Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for März, 2016

Universität Kassel: Micha Brumlik – Antrittsvorlesung – Kassel, 20.April 2016, 18 Uhr

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Antrittsvorlesung Brumlik.jpg wird angezeigt.Antrittsvorlesung Brumlik.jpg wird angezeigt.Antrittsvorlesung Brumlik.jpg wird angezeigt.Antrittsvorlesung Brumlik

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März 26th, 2016 at 2:22 pm

Heinrich Böll Stiftung| Micha Brumlik: Das alte Denken der neuen Rechten

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Metapolitik

Das alte Denken der neuen Rechten
Vortragsreihe
DATUM:
Montag, 4. April 2016 – 19:3021:00
STADT: Berlin
ADRESSE:

HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG – BUNDESSTIFTUNG BERLIN

Schumannstr. 8
10117 Berlin
WEGBESCHREIBUNG
EINTRITT/GEBÜHR:
frei
VERANSTALTER/IN:
Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin

„Die Gespenster der Vergangenheit haben wieder eine Zukunft“ – mit dieser Diagnose beschrieb DIE ZEIT bereits 2014, wie sich rechtsradikales Denken in Mittel- und Osteuropa mit ähnlichen ideologischen Strömungen in Russland verbindet und unter dem Begriff der Metapolitik verbreitet wird. Inzwischen hat diese Rückkehr zu nationalen bzw. nationalistischen Positionen wieder geopolitische Ordnungsvorstellungen zum Leben erweckt, die längst überholt erschienen.

Rechte Netzwerke wirken auf kulturelle und gesellschaftliche Kommunikationsmuster ein. Angestrebt wird eine kulturelle Hegemonie, die im Sinne einer Metapolitik die Prämissen westlicher Politik zu verändern sucht. Ideen von Homogenisierung, nationaler Renaissance und Raum als politische Kategorie sind die Säulen dieser Weltvorstellung.

Zugleich gewinnen Strömungen radikal anti-universalistischen Denkens auch bei der neuen deutschen Rechten an Einfluss. Der russische Propagandist Alexander Dugin will einen eurasischen Kulturraum schaffen und rekurriert dabei auf ein völkisches Denken, das bei Martin Heidegger Anleihen macht und Nationen nach ethnischer Zugehörigkeit definiert.

Der Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik analysiert die Gedankenwelt, die die rechtsnationalistischen Bewegungen in Europa mit dem Russland Putins verbindet.

Mit

  • Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler und Publizist

Moderation: Peter Siller, Jurist und Philosoph, Heinrich-Böll-Stiftung

Hinweis: Die Veranstaltung wird als Livestream übertragen.
Eine Veranstaltung der Grünen Akademie.
In Medienpartnerschaft mit taz und Freitag.

 

Hintergrund
In welcher Welt leben wir? So banal es klingt, es gehört zum Schwierigsten, Abstand zu gewinnen – auf die Höhe zu gehen – um das eigene Jetzt klarer zu sehen. Zeitgeistige Bestseller gibt es viele, erhellende Zeitdiagnosen sind selten. Schauen wir also, wo interessante Perspektiven auf unsere Gegenwart eröffnet werden. Versuchen wir einen ungewohnten, gerne auch schrägen  Blick, der uns die Gegenwart anders sehen lässt. 35 Jahre nach den „Stichworten zur ‚geistigen Situation der Zeit'“ nehmen wir mit der Vortragsreihe „Auf der Höhe“ das Experiment nochmals auf. Abermals fragen wir Intellektuelle zu zentralen gesellschafts- und kulturdiagnostischen Stichworten unserer Zeit. In den nächsten Monaten und Jahren buchstabieren wir das Alphabet durch, von A wie Authentizität über D wie Drastik, J wie Jugend, ewige bis R wie Retro und Z wie Zombie.

Blätter| Das alte Denken der neuen Rechten

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Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft

von Micha Brumlik

Daran, dass sich derzeit in beinahe allen Ländern Europas eine explizit rechte, nicht mehr nur konservative Grundstimmung verfestigt, kann kein Zweifel bestehen. Und dies dem Umstand zum Trotz, dass keineswegs alle Länder von den üblichen Ursachen derartiger Stimmungen betroffen sind. In Deutschland zum Beispiel ist die soziale und ökonomische Lage so gut wie seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr: Die Arbeitslosigkeit hat sich bei etwa sechs Prozent eingependelt, die Steuereinkommen sprudeln, sogar die Renten sind leicht angestiegen, das Exportgeschäft boomt noch immer ungebrochen und der Handel verbucht (auch infolge der Fluchtbewegung) eine anhaltende Nachfrage.

Einzuräumen ist, dass die Kluft zwischen den höchsten und niedrigsten Einkommensgruppen immer größer wird und die Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse konstant hoch bleibt. Aber erklärt das bereits die erstaunliche Konjunktur rechtspopulistischer Stimmungen und rechtsradikaler Einstellungen? Und kann diese Neue Rechte überhaupt auf ein theoriefähiges Programm zurückgreifen – gerade in Deutschland, da ja noch immer zu gelten scheint, dass alles, was in irgendeiner Weise an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert, in der Arena der Öffentlichkeit tabu ist?

Von den Identitären zur AfD

Der dem systemtheoretischen Denken Niklas Luhmanns verpflichtete Soziologe Armin Nassehi, er lehrt und forscht an der Universität München, hat 2015 ein bemerkenswertes, provokatives Buch unter dem Titel „Die letzte Stunde der Wahrheit. Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss“ publiziert. In diesem Buch, das nicht zuletzt durch seinen Briefwechsel mit dem Rechtsintellektuellen Götz Kubitschek auffällt, will Nassehi nicht nur nachweisen, dass linkes, universalistisches Denken schon deshalb die Gesellschaft nicht ändern kann, weil die Vertreter dieses Denkens de facto „rechts“ leben, sondern auch eine – freilich zu kurz greifende – Charakterisierung „rechten“ Denkens geben: „Rechts zu denken, heißt“ laut Nassehi, „dass man menschliche Existenz nur als unhintergehbare Gruppenexistenz denken kann – mit allen Konsequenzen, die das dann theoretisch normativ und auch politisch hat. Menschen sind dann in erster Linie Mitglieder größerer Gemeinschaften, und die Lösung gesellschaftlicher Probleme wird letztlich der Homogenität beziehungsweise der inneren Kohäsion einer solchen Gruppe auferlegt. Die Vorbedingung für die rechte Idee der Volkssolidarität war die linke Idee der Volkssouveränität. Beide sind gleichursprünglich entstanden.“[1]

Zweifellos stellen kulturalistisch gedeutete Homogenitätsannahmen eine Grundlage des neuen, rechten Denkens dar – allerdings nur eine. Mindestens so bedeutsam sind Konzepte einer Politisierung des Raums sowie Überlegungen zur (Re)sakralisierung sozialer Funktionen, insbesondere von Herrschaft.

