Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Diskriminierung’ Category

FR| JÜDISCHE GEMEINDE FRANKFURT: Wer Angst hat, wird anfällig

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Von 

Der Zentralrat der Juden macht religiösen Fundamentalismus zum Thema einer Tagung in Frankfurt. Der Publizist Micha Brumlik erntet für seinen Beitrag Beifall und Widerspruch zugleich.

Was bringt junge Menschen dazu, sich radikalen religiösen Gruppen anzuschließen? Bei Ahmad Mansour waren es vor allem Mobbing und Zukunftssorgen, die ihn anfällig machten. Als er als Schüler in die Gruppe eines radikalen Imams geriet, waren seine Ängste „von heute auf morgen weg“, sagt Mansour, arabischer Israeli und Islamismus-Experte. Er habe Jahre gebraucht, um sich aus dieser Ideologie herauszuarbeiten. „Aber meine Person zeigt: Es ist machbar, wenn man die richtigen Leute trifft und die richtigen Bücher liest.“

Es ist ein besonderer Abend bei der Jüdischen Gemeinde im Westend. Als ein Höhepunkt der Konferenz „Die Faszination fundamentalistischer Weltbilder“, organisiert vom Zentralrat der Juden in Deutschland, berichtet der heute in Berlin lebende Mansour aus seinem Leben und von seiner pädagogischen Arbeit mit jungen Muslimen. Es seien auch das Gottesverständnis vieler konservativer Imame, die ständige Angst vor der Hölle und die Tabuisierung der Sexualität, die junge Muslime in die Hände der Fundamentalisten trieben, sagt Mansour. Zur Flüchtlingsdebatte stellt er Forderungen an Politik und Gesellschaft: Die Geflüchteten benötigten „Zugänge in die Mehrheitsgesellschaft“, es brauche viel mehr Fördermittel und Projekte, um es „diesmal anders zu machen als bei den Gastarbeitern und ihren Kindern“.

Zugleich müsse man junge Muslime befähigen, sich kritisch mit ihrer eigenen Religion auseinanderzusetzen. Man müsse autoritäres Denken und Antisemitismus auch unter Migranten offen und mittels „gewinnender Arbeit“ ansprechen. „Ich weiß, wie schwer das ist“, sagt Mansour.

 

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Gegen Mythopolitik und Ethnokratie – Micha Brumliks Plädoyer für eine konstitutionelle Utopie

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Von Irmela von der Lühe

Als „Versuch über die Gegenwart des Judentums“ hat Micha Brumlik, soeben mit der Buber- Rosenzweig-Medaille der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgezeichnet, seine Essaysammlung bezeichnet, die im Haupttitel die Frage aus den talmudischen „Sprüchen der Väter“ aufnimmt: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Tatsächlich geht es in den sieben sachlich und systematisch klug miteinander verknüpften Aufsätzen gleichermaßen um aktuelle politische wie historisch-kulturgeschichtliche als auch philosophisch-theoretische Fragen. Sie alle kreisen im Sinne der talmudischen Aufforderung um radikale Selbstbefragung, um jüdische Selbstbesinnung als Reflexion vergangener Erfahrungen und gegenwärtiger Erlebnisse, historischer Erkenntnisse und aktueller Herausforderungen. Vergangenheit und Gegenwart der Diaspora, des Zionismus und des Messianismus spielen eine ebenso wichtige Rolle, wie das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland, zwischen Israel und den Juden in der amerikanischen Diaspora. Analyse und Argumentation prägen die Darstellungen, und doch spürt man immer wieder, wovon auch in einem eigenen Abschnitt ausführlich die Rede ist: „Resignation und Einsicht“. Eine melancholische Präzision durchzieht den Text, dessen Ton erstaunt und berührt; dessen analytische Kraft unüberhörbar, dessen rational-realistischer Ursprung zweifelsfrei und dessen klarsichtige Hoffnung stets gegenwärtig ist.

