Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Buber-Rosenzweig-Medaille’ Category

Göttinger Tageblatt| Brumlik thematisiert Fundamentalismus

without comments

Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik spricht über die Rolle von religiösem Fundamentalismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft an der Universität Göttingen. Der Vortrag des in diesem Jahr mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichneten Professors ist am 12. Juli.

In seinem Vortrag „Um Gottes Willen“ stellt Brumlik den Aspekt religiös-fundamentalistisch motivierter Antisemitismen in den westlichen Gesellschaften in den Mittelpunkt. Als ehemaliger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christen und Juden beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (1991-2006) sei Brumlik mit der christlichen Geistes- und Dogmengeschichte bestens vertraut und positioniere sich klar dazu, teilte die Göttinger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit, die mit der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen die Vortragsveranstaltung organisert. Brumlik habe zuletzt in der Debatte um die Stellung des Alten Testaments, in der das Konzept des Göttinger Theologen Emanuel Hirsch eine nicht unbedeutende Rolle spielte, dazu Stellung genommen. Der Vortrag beginnt am Dienstag, 12. Juli, um 20.15 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5, Raum 001.

 

Quelle: Göttinger Tageblatt

Written by lbucklitsch

Juli 3rd, 2016 at 5:26 pm

Gegen Mythopolitik und Ethnokratie – Micha Brumliks Plädoyer für eine konstitutionelle Utopie

without comments

Von Irmela von der Lühe

Als „Versuch über die Gegenwart des Judentums“ hat Micha Brumlik, soeben mit der Buber- Rosenzweig-Medaille der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgezeichnet, seine Essaysammlung bezeichnet, die im Haupttitel die Frage aus den talmudischen „Sprüchen der Väter“ aufnimmt: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Tatsächlich geht es in den sieben sachlich und systematisch klug miteinander verknüpften Aufsätzen gleichermaßen um aktuelle politische wie historisch-kulturgeschichtliche als auch philosophisch-theoretische Fragen. Sie alle kreisen im Sinne der talmudischen Aufforderung um radikale Selbstbefragung, um jüdische Selbstbesinnung als Reflexion vergangener Erfahrungen und gegenwärtiger Erlebnisse, historischer Erkenntnisse und aktueller Herausforderungen. Vergangenheit und Gegenwart der Diaspora, des Zionismus und des Messianismus spielen eine ebenso wichtige Rolle, wie das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland, zwischen Israel und den Juden in der amerikanischen Diaspora. Analyse und Argumentation prägen die Darstellungen, und doch spürt man immer wieder, wovon auch in einem eigenen Abschnitt ausführlich die Rede ist: „Resignation und Einsicht“. Eine melancholische Präzision durchzieht den Text, dessen Ton erstaunt und berührt; dessen analytische Kraft unüberhörbar, dessen rational-realistischer Ursprung zweifelsfrei und dessen klarsichtige Hoffnung stets gegenwärtig ist.

Es ist keine Abrechnung mit dem zionistischen Projekt, so hart und entschieden die Kritik an der Besatzungspolitik Israels im Allgemeinen und an Benjamin Netanyahus Handeln im Besonderen auch ausfällt. Mit „Israel und die Diaspora: Die aktuelle Krise“ ist denn auch das erste Kapitel überschrieben, das von der Wiederwahl Netanyahus im Jahre 2015 – zugleich das vierte Jahr des syrischen Bürgerkriegs – ausgehend, den Gründen und Hintergründen für die wachsende „Entfremdung“ zwischen dem amerikanischen Judentum und dem Staat Israel nachgeht. Gewährsmann für die dabei referierten Sachverhalte ist der orthodoxe Politikwissenschaftler Peter Beinart, dessen im Jahr 2013 auch auf Deutsch erschienene Studie „Die amerikanischen Juden und Israel“ die völker- und menschenrechtswidrige Siedlungs-und Außenpolitik der Netanjahu-Regierungen detailreich belegt und zugleich die Gefolgschaftstreue der großen jüdisch-amerikanischen Organisationen kritisch in Frage stellt. Gestützt auf Beinarts Befunde rekonstruiert Brumlik eine paradoxe und zugleich höchst brisante Konstellation: Während Netanjahu in den Spuren seines Vaters und damit in direkter Nachfolge von Waldimir Jabotinsky (1880–1940) alle Anstrengungen unternimmt, einen palästinensischen Staat zu verhindern, orientiert sich Barack Obama an den Grundsätzen des jüdischen Philosophen und Bürgerrechtlers Abraham Joschua Heschel (1907–1972). Das Scheitern des Friedensprozesses erwächst in einer solchen Sicht auch aus einem inneren Antagonismus im zionistischen Konzept selbst und führt zu einen wachsenden Dissens zwischen der israelischen Regierung und dem modern-orthodoxen Judentum in der amerikanischen Diaspora. An Peter Beinarts, aber auch an Positionen wie denjenigen der jüdisch-französischen Historikerin Esther Benbassa stellt Micha Brumlik jene existenziell-politische Ambivalenz heraus, die sich in Sätzen wie „Ich will nicht Jüdin sein und Israel ablehnen. Ich will auch nicht Jüdin sein und Israels unmoralischen Krieg billigen. Nicht ohne Israel und nicht mit Israel, so wie es heute ist“ äußert.

weiterlesen

Micha Brumlik: Franz Rosenzweig und der Zionismus

without comments

Micha Brumlik

Franz Rosenzweig und der Zionismus

I.

