Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Martin Luther’ tag

FNP| Buber-Rosenzweig-Medaille: Der suchende Publizist

without comments

Seit über 30 Jahren setzt sich Micha Brumlik für die Verständigung zwischen Christen und Juden ein. Am Sonntag erhält der deutsch-jüdische Publizist dafür die Buber-Rosenzweig-Medaille.

Micha Brumlik ist mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.Foto: Stefan Heinze (epd)Micha Brumlik ist mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden.

Seine Stimme hat die weiche Frankfurter Färbung. Das gibt ihr Leichtigkeit und macht sie sympathisch. Leger und unkonventionell wirkt auch der graukarierte Anzug, unter dem Micha Brumlik einen bordeauxroten Pullover und eine Krawatte trägt. Leicht gemacht hat es sich der prominente Publizist und Professor für Erziehungswissenschaften allerdings nie: Er ist ein Mann mit Rückgrat, ein Suchender. Sein Leben ist voller Wendepunkte, die er zumeist selbst herbeigeführt hat.

Gestern wurde der 68-Jährige in Hannover mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Die Auszeichnung wird einmal jährlich für besondere Verdienste bei der Verständigung von Christen und Juden vom „Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ verliehen. Bundespräsident Joachim Gauck kam, die evangelische Theologin Margot Käßmann hielt die Laudatio.

weiterlesen

NDR| Die dunkle Seite Luthers

without comments

von Jan Ehlert
Micha Brumlik, Claus Röck, Dorothea Wendebourg, Thomas Kaufmann © NDR Fotograf: Anna Bohaumilitzky

Auf dem NDR Kultur Podium: Micha Brumlik, Claus Röck, Dorothea Wendebourg, Thomas Kaufmann (v.l.n.r.)

2017 feiert die Evangelische Kirche in Deutschland das Reformationsjubiläum, also den 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg, die zur Gründung der Evangelischen Kirche führten. Doch: Es gibt noch eine andere, dunkle Seite Martin Luthers. Sein Antisemitismus. Woher kam dieser? Und was heißt das für das Reformationsjubiläum? Das war Thema einer Podiumsdiskussion von NDR Kultur, die im Rahmen der Martinstage in den Hamburger Kammerspielen stattfand.

Luthers Hetzschriften – Wie sind sie zu deuten?

Es sind entsetzliche Ratschläge, die Martin Luther niederschrieb. Aufrufe zu Gewalt und Mord an den Juden, die viele im Publikum in dieser Deutlichkeit nicht erwartet hatten.

“Verbrenne ihre Synagogen, zwinge sie zur Arbeit und gehe mit ihnen nach aller Unbarmherzigkeit um, wie Moses in der Wüste tat, der 3.000 totschlug, dass nicht der ganze Haufen verderbe. Will das nicht helfen, so müssen wir sie wie die tollen Hunde ausjagen, damit wir nicht ihrer gräulichen Lästerung und aller Laster teilhaftig mit ihnen Gottes Zorn verdienen und verdammt werden.”aus “Die Juden und ihre Lügen” von Martin Luther (1543)

Prof. em. Dr. Micha Brumlik © NDR Fotograf: Anna Bohaumilitzky

Publizist Micha Brumlik sieht Luther als Vorbild für Nationalsozialisten wie Julius Streicher.

Der jüdische Publizist Micha Brumlik ging sogar noch weiter. Wenn Luther solche Texte geschrieben habe, dann sei es nicht überraschend, dass Nationalsozialisten wie der Herausgeber des antisemistischen Hetzblatts “Der Stürmer”, Julius Streicher, sich auf ihn als Vorbild berufen hätten. “Julius Streicher hat vor dem Nürnberger Tribunal gesagt, wenn statt meiner Doktor Martin Luther hier stünde, dann müsste er angeklagt werden. Das ist insofern richtig, als Martin Luther bis auf die Vergasung alles gefordert hat, was die Nationalsozialisten schließlich exekutiert haben”, so Brumlik.

weiterlesen

Written by lbucklitsch

November 14th, 2015 at 7:44 am

idea| Juden haben beim Luther-Gedenken nichts zu suchen

without comments

Berlin (idea) – Der Reformator Martin Luther (1483-1546) hat den christlichen Antijudaismus verstärkt und zugespitzt. Deswegen haben Juden beim öffentlichen „Gedenken“ an Luther während des 500-jährigen Reformationsjubiläums 2017 nichts zu suchen. Das schreibt der jüdische Erziehungswissenschaftler und Publizist Prof. Micha Brumlik in der Jüdischen Allgemeinen (Berlin) vom 29. Oktober. Der Begriff „Gedenken“ bedeute, die „Opfer der Geschichte“ ins Gedächtnis zu rufen. Zu diesen Opfern zähle Luther nicht: „Umgekehrt wurden Juden zu Opfern seines theologischen und politischen Judenhasses.“ Aus Sicht von Brumlik wäre es eine andere Situation, wenn es statt ums Gedenken um das „kritische Erinnern“ ginge.

weiterlesen

Written by lbucklitsch

Oktober 30th, 2015 at 8:32 pm

JA| REFORMATION – Kritisches Erinnern

without comments

Warum sich Juden nicht am Luther-Gedenken beteiligen sollten, aber viel dazu sagen können

29.10.2015 – von Micha BrumlikMicha Brumlik

 

Kein Zweifel: Im 19. Jahrhundert fand Martin Luther unter liberal und republikanisch gesonnenen Juden glühende Anhänger. »Aber dieser Martin Luther«, so Heinrich Heine in seiner Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, »gab uns nicht bloß die Freiheit der Bewegung, sondern auch das Mittel der Bewegung, dem Geist gab er nämlich einen Leib. Er gab dem Gedanken auch das Wort. Er schuf die deutsche Sprache.«

Auch der Publizist Saul Ascher, ein Zeitgenosse Heines und einer der schärfsten Kritiker des aufkommenden Antisemitismus, ein Mann, dessen Bücher von völkischen Studenten verbrannt wurden, lobte Luther.

Mehr noch: Manchen Zeitgenossen, die das Judentum reformieren wollten, galt dieser kompromisslose Bekämpfer des Antisemitismus als der »Luther des Judentums«. Das freilich wäre kaum möglich gewesen, wenn liberale und reformorientierte Juden in der Mitte des 19. Jahrhunderts Martin Luthers Schriften über das Judentum zur Kenntnis genommen hätten, Schriften, die damals erhältlich und einsehbar waren und von den Antisemiten eifrig genutzt wurden. Etwa von Hartmut von Hundt-Radowsky, der in seinem Pamphlet Die Judenschule aus dem Jahr 1822 auf judenfeindliche Bemerkungen aus Luthers Tischreden Bezug nimmt.

BLAUPAUSE Ob, wem und wie sehr und ab wann genau Luthers 1543 erschienene Schrift Von den Juden und ihren Lügen bekannt war, ist noch immer Gegenstand eines Streits unter Philologen. Kein Zweifel kann indes daran bestehen, dass diese Schrift – mit Ausnahme der Gaskammern – eine Blaupause all jener verbrecherischen Maßnahmen – von der Verbrennung von Synagogen über die Zwangsarbeit bis hin zur Vertreibung – enthält, die das nationalsozialistische Deutschland Europas Juden antat.

weiterlesen

Written by lbucklitsch

Oktober 30th, 2015 at 7:55 pm