatten. Bis zu welchem Punkt verletzende Karikaturen zu ertragen seien, entschieden in demokratischen Gesellschaften weder Vertreter religiöser Gruppen noch Meinungsorgane, sondern ausschließlich die Gerichte, so Bruckner. Die Attentate gegen Charlie Hebdo, so kann eine positive Bilanz der konfliktreichen Diskussion in Berlin lauten, vertiefen im besten Falle nicht die Spaltung zwischen den Glaubensgruppen. Vielmehr stellen sie mit neuer Wucht die grundsätzliche Frage nach Meinungsfreiheit, sozialer Ausgrenzung und der demokratischen Verfasstheit der liberalen Gesellschaft.

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Februar 11th, 2015 at 7:56 am

TAZ| Diskussion in Berlin zu Pariser Anschlägen: Distanzeritis vom Dschihad

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Blasphemische Karikaturen? Ganz normale Muslime? Interessante Thesen gab es bei einem Panel um die Pariser Anschläge, nur keinen Schlagabtausch.

Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, hier bei einem Treffen der Gemeinde der muslimischen Frauen des Liberal-Islamischen Bundes.  Bild: dpa

Es waren zwar durchweg streitbare Geister, die da am Montagabend in den Podiumssesseln der Heinrich-Böll-Stiftung hockten. Einen Monat nach den islamistischen Terroranschlägen auf Charlie Hebdound die Juden von Paris lud die Stiftung zusammen mit der Feuilletonplattform Perlentaucher zu einer Diskussionsrunde, bei der es um nicht weniger als die Zukunft der offenen Gesellschaft gehen sollte, um die Bedrohung der Meinungs- und Pressefreiheit durch religiösen Fundamentalismus und das Wertefundament des Liberalismus in Europa. Vielleicht aber waren die Fragen zu groß, um in anderthalb Stunden zu einem fetzigen Schlagabtausch zwischen den Diskutanten zu führen.

Aus Paris war der Philosoph und Essayist Pascal Bruckner geladen. Bruckner, ein leidenschaftlicher Verteidiger des laizistischen Modells Frankreichs, hat sich in den letzten Jahren immer wieder durch dezidiert islamkritische Positionen hervorgetan, die beimPerlentaucher nachgelesen werden können.

Hier in Berlin oblag es ihm vor allem, ein Stimmungsbild über die Debatte in Frankreich nach den Anschlägen zu liefern. Als vorläufig positiv hob er hervor, dass in seinem Heimatland nun endlich auch die liberalen Stimmen unter den Muslimen sich zu Wort meldeten und umgekehrt in der Öffentlichkeit damit auch Gehör fänden.

Als religionskritischer Bruder im Geiste war auf dem Podium auch der Kulturjournalist und Gründer des Perlentaucher, Thierry Chervel, vertreten. Ihm lag stark daran, nicht wieder die Islamdebatten der letzten Jahre aufzukochen.

Dazu sei an Argumenten alles ausgetauscht und auch die Pariser Anschläge könnten dem nichts Neues mehr hinzufügen. Wir müssten uns jetzt vielmehr die Frage stellen, wie es in Zeiten anschwellender religiöser Überempfindlichkeit um liberale Werte wie Presse- und Meinungsfreiheit eigentlich bestellt ist. In den Medien sei längst eine Tendenz zur Selbstzensur zu beobachten, wie zuletzt in der New York Times, die die Abbildung der Charlie Hebdo-Karikaturen ablehnte, weil sie ihrer Zeitung nicht „würdig“ seien.

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Februar 10th, 2015 at 5:47 pm

Böll Stiftung| Die Anschläge von Paris und die Zukunft der offenen Gesellschaft

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Gedenken in Paris am 7. Januar 2015. Foto: Petit_louisCreative Commons LizenzvertragDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Die Terroranschläge in Paris Anfang Januar auf die Pariser Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt haben die europäische Öffentlichkeit in Schrecken versetzt. Das Attentat zielte auf das Herzstück der Demokratie: die Presse- und Meinungsfreiheit und hat die Debatte über Grundfragen des Zusammenlebens in liberalen Gesellschaften neu entfacht.

Am 9.2.2015 diskutierten Pascal Bruckner (Schriftsteller, Paris), Micha Brumlik(Publizist, Berlin), Thierry Chervel (Journalist, Perlentaucher, Berlin) und Lamya Kaddor (Islamwissenschaftlerin, Münster) die Folgen dieses Anschlags, moderiert von Ralf Fücks (Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin).

Welche Debatten hat dieser brutale Überfall in Frankreich und in den europäischen Nachbarländern ausgelöst? Wie artikulieren sich die verschiedenen intellektuellen, politischen und religiösen Kräfte? Welche politischen Schlussfolgerungen sind aus diesem Anschlag zu ziehen? Wie verteidigen wir die Werte der liberalen Demokratie gegen islamistische Strömungen, die unseren Gesellschaften den Kampf angesagt haben, ohne die anwachsende Islamophobie zu füttern? Und: Was bedeutet dieser Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit für die Publikationspraxis und -freiheit der Medien in Europa, wie reagieren sie?