2018, in zwei Jahren, wird der Staat Israel mit seiner Hauptstadt Jerusalem siebzig Jahre alt werden. Heute, mehr als hundert Jahre nach ihrem ersten Auftreten befinden sich Idee und Staat der jüdischen Nationalbewegung nicht nur in der Krise – im Moment zeichnet sich nicht weniger als die Selbstzerstörung des zionistischen Vorhabens ab. Dieser Selbstzerstörungsprozess ist in widersprüchlichen Tendenzen des modernen Judentums angelegt, die zu lösen die zionistische Bewegung mit ihrem Nationalgedanken vor mehr als hundert Jahren angetreten war.1 Sie trat damit in Konkurrenz zu anderen von Juden betriebenen Entwürfen zur Behebung der je unterschiedlich ausgeprägten Judennot: dem westeuropäischen Assimilationsjudentum, welches das Judentum konsequent konfessionalisieren wollte, unterschiedlichen Spielarten des Sozialismus, die darauf setzten, mit der Lösung der sozialen Frage zugleich jede Form der Judenfeindschaft zum verschwinden zu bringen sowie Varianten eines ethnisch verstandenen Kulturjudentums, das sich hier – im Rußland des späten Zarismus als ethno-kultureller Sozialismus verstand – die jiddisch sprechende Gewerkschaftsbewegung, der „Bund“ – und dort als hebräischsprachiger, aber nicht staatenbildender Kulturzionismus auftrat. Tatsächlich gingen diese idealtypisch verschiedenen Motive in der Realität beinahe beliebige Kombinationen ein, die auszuführen hier der Platz fehlt. Von ihnen unterschied sich der Zionismus sowohl durch seinen Territorial- als auch durch seinen Staatsgedanken,wobei es keineswegs immer klar war, daß als einziges Territorium für einen Judenstaat nur Regionen des historischen Landes Israel in Frage kämen. Grob gesprochen faßte der moderne staatsbildende Zionismus die Juden als Nation.

Der Gedanke der Nation aber entstand im heutigen Sinne des Wortes nicht vor der Französischen Revolution, wo der Begriff zunächst das im Geiste einer auf Demokratie und Menschenrechten beruhenden Verfassung geeinte Bürgertum bezeichnete. Diese Form der Nation lässt sich als ein auf gleichen Rechten aller Citoyens beruhendes Zukunftsbündnis ansehen, dem es um die Verwirklichung der gemeinsamen Freiheit aller Bürger geht. Dieses Verständnis von Nation als Staatsvolk hat Jean Jacques Rousseau in seinem 1762 verfassten „Contrat social“ vorgelegt. Im Gegenzug und in Konkurrenz dazu entstand vor allem in Deutschland, in Reaktion auf die napoleonische Besatzung, ein Begriff der Nation, der nicht die gemeinsame Zukunft der einander anerkennenden Bürger, sondern die gemeinsame Herkunft der in Sprache und Tradition verhafteten Volksgenossen zum Inhalt hatte. Hierfür lassen sich systematisch die von Johann Gottlieb Fichte die 1808 verfassten „Reden an die Deutsche Nation“ nennen.

Der damit bezeichnete Unterschied zwischen einem aufklärerischen Begriff der Nation im französischen und einem romantischen Begriff der Nation im deutschen Sinne sollte auch die zionistische Bewegung in ihren vielfältigen Schattierungen prägen. Freilich: jenseits der Ausfaltung in einen Begriff der Nation als eines im Staat geeinten Herkunftsvolkes im Geiste Fichtes bzw. einer die Rechte und Freiheiten der Individuen wahrenden und verwirklichenden Rechtsgemeinschaft im Geiste Rousseaus stand die Idee der modernen jüdischen Nation von allem Anfang an unter dem Druck des Antisemitismus, d.h. unter dem kollektiven Interesse, vor aller kulturellen Verwirklichung oder allen liberalen Garantien Leib und Leben verfolgter Juden zu schützen sowie ihre verletzte Selbstachtung wieder aufzurichten. Ben Gurion bezeichnete diese – nicht zuletzt von Theodor Herzl propagierte Variante – als „Philanthropie“. Read the rest of this entry »

Written by lbucklitsch

April 22nd, 2016 at 2:12 pm

Universität Kassel: Micha Brumlik – Antrittsvorlesung – Kassel, 20.April 2016, 18 Uhr

without comments

Antrittsvorlesung Brumlik.jpg wird angezeigt.Antrittsvorlesung Brumlik.jpg wird angezeigt.Antrittsvorlesung Brumlik.jpg wird angezeigt.Antrittsvorlesung Brumlik

Written by lbucklitsch

März 26th, 2016 at 2:22 pm

NDR kultur| Micha Brumlik im Gespräch

without comments

12.03.2016 | 34 Min. | Quelle: NDR

Der Erziehungswissenschaftler und diesjähriger Träger der Buber-Rosenzweig-Medaille, befragt von Michael Hollenbach

Download

Wir bieten diesen Beitrag in folgenden Qualitäten zum Download an:

