Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Holocaust’ Category

DLF|Publizist Brumlik zu „Auschwitz on the beach“

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„Preis für das Erregen von Aufmerksamkeit ist zu hoch“
Micha Brumlik im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Franco Berardi trage dazu bei, das historische Bewusstsein zu verunklaren, kritisiert Micha Brumlik die geplante documenta-Performance. (dpa / Hauke-Christian Dittrich)
Eine bei der documenta bevorstehende Performance sorgt für Aufregung. Mit „Auschwitz on the beach“ würden alle verlieren, kritisiert der Publizist Micha Brumlik: Der Autor Franco Berardi selbst, die NS-Opfer und auch alle, die Flüchtlingen helfen.

„Das Schlimmste ist, dass diese Performance die Hilfsbereitschaft und das Engagement für die Flüchtlinge empfindlich beschädigt.“ Das sagt Micha Brumlik, Publizist und Sohn jüdischer Flüchtlinge, über den documenta-Aufreger, die Performance „Auschwitz on the beach“ des italienischen Aktivisten Franco Berardi. Außerdem trage Berardi dazu bei, das historische Bewusstsein zu verunklaren und zu verwischen, kritisiert Brumlik: „Der Preis für das Erregen von Aufmerksamkeit ist einfach zu hoch!“

Vorsicht beim Umgang mit historischen Wahrheiten
„Ich erwarte von einem Performance-Künstler, dass er sich mit der Geschichte des Vernichtungslagers auseinandergesetzt hat“, sagt Brumlik. Die Menschen seien von den Nationalsozialisten in die Gaskammern getrieben worden, die Flüchtlinge würden jedoch nicht bewusst ermordet. „Ich kann die Empörung darüber verstehen, dass eine Kaltherzigkeit in vielen europäischen Staaten gegenüber diesem Flüchtlingsschicksal vorherrscht, aber das darf nicht dazu führen, dass die historische Wahrheit verfälscht wird.“

„Ich glaube, dass er damit seinen eigenen Anliegen damit mindestens so sehr schadet, wie dem Gedenken an die ermordeten Opfer der Nationalsozialisten.“ Die Performance zu verbieten, davon hält Brumlik dann aber doch nichts: „In Gottes Namen sollte es durchlaufen, Menschen sollen dagegen protestieren und das wird es dann auch gewesen sein.“

Mehr zum Thema
Aus den Feuilletons – „Auschwitz am Strand“ – Darf man das?
(Deutschlandfunk Kultur, Kulturpresseschau, 20.08.2017)

„Der Aufstand“ von Franco Berardi – „Demokratie als solche spielt keine Rolle mehr“
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 16.04.2015)

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August 22nd, 2017 at 6:50 am

swr| Gábor Paál im Gespräch mit Micha Brumlik

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15.6.2017 | 15.05 Uhr | 56:45 min

Verfügbar bis: 5.12.2022, 17.00

 

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Juni 14th, 2017 at 4:38 pm

neues deutschland: Brumlik für Behandlung von „Mein Kampf“ an Schulen – „Hitler muss entmythologisiert werden“

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Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik hat die Entscheidung des bayrischen Landtages begrüßt, die neue kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ an Schulen zu behandeln. Es müsse darum gehen, den Autor zu „entmythologisieren“, schreibt Brumlik in einem Gastbeitrag für die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“ (Freitagausgabe). Lese man die vom Münchner Institut für Zeitgeschichte kommentierte Ausgabe, dann werde klar, dass Hitlers Weltanschauung „nichts anderes war als das wirre Konglomerat einer persönlichen Paranoia und esoterischer Wahnvorstellungen“, so der emeritierte Professor der Universität in Frankfurt am Main. Wie es geschehen konnte, „dass ein großer Teil der Deutschen diesem Mann und seiner Weltanschauung bis zum bitteren Ende eines Krieges ungebrochen folgte“, sei die entscheidende Frage, die „in einer Zeit, in der sich in Gestalt der AfD weltanschauliche Paranoia wieder politisch organisiert“, besonders dringend mit Schülern erörtert werden müsse.