Alle drei Elemente – kulturalistisch gedeutete Homogenität, Politisierung des Raumes sowie Wiederverzauberung gesellschaftlicher Funktionen – schießen in den politischen Überzeugungen jener Gruppen zusammen, die sich in Österreich und Deutschland mit Blick auf Frankreich als „Identitäre“ bezeichnen, auf die französische „Nouvelle Droite“ des noch immer aktiven Alain de Benoist zurückgehen und dessen Vorstellungen vertreten. Demnach hat jede Ethnie ein eigenes Lebensrecht, aber nur in dem ihr zustehenden Raum. Im Internetauftritt des österreichischen Arms der Bewegung wird die identitäre Idee als „eine Botschaft der Freiheit und Selbstverwirklichung jedes Volkes und jeder Kultur im Rahmen ihres eigenen Charakters“ dargestellt, ihre Botschaft beinhalte daher Rassismus“.[2]

Wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt, ist und lebt damit „identitär”. Bei alledem geht es nicht um die dumpfen Ressentiments der Pegida-Demonstranten, sondern um ein Spektrum von Personen und Medien, die – angefangen von der rechtsreformistischen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ über die Bücher des „Antaios Verlages“, die Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“, die Jugendzeitschrift„Blaue Narzisse“ bis hin zur Zeitschrift „Sezession“ – darum bemüht sind, rechtes Denken zu rehabilitieren. Nicht zu vergessen Jürgen Elsässer und die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Compact“, der – mit pazifistischen Begründungen – ein schon von der „Konservativen Revolution“ der Zwischenkriegszeit angestrebtes deutsch-russisches Bündnis und damit ein fremdenfeindliches, autoritäres Regierungsprojekt propagiert. Dass es hier durchaus Verbindungen in die AfD gibt, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ein ehemaliger Assistent Peter Sloterdijks, der Philosoph Marc Jongen, als Hausphilosoph der AfD in Baden-Württemberg um eine entsprechende Grundlegung seiner Partei bemüht ist – ein Unternehmen, das er – weitestgehend unbemerkt – bereits in der Januarausgabe der Zeitschrift „Cicero“ 2014 angekündigt hatte.[3]

Autoren und Autorinnen all dieser Publikationsorgane sehen sich dem verpflichtet, was sie mit einem Ausdruck Martin Heideggers als „Metapolitik“ bezeichnen, also einer sich philosophisch gebenden Lehre von der Politik, die jedoch so kommuniziert werden soll, dass sie als „Gramscianismus von rechts“ kulturelle Kommunikationsmuster bereits im vorpolitischen Raum verändert, um so die Bereitschaft zur Hinnahme von nationaler Schließung, autoritärer Unterordnung und ethnischer Homogenität zu fördern.

Von Martin Heidegger zu Alexander Dugin

Dabei sind die Grenzen zum historischen Faschismus schnell überschritten: Zeitgeistige Kommunikationsformen wie etwa „Metapolitika“, ein Blog der identitären Bewegung, propagieren den Mussolini von rechts kritisierenden Philosophen Julius Evola sowie vor allem den zeitweise auch von Wladimir Putin protegierten Alexander Dugin. Evola, diese hierzulande bisher eher unbekannte Gestalt, wurde – wie neuerdings zu erfahren war – auch von einem der wohl wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, von Martin Heidegger, zustimmend rezipiert.[4] Hier herrschte eine Wahlverwandtschaft, weil sich Evola wie Heidegger gegen Kommunismus und „Amerikanismus“ wandte.

Immer wieder Martin Heidegger: Es ist kein Zufall, dass die Debatte um diesen Mann, der seine Mitgliedschaft in der NSDAP niemals aufgab, der – wie die seit 2013 bekannten „Schwarzen Hefte“ unwiderleglich beweisen – ein überzeugter Antisemit war und den Juden ihre Ermordung selbst zurechnete, bis heute nicht enden will. Wird sich doch an der Debatte um ihn, zumal nach dem Bekanntwerden seines „Seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ (Peter Trawny) erweisen, ob ein der Aufklärung, den Menschenrechten, dem Individualismus und der liberalen Demokratie feindliches Denken überhaupt noch eine Chance hat.

Für Alexander Dugin firmiert Heidegger jedenfalls als wesentlicher Gewährsmann seiner radikal antiuniversalistischen Theorie. Gleichzeitig richtet sich die Neue Deutsche Rechte zunehmend an Alexander Dugin aus. So publizierte Jürgen Elsässer in seiner Zeitschrift „Compact“ ein Interview mit dem Philosophen, in dem dieser auf die Frage, warum er die eurasische Idee propagiere, Folgendes zu Protokoll gab: „Weil es sich dabei um ein Konzept handelt, welches den Herausforderungen Russlands und der russischen Gesellschaft begegnet. Was sind die Alternativen? Es gibt den westlich-liberalen Kosmopolitismus, doch die russische Gesellschaft wird diese Idee niemals akzeptieren. Dann gibt es den Nationalismus, der sich für das multiethnische Russland ebenfalls nicht eignet. Auch der Sozialismus eignet sich nicht als tragendes Ideal für Russland, im Prinzip hat er auch in der Vergangenheit dort nie wirklich funktioniert. Die eurasische Idee ist daher ein realistisches und idealistisches Konzept. Es ist nicht nur irgendeine romantische Idee, es ist ein technisches, geopolitisches und strategisches Konzept, welches von all jenen Russen unterstützt wird, die verantwortungsbewusst denken.“[5]