Hier

3SAT| Brumlik mit Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt Aktuelles vom Montag, 07.03.2016

without comments

Der jüdische Professor und Publizist Micha Brumlik ist am 6. März 2016 in Hannover für seinen jahrzehntelangen Einsatz zur Verständigung zwischen Juden und Christen mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.
Der 68-jährige Erziehungswissenschaftler sei „ein Seismograph für die Suche nach jüdischer Identität in Deutschland nach der Schoah“, sagte die evangelische Theologin und Professorin Margot Käßmann in ihrer Laudatio im Theater am Aegi.
„Wenn allzu viele allzu schnell vergessen, legt Brumlik den Finger in die Wunde“, betonte die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017. Brumlik erhielt die undotierte Auszeichnung bei der Eröffnung der bundesweiten „Woche der Brüderlichkeit“ der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit durch Bundespräsident Joachim Gauck. Die Medaille erinnert an die jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). Die Aktionswoche steht unter dem Motto „Um Gottes Willen“. Käßmann betonte, dass Brumlik jüdische Theologie für Christinnen und Christen in Deutschland zugänglich gemacht habe. „Er war ein Brückenbauer zu und für die jüdischen Gemeinden.“
Quelle: 3SAT

Written by lbucklitsch

März 8th, 2016 at 8:40 pm

FNP| Buber-Rosenzweig-Medaille: Der suchende Publizist

without comments

Seit über 30 Jahren setzt sich Micha Brumlik für die Verständigung zwischen Christen und Juden ein. Am Sonntag erhält der deutsch-jüdische Publizist dafür die Buber-Rosenzweig-Medaille.

Micha Brumlik ist mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.Foto: Stefan Heinze (epd)Micha Brumlik ist mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.

Seine Stimme hat die weiche Frankfurter Färbung. Das gibt ihr Leichtigkeit und macht sie sympathisch. Leger und unkonventionell wirkt auch der graukarierte Anzug, unter dem Micha Brumlik einen bordeauxroten Pullover und eine Krawatte trägt. Leicht gemacht hat es sich der prominente Publizist und Professor für Erziehungswissenschaften allerdings nie: Er ist ein Mann mit Rückgrat, ein Suchender. Sein Leben ist voller Wendepunkte, die er zumeist selbst herbeigeführt hat.

Gestern wurde der 68-Jährige in Hannover mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Die Auszeichnung wird einmal jährlich für besondere Verdienste bei der Verständigung von Christen und Juden vom „Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ verliehen. Bundespräsident Joachim Gauck kam, die evangelische Theologin Margot Käßmann hielt die Laudatio.

weiterlesen

BILD| „WOCHE DER BRÜDERLICHKEIT“ ERÖFFNET | Vergesst Auschwitz nicht!

without comments

Dann die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik.

VergrößernProf. Micha Brumlick

In ihrer Laudatio lobt Käßmann den streitbaren Professor: „Wir brauchen Querdenker. Er war manchmal wirklich auch Agitator, der Sachen auf den Punkt und andere auf die Palme bringen konnte.“

Der Preisträger mahnt: „Ich beklage die Überalterung des deutsch-jüdischen Gesprächs. Wir müssen wieder junge Leute für den Dialog begeistern.“ Damit die Gräueltaten des NS-Regimes und Konzentrationslager wie Auschwitz niemals in Vergessenheit geraten…dp

weiterlesen

Written by lbucklitsch

März 7th, 2016 at 6:32 pm

Woche der Brüderlichkeit 2016 in Hannover eröffnet – Prof.Dr. Micha Brumlik bekommt Buber -Rosenzweig Medaille 2016

without comments

Written by lbucklitsch

März 7th, 2016 at 6:19 pm

JA| Appell gegen Hassreden

without comments

Bundespräsident Gauck eröffnet »Woche der Brüderlichkeit« – Micha Brumlik erhält Buber-Rosenzweig-Medaille

Aktualisiert am 06.03.2016, 13:23

Mit einem Appell gegen Hassreden und Rechtsextremismus hat Bundespräsident Joachim Gauck am Sonntag die »Woche der Brüderlichkeit« eröffnet. »Wer glaubt, das christliche Abendland mit der Herabsetzung anderer, mit Ausgrenzung Andersgläubiger, mit Hassparolen und Säuberungsfantasien verteidigen zu sollen, hat es schon verraten«, sagte der Politiker bei einer Feierstunde im Theater am Aegi in Hannover.

Gauck betonte, ein klares Profil und entschiedenes Bekenntnis zur eigenen Tradition, Kultur und Religion sei »vollkommen in Ordnung«. Aber die wachsende Unbarmherzigkeit von selbst ernannten Verteidigern des »christlichen Abendlandes«, die sich längst nicht mehr nur verbal äußere, sei nicht akzeptabel.

SEISMOGRAF Der Publizist Micha Brumlik wurde bei der Feier zur Eröffnung der »Woche der Brüderlichkeit« in Hannover für seinen jahrzehntelangen Einsatz zur Verständigung zwischen Juden und Christen mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Der 68 Jahre alte Erziehungswissenschaftler sei »ein Seismograf für die Suche nach jüdischer Identität in Deutschland nach der Schoa«, sagte die evangelische Theologin Margot Käßmann in ihrer Laudatio.