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Mai 13th, 2016 at 8:31 am

JA| Appell an die Kultusminister: NS-Pädagogik soll Pflichtstoff werden

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von Astrid Ludwig

Mit einem bundesweiten Appell, die Verbrechen, Ideologie und Pädagogik der Nationalsozialisten zu einem festen Bestandteil im Studium der Erziehungswissenschaften zu machen, haben sich die Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik und Benjamin Ortmeyer an die Kultusministerkonferenz, die Wissenschaftsministerien der Länder und die Hochschulen gewandt.

Die beiden Wissenschaftler haben die deutschlandweit einmalige Forschungsstelle für NS-Pädagogik an der Frankfurter Goethe-Universität aufgebaut und setzen sich seit Jahren dafür ein, dass die »Erziehung nach Auschwitz« kein Spezialthema im Studium angehender Pädagogen und Lehrer bleibt, sondern zum Pflichtprogramm zählt.

UNTERZEICHNER »Die Problematik und die Grenzen des pädagogischen Berufes wurden nirgends so deutlich wie in Theorie und Praxis der NS-Pädagogik, die ihren festen Bestandteil an der Verbreitung der NS-Ideologie und der Vorbereitung der mörderischen NS-Verbrechen hatte«, schreiben Brumlik und Ortmeyer in ihrem Appell, der von fast 200 Persönlichkeiten, Politikern und Wissenschaftlern unterzeichnet wurde.

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Oktober 22nd, 2015 at 2:36 am

main-echo| Benjamin Ortmeyer: Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler fordert stärkere Auseinandersetzung mit NS-Zeit

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Er ist ein Mann kla­rer Wor­te und scheut kei­ne Kon­fron­ta­ti­on – auch wenn ihm das nicht im­mer Zu­stim­mung ein­bringt. Ben­ja­min Ort­mey­er ist Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­ler und lei­tet die NS-For­schungs­s­tel­le an der Frank­fur­ter Goe­the-Uni­ver­si­tät.

In einem Appell, den er gemeinsam mit Micha Brumlik an die Kultusministerkonferenz, die Wissenschaftsministerien der Länder, das Bundeswissenschaftsministerium sowie alle Universitäten und Hochschulen in Deutschland richtet, ruft er dazu auf, dass die die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ihren festen Platz im Studium der Erziehungswissenschaften bekommen muss. Im Gespräch mit unserem Medienhaus erläutert er, warum er das für so wichtig hält.

Warum dieser Appell?
Es sind gebildete und Pädagogen nötig und zur Allgemeinbildung und einer humanistischen und demokratischen Orientierung wird auf jeden Fall die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen, der NS-Ideologie und der NS-Pädagogik benötigt.

Glauben Sie, dass Pädagogen, die das verinnerlicht haben, eine Wissensänderung bei Schülern bewirken können?
In der Tat. Noch wichtiger als die Argumentation ist, dass die Jugendlichen spüren, dass jemand vor ihnen steht, der sich wirklich mit diesen Fragen auseinandergesetzt hat, der es ernst meint und der weiß, worum es geht. Das setzt Fachwissen plus wirkliche Auseinandersetzung voraus, aber auch eine humanistische Grundhaltung.

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Oktober 19th, 2015 at 5:28 am

Bundestagspräsident Lammert eröffnet die Ausstellung „Israelis & Deutsche“

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Donnerstag, 15. Oktober 2015, 19 Uhr
Paul-Löbe-Haus, Foyer

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vor 50 Jahren ist Anlass für eine Ausstellung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. Sie würdigt die in diesem halben Jahrhundert gewachsene Vielfalt der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Dabei kommen vor allem die Menschen hinter den Schlagzeilen zu Wort, die durch ihren Einsatz neben den offiziellen diplomatischen Kooperationen zwischenmenschliche und oft freundschaftliche Verbindungen geschaffen haben. Die Ausstellung zeigt bewegende persönliche Geschichten, bisher unbekannte historische Fotografien und literarische Quellen.