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März 20th, 2016 at 4:16 pm

Deutschlandfunk| Antisemitismus – Interview mit Micha Brumlik

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13.03.2016 | 9 Min. | Quelle: Deutschlandfunk

Autor: Müller-Ullrich, Burkhard Sendung: Information und Musik http://www.deutschlandfunk.de/information-und-musik.2015.de.html Hören bis: 19.09.2016 09:12

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März 13th, 2016 at 10:49 am

NDR kultur| Micha Brumlik im Gespräch

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12.03.2016 | 34 Min. | Quelle: NDR

Der Erziehungswissenschaftler und diesjähriger Träger der Buber-Rosenzweig-Medaille, befragt von Michael Hollenbach

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Wir bieten diesen Beitrag in folgenden Qualitäten zum Download an:

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3SAT| Brumlik mit Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt Aktuelles vom Montag, 07.03.2016

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Der jüdische Professor und Publizist Micha Brumlik ist am 6. März 2016 in Hannover für seinen jahrzehntelangen Einsatz zur Verständigung zwischen Juden und Christen mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.
Der 68-jährige Erziehungswissenschaftler sei „ein Seismograph für die Suche nach jüdischer Identität in Deutschland nach der Schoah“, sagte die evangelische Theologin und Professorin Margot Käßmann in ihrer Laudatio im Theater am Aegi.
„Wenn allzu viele allzu schnell vergessen, legt Brumlik den Finger in die Wunde“, betonte die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017. Brumlik erhielt die undotierte Auszeichnung bei der Eröffnung der bundesweiten „Woche der Brüderlichkeit“ der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit durch Bundespräsident Joachim Gauck. Die Medaille erinnert an die jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). Die Aktionswoche steht unter dem Motto „Um Gottes Willen“. Käßmann betonte, dass Brumlik jüdische Theologie für Christinnen und Christen in Deutschland zugänglich gemacht habe. „Er war ein Brückenbauer zu und für die jüdischen Gemeinden.“
Quelle: 3SAT

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März 8th, 2016 at 8:40 pm

FNP| Buber-Rosenzweig-Medaille: Der suchende Publizist

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Seit über 30 Jahren setzt sich Micha Brumlik für die Verständigung zwischen Christen und Juden ein. Am Sonntag erhält der deutsch-jüdische Publizist dafür die Buber-Rosenzweig-Medaille.

Micha Brumlik ist mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.Foto: Stefan Heinze (epd)Micha Brumlik ist mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.

Seine Stimme hat die weiche Frankfurter Färbung. Das gibt ihr Leichtigkeit und macht sie sympathisch. Leger und unkonventionell wirkt auch der graukarierte Anzug, unter dem Micha Brumlik einen bordeauxroten Pullover und eine Krawatte trägt. Leicht gemacht hat es sich der prominente Publizist und Professor für Erziehungswissenschaften allerdings nie: Er ist ein Mann mit Rückgrat, ein Suchender. Sein Leben ist voller Wendepunkte, die er zumeist selbst herbeigeführt hat.

Gestern wurde der 68-Jährige in Hannover mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Die Auszeichnung wird einmal jährlich für besondere Verdienste bei der Verständigung von Christen und Juden vom „Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ verliehen. Bundespräsident Joachim Gauck kam, die evangelische Theologin Margot Käßmann hielt die Laudatio.

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BILD| „WOCHE DER BRÜDERLICHKEIT“ ERÖFFNET | Vergesst Auschwitz nicht!

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Dann die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik.

VergrößernProf. Micha Brumlick

In ihrer Laudatio lobt Käßmann den streitbaren Professor: „Wir brauchen Querdenker. Er war manchmal wirklich auch Agitator, der Sachen auf den Punkt und andere auf die Palme bringen konnte.“

Der Preisträger mahnt: „Ich beklage die Überalterung des deutsch-jüdischen Gesprächs. Wir müssen wieder junge Leute für den Dialog begeistern.“ Damit die Gräueltaten des NS-Regimes und Konzentrationslager wie Auschwitz niemals in Vergessenheit geraten…dp

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März 7th, 2016 at 6:32 pm

Woche der Brüderlichkeit 2016 in Hannover eröffnet – Prof.Dr. Micha Brumlik bekommt Buber -Rosenzweig Medaille 2016

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März 7th, 2016 at 6:19 pm

JA| Appell gegen Hassreden

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Bundespräsident Gauck eröffnet »Woche der Brüderlichkeit« – Micha Brumlik erhält Buber-Rosenzweig-Medaille

Aktualisiert am 06.03.2016, 13:23

Mit einem Appell gegen Hassreden und Rechtsextremismus hat Bundespräsident Joachim Gauck am Sonntag die »Woche der Brüderlichkeit« eröffnet. »Wer glaubt, das christliche Abendland mit der Herabsetzung anderer, mit Ausgrenzung Andersgläubiger, mit Hassparolen und Säuberungsfantasien verteidigen zu sollen, hat es schon verraten«, sagte der Politiker bei einer Feierstunde im Theater am Aegi in Hannover.

Gauck betonte, ein klares Profil und entschiedenes Bekenntnis zur eigenen Tradition, Kultur und Religion sei »vollkommen in Ordnung«. Aber die wachsende Unbarmherzigkeit von selbst ernannten Verteidigern des »christlichen Abendlandes«, die sich längst nicht mehr nur verbal äußere, sei nicht akzeptabel.

SEISMOGRAF Der Publizist Micha Brumlik wurde bei der Feier zur Eröffnung der »Woche der Brüderlichkeit« in Hannover für seinen jahrzehntelangen Einsatz zur Verständigung zwischen Juden und Christen mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Der 68 Jahre alte Erziehungswissenschaftler sei »ein Seismograf für die Suche nach jüdischer Identität in Deutschland nach der Schoa«, sagte die evangelische Theologin Margot Käßmann in ihrer Laudatio.

»Wenn allzu viele allzu schnell vergessen, legt Brumlik den Finger in die Wunde«, betonte die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017.