»Wenn allzu viele allzu schnell vergessen, legt Brumlik den Finger in die Wunde«, betonte die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017.

weiterlesen

Written by lbucklitsch

März 6th, 2016 at 1:29 pm

Dr. Käßmann: Laudatio für Prof. Dr, Micha Brumlik – Hannover, 06.03.2016

without comments

 

 

Laudatio: PROF. DR. DR. H.C. MARGOT KÄßMANN, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
lieber Micha Brumlik,

zuerst habe ich gedacht: Passt das denn zusammen? Margot Käßmann um eine Laudatio für  Micha Brumlik bitten? Das scheint doch wenig stimmig! Er ist Jude, ich bin Christin. Gerade erst hat Brumlik in der Jüdischen Allgemeinen (29.10.15) vehement erklärt, bei einem „Lu­thergedenken“ hätten Juden nichts zu suchen, während ich mir jüdische Beteiligung im Jubi­läumsjahr wünsche. Er ist ein dezidierter Verfechter von Waffenlieferungen an Israel, ich versuche, die Fahne des Pazifismus hoch zu halten. Und wo wir uns begegnet sind, waren wir gewiss nicht immer einer Meinung.

Aber auf .den zweiten Blick: Micha Brumlik war stets ein Querdenker und ja, ein unbequemer zumal. Genau das gefällt mir. Wir brauchen Querdenker in einer Zeit, die zu Anpassung und Mainstream neigt, in der es so viel einfacher ist, stromlinienförmig zu sein als anzuecken. So
ein Disput mit Micha Brumlik ist kein Spaziergang, letzten Monat habe ich das gerade erst wieder in Berlin erlebt. Es ist immer eine Herausforderung, mit ihm zu diskutieren aber gera­de wenn wir nicht einer Meinung sind, ist so ein Gespräch stets eine Bereicherung.

So habe ich mich gefreut, dass Micha Brumlik auch erklärt hat, bei einem „Prozess kritischer Erinnerung“ mit Blick auf Luther und die Reformation spräche alles für eine jüdische Beteili­gung. Da sehe ich als Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum einen guten An­knüpfungspunkt. Ja, Luther war Antijudaist, wohl gar Antisemit. Genau das aber sind die Lu­theraner mit Blick auf 2017 nun endlich in der Lage zu thematisieren. Das Jubiläumsjahr wird eben nicht als Helden-Gedenk-Fest geplant, sondern als eines, das sich wertschätzend, aber auch kritisch mit dem Reformator Luther und der Reformation als Bewegung insgesamt aus­einandersetzt. So freue ich mich, dass innerhalb der Weltausstellung Reformation im kom­
menden Jahr in Wittenberg der Dialog von Judentum, Christentum und Islam einen besonde­ren Stellenwert haben wird.

Was an Micha Brumlik zu schätzen ist, das habe ich als Generalsekretärin des Kirchentages begriffen: Er will die Religion ins Gespräch bringen, und zwar seine Religion. Micha Brumlik ist Jahrgang 1947, geboren in Davos, wohin seine Eltern geflohen waren. Manche würden sagen, ein Nachgeborener. Aber die „Gnade der späten Geburt“, von der Helmut Kohl sprach, gab es für die Kinder jüdischer Opfer nicht – im Übrigen genau so wenig wie für die Kinder deutscher Täter. 1953 kam er mit den Eltern nach Deutschland, zurück in das „Land der Täter“. Der Vater war ein Zionist, und so wurde Micha Brumlik selbst Mitglied einer zio­nistischen Jugendorganisation. Nach einem Israelaufenthalt von zwei Jahren wurde er erst
einmal Anti-Zionist, Jahre später aber preist er wieder die Rolle des Zionismus. Spannend ist das, nachvollziehbar, verständlich: ein junger deutscher Jude auf der Suche nach Identität. Und das mitten im Frankfurt der 68er. Selbst aus dem Abstand ist vorstellbar, wie sehr Micha Brumlik gerungen hat um die eigene Position und Haltung.

Mir imponiert zuallererst, dass Micha Brumlik es sich nicht leicht gemacht hat, gerade auch in den Fragen der Religion. Das halte ich für zentral. In gewisser Weise ist Micha Brumlik ein Seismograf für die Suche nach jüdischer Identität in Deutschland nach der Shoah. Und dabei war – und ist! – er streitbar. Er wollte nicht glätten, sondern war manchmal wirklich auch Agi­tator, der Sachen auf den Punkt und andere auf die Palme bringen konnte. Wenn allzu viele allzu schnell vergessen und zu den Akten legen wollen, legt Brumlik den Finger in die Wun­de. Als Protestantin teile ich diese Leidenschaft für das Ringen um Position, die kritische Auseinandersetzung mit Religion, den Streit um die Wahrheit. Viele wollen heute gern, dass es harmonisch zugeht, innerhalb unserer Religionen und auch zwischen den Religionen.

Und wenn es dann Konflikte gibt, sind alle schockiert. Es gibt aber auch die kreative Kraft der Differenz, die Menschen aufschreckt und anregt, neu zu denken. Menschen, die es wagen, die Differenz, ja den Konflikt zu formulieren, das sind Reformatoren. Und auch wenn Sie das nicht mögen, lieber Herr Brumlik, in diesem Sinne sind Sie Luther dann doch ähnlich.

