Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for Oktober, 2015

idea| Juden haben beim Luther-Gedenken nichts zu suchen

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Berlin (idea) – Der Reformator Martin Luther (1483-1546) hat den christlichen Antijudaismus verstärkt und zugespitzt. Deswegen haben Juden beim öffentlichen „Gedenken“ an Luther während des 500-jährigen Reformationsjubiläums 2017 nichts zu suchen. Das schreibt der jüdische Erziehungswissenschaftler und Publizist Prof. Micha Brumlik in der Jüdischen Allgemeinen (Berlin) vom 29. Oktober. Der Begriff „Gedenken“ bedeute, die „Opfer der Geschichte“ ins Gedächtnis zu rufen. Zu diesen Opfern zähle Luther nicht: „Umgekehrt wurden Juden zu Opfern seines theologischen und politischen Judenhasses.“ Aus Sicht von Brumlik wäre es eine andere Situation, wenn es statt ums Gedenken um das „kritische Erinnern“ ginge.

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Oktober 30th, 2015 at 8:32 pm

JA| REFORMATION – Kritisches Erinnern

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Warum sich Juden nicht am Luther-Gedenken beteiligen sollten, aber viel dazu sagen können

29.10.2015 – von Micha BrumlikMicha Brumlik

 

Kein Zweifel: Im 19. Jahrhundert fand Martin Luther unter liberal und republikanisch gesonnenen Juden glühende Anhänger. »Aber dieser Martin Luther«, so Heinrich Heine in seiner Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, »gab uns nicht bloß die Freiheit der Bewegung, sondern auch das Mittel der Bewegung, dem Geist gab er nämlich einen Leib. Er gab dem Gedanken auch das Wort. Er schuf die deutsche Sprache.«

Auch der Publizist Saul Ascher, ein Zeitgenosse Heines und einer der schärfsten Kritiker des aufkommenden Antisemitismus, ein Mann, dessen Bücher von völkischen Studenten verbrannt wurden, lobte Luther.

Mehr noch: Manchen Zeitgenossen, die das Judentum reformieren wollten, galt dieser kompromisslose Bekämpfer des Antisemitismus als der »Luther des Judentums«. Das freilich wäre kaum möglich gewesen, wenn liberale und reformorientierte Juden in der Mitte des 19. Jahrhunderts Martin Luthers Schriften über das Judentum zur Kenntnis genommen hätten, Schriften, die damals erhältlich und einsehbar waren und von den Antisemiten eifrig genutzt wurden. Etwa von Hartmut von Hundt-Radowsky, der in seinem Pamphlet Die Judenschule aus dem Jahr 1822 auf judenfeindliche Bemerkungen aus Luthers Tischreden Bezug nimmt.

BLAUPAUSE Ob, wem und wie sehr und ab wann genau Luthers 1543 erschienene Schrift Von den Juden und ihren Lügen bekannt war, ist noch immer Gegenstand eines Streits unter Philologen. Kein Zweifel kann indes daran bestehen, dass diese Schrift – mit Ausnahme der Gaskammern – eine Blaupause all jener verbrecherischen Maßnahmen – von der Verbrennung von Synagogen über die Zwangsarbeit bis hin zur Vertreibung – enthält, die das nationalsozialistische Deutschland Europas Juden antat.

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Oktober 30th, 2015 at 7:55 pm

Video-Dokumentation der Ringvorlesung „Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland – Figurationen und Interventionen in Gesellschaft und staatlichen Institutionen”

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Im Rahmen einer Ringvorlesung an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg haben sich in den vergangenen Monaten unterschiedliche Expert_innen mit rechtsextremen und rassistischen Tendenzen in Deutschland auseinandergesetzt. In sechs Vorträgen wurde sich u.a. mit neuen und alten Erscheinungsformen von Antisemitismus, Strategien und Einflusssphären der Neuen Rechten, Rechtspopulismus, institutionellem Rassismus, der bisherigen Aufarbeitung der NSU-Morde, dessen Auswirkungen auf die Migrationsgesellschaft sowie Möglichkeiten der Prävention beschäftigt. Die Reihe wurde vom „Arbeitskreis Interkulturelle Bildung” (unter Ellens Mitwirkung) organisiert. Fünf der Vorträge wurden auf Video aufgenommen und können nun mit freundlicher Genehmigung der Referent_innen auf elalem angesehen werden.***

 

 

Teil I: Micha Brumlik – Neuer und alter Antisemitismus in Deutschland

 

 

Micha Brumlik ist emeritierter Professor für Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt/M. und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen neben Erziehungs- und Bildungsfragen (religions)philosophische und gesellschaftspolitische Themen. Von 2000 bis 2005 leitete Micha Brumlik das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt/M., ein Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Seit Oktober 2013 ist er Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Micha Brumlik ist zudem als Gastautor diverser Zeitungen tätig und gibt die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ mit heraus.