Die Ausstellung wird von Bundestagspräsident Norbert Lammert in Anwesenheit des Botschafters des Staates Israel in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, und des Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V., Reinhold Robbe, eröffnet. Bei der Eröffnungsveranstaltung spielt das deutsch-israelische Ensemble „Spring in the Negev – Friends in Music“, das aus Musikern der Philharmonie der Nationen und des Israel Sinfonietta besteht. Die Leitung übernimmt Justus Frantz und der Solist ist der berühmte Klarinettist Giora Feidman.

Israelis & Deutsche. Die Ausstellung (Trailer) from Deutsch-Israelische Gesellschaft on Vimeo.

Die Ausstellung kann vom 16. Oktober bis 13. November 2015 besichtigt werden. Eine vorherige Anmeldung unter Tel. 030 227 38883oder info-ausstellung-plh@bundestag.de ist notwendig.

Nach der ersten Station im Deutschen Bundestag wird die Ausstellung dann bis Ende 2016 in 10 weiteren Städten gezeigt; eine hebräischsprachige Version wird in Israel an vier Standorten präsentiert. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.israelis-und-deutsche.de

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September 29th, 2015 at 11:36 am

RBB| 50 Jahre nach den Urteilen im ersten Auschwitzprozess – Interview mit Micha Brumlik

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18.08.2015 | 06:20 Min. | Verfügbar bis 26.08.2015 | Quelle: Kulturradio vom rbb

Zwei Tage dauerte die Urteilsverkündung: am 19. und 20. August 1965 wurden im ersten Frankfurter Auschwitzprozess 17 Angeklagte verurteilt. Dabei standen in diesem größten Strafprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte nicht die Befehlshaber vor Gericht, sondern die, die für die Umsetzung des Massenmordes in Auschwitz verantwortlich waren – vom ‚Funktionshäftling‘ über den Apotheker bis zu Adjutanten des Lagerkommandanten. Für den damaligen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, dessen Rolle für die Aufarbeitung der Nazi-Gräuel in Ausstellung und Filmen gerade neu beleuchtet wird, ging es dabei auch darum, eine ‚Selbstaufklärung‘ der deutschen Gesellschaft in Gang zu setzen. Welche Bedeutung diesem öffentlichen Prozess heute zukommt, erläutert Micha Brumlik, ehemaliger Direktor des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt/M und Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg.

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August 18th, 2015 at 11:17 am

Berlin| Engagement für Stolpersteine

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Jede interessierte Person kann sich allein oder gemeinsam mit anderen auf unterschiedliche Art und Weise für das Projekt Stolpersteine engagieren, zum Beispiel indem sie einen beliebig hohen Betrag spendet, um somit die Verlegung eines Steins zu ermöglichen.


Es können sich auch Einzelpersonen, Gruppen, Hausgemeinschaften, Familien, Schulklassen, politische Gruppierungen überlegen, dass sie für eine bestimmte Person einen Stolperstein verlegen lassen möchten. In einem solchen Fall können schon im Vorfeld Recherchen vorgenommen werden, die Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin unterstützt eine solche Initiative gern mit Hinweisen und Recherchetipps. Sollte bereits im Vorfeld eine Entscheidung für einen Berliner Bezirk gefallen sein, in dem die Stolpersteine verlegt werden sollen, kann man sich auch ganz gezielt an eine der zahlreichen Stolperstein-Initiativen wenden und mit ihrer Unterstützung einen Stolperstein initiieren. Abhängig davon, wie viele biographische Daten bereits bekannt sind, kommen in einem solchen Fall auf die Initiatoren noch entsprechende Recherchen zu.

Einen ähnlichen Weg können auch Angehörige von Verfolgten des Nationalsozialismus gehen. Auf der Grundlage ihres vorhandenen Wissens können sie beispielsweise bei der zuständigen bezirklichen Initiative eine Verlegung beantragen. Sind die familiär überlieferten Informationen rudimentär, können Angehörige gerne bei der Koordinierungsstelle zunächst um Hilfe bei den Recherchen biographischer Daten bitten. Read the rest of this entry »