Im Übrigen ist es diese Kraft des kreativen und kritischen Denkens, die gegen den Funda­mentalismus helfen kann. Denn Fundamentalismus, ob jüdischer, christlicher, muslimischer oder hinduistischer Couleur, mag freies Denken nicht, sondern sagt: Glaub oder stirb! Wer wagt, die eigenen Schriften kritisch zu lesen, in ein Gespräch mit anderen zu kommen, setzt die für sich selbst gefundene Wahrheit dem Dialog mit anderen Wahrheitsüberzeugungen aus. Das ist nicht leicht, verunsichert, tut manchmal weh, ist aber die einzige Form, mit der Religion in einer pluralen demokratischen Gesellschaft eine überzeugende Position finden kann. Uns allen ist doch klar: gewaltfreie Konfliktfähigkeit auch von religiösen Überzeugun­gen ist gerade in unserer Zeit dringend gefragt.

Der zweite Punkt, der mir imponiert, ist eine Leistung, für die Christinnen und Christen in Deutschland dankbar sein können. Micha Brumlik hat jüdische Theologie und Praxis für uns zugänglich gemacht. Er war ein Brückenbauer zu den jüdischen Gemeinden und für die jüdi­schen Gemeinden, ohne je selbst in ihnen besonders aktiv zu sein, stets eher Ideengeber als Institutionenmensch. Der Philosoph Brumlik war und ist einer der wichtigsten Meinungs­führer jüdischer Intellektueller im Nachkriegsdeutschland sozusagen zwischen Michael Wolf­fsohn und Hendryk Broder. Merkwürdig, das fiel mir auf: Von Frauen ist da wenig die Rede. Wo sind eigentlich die theologischen jüdischen Frauenstimmen jener Jahre? Gewiss, Char­lotte Knobloch ist wortgewandt und präsent. Aber in der Theologie? Micha Brumlik hat die jüdische Position sprachfähig gemacht in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, das lässt sich mit Fug und Recht sagen. Verbunden mit dem Professorenamt, in dem er nicht nur als Pädagoge, sondern als eine Art Universalgelehrter auftrat, hat er das Auf und Ab des deut­schen Nachkriegsjudentums begleitet und kommentiert und seine Struktur mitgeprägt.

Insofern kann ich sagen, Micha Brumlik war und ist ein Kirchentagsmann par excellence. Denn Kirchentage sind Orte der Horizonterweiterung. Und fast scheint es, als habe Micha Brumlik das Christentum als eine Art „Sparring partner“ gebraucht, um die jüdische Position zu vermitteln. Ich möchte hier explizit den Preisträger im Zusammenhang mit dem jüdisch­christlichen Lehrhaus bei Kirchentagen nennen, das vom Arbeitskreis Juden und Christen – vorbereitet und verantwortet wird. Die Veranstaltungen im Lehrhaus haben sowohl den Kir­chentag verändert, als auch eine Horizonterweiterung für Tausende von Teilnehmenden er­möglicht. Sie haben gelernt, dass ihre Bibel auch aus anderer als der christlichen

Perspekti­ve zu lesen ist. Viele zeigten sich auf einmal neugierig auf das Judentum. Ein Rabbiner sag­te mir einmal: „Wir haben schlicht keine Kraft und keine Zeit, all die christlichen Anfragen zum Besuch unserer Synagoge positiv zu beantworten.“ In Micha Brumlik fanden Christinnen und Christen einen, der Antwort gab auf ihre Fragen, Einblicke vermittelte in jüdische Theo­logie und jüdisches Denken. Er hat Gesprächsangebote gemacht, war aber kein Vertreter des sanften Wortes, sondern angriffslustig, einer, der herausforderte, ein Störgefühl zurück­ließ, das am Ende in tieferes Nachdenken führte. Wenn Christinnen und Christen in Deutsch­land gelernt haben, mit großem Respekt die jüdische Glaubenstradition zu sehen und das eigene Versagen gegenüber dem Judentum zu begreifen, ja die Scham zu ertragen, dass wir Jüdinnen und Juden schutzlos dem Terror und Morden der Nationalsozialisten auslieferten, dann haben wir das auch Micha Brumlik zu verdanken. Es hat im Nachkriegsdeutschland noch lange gedauert, bis die Erkenntnis der eigenen Schuld zu einem unbefangenen Ver­hältnis von Christen und Juden führte – und der Prozess dauert noch immer an. Und dass Antisemitismus ein Phänomen der Vergangenheit wäre, ist leider eine Illusion.

Streitbar sind Sie auch mit Blick auf Ihre Anfragen an die real existierende Kirche, an „meine“ Kirche, lieber Micha Brumlik, die Sie oft kritisierten. „Christlichen Triumphalismus“ warfen Sie der EKD vor, als sie ihre Haltung zur Mission formulierte. Ähnlich Ihre Eindeutigkeit gegen­über der römisch-katholischen Kirche: Aus Protest gegen die Ihrer Meinung nach .antliudalstische Position“ in dem von Papst Benedikt XVI. in neuer Form zugelassenen Bittgebet zum Karfreitag, in dem zu einer „Erleuchtung“ und „Rettung“ der Juden durch den christlichen Gott aufgerufen wurde, sagten Sie die Teilnahme am Katholikentag 2008 in Osnabrück ge­meinsam mit Rabbiner Homolka und anderen ab. Immer wieder mahnen Sie an, christlich­theologische Standpunkte an der Schoa zu messen. Und auch bei Themen wie .Zwanqsbe­schneidung“ und „Israel-Waren-Boykott“, Kopftuchverbot und Flüchtlingsthematik gilt: Sie bleiben, lieber Micha Brumlik, eine kritische, wichtige Stimme des Protestes in unserer Gesellschaft. Sie geben in der Sache keine Ruhe und das ist gut so!