Es ist keine Abrechnung mit dem zionistischen Projekt, so hart und entschieden die Kritik an der Besatzungspolitik Israels im Allgemeinen und an Benjamin Netanyahus Handeln im Besonderen auch ausfällt. Mit „Israel und die Diaspora: Die aktuelle Krise“ ist denn auch das erste Kapitel überschrieben, das von der Wiederwahl Netanyahus im Jahre 2015 – zugleich das vierte Jahr des syrischen Bürgerkriegs – ausgehend, den Gründen und Hintergründen für die wachsende „Entfremdung“ zwischen dem amerikanischen Judentum und dem Staat Israel nachgeht. Gewährsmann für die dabei referierten Sachverhalte ist der orthodoxe Politikwissenschaftler Peter Beinart, dessen im Jahr 2013 auch auf Deutsch erschienene Studie „Die amerikanischen Juden und Israel“ die völker- und menschenrechtswidrige Siedlungs-und Außenpolitik der Netanjahu-Regierungen detailreich belegt und zugleich die Gefolgschaftstreue der großen jüdisch-amerikanischen Organisationen kritisch in Frage stellt. Gestützt auf Beinarts Befunde rekonstruiert Brumlik eine paradoxe und zugleich höchst brisante Konstellation: Während Netanjahu in den Spuren seines Vaters und damit in direkter Nachfolge von Waldimir Jabotinsky (1880–1940) alle Anstrengungen unternimmt, einen palästinensischen Staat zu verhindern, orientiert sich Barack Obama an den Grundsätzen des jüdischen Philosophen und Bürgerrechtlers Abraham Joschua Heschel (1907–1972). Das Scheitern des Friedensprozesses erwächst in einer solchen Sicht auch aus einem inneren Antagonismus im zionistischen Konzept selbst und führt zu einen wachsenden Dissens zwischen der israelischen Regierung und dem modern-orthodoxen Judentum in der amerikanischen Diaspora. An Peter Beinarts, aber auch an Positionen wie denjenigen der jüdisch-französischen Historikerin Esther Benbassa stellt Micha Brumlik jene existenziell-politische Ambivalenz heraus, die sich in Sätzen wie „Ich will nicht Jüdin sein und Israel ablehnen. Ich will auch nicht Jüdin sein und Israels unmoralischen Krieg billigen. Nicht ohne Israel und nicht mit Israel, so wie es heute ist“ äußert.

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NETZ GEGEN NAZIS|WIE ANTISEMITISCH IST DIE AFD?

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Antisemitismus ist wesentlicher Bestandteil des Weltbildes der deutschen extremen Rechten. Aber kann es auch eine deutsche Rechte ohne Antisemitismus geben? Anders als die NPD sanktioniert die AfD, zumindest hin und wieder, antisemitische Ausfälle ihre Mitglieder. Mehr noch: Sie wirbt häufiger im Vorfeld von Parteiveranstaltung gezielt um die Teilnahme von Jüdinnen und Juden. Parteichefin Petry reiste jüngst gar auf Einladung zu einem politischen Vortrag nach Israel. Vereinzelt werden auf AfD-Demonstrationen Israel-Fahnen getragen. Das lässt die Frage aufkommen, spielt Antisemitismus bei der AfD keine Rolle?

Von Jan Riebe

AfD wirbt um Juden

„Wir als AfD sind bei euch! Wir verstehen eure Ängste und Sorgen!“ (NW) – so warb die AfD in Paderborn um die Teilnahme von Jüdinnen und Juden an einer Demonstration im Februar 2016. Kein Einzelfall. In mehreren Städten versuchte die AfD Jüdische Verbände oder Einzelpersonen für Parteiveranstaltungen zu gewinnen. Die Reaktionen der Jüdischen Gemeinden waren einhellig. Sie warnten ihre Mitglieder davor, sich von der Rechtsaußenpartei instrumentalisieren lassen. „Die AfD tritt manchmal mit der Idee an uns heran, dass wir uns doch mit ihnen gegen islamischen Antisemitismus wenden sollten. Aber ich habe mir deren Veranstaltungen angeschaut: Diese Leute hassen heute die Muslime, und morgen hassen sie uns“, so Reinhard Schramm, Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Diese Haltung verwundert nicht, denn es gibt schon heute zahlreicher antisemitische Äußerungen aus den Reihen der AfD.

Antisemitische Postings

 

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Mai 10th, 2016 at 1:16 pm

Brumlik/Funke| Der Programmparteitag der AfD hat es geklärt: Die AfD ist deutschnational – und damit rechtsradikal

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Der Programmparteitag der AfD hat es geklärt: Die AfD ist deutschnational – und damit rechtsradikal

Am späten Vormittag des 1. Mai hat der Parteitag mit großer Mehrheit seine Islamfeindlichkeit ins Programm geschrieben. Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Damit will die Partei das, was im Grundgesetz steht, die uneingeschränkte Glaubensfreiheit, einschränken: Sie will Minarette verbieten und Muezzinrufe.

Zur Begründung erklärt der Vertreter des radikalen Flügels, Hans-Thomas Tillschneider: Eine Aufklärung des Islam ist weder realistisch noch wünschenswert. Als gleichwohl jemand für den Dialog mit Muslimen eintrat, wurde er nicht nur ausgebuht, sondern ausgepfiffen. D.h., dass jede Differenzierung unerwünscht ist: Man will den Feind Islam pur, und die Abweisung des Dialogs mit Muslimen im Land zeigt unüberhörbar, dass es auch gegen die Muslime hier geht. D.h.: ausweislich des Parteitags der AfD ist nur der Islam, sondern sind die Muslime im Land der Feind. Diese Situation am späten Vormittag des 1. Mai in Stuttgart war Ausdruck einer totalitären Stimmung.