 

Quelle: Diskurse, Macht und Identitäten in der Migrationsgesellschaft

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Oktober 30th, 2015 at 3:41 pm

Kritisches Erinnern

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Reformation

Entsprechend war es nur konsequent, dass ein thüringischer Landesbischof es hoch bedeutsam fand, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, also Luthers Geburtstag, Deutschlands Synagogen brannten. Ebenso wie es schlüssig war, dass der antisemitische Hetzjournalist Julius Streicher in Nürnberg aussagte, dass an seiner Stelle Martin Luther vor dem internationalen Militärtribunal hätte stehen sollen.

29.10.2015 – von Micha Brumlik

Anders jedoch, wenn es nicht ums Gedenken, sondern um das »Kritische Erinnern«, also um gesellschaftliche Formen der aufklärenden Vergegenwärtigung von Vergangenheit geht, ihrer Strukturen, ihrer Personen, ihrer Möglichkeiten und verpassten Chancen.

Blaupause Doctor, wem und wie sehr und ab wann genau Luthers 1543 erschienene Schrift Von living room Juden und ihren Lügen bekannt war, ist noch immer Gegenstand eines Streits unter Philologen. Kein Zweifel kann indes daran bestehen, dass diese Schrift – durch Ausnahme der Gaskammern – eine Blaupause all jener verbrecherischen Maßnahmen – von der Verbrennung von Synagogen über die Zwangsarbeit bis hin zur Vertreibung – enthält, die das nationalsozialistische Deutschland Europas Juden antat.

Auch der Publizist Saul Ascher, ein Zeitgenosse Heines und einer der schärfsten Kritiker des aufkommenden Antisemitismus, ein Mann, dessen Bücher von völkischen Studenten verbrannt wurden, lobte Luther.

Kein Zweifel: Im 19. Jahrhundert fand Martin Luther unter liberal und republikanisch gesonnenen Juden glühende Anhänger. »Aber dieser Martin Luther«, so Heinrich Heine in seiner Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, »gab uns nicht bloß die Freiheit der Bewegung, sondern auch das Mittel der Bewegung, dem Geist gab er nämlich einen Leib. Er gab dem Gedanken auch das Wort. Er schuf die deutsche Sprache.«

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Oktober 29th, 2015 at 9:39 am

Stutgart| Eröffnung der Jüdischen Kulturwochen

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Unter dem Motto „70 Jahre Jüdische Gemeinde in Stuttgart“ veranstaltet die israelische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) vom 2. bis 15. November die Jüdischen Kulturwochen.
Die Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, Isabel Fezer, eröffnet das zweiwöchige Programm am Montag, 2. November, um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses, drittes Obergeschoss, Marktplatz 1.

Nach der Begrüßung durch Barbara Traub, Vorstandssprecherin der IRGW, sprechen außerdem die Staatssekretärin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Marion von Wartenberg, sowie Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Grußworte.

Schirmherr der Veranstaltung ist Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Den Einführungsvortrag „Vom Wert der Freundschaft – 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel“ hält Prof. Dr. Micha Brumlik.
Die Beziehung zwischen Deutschland und Israel ist in Zeiten der Kriege und Krisen im Nahen Osten mit Auswirkungen auch hierzulande wichtiger denn je. Brumlik, renommierter jüdischer Wissenschaftler aus Frankfurt, wird daher nicht nur an Entstehung und Entwicklung der Beziehungen beider Länder erinnern, sondern auch deren Bedeutung für die Gegenwart herausstellen. Anschließend folgt ein Gespräch zwischen Brumlik und Moderator Dr. Johannes Weiß (SWR). Den musikalischen Rahmen gestaltet das Jerusalem Duo mit Hila Ofek, Harfe, und Andre Tsirlin, Saxofon. Veranstalter der Jüdischen Kulturwochen sind die IRGW sowie die Landeshauptstadt Stuttgart.

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Oktober 26th, 2015 at 6:06 pm

JA| Appell an die Kultusminister: NS-Pädagogik soll Pflichtstoff werden

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von Astrid Ludwig

Mit einem bundesweiten Appell, die Verbrechen, Ideologie und Pädagogik der Nationalsozialisten zu einem festen Bestandteil im Studium der Erziehungswissenschaften zu machen, haben sich die Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik und Benjamin Ortmeyer an die Kultusministerkonferenz, die Wissenschaftsministerien der Länder und die Hochschulen gewandt.

Die beiden Wissenschaftler haben die deutschlandweit einmalige Forschungsstelle für NS-Pädagogik an der Frankfurter Goethe-Universität aufgebaut und setzen sich seit Jahren dafür ein, dass die »Erziehung nach Auschwitz« kein Spezialthema im Studium angehender Pädagogen und Lehrer bleibt, sondern zum Pflichtprogramm zählt.