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Kulturmagazin Perlentaucher und dem internationalen literaturfestival berlin statt.

Quelle: Böll-Stiftung

Deutschlandradio| STOLPERSTEINE IN BERLIN – Vandalismus und Querulantentum

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Von Jens Rosbach

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Eine Polizistin betrachtet die von Unbekannten mit schwarzer Farbe beschmierten "Stolpersteine" in Berlin-Friedenau. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Eine Polizistin betrachtet die von Unbekannten mit schwarzer Farbe beschmierten „Stolpersteine“ in Berlin-Friedenau. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Seit 1996 wurden in Berlin tausende Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische NS-Opfer verlegt – ganz ohne geschichtspolitische Debatte. Dennoch gibt es auch in der Hauptstadt Widerstand, vor allem von rechten Vandalen.

„Hier wohnte Dr. Max Botho Holländer. Deportiert 29.10.1943. Auschwitz ermordet.“ Eine kleine Messingtafel im Pflaster der Berliner Stierstraße 19 – daneben 18 weitere Stolpersteine zur Erinnerung an Juden, die hier einst wohnten. Es sind Steine des Anstoßes: Regelmäßig übermalen Unbekannte das glänzende Metall mit schwarzer Farbe.

„Die haben mit Spraydosen offensichtlich – ich war ja nicht dabei – die Stolpersteine besprüht und nachdem das immer wieder weggeputzt wurde, haben sie dann sich Schablonen gemacht, die sie dann um die Steine legten, um sie akkurat lackieren zu können. Und diese Lackfarbe bekommt man sehr viel schlechter ab.“

Petra Fritsche – 63 Jahre alt, graue Haare, Brille und brauner Tweedmantel – engagiert sich seit Jahren in einer Stolperstein-Initiative. Hier, in Berlin-Friedenau, direkt hinter dem Stein von Botho Holländer, haben die Aktivisten einen Informationskasten aufgestellt, mit Fotos von Überlebenden und Dokumenten aus der NS-Zeit.

„Dieser Informationskasten wurde schon zweimal eingeschlagen, alle Dokumente wurden gestohlen und es wurden Pamphlete hinterlassen: Dass man genug habe von diesem Schuld-Kult und dass man Berlin stolpersteinfrei machen wolle. Das weist auch ganz eindeutig auf Nazis hin, auf Faschisten. Denn es ist die Wortwahl der Nazis.

Es gibt auch persönlichere Angriffe, Telefonate, Briefe. Einmal stand an meiner Tür: Vorsicht, Judenfreundin! Und mein Briefkasten wurde beschädigt mit einem Böller – so etwas eben.“

„Das ist geschichtspolitisches Querulantentum“

Fritsche hat jahrelang in Archiven recherchiert, mit Angehörigen der Ermordeten gesprochen und schließlich eine Doktorarbeit über die Geschichtsaufarbeitung durch Stolpersteine geschrieben.

„Ich will mich nicht einschüchtern lassen. Und ich muss weiter fortfahren indem, was ich tue. Das ist sozusagen eine Pflicht mir gegenüber. Und es zeigt vor allen Dingen, wie wichtig diese Erinnerungskultur ist. Denn es gibt ja viele Menschen, die immer noch vor der Vergangenheit die Augen verschließen.“

„Naja, das wundert mich überhaupt nicht. Es gibt aber auch – und das finde ich bemerkenswert – an Gedenktagen wie dem 9. November nicht wenige Anwohner, die dann Kerzen und Gedenklichter an und auf die Stolpersteine stellen. Und das zeigt doch, dass ein Teil der Bürgerinnen und Bürger das sehr gut annimmt.“

Berlin-Mitte, im Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik kennt die Widerstände gegen die Stolpersteine. Er kennt auch die Querelen um einen Hausbesitzer in Berlin-Charlottenburg, der die Entfernung zweier Messingtafeln fordert, weil diese auf seinem Grundstück verlegt wurden, wenige Zentimeter vom öffentlichen Bürgersteig entfernt.

„Das ist schlicht und ergreifend kleingeistig. Das ist geschichtspolitisches Querulantentum, wenn ich mich so hart ausdrücken darf.“

Insgesamt jedoch, bilanziert der jüdische Professor, laufe die Stolpersteinverlegung in Berlin weitgehend reibungslos – jedenfalls was Behörden, Politik und jüdische Gemeinde betrifft. Pietätsdebatten wie in München kann sich Brumlik in der Bundeshauptstadt nicht vorstellen.

Irritation beim Gang durch die Stadt

„Die Pointe der Stolpersteine ist ja, dass man dadurch beim Gehen irritiert wird und tatsächlich herunter schaut. Und so würde ich sagen ist es kein Treten mit den Füßen, es ist eine allerdings mit dem Fuß verbundene Irritation im normalen Gang in der Stadt.“

Wenn ein Rabbi das Kaddisch, das jüdische Totengebet, bei einer Berliner Stolpersteinverlegung spricht, ist die Unterstützung oft groß. Regelmäßig sind Anwohner, Schüler, Journalisten und Politiker dabei. Stolperstein-Initiator und Künstler Günter Demnig freut sich vor allem über die Angehörigen der Opfer, die aus aller Welt hierher pilgern.

