Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Krieg’ tag

Frankfurt| „Schon wieder – Antisemitische Parolen auf deutschen Straßen“ | 23. September, 19 Uhr, ins Casino der Stadtwerke

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„Schon wieder – Antisemitische Parolen auf deutschen Straßen“
Podiumsdiskussion der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums

Bei großen Demonstrationszügen in Deutschland wurden in diesem Sommer immer wieder judenfeindliche Parolen gerufen. Veranstalter dieser Demonstrationen waren keineswegs die bekannten rechtsextremistischen Parteien oder Gruppierungen.

Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums nimmt diese Vorgänge zum Anlass, am Dienstag, 23. September, 19 Uhr, ins Casino der Stadtwerke, Kurt Schumacher Straße 8, zur Diskussion „Schon wieder – Antisemitische Parolen auf deutschen Straßen“ einzuladen.

Auf dem Podium: Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler und Publizist; Daniel Cohn-Bendit, Publizist und Politiker der Grünen; Stefanie Schüler-Springorum, Historikerin und Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin; ab. Esther Schapira, Ressortleiterin der Abteilung Zeitgeschichte beim HR Fernsehen, wird die Diskussion moderieren.
Um Anmeldung wird gebeten bei Christine Wern, Telefon (069)21234856, E-Mail:christine.wern@stadt-frankfurt.de .

Written by lbucklitsch

September 17th, 2014 at 1:37 pm

ZDF| Gastkommentar zum Gaza-Konflikt – Die letzte Chance – Micha Brumlik

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Gastkommentar von Micha Brumlik

Das Machtwort des UN-Sicherheitsrates im Gaza ist möglicherweise ein erster Schritt zur Lösung des mehr als einhundert Jahre alten Konflikts zwischen Juden und Palästinensern. Das  Ende der Offensive ist eine der letzten Chancen für Frieden – und eine Zweistaatenlösung.

Möglicherweise wird der Appell des UN-Sicherheitsrates zur Feuerpause im Rückblick als erster Schritt zur Lösung des mehr als einhundert Jahre alten Konflikts zwischen Juden und palästinensischen Arabern in die Geschichte eingehen. Es könnte sein, dass der durch die Ermordung jüdischer und arabischer Jugendlicher ausgelöste Gazakrieg jenes Ereignis ist, dessen es bedurfte, um Israelis und Palästinenser zu jenem Frieden zu zwingen, den sie aus eigener Kraft nicht schließen können.

Ebenso gut ist aber denkbar, dass sich dieser Krieg bei gescheiterten Friedensbemühungen als die letzte, leider vertane Chance erweisen wird, Israels Weg in einen Apartheidstaat aufzuhalten.

Geographische Bedingungen für „Zwei-Staaten-Lösung“ nicht mehr gegeben

 

 

ZUR PERSON
Micha BrumlikDer Frankfurter Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik, 65, leitete das Fritz-Bauer-Institut zur Erforschung des Holocaust.

 

 

Es waren ehemalige Chefs des israelischen Geheimdienstes, zuletzt Yuval Diskin, die nachgewiesen haben, dass eine Rückführung der halben Million jüdischer Siedler in Jerusalem und im Westjordanland schon jetzt kaum noch möglich ist. Damit aber und mit einem auf Dauer unbefriedeten Gaza sind die geographischen Bedingungen für eine Zweistaatenlösung nicht mehr gegeben: Schon jetzt ist der Staat Israel mitsamt dem völkerrechtswidrig okkupierten Westjordanland nur unerheblich größer als das ganze Bundesland Hessen.

Absehbar ist zudem, dass der Anteil arabischer Bewohner in Israel und dem Westjordanland kontinuierlich steigen wird. Im Israel der Grenzen von 1967 leben heute etwas mehr als sechs Millionen Juden und etwas weniger als zwei Millionen Araber; im Westjordanland – den östlichen Teil Jerusalems eingerechnet – leben eine halbe Million Juden sowie über zwei Millionen Araber bei kontinuierlich steigender Geburtenrate.