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März 6th, 2016 at 1:29 pm

Dr. Käßmann: Laudatio für Prof. Dr, Micha Brumlik – Hannover, 06.03.2016

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Laudatio: PROF. DR. DR. H.C. MARGOT KÄßMANN, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
lieber Micha Brumlik,

zuerst habe ich gedacht: Passt das denn zusammen? Margot Käßmann um eine Laudatio für  Micha Brumlik bitten? Das scheint doch wenig stimmig! Er ist Jude, ich bin Christin. Gerade erst hat Brumlik in der Jüdischen Allgemeinen (29.10.15) vehement erklärt, bei einem „Lu­thergedenken“ hätten Juden nichts zu suchen, während ich mir jüdische Beteiligung im Jubi­läumsjahr wünsche. Er ist ein dezidierter Verfechter von Waffenlieferungen an Israel, ich versuche, die Fahne des Pazifismus hoch zu halten. Und wo wir uns begegnet sind, waren wir gewiss nicht immer einer Meinung.

Aber auf .den zweiten Blick: Micha Brumlik war stets ein Querdenker und ja, ein unbequemer zumal. Genau das gefällt mir. Wir brauchen Querdenker in einer Zeit, die zu Anpassung und Mainstream neigt, in der es so viel einfacher ist, stromlinienförmig zu sein als anzuecken. So
ein Disput mit Micha Brumlik ist kein Spaziergang, letzten Monat habe ich das gerade erst wieder in Berlin erlebt. Es ist immer eine Herausforderung, mit ihm zu diskutieren aber gera­de wenn wir nicht einer Meinung sind, ist so ein Gespräch stets eine Bereicherung.

So habe ich mich gefreut, dass Micha Brumlik auch erklärt hat, bei einem „Prozess kritischer Erinnerung“ mit Blick auf Luther und die Reformation spräche alles für eine jüdische Beteili­gung. Da sehe ich als Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum einen guten An­knüpfungspunkt. Ja, Luther war Antijudaist, wohl gar Antisemit. Genau das aber sind die Lu­theraner mit Blick auf 2017 nun endlich in der Lage zu thematisieren. Das Jubiläumsjahr wird eben nicht als Helden-Gedenk-Fest geplant, sondern als eines, das sich wertschätzend, aber auch kritisch mit dem Reformator Luther und der Reformation als Bewegung insgesamt aus­einandersetzt. So freue ich mich, dass innerhalb der Weltausstellung Reformation im kom­
menden Jahr in Wittenberg der Dialog von Judentum, Christentum und Islam einen besonde­ren Stellenwert haben wird.

Was an Micha Brumlik zu schätzen ist, das habe ich als Generalsekretärin des Kirchentages begriffen: Er will die Religion ins Gespräch bringen, und zwar seine Religion. Micha Brumlik ist Jahrgang 1947, geboren in Davos, wohin seine Eltern geflohen waren. Manche würden sagen, ein Nachgeborener. Aber die „Gnade der späten Geburt“, von der Helmut Kohl sprach, gab es für die Kinder jüdischer Opfer nicht – im Übrigen genau so wenig wie für die Kinder deutscher Täter. 1953 kam er mit den Eltern nach Deutschland, zurück in das „Land der Täter“. Der Vater war ein Zionist, und so wurde Micha Brumlik selbst Mitglied einer zio­nistischen Jugendorganisation. Nach einem Israelaufenthalt von zwei Jahren wurde er erst
einmal Anti-Zionist, Jahre später aber preist er wieder die Rolle des Zionismus. Spannend ist das, nachvollziehbar, verständlich: ein junger deutscher Jude auf der Suche nach Identität. Und das mitten im Frankfurt der 68er. Selbst aus dem Abstand ist vorstellbar, wie sehr Micha Brumlik gerungen hat um die eigene Position und Haltung.

Mir imponiert zuallererst, dass Micha Brumlik es sich nicht leicht gemacht hat, gerade auch in den Fragen der Religion. Das halte ich für zentral. In gewisser Weise ist Micha Brumlik ein Seismograf für die Suche nach jüdischer Identität in Deutschland nach der Shoah. Und dabei war – und ist! – er streitbar. Er wollte nicht glätten, sondern war manchmal wirklich auch Agi­tator, der Sachen auf den Punkt und andere auf die Palme bringen konnte. Wenn allzu viele allzu schnell vergessen und zu den Akten legen wollen, legt Brumlik den Finger in die Wun­de. Als Protestantin teile ich diese Leidenschaft für das Ringen um Position, die kritische Auseinandersetzung mit Religion, den Streit um die Wahrheit. Viele wollen heute gern, dass es harmonisch zugeht, innerhalb unserer Religionen und auch zwischen den Religionen.

Und wenn es dann Konflikte gibt, sind alle schockiert. Es gibt aber auch die kreative Kraft der Differenz, die Menschen aufschreckt und anregt, neu zu denken. Menschen, die es wagen, die Differenz, ja den Konflikt zu formulieren, das sind Reformatoren. Und auch wenn Sie das nicht mögen, lieber Herr Brumlik, in diesem Sinne sind Sie Luther dann doch ähnlich.

Im Übrigen ist es diese Kraft des kreativen und kritischen Denkens, die gegen den Funda­mentalismus helfen kann. Denn Fundamentalismus, ob jüdischer, christlicher, muslimischer oder hinduistischer Couleur, mag freies Denken nicht, sondern sagt: Glaub oder stirb! Wer wagt, die eigenen Schriften kritisch zu lesen, in ein Gespräch mit anderen zu kommen, setzt die für sich selbst gefundene Wahrheit dem Dialog mit anderen Wahrheitsüberzeugungen aus. Das ist nicht leicht, verunsichert, tut manchmal weh, ist aber die einzige Form, mit der Religion in einer pluralen demokratischen Gesellschaft eine überzeugende Position finden kann. Uns allen ist doch klar: gewaltfreie Konfliktfähigkeit auch von religiösen Überzeugun­gen ist gerade in unserer Zeit dringend gefragt.