Aber Sie sind auch ein Mann, der um die Notwendigkeit der kleinen Schritte, der Arbeit vor Ort weiß. Von 1989 bis 2001 waren Sie Stadtverordneter von Bündnis 90/Die GRÜNEN in Frankfurt am Main. Offen gestanden hätte ich da gern gewusst, welche Anträge Sie wohl eingebracht haben, um welche Fragen gerungen wurde in den 12 Jahren – soweit bin ich aber leider nicht vorgedrungen in den Archiven.

So manche der Themen aber, die uns als politisch engagierte Deutsche wichtig sind, finden nicht mehr so viel Interesse wie früher. Vor kurzem erzählten Sie mir bei einer Veranstaltung, Sie seien zu einer Lesung in eine Frankfurter Buchhandlung gekommen, und hätten estge­stellt, „der Altersdurchschnitt bei den alten Linken“ sei doch „sehr hoch“, ein Treffen der Ro­sa-Luxemburg-Stiftung bezeichneten Sie als .Veteranentretten des christlich-marxistischen Dialogs“. Humor und die Selbstironie sind Ihnen nicht abhanden gekommen – auch das schätze ich an Ihnen.

Lieber Micha Brumlik, ich sehe drei Standpunkte, die Sie als Preisträger heute in unsere ak­tuellen Debatten auch mit Blick auf Judentum, Christentum und Islam in Deutschland ein­bringen:

Erstens: Religion darf, sollte, ja muss streitbar sein. Gegen jede Art von Fundamentalismus hilft nur die Offenheit für den Dialog. Denn niemand von uns hat die Wahrheit wie einen Be­sitz. Jede Religion und jeder religiöse Mensch ist nur Zeuge bzw. Zeugin einer Wahrheit, die wir für uns gefunden haben.

Zweitens: Religion samt ihrer Institution muss selbstkritisch sein mit Blick auf die eigenen Wurzeln, dieeigene Geschichte, und muss auch historisch-kritisch auf die eigenen Schriften schauen können. Die Auseinandersetzung mit dem Text macht dabei Freude und ist eine Horizonterweiterung. Im Gespräch miteinander können wir Neues entdecken, das bereichert.

Drittens: Eine demokratische Gesellschaft braucht sprachfähige Religion. Gerade im zuneh­mend säkularen Umfeld gilt es darum zu ringen, dass Religion nicht in die Privatsphäre ab­gedrängt wird oder sich selbst abschottet gegenüber dem weltlichen Raum. Eine Gesell­schaft, die Religionsfreiheit kennt, die Freiheit also, einer – oder einer anderen – Religion oder keiner Religion anzugehören, ist auch eine Gesellschaft, in der sich niemand mit seiner Religion verstecken muss.

Lieber Micha Brumlik,

ich freue mich über die Meldung, dass Sie zum Sommersemester die Franz-Rosenzweig­ Gastprofessur der Universität Kassel übernehmen. Wir werden noch viel von Ihnen hören und auch das ist gut so! Danke für Ihre Streitbarkeit. Danke für Ihr Zeugnis jüdischen Glau­bens und jüdischer Überzeugung in unserem Land.

Mein Glückwunsch zur Auszeichnung und von Herzen Gottes Segen!

 

Written by lbucklitsch

März 6th, 2016 at 11:30 am

Micha Brumlik: Franz Rosenzweig und der Zionismus

without comments

Zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit 2016 in Hannover

Vortrag
„Land der Sehnsucht“: Franz Rosenzweig und der Zionismus

Micha Brumlik

Franz Rosenzweig und der Zionismus

I.

2018, in zwei Jahren, wird der Staat Israel mit seiner Hauptstadt Jerusalem siebzig Jahre alt werden. Heute, mehr als hundert Jahre nach ihrem ersten Auftreten befinden sich Idee und Staat der jüdischen Nationalbewegung nicht nur in der Krise – im Moment zeichnet sich nicht weniger als die Selbstzerstörung des zionistischen Vorhabens ab. Dieser Selbstzerstörungsprozess ist in widersprüchlichen Tendenzen des modernen Judentums angelegt, die zu lösen die zionistische Bewegung mit ihrem Nationalgedanken vor mehr als hundert Jahren angetreten war.1 Sie trat damit in Konkurrenz zu anderen von Juden betriebenen Entwürfen zur Behebung der je unterschiedlich ausgeprägten Judennot: dem westeuropäischen Assimilationsjudentum, welches das Judentum konsequent konfessionalisieren wollte, unterschiedlichen Spielarten des Sozialismus, die darauf setzten, mit der Lösung der sozialen Frage zugleich jede Form der Judenfeindschaft zum verschwinden zu bringen sowie Varianten eines ethnisch verstandenen Kulturjudentums, das sich hier – im Rußland des späten Zarismus als ethno-kultureller Sozialismus verstand – die jiddisch sprechende Gewerkschaftsbewegung, der „Bund“ – und dort als hebräischsprachiger, aber nicht staatenbildender Kulturzionismus auftrat. Tatsächlich gingen diese idealtypisch verschiedenen Motive in der Realität beinahe beliebige Kombinationen ein, die auszuführen hier der Platz fehlt. Von ihnen unterschied sich der Zionismus sowohl durch seinen Territorial- als auch durch seinen Staatsgedanken,wobei es keineswegs immer klar war, daß als einziges Territorium für einen Judenstaat nur Regionen des historischen Landes Israel in Frage kämen. Grob gesprochen faßte der moderne staatsbildende Zionismus die Juden als Nation.