Jeder Blick auf eine Karte des Westjordanlandes mit seinen verschiedenen Zonen und Straßen, auf denen nur israelische Autos fahren dürfen, zeigt ein Territorium nach dem Muster eines Flickenteppichs, das sich jeder einheitlichen Staatlichkeit entzieht. Bei alledem war von den gewalttätigen Übergriffen rechtsradikaler israelischer Siedler auf ihre palästinensischen Nachbarn noch keine Rede.Amerikanische Unterstützung schwindetKein Geringerer als US-Außenminister John Kerry hat davor gewarnt, dass sich Israel bei andauernder Besatzung zu einem „Apartheidstaat“ entwickeln werde. Bei dem Vergleich mit dem Staat Südafrika vor 1990 ging es ihm nicht um Rassismus, sondern um den Hinweis, dass dort eine weiße Minderheit über Jahrzehnte die schwarze Mehrheit von demokratischer Selbstbestimmung ausgeschlossen hat.

Kerry nahm seine Äußerung zwar wieder zurück, dennoch zeigt sich andeutungsweise, dass die amerikanische Unterstützung für die  Regierung Netanjahu ihrem Ende entgegengeht. Nicht nur hat Israel selbst erklärt, dass Außenminister Kerry den Palästinensern gegenüber zu nachgiebig sei. Nein, auch die inzwischen aufgehobene Einstellung amerikanischer Flüge nach Israel war bereits ein deutliches Zeichen. Der Appell des Sicherheitsrats, in dem die USA ständiges Mitglied sind, ergänzt dies.
Der jetzt vom Sicherheitsrat ergangene Ruf nach einer Feuerpause gewinnt an politischem Gewicht, wenn man sich klar macht, dass die Beziehungen zwischen dessen ständigen Mitgliedern, nämlich Russlands und Chinas hier, Frankreichs, Großbritanniens und der USA dort sich derzeit auf einem Tiefpunkt befinden. Doch scheint der Gazakrieg den verfeindeten Mächten die Gelegenheit zu geben, wenigstens auf einem Gebiet wieder Einigkeit zu zeigen – dem Krieg in der Ukraine und dem mörderischen Bürgerkrieg in Syrien zum Trotz.

Konflikt kann nur zivil gelöst werden

Die rechtlich zwar nicht bindende, aber symbolisch umso gewichtigere Erklärung des Sicherheitsrates zielt nicht nur auf eine humanitäre Feuerpause ab, sondern auf einen mittelfristigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas, der – von den UN und Großmächten geschickt moderiert – schließlich zur überfälligen Gründung eines demilitarisierten palästinensischen Staates in Gaza und im Westjordanland führen könnte.
Sollte allerdings diese letzte Chance vertan werden, wird das über einhundert Jahre alte zionistische Projekt, bei dem es stets um mehr als nur um einen jüdisch dominierten Staat ging, unwiderruflich gescheitert sein. Und zwar unbeschadet der Tatsache, dass der Staat Israel, der die viertstärkste Armee der Welt unterhält, militärisch nicht zu besiegen ist.
Der Appell des Weltsicherheitsrates eröffnet den auch nur halbwegs moderaten Kräften in Israel und unter den Palästinensern die Gelegenheit, ihrer Bevölkerung zu verdeutlichen, dass der Konflikt nur zivil gelöst werden kann. Kriege erweisen sich im Leben der Völker – ja, der Völker ! – als Krisen. Krisen aber bieten, im individuellen wie im politischen Leben, Risiken und Chancen. Es könnte sein, dass der Gazakrieg und sein hoffentlich erzwungenes Ende die letzte Chance Israels war, den Zionismus zu retten.