Der zweite Punkt, der mir imponiert, ist eine Leistung, für die Christinnen und Christen in Deutschland dankbar sein können. Micha Brumlik hat jüdische Theologie und Praxis für uns zugänglich gemacht. Er war ein Brückenbauer zu den jüdischen Gemeinden und für die jüdi­schen Gemeinden, ohne je selbst in ihnen besonders aktiv zu sein, stets eher Ideengeber als Institutionenmensch. Der Philosoph Brumlik war und ist einer der wichtigsten Meinungs­führer jüdischer Intellektueller im Nachkriegsdeutschland sozusagen zwischen Michael Wolf­fsohn und Hendryk Broder. Merkwürdig, das fiel mir auf: Von Frauen ist da wenig die Rede. Wo sind eigentlich die theologischen jüdischen Frauenstimmen jener Jahre? Gewiss, Char­lotte Knobloch ist wortgewandt und präsent. Aber in der Theologie? Micha Brumlik hat die jüdische Position sprachfähig gemacht in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, das lässt sich mit Fug und Recht sagen. Verbunden mit dem Professorenamt, in dem er nicht nur als Pädagoge, sondern als eine Art Universalgelehrter auftrat, hat er das Auf und Ab des deut­schen Nachkriegsjudentums begleitet und kommentiert und seine Struktur mitgeprägt.

Insofern kann ich sagen, Micha Brumlik war und ist ein Kirchentagsmann par excellence. Denn Kirchentage sind Orte der Horizonterweiterung. Und fast scheint es, als habe Micha Brumlik das Christentum als eine Art „Sparring partner“ gebraucht, um die jüdische Position zu vermitteln. Ich möchte hier explizit den Preisträger im Zusammenhang mit dem jüdisch­christlichen Lehrhaus bei Kirchentagen nennen, das vom Arbeitskreis Juden und Christen – vorbereitet und verantwortet wird. Die Veranstaltungen im Lehrhaus haben sowohl den Kir­chentag verändert, als auch eine Horizonterweiterung für Tausende von Teilnehmenden er­möglicht. Sie haben gelernt, dass ihre Bibel auch aus anderer als der christlichen

Perspekti­ve zu lesen ist. Viele zeigten sich auf einmal neugierig auf das Judentum. Ein Rabbiner sag­te mir einmal: „Wir haben schlicht keine Kraft und keine Zeit, all die christlichen Anfragen zum Besuch unserer Synagoge positiv zu beantworten.“ In Micha Brumlik fanden Christinnen und Christen einen, der Antwort gab auf ihre Fragen, Einblicke vermittelte in jüdische Theo­logie und jüdisches Denken. Er hat Gesprächsangebote gemacht, war aber kein Vertreter des sanften Wortes, sondern angriffslustig, einer, der herausforderte, ein Störgefühl zurück­ließ, das am Ende in tieferes Nachdenken führte. Wenn Christinnen und Christen in Deutsch­land gelernt haben, mit großem Respekt die jüdische Glaubenstradition zu sehen und das eigene Versagen gegenüber dem Judentum zu begreifen, ja die Scham zu ertragen, dass wir Jüdinnen und Juden schutzlos dem Terror und Morden der Nationalsozialisten auslieferten, dann haben wir das auch Micha Brumlik zu verdanken. Es hat im Nachkriegsdeutschland noch lange gedauert, bis die Erkenntnis der eigenen Schuld zu einem unbefangenen Ver­hältnis von Christen und Juden führte – und der Prozess dauert noch immer an. Und dass Antisemitismus ein Phänomen der Vergangenheit wäre, ist leider eine Illusion.

Streitbar sind Sie auch mit Blick auf Ihre Anfragen an die real existierende Kirche, an „meine“ Kirche, lieber Micha Brumlik, die Sie oft kritisierten. „Christlichen Triumphalismus“ warfen Sie der EKD vor, als sie ihre Haltung zur Mission formulierte. Ähnlich Ihre Eindeutigkeit gegen­über der römisch-katholischen Kirche: Aus Protest gegen die Ihrer Meinung nach .antliudalstische Position“ in dem von Papst Benedikt XVI. in neuer Form zugelassenen Bittgebet zum Karfreitag, in dem zu einer „Erleuchtung“ und „Rettung“ der Juden durch den christlichen Gott aufgerufen wurde, sagten Sie die Teilnahme am Katholikentag 2008 in Osnabrück ge­meinsam mit Rabbiner Homolka und anderen ab. Immer wieder mahnen Sie an, christlich­theologische Standpunkte an der Schoa zu messen. Und auch bei Themen wie .Zwanqsbe­schneidung“ und „Israel-Waren-Boykott“, Kopftuchverbot und Flüchtlingsthematik gilt: Sie bleiben, lieber Micha Brumlik, eine kritische, wichtige Stimme des Protestes in unserer Gesellschaft. Sie geben in der Sache keine Ruhe und das ist gut so!

Aber Sie sind auch ein Mann, der um die Notwendigkeit der kleinen Schritte, der Arbeit vor Ort weiß. Von 1989 bis 2001 waren Sie Stadtverordneter von Bündnis 90/Die GRÜNEN in Frankfurt am Main. Offen gestanden hätte ich da gern gewusst, welche Anträge Sie wohl eingebracht haben, um welche Fragen gerungen wurde in den 12 Jahren – soweit bin ich aber leider nicht vorgedrungen in den Archiven.

So manche der Themen aber, die uns als politisch engagierte Deutsche wichtig sind, finden nicht mehr so viel Interesse wie früher. Vor kurzem erzählten Sie mir bei einer Veranstaltung, Sie seien zu einer Lesung in eine Frankfurter Buchhandlung gekommen, und hätten estge­stellt, „der Altersdurchschnitt bei den alten Linken“ sei doch „sehr hoch“, ein Treffen der Ro­sa-Luxemburg-Stiftung bezeichneten Sie als .Veteranentretten des christlich-marxistischen Dialogs“. Humor und die Selbstironie sind Ihnen nicht abhanden gekommen – auch das schätze ich an Ihnen.

Lieber Micha Brumlik, ich sehe drei Standpunkte, die Sie als Preisträger heute in unsere ak­tuellen Debatten auch mit Blick auf Judentum, Christentum und Islam in Deutschland ein­bringen:

Erstens: Religion darf, sollte, ja muss streitbar sein. Gegen jede Art von Fundamentalismus hilft nur die Offenheit für den Dialog. Denn niemand von uns hat die Wahrheit wie einen Be­sitz. Jede Religion und jeder religiöse Mensch ist nur Zeuge bzw. Zeugin einer Wahrheit, die wir für uns gefunden haben.