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Juni 13th, 2015 at 8:34 am

NZ| Deutsch-Israelische Beziehungen: Es ist kompliziert

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Im Jahr 2008 hält Bundeskanzlerin Merkel eine Rede vor dem israelischen Parlament, wobei sie die historische Verantwortung Deutschlands als Staatsräson ihres Landes bezeichnet.
Im Jahr 2008 hält Bundeskanzlerin Merkel eine Rede vor dem israelischen Parlament, wobei sie die historische Verantwortung Deutschlands als Staatsräson ihres Landes bezeichnet. (Bild: Keystone / Peer Grimm)
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind seit dem Zweiten Weltkrieg durch die deutsche Schuld geprägt. Der Wandel der deutschen Gesellschaft könnte das Verhältnis nachhaltig verändern.

Es ist der 11. August 1965, als Rolf Friedemann Pauls als erster deutscher Botschafter seinen Fuss auf israelischen Boden setzt. Wenige Monate zuvor, am 12. Mai 1965, hatten sich Israel und Deutschland auf die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen geeinigt – 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Pauls will nach vorne blicken: «Wir beginnen unsere Arbeit in Israel mit großer Zuversicht», sagt er. In Israel sieht man das anders: Die Israeli empfangen den ehemaligen Wehrmachtsoffizier, der einen Arm an der Ostfront verlor, mit heftigen Demonstrationen, an denen Steine und Flaschen fliegen. Auf ihren Transparenten fordern sie «Pauls raus!» oder «Wir wollen ein Israel frei von Deutschen!». Pauls erinnert sich später in einem Brief: «Ohne das Eingreifen berittener Polizei hätte meine Abfahrt in einem Chaos geendet.» Wenige Tage später wird auch Asher Ben Nathan in Bonn begrüsst, «ohne Euphorie», wie er später sagen wird. Israels erster Botschafter in Deutschland spricht mit österreichischem Akzent: Er wurde in Wien geboren und floh 1938 vor den Nazis nach Palästina. Auch Ben Nathan tritt sein Amt positiv gestimmt an. Eine bessere Zukunft, Friede und Wohlstand zwischen den beiden Völkern sind ihm ein Anliegen. Und noch etwas ist ihm sehr wichtig: Er sagt, dass er die Worte «vergessen» und «verzeihen» nie in den Mund nehmen werde.

Die DDR als Stein im Weg

50 Jahre später sind die deutsch-israelischen Beziehungen an einem Punkt, an dem sie damals wohl niemand vermutet hätte. Am 12. Mai werden Politiker in Berlin und Jerusalem mit einem Festakt das Jubiläum feiern. Sie werden von Verantwortung und moralischer Verpflichtung sprechen und darüber, wie gut die Verbindungen zwischen den beiden Ländern heute sind. In vielerlei Hinsicht ist das tatsächlich so: Die Zahl der israelischen Touristen in Berlin hat sich in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht. Rund 100 000 Israeli besitzen heute einen deutschen Pass. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist eine der beliebtesten ausländischen Politikerinnen in Israel. Umgekehrt ist bei jungen Deutschen kaum ein Land als Reiseziel so beliebt wie Israel, deutsche Billigairlines fliegen mehrmals täglich nach Tel Aviv. Zwei Drittel der jungen Freiwilligen in Israel, die sich um Holocaustüberlebende oder Friedensinitiativen bemühen, sind Deutsche.

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Deutschlandradio Kultur| Vergeben als psychologische Geste – Micha Brumlik im Gespräch

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LÜNEBURGER AUSCHWITZ-PROZESS: Vergeben als psychologische Geste

Micha Brumlik im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

Die Auschwitz-Überlebende Eva Kor sitzt am 21.04.2015 im Gerichtssaal in Lüneburg (Niedersachsen) (pa/dpa/Stratenschulte)
Die Auschwitz-Überlebende Eva Kor hat dem Angeklagten und früheren SS-Mann Otto Gröning vergeben (pa/dpa/Stratenschulte)

Darf es nach Auschwitz überhaupt ein Verzeihen geben? Darüber wird nach der öffentlichen Geste der Überlebenden Eva Kor im Prozess gegen den SS-Mann Otto Gröning diskutiert. Der Publizist Micha Brumlik warnt davor, von außen Urteile über die Handlungen der Opfer abzugeben.