UNTERZEICHNER »Die Problematik und die Grenzen des pädagogischen Berufes wurden nirgends so deutlich wie in Theorie und Praxis der NS-Pädagogik, die ihren festen Bestandteil an der Verbreitung der NS-Ideologie und der Vorbereitung der mörderischen NS-Verbrechen hatte«, schreiben Brumlik und Ortmeyer in ihrem Appell, der von fast 200 Persönlichkeiten, Politikern und Wissenschaftlern unterzeichnet wurde.

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Oktober 22nd, 2015 at 2:36 am

StZ| Jüdische Kulturwochen in Stuttgart: Einzigartiger Humor kommt auch zu Wort

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Von  

„Neue Hoffnung schöpfen“ lautet das Motto der zwölften jüdischen Kulturwochen, die traditionell im Herbst stattfinden. Die israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg lädt zu 35 Veranstaltungen ein.

Stuttgart – Neue Hoffnung schöpfen“ lautet das Motto der zwölften jüdischen Kulturwochen, die traditionell im Herbst stattfinden. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) lädt für den 1. bis 15. November zu 35 Veranstaltungen und Ausstellungen ein. Zum Auftakt am 2. November hält der Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik seinen Einführungsvortrag über 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel mit dem Titel „Vom Wert der Freundschaft“ (Rathaus, 19 Uhr). Aber auch der besondere jüdische Humor ist zu erleben. Ernst Konarek und Ernst Kies führen in ihrem Programm „Die Tante Jolesch oder: Also so war das nicht!“ mit allerlei witzigen Anekdoten von Friedrich Torberg in die Welt der Sonderlinge und Originale (4. November).

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Oktober 20th, 2015 at 11:04 am

main-echo| Benjamin Ortmeyer: Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler fordert stärkere Auseinandersetzung mit NS-Zeit

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Er ist ein Mann kla­rer Wor­te und scheut kei­ne Kon­fron­ta­ti­on – auch wenn ihm das nicht im­mer Zu­stim­mung ein­bringt. Ben­ja­min Ort­mey­er ist Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­ler und lei­tet die NS-For­schungs­s­tel­le an der Frank­fur­ter Goe­the-Uni­ver­si­tät.

In einem Appell, den er gemeinsam mit Micha Brumlik an die Kultusministerkonferenz, die Wissenschaftsministerien der Länder, das Bundeswissenschaftsministerium sowie alle Universitäten und Hochschulen in Deutschland richtet, ruft er dazu auf, dass die die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ihren festen Platz im Studium der Erziehungswissenschaften bekommen muss. Im Gespräch mit unserem Medienhaus erläutert er, warum er das für so wichtig hält.

Warum dieser Appell?
Es sind gebildete und Pädagogen nötig und zur Allgemeinbildung und einer humanistischen und demokratischen Orientierung wird auf jeden Fall die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen, der NS-Ideologie und der NS-Pädagogik benötigt.

Glauben Sie, dass Pädagogen, die das verinnerlicht haben, eine Wissensänderung bei Schülern bewirken können?
In der Tat. Noch wichtiger als die Argumentation ist, dass die Jugendlichen spüren, dass jemand vor ihnen steht, der sich wirklich mit diesen Fragen auseinandergesetzt hat, der es ernst meint und der weiß, worum es geht. Das setzt Fachwissen plus wirkliche Auseinandersetzung voraus, aber auch eine humanistische Grundhaltung.

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Oktober 19th, 2015 at 5:28 am

NWZ| BIBELTAG: Antisemitismus verändert sich

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von Michael Grau und Karen Miether

 

Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) sieht in der deutschen Gesellschaft eine veränderte Form des Antisemitismus grassieren. Abstrakte Vorstellungen aus der NS-Zeit, wie die von einer jüdischen „Weltverschwörung“, spielten dabei keine Rolle mehr, sagte sie am Sonnabend in Hannover. Stattdessen glaubten offenbar viele Menschen, Juden seien irgendwie „anders“, ohne dass sie genau benennen könnten, worin der Unterschied bestehe.

Dieses nur dumpf empfundene Bild sei negativ besetzt und diene dazu, sich abzugrenzen. „Ich glaube, dass mit diesem Vorbehalt viele Menschen versehen sind und dass mit dieser Brille auch das gesehen wird, was in Israel passiert“, sagte Niewisch-Lennartz. Um dies zu verändern, müssten die positiven Seiten des Judentums herausgestellt werden. Als Beispiel nannte die Ministerin dabei die jüdische Musik. Sie sprach bei einem Bibeltag des evangelischen Sprengels Hannover.

Der jüdische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik sagte, das beste Mittel gegen Antisemitismus sei die persönliche Begegnung.

 

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Oktober 12th, 2015 at 4:59 am