Die Stimmung war gewollt: Niemand aus dem Vorstand hat sich gegen diese hermetische Feinderklärung in die Bresche geworfen: Weder Gauland noch Meuthen noch Petry. Und Frau von Storch hat diese Ausrichtung noch betont. Es gab einen einzigen aus der Führungsriege der Partei, den sogenannten Parteiphilosophen Marc Jongen, der von einem großen Fehler sprach, aber in der Abstimmungsmaschine unter der Leitung des ehemaligen Sprechers der Deutschen Burschenschaft, dem Tagungsleiter Christoph Basedow und der riesigen Mehrheit des Parteitags unterging.

Die „Zeit“ hat recht: Für die AfD enden die Freiheiten der Individuen dort, wo sie mit dem Willen einer angeblichen deutschen Volksmehrheit und ihrer Volkskultur kollidieren. Die Partei vertritt ein Politikverständnis, in dem die Mehrheit immer Recht hat und Minderheiten sich unterzuordnen haben. Im Weltbild der AfD ist nicht vorgesehen, dass das (ethnisch-deutsche) Wir und das fremde muslimische Ihr sich irgendwie vermischen, ohne dass es gefährlich wird. Wer einmal Deutsch ist, wird es immer bleiben. Wer jetzt noch Muslim ist, wird immer Gegner sein.

Schon am Tag zuvor hat der Europa-Abgeordnete der AfD, Marcus Pretzell unter großem Beifall des Parteitags erklärt, er werde sich der Fraktion der rechtsradikalen Front National und der rassistischen Lega Nord, der ENF im Europaparlament, anschließen.

Und am Abend des gleichen Tags erklärt die Parteivorsitzende, dass das Wort deutschnational zur AfD passe. Die Deutschnationalen aber waren – wie jeder wissen sollte – eine rechtsradikale völkisch-nationalistische Partei der Weimarer Republik, die in ihren späten Jahren sich in der Harzburgerfront mit den Nationalsozialisten verband und diese 1933 an die Macht brachte.

Berlin, 2. 5. 2016

Micha Brumlik, Hajo Funke,

Heinrich Böll Stiftung| Micha Brumlik: Das alte Denken der neuen Rechten

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Metapolitik

Das alte Denken der neuen Rechten
Vortragsreihe
DATUM:
Montag, 4. April 2016 – 19:3021:00
STADT: Berlin
ADRESSE:

HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG – BUNDESSTIFTUNG BERLIN

Schumannstr. 8
10117 Berlin
WEGBESCHREIBUNG
EINTRITT/GEBÜHR:
frei
VERANSTALTER/IN:
Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin

„Die Gespenster der Vergangenheit haben wieder eine Zukunft“ – mit dieser Diagnose beschrieb DIE ZEIT bereits 2014, wie sich rechtsradikales Denken in Mittel- und Osteuropa mit ähnlichen ideologischen Strömungen in Russland verbindet und unter dem Begriff der Metapolitik verbreitet wird. Inzwischen hat diese Rückkehr zu nationalen bzw. nationalistischen Positionen wieder geopolitische Ordnungsvorstellungen zum Leben erweckt, die längst überholt erschienen.

Rechte Netzwerke wirken auf kulturelle und gesellschaftliche Kommunikationsmuster ein. Angestrebt wird eine kulturelle Hegemonie, die im Sinne einer Metapolitik die Prämissen westlicher Politik zu verändern sucht. Ideen von Homogenisierung, nationaler Renaissance und Raum als politische Kategorie sind die Säulen dieser Weltvorstellung.

Zugleich gewinnen Strömungen radikal anti-universalistischen Denkens auch bei der neuen deutschen Rechten an Einfluss. Der russische Propagandist Alexander Dugin will einen eurasischen Kulturraum schaffen und rekurriert dabei auf ein völkisches Denken, das bei Martin Heidegger Anleihen macht und Nationen nach ethnischer Zugehörigkeit definiert.

Der Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik analysiert die Gedankenwelt, die die rechtsnationalistischen Bewegungen in Europa mit dem Russland Putins verbindet.

Mit

  • Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler und Publizist

Moderation: Peter Siller, Jurist und Philosoph, Heinrich-Böll-Stiftung

Hinweis: Die Veranstaltung wird als Livestream übertragen.
Eine Veranstaltung der Grünen Akademie.
In Medienpartnerschaft mit taz und Freitag.

 

Hintergrund
In welcher Welt leben wir? So banal es klingt, es gehört zum Schwierigsten, Abstand zu gewinnen – auf die Höhe zu gehen – um das eigene Jetzt klarer zu sehen. Zeitgeistige Bestseller gibt es viele, erhellende Zeitdiagnosen sind selten. Schauen wir also, wo interessante Perspektiven auf unsere Gegenwart eröffnet werden. Versuchen wir einen ungewohnten, gerne auch schrägen  Blick, der uns die Gegenwart anders sehen lässt. 35 Jahre nach den “Stichworten zur ‘geistigen Situation der Zeit'” nehmen wir mit der Vortragsreihe “Auf der Höhe” das Experiment nochmals auf. Abermals fragen wir Intellektuelle zu zentralen gesellschafts- und kulturdiagnostischen Stichworten unserer Zeit. In den nächsten Monaten und Jahren buchstabieren wir das Alphabet durch, von A wie Authentizität über D wie Drastik, J wie Jugend, ewige bis R wie Retro und Z wie Zombie.