Quelle: ZDF

 

Written by lbucklitsch

Juli 28th, 2014 at 1:35 pm

Deutschlandradio Kultur| 100 JAHRE ERSTER WELTKRIEG – „Du sollst nicht töten!“

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Über die Beziehung von Christentum und Krieg Von Stefanie Oswalt
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Nachdem am 1. August 1914 durch Kaiser Wilhelm II. die allgemeine Mobilmachung verkündet worden ist, ziehen deutsche Soldaten in den Krieg.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs erfährt der Begriff „Heiliger Krieg“ Hochkonjunktur, vor allem im deutschen Protestantismus. (dpa picture alliance)

Juli 1914, die europäischen Nationen rüsten zum Krieg. Im August beginnt das Gemetzel zwischen Heeren, die zu sehr großen Teilen aus getauften Christen bestanden. Ihre Anführer waren nicht nur die Staatschefs, sondern in Personalunion auch die obersten christlichen Hirten. Rainer Kampling: „Das Grundsätzliche ist, dass das Christentum davon ausgeht, dass Krieg Kennzeichen dieser Welt ist. Also, sie kann sich zwar eine Welt ohne Krieg vorstellen, dann ist es nicht mehr diese Welt. Und Gewalt gehört zum Gründungsgeschehen des Christentums hinzu. Das kann man ja nicht schönreden.“ Jörg Lüer: „Von der Lehre ist die Kirche Sakrament – und das heißt wirksames Zeichen, Zeugnis und Werkzeug – des Friedens.“ Martin Dutzmann: „Grundsätzlich gilt das Gebot, du sollst nicht töten… und es gilt das Friedensgebot Jesu in der Bergpredigt. Von daher ist Androhung und Ausübung von Gewalt für Christenmenschen eigentlich nicht akzeptabel.“

Hass, Mord und Krieg in der Bibel

Kaum waren Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben, begann, so erzählt es die Bibel, die Gewalt: Kain ermordet seinen Bruder Abel, und von da an zieht sich eine Blutspur durch die Erzählungen der heiligen Schrift – eine regelrechte Enzyklopädie von Hass, Mord, Totschlag, Rache und Krieg bis zur Hinrichtung von Jesus von Nazareth am Kreuz. Die Auseinandersetzung über Krieg und Frieden – sie ist eine der zentralen Fragen des Juden- und des Christentums und begann, lange bevor Jesus von Nazareth in der Bergpredigt seine Vision vom Frieden verkündete. Bis heute arbeiten wir uns dabei an den vielen Widersprüchen besonders in den Texten des Alten Testaments ab. Sie sind Folge der Entstehungsgeschichte der Bibel, erklärt der jüdische Religionsphilosoph Michael Brumlik: „Die Bibel ist eine Sammlung verschiedener Bücher, und entsprechend gibt es in der Sammlung verschiedener Bücher ganz verschiedene Gottesbilder. Da haben wir natürlich den einen gütigen Schöpfer der Erde und des Himmels und der Menschen und der Tiere. Dann haben wir auf der anderen Seite aber auch einen Gott, der dem Volk Israel in Treue verbunden ist und deswegen gegen dessen Feinde Feindschaft und Krieg walten lässt. Dann gibt es aber wieder den Gott des Völkerrechts, wie wir ihn etwa beim Propheten Amos finden.“ Viele dieser Gottesbilder seien als Reaktion auf die blutrünstigen Götter der Assyrer entstanden sagt Brumlik, doch schon in den frühen Texten finde sich die Sehnsucht nach Ordnung und Frieden: „Friede heißt ja Pax und auf hebräisch Shalom. Und Shalom heißt das Allumfassende, das Ganze. Und dieses allumfassende Ganze hat man sich als ein friedliches Zusammenleben der Völker, aber auch von Mensch und Tier vorgestellt.“ So schreibt der Prophet Jesaja im Kapitel 2, Vers 3-4: „Denn von Zion kommt die Weisung des Herren, aus Jerusalem sein Wort. Er spricht Recht im Streit vieler Völker, er weist mächtige Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk wird nicht mehr das andere angreifen, und übt nicht mehr für den Krieg.“ Read the rest of this entry »

Written by lbucklitsch

Juli 14th, 2014 at 3:26 am