„Viele kommen natürlich aus Israel, aus England, aus Holland, Südafrika, Südamerika, Nordamerika. Aber man sieht dann, wie diese Familienverbände, die eigentlich unsere Nachbarn waren, wirklich verteilt sind, über den ganzen Globus, wirklich vom Winde verweht!“

Mehr als 6000 Steine wurden in Berlin bereits in die Fußwege hineingesetzt – so viele wie in keiner anderen Stadt. Trotz der großen Resonanz bleibt Aktivistin Petra Fritsche vorsichtig – genauso wie die Polizei. Mittlerweile haben die anonymen Beschmierungen und mitunter sogar Hakenkreuze dazu geführt, dass Stolpersteine oft nur noch unter Aufsicht der Ordnungskräfte verlegt werden.

„Die Polizei hat den Staatsschutz eingeschaltet und sie begleiten seit dieser Zeit Stolpersteinverlegungen. Sie halten sich in der Nähe auf in Zivil und beobachten die Gruppen.“

Quelle: Deutschlandradio Kultur

Written by lbucklitsch

Februar 5th, 2015 at 5:50 pm

TAZ| Bruder Bachmann

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DIE IM HITLERIMITATOR BACHMANN VERKÖRPERTE, VOR SICH SELBST VERBORGENE, GEHEIME LUST ZUZUSCHLAGEN

 

 

Bruder Bachmann

 

Was haben Pegida, die AfD und die RAF miteinander gemeinsam? Die RAF? Jawohl, die RAF! Also jene linksterroristische, sich „Rote Armee Fraktion“ nennende Stadtguerilla, die in den 1980er Jahren mit ihren Anschlägen und Überfällen sowie der darauf folgenden, hysterischen Überreaktion des westdeutschen Sicherheitsapparates die Bundesrepublik in eine schwere Krise stürzte. Was das mit Pegida zu tun hat? Übers Wochenende war zu lesen, dass Alexander Gauland, der Bachmanns Pegida demonstrativ besucht hatte, ihm jetzt „Verrat“ vorwirft; jetzt, nachdem sich Bachmann ehrlicherweise als das geoutet hat, was er immer schon war und alle wissen konnten: als Nazi. Jetzt erst kritisiert Alexander Gauland – er schuf vor Jahren aus dem CDU-Provinzpolitiker Wallmann die Kunstfigur des urbanen Frankfurter Oberbürgermeisters – den vorbestraften Lutz Bachmann. Nicht anders Pfarrersfrau Frauke Petry, die noch immer nicht bedauern mag, mit Pegida, verkörpert durch Bachmann, gesprochen zu haben.

Was das alles mit der RAF zu tun hat? Wie bei der AfD zeigte sich auch bei der RAF die heimliche Liebe des deutschen Bürgertums zu politischen Desperados. Was Andreas Baader für Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin war, war für Gauland und Petry der nicht nur wegen Kokainbesitzes verurteilte Bachmann: Ausdruck der vor sich selbst verborgenen geheimen Lust zuzuschlagen.

Bachmann wurde zu drei Jahren und acht Monaten wegen Einbruchs, Diebstahls und Körperverletzung sowie zu einer weiteren Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Andreas Baader war längst wegen vielfacher Verkehrsdelikte sowie Dokumentenfälschung verurteilt, als er 1968 die rebellische Pfarrerstochter Gudrun Ensslin kennenlernte. Im Mai 1970 befreite Ensslin gemeinsam mit Ulrike Meinhof, einer zunächst pazifistischen Bildungsbürgerin, Andreas Baader gewaltsam aus der Haft.

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Written by lbucklitsch

Februar 3rd, 2015 at 9:53 am

Micha Brumlik: „Neuer und alter Antisemitismus in Deutschland“

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Micha Brumlik ist emeritierter Professor für Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen neben Erziehungs- und Bildungsfragen (religions-)philosophische und gesellschaftspolitische Themen. Von 2000 bis 2005 leitete Micha Brumlik das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt am Main, ein Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Seit Oktober 2013 ist er Senior Advisor am Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Micha Brumlik ist zudem als Gastautor diverser Zeitungen tätig und gibt die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ sowie das Periodikum „Babylon – Beiträge zur jüdischen Gegenwart“ mit heraus.

Mit seinem Vortrag über „Neuen und alten Antisemitismus in Deutschland“ hat Micha Brumlik am 3. Februar 2015 die Ringvorlesung „Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland – Figurationen und Interventionen in Gesellschaft und staatlichen Institutionen“ an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg eröffnet, die vom Arbeitskreis „Interkulturelle Bildung“ organisiert wurde (https://web.hsu-hh.de/fak/geiso/fach/…).

Written by lbucklitsch

Februar 3rd, 2015 at 9:29 am