Blätter| Das alte Denken der neuen Rechten

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Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft

von Micha Brumlik

Daran, dass sich derzeit in beinahe allen Ländern Europas eine explizit rechte, nicht mehr nur konservative Grundstimmung verfestigt, kann kein Zweifel bestehen. Und dies dem Umstand zum Trotz, dass keineswegs alle Länder von den üblichen Ursachen derartiger Stimmungen betroffen sind. In Deutschland zum Beispiel ist die soziale und ökonomische Lage so gut wie seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr: Die Arbeitslosigkeit hat sich bei etwa sechs Prozent eingependelt, die Steuereinkommen sprudeln, sogar die Renten sind leicht angestiegen, das Exportgeschäft boomt noch immer ungebrochen und der Handel verbucht (auch infolge der Fluchtbewegung) eine anhaltende Nachfrage.

Einzuräumen ist, dass die Kluft zwischen den höchsten und niedrigsten Einkommensgruppen immer größer wird und die Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse konstant hoch bleibt. Aber erklärt das bereits die erstaunliche Konjunktur rechtspopulistischer Stimmungen und rechtsradikaler Einstellungen? Und kann diese Neue Rechte überhaupt auf ein theoriefähiges Programm zurückgreifen – gerade in Deutschland, da ja noch immer zu gelten scheint, dass alles, was in irgendeiner Weise an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert, in der Arena der Öffentlichkeit tabu ist?

Von den Identitären zur AfD

Der dem systemtheoretischen Denken Niklas Luhmanns verpflichtete Soziologe Armin Nassehi, er lehrt und forscht an der Universität München, hat 2015 ein bemerkenswertes, provokatives Buch unter dem Titel „Die letzte Stunde der Wahrheit. Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss“ publiziert. In diesem Buch, das nicht zuletzt durch seinen Briefwechsel mit dem Rechtsintellektuellen Götz Kubitschek auffällt, will Nassehi nicht nur nachweisen, dass linkes, universalistisches Denken schon deshalb die Gesellschaft nicht ändern kann, weil die Vertreter dieses Denkens de facto „rechts“ leben, sondern auch eine – freilich zu kurz greifende – Charakterisierung „rechten“ Denkens geben: „Rechts zu denken, heißt“ laut Nassehi, „dass man menschliche Existenz nur als unhintergehbare Gruppenexistenz denken kann – mit allen Konsequenzen, die das dann theoretisch normativ und auch politisch hat. Menschen sind dann in erster Linie Mitglieder größerer Gemeinschaften, und die Lösung gesellschaftlicher Probleme wird letztlich der Homogenität beziehungsweise der inneren Kohäsion einer solchen Gruppe auferlegt. Die Vorbedingung für die rechte Idee der Volkssolidarität war die linke Idee der Volkssouveränität. Beide sind gleichursprünglich entstanden.“[1]

Zweifellos stellen kulturalistisch gedeutete Homogenitätsannahmen eine Grundlage des neuen, rechten Denkens dar – allerdings nur eine. Mindestens so bedeutsam sind Konzepte einer Politisierung des Raums sowie Überlegungen zur (Re)sakralisierung sozialer Funktionen, insbesondere von Herrschaft.

Alle drei Elemente – kulturalistisch gedeutete Homogenität, Politisierung des Raumes sowie Wiederverzauberung gesellschaftlicher Funktionen – schießen in den politischen Überzeugungen jener Gruppen zusammen, die sich in Österreich und Deutschland mit Blick auf Frankreich als „Identitäre“ bezeichnen, auf die französische „Nouvelle Droite“ des noch immer aktiven Alain de Benoist zurückgehen und dessen Vorstellungen vertreten. Demnach hat jede Ethnie ein eigenes Lebensrecht, aber nur in dem ihr zustehenden Raum. Im Internetauftritt des österreichischen Arms der Bewegung wird die identitäre Idee als „eine Botschaft der Freiheit und Selbstverwirklichung jedes Volkes und jeder Kultur im Rahmen ihres eigenen Charakters“ dargestellt, ihre Botschaft beinhalte daher Rassismus“.[2]

Wer sich zu seiner regionalen, nationalen und kulturellen Herkunft bekennt, ist und lebt damit „identitär”. Bei alledem geht es nicht um die dumpfen Ressentiments der Pegida-Demonstranten, sondern um ein Spektrum von Personen und Medien, die – angefangen von der rechtsreformistischen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ über die Bücher des „Antaios Verlages“, die Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“, die Jugendzeitschrift„Blaue Narzisse“ bis hin zur Zeitschrift „Sezession“ – darum bemüht sind, rechtes Denken zu rehabilitieren. Nicht zu vergessen Jürgen Elsässer und die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Compact“, der – mit pazifistischen Begründungen – ein schon von der „Konservativen Revolution“ der Zwischenkriegszeit angestrebtes deutsch-russisches Bündnis und damit ein fremdenfeindliches, autoritäres Regierungsprojekt propagiert. Dass es hier durchaus Verbindungen in die AfD gibt, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ein ehemaliger Assistent Peter Sloterdijks, der Philosoph Marc Jongen, als Hausphilosoph der AfD in Baden-Württemberg um eine entsprechende Grundlegung seiner Partei bemüht ist – ein Unternehmen, das er – weitestgehend unbemerkt – bereits in der Januarausgabe der Zeitschrift „Cicero“ 2014 angekündigt hatte.[3]