Zweitens: Religion samt ihrer Institution muss selbstkritisch sein mit Blick auf die eigenen Wurzeln, dieeigene Geschichte, und muss auch historisch-kritisch auf die eigenen Schriften schauen können. Die Auseinandersetzung mit dem Text macht dabei Freude und ist eine Horizonterweiterung. Im Gespräch miteinander können wir Neues entdecken, das bereichert.

Drittens: Eine demokratische Gesellschaft braucht sprachfähige Religion. Gerade im zuneh­mend säkularen Umfeld gilt es darum zu ringen, dass Religion nicht in die Privatsphäre ab­gedrängt wird oder sich selbst abschottet gegenüber dem weltlichen Raum. Eine Gesell­schaft, die Religionsfreiheit kennt, die Freiheit also, einer – oder einer anderen – Religion oder keiner Religion anzugehören, ist auch eine Gesellschaft, in der sich niemand mit seiner Religion verstecken muss.

Lieber Micha Brumlik,

ich freue mich über die Meldung, dass Sie zum Sommersemester die Franz-Rosenzweig­ Gastprofessur der Universität Kassel übernehmen. Wir werden noch viel von Ihnen hören und auch das ist gut so! Danke für Ihre Streitbarkeit. Danke für Ihr Zeugnis jüdischen Glau­bens und jüdischer Überzeugung in unserem Land.

Mein Glückwunsch zur Auszeichnung und von Herzen Gottes Segen!

 

Written by lbucklitsch

März 6th, 2016 at 11:30 am

Im Geiste Martin Bubers und Franz Rosenzweigs …

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Seit 1968 verleiht der Deutsche KoordinierungsRat während der Eröffnungsfeier zur Woche der Brüderlichkeit die Buber-Rosenzweig-Medaille. Ausgezeichnet werden Personen, Institutionen oder Initiativen, die sich insbesondere um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben und im wissenschaftlichen, künstlerischen, politischen oder sozialen Bereich einen Beitrag für die christlich-jüdische Zusammenarbeit geleistet haben. Die Medaille wird in Erinnerung an die jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig verliehen.

Die Medaille

Der Name der Medaille

Martin Buber und Franz Rosenzweig haben dem dialogischen Denken starke Anregungen  gegeben, die für die moderne jüdische und christliche Theologie richtungweisend sind. Sie waren ebenso Wegbereiter moderner Erwachsenenbildung und Pädagogik.
Wer sind Martin Buber und Franz Rosenzweig?

Martin Buber, geboren am 8. Februar 1878 in Wien, gestorben am 13. Juni 1965 in Jerusalem, studierte in Wien, Leipzig, Berlin und Zürich Philosophie und Kunstgeschichte, war jahrzehntelang einer der geistigen Führer im deutschen Zionismus, gründete den jüdischen Verlag und gemeinsam mit Franz Rosenzweig das jüdische Lehrhaus in Frankfurt, gab die Zeitschrift „Der Jude“ (1916-1924) heraus. Bis 1933 war Buber Honorarprofessor an der Frankfurter Universität, seit 1939 Professor für Soziologie an der Universität Jerusalem.

Seine zahlreichen Schriften sind in einer Auswahl letzter Hand in drei Bänden zu den  Themen Religionsphilosophie, Chassidismus, Bibel und einem vierten mit dem Titel „Der Jude  und sein Judentum“ erschienen. Er hat sich darin wiederholt mit dem Problem  christlich-jüdischer Begegnung beschäftigt, insbesondere in „Zwei Glaubensweisen“.

 

Gemeinsam mit dem Katholiken Joseph Wittig und mit Victor von Weizsäcker gab er die Zeitschrift „Die Kreatur“ (Berlin 1926ff.) heraus, die den Versuch gemeinsamer Weltverantwortung von Juden und Christen dokumentieren sollte. In den Religionsgesprächen  mit christlichen Theologen im Stuttgarter „Freijüdischen Lehrhaus“, besonders in dem letzten dieser Gespräche mit dem Bonner evangelischen Theologen Karl Ludwig Schmidt im  Januar 1933, hat er in vorbildlicher Weise die Möglichkeit einer christlich-jüdischen  Begegnung ausgeschritten. Gemeinsam mit Franz Rosenzweig übertrug er die Heilige Schrift  neu, gewissermaßen als Abschiedsgeschenk des Judentums an die Deutschen.

Franz Rosenzweig, geboren am 25. Dezember 1886 in Kassel, gestorben am 10. Dezember 1929 in Frankfurt am Main, gründete 1919 das Freie Jüdische  Lehrhaus in Frankfurt am Main; seit 1922 gelähmt; ein Schüler Hegels („Hegel und der  Staat“, 1926); ursprünglich dem Judentum entfremdet, fand aber, angeregt durch Hermann Cohen, zurück zum Judentum und wurde neben Martin Buber zum bedeutendsten Deuter des Judentums in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Bahnbrechend war Rosenzweigs Buch „Der Stern der Erlösung“, bedeutend seine Übersetzung der Gedichte Juda Halevis und der Bibel (letztere gemeinsam mit Martin Buber). Sein Briefwechsel mit Eugen Rosenstock ist einer der  wesentlichen Beiträge unserer Zeit zum christlich-jüdischen Gespräch. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg hat sich insbesondere Professor Karl Thieme für die Erschließung der Werke Rosenzweigs eingesetzt.