Der Gedanke der Nation aber entstand im heutigen Sinne des Wortes nicht vor der Französischen Revolution, wo der Begriff zunächst das im Geiste einer auf Demokratie und Menschenrechten beruhenden Verfassung geeinte Bürgertum bezeichnete. Diese Form der Nation lässt sich als ein auf gleichen Rechten aller Citoyens beruhendes Zukunftsbündnis ansehen, dem es um die Verwirklichung der gemeinsamen Freiheit aller Bürger geht. Dieses Verständnis von Nation als Staatsvolk hat Jean Jacques Rousseau in seinem 1762 verfassten „Contrat social“ vorgelegt. Im Gegenzug und in Konkurrenz dazu entstand vor allem in Deutschland, in Reaktion auf die napoleonische Besatzung, ein Begriff der Nation, der nicht die gemeinsame Zukunft der einander anerkennenden Bürger, sondern die gemeinsame Herkunft der in Sprache und Tradition verhafteten Volksgenossen zum Inhalt hatte. Hierfür lassen sich systematisch die von Johann Gottlieb Fichte die 1808 verfassten „Reden an die Deutsche Nation“ nennen.

Der damit bezeichnete Unterschied zwischen einem aufklärerischen Begriff der Nation im französischen und einem romantischen Begriff der Nation im deutschen Sinne sollte auch die zionistische Bewegung in ihren vielfältigen Schattierungen prägen. Freilich: jenseits der Ausfaltung in einen Begriff der Nation als eines im Staat geeinten Herkunftsvolkes im Geiste Fichtes bzw. einer die Rechte und Freiheiten der Individuen wahrenden und verwirklichenden Rechtsgemeinschaft im Geiste Rousseaus stand die Idee der modernen jüdischen Nation von allem Anfang an unter dem Druck des Antisemitismus, d.h. unter dem kollektiven Interesse, vor aller kulturellen Verwirklichung oder allen liberalen Garantien Leib und Leben verfolgter Juden zu schützen sowie ihre verletzte Selbstachtung wieder aufzurichten. Ben Gurion bezeichnete diese – nicht zuletzt von Theodor Herzl propagierte Variante – als „Philanthropie“.

Read the rest of this entry »

Written by lbucklitsch

März 5th, 2016 at 4:30 pm

WDR| Christlich-jüdischer Dialog : Buber-Rosenzweig Medaille für Micha Brumlik

without comments

Zur Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ ehren die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit den Pädagogikprofessor und Publizisten Micha Brumlik für seine Verdienste um den Dialog zwischen Juden und Christen. Der Preisträger im Interview. © WDR 2016

 

Beitrag hören

Written by lbucklitsch

März 5th, 2016 at 8:41 am

Kasseler Rosenzweig-Professur an den Philosophen Micha Brumlik

without comments

Die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur der Universität Kassel geht in diesem Sommersemester an den Philosophen und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Er hält am 20. April eine öffentliche Vorlesung zu „Franz Rosenzweig und der Zionismus – zwischen Theologie und Politik“. Brumlik (68) ist eine wichtige Stimme im interreligiösen Dialog, er hat sich immer wieder auch in die aktuelle Debatte um die Integration von Migranten eingeschaltet.

Der gebürtige Schweizer Micha Brumlik studierte Philosophie an der Hebrew University Jerusalem sowie Philosophie und Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 1981 bis 2000 hatte er den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Universität Heidelberg inne und war von 2000 bis 2013 Professor für Theorien der Bildung und Erziehung am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2000 bis 2005 amtierte er außerdem als Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, des Forschungs- und Dokumentationszentrums zur Geschichte des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt. Seit 2013 ist er Senior Professor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/Brandenburg.

„Mit Herrn Brumlik haben wir eine profilierte Stimme des Judentums in Deutschland gewinnen können. Für das jüdisch-christliche Gespräch sind seine Beiträge unverzichtbar – Ausdruck davon ist die Verleihung der diesjährigen Buber-Rosenzweig-Medaille. Wir freuen uns sehr, dass Micha Brumlik das Lehrangebot der Universität mit seinen Themen bereichert“, sagte Prof. Dr. Ilse Müllner, Mitglied der Findungskommission und Professorin für Katholische Theologie / AltesTestament an der Universität Kassel.

Brumlik selber kommentierte: „Der Erhalt der Rosenzweig-Professur ist mir Ehre und Ansporn. Wie kein anderer hat Franz Rosenzweig die Widersprüche eines modernen jüdischen Lebens in sich und seinem Werk ausgetragen – diesen Widersprüchen nachzugehen, wird Ziel meiner Lehre in Kassel sein.“ Die öffentliche Antrittsvorlesung mit dem Titel „Franz Rosenzweig und der Zionismus – zwischen Theologie und Politik“ findet statt am 20. April, von 18 bis 20 Uhr, im Konferenzraum des Science Parks, Universitätsplatz 12.