Autoren und Autorinnen all dieser Publikationsorgane sehen sich dem verpflichtet, was sie mit einem Ausdruck Martin Heideggers als „Metapolitik“ bezeichnen, also einer sich philosophisch gebenden Lehre von der Politik, die jedoch so kommuniziert werden soll, dass sie als „Gramscianismus von rechts“ kulturelle Kommunikationsmuster bereits im vorpolitischen Raum verändert, um so die Bereitschaft zur Hinnahme von nationaler Schließung, autoritärer Unterordnung und ethnischer Homogenität zu fördern.

Von Martin Heidegger zu Alexander Dugin

Dabei sind die Grenzen zum historischen Faschismus schnell überschritten: Zeitgeistige Kommunikationsformen wie etwa „Metapolitika“, ein Blog der identitären Bewegung, propagieren den Mussolini von rechts kritisierenden Philosophen Julius Evola sowie vor allem den zeitweise auch von Wladimir Putin protegierten Alexander Dugin. Evola, diese hierzulande bisher eher unbekannte Gestalt, wurde – wie neuerdings zu erfahren war – auch von einem der wohl wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, von Martin Heidegger, zustimmend rezipiert.[4] Hier herrschte eine Wahlverwandtschaft, weil sich Evola wie Heidegger gegen Kommunismus und „Amerikanismus“ wandte.

Immer wieder Martin Heidegger: Es ist kein Zufall, dass die Debatte um diesen Mann, der seine Mitgliedschaft in der NSDAP niemals aufgab, der – wie die seit 2013 bekannten „Schwarzen Hefte“ unwiderleglich beweisen – ein überzeugter Antisemit war und den Juden ihre Ermordung selbst zurechnete, bis heute nicht enden will. Wird sich doch an der Debatte um ihn, zumal nach dem Bekanntwerden seines „Seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ (Peter Trawny) erweisen, ob ein der Aufklärung, den Menschenrechten, dem Individualismus und der liberalen Demokratie feindliches Denken überhaupt noch eine Chance hat.

Für Alexander Dugin firmiert Heidegger jedenfalls als wesentlicher Gewährsmann seiner radikal antiuniversalistischen Theorie. Gleichzeitig richtet sich die Neue Deutsche Rechte zunehmend an Alexander Dugin aus. So publizierte Jürgen Elsässer in seiner Zeitschrift „Compact“ ein Interview mit dem Philosophen, in dem dieser auf die Frage, warum er die eurasische Idee propagiere, Folgendes zu Protokoll gab: „Weil es sich dabei um ein Konzept handelt, welches den Herausforderungen Russlands und der russischen Gesellschaft begegnet. Was sind die Alternativen? Es gibt den westlich-liberalen Kosmopolitismus, doch die russische Gesellschaft wird diese Idee niemals akzeptieren. Dann gibt es den Nationalismus, der sich für das multiethnische Russland ebenfalls nicht eignet. Auch der Sozialismus eignet sich nicht als tragendes Ideal für Russland, im Prinzip hat er auch in der Vergangenheit dort nie wirklich funktioniert. Die eurasische Idee ist daher ein realistisches und idealistisches Konzept. Es ist nicht nur irgendeine romantische Idee, es ist ein technisches, geopolitisches und strategisches Konzept, welches von all jenen Russen unterstützt wird, die verantwortungsbewusst denken.“[5]

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Written by lbucklitsch

März 20th, 2016 at 4:16 pm

TAZ| Vielvölkerstaat Deutschland

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Verschwörungstheorien haben Konjunktur – auch in der Zeitschrift „Cicero“. Dort sinniert Gertrud Höhler über Merkels „Masterplan“.

KOLUMNE VON

MICHA BRUMLIK – Autor und Kolumnist

Zeiten der Krise sind Blütezeiten von Verschwörungstheorien – Reflexe auf den Umstand, dass die Gesellschaft als Ganzes komplex ist, jedes Phänomen viele Ursachen und jede Ursache unterschiedliche Auswirkungen hat.

Sich hinter undurchsichtigen, schwer zu verstehenden Umständen einzelne Masterminds vorzustellen, die dämonisch alles steuern, und damit Politik zu betreiben, ist spätestens seit den um die Jahrhundertwende vom zaristischen Geheimdienst verfassten „Protokollen der Weisen von Zion“ bekannt.