Die öffentliche Vergebung der Auschwitz-Überlebenden Eva Kor im Prozess gegen den früheren SS-Mann Otto Gröning hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Kor hatte ihm am zweiten Verhandlungstag dafür gedankt, dass er seine moralische Mitschuld eingestanden und den Holocaust nicht geleugnet habe.

Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler, Publizist und langjähriger Leiter des Fritz Bauer Instituts, bewertet die Geste Eva Kors vor allem als psychologische Handlung:

„Wenn es dieser alten Dame das Leben und Weiterleben erleichtert, zu vergeben, dann gibt es dagegen überhaupt nichts einzuwenden.“

Es bestünden allerdings Zweifel daran, ob der Täter tatsächlich aufrichtig bereut und sein Verbrechen eingesehen habe, so Brumlik:

„Wenn man sich die Begriffswahl ansieht, mit der er darüber gesprochen hat, wie die sterblichen Überreste der Ermordeten verbrannt wurden – wenn er davon geredet hat, dass diese ‚entsorgt‘ wurden – dann lässt das nicht auf besonderes Feingefühl schließen.“

Gröning hatte „gute Gründe“ für sein Schuldeingeständnis

Ein „etwas ausführlicheres Bekenntnis“ des Angeklagten wäre seiner Auffassung nach sinnvoll gewesen, meinte Brumlik. Man dürfe nicht vergessen, dass Gröning gute Gründe gehabt habe, im Prozess auf diese Weise aufzutreten:

„Immerhin drohen ihm ja in seinem hohen Alter noch drei Jahre Gefängnis. Und in diesem Fall ist jeder gut beraten, wenn er vor Gericht seine Schuld eingesteht. Über die Authentizität dessen können wir nicht urteilen.“

Das Leid der Nebenkläger

Für die Nebenkläger sei es wichtig, dass das ihnen widerfahrene Leid in diesem Prozess auch offiziell als „moralisch verurteilungswürdig und abscheulich“ festgehalten werden,  sagte Brumlik:

„Menschen reagieren auf erlittenes Unrecht unterschiedlich. Die einen wollen Gerechtigkeit, die anderen wollen sich von der Last des erlittenen Unrechts befreien. Ich glaube nicht, dass es gleichsam von außen möglich ist, hier Urteile abzugeben. Jedenfalls nicht über die Opfer.“

 

Quelle: Deutschlandradio Kultur

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April 28th, 2015 at 7:45 pm

TAZ| Erste deutsche Holocaust-Professur: Wurde auch Zeit

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Eine Professur für Holocaust-Forschung fehlte in Deutschland bisher. Am Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt wird dies nun geändert.

Das KZ in Auschwitz als Forschungsgegenstand. Bild: ap

FRANKFURT AM MAIN taz | 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird es auch in Deutschland die erste reguläre Holocaust-Professur geben, eine Stelle, die sich einzig und alleine der Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocausts annimmt. Wie das hessische Wissenschaftsministerium in der vergangenen Woche mitteilte, entsteht sie am Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt. Damit schließen die Hessen eine Lücke in der deutschen Forschungslandschaft.

Einen Master in Holocaust und Genocide Studies oder einen Bachelor in Holocaust-Forschung bieten Universitäten in Schweden, den Niederlanden, Österreich und den USA schon längst an – inklusive zugehöriger Professuren.

Auch in Deutschland forschen einige Institute dazu, beispielsweise das Institut für Zeitgeschichte in München, das Simon-Dubnow-Institut für Jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig oder das Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Eine Professur gibt es bislang aber nirgendwo.

Auch nicht am Frankfurter Fritz-Bauer-Institut. „Mit seiner Ausrichtung ist es in Deutschland einmalig“, erklärt Micha Brumlik, Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Als einzige Einrichtung beschäftige sich das Fritz-Bauer-Institut schwerpunktmäßig mit der Erforschung des Holocausts und dessen Wirkung auf die folgenden Generationen.

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Written by lbucklitsch

April 23rd, 2015 at 9:45 am