Neben dieser öffentlichen Veranstaltung hält Micha Brumlik im Rahmen des Lehrangebots der Universität zwei weitere Veranstaltungen: zum einen eine wöchentliche Vorlesung mit dem Thema „Kritische Geistesgeschichte des Zionismus“. Sie spannt einen Bogen von dem ersten Judenstaatstheoretiker, Moses Hess, über die sozialistischen und revisionistischen Zionisten des beginnenden 20. Jahrhunderts bis zu den letzten, politisch weit rechts stehenden nationalreligiösen Zionisten der Gegenwart und den Debatten um den sogenannten „Postzionismus“. Das zusätzliche Seminar „Messianismus im Judentum“ behandelt die Frage nach der Hoffnung auf einen errettenden und erlösenden Gesalbten, einen Messias. Es widmet sich den literarischen und theologischen Motiven und der entsprechenden politischen Diskurse, die darin zum Ausdruck kommen.

Erinnerung an einen großen Sohn der Stadt Kassel

Die deutschlandweit einmalige Franz-Rosenzweig-Gastprofessur erinnert an Werk und Vermächtnisdes aus Kassel stammenden jüdischen Religionsphilosophen. Die Professur wird jeweils zum Sommersemester vergeben. Mit der Gastprofessur wurden bis heute zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen, u.a. der Philosophie, Geschichts-, Kunst-, Literatur- und Religionswissenschaft aus Israel, Europa und Nordamerika geehrt.

Die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur wird von der Universität Kassel seit 1987 verliehen. Sie wurde im Anschluss an einen internationalen Kongress ins Leben gerufen, der zum 100. Geburtstag des bedeutenden Religionsphilosophen stattfand. In den letzten Jahren diente die Professur verstärkt der Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus zerstörten Kultur des europäischen Judentums und der Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart.

 

Quelle: Pressestelle Universität Kassel

Written by lbucklitsch

März 1st, 2016 at 5:53 pm

Buber-Rosenzweig-Medaille 2016 an Micha Brumlik

without comments

Der Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Micha Brumlik erhält im Rahmen der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit 2016 in Hannover die Buber-Rosenzweig-Medaille für seine Verdienste im christlich-jüdischen Dialog.
Dies teilten Präsidium und Vorstand des Deutschen Koordinierungsrates im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung seiner mehr als 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit am Sonntag, dem 10. Mai 2015, in Bonn mit.

Mit der Auszeichnung wird Brumliks jahrzehntelanger wissenschaftlicher, publizistischer und pädagogischer Einsatz für eine Verständigung zwischen Juden und Christen in Deutschland geehrt. Als ausgewiesener Kenner sowohl der jüdischen wie auch christlichen Geschichte, Kultur und Religion hat er mit seinen religionsphilosophischen und journalistischen Beiträgen dem gegenseitigen Verständnis von Juden und Christen wesentliche Impulse gegeben. Sein unermüdliches Engagement in jüdischen wie christlichen Gemeinden, auf Kirchentagen, bei nationalen und internationalen Konferenzen und in interreligiösen Gesprächskreisen beförderte die Begegnung zwischen Juden und Christen maßgeblich.

Als Intellektueller mischt er sich kritisch und pointiert in gesellschaftspolitische Debatten ein. Als liberal-religiöser Jude demonstriert er dadurch exemplarisch, dass Religiosität und Vernunft, religiöse Identität und demokratisches Selbstverständnis nicht in Widerspruch zueinander stehen, sondern auf inspirierende und fruchtbare Weise einander ergänzen können.

Das Jahresthema 2016 der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit lautet:

„UM GOTTES WILLEN“

Das Jahresthema soll die neuerliche Präsenz des Religiösen in der säkularen modernen Gesellschaft zur Debatte stellen. Mit seinem gesellschaftspolitischen Engagement und seinem dialogischen Denken verkörpert der Preisträger, Professor Dr. Micha Brumlik, dieses Jahresthema auf vorbildliche Weise.

Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit am 6. März 2016 in Hannover überreicht.

Bad Nauheim, 11. Mai 2015
Präsidium und Vorstand
des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Hintergrund:
Der Deutsche Koordinierungsrat vertritt als bundesweiter Dachverband die mehr als 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Deutschland auf nationaler und internationaler Ebene. Er ist größtes Einzelmitglied im Internationalen Rat der Christen und Juden (ICCJ), in dem 32 nationale Vereinigungen für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit vertreten sind.

Seit 1968 verleiht der Deutsche Koordinierungsrat der 83 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammen-arbeit während der Eröffnungsfeier zur Woche der Brüderlichkeit die Buber-Rosenzweig-Medaille. Ausge-zeichnet werden Personen, Institutionen oder Initiativen, die sich insbesondere um die Verständigung zwi-schen Christen und Juden verdient gemacht haben. Die Medaille wird in Erinnerung an die jüdischen Philo-sophen Martin Buber und Franz Rosenzweig verliehen.

Written by lbucklitsch

Mai 13th, 2015 at 12:53 pm