Die Preisträger

  • 2016     Prof. Dr. Micha Brumlik, Berlin
  • 2015     Hanspeter Heinz und der Gesprächskreis „Juden und Christen“
    beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken
  • 2014     György Konrad, Ungarn
  • 2013     Mirjam Pressler, München, und das Fritz Bauer Institut, Frankfurt/Main
  • 2012     Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider, Düsseldorf
  • 2011     Navid Kermani, Köln
  • 2010     Daniel Libeskind, New York City
  • 2009     Prof. Dr. Erich Zenger, Münster
  • 2008     Stef Wertheimer, Tefen/Tel Aviv
  • 2007     Esther Schapira, Frankfurt/Main und Dr. Georg M. Hafner, Frankfurt/Main
  • 2006     Leon de Winter, Amsterdam und
    Gesicht Zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland e.V., Berlin
  • 2005     Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken, Berlin und
    das Institut Kirche und Judentum, Berlin
  • 2004     Daniel Barenboim, Berlin
  • 2003     Dr. h.c. Joschka Fischer, Berlin
  • 2002     Dr. h.c. Edna Brocke, Essen, Prof. Dr. Rolf Rendtorff, Karben und
    Prof. Dr. Johann Baptist Metz, Münster
  • 2001     Schule Ohne Rassismus
  • 2000     Dr. h.c. Johannes Rau, Berlin
  • 1999     Erzbischof Henryk Muszynski, Gnesen
  • 1998     Lea Rabin, Tel Aviv
  • 1997     Hans Koschnick, Bremen
  • 1996     Prof. Dr. Franklin Hamlin Littell, Philadelphia und Professor Dr. Joseph Walk, Jerusalem
  • 1995     Dr. Richard von Weizsäcker, Berlin
  • 1994     Prof. Dr. Jakob Petuchowski, Cincinnati und Prof. Dr. Clemens Thoma, Luzern
  • 1993     Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, Berlin
  • 1992     Dr. Hildegard Hamm-Brücher, München und Dr. Annemarie Renger, Bonn
  • 1991     Leo-Baeck-Erziehungszentrum, Haifa
  • 1990     Charlotte Petersen, Dillenburg
  • 1989     Sir Yehudi Menuhin, London
  • 1988     Arbeitskreis Studium in Israel
  • 1987     Siedlung Neve Schalom, Israel
  • 1986     Prof. Dr. Heinz Kremers, Duisburg
  • 1985     Prof. Dr. Franz Mußner, Passau
  • 1984     Siegfried Theodor Arndt, Leipzig und Helmut Eschwege, Dresden
  • 1983     Helene Jacobs, Berlin
  • 1982     Schalom Ben-Chorin, Jerusalem
  • 1981     Isaac Bashevis Singer, New York
  • 1980     Prof. Dr. Eugen Kogon, Königstein und Dr. Gertrud Luckner, Freiburg
  • 1979     Manès Sperber, Paris und Dr. James Parkes, Southampton
  • 1978     Dr. Grete Schaeder, Göttingen und Professor Dr. Albrecht D. Goes, Stuttgart
  • 1977     Friedrich Dürrenmatt, Neuchàtel
  • 1976     Dr. Ernst-Ludwig Ehrlich, Basel
  • 1975     Archbishop G. Appleton, Jerusalem/Wantage und Abt Laurentius Klein, Jerusalem
  • 1974     Dr. H. G. Adler, London
  • 1973     Professor Dr. Helmut Gollwitzer, Berlin
  • 1972     Msgr. Dr. A. C. Ramselaar, Utrecht
  • 1971     Bischof D. Kurt Scharf, Berlin
  • 1970     Dr. Dr. Eva Reichmann, London und Rabbiner Prof. Dr. R. R. Geis, Düsseldorf
  • 1969     Prof. Dr. Ernst Simon, Jerusalem
  • 1968     Prof. Dr. Friedrich Heer, Wien und Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Marquardt, Berlin

Quelle:

Deutscher Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR)

 

 

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März 6th, 2016 at 11:15 am

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Micha Brumlik: Franz Rosenzweig und der Zionismus

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Zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit 2016 in Hannover

Vortrag
„Land der Sehnsucht“: Franz Rosenzweig und der Zionismus

Micha Brumlik

Franz Rosenzweig und der Zionismus

I.

2018, in zwei Jahren, wird der Staat Israel mit seiner Hauptstadt Jerusalem siebzig Jahre alt werden. Heute, mehr als hundert Jahre nach ihrem ersten Auftreten befinden sich Idee und Staat der jüdischen Nationalbewegung nicht nur in der Krise – im Moment zeichnet sich nicht weniger als die Selbstzerstörung des zionistischen Vorhabens ab. Dieser Selbstzerstörungsprozess ist in widersprüchlichen Tendenzen des modernen Judentums angelegt, die zu lösen die zionistische Bewegung mit ihrem Nationalgedanken vor mehr als hundert Jahren angetreten war.1 Sie trat damit in Konkurrenz zu anderen von Juden betriebenen Entwürfen zur Behebung der je unterschiedlich ausgeprägten Judennot: dem westeuropäischen Assimilationsjudentum, welches das Judentum konsequent konfessionalisieren wollte, unterschiedlichen Spielarten des Sozialismus, die darauf setzten, mit der Lösung der sozialen Frage zugleich jede Form der Judenfeindschaft zum verschwinden zu bringen sowie Varianten eines ethnisch verstandenen Kulturjudentums, das sich hier – im Rußland des späten Zarismus als ethno-kultureller Sozialismus verstand – die jiddisch sprechende Gewerkschaftsbewegung, der „Bund“ – und dort als hebräischsprachiger, aber nicht staatenbildender Kulturzionismus auftrat. Tatsächlich gingen diese idealtypisch verschiedenen Motive in der Realität beinahe beliebige Kombinationen ein, die auszuführen hier der Platz fehlt. Von ihnen unterschied sich der Zionismus sowohl durch seinen Territorial- als auch durch seinen Staatsgedanken,wobei es keineswegs immer klar war, daß als einziges Territorium für einen Judenstaat nur Regionen des historischen Landes Israel in Frage kämen. Grob gesprochen faßte der moderne staatsbildende Zionismus die Juden als Nation.

