Micha Brumlik, Publizist und Autor

Erziehungswissenschaft, Religionsphilosophie, Politik

Archive for the ‘Nationalsozialist’ tag

Rheinfalz| Micha Brumlik; „Es geht um staatsbürgerliche Verantwortung“

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INTERVIEW: Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik über das Gedenken an Auschwitz

„70 Jahre nach Auschwitz: Aufgaben für Bildung in Universität und Schule“ – so lautet der Titel eines Vortrags von Micha Brumlik morgen in Landau. Der Erziehungswissenschaftler wurde 1947 als Sohn jüdischer Flüchtlinge in der Schweiz geboren und wuchs in Frankfurt auf. Später leitete er dort das renommierte Fritz-Bauer-Institut, ein Zentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Heute lehrt er am Zentrum jüdische Studien in Berlin. Mit ihm sprach Ilja Tüchter.

Herr Professor Brumlik, wann waren Sie das letzte Mal in Oswiecim? (Überlegt kurz.)

1989, im September.

Das war das einzige Mal? Ja, das erste und bisher einzige.

Wieso? Das hat keinen tieferen Grund. Es gibt nichts, was mich noch einmal dort hingezogen hätte. Entscheidend ist, sich mit der politischen und moralischen Deutung des Holocaust auseinanderzusetzen. Und das habe ich, meine ich, im Laufe meines Lebens ausgiebig getan.

Daran besteht kein Zweifel. Ich stelle die Frage, weil es ja auch den Begriff des KZ-Tourismus gibt, die Kritik, dass solche Besuche auch oberflächlich sein können.

Ganz klar. Solche Reisen erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn sie erstens sehr, sehr gut vorbereitet und zweitens sehr, sehr gut nachbereitet werden. Wenn man nur ein paar Gebäude anschaut, kann man es auch gleich lassen.

Wann haben Sie das erste Mal vom Holocaust erfahren?

Ansatzweise als Kind aus den Erzählungen meiner Mutter, die einen großen Teil ihrer Angehörigen verloren hatte. Später dann auch durch meine Erziehung in der zionistischen Jugendbewegung.

Und in der Schule? Sie sind in Frankfurt aufgewachsen.

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Written by lbucklitsch

Januar 28th, 2015 at 9:39 am

TAZ| Werksausgabe von Martin Heidegger – Sprung in die Irre

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Sie sollten Martin Heideggers Werke beschließen: die „Schwarzen Hefte“ von 1939 bis 1941, mit ihrer Hoffnung auf eine Welt ohne Judentum.

Nein, jetzt, nach dem Erscheinen der Bände 95 und 96 der Gesamtausgabe von Martin Heideggers Werken, der „Schwarzen Hefte“ aus den Jahren 1939 bis 1941, ist ein vernünftiger Zweifel nicht mehr möglich: Der Philosoph, der sich lieber als „Denker“ verstanden hat, war ein überzeugter Nationalsozialist. Mehr noch: Sein Denken war bis in die letzten Verästelungen nationalsozialistisch, das heißt, menschenverachtend, das Töten und Sterben verklärend sowie gewollt widervernünftig.

Dieser Befund resultiert aus zwei Umständen: Zum einen sind die nun publizierten Texte alles andere als flüchtige Notizen des Tages, versuchsweise hingeschrieben und dann dem Lauf der Zeit überlassen; nein, es handelt sich um sorgfältige, wohlüberlegte, immer wieder um Genauigkeit von Sache und Ausdruck bemühte Niederschriften. Zum anderen: Diese Aufzeichnungen sind vom Autor, der 1976 im Alter von siebenundachtzig Jahren bei klarem Bewusstsein gestorben ist, gewollt als Abschluss der Gesamtausgabe seiner Werke verfügt worden.

Das lesende Publikum hat also zu respektieren, dass Heideggers „denkerisches Vermächtnis“ in einem glasklaren Bekenntnis zum Nationalsozialismus besteht. Und zwar trotz aller Kritik, die er im Einzelnen an der Universität im Nationalsozialismus, der biologistischen Fassung des Rassedenkens, ja sogar an Hitler selbst geübt hat.

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Written by lbucklitsch

März 16th, 2014 at 5:38 pm