Derzeit grassieren viele Verschwörungstheorien im Netz, und wie groß die allgemeine Verunsicherung angesichts der Flüchtlingskrise ist, zeigt sich daran, dass sogar bisher als seriös geltende Presseorgane derlei Tendenzen vertreten oder mindestens publizieren.

So ist in der Februarausgabe der Monatszeitschrift Cicero aus der Feder der einst als Hoffnungsträgerin der CDU geltenden, mit der NPD sympathisierenden Rechtsintellektuellen Gertrud Höhler ein Beitrag zu lesen, der in gewundenen Worten Angela Merkel allen Ernstes unterstellt, einen „Masterplan“, ein „fatalistisches Kalkül“ zur Veränderung Deutschlands zu exekutieren: „Merkels Vision einer radikalen Spitzenpolitik“, so Höhler, ziele auf ein „Deutschland als Vielvölkerstaat, in dem Religion und Herkunft geschliffen und nivelliert werden.“

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Februar 4th, 2016 at 7:27 pm

TAZ| Werben für den faschistischen Staat

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Die extreme Rechte ist politisch im Aufwind. Sie ist dabei, zu einem wesentlichen Einfluss-, wenn nicht gar Machtfaktor zu werden.

von Micha Brumlik

Zweifel sind kaum noch möglich: Die extreme Rechte ist politisch im Aufwind, sie ist dabei, im Bereich der Europäischen Union zu einem wesentlichen Einfluss-, wenn nicht Machtfaktor zu werden. Davon zeugen nicht nur die neuen parlamentarischen Mehrheiten in Ungarn und Polen, sondern auch der wachsende Zuspruch, den in Frankreich der Front National unter Marine Le Pen gewinnt.

Und Deutschland? Hier werden der AfD gute Chancen ausgerechnet, nicht nur in den ostdeutschen Ländern, sondern auch in Baden-Württemberg, eventuell sogar in Rheinland-Pfalz in ein Landesparlament zu kommen.

Das ist soziologisch allemal erklärbar; zu klären ist freilich, ob man sich auch der politischen und philosophischen Denke von Personen zuwenden soll, die als „Rechtsintellektuelle“ gelten. Dabei geht es nicht um die dumpfen Ressentiments von Dresdner Pegida-Demonstranten (denen zu „christlich“ kaum mehr einfallen dürfte als die erste Strophe von „O Tannenbaum“), sondern um jenes Spektrum von Personen und Medien, die (angefangen von der rechtsreformistischen Wochenzeitung Junge Freiheit über die Bücher des Antaios Verlages, die Publikationen des Instituts für Staatspolitik, die JugendzeitschriftBlaue Narzisse bis hin zur Sezession im Netz) darum bemüht sind, rechtes Denken zu rehabilitieren.

AutorInnen dieser Publikationsorgane sehen sich dem verpflichtet, was sie als „Metapolitik“ bezeichnen, also einer sich philosophisch gebenden Staatslehre, die jedoch so kommuniziert werden soll, dass sie als „Gramscianismus von rechts“ kulturelle Kommunikationsmuster bereits im vorpolitischen Raum verändert, um so die Bereitschaft zur Hinnahme von nationaler Schließung, autoritärer Unterordnung und ethnischer Homogenität zu fördern.

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evangelisch.de| Neue Runde im Professorenstreit um Altes Testament

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Theologieprofessor Slenczka sagt Teilnahme an Akademietagung ab
Die Kontroverse über den Stellenwert des Alten Testamentes für die evangelische Theologie geht in eine neue Runde. Der evangelische Theologieprofessor Notger Slenczka, dessen Thesen vor einigen Monaten Kritik bei Professorenkollegen ausgelöst hatten, zog nun seine Zusage zur Teilnahme an einer Tagung der Evangelischen Akademie zu Berlin zurück. Slenczka begründete diesen Schritt mit nachträglichen Änderungen in der Ausrichtung und im Programm der Tagung, ergibt sich aus einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben des Theologen an die Akademie. Rüdiger Sachau, Direktor der Evangelischen Akademie, wies die Vorwürfe zurück.

Die Veranstaltung “Nicht ohne das Alte Testament” sei im Lichte des Ankündigungsflyers als “Scherbengericht” über eine ihm fälschlicherweise zugeschriebene Position angelegt, schreibt Slenczka. Der an der Humboldt Universität Systematische Theologie lehrende Professor wirft der Akademie vor, sie mache sich dabei zur “Gehilfin der Debattenfeigheit”.

Laut Programm will die Akademietagung der Frage nachgehen, ob es einem christlichen Ernstnehmen der Bedeutung der hebräischen Bibel für das Judentum entspreche, “wenn man das ‘Alte Testament’ aus dem christlichen Kanon herausschneidet?”. Slenczka sollte dabei über “Das Alte im Neuen. Sechs Thesen zur hermeneutischen Frage im Hintergrund des Streits um das Alte Testament” sprechen und anschließend mit dem jüdischen Pädagogen Micha Brumlik diskutieren.