Der Gedanke der Nation aber entstand im heutigen Sinne des Wortes nicht vor der Französischen Revolution, wo der Begriff zunächst das im Geiste einer auf Demokratie und Menschenrechten beruhenden Verfassung geeinte Bürgertum bezeichnete. Diese Form der Nation lässt sich als ein auf gleichen Rechten aller Citoyens beruhendes Zukunftsbündnis ansehen, dem es um die Verwirklichung der gemeinsamen Freiheit aller Bürger geht. Dieses Verständnis von Nation als Staatsvolk hat Jean Jacques Rousseau in seinem 1762 verfassten „Contrat social“ vorgelegt. Im Gegenzug und in Konkurrenz dazu entstand vor allem in Deutschland, in Reaktion auf die napoleonische Besatzung, ein Begriff der Nation, der nicht die gemeinsame Zukunft der einander anerkennenden Bürger, sondern die gemeinsame Herkunft der in Sprache und Tradition verhafteten Volksgenossen zum Inhalt hatte. Hierfür lassen sich systematisch die von Johann Gottlieb Fichte die 1808 verfassten „Reden an die Deutsche Nation“ nennen.

Der damit bezeichnete Unterschied zwischen einem aufklärerischen Begriff der Nation im französischen und einem romantischen Begriff der Nation im deutschen Sinne sollte auch die zionistische Bewegung in ihren vielfältigen Schattierungen prägen. Freilich: jenseits der Ausfaltung in einen Begriff der Nation als eines im Staat geeinten Herkunftsvolkes im Geiste Fichtes bzw. einer die Rechte und Freiheiten der Individuen wahrenden und verwirklichenden Rechtsgemeinschaft im Geiste Rousseaus stand die Idee der modernen jüdischen Nation von allem Anfang an unter dem Druck des Antisemitismus, d.h. unter dem kollektiven Interesse, vor aller kulturellen Verwirklichung oder allen liberalen Garantien Leib und Leben verfolgter Juden zu schützen sowie ihre verletzte Selbstachtung wieder aufzurichten. Ben Gurion bezeichnete diese – nicht zuletzt von Theodor Herzl propagierte Variante – als „Philanthropie“.

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März 5th, 2016 at 4:30 pm

WDR| Christlich-jüdischer Dialog : Buber-Rosenzweig Medaille für Micha Brumlik

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Zur Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ ehren die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit den Pädagogikprofessor und Publizisten Micha Brumlik für seine Verdienste um den Dialog zwischen Juden und Christen. Der Preisträger im Interview. © WDR 2016

 

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März 5th, 2016 at 8:41 am

Kasseler Rosenzweig-Professur an den Philosophen Micha Brumlik

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Die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur der Universität Kassel geht in diesem Sommersemester an den Philosophen und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Er hält am 20. April eine öffentliche Vorlesung zu „Franz Rosenzweig und der Zionismus – zwischen Theologie und Politik“. Brumlik (68) ist eine wichtige Stimme im interreligiösen Dialog, er hat sich immer wieder auch in die aktuelle Debatte um die Integration von Migranten eingeschaltet.

Der gebürtige Schweizer Micha Brumlik studierte Philosophie an der Hebrew University Jerusalem sowie Philosophie und Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 1981 bis 2000 hatte er den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Universität Heidelberg inne und war von 2000 bis 2013 Professor für Theorien der Bildung und Erziehung am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2000 bis 2005 amtierte er außerdem als Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, des Forschungs- und Dokumentationszentrums zur Geschichte des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt. Seit 2013 ist er Senior Professor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg.

„Mit Herrn Brumlik haben wir eine profilierte Stimme des Judentums in Deutschland gewinnen können. Für das jüdisch-christliche Gespräch sind seine Beiträge unverzichtbar – Ausdruck davon ist die Verleihung der diesjährigen Buber-Rosenzweig-Medaille. Wir freuen uns sehr, dass Micha Brumlik das Lehrangebot der Universität mit seinen Themen bereichert“, sagte Prof. Dr. Ilse Müllner, Mitglied der Findungskommission und Professorin für Katholische Theologie / AltesTestament an der Universität Kassel.

Brumlik selber kommentierte: „Der Erhalt der Rosenzweig-Professur ist mir Ehre und Ansporn. Wie kein anderer hat Franz Rosenzweig die Widersprüche eines modernen jüdischen Lebens in sich und seinem Werk ausgetragen – diesen Widersprüchen nachzugehen, wird Ziel meiner Lehre in Kassel sein.“ Die öffentliche Antrittsvorlesung mit dem Titel „Franz Rosenzweig und der Zionismus – zwischen Theologie und Politik“ findet statt am 20. April, von 18 bis 20 Uhr, im Konferenzraum des Science Parks, Universitätsplatz 12.

Neben dieser öffentlichen Veranstaltung hält Micha Brumlik im Rahmen des Lehrangebots der Universität zwei weitere Veranstaltungen: zum einen eine wöchentliche Vorlesung mit dem Thema „Kritische Geistesgeschichte des Zionismus“. Sie spannt einen Bogen von dem ersten Judenstaatstheoretiker, Moses Hess, über die sozialistischen und revisionistischen Zionisten des beginnenden 20. Jahrhunderts bis zu den letzten, politisch weit rechts stehenden nationalreligiösen Zionisten der Gegenwart und den Debatten um den sogenannten „Postzionismus“. Das zusätzliche Seminar „Messianismus im Judentum“ behandelt die Frage nach der Hoffnung auf einen errettenden und erlösenden Gesalbten, einen Messias. Es widmet sich den literarischen und theologischen Motiven und der entsprechenden politischen Diskurse, die darin zum Ausdruck kommen.

Erinnerung an einen großen Sohn der Stadt Kassel

Die deutschlandweit einmalige Franz-Rosenzweig-Gastprofessur erinnert an Werk und Vermächtnisdes aus Kassel stammenden jüdischen Religionsphilosophen. Die Professur wird jeweils zum Sommersemester vergeben. Mit der Gastprofessur wurden bis heute zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen, u.a. der Philosophie, Geschichts-, Kunst-, Literatur- und Religionswissenschaft aus Israel, Europa und Nordamerika geehrt.

Die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur wird von der Universität Kassel seit 1987 verliehen. Sie wurde im Anschluss an einen internationalen Kongress ins Leben gerufen, der zum 100. Geburtstag des bedeutenden Religionsphilosophen stattfand. In den letzten Jahren diente die Professur verstärkt der Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus zerstörten Kultur des europäischen Judentums und der Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart.

 

Quelle: Pressestelle Universität Kassel

Written by lbucklitsch

März 1st, 2016 at 5:53 pm