Anmeldungen für Tagung überraschend hoch

Den Vorwurf einer “Debattenfeigheit” weise die Evangelische Akademie entschieden zurück, sagte Direktor Sachau. Der Beitrag von Slenczka und das Podiumsgespräch mit Brumlik hätten am zweiten Veranstaltungstag einen zentralen Platz eingenommen. Das Tagungsprogramm sei ein Beleg dafür, dass wir uns der Debatte mit Slenczka gern gestellt hätten. Die Anmeldezahlen für die Tagung, die vom 8. bis 11. Dezember in der Französischen Friedrichstadtkirche stattfindet, überträfen die Erwartungen, ergänzte Sachau. Bisher haben sich 125 Teilnehmer angemeldet.

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TAZ| Micha Brumlik über Juden und Muslime: „Problematische Pauschalurteile“

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Die Äußerungen Josef Schusters über arabische Kultur hält Micha Brumlik für schwierig. Und die Debatte über Obergrenzen für Flüchtlinge findet er schrecklich.

taz: Herr Brumlik, der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, hat mit seinen Äußerungen über Flüchtlinge aus Syrien den Vorwurf auf sich gezogen, rassistische Ressentiments zumindest zu bedienen. Wie sehen Sie das?

Micha Brumlik: Ich finde es problematisch, dass Josef Schuster ein Pauschalurteil über das abgegeben hat, was er für arabische Kultur hält – also über einen Raum, der immerhin vom Atlantik bis an den Indischen Ozean reicht.

Seine Äußerungen werfen die Frage auf, wie verbreitet solche Einstellungen in der jüdischen Gemeinde in Deutschland sind. Sind sie symptomatisch?

Ich vermute, ja. Die jüdische Gemeinschaft heute besteht ja zu etwa 90 Prozent aus Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion. Nun wissen wir aus soliden soziologischen Untersuchungen, etwa den Untersuchungen der an der Bar-Ilan-Universität lehrenden Soziologin Larissa Remenik, dass die Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion die politische Landschaft Israels tatsächlich – in einer wenn auch säkularen Weise – nach rechts verschoben haben. So darf man daraus schließen, dass dies in den jüdischen Gemeinden in Deutschland nicht wesentlich anders sein wird.

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IM WORTLAUT

Viele Flüchtlinge entstammten „Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil sind“, hat der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, kürzlich derWelt gesagt, und hinzugefügt, man könne „zu dem Schluss kommen, hier handele es sich nicht um ein religiöses Problem, sondern um ein ethnisches“. Dass er zudem über eine Asyl-„Obergrenze“ sinnierte, hat ihm viel Protest eingebracht: Vergangenen Dienstag demonstrierten in Berlin etwa 70 Menschen unter dem Motto „Nicht in unserem Namen – Juden gegen Rassismus“ gegen die Äußerungen. (bx)

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Einige der Wortführer des anti­muslimischen Diskurses in Europa sind jüdischer Herkunft – aber allesamt keine Einwanderer aus der Sowjetunion, sondern alteingesessen. Dazu zählen in Deutschland etwa Henryk M. Broder und der verstorbene Ralph ­Giordano, Leon de Winter in den Niederlanden oder Éric Zemmour und Alain Finkielkraut in Frankreich. Geht das Problem nicht doch tiefer?

Das ist richtig. Aber das sind doch mehr oder weniger Einzelstimmen, die nicht die Meinung jüdischer Gemeinden und Gemeinschaften repräsentieren. Ich will auch darauf hinweisen, dass Josef Schuster ausdrücklich zwischen dem Islam als Religion und dem, was er für arabische Kultur hält, unterschieden hat. Mit Leuten wie Ralph Giordano habe ich mich in den letzten Jahren heftig gestritten. Er glaubte auf seine alten Tage ein weiteres Mal, gegen etwas Faschistoides ankämpfen zu müssen, und war weder bereit noch willens, zwischen Islam als Religion und Islamismus als politischer Ideologie zu unterscheiden. Darin liegt letzten Endes das Problem. Das ist so, als würde man nicht unterscheiden wollen zwischen dem Christentum und dem Franco-Faschismus – oder zwischen Judentum und dem, was die Siedler im Westjordanland betreiben.

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JA| Protest gegen Zentralrat

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Gruppe »Nicht in unserem Namen« kritisiert Äußerungen von Josef Schuster in der Flüchtlingsdebatte

Aktualisiert am 24.11.2015, 

Etwa 70 Menschen haben am Dienstagabend in der Nähe des Leo-Baeck-Hauses in Berlin gegen jüngste Äußerungen von Zentralratspräsident Josef Schuster in der Flüchtlingsdebatte demonstriert.

Zu der Kundgebung hatte eine Facebook-Gruppe unter dem Motto »Nicht in unserem Namen – Juden gegen Rassismus« aufgerufen. »Wir schämen uns für und distanzieren uns ganz ausdrücklich von den rassistischen Aussagen Josef Schusters«, hieß es auf Facebook.

OBERGRENZE Schuster hatte der Zeitung »Die Welt« gesagt: »Über kurz oder lang werden wir um Obergrenzen nicht herumkommen«. Außerdem hatte er im Zusammenhang mit der Integration muslimischer Einwanderer die Überlegung geäußert: »Wenn ich mir die Orte und Länder in Europa anschaue, in denen es die größten Probleme gibt, könnte man zu dem Schluss kommen, hier handele es sich nicht um ein religiöses Problem, sondern um ein ethnisches.«

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Written by lbucklitsch

November 25th, 2015 at 7:27 am

TAZ| Leere Hände, leere Debatte

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KOLUMNE VON MICHA BRUMLIK

Zwei Hände sind ausgestreckt und bereit zum Schütteln

Ready for Shake-off: So weit haben es Klöckner und der Imam nicht gebracht. Foto:  dpa

Vermeintlich Empörendes hatte die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner, eine bekennende evangelische Christin, mitzuteilen: Nach ihrer Ankündigung, ein von Muslimen belegtes Flüchtlingslager zu besuchen, habe der dort amtierende Imam mitteilen lassen, ihr aus religiösen Gründen nicht die Hand geben zu können – woraufhin Klöckner ihren Besuch absagte. Als diese Episode in einer Talkshow zum Besten gegeben wurde, berichtete die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Sylvia Löhrmann, ihr sei dasselbe mal mit einer Gruppe orthodoxer Juden geschehen.

Nach kurzem Schweigen erörterte die Talkrunde dann umso lebhafter die Frage, ob die Weigerung frommer Männer, Frauen die Hand zu geben, ein Indikator mangelnder Integrationswilligkeit sei. Damit wurde das Händeschütteln zwischen Männern und Frauen als Beweis dafür, die Werteordnung Deutschlands, ja das Grundgesetz anerkannt zu haben, inthronisiert. Das heißt jedoch umgekehrt: Männer, die sich aus religiösen wie auch immer verqueren Keuschheitsvorstellungen heraus weigern, Frauen die Hand zu geben, beweisen damit die deutsche Verfassung und ihr höchstes Prinzip, die „Würde des Menschen“ nicht achten zu wollen.

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Written by lbucklitsch

September 29th, 2015 at 11:36 am

NDR| Angst vor antisemitischen Schülern

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28.09.2015 | 24:43 Min. | Quelle: NDR

An Schulen mit hohem Migrantenanteil gehören antijüdische Klischees zum Alltag. Viele Lehrer schauen weg; sie fürchten sich vor Diskussionen mit muslimischen Schülern.

Written by lbucklitsch

September 29th, 2015 at 8:09 am

Umfrage “Diskriminierung in Deutschland 2015”

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Sie haben es erlebt? Berichten Sie davon!

Wegen Ihrer Behinderung oder Ihres Alters werden Sie nicht zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, obwohl Sie hervorragend qualifiziert sind?
Sie werden gemobbt, weil Sie lesbisch oder schwul sind?
Ihr Kind bekommt wegen seiner Migrationsgeschichte trotz guter Noten keine Gymnasialempfehlung?
Bei der Wohnungssuche gehen Sie leer aus, weil Sie ein Kopftuch tragen?

Berichten Sie uns von den diskriminierenden Erfahrungen, die Sie, Ihre Angehörigen und Freunde gemacht haben. Dabei interessieren uns alle Lebensbereiche: vom Kindergarten, über Schule und Hochschule, bis zum Beruf; vom Wohnen über Versicherungs- und Bankgeschäfte bis zum Freizeitbereich.

Diskriminierungen wegen des jungen oder alten Lebensalters, einer Behinderung oder chronischen Krankheit, aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts (Männer, Frauen, Trans* und intergeschlechtliche Menschen), der Religion oder Weltanschauung sowie der sexuellen Identität sind nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verboten. In unsere Umfrage beziehen wir auch die “soziale Herkunft” (z.B. Einkommen, Bildungshintergrund, auch der Elterngeneration) mit ein.

Wie komme ich zum Fragebogen?

Bitte klicken Sie hier.

Wer kann mitmachen?

Alle in Deutschland lebenden Menschen ab 14 Jahren können sich vom 1.9. – 30.11.2015 beteiligen.

Was wollen wir erreichen?

Diese Umfrage, die wir gemeinsam mit dem Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung durchführen, soll Diskriminierungen sichtbar machen! Wir wollen auch wissen, welche Auswirkungen Diskriminierungen auf Menschen haben und wie sie damit umgehen. Mit den Ergebnissen werden wir konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln, wie Diskriminierungen künftig verhindert werden können. Erste Ergebnisse werden im Frühjahr 2016 veröffentlicht.

Wenn Sie inhaltliche Fragen zur Umfrage haben, wenden Sie sich bitte an Nathalie Schlenzka (Nathalie.Schlenzka(a)ads.bund.de, Tel.: 03018 555 1813).

Machen Sie mit und helfen Sie dabei, Diskriminierungen abzubauen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Written by lbucklitsch

September 2nd, 2015 at